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Full text of "Die Lehre von der Krebskrankheit : von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart"

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THE SCHOOL OF 

MEDICINE 



OTTOHARRASSOWITZ 

BUCHHANDLUNG 

: LEIPZIG: 



DIE LEHRE 



VON DER 



KREBSKRANKHEIT 

VON DEN 
ÄLTESTEN ZEITEN BIS ZUR GEGENWART 



VON 



SANITÄTSRAT PROF. DR. JACOB WOLFF 

PRAKT. ARZT IN BERLIN 

III. TEIL 
ERSTE ABTEILUNG 

STATISTIK. TIER- UND SOGENANNTER PFLANZENKREBS 

MIT 88 TABELLEN 




JENA 

VERLAG VON GUSTAV FISCHER 

1913 



Alle Rechte vorbehalten. 



■ Mf 



- 









Vorwort. 



Die Anerkennung, die auch der zweite Teil dieses Werkes bei 
den Fachgenossen des In- und Auslandes gefunden hat*), haben mich 
veranlaßt, nunmehr auch den dritten Teil in monographischer 
Darstellung zu veröffentlichen. 

Ich habe mich entschlossen, diesen Teil in zwei Abteilungen 
erscheinen zu lassen. 

Der vorliegende Abschnitt behandelt die Statistik, den Tier- 
und sogenannten Pflanzenkrebs. Ich bemerke, daß in dem statisti- 
schen Teile die Bezeichnung „Krebs" nur als allgemeine Be- 
zeichnung für alle bösartigen Geschwülste aufgefaßt werden 
muß, da eine Einteilung in bestimmte, bösartige Geschwulstgruppen 
in den statistischen Nachweisen in der Regel bisher nicht zum Aus- 
druck gebracht werden konnte. 

Ich habe auch noch in der vorliegenden Arbeit den „Pflanzen- 
krebs" besprochen, obwohl dieser mit dem menschlichen Krebs 
eigentlich nichts zu tun hat. In neuester Zeit sind jedoch wieder Unter- 
suchungen veröffentlicht worden, welche die Pflanzengeschwülste 
in den Vordergrund des Interesses gebracht haben. 

Der zweite Abschnitt wird die Therapie des Krebses (ope- 
rative und nichtoperative) behandeln und das Werk zum Abschluß 
bringen. 

Erfc-Sach- und Autorenregister für beide Abschnitte wird 
dann dem letzten Abschnitte beigefügt werden. 



*) Nur ein einziger Kritiker, der den zweiten Teil meines Werkes im wesent- 
lichen als statistische Arbeit bezeichnet hat — obwohl die Statistik nur gestreift 
worden ist — bemängelte auch das F e h 1 e n der Besprechung der therapeutischen 
Maßnahmen gegen die Krebskrankheit in einem so groß angelegten Werke. 

Dieser Kritiker hatte aber nicht einmal das Vorwort zum 
zweiten Bande gelesen — das ist doch das mindeste, was man von einem 
Keferenten verlangen muß! Im Vorwort habe ich ausdrücklich betont, daß Statistik 
und Therapie in einer besonderen Monographie behandelt werden sollen! 

Berlin, im Mai 1913. 

Der Verfasser. 



Digitized by the Internet Archive 

in 2012 with funding from 

Open Knowledge Commons and Yale University, Cushing/Whitney Medical Library 



http://archive.org/details/dielehrevonderkr03wolf 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 
Vorwort III 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die 

Krebskrankheit 1— 96 

Allgemeine Betrachtungen über die Verbreitung der Krebskrankheit 3 

Topographische und geologische Verhältnisse und ihre 

Beziehungen zur Krebskrankheit 3—15 

Haviland's Wassertheorie, Stütze für die parasitäre Entstehung des 
Krebses. Anhänger derselben in Frankreich, England und Deutschland. 

Krebshäuser und endemisches Auftreten des Krebses. Einfluß von 
Berg und Tal auf die Ausbreitung des Krebses. 

Geologische Verhältnisse und deren Einfluß auf die Krebsverbreitung. 

Gegner von Haviland's Bodentheorie. Einfluß der Fleischnahrung 
und der Wohlhabenheit. Mangelhafte, statistische Unterlagen 
als Beweismittel für diese Theorien. Heredität und Inzucht. 

Der Einfluß von Klima, Rasse und Religion auf die Verbreitung 

der Krebskrankheit 16—43 

Klima: Aeltere Anschauungen über den Einfluß des Klimas auf die Ver- 
breitung der Krebskrankheit: Ungünstige Einwirkung des heißen 
Klimas. Immunität der arktischen und tropischen Zone und 
des Orients. 
Neuere Untersuchungen: Ausbreitung des Krebses über die ganze Erde. 
Arktische Zone : Vorkommen des Krebses in Grönland, auf denLofoten, 
in Island und auf den Faröern. Ungünstiger Einfluß bei Ab- 
wanderung nach Dänemark. Statistik. 
Schwarze Rasse: 

Afrika: Aeltere Mitteilungen über Vorkommen von Krebs bei den 
Ureinwohnern von Afrika. Englische, deutsche und portu- 
giesische Kolonien. Abessynien. 

Australien und Polynesien: Scheinbare Zunahme der Krebssterb- 
lichkeit bei den Eingeborenen in Australien. Verhältnis der Krebs- 
sterblichkeit zwischen Eingeborenen und Eingewanderten. 
Schwierigkeit des statistischen Nachweises. Eucalyptus als Prophylacticum. 
Neu-Seeland: Malaria und Krebs verbreitun g. Zunahme der Krebs- 
todesfälle bei den Eingeborenen. Vergleichende Statistik. 
Vorkommen von Krebs auf den Sandwichs-Inseln. 
Verhältnis der Krebssterblichkeit zwischen der schwarzen und 
weißen Rasse in Amerika : 
Nordamerika: Geringere Krebssterblichkeit der schwarzen Rasse. 
Statistik. 



VI Inhaltsverzeichnis. 

Seite 

Zentralamerika und Westindien: Seltenes Vorkommen von Uterus- und 
Mammakrebs (Nicaragua, Antillen). 

Südamerika: Häufiges Vorkommen von Krebs bei den Negern in Columbia. 
Gehäuftes Vorkommen von Uteruskrebs in Brit. Guiana. Angebliche 
Immunität der schwarzen Kasse in Brasilien. 

Einfluß der Bässen mischung auf die Krebssterblichkeit in Nordamerika. 

Erklärungen für die geringe Disposition der schwarzen Kasse zur Krebs- 
erkrankung: 

Hygienische Einflüsse: Geschlechtsverkehr. Vegetarianische Diät. 
Alkoholabstinenz. Angebliche Immunität nach Malariainfektion. Größere 
Sterblichkeit im präcancerösen Alter. Tuberkulose und Carcinom. 

Anatomische Unterschiede: Hautpigment als Schutz gegen Hautkrebs. 
Gutartige Geschwülste bei den Negern. 

Einfluß der Zivilisation auf die Krebserkrankung der schwarzen Kasse. 
Aerztliche Behandlung. Verlängerung der Lebensdauer durch bessere 
Hygiene. Laker's Keimblättertheorie und Kultur. 

Hindus : Häufiges Vorkommen von Krebs. Statistische Untersuchungen (Punjab, 
Kashmir, Bombay, Travancore, Ceylon, Calcutta). Gehäuftes Vorkommen 
von Penis- und Mammakrebs. Betelkauen und Krebs der Mund- 
schleimhaut. Einfluß der Lebensweise auf die Krebserkrankung. 
Seltenheit des Magenkrebses. 

Krebssterblichkeit in Cochinchina. 

Chinesen: Disposition der Chinesen zur Krebserkrankung. Statistik von 
Hongkong. Animalische Kost und Magenkrebs. Seltenheit des Magen- 
krebses. Geringe Krebssterblichkeit bei den armen Chinesen. Uterus- 
und Mammakrebs in Shangai. 

Gehäuftes Vorkommen von Krebs bei den ausgewanderten Chinesen in 
Nordamerika und Australien. 

Japaner: Häufigkeit des Oesophaguskrebses bei den Saketrinkern. 
Seltenheit von Hautkrebs. Reinlichkeit der Japaner. Vermehrtes Vor- 
kommen von Krebs der Oberlippe. Allgemeine Statistik. Geringe 
Sterblichkeit der ausgewanderten Japaner. Mäßigkeit der 
Japaner. 

Mohammedaner: Aeltere Berichte. Neuere Untersuchungen über die Krebs- 
sterblichkeit der Mohammedaner. Seltenheit des Peniskrebses. 

Europäische Rassen: Unterschied zwischen Komanen und Deutschen in 
bezug auf Krebssterblichkeit. Franzosen und Italiener. Selteneres 
Vorkommen in den polnischen Provinzen Deutschlands. 

Krebssterblichkeit und Körpergröße. Brünetter und blonder 
Typus. Dolichocephalen. 

Juden: Seltenes Vorkommen von Penis- und Lippenkrebs. Statisti- 
sche Untersuchungen über die Disposition der Juden zur Krebserkran- 
kung. Geringere Krebssterblichkeit in Krakau, Amsterdam, 
London. Kritische Würdigung dieser Angaben. Einfluß der Armut 
resp. Wohlhabenheit auf die Krebssterblichkeit der Juden. Statisti- 
sche Erhebungen in Nordamerika. 

Seltenheit der Uteruscarcinome bei den Jüdinnen. Statistische Unter- 
suchungen über diese Frage in Budapest, München und Nürn- 
berg. 

Häufigeres Vorkommen von Mammakrebs und Krebs des Digestions- 
traktus. 

Bestätigende Untersuchungen in Nordamerika. Speisegesetze der 
Juden und Krebserkrankung. 

"Vergleichende, statistische Untersuchungen über die Krebssterb- 
lichkeit bei den einzelnen Religionen in Budapest. 

Einfluß der Dichtigkeit der Bevölkerung auf die Höhe der 
Krebssterblichkeit. Untersuchungen über die Verbreitung der 

Krebskrankheit bei Stadt- und Landbewohnern . . . 44 — 50 

Wohnungsdichte und Krebssterblichkeit: Anhänger und Gegner dieser Theorie. 

Nachweis für Norwegen. 
Stadt- und Landbewohner: 

Häufigeres Vorkommen von Lippen- und Gesichtskrebs bei Bauern. Größere 
Krebssterblichkeit in Städten. Ausnahmen (Boston). Größere Sterb- 



Inhaltsverzeichnis. VII 

Seite 
lichkeit der Männer in Städten. Parasitäre Theorie und Krebs- 
sterblichkeit auf dem Lande. Nachweis der größeren Sterblichkeit in 
den Städten für Preußen, Frankreich, Holland, Ungarn, 
Dänemark und für Lebensversicherungsgesellschaften. 
Kritische Würdigung des statistischen Materials. Umgekehrte Ver- 
hältnisse in Schottland. Fehlerquellen. Genauere Statistik von 
Norwegen. Ursachen der größeren Krebssterblichkeit in den Städten. 
Keine besondere Krebsdisposition des Großstädters. Kohlen- 
heizung und Krebssterblichkeit. Einfluß der Tuberkulose 
auf die Krebssterblichkeit. 

Soziale Faktoren und deren Einfluß auf die Krebssterblichkeit 

(Armut und Wohlhabenheit, Berufsarten) 50—67 

Armut und Reichtum in ihren Beziehungen zur Krebssterblichkeit: Aeltere, 
statistische Erhebungen von Tanchou, Marcd'Espine und W a 1 s h e. 
Fehlerhafte, statistische Methode. 

Neuere Statistiken: Einteilung von Braithwaite. Fleischgenuß und 
Krebssterblichkeit. 

Schwierigkeiten bei der Berufszählung. Weinberg's und Gastpar's 
Untersuchungen in Stuttgart. 

Behla's amtliche Statistik für Preußen. Häufigeres Vorkommen beiden 
bemittelten Ständen. Verteilung der Organerkrankungen auf 
die verschiedenen, sozialen Gruppen. 

Statistische Nachweise aus dem Material von Versicherungsgesell- 
schaften. Fehlerquellen dieser Erhebungen. 

Verschiedene Besultate bei verschiedenen Methoden. 

Beruf und Krebs : Aeltere Beobachtungen über Erkrankungen von Nonnen. 
Erste Versuche einer Berufszählung von E a m a z z i n i und W a 1 s h e. 
Genauere, statistische Nachweise für Kopenhagen durch Hannover. 

Berufskrebse (Schornsteinfeger, Naphtholarbeiter usw.). 

Neuere Erhebungen in England: Statistiken von Braithwaite und 
Newsholme. 

Krebssterblichkeit und Beruf in Christiania: Abweichendes Ergebnis von 
der englischen Statistik. Krebssterblichkeit bei Aerzten. 

Untersuchungen in Nordamerika: Krebsreiche Berufe. Geistliche 
und Aerzte. Hohe Sterblichkeit bei den Arbeitern. 

Statistische Erhebungen in Deutschland: 

Untersuchungen in Chemnitz. Textil- und Maschinenarbeiter. 

Berliner Statistik. Einteilung in drei Gruppen. Einfluß der Altersberück- 
sichtigung auf das Ergebnis. Fehlerhafte Definition der Gruppe 
„Berufslose". 

Sonstige Fehlerquellen aller Statistiken nach Weinberg. Zweifelhafter 
Wert des Materials von Versicherungsgesellschaf ten und Orts- 
krankenkassen. 

Statistische Untersuchungen in Preußen: 

Schwierigkeit der Erhebuu gen. Behla's Methode. Gruppeneinteilung. Krebs- 
r ei che und krebs arme Berufe. Keinliche und unreinliche Be- 
schäftigungsarten. Verwertung für die parasitäre Theorie. 

Fehlerquellen dieser Methode. Nichtberücksichtigung der A 1 1 e r s s t uf e n. 
Einfluß der Methode auf das Ergebnis. Beziehungen der Todesfälle zu 
den Lebenden. Lücken in der allgemeinen Medizinalstatistik. 

Kolb's statistische Erhebungen in Bayern. Ab weichende Ergebnisse von 
B e h 1 a's Berechnungen. Einfluß des A 1 1 e r s auf das statistische Ergebnis. 

Statistik in Baden. Indirekter Einfluß des Berufs. 

Frauenberuf und Krebssterblichkeit. 

Mangelhafte, statistische Unterlagen. 

Krebssterblichkeit im Heere und in der Marine. Französische Armee. 
Preußisches Heer. Geringer Wert dieser Statistiken wegen der Klein- 
heit der Zahlen. 

Geschlecht, Alter und Lokalisation 67—96 

Geschlecht: Aeltere Beobachtungen: 

Ueberwiegen des weiblichen Geschlechts. Erste statistische Nachweise 
durch Tanchou für Paris und Walshe für England. Bestäti- 
gung durch spätere, statistische Zusammenstellungen. 



VIII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
Kiaer's Statistik für Norwegen. B e n e k e ' s Nachweis für deutsche und 

außerdeutsche Städte. 
Neuere, statistische Untersuchungen: 

Schwankendes Verhältnis in den verschiedenen Ländern. Mangelhafte Dia- 
gnose. Unterschied in den Ergebnissen bei Sammelf orschungen 
und Mortalitätsnachweisen. Vergleichende Statistik in den 
einzelnen Ländern. Buday's Methode. 
Ungleiche Verteilung in den Städten. 

Einfluß des Geschlechts auf die einzelne Organerkrankung. Ver- 
schiedenheit in den einzelnen Ländern und Städten. Einteilung nach 
zugänglichen und unzugänglichen Krebsen in England. 

Einrluß des Altersaufbaues. 

Alter und Maximum der Krebssterblichkeit bei beiden Ge- 
schlechtern in verschiedenen Ländern und Städten. Erkrankung der 
jüngeren Altersstufen in Berlin. Ab- und Zunahme der ein- 
zelnen Organerkrankungen bei beiden Geschlechtern auf Grund 
von Sektionsergebnissen. 

Alter und Maximum bei der Krebssterblichkeit in Bayern. 

Allgemeine Betrachtungen über Ab- und Zunahme der Krebssterb- 
lichkeit bei beiden Geschlechtern. Zunahme der Erkrankungen beim 
männlichen Geschlecht. Kritische Bemerkungen über die statisti- 
schen Methoden. Fehlerhafte und richtige Methoden. Kückgang der 
Krebssterblichkeit beim weiblichen Geschlecht. 

Alter: Aeltere Mitteilungen: 

Alterszunahme und Krebssterblichkeitskurve nach Walshe, 
d'Espine und Lebert. 

Englische Statistik. Kiaer's Untersuchungen in Norwegen. Ver- 
gleichende Uebersicht von Kiaer. 

Erstgeborene und Krebssterblichkeit. 

Neuere, statistische Untersuchungen: 

Verschiebungen derAltersstufen gegen frühere Jahrzehnte. Buday's 
Untersuchungen. Auftreten von Uteruskrebs in jüngeren Alters- 
stufen in Ungarn. Einfluß des Seniums und der Pubertät in 
verschiedenen Ländern. 

Wutzdorff's statistische Nachweise für Preußen. Ungünstige Ver- 
schiebung nach den jüngeren Altersstufen hin. Bestätigung durch 
andere Beobachter. Kritische Bemerkungen von de Bovis und Kolb. 
Verschiedene Ergebnisse bei Anwendung verschiedener Methoden. Berech- 
nung der Zahl der Lebenden auf jeder Altersstufe nach D o 1 1 i n g e r. 

Beweise gegen Wutzdorff's Schlußfolgerungen durch statistische Nachweise 
aus Norwegen und aus Versicherungsgesellschaften. 

Lokalisation : Aeltere Untersuchungen: 

Meinungsverschiedenheiten über häufigere Erkrankung der rechten oder 
linken Körperseite. 

Unterschied in bezug auf die Häufigkeit der einzelnen Organerkrankungen 
in verschiedenen Ländern. Kiaer's statistische Nachweise. Vergleich 
mit d'Espine's Untersuchungen in Genf. 

Neuere, statistische Nachweise: 

Vergleichende Uebersicht über Sektionsbefunde in Kolozsvär und 
München. 

Kolb 's Uebersichtstabellen für verschiedene Länder. Vergleichende Ueber- 
sicht über die Sektionsergebnisse aus verschiedenen, pathologischen 
Instituten. 

Ursachen der verschiedenen Ergebnisse. 

TJebersicht über die Erkrankung des Kespirationssystems in ver- 
schiedenen Ländern. 

Fehlerhafte Schlußfolgerungen aus Sektionsergebnissen. 

II. Spezielle statistische Untersuchungen 

über die Krebskrankheit 97-201 

Allgemeine Betrachtungen über die bei der Krebskrankheit 

angewandten statistischen Methoden 99—106 

Aufgaben der statistischen Untersuchungen. Fehlerquellen der Methoden. 
Ursprung des statistischen Materials. 



Inhaltsverzeichnis. IX 

Seite 

Sammelforschung: Geschichte derselben. Neuere Rundfragen. Art der- 
selben. Ergebnisse. Aerztebeteiligung. Lücken und Fehler derartiger 
Methoden. Einheitliche Grundsätze. 

Sterblichkeitsstatistik: Mangelhafte Diagnose auf den Totenscheinen. 
Einfluß der gesetzlichen Leichenschau auf die Zunahme des Krebses. Art 
der Verarbeitung des statistischen Materials. Einheitliches Schema. 

Sonstige Quellen: Familienregister, Krankenhäuser, Krankenkassen, Sek- 
tionsstatistiken, Lebensversicherungsgesellschaften und Gefängnisse. 

Kritische Bemerkungen über die bisher angewandten Methoden. 

Statistische Untersuchungen über die Verbreitung der 

Krebskrankheit bei germanischen Volk er stammen . 107—163 

Die Verbreitung der Krebskrankheit im Deutschen Reiche . 107 — 110 

Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1900. Lücken und Fehler 

dieser Methode. 
Amtliche Statistiken: Keine gesetzliche Leichenschau. Statistiken aus 

Heilanstalten. Stärkerer Zufluß von Patienten. Verhältnis der 

Vermehrung der Heilanstalten zu den Krebstodesfällen. 
Sterblichkeitsstatistik: Nomenklatur. Berechnung auf die Zahl der 

Gesamttodesfälle und der Lebenden. Zunahme der Krebssterblichkeit. 

Statistik unter Berücksichtigung der Altersklassen. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in Preußen . . 111—123 

Statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit in ganz Preußen : 

Methoden: Sammelforschung. Amtliche Sterblichkeitsnach- 
weise. Gesetzliche Leichenschau. 

Zunahme seit dem Jahre 1875. Tabellarische Uebersicht. 

Verbreitung in den einzelnen Provinzen: 

Unterschied in bezug auf die Höhe der Krebssterblichkeit zwischen den Pro- 
vinzen mit ackerbautreibender und Industriebevölkerung. 
Einfluß des Alters auf die statistischen Ergebnisse. Tabellarische 
Uebersicht. 

Verschiedenartigkeit der Resultate zwischen Sammelforschung und amt- 
licher Statistik. 

Untersuchungen in den einzelnen Regierungsbezirken der Rheinprovinz, 
von Ost- und Westpreußen und von Westfalen. 

Mangelhaftigkeit des amtlichen Materials in qualitativer Beziehung. 
Geringe Abnahme der Krebssterblichkeit in Westfalen, mäßige Zu- 
nahme in den anderen Provinzen. Statistik der in Heilanstalten 
dieser Provinzen verstorbenen Krebskranken. Tabellarische Uebersicht. 

Verbreitung in einzelnen Großstädten von Preußen: 

Berlin: Statistische, amtliche Nachweise seit 1875. Tabellarische Uebersicht. 
Keine Zunahme. Ergebnisse der Sammelforschung. Berichte aus 
Heilanstalten. Vermehrter Zugang von Krebskranken in die 
Krankenhäuser. Irrtum in der Diagnose. Sektionsergebnisse. 

Breslau: Nachweis für die Zeit von 1876—1900. Einfluß der obligatori- 
schen Leichenschau auf die Höhe der Sterblichkeitsziffern. 

Frankfurt a. 0.: Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1907. 

Untersuchungen in Marklissa, Frankfurt a. M. (allmähliche Zunahme, 
größere Krebssterblichkeit bei den Männern). Norderney, Helgo- 
land (auffallend hohe Sterblichkeit an Magenkrebs). 

Statistische Untersuchungen in Hamburg und Bremen. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in den anderen 

deutschen Bundesstaaten 124—135 

Bayern : Aeltere Angaben. Neuere Untersuchungen über die geographische 
Verbreitung. Allgemeine Krebssterblichkeit unter Berücksichtigung der 
Zunahme der Gesamtbevölkerung und des Alters. 

Verbreitung in einzelnen Begi erungs bezirken im Vergleich mit preußi- 
schen. Einfluß der Leichenschau auf die Mortalitätsstatistik 



X Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
der Stadt- und Landbevölkerung. Uebersichtstabelle über bayerische 
Bezirksämter. 

Krebssterblichkeit in München: Scheinbare Zunahme. Ergebnisse der Sek- 
tionsstatistik aus München er pathologischen Instituten. 

Statistik aus den pathologischen Instituten von Würzburg und Erlangen. 

Krebssterblichkeit in Augsburg und Nürnberg. 

Sachsen: Statistisches Material. Mangel einer ärztlichen Leichenschau. Ueber- 
sichtstabelle über die Krebssterblichkeit von 1873—1908. 

Verbreitung der Krebskrankheit in einzelnen Kreisen. Kritische Bemerkungen 
über die scheinbare Zunahme. 

Württemberg : Allgemeine Krebssterblichkeit in der Zeit von 1892—1899. Aus- 
führliche Untersuchungen von Weinberg und Gastpar über die 
Krebssterblichkeit in Stuttgart. Geschichtliche Bemerkungen. Art 
der statistischen Methode. Uebersichtstabelle für die Zeit von 1873 — 1902. 
Scheinbare Zunahme. 

Baden: Sammelforschung: Mängel derselben. Statistische Erhebungen 
von K. Werner. Geographische Verbreitung. Zunahme. Alter- und 
Organbeteiligung. Kritische Bemerkungen. 

Thüringen : Endemisches Vorkommen. Krebssterblichkeit in Sachsen- 
Koburg-Gotha. 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit 
in deutschen Gefängnissen und bei deutscheu Lebens- 
versicherungsanstalten 136—142 

Krebserkrankung in Gefängnissen : Beneke's Diathesentheorie gestützt durch 
statistische Untersuchungen. Geringe Krebssterblichkeit der Zuchthaus- 
insassen. Vegetabilische Diät. 

Statistik der Lebensversicherungsgesellschaften : 

Art des Materials. Untersuchungen bei der „Viktoria". Zunahme der 
Krebstodesfälle. 

Gotha er Lebensversicherung. Berücksichtigung der Altersklassen. Tabelle. 

„Friedrich. Wilhelm": Uebersicht über die Krebstodesfälle von 1885—1899. 
Schwankendes Verhalten. Allgemeine Zunahme der Krebssterblichkeit. 
Kritische Bemerkungen. 

Statistische Untersuchungen hei der Leipziger und Magdeburger Lebens- 
versicherungsgesellschaft. Uebersichtstabelle. Mängel dieser Statistiken. 

Vergleichende Uebersicht über die Krebssterblichkeit in einzelnen 
Staaten, Provinzen und Städten Deutschlands. 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit in England 143—153 

Geschichte der statistischen Untersuchungen über die Krebssterblichkeit 
in England. Geographische Verbreitung. Zunahme der Krebssterblich- 
keit bei beiden Geschlechtern. 

Neuere Untersuchungen: Uebersichtstabelle über die Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit in England in der Zeit von 1840—1905. 

Verhältnis zur Bevölkerungszunahme. Vergleich der Krebssterblichkeit in 
England mit der Preußens. 

Wirkliche oder scheinbare Zunahme? 

Anhänger und Gegner. 

Krebssterblichkeit in Schottland: 

Geringere Zunahme als in England. Bobertson's statistische Unter- 
suchungen. Wirkliche Zunahme. 

Krebssterblichkeit in Irland: 

Geringere Verbreitung als in E n g 1 a n d und Schottland. Uebersichtstabelle. 

Krebssterblichkeit in den einzelnen Grafschaften Englands: 

Geographische Verbreitung. Tabelle. Uebersicht nach der Höhe der Krebs- 
sterblichkeit. Statistische Untersuchungen über die Krebsverbreitung 
in Es sex. 

Krebssterblichkeit in englischen Städten: 

London. Edinburgh, Glasgow, Dundee, Leeds. 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit in Norwegen 153—157 

Gesetzliche Leichenschau. Statistische Untersuchungen von K i a e r und G e i r s - 
vold. Hohe Krebssterblichkeit in Norwegen. Stetige Zunahme. 



Inhaltsverzeichnis. XI 

Seite 
Uebersichtstabelle für die Zeit von 1865 — 1897. Vergleich mit der Be- 
völkerungszunahme. Wirkliche Zunahme nach Geirsvold. Einfluß 
der Aerztezahl auf die statistischen Ergebnisse. 
Geographische Verbreitung. Krebssterblichkeit in den Aemtern und 
größeren Städten. 

Statistische Untersuchungen über die Verbreitung der 

Krebskrankheit iu Schweden 157—159 

A eitere, statistische Mitteilungen von Kiaer. Größere Krebssterblichkeit 
in Schweden als in Norwegen. 

Neuere, statistische Untersuchungen von Quensel für die Zeit von 1875 
bis 1899. Größere Krebssterblichkeit in den kleineren als in den 
größeren Städten. Fleischgenuß und Ursache der Krebskrank- 
heit. Geographische Verbreitung. 

Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1905. Aerztebeteiligung. 
Geographische Verbreitung. 

Krebsmorbidität. Verbreitung in den Städten und auf dem Lande. 

Krebsmorbidität und Krebsmortalität in Stockholm. 

Statistische Untersuchungen über die Verbreitung der 

Krebskrankheit in Dänemark 159 — 161 

A eitere, statistische Untersuchungen. Zunahme in der Neuzeit. Große 
Krebssterblichkeit in Dänemark. 

Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1908: 

Aerztebeteiligung. Histologische Sicherstellung der Diagnose. Morbiditäts- 
statistik. Hoher Prozentsatz der Krebsverbreitung. Vergleich mit 
anderen europäischen Ländern. 

Sterblichkeitsnachweise für Kopenhagen. Vergleich mit anderen 
europäischen Großstädten. 

Bodentheorie und Krebssterblichkeit. 

Die Krebssterblichkeit in Holland 161—163 

Statistik der Neuzeit. Zunahme in der Zeit von 1875—1905. 

Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1900: 

Geringe Morbiditätsziffer. 

Mortalitätsstatistik in den einzelnen Städten. Einzeluntersuchungen 
über die Krebssterblichkeit in Amsterdam und Utrecht. Schein- 
bare Zunahme. 

Krebs Verbreitung bei romanischen Rassen . . 163— 171 
Die Verbreitung der Krebskrankheit in Frankreich 163 — 165 

Krebssterblichkeit in Frankreich. Art der statistischen Berechnung. Ein- 
fluß derselben auf das Endergebnis. 

Geographische Verbreitung: Unterschied in der Krebssterblichkeit 
zwischen den südlichen und nördlichen Departements. 

Uebersicht über die Krebssterblichkeit in einigen größeren Städten Frank- 
reichs. 

Krebssterblichkeit in Paris und Lyon. 

Die Krebssterblichkeit in Belgien 166—167 

A eitere Statistiken über die Krebssterblichkeit in Belgien und in den 
einzelnen Departements. 

Krebssterblichkeit in Brüssel. Lückenhafte, statistische Unterlagen. Sek- 
tionsergebnisse aus dem Hospital St. Jean. Große Sterblich- 
keit an Krebs des Magendarmkanals. Geringe Sterblichkeit an 
Krebs der Genitalorgane. 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit in Italien 167 — 169 

Gesetzliche Leichenschau. Geringe Krebssterblichkeit in Italien. 
Geographische Verbreitung. Einfluß von Malaria und Rasse 
auf die Krebssterblichkeit in Italien. 



XII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
Beteiligung der höheren Altersstufen an der Krebssterblichkeit. Mortali- 
tätsstatistik aus einzelnen größeren Städten. 

Die Krebssterblichkeit in Spanien und Portugal . . 169—171 

Ergebnisse der Sammelforschung in Spanien. Geringe Beteiligung der 

Aerzte. Amtliche Sterblichkeitsnachweise. 
Sammelforschung in Portugal. Hoher Prozentsatz der Aerztebeteiligung. 

Geringe Krebssterblichkeit. Geringe Zunahme der Krebssterblichkeit 

nach den amtlichen Ausweisen. 
Krebssterblichkeit in Oporto. 

Krebs Verbreitung iu Ländern mit gemischter 

Bevölkerung 171-179 

Statistische Untersuchungen über die Krebsverbreitung in 

Oesterreich-Uugarn 171—175 

Oesterreich : Gesetzliche Leichenschau. Geringes, statistisches Material. G e o - 
graphi s ch e Verbreitung. Mortalitätsstatistik. Krebsver- 
breitung in den reichen und armen Provinzen. 

Krebssterblichkeit in Wien. 

Ungarn: Ergebnisse der amtlichen Mortalitätsstatistik. Aerztliche 
Leichenschau. Wirkliche und berechnete Krebssterblichkeit. 

Krebssterblichkeit in Budapest. 

Ergebnisse der Sammelforschung. Aerztebeteiligung. Verhältnis zu den 
Angaben der amtlichen Sterblichkeitsnachweise. Erklärung für die 
Unterschiede der Ergebnisse. 

Sektionsstatistik. Zunahme der Krebstodesfälle. Vergleich 
mit den Sektionsergebnissen aus anderen pathologischen Instituten. 
Wirkliche oder scheinbare Zunahme? 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit 

in der Schweiz 175—177 

Abstammung der Bewohner. Hohe Krebssterblichkeit. Gesetzliche 
Leichenschau. 

Mortalitätsstatistik für die ganze Schweiz. Krebssterblichkeit in den 
Kantonen. Orte mit hoher und niederer Krebssterblichkeit. 

Häufigkeit des Magenkrebses im Verhältnis zur Krebserkrankung der 
anderen Organe. Uebersichtstabelle. Vermutliche Ursachen der Erkran- 
kungen an Magenkrebs. 

Aeltere, statistische Mitteilungen über die Sterblichkeit an Magenkrebs in 
Genf. Krebssterblichkeit in Laufen. 

Krebsverbreitung in Kußland und Griechenland . . . 178 — 179 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit 

in außereuropäischen Ländern 180—193 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in Amerika . . 180 — 190 

Nordamerika: Quellen der Statistik. Unterschiede in den Ergebnissen bei 
Benutzung der einen oder anderen Quelle. Wirkliche Zunahme nach 
Connell. Vergleichende Uebersicht über die Krebssterblichkeit 
an Krebs und Tuberkulose iu der Zeit von 1890-1908 in den 
Vereinigten Staaten. 

Krebssterblichkeit in den einzelnen Staaten: 

Häufung von Todesfällen an Magenkrebs. Starke Beteiligung des weib- 
lichen Geschlechts. Geographische Verbreitung. 

Krebsstatistik amerikanischer Lebensversicherungsgesell- 
schaften. Zunahme der Sterblichkeit an Brustkrebs. 

Krebssterblichkeit in amerikanischen Städten: 

Uebersichtstabellen für New York und Philadelphia. 

Allgemeine Uebersicht. 



Inhaltsverzeichnis. XIII 

Seite 

Zentralamerika: Krebssterblichkeit auf den Bermudas- und Bah a ma- 
insein, in Guatemala, Jamaica, Trinidad und Mexiko. 

Südamerika: Krebssterblichkeit in Guiana. 

Krebsstatistik in Brasilien: 

Geringe Krebssterblichkeit. Geographische Verbreitung. Häu- 
fung von Uteruskrebs. Seltenheit des Magenkrebses. 

Uebersichtstabelle über Krebssterblichkeit in einzelnen größeren Städten. 

Uruguay: Mortalitätsstatistik von Montevideo. 

Argentinien: Krebssterblichkeit in Buenos-Aires. 

Uebersichtstabelle. 

Chile: Krebssterblichkeit in Santiago. 

Allgemeine Betrachtungen über die Verbreitung der Krebs- 
krankheit in Amerika. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in Afrika . . 190—19 

Nordafrika: Geringe Krebssterblichkeit in Aegypten: 

Mortalitätsstatistik in Kairo: Einfluß der Lebensweise auf die Krebs- 
sterblichkeit. 

Mortalitätsstatistik in Algier: Unterschied der Krebssterblichkeit in Algier 
und Oran. 

Zentralafrika: Mitteilungen über Krebssterblichkeit in den Küstengebieten 
und zentral gelegenen Ländern. 

Südafrika: Vorkommen von Krebs bei Hottentotten und Zulus. 

Krebssterblichkeit auf St. Helena und auf den Madeirainseln. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in Australien . . 192—193 

Krebssterblichkeit bei der Gesamtbevölkerung. Geographische Ver- 
breitung. Kultur und Höhe der Krebssterblichkeit. Mortalitäts- 
statistik in Neu -Südwales, Sidney und Neuseeland. 

Ist die Zunahme der Krebskrankheit eine wirkliche 

oder nur scheinbare? 193—201 

Uebersicht über die Zunahme der Krebssterblichkeit in den Haupt Staaten 
und Hauptstädten. Höhe der Krebssterblichkeit und jährliche 
Zunahme. 

Gründe für eine scheinbare Zunahme. Anhänger und Gegner dieser Hypo- 
these. Zunahme der Krebserkrankung des Magen-Darmkanals. 
Schwierigkeit der Diagnose. 

HöheresLebensalter infolge besserer Hygiene und Abnahme der Epidemien. 

Statistische Untersuchungen über die Beziehungen der Tuberkulose 
zur Krebskrank h ei t. 

Abnahme der Tuberkulose und Steigerung der Krebstodesfälle. Ueber- 
sichtstabelle. Norwegen's Ausnahmestellung. 

Tuberkulose ist nicht die einzige Ursache für die Zunahme der Krebs- 
todesfälle. 

Einzeluntersuchungen über das Verhältnis der Tuberkulose zur Krebs- 
krankheit in Deutschland, England und Norwegen. 

Unbegründete Angst vor der Zunahme der Krebskrankheit. 

III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs . 203—347 

Allgemeines über den Tierkrebs 205—211 

Geschichte des Tierkrebses: Erste, wissenschaftliche Grundlage für eine 
Tierpathologie durch Dupuy. Pathologisch - anatomische 
Untersuchungen von Ga spar in. Aeltere Beschreibungen von Krebs- 
geschwülsten bei Haustieren. Untersuchungen von Leblanc. Nach- 
weis von echten Carcinomen bei verschiedenen Tierarten. Das 
Trauma als ätiologische Ursache. Vorkommen von Krebs bei 
wildlebenden Tieren und Vögeln. Fleisch- und Pflanzen- 
fresser. Salztheorie und Tierkrebs. Statistische Versuche. 



XIV Inhaltsverzeichnis 

Seite 

Krebserkrankung bei Haussäugetieren . . . 211—255 

Hund: 

Statistik. Alter. Verhältnis der gutartigen Geschwülste zu den bös- 
artigen. Sarkome und Carcinome. 

Lokalisation der bösartigen Geschwülste. 

Seltenes Vorkommen von Krebs des Verdauungskanals. 

Urogenitalsystem : 

Mammacarcinonie : Vorkommen bei beiden Geschlechtern. Metastasen. 
Sarkome der Mamma. Mischgeschwülste. Gutartige Mamma- 
geschwülste. 

Genitalien: Carcinome der Vagina. Mischgeschwülste an der Vagina. Ueber- 
tragungsversuche. Sarkome der Vagina. Gutartige Geschwülste. 
Bösartige Uterusgeschwülste. Ovarialcysten. Bösartige Geschwülste 
der männlichen Genitalien. Prostata-, Hoden-, Peniscarcinome. 

Uropoetisches System: Blasencarcinome mit Metastasen. Leiomyome 
der Blase. Peritheliom der Niere. Carcinom der Ureteren. 

Digestionsapparat : 

Oesophaguscarcinome. Kelative Immunität gegen Magenkrebs. Sarkome 
des Magen-Darmtractus. Häufigkeit des Anuskrebses. Uebergang 
von Adenom in Carcinom. Entwicklungsgeschichtliche und 
histologische Untersuchungen. Bösartige Darmgeschwülste. 

Maligne Lebergeschwülste. Leberadenome und Lebercirrhosis. Histo- 
logische Untersuchungen. Maligne Pancreasgeschwülste. 

Respirationssystem : 

Statistik. Primäre Lungencarcinome. Histologische Untersuchungen. 

Maligne Erkrankungen der Struma. Metastasen. Parathyreoidkrebs. 

Zentralnervensystem: Bösartige Tumoren im Rückenmark und Gehirn. 

Cutis und Extremitäten: 

Statistik. Vorkommen von bösartigen Geschwülsten am Kopf, Kiefer und 
Zahnfleisch. Sarkomatöse Erkrankungen der Extremitäten. 

Drüsen: 

Maligne Erkrankungen der Lymphdrüsen. Adenome der Schweiß- und 
Talgdrüsen. Histologische Untersuchungen. Leukämie und 
Pseudoleukämie. Lymphadenie. 

Pferd: 

Statistik. Lokalisation der bösartigen Geschwülste. Ueberwiegen der 

sar komatösen Erkrankungen. Lieblingssitz. Alter. 
Respirationssystem : 

Häufigkeit der Erkrankung der Nasen- und Kieferhöhlen. Aeltere Be- 
obachtungen. Sarkome. Platten- und Zylinderepithelkrebse. 
Seltene Erkrankung des Kehlkopfs. 
Primärcarcinome der Lunge: Klinische Erscheinungen. Histologische 

Untersuchungen. Metastasen. Lungensarkome. Pleura- 

geschwülst e. 
Genitalien : 
Häufigeres Vorkommen von malignen Geschwülsten beim männlichen als 

beim weiblichen Tiere. Peniskrebs beim Wallach. Ursachen. 

Verschiedene Krebsformen. Hoden- und Prostatakrebs. 
Vulvakrebs. Kontaktinfektion. Kasuistik. Krebs der Vagina. 
Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten des Uterus und Ovariums. 
Seltenheit der Mammacarcinome. 
Uropoetisches System: 
Krebs der Harnblase. Kasuistik. Klinische Erscheinungen. Pathologische 

Anatomie. Metastasen. Sarkome, Papillome und Fibrome der 

Harnblase. 
Sarkome und Carcinome der Niere und Nebenniere. 
Digestionsapparat : 
Carcinom der Lippe. Aetiologie. Papillomatöse Wucherungen. Zylinder- 

epithelcancroid und Plattenepithelkrebs des Zahnfleisches. 



Inhaltsverzeichnis. XV 

Seite 

Seltene Erkrankung der Zunge. Immunität des Oesophagus. 

Magenkrebs: Eigenartige, pathologisch-anatomische Befunde. Kasuistik. 
Myom gesch wülste. Lokalisation an der Cardia. Parasiten und 
präcanceröse Erkrankung. Maligne Darmgeschwülste. Carci- 
nome, Adenome und Sarkome. Polyposis adenomatös a. Maligne 
Lebergeschwülste. Adenome der Gallengänge. 

Endotheliome des Peritoneums. 

Maligne Geschwülste der Schilddrüse und der Milz. Primäre, maligne Ge- 
schwülste der Lymphdrüsen. 

Zentralnervensystem : 

Sarkome der Dura, Papillome der Pia. Psammome. 

Auge: 

Sarkome der Orbita. Carcinome der Augenlider. Epitheliome der Conjunctiva 
und Sclerotica. 

Haut und Extremitäten: 

Aetiologische Ursachen. Papilläre Excrescenzen. Sarkome am Kopf. 
Huf- und Strahlkrebs. Klinische Erscheinungen. Anatomische und 
histologische Untersuchungen. Parasitäre Erkrankung? 

Allgemeine Carcinomatose. Gutartige Geschwülste. 

Melanotische Geschwülste: Vorkommen bei Schimmeln. Statistik. Here- 
dität und Alter. Lokalisation und Lieblingssitz. Kasuistik. Klinischer 
Verlauf. Anatomische Struktur. Beschaffenheit des Pigments. Unter- 
schied von der menschlichen Melanose. 

Esel und Maulesel: 

Aeltere Beobachtungen über Vorkommen von malignen Geschwülsten. Neuere 
Kasuistik. 

Rind: 

Statistische Untersuchungen. Häufigkeit der malignen Leber- 
geschwülste. Alter. Lokalisation. 

Genitalien : 

Maligne Uterusgeschwülste. Statistik. Metastasen. Anatomische Formen. 

Krebsgeschwülste des Ovariums und der Vulva. Kasuistik. 

Harnorgane : 

Sarkome der Harnblase. Carcinome und Hypernephrome der Nieren. 

Verdauungskanal : 

Bösartige Geschwülste der Lippe und der Zunge. Immunität des Oeso- 
phagus gegen Carcinom. Papillomatöse Excrescenzen der 
Schleimhaut. Histologische Untersuchungen. Mannigfache Formen der 
Excrescenzen. 

Häufigeres Vorkommen der Magensarkome. Kasuistische Mitteilungen über 
Carcinome in den verschiedenenen Magenabschnitten. Ulcus carci- 
nomatodes scirrhosum. Histologische Untersuchungen. Mannig- 
fache Sarkomarten am Psalter. Papillomatöse Wucherungen. 
Scirrhus des Labmagens. Histologische Untersuchung. 

Maligne Darmgeschwülste: Sarkome. Mannigfache Formen derselben. 
Pathologisch-anatomische Untersuchungen. Darmpolypen. 

Maligne Lebergeschwülste: Häufigkeit dieser Geschwülste. Histologische 
Untersuchungen der primären Lebercarcinome. Lebersarkome und Leber- 
adenome. Infektionsgeschwülste ? 

Respirationssystem : 

Statistik. Kasuistik. Unterscheidung von Actinomycosis. Sarkome der Trachea.** 

Zentralnervensystem : Seltenes Vorkommen. Sarkome des Kückenmarks. 

Lymphdrüsen : Rundzellensarkome. 

Extremitäten : 

Kiefersarkome. Aeltere Kasuistik. Verwechslung mit Actinomycosis. 
Sarkome des Jochbeins. 

Melanosarkome : Lokalisation. 

Auge: Sarkome der Orbita. Endemisches Vorkommen. Geschichte 
der endemischen Augenerkrankungen. Erkennung des sarkomatösen 
Charakters durch Blanche. Vorkommen in einzelnen Ländern. Statisti- 



XVI Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
sehe Untersuchungen. Ausgangspunkt der Geschwülste. Einfluß der 
Kasse auf die Erkrankung. Unterschied des endemischen Vorkommens 
zwischen Mensch und Rind. Parasitäre Hypothese. Hereditärer Einfluß. 
Cornua cutanea: Sitz und Größe dieser Geschwülste. Histologie dieser 
Tumoren. Vorkommen bei anderen Tieren. 

Kalb: 

Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Kasuistische Mitteilungen. 

Schaf: 

Statistik. Häufigeres Vorkommen von malignen Lebergeschwülsten. 
Primäre Lungen carcinome. Endotheliome des Oberschenkels. Sarkom 
des Herzens. Allgemeine Lymphosarkomatose. 

Ziege: 

Kelative Immunität. Mammacarcinom. 

Schwein: 

Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Häufige Lokalisation in der 
Niere. Carcinome, Sarkome und Mischgeschwülste der Niere. Histo- 
logische Untersuchung der sarkomatösen Niere. 

Kasuistische Mitteilungen über maligne Geschwülste an anderen Organen. 

Katze : 

Statistik. Häufigkeit der Mammacarcinome. Kasuistische Mitteilungen. 

Histologische Untersuchungen. Lungenmetastasen bei Mamma- 

carcinomen. Klinische Erscheinungen. Wachstum. Epithelioma mammaire 

metatypique. 
Genitaltractus: Primärkrebs des Ovariums. Sarkome der Ovarien. 
Respirationssystem: Primäre Lungencarcinome. Verschiedene Formen. 

Histologische Untersuchungen. 
Digestionstractus : Aeltere Mitteilungen über Lippenkrebs. Fall von 

Zungenkrebs. Anatomische und klinische Erscheinungen. 
Maligne Geschwülste der Parotis. Adenome der Leber. Uebergang 

von Leberadenom in Lebercarcinom. 
Maligne Geschwülste an sonstigen Organen: Sarkome des Bulbus und am 

Ohre. Gutartige Geschwülste. 

Maligne Geschwülste bei Nagetieren . . . 256—268 
Maus: 

Impf- und Spontan geschwülst e. Aeltere Beobachtungen über Spon- 
tangeschwülste. 

Statistische Untersuchungen über das Vorkommen von spontanen Mäuse- 
geschwülsten. 

Pathologisch -anatomische Untersuchungen : Verschiedene Krebs- 
formen. Histologie. 

Mannigfache Geschwulstformen der Mamma: Endotheliom oder Carci- 
nom? Jensen scher Tumor. 

Unterschied von echten Carcinomen: Anatomische Struktur. Klini- 
sche Erscheinungen. Präcanceröse Disposition. 

Krebserkrankung anderer Organe: Lunge, Niere und Thorax. Schweiß- 
drüsencarcinome. Hornkrebs der Vagina. Lymphome, Enchondrome 
und Exostosen. Amyloiderkrankung. Endemisches Auftreten 
von malignen Geschwülsten. 

Ratte: 

Aeltere, experimentelle Untersuchungen über Uebertragbarkeit von 
Spontangeschwülsten. Seltenheit der Carcinome. Kasuistische Mit- 
teilungen über Sarkome. Endemisches Auf treten von Schild- 
drüse n k r e b s. Sarkomerkraukungen mit Metastasen. Beziehungen 
des Cysticercus, der Nematoden und anderer höherer Parasiten zu 
den Rattengeschwülsten. Untersuchungen von B o r r e 1 und F i b i g e r. 

Gutartige Geschwülste bei der Ratte. 



Inhaltsverzeichnis. XVII 

Seite 
Kaninchen : 

Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Verwechslung- mit Coc- 
♦ cidiengeschwülsten. Maligne Geschwülste des Uterus und des 
Pankreas. 
Lack's experimentelle Impfversuche. Spontan- oder Impftumor? 
Sonstige Geschwülste. 

Meerschweinchen : 

Adenom der Lunge. Loeb's Untersuchungen über chorionepitheliom- 
ähnliche Gebilde im Ovarium. 

Maligne Geschwülste bei wildlebenden Tieren . 268-272 

Allgemeines: Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Salz- 
theorie und Krebserkrankung beim Wild. Vereinzeltes Vor- 
kommen von malignen Geschwülsten bei gefangenen Tieren. 

Affe: Einzelbeobachtungen. Sehr seltenes Vorkommen von malignen Ge- 
schwülsten. Tumoren der Hypophysis. Erosionen der Portio. 
Maligne Uterusgeschwulst. Seltenes Vorkommen von gutartigen 
Geschwülsten. Disposition zur Erkrankung an Tuberkulose. 

Löwe: Krebs des Ileum. Cystische Lebertumoren. 

Tiger: Carcinom und cystischer Ovarientumor. 

Leopard: Eibrom des Magens. 

Weiße Bären: Häufigeres Vorkommen von malignen Geschwülsten. 

Rhinozeros: Leiomyome, maligne Magengeschwulst. 

Beuteltiere: Adenome der Mamma. Knochengeschwülste. 

Biberratte: Multiple Myome. 

Känguruh: Sarkom des Unterkiefers. 

Fischotter: Sarkom des Gaumens. 

Hirsch: Fibromyom des Magens. Cancroid des Schädels. 

Reh: Leberadenom. 

Maligne Geschwülste bei Yögeln .... 272—282 

Allgemeines: Einfluß der Ernährung und des Alters auf die Disposition 
zur Erkrankung. 

Verwechslung mit der Geflügelpocke bei älteren Beobachtern. 

Anatomische und histologische Untersuchungen über die Geflügelpocke. 
Molluscum contagiosum und Geflügelpocke. Ursache der 
Geflügelpocke. 

Statistische Untersuchungen über maligne Geschwülste bei Vögeln. 

Hühner: Erste, sichere Mitteilung über maligne Geschwülste. 

Statistik. Ursache der fast ausschließlich bei Hennen beobachteten, 
malignen Geschwülste. Impfversuche. Geographische Ver- 
breitung. Mannigfaltigkeit der verschiedenen, bei Hühnern vor- 
kommenden Geschwülste. Wachstum und Metastasen. 

Kasuistische Mitteilungen : 

Maligne Geschwülste im Verdauungskanal: Mundhöhlen- und D a r m - 
carcinom e. Kleinzellige Inf iltration und Carcinom. Darm- 
sarkome. Primärcarcinome des Magens und der Leber. 

Maligne Geschwülste des Urogenitalsystems: Hypernephrom der Niere. 

Ovarialcarcinome. Dottertumoren. 

Multiple Sarkome der Haut Sonstige Geschwülste bei Hühnern. 

Einteilung der malignen Geschwülste bei Hühnern Histologie der 
einzelnen Carcinom- und Sarkomarten. Lymphome. Leukämische 
und aleukämische Symptome. Geschichtlicher Rückblick auf 
die leukämisch e Erkrankung des Huhnes. Pseudoleukämie. Fälle 
von echter Leukämie mit Blut Veränderung. Impfversuche. 

Vorkommen von malignen Geschwülsten bei der 

Gans: Lungensarkome. Fibrom des Mesenteriums. 

Ente: Sarkome. Mediastinale Mischgeschwülste. 

Taube: Statistik. Sarkome. Talgdrüsencysten. Epithelioma conta- 
giosum. Natur dieser Erkrankung. Unterschied zwischen Tauben- 
und Hühnerpocke. Impfversuche. 

II 



XVIII Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
Papagei: Statistik. Kasuistische Mitteilungen über Carcinome. Ana- 
tomische und histologische Untersuchungen. 
Kanarienvogel: Doppelseitiger Lungentumor. Histologische Untersuchung. 
Beobachtungen über Geschwulsterkrankungen beim Rebhuhn, Haselhuhn, * 
Birkhuhn, Schwarzamsel, Strauß, Kiebitz, Auerhahn. 

Geschwulsterkrankungeii bei Kaltblütern . . 283—316 

Allgemeines: Reiz und Regenerationsprozeß bei Kaltblütern. Können 
Kaltblüter an malignen Geschwülsten erkranken? Beobachtungen von 
L. Pick und M. Plehn. Einfluß des Alters auf die Disposition zur 
Erkrankung. 

Fische 283—311 

A eitere Mitteilungen über Geschwulsterkrankungen. Verwechslung mit 
Myxosporidiengeschwülsten. Erste Mitteilungen über Sarkom- 
erkrankung bei einer Ellritze. Histologische Untersuchungen 
von Plehn. Allgemeine Betrachtungen über die bei Fischen vor- 
kommenden Geschwulsterkrankungen. 

Cyprinoiden : 

Karpfen: Aeltere Beobachtungen über Geschwulsterkrankungen. Verwechs- 
lung mit Psorospermiengeschwülsten. 

Wesen und Natur der Pockenerkrankung. Klinische Erscheinungen. 
Endemisches Auftreten. Parasitäre oder Stoffwechsel- 
erkrankung? Plehn's histologische Untersuchungen. Gutartige 
Epithelwucherung. Fehlen des Verhornungsprozesses. Aehnlich- 
keit der Pockenerkrankung mit der Pachyderinie. Vorkommen der 
Pockenkrankheit bei verschiedenen Fischgattungen. Melanom 
bei Karpfen. Infiltrierendes Wachstum der Karpfenpocke. Mecha- 
nische Schädigung. Unterschied der Kiemenepithelverdickung 
bei Forellen von der Karpfenpocke. Weiterentwicklung der Karpfenpocke 
zu Papillomen und Carcinomen. Stationärbleiben der 
Kiemenepithelverdickung bei Forellen. Aetiologie der Karpfen- 
pocke. Geschwulst oder Infektionskrankheit? 

Anatomische und physiologische Untersuchungen über die Fischhaut. Ana- 
logie der Pockenerkrankung mit der Schwielenbildung beim Men- 
schen. Die Pockenerkrankung eine entzündli che Hauterkrankung. 

Epitheliombildungen bei Karpfen. Plattenepithelcarcinome am 
Kopfe des Karpfen. 

Histologischer Befund. Infiltrierendes Wachstum. 

Gutartige Geschwülste: Osteochondrom und Osteom. Unter- 
suchungen über den Ossificationsprozeß. 

Karausche: Fibrome der Leibeswand. Fibrosarkom des Hodens. Histo- 
logische Untersuchung. Cystennieren. 

Goldfisch: Carcinome der Haut und der Harnblase. 

Ellritze: Sarkomatöse Erkrankungen. 

Salmoniden : 

Allgemeines: Einteilung und Arten. Aeltere Mitteilungen über ende- 
mische Geschwulsterkrankungen bei Forellen. Unkenntnis über die 
Natur der Erkrankung. Scott 's Nachweis des carcinomatösen 
Charakters dieser Geschwülste. 

Neuere Untersuchungen über den Schilddrüsenkrebs bei 
Salmoniden: 

Histologische Untersuchungen von Plehn und L. Pick. Destruierende 
Natur dieser Geschwülste. Nachweis des Ausgangs von der Schild- 
drüse. Anatomie der normalen Schilddrüse der Salmoniden. , 
Variabilität der histologischen Bilder. Histologische und kli- 
nische Kennzeichen der Mali gni tat dieser Geschwülste. 

Verschiedene Ansichten über die Metastasenablagerung beim Schild- 
drüsenkrebs der Salmoniden. Verwechslung mit physiologischen 
Interrenalk nötchen. Seltenheit der Metastasen bei Kaltblütern. 
Häufigeres Vorkommen von multiplen Primär geschwülsten. 

Geographische Verbreitung des Schilddrüsenkrebses der Salmoniden. 
Endemisches Vorkommen. Endemie und Domestizierung. 



Inhaltsverzeichnis. XIX 

Seite 

Aetiologische Ursachen. Einwirkung- äußerer Schädlichkeiten auf die 
Scbilddrüsenwucherung. 

Einfluß des Wassers. Heilung durch Zusatz von dünnen, antisepti- 
schen Lösungen zum Wasser. 

Maligne Geschwülste an anderen Körperstellen bei Salmoniden: 

Spindelzellensarkom am Kopfe. Trauma als ätiologische Ursache. 
Fibrosarkome. Epitheliome der Zunge. Odontome und 
Keloide. 

Cystosarkome bei Bach Saiblingen. Histologische Untersuchungen von 
Plehn. 

Papilläre Adenocystome bei Trutta lacustris und Leuciscus 
spec. Zweifel an der Geschwulstnatur dieser Erkrankungen. 

Gutartige Geschwülste bei Salmoniden: 

Myome in der Muskulatur und Magenwand. 

Geschwulsterkrankungen bei anderen Süßwasserfischen: 
Abdominales : 

Lippenepitheliome bei der Barbe. 

Histologische Untersuchungen eines Lippencancroids. 

Epitheliome der Oberlippe bei Schleien. 

Histologische Befunde. Normale Struktur der Oberhaut. Epithelzapfen in der 
Cutis. Entstehung von Papillomen und Carcinomen. Myxosarcom der 
Orbita. 

Nierensarkom und Osteoidsarkom beim Hecht. Neigung der Ge- 
schwülste zur Verknöcherung. 

Lipofibrom der Muskulatur mit geringem, infiltrierendem Wachstum. 

Hautepitheliome beim Gründling. 

Jugulares : 

Naevus vasculosus beim Stichling, Histologische Untersuchung. Infil- 
trierendes Wachstum. Klinische Malignität. Gefäßverteilung und Ge- 
schwulstbildung beim Stichling. 

Ca rein om der Leibeswand bei Gasterosteus spinachia. 

Leuciscusarten: 

Pockenerkrankungen. Adenocystome. 

Sarkome beim Nerfling. Histologischer Befund. Vorkommen von hoch- 
spezialisierten Zellen im Tumorgewebe. 

Myome bei der Laube. Malignes Wachstum. 

Sonstige Fische: 

Nierenadenom und Leberblastom beim Aal. 

Geschwulsterkrankungen bei Tief Seefischen: 

Malignes Adenom bei Trigla gunardus. 

Spindelzellensarkom, Osteosarkom und Angiom bei Gadus 
morrhua. 

Rhabdomyom bei Gadus virens. 

Anatomische und histologische Untersuchung dieses Tumors. Embryonale 
Entstehung. Fibrom des Mundwinkels. 

Exostosen. Fibroideund parasitäre Geschwulsterkrankung beim Stock- 
fisch und Schellfisch. 

Sarkome, Fibromyxome und Osteome beim Rhombus maeoticus. 

Multiple Papillome beim Anabus scandens. 

Pilzförmige Gestalt. Ausgang von den Coriumpapillen. Infektion oder ererbte 
Disposition ? 

Fibrom bei einem Brachsen. Fibrosarkom bei einer Nase. Parasiten und 
Geschwulstbildung. 

Geschwulstbildungen bei Invertebraten : 

Neubildungen bei Muscheln und Austern. 

Amphibien und Reptilien 311—316 

Frühere Verwechslungen mit Pseudotumoren bei Amphibien. 

Erste Beobachtung von echten Geschwülsten beim Frosch durch Eberth. 
Multiple Adenome. Beziehungen der höheren Parasiten zur Geschwulst- 
bildung. 

II* 



XX Inhaltsverzeichnis. 

Seite 
Zylinderepithelcarcinom der Niere. Ausgang' von der Nebenniere. 

Normaler Bau der Froschniere. 
Bösartige Ovari algeschwulst. Embryonale Entstehung. 
Adenocarcinome und Hypoplasien der Haut. 
Nicht definierbare Geschwulst bei Salamandra maculata. 
Carcinomatöses Hodencystom mit Metastasen beim japanischen 

Riesensalamander. Histologische Untersuchungen von Pick und P o 1 1. 

Vergleich zwischen Metastasenbildung beim Menschen und bei 

Kaltblütern. Fibrom an der Hand eines Kryptobranchus. 

Carcinom der Hautdrüsen bei einem Triton. 
Erste Mitteilung über ein Ova rialcar cinom bei einem Reptil (Python) 

von Bland-Sutton. Fibrom des Magens. 
Struma thyreoidea bei einer Schlangenhalsschildkröte. Multiple 

Hautpapillome und Dermatitis verrucosa bei Eidechsen. 

Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs 1 316—340 

Anhänger und Gegner der Identität von Menschen- und Tier- 
krebs. 

Unterschied in der Lokalisation der Krebserkrankung bei Haussäuge- 
tieren und Mensch. Lieblingssitz bei Tieren. Urogenital- 
system. Verhältnis zwischen männlicher und weiblicher Erkran- 
kung. 

Statistischer Unterschied bei Erkrankung des Verdauungskanals 
zwischen Tier und Mensch. Ueb er Sichtstabellen. 

Verhältnis der Häufigkeit der Erkrankung einzelner Organe bei 
Tier und Mensch. Aetiologische Ursachen. 

Einfluß des Alters und Geschlechtes bei Tier und Mensch. 

Abweichungen vom klinischen Verlauf der Erkrankung b e i m M e n s ch e n. 

Verhältnis der gut- zu den bösartigen Geschwülsten bei Tier und Mensch. 

Ue be r si c h tst ab eile. Lipome, Papillome, Adenome, Cornua 
cutanea, Cholesteatome bei Tieren. Histologische und klini- 
sche Abweichungen von den beim Menschen vorkommenden, gutartigen 
Geschwülsten. 

Täuschungen in der Diagnose bösartiger Geschwülste bei Tieren. Verwechs- 
lung mit parasitären Geschwülsten. 

Häufiges Vorkommen von Sarkom geschwülsten bei Tieren. Histo- 
logische und klinische Abweichungen von den menschlichen 
Sarkomen. 

Histologische und klinische Unterschiede des Chorioepitheliom 
und Lymphom bei Tier und Mensch. 

Unterschiede in den anatomischen Kennzeichen der Malignität. 

Häufigkeit der Metastasen bei Tier und Mensch. 

Eigenartige Stellung des Mäusekrebses in der Onkologie 328-340 

Wichtigkeit dieser Geschwulstart für die Aetiologie und Therapie. 

Anhänger und Gegner der Identität von Mäuse- und Menschenkrebs. 
Gründe gegen die Identität:' 

Große Dimensionen des Mäusekrebses. Impf- und Spontantumoren. 

Kachexie. Blutbefunde. Amyloide Degeneration. 

Circumscriptes Wachstum der Mäusegeschwulst. Vorkommen bei Spon- 
tantumoren. Mannigfache Geschwulstformen. Beispiele für infil- 
tratives Wachstum. 

Metastasen bei Spontan- und Impftumoren. Statistik über Meta- 
stasen. Makroskopische und mikroskopische Metastasen. 

Ursachen für das seltene Vorkommen von makroskopischen Metastasen 
bei Impfgeschwülsten. 

Ausbreitungswege bei Tieren. Atreptische Immunität. Unter welchen Bedin- 
gungen entstehen makroskopische Metastasen? 

Spontanresorption und Spontanheilung beim Mäusekrebs. Verhältnis der 
Spontan- zu den Impfgeschwülsten. Histologischer Vorgang beim 
Heilungsprozeß. 

Uebergang von Carcinom in Sarkom bei Impfgeschwülsten. Stammen die 
Mäusegeschwülste von der Mamma ab ? Histologische Untersuchungen. 
Normaler Bau der Mamma bei Mäusen. 



Inhaltsverzeichnis. XXI 

Seite 

Infiltratives Wachstum« Seltenheit beim Mäusekrebs. Histologischer Vor- 
gang. Fälschungen von Tumoren. Impftechnik. 

Biologischer Unterschied. Experimentelle Immunisierung bei Spontan- 
und Impfgeschwülsten. Therapeutische Beeinflussung des Mäuse- 
krebses. 

Allgemeine Betrachtungen über die Stellung des Mäusekrebses in der 
Onkologie. 

Beziehungen zur Aetiologie. Ueberimpfbarkeit. Endemisches Vorkommen. 
Holle der höheren Parasiten. 

Der sogenannte Pflanzenkrebs 341 — 347 

Pflanzen als Vergleichsobjekte. Einfachere, biologische Verhältnisse 
der Zelle. Bisherige experimentelle Untersuchungen über die 
Beziehungen der Pflanzengeschwülste zum menschlichen 
Krebs. 

Parasitäre Ursachen der Pflanzentumoren : Nectria ditissima. Bacterium 
mali. Aecidium elatinum. Plasmodiophora brassicae. 

Gallenfoildungen : Definition des Namens „Pflanzenkrebs". Was ist eine 
Gallenbildung? Tierische und pflanzliche Gallenerzeuger. 
Unterschied zwischen Gallen- und Krebsgeschwulst. Histo- 
genetischer Unterschied zwischen pflanzlichen und tierischen, 
pathologischen Neubildungen. Analogie der Gallenbildungen mit den 
durch höhere Parasiten erzeugten Infektionsgeschwülsten beim 
Menschen. 

Entwicklungsgeschichtliche Störungen: Normaler Regenerations- 
prozeß bei Pflanzen. Tumorbildung durch Störungen des Regene- 
rationsprozesses. Einteilung der Pflanzengeschwülste. Gut- und 
bösartige Pflanzengeschwülste. 

Thermische Einflüsse : Frostschäden und Geschwulstentwicklung. 

Wurzelkropf der Ruhen als echte Geschwulstbildung. Jensen 's Unter- 
suchungen. Maligne Eigenschaften dieser Geschwulst. Bezidive 
und Ueberimpfbarkeit. Analogie mit dem Mäusekrebs. 
Kritische Bemerkungen. 

Kartoffelkrebs: Behla's Untersuchungen. Verbreitung und Histo- 
logie des Kartoffelkrebses. Parasitäre Ursache. 

Keine Analogie zwischen Pflanzen- und Tierkrebs. 



Druckfehler. 

S. 3 Zeile 9 von unten lies auf statt für. 

S. 225 Zeile 5 von unten lies Fibiger statt Fiebiger. 

S. 256 „ 20 von oben lies Fi biger statt Fiebiger. 

S. 284 ,. 30 von oben lies Adenocystome statt Adenocoystome. 



I. 

Allgemeine statistische Untersuchungen 
über die Krebskrankheit. 



Wollt'. Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 



Allgemeine Betrachtungen über die Verbreitung 
der Krebskrankheit. 

Der Krebs ist eine Erkrankung , die, wie wir sehen werden, 
auf der ganzen Erde, sowohl im äußersten Norden, als auch im 
Süden, sowohl in der gemäßigten Zone als auch in den Tropen, auf 
einsamen Inseln und in den entlegensten Flecken, kurz überall, wo 
Menschen und Tiere hausen, vorkommt. 

Nur in bezug auf die Häufigkeit der Erkrankung finden wir 
in den einzelnen Ländern und Ortschaften mannigfache Unterschiede, 
zu deren Erklärung man zunächst auf topographische und geo- 
logische Verhältnisse hinwies; aber auch andere Faktoren, wie 
z. B. das Klima, allgemeine hygienische Verhältnisse, die ethno- 
graphischen Unterschiede, soziale Erscheinungen usw. wurden 
für das mehr oder weniger häufige Vorkommen dieser Krankheit ver- 
antwortlich gemacht. 



Topographische und geologische Verhältnisse und ihre 
Beziehungen zur Krebskrankheit. 

Haviland's Wassertbeorie, Stütze für die parasitäre Entstehung 
des Krebses. Anhänger derselben in Frankreich, England und Deutschland. 

Krebshäuser und endemisches Auftreten des Krebses. Einfluß 
von Berg und Tal für die Ausbreitung des Krebses. 

Geologische Verhältnisse und deren Einfluß auf die Krebsverbreitung. 

Gegner von Haviland's Bodentheorie. Einfluß der Fleischnahrung 
und der Wohlhabenheit. Mangelhafte statistische Unterlagen als 
Beweismittel für diese Theorien. Heredität und Inzucht. 

Der erste Forscher, der durch systematische Untersuchungen ge- 
wisse Beziehungen zwischen den topographischen Verhältnissen und 
der Krebsausbreitung gefunden zu haben glaubte, war Alfred 
Haviland, 1 ) der auf Grund vieljähriger Forschungen über die 



l ) Farr und Haviland: The geographical distribution of Cancer (Med. Ge- 
sellschaft in London 1868). 

A. Haviland: Abstracts of Lectures at St. Thomas Hospital on the geo- 
graphical distribution of disease (Brit, med. Journ. 26. Nov. 1870, p. 537). 

1* 



4 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

geographische Ausbreitung der Krebskrankheit in England zu 
der Ansicht gelangte, daß hauptsächlich die Niederungen und die 
an Flüssen gelegenen Gegenden, die häufigen Ueberschwemmungen 
ausgesetzt wären und deshalb einen sumpfigen und moorigen 
Untergrund hätten, von der Krebskrankheit heimgesucht würden. 

Sowohl H a v i 1 a n d als auch besonders einige französische 
Forscher, wie z. B. Fiessinger, 1 ) Leon Noel 2 ) u.a., die sich der 
Theorie von Haviland anschlössen, waren der Ansicht, daß die 
Ursache der häufigen Erkrankung in solchen Niederungen, die der 
Ueberschwemmung oft ausgesetzt wären, in dem Genuß des mit dem 
damals noch hypothetisch angenommenen Krebsgift infizierten, 
nicht filtrierten Wassers zu suchen wäre. 

Als man dann eine große Zahl von Parasiten für die Ent- 
stehung des Krebses glaubte verantwortlich machen zu können,*) 
nahm diese Theorie eine greifbare Gestalt an. 

Jeder Anhänger der parasitären Theorie, der einen spezi- 
fischen Parasiten gefunden zu haben glaubte, bemühte sich die 
Haviland' sehe Theorie durch die Lebensbedingungen seines Para- 
siten zu erklären und zu stützen. F. J. Bosc 3 ) z. B., einer der 
eifrigsten Verteidiger der Sporozoentheorie, war der Ansicht, 
daß der feuchte, moorige Boden an den Flußniederungen eine günstige 
Entwicklungsstätte für allerlei Parasiten bilde. Die spezifischen Para- 
siten müssen, nach Bosc, erst einen Wirt passieren, ehe sie die 
nötige Eeife erlangen. Der Mensch beherbergt, nach Bosc. in seinen 
natürlichen Höhlen Sporozoen, die als Saprophyten wie die anderen 
Mikroben leben und nur auf eine günstige Gelegenheit zur Virulenz 
warten. 

Auch E. Behla 4 ) glaubte, daß eine tief gelegene, morastische 
Gegend für die Entwicklung seiner mannigfachen spezifischen Para- 
siten günstig sei. In Luckau z. B. wären in der tiefer gelegenen 
Vorstadt 9 mal so viele Krebstodesfälle vorgekommen als in dem 
hochgelegenen Stadtteil. Die Vorstadt von Luckau wird von 
einem tiefen, morastischen Graben mit stagnierendem Wasser 

The geographical distribution of cancerous disease in the British Isles (Lancet. 
1888, I, p. 314, 365, 412, 467). 

On the influence of clays and limestones on the medical geographie, illustrated 
by the geographical distribution of Cancer among females in England and Wales 
(7. Internat. Kongreß f. Hygiene und Demographie. London, 12. Aug. 1891). 

The geographical distribution of disease in Great-Britain. London 1892 (Part. I 
Second. Edit. p. 286). 

The medical Geographie of Cancer in England and Wales (The Practitioner 
1899, p. 400) und noch viele andere Arbeiten, auf die wir noch späterhin zurück- 
kommen werden. 

1 ) Kevue de Med. 1893, p. 707. 

2 ) Sur la topographie et la contagion du Cancer. Paris 1897. 
*) Cfr. Bd. I, Abschnitt VII dieses Werkes. 

3 ) Le Cancer. Maladie infectieuse ä Sporozoaires. Pathogenie, Histogenese. 
Prophylaxis Paris 1898. (Cfr. auch Bd. I, S. 530, 601, 613, 645 usw.) 

4 ) Cfr. Bd. I, S. 681; ferner: 

Die Amöben, insbesondere vom parasitären und kulturellen Standpunkt. Berlin 
1898. 

Deutsches Krebskomitee, 18. Febr. 1900. 

Die pfianzenparasitäre Ursache des Krebses und die Krebsprophylaxe. Berlin 
1903, 8°, 48 S. mit 4 Tafeln. 

Arbeiten aus dem kaiserlichen Gesundheitsamt. Bd. 22/1905, S. 396 — 410. 

Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. V/1906, S. 137 ff. 

Die künstliche Züchtung des Krebserregers. Berlin 1908 und andere Schriften. 



Haviland's Wassertheorie. Krebshäuser. 5 

durchzogen. Das Gemüse würde häufig mit derartig* schmutzigem 
Wasser gewaschen, und auf diese Weise würde Gelegenheit zur In- 
fektion mit den von Behla für spezifisch gehaltenen Parasiten (Chytri- 
diaceen etc.)*) gegeben. 

Auch der Hausschwamm (Merulius lacrymans), den Behla 1 ) 
und Klug 2 ) ebenfalls in Beziehungen zur Krebsentstehung brachten, 
gedeiht nur auf feuchtem Boden. 

Die Wasser theorie Ha vil and' s fand viele Anhänger. Außer 
den eben genannten Forschern verteidigten auch in England noch 
Nason, 3 ) Blyth 4 ) u. a. die Theorie von der Verbreitung der Krebs- 
krankheit und der erhöhten Krebssterblichkeit in solchen Gegenden, 
deren Boden feucht und schlecht drainiert, oder durch organische 
Abfälle stark verunreinigt wäre. 

In Deutschland trat auch besonders eifrig L. Pfeiffer 5 ) 
für Haviland's Theorie ein. Pfeiffer erwähnt z. B. (Nachtrag IV), 
daß in der Ortschaft B e h b u r g am S t e i n h u d e r S e e die Erkrankung 
an Magenkrebs bedeutend abgenommen hätte, seitdem 
die Bewohner nicht mehr das schlechte Seewasser, sondern gutes 
Leitungswasser zum Trinken benutzten. Aehnliche Beobachtungen 
teilten auch Reiche, 6 ) Naegele, 7 ) J. Skalicka 8 ) und Walter 
Pöppelmann 9 ) mit. 

Die Wassertheorie Haviland's, nach welcher also die 
Entstehung des Krebses auf eine parasitäre Infektion zurück- 
zuführen wäre, wurde auch dafür verantwortlich gemacht, daß die 
Erkrankung in besonders hohem Grade oft in einzelnen, auf morastigem 
Boden stehenden Häusern, sogenannten Krebshäusern, vorkomme und 
ferner für die endemische Ausbreitung in einzelnen Ortschaften. 

Derartige „Krebshäuser" sind nun in den verschiedensten Ländern 
beobachtet worden. 



*) Die Versuche von Behla sind übrigens, was ich im Bd. I, S. 6S4 noch nicht 
habe erörtern können, von Waldein ar Loewenthal (Zeitschrift f. Krebsforschung-, 
Bd. III, 1904, S. 46) nachgeprüft worden, und zwar, da Behla nur allgemein von 
Chytridiaceensporen- Material spricht, welches nach Finger (Zeitschrift f. Medizinal- 
beamte 1902, Nr. 9) und Kolb (Zeitschrift' f. Hysiene. Bd. 40, H. III) sich an 
wasserreichen, moorigen Orten findet, ohne zu berücksichtigen, daß es einige Hundert 
Arten gibt, mit dem Synchytrium taraxaci, welches zuerst von de Bary und 
Wo ronin (Verhandl. der naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i./B., Bd. III, 1864, 
H. II) beschrieben worden ist. Steril entnommene Stücke aus Kohlhernien in die 
Bauchhöhle oder iu die Rückenhaut von Kaninchen eingespritzt, hatten durchaus ein 
negatives Resultat. 

Auch die experimentellen Untersuchungen Behla's mit dem Synchytrium 
anemones, Olpidium Dicksonii, Zygorhizidium Willei (Arch. f. Protistenkunde Bd. V, 
1904, S. 221) ergaben, daß diese Gebilde mit der Krebsentwicklung nichts zu tun 
haben. 

x ) Zeitschrift f. Medizinalbeamte 1900, S. 657 und 1901, S. 275. 

2 ) Der Hausschwamm, ein pathogener Parasit. Freiheit, Johannisbad (Böhmen) 
1903. (Cfr. auch Bd. I, S. 684). 

3 ) Brit. med. Journ. 12. März 1898 und 18. Mai 1901. (Cfr. auch: Ibidem, 
29. Sept. 1900). 

4 ) Public. Health., Bd. II, p. 14 (für Dul verton). 

5 ) Die Protozoen als Krankheitserreger mit 5 Nachträgen. Jena 1895. (Cfr. 
auch Bd. I, S. 573 ff.) 

5 Münchener med. Wochenschrift 1900. Nr. 39. 

7 ) Württemb. Corresp. Blatt 1904, p. 845 (aus Böblingen). 

8 ) Casopis lekafu ceskych 1904, p. 1147. 

!l ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, S. 39. 



6 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In E n g 1 a n d z. B. beschrieben ClementLucas 1 ) nnd W y n t e r 
Blyth 2 ) ein derartig gehäuftes Vorkommen in ein und demselben 
Hause (1881 — 1886) bei den verschiedensten Einwohnern, die in der 
Mehrzahl gar nicht miteinander verwandt waren. 

A. Haviland 3 ) (London), Law Webb 4 ) (Birmingham) und in 
jüngster Zeit noch J. Campbell 5 ) berichten ebenfalls über derartige 
Häufungen von Krebserkrankung in alten und langbewohnten, auf 
sumpfigem Untergrund stehenden Häusern und Häusergruppen. 

Auch in Frankreich sind ebenfalls einige, derartige Krebs- 
herde beobachtet worden. 

So teilt z. B. Gueillot 6 ) auf Grund einer in Reims veran- 
stalteten „Enquete" mehrere Beobachtungen über derartige Krebs- 
häuser mit. Humbert Molliere 7 ) berichtete über 4 Krebstodes- 
fälle im Laufe von 10 Jahren in einem Hause in Lyon, in welchem 
sonstige Todesfälle während dieser Zeit nicht vorgekommen sind. In 
Fontainebleau, welches, nach F o u c a u 1 1 , 8 ) im Verhältnis zu den 
übrigen Städten Frankreichs, schon an und für sich eine hohe 
Krebssterblichkeit aufweist (6,87 °/ der Gesamtsterblichkeit, im Gegen- 
satz zu Paris, welches nur 5,4 °/ der Gesamtsterblichkeit zeigt), 
konnte dieser Forscher in bezug auf die Verteilung der einzelnen 
Fälle feststellen, daß die Sterblichkeit um so größer war, je niedriger 
und feuchter die Wohnung war; alle Häuser mit vielen Krebser- 
krankungen (multicancereuses) hatten schlecht gelüftete Wohnungen, 
deren Feuchtigkeit nicht nur durch das Baumaterial, sondern auch 
durch den schlechten Abfluß von Hausabwässern oder Regenwässern 
unterhalten wurde. 

In Italien fanden sich ebenfalls Forscher, wie z. B. L. Bal- 
dassari, 9 ) die in feuchten und dunklen Häusern eine Häufung von 
Krebserkrankung beobachtet haben wollten, ebenso berichten Axel 
Johannessen 10 ) und KarlHaasted 11 ) über gehäuftes Vorkommen 
von Krebs auf einzelnen Bauernhöfen in Norwegen, und zwar in 
Baerum und in Aalesund. 

Aus Deutschland liegen ebenfalls Berichte über das Vorhanden- 
sein derartiger Krebshäuser vor. 

So erwähnt z.B. R. Belli a 12 ) die Beobachtung eines Arztes aus 
Dobrilugk über Krebshäuser in dieser Ortschaft, ferner berichtet 
L. Pfeiffer 13 ) über das Vorkommen von einzelnen Krebshäusern in 
süddeutschen Pfarrhäusern.*) 

*) Lancet, 12. Nov. 1887, Vol. II, p. 985. 

2 ) Ibidem, 1888, Nr. 1, p. 19. 

3 ) Ibidem, 1895, Vol. I, p. 1049. 

4 ) Birmingham med. Review Dez. 1892, Vol. 32. 

5 ) Brit. med. Assoc. Londonderry, 20. April 1910. 

6 ) La qnestion du Cancer. Le Cancer est il contagieux? (Union medic. du 
Nord-Est, 15. Febr. 1891.) Cfr. auch: Französischer Chirurgenkongreß Okt. 1894. 

7 ) Nach einer Mitteilung von Jean Fabre: De la contagion du Cancer 
Paris 1892, 8°, 182 S. (S. 172). 

8 ) Bullet, de FAcad. de Med. 1904, 3. Serie, Bd. 51, S. 449 (Rapport par C h. P e r i e r). 

9 ) Gazzetta degli ospedali e delle cliniche 1903, No. 38. 

10 ) Tidsskrift for den norske Laegeforening 1899, p. 720. 
u ) Ibidem, p. 941. 

12 ) Zeitschr. f. Hygiene Bd. 32, 1899, S. 123. 

13 ) Cfr.: Deutsches Krebskomitee, 18. Febr. 1900 und: Korresp.-Bl. des allg. 
ärztlichen Vereins von Thüringen 1900, S. 558. 

*) Allerdings soll, nach Pfeiffer, das schlechte Trinkwasser nicht die alleinige 
Ursache der häufigen Krebserkrankung hierbei sein, sondern auch noch andere 



Endemische Verbreitung. 7 

Auch aus Thüringen liegen Berichte von Bernhard Schu- 
chardt 1 ) über Krebshäuser in einzelnen Ortschaften vor. 

Aber nicht nur einzelne H ä u s e r , sondern auch ganze Straßen- 
züge und Ortschaften sollen, nach den Angaben vieler Forscher, 
von der Krebskrankheit derartig häufig heimgesucht werden, daß man 
direkt von einem endemischen Auftreten des Krebses sprechen kann. 

Man wollte derartige Erscheinungen zuerst in einzelnen Ortschaften 
der Normandie beobachtet haben. 

A r n a u d e t 2 ) war wohl der erste Forscher, der neben der V e r - 
erbbarkeit des Krebses auch die schlechten Wohnungs- 
verhältnisse in einzelnen Dörfern dieses Landstriches für das 
häufige Auftreten der Krebskrankheit verantwortlich machte. 

In dem Dorfe Mojeon z. B. starben von 310 Einwohnern 
während der Zeit von 1889—1890 im ganzen 20 Personen, darunter 
6 Frauen an Krebs. 

Auch in dem Dorfe St. Sylvestre de Cormeilles, war die 
Krebssterblichkeit eine sehr hohe. 

Von 400 Einwohnern starben in den Jahren 1880—1887 im ganzen 
74 Personen, darunter 11 an Krebs = 15% der Gesamtsterblichkeit. 

Wenn man, nach Arn au de t, diese Zahlen mit der Krebssterb- 
lichkeit in anderen französischen Orten, z.B. in Paris und in Lyon, 
vergleicht, dann ergeben sich folgende Prozentzahlen für Cormeilles: 

Unter 10000 Todesfällen entfielen während des angegebenen Zeit- 
raumes auf 

Paris = 416 Todesfälle an Krebs 

Lyon = 589 „ ,. „ 

Cormeilles = 1488 ,, „ „ 

Es ist also in Cormeilles eine ungeheure Steigerung der Krebs- 
sterblichkeit zu verzeichnen gewesen. 

In einer bestimmten Straße dieses Dorfes sollen, nach Ar- 
naudet, im Laufe von 40 Jahren 21 Todesfälle an Krebs vorge- 
kommen sein. 

Die Angaben Arnaudet's suchte nunBrunon 3 ) durch eine Rund- 
frage bei den Aerzten dieser Gegenden auf ihre Richtigkeit zu prüfen. 

Im großen und ganzen erklärten sich 35 Aerzte mit der Ansicht 
Arnaudet's einverstanden. Allerdings hatten von 200 Aerzten bloß 
35 geantwortet, wodurch diese „Enquete" nur wenig Wert hatte. 

Hatte Arnaudet nur in sehr bedingter Weise die Wasser- 
verhält n i s s e für das endemische Auftreten der Krebserkrankung 
verantwortlich gemacht, so glaubte Fiessinger 4 ) in sehr be- 
stimmter Weise die Ursache für eine Endemie in der Ortschaft 
Oyamax in dem Genuß von infiziertem Wasser gefunden zu haben. 

Faktoren, wie z. B. das Zölibat, der schlechte Apfelwein, der reichliche Fleisch- 
genuß usw. sollen eine Bolle spielen (cfr. auch : Bd. II, S. 596 und 644 dieses Werkes). 
'*) Korresp. Bl. des allg. ärztlichen Vereins von Thüringen 1894, S. 255. 

2 ) Contribution ä l'etude du Cancer en Normandie (Normandie medicale, Rouen, 
1. Febr. 1889; 1. April 1890; 15. Febr. 1892). 

Cfr. auch: Re bullet: Frequence du Cancer dans un bourg de Normandie 
(Ibidem. 1. und 15. April 1890). 

3 ) Enquete sur le Cancer en Normandie, avec la collaboration de 35 medecins 
exercant en Normandie 1893 (Normandie med. Rouen 1893, p. 1, 23, 46 und Revue 
d'Hy'giene 1893, p. 244). Cfr. auch Bd. II, S. 88, 596, 644. 

*) Note sur une epidemie cancereuse (Gazette med. de Paris, 5. März 1892 und: 
Revue de Med. 1893, p. 17). 



8 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In dieser, 4500 Einwohner zählenden Ortschaft kamen durch- 
schnittlich 4 Krebstodesfälle jährlich vor, und zwar auf 125 Häuser = 
1 Todesfall an Krebs. 

In einer kleinen Gruppe, aus 3Häusernbestehend, erkrankten 
aber in 4 Jahren (1887 — 1890) 5 Personen an Krebs, die Wasser aus 
einem Bache getrunken hatten, in welchen eine im Jahre 1886 nach 
Oyamax zugereiste, krebskranke Frau ihre schmutzigen Verband- 
stoffe geworfen hatte. 

In Deutschland sollen ebenfalls Ortschaften vorkommen, in 
denen der Krebs endemisch auftritt. Nach den Untersuchungen 
von R. Behl a x ) ist der Krebs recht häufig in Luckau und besonders 
in einer bestimmten Straße der Kalauer Vorstadt, die ringsherum von 
einem tiefen Graben mit stagnierendem Wasser umgeben ist, beob- 
achtet worden. 

Während in Preußen auf ca. 40 Todesfälle 1 Krebstodesfall ent- 
fällt, kamen in der Stadt Luckau mit ungefähr 5000 Einwohnern 
schon auf 30 Todesfälle 1 Todesfall an Krebs und in der genannten 
Vorstadt sogar auf je 9 Todesfälle 1 Krebstodesfall vor. 

Auch in Thüringen sollen Ortschaften mit endemischer 
Krebsausbreitung vorhanden sein. 

So berichtete z. B. L. Pfeiffer 2 ) über gehäuftes Vorkommen 
von Krebserkrankungen in dem Dorfe Großobringen bei Weimar, 
welches 600 Einwohner zählt, mit einer Gesamtsterblichkeit im Laufe 
von 12 Jahren von 234 Personen, darunter 16 Fälle von Krebs = 13 °' 
der Gesamtmortalität. 

Ebenso konnte Bernhard Schuchardt 3 ) mehrere Ortschaften 
in Thüringen nachweisen mit endemischer Krebsausbreitung. 

Eine Umfrage, die Graf 4 ) bei den Aerzten Thüringens an- 
stellte, ergab bei einer Gesamtzahl von 4233 Carcinomfällen, daß im 
allgemeinen ein endemisches Auftreten der Krebskrankheit in 
Thüringen nicht nachgewiesen werden konnte, wohl aber mußte die 
Tatsache zugegeben werden, daß einzelne Ortschaften, wie z. B. Holz- 
thaleben, Kutzleben, Weida, Burkersdorf u. a. ganz be- 
sonders stark vom Krebs heimgesucht würden. 

Finger 5 ) hat auch noch auf das gehäufte Vorkommen von Krebs- 
erkrankung in einigen Dörfern in der Umgegend von Potsdam hin- 
gewiesen. AlbertAschoff 6 ) berichtet über häufige Krebserkrankung 
in einer bestimmten, von Gärten umgebenen Straße auf der Insel 
Norderney (innerhalb eines Zeitraumes von 20 Jahren = 31 Krebs- 
todesfälle), M. Roth 7 ) über die Häufung von Krebstodesfällen in T ö 1 z 
(in den Jahren 1868—1879 = 7,6 °/ 000 Krebstodesfälle, während in ganz 
Bayern nur 3,9°/ 000 Krebstodesfälle gezählt wurden) und A. Sticker 8 ) 



') Zeitschrift f. Hygiene Bd. 32, 1899, S. 123, 

Cfr. auch: Zentr. Bl. für Bakteriologie 1898, S. 780 und: Deutsche med. Wochen- 
schrift 1901, Nr. 26. 

2 ) 1. c. S. 5. 

3 ) Korresp.-BL des allg. ärztlichen Vereins von Thüringen 1894, Nr. 2, 3 und 9: 
1899, S. 249 usw., 1900, S. 258 (Sammelforschung). 

4 ) Arch. f. klin. Chirurgie Bd. 50, 1895, S. 144. 
. 5 ) Zeitschr. f. Medizinalbeamte 1902, Nr. 9. 

6 ) Klinisches Jahrbuch 1902, Bd. VIII, S. 340 (mit 3 Plänen). 

7 ) Friedreich's Blätter 1889. 

8 ) Internationale Krebskonferenz, Heidelberg Sept. 1906. 



Endemische Verbreitung. 9 

über das Vorkommen einer Krebsstraße in einem nicht näher bezeich- 
neten, kleinen Ort. 

In England sind ebenfalls einige Ortschaften vorhanden, in 
denen man ein gehäuftes Vorkommen von Krebs beobachtet hat. 

So beschreibt z. B. d ' A r c y Power 1 ) zwei nicht näher bezeichnete 
englische Dörfer mit 1036 resp. 456 Einwohnern, von denen das 
erstere eine jährliche Krebssterblichkeit von 2385 auf 1 Million 
Lebende, das zweite von 1100 aufweist. 

In dem kleineren Dorfe kamen während der Zeit von 1869 bis 
1902 = 17 Todesfälle an Krebs vor, davon 10 bis zum Jahre 1890, 
dann in 11 Jahren nur 2, aber im Jahre 1902 allein 5 Todesfälle an 
Krebs und 2 Erkrankungen. 

Haviland's „Bodentheorie" wurde nun vielfach als eine irrige 
und den Tatsachen nicht entsprechende Hypothese hingestellt. 

Schon im Jahre 1870 hatte der angesehene norwegische 
Medizinalstatistiker Franz K i a e r 2 ) gegen Haviland's Theorie den 
Einwand erhoben, daß der Krebs in Norwegen vorzugsweise in den 
gebirgigen Distrikten und in höheren Elevationen, zum Teil 
allerdings auch an den Ufern der Fjorde, am seltensten aber an 
der Küste vorkommt. 

Kiaer's Statistik erstreckte sich auf die Zeit von 1853 — 1866. 
Nach dem Durchschnitt der letzten 33 Jahre stellte sich das Mortalitäts- 
verhältnis der Küstenländer zum Binnenland wie 3:10000 zu 
6,26:10000. 

Der Ansicht von Kiaer schloß sich auch G. Salle 3 ) an, der 
ebenfalls behauptete, daß bergige Gegenden, wie z. B. die Seh weiz 
und Mexiko, viel häufiger von der Krebskrankheit heimgesucht würden 
als das Flachland. Allerdings deutete er diese Erscheinung nicht 
im Sinne der Anhänger von der parasitären Entstehung des Krebses, 
sondern suchte die Ursache in der Gewohnheit der Flachlandbewohner 
viel zu rauchen, was bei den Gebirgsbewohnern nicht der Fall wäre*) 

Die Untersuchungen von Kiaer setzte nun M. Geirsvold 4 ) 
in eingehender Weise für Norwegen fort, und zwar für die Zeit 
von 1865—1897. 

Nach den Angaben von Geirsvold war die Statistik Kiaer's 
nur eine unvollständige. Die größeren Zahlen und die genaueren 
Angaben, über die Geirsvold verfügte, stellten doch viele Einzel- 
heiten in ein anderes Licht; vielleicht mag sich auch, nach Geirs- 
vold, während der verflossenen Zeit vieles verändert haben. 

Geirsvold's Untersuchungen bestätigten in bezug auf Nor- 
wegen, im Gegensatz zu Kiaer, eher Haviland's Theorie. 

Die Meer es höhe scheint, nach Geirsvold, in keinem 
direkten Verhältnis zur Häufigkeit des Krebses zu 
stehen, vielmehr scheinen die Mündungen der Täler — die niedrig- 
sten Gegenden also — am meisten heimgesucht zu sein. Es ist, 
nach Geirsvold, von untergeordneter Bedeutung, daß die Täler an der 



M Chirurg- am Kinderkrankenhaus Chelsea (The Practitioner 1903, S. 697). 
2 ) Uebersicht über die Verbreitung der krebsartigen Krankheiten in Norwegen 
(Norsk Magazin for Laegevidenskaben 1870, p. 241. — Uebersetzt von L. Klein). 
8 ) Ätiologie de la Carcinose. Paris 1877, 8°, 150 S. (S. 97). 
*) Cfr. jedoch die gegenteilige Ansicht von Flenry (Bd. II, S. 535 dieses Werkes). 
4 ) Nordiskt Medicinskt Arkiv 1901, Afd. II, Haft II, No. 11. 



10 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

einen Seite der Gebirge höher liegen als an der anderen, wenn der 
Krebs gleich häufig vorkommt. 

Auch Geirsvold gibt die Möglichkeit zu, daß die größere Krebs- 
sterblichkeit in den Küstenländern vielleicht mit dem Trinkwasser 
zusammenhängt, da in der Tat viele norwegische Küstenstädte auf 
schlechtes, aus den Talsperren stammendes Wasser angewiesen seien. 

Diese Tatsache wird aber von Geirsvold nicht im para- 
sitären Sinne gedeutet; er ist vielmehr geneigt, die Ursache für 
die häufige Krebserkrankung auf das h a r t e W a s s e r zurückzuführen : 

„Es läßt sich wohl denken", sagt Geirsvold, „daß die Kalk - 
und Magnesia salze an verschiedenen Stellen des Körpers, z. B. 
im Verdauungstraktus, reizend oder in irgendeiner Weise prä- 
disponierend wirken können. 

Nach Geirsvold spielen also geologische Faktoren ebenfalls 
eine Rolle bei dem gehäuften Auftreten der Krebskrankheit in irgend- 
einem Landstrich. 

Haviland 1 ) hatte schon im Jahre 1870 (cfr. auch S. 4) die 
Ansicht ausgesprochen, daß die Krebskrankheit auf Lehmboden, 
der sich besonders an niedrig gelegenen Stellen, wie z.B. an Fluß- 
ufern, vorfindet, häufiger auftrete als auf felsigem Gestein in 
hohen Elevationen. 

Von diesem Gesichtspunkte aus hat in neuerer Zeit besonders 
Karl Kolb 2 ) durch eingehende Einzeluntersuchungen die Frage ge- 
prüft, inwieweit die geologische Beschaffenheit einer Gegend mit 
dem mehr oder minder häufigen Auftreten der Krebskrankheit zu- 
sammenhängt. 

Nach den Untersuchungen von Karl Kolb gibt es in Süd- 
deutschland ein Gebiet höchster Krebssterblichkeit, 
welches besteht zwischen Donau und Alpen und sich nach s t e n bis 
zum Wiener Becken fortpflanzt, nach Westen jenseits des Ober- 
rheins zwischen Jura und Alpen bis nach Genf. „Es reicht fast 
überall so weit als die Tertiärformen, einschließlich Diluvium und 
Alluvium und überschreitet sie hauptsächlich nur im Süden Salz- 
burgs, in Nordtirol und am Südabhange des Badischen Schwarz- 
waldes." 

Auch das Hessische Rheintal, welches ebenfalls sich durch 
eine hohe Krebssterblichkeit auszeichnet, besitzt eine ähnliche Boden- 
formation. 

Nach Kolb übt aber nicht die geologische, sondern 
die physikalische und chemische Beschaffenheit des 
Bodens einen Einfluß auf die Krebssterblichkeit aus! 

An einem Material von 4848 Krebstodesfällen aus 8 Bezirks- 
ämtern und 2 Städten in Bayern mit 320000 Einwohnern haben 
die 3 am meisten heimgesuchten Ortschaften*) geologisch: Ter- 
tiärboden und Diluvium, nagelfluhähnlich gefestigten Schotter; 
mineralogisch: Tonboden; physikalisch: Mulden, seichte 
Täler, moorige und sumpfige Stellen. 



*) The medical Geographie of Cancer in England and Wales (The Practitioner 
1899, p. 400). 

2 ) Der Einfluß von ßoden und Haus auf die Häufigkeit des Krebses nach Detail- 
untersuchungen in Bayern. München 1904, 146 S. mit 9 Kartenskizzen. Cfr. auch: 
Zeitschr. f. Hygiene Bd. 40, 1902, S. 373-467. 

*) Wir kommen noch späterhin auf diese Orte zurück. 



Einfluß der Geologie auf die Krebsverbreitung. 11 

Maßgebend für die Häufigkeit der Krebssterblichkeit ist, nach 
Kolb, der Untergrund, auf dem die Wohnhäuser erbaut sind. 

Tertiär- und T o n b o d e n wirken in dieser Beziehung am u n - 
günstigsten ein, Kalkboden wirkt hemmend (Kohlenkalk, Jura- 
und Kreidekalk), Sand- und Lehmboden sind am günstigsten. 

Wodurch wirkt nun der Untergrund günstig oder ungünstig auf 
die Krebssterblichkeit ein? 

Bei der Beantwortung dieser Frage schließt sich auch Kolb 
Haviland's Theorie an, indem er den Feuchtigkeitsgehalt 
des Bodens für den wesentlichsten Faktor hält. 

Der Tonboden ist in der Regel feucht; Typhusbazillen be- 
halten z. B., nach Kolb, im Tonboden lange Zeit ihre Lebensfähig- 
keit. Auch eine zur Prüfung dieser Frage in Birmingham eingesetzte 
Kommission*) (cfr. auch S. 6) kam zu dem Resultate, daß ein feuchter, 
schlecht drainierter, Ueberschwemmungen ausgesetzter Boden vielfach 
eine erhöhte Krebssterblichkeit zur P'olge hat, und daß ein fast 
sicheres Verhältnis besteht zwischen der Höhe, zu der 
das Grundwasser heraufreicht und der Häufigkeit der 
bösartigen Neubildungen! 

Auch andere Forscher, wie z. B. Prinzin g x ) und Pilf, 2 ) machen 
die Feuchtigkeit des Bodens für die Häufung von Krebserkrankungen 
verantwortlich. 

Die Bodenfeuchtigkeit ist nun, nach Kolb, abhängig von 
den Niederschlägen. Je mehr Niederschläge, um so günstiger ist 
der Boden für die Krebsentwicklung. 

Auch Wälder halten die Feuchtigkeit zurück und haben daher 
einen ungünstigen Einfluß auf die Krebssterblichkeit, ebenso ist auch 
der Gehalt des Bodens an Verunreinigung durch organische Ab- 
fallstoffe wichtig für den Wassergehalt, Die Feuchtigkeit des 
Hauses ist ferner abhängig auch vom Baumaterial und der Art 
der Benutzung (Wäsche usw.). 

Alle diese Umstände machen es, nach Kolb, erklärlich, weshalb 
einzelne Gegenden und Häuser, wie wir vorhin erörtert haben, 
eine gesteigerte Krebssterblichkeit aufweisen. 

Weshalb z. B. in Norderney (cfr. S. 8) in einzelnen Bezirken 
eine Häufung von Krebstodesfällen vorkommt, liegt, nach Kolb, 
daran, daß in dem nordwestlichen Teil, wo innerhalb der letzten 
20 Jahre nur 9 Todesfälle zu verzeichnen waren, der Boden aus 
reinem Sand besteht und hoch liegt, während der südöstliche Teil, 
in welchem während derselben Zeit 22 Krebstodesfälle vorkamen, tief 
liegt und sehr feucht ist, so daß in den Kellerräumen stets AVasser 
vorhanden ist. 

Dieselben Umstände spielen auch für die Verbreitung der Krebs- 
krankheit in England und Irland eine große Rolle. 

Nach den Untersuchungen von Alex Theodore Brand 3 ) und 
Alfred Wolff 4 ) sind die feuchten und tief gelegenen Orte 
Englands stärker von Krebs heimgesucht als die trockenen und 
hochgelegenen, ebenso verhält es sich mit dem nordöstlichen 

*) Cfr. Arthur Jackson: Brit. med Journ. 1899, Vol. II, S. 1465. 
M Württemb. Corresp.-Blatt 1903, Nr. 4. 
2 ) Zeitschr. f. Medizin albeamte 1903, Nr. 6. 
3 J Brit. med. Journ. 26. Juli 1902, S. 239. 
4 ) Ibidem, 1903, I, S. 929. 



12 1. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Teil Irlands, der um den Lough Neagh — dem größten See der 
Britischen Inseln — liegt, eine Gegend, die sehr wasserreich ist 
und eine hohe Krebssterblichkeit aufweist. 

Auch in Italien (cfr. auch S. 6) zeigen, nach den Unter- 
suchungen von Alfred Wolff, 1 ) die flachen und sumpfigen Gegenden 
der Lombardei eine größere Krebssterblichkeit als Mittelitalien, 
und ebenso verhält es sich mit den wasserreichen Teilen Hollands, 
wo Friesland und Seeland die höchste Krebssterblichkeit haben] 

Ebenso ist auch die große Krebssterblichkeit in der ganzen 
Ostschweiz auf die Feuchtigkeit des Bodens zurückzuführen. 

Wie Kolb hervorhebt, hätte sich die Geologie des Alpenverbandes 
nach den Untersuchungen von G ü m b e 1 , 2 ) S t u d e r , 3 ) P e n c k 4 ) u. a. 
folgendermaßen gestaltet: 

Die Miozänzeit führte die obere Meeresmolasse herbei von der 
Porte du Rhone und dem G e n f e r S e e bis an den Bodensee durch 
ganz Vorarlberg, Südbayern und über das Hausruckgebirge. 

Die Hauptgrundlage des Bodens der ganzen östlichen Schweiz 
bildet dieSüßwassermolasse, die hauptsächlich aus Mergel besteht. 

Dieser Mergelgehalt des Bodens ist, nach Kolb, höchst- 
wahrscheinlich die Ursache des gehäuften Vorkommens von 
Krebs in diesem Landstrich; dazu kommen noch die Ver gl et sche- 
rungs folgen, die dem Boden viel Feuchtigkeit zuführen und die 
Niederschlagsmenge. 

Wir haben schon an einer früheren Stelle*) bei Besprechung der 
Aetiologie des Krebses daraufhingewiesen, daß besonders J. Braith- 
waite 5 ) die Ha vil and 'sehe Bodentheorie lebhaft bekämpft hat. 
Nicht die geologische Beschaffenheit des Bodens hat, nach B r a i t h - 
waite, irgendeinen Einfluß auf das gehäufte Vorkommen der Krebs- 
krankheit, sondern die Lebensweise der Bewohner, insbesondere 
der erhöhte Fleisch- und Salzgenuß. 

In allen Gegenden Großbritanniens, die Haviland als 
„Krebsorte" bezeichnete, wäre nicht die niedrige und Ueberschwem- 
muugen ausgesetzte topographische Lage, auch nicht die geo- 
logische Beschaffenheit des Bodens schuld an dem gehäuften 
Auftreten der Krebskrankheit, sondern der erhöhte Fleisch- und 
Salzgenuß. 

Aus der Haviland 'sehen Karte geht z. B. hervor, daß fast 
ganz Wales eine sehr geringe Krebssterblichkeit besitzt; während 
Haviland dies auf die geologische Formation zurückführt, zieht 
Braithwaite die Einfachheit des Lebensunterhalts, insbesondere 
den geringen Fleisch- und Salzgenuß der Einwohner als Ursache heran. 

Auch in dem Hauptkrebsort Pickering**) sind, nach B r ai t h - 
waite, nicht die Überschwemmungen schuld an der erhöhten Krebs- 
sterblichkeit, auch nicht das schlechte Trinkwasser, da überall 



*) 1. c. S. 11. 

2 ) Geologie von Bayern. Kassel 1894, S. 268. 

3 ) Geologie der Schweiz, Bd. II, S. 458. 

4 ) Die Alpen im Eiszeitalter. Leipzig 1901, S. 252. 
*) Cfr. Bd. II, S. 85 ff. 

5 ) Excess of salt in the Diet with three other factors the probable canses of 
Cancer. London 1902 (cfr. auch: Lancet, 7. Dez. 1901). 

**) Cfr. auch Bd. II, S. 86. 



Braithwaite's Salztheorie. 13 

zahlreiche, artesische Brunnen zur Verfügung stehen , sondern 
der reichliche Fleischgenuß der Bewohner, da das Fleisch in 
dieser Gegend sehr wohlfeil wäre. 

Braithwaite weist auch noch auf die erhöhte Krebssterblichkeit 
in Leeds hin, eine Stadt, die in dem Zeitraum von 1851 — 1860 fast 
krebsfrei war; seither hat sich aber der Wohlstand sehr gehoben, und 
in den Jahren 1881—1890 stieg die Krebssterblichkeit auf 74 pro 
100000.*) 

Wir haben aber schon an einer früheren Stelle darauf hingewiesen, 
daß auch Braithwaite's Theorie nicht beweiskräftig ist; denn für 
die Steigerung der Krebssterblichkeit in Leeds z. B. kommt wohl 
mehr in Betracht die erhöhte Zunahme von Krankenhäusern und 
Chirurgen in dieser Stadt, welche naturgemäß auch einen größeren 
ZuflußvonkrebskrankenMenschen aus der ganzen Umgegend 
herbeigeführt hat. Auch hat die Sammelforschung des Deutschen 
Reiches vom Jahre 1900 für Salzgewinnungsorte (Staßfurt, 
Hohensalza, A schersieben usw.) keine besonders hohen Erkran- 
kungsziffern im Vergleich zu anderen gleich großen, aber dem 
vermehrten Einfluß des Kochsalzes nicht unterliegenden, benachbarten 
Bezirken ergeben. 

Auch für den Tier krebs, der uns noch späterhin beschäftigen 
wird, kann, wie schon A. Stick er 1 ) hervorgehoben hat, das Gegen- 
teil der Braithwaite'schen Theorie nachgewiesen werden; denn 
Schafe und Ziegen, welche pro Tag 4 — 8 g Kochsalz der Nahrung 
zugesetzt erhalten, erkranken fast gar nicht an Krebs, während der 
Hund, der viel häufiger als der Mensch vom Krebs heimgesucht 
wird, fast gar kein Kochsalz genießt. 

Daß die Grund wasser Verhältnisse und die sanitären Ein- 
richtungen zur Besserung derselben, wie z. B. die Kanalisation, 
keinen Einfluß auf die Krebserkrankung in den einzelnen Ort- 
schaften haben, hat schon JEL Weyl 2 ) nachgewiesen. 

Auch Kolb's geologische Theorie wurde von vielen Forschern 
als wenig beweiskräftig angesehen. 

Ebenso wie Braithwaite für englische Verhältnisse, im 
Gegensatz zu Haviland. die Wohlhabenheit der Bewohner für die 
Häufigkeit der Krebserkrankung verantwortlich machte, glaubte auch 
de Bovis 2 ) die größere Krebssterblichkeit der Bewohner Süd- 
bayerns und Oesterreichs auf diesen Umstand zurückführen zu 
müssen. 

Sowohl die topographischen als auch die geologischen 
Theorien hätten hauptsächlich dann einen gewissen Wert für die 
Beurteilung der gehäuften Krebssterblichkeit in einzelnen Häusern 
und Ortschaften, wenn die Entstehung des Krebses auf eine 
parasitäre Ursache zurückgeführt werden könnte. Welchen Erfolg 
aber die parasitären Theorien für die Erklärung des Krebsproblems 

*) Roger Williams (ßrit. med. Journ. 8. Aug. 1896) führt die Zunahme der 
Krebskrankheit in England ebenfalls auf den übermäßigen Fleischgenuß zurück, der 
pro Kopf und Jahr 126 Pfund beträgt. 

J ) Deutsche Medizinalzeitung 1902 Nr. 93 (Beilage: Carcinomliteratur). 

2 ) Einwirkung der Gesundheitswerte auf die Gesundheit der Städte 1894. 

3 ) L'augmentation de frequence du Cancer et du röle des principaux facteurs 
accessoires dans l'etiologie du Cancer. (Sem. med. 1902, No. 37—39). 



14 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

bisher gehabt haben, ist von uns schon vielfach an früheren Stellen 
erörtert worden. 

Es kommt noch hinzu, daß gründliche, statistische Unter- 
lagen für die Behauptung, daß es Krebshäuser gibt, and daß der 
Krebs auch endemisch auftritt, bisher kaum vorhanden waren. 

Aus letzter Zeit sind in dieser Beziehung besonders die Krebs- 
statistiken aus Stuttgart und Hamburg hervorzuheben. In 
beiden Statistiken werden die besonderen Schwierigkeiten betont, mit 
denen eine zuverlässige, statistische Untersuchung dieser Frage 
verbunden ist. 

Nach den mühevollen Untersuchungen von W. Weinberg und 
Gastpar 1 ) in Stuttgart muß zuerst die Wohnung herausgefunden 
werden, in welcher der Krebs aufgetreten ist. Dann müssen die Ein- 
wohner der Wohnung, in welcher der Krebskranke lebte und ge- 
storben ist, einige Jahre hindurch beobachtet werden. Tritt der 
Krebs in einem Hause öfter auf, so ist in erster Reihe in Betracht 
zu ziehen, daßeinmehrfachesAuftreteneinereinemathe- 
matische Notwendigkeit ist, ohne daß deshalb in dem 
Gebäude oder in dem Zusammenleben der Bewohner 
eines Hauses die Ursache des Krebses gesucht werden 
muß. 

Zu einem einwandfreien Ergebnis kann man, nach Weinberg 
und Gastpar, nur dann gelangen, wenn man die Sterblichkeit 
in den sogenannten Krebshäusern mit derjenigen der 
entsprechenden Gesamtbevölkerung vergleicht. 

Die Berechnung der Krebssterblichkeit bedarf auch unter allen 
Umständen der Kenntnis des Alteraufbaues der Bewohner der 
einzelnen Häuser. 

Bei Nichtberücksichtigung dieser beiden Gesichtspunkte werden 
die Statistiken fehlerhaft. 

An diesem Mangel leidet auch die Statistik Kolb's für mehrere 
Bayerische Bezirke (cfr. S. 10). Diese stellen, nach Weinberg und 
Gastpar, kein einheitliches, zusammenhängendes Ganzes 
dar, und über die zwischen den Bezirken liegenden Ortschaften 
liegen keine Untersuchungen vor. Auch über den Altersaufbau der 
Bevölkerung finden sich in der Kolb 'sehen Statistik keine Angaben. 

Ebenso fehlerhaft sind auch, nach Weinberg und Gastpar, 
die statistischen Angaben von Behla über endemisches Vor- 
kommen des Krebses in einzelnen Straßen von Luckau (cfr. S. 8). 

Behla's Statistik beruht auf dem Vergleich der Todesfälle 
an Krebs mit der Zahl der Gesamttodesfälle. Diese Me- 
thode ist aber, nach Weinberg und Gastpar, durchaus unzu- 
verlässig. Lediglich die Beziehungen zu den Lebenden 
sind maßgebend. Bei der geringen Zahl der Behla' sehen Statistik 
treten diese Mängel noch schärfer hervor. Es kommt noch hinzu, 
daß der stark von Krebs befallene Stadtteil in Luckau hauptsächlich 
von Gärtnern bewohnt ist, die häufig ein hohes Lebensalter er- 
reichen. 

Die Statistiken über sogenannte Krebshäuser sind, nach Wein- 
berg und Gastpar, reine Zufallsstatistiken. 



2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung Bd. IV, 1906, S. 22. Cfr. auch J. D ollin g er: 
II. internationale Krebskonferenz in Paris Okt. 1910, S. 496. 



Fehlerhafte Statistik. Heredität und Inzucht. 15 

Auch die Untersuchungen von Körb er 1 ) ergaben, daß eigent- 
liche Krebshäuser in Hamburg nicht ermittelt werden konnten, 
und daß die hygienischen Verhältnisse und die Wohnungsbe- 
dingungen ohne erkennbaren Einfluß -auf die Krebshäufigkeit waren. 

Wie leicht man von einem endemischen Auftreten des Krebses 
spricht, ersieht man aus den Mitteilungen v. Hansemann's 2 ) über 
die angebliche Endemie in der Gemeinde Barchfeld an der Werra. 

Die hygienischen Verhältnisse dieses Ortes waren mangelhaft. 
In einem Jahre häuften sich etwas die Erkrankungen (6 Fälle, sonst 
nur 1 — 3 Fälle), und man sprach bereits von einer Krebsepidemie. 

Die Untersuchungen Hansemann's ergaben aber, daß eine 
solche nicht vorhanden war, daß ferner keine Beziehungen zu den 
Wasserläufen und zu der geologischen Bodenbeschaffenheit 
sich ermitteln ließen. 

Nichtsdestoweniger glaubte doch in neuester Zeit R. Werner 3 ), 
auf Grund seiner eingehenden Untersuchungen über die Krebssterb- 
lichkeit in Baden, die geologische Bodenbeschaffenheit 
bei der Beurteilung der erhöhten Krebssterblichkeit nicht außer acht 
lassen zu dürfen. 

Auch Werner behauptete, daß in der Ebne der Krebs häufiger 
vorkommt, als im Gebirge. 

„Auf keiner geologischen Formation", sagt Werner, „fehlen 
starke Kontraste bezüglich der Mortalitätshöhe. An und für sich 
kann die geologische Beschaffenheit selbst nicht die direkte 
Ursache der Dichtenunterschiede sein, wenn es auch möglich ist, 
daß bei einer bestimmten geologischen Zusammensetzung des Bodens, 
auf dem die Gemeinden erbaut sind, die unbekannten Voraussetzungen 
für die Häufung der Krebssterbefälle leichter und daher öfter erfüllt 
werden als sonst, während dort, wo andere Formationen herrschen, 
das Gegenteil eintritt." 

Inwiefern auch der hereditäre Faktor für das endemische 
Auftreten der Krebskrankheit verantwortlich gemacht werden könnte, 
haben wir bereits vielfach erörtert.*) 

Nach den Untersuchungen von R. Werner ist auch die Hypo- 
these einer hereditären Degeneration durch Inzucht hinfällig; denn 
der Bezirk der größten Inzucht hatte die zweitniedrigste 
Krebssterblichkeit (9,9°/ 000 ), der der kleinsten Inzucht die höchste 
Mortalitätsziffer. 



*) Die Ergebnisse der Hamburgischen Krebsforschung im Jahre 1908 (Jahrb. 
der Hamburgischen Staatskrankenanstalten Bd. XIII, Suppl.). 

8 ) Zeitschr. f. Krebsforschung Bd. III, 1905, S. 306. 

3 ) Statistische Untersuchungen über das Vorkommen des Krebses in B a d e n usw. 
Tübingen 1910, gr. 8°, 286 S. mit 109 Tabellen (S. 277). 

*) Cfr. besonders Bd. II, S. 95 ff. 



X6 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Der Einfluß von Klima, Rasse und Religion auf die 
Verbreitung der Krebskrankheit. 

Klima: Aeltere Anschauungen über den Einfluß des Klimas auf die Verbreitung 
der Krebskrankheit: Ungünstige Einwirkung des heißen Klimas. 
Immunität der arktischen und tropischen Zone und des Orients. 
Neuere Untersuchungen: Ausbreitung des Krebses über die ganze Erde. 
Arktische Zone: Vorkommen des Krebses in Grönland, auf den Lofoten, in 
Island und auf den Faröern. Ungünstiger Einfluß bei Abwanderung 
nach Dänemark. Statistik. 
Schwarze Rasse: Afrika: Aeltere Mitteilungen über Vorkommen von Krebs bei den 
Ureinwohnern von Afrika. Englische, deutsche und portu- 
giesische Kolonien. Abessynien. 

Australien und Polynesien: Scheinbare Zunahme der Krebssterblich- 
keit bei den Eingeborenen in Australien. Verhältnis der Krebssterblich- 
keit zwischen Eingeborenen und Eingewanderten. Schwierigkeit 
des statistischen Nachweises. Eucalyptus als Prophylacticum. 

Neu-Seeland: Malaria und Krebs Verbreitung. Zunahme der Krebs- 
todesfälle bei den Eingeborenen. Vergleichende Statistik. 
Vorkommen von Krebs auf den Sandwichs-Inseln. 

Verhältnis der Krebssterblichkeit zwischen der schwarzen und weißen 
Rasse in Amerika: 

Nordamerika: Geringere Krebssterblichkeit der schwarzen 
Kasse. Statistik. 

Zentralamerika und Westindien: Seltenes Verkommen von 
Uterus- und Mammakrebs (Nicaragua, Antillen). 

Südamerika: Häutiges Vorkommen von Krebs bei den Negern in 
Columbia. Gehäuftes Vorkommen von Uternskrebs in Brit. Guiana. 
Angebliche Immunität der schwarzen Easse in Brasilien. 

Einfluß der Hassen mischung auf die Krebssterblichkeit in Nord- 
amerika. 

Erklärungen für die geringe Disposition der schwarzen Rasse zur 
Krebserkrankung : 

Hygienische Einflüsse: Geschlechtsverkehr. Vegetarianische Diät. 
Alkoholabstinenz. Angebliche Immunität nach Malariainfektion. Größere 
Sterblichkeit im präcancerösen Alter. Tuberkulose und Carcinom. 

Anatomische Unterschiede: Hautpigment als Schutz gegen Haut- 
krebs. Gutartige Geschwülste bei den Negern. 

Einfluß der Zivilisation auf die Krebserkrankung der schwarzen 
Rasse. Aerztliche Behandlung. Verlängerung der Lebensdauer durch bessere 
Hygiene. Laker's Keimblättertheorie und Kultur. 

Hindus: Häufiges Vorkommen von Krebs. Statistische Untersuchungen (Punjab, 
Kashmir, Bombay, Travancore, Ceylon, Calcutta). Gehäuftes Vorkommen 
von Penis- und Mammakrebs. Betelkauen und Krebs der Mund- 
schleimhaut. Einfluß der Lebensweise auf die Krebserkrankung. Selten- 
heit des Magenkrebses. 

Krebssterblichkeit in Cochinchina. 

Chinesen : Disposition der Chinesen zur Krebserkrankung. Statistik von Hongkong. 
Animalische Kost und Magenkrebs. Seltenheit des Magenkrebses. Geringe 
Krebssterblichkeit bei den armen Chinesen. Uterus- und Mammakrebs in 
Shangai. 

Gehäuftes Vorkommen von Krebs bei den ausgewanderten Chinesen 
in Nordamerika und Australien. 

Japaner: Häufigkeit des Oesophaguskrebses bei den Saketrinkern. Selten- 
heit von Hautkrebs. Reinlichkeit der Japaner. Vermehrtes Vorkommen 
von Krebs der Oberlippe. Allgemeine Statistik. Geringe Sterblich- 
keit der ausgewanderten Japaner. Mäßigkeit der Japaner. 

Mohammedaner : Aeltere Berichte. Neuere Untersuchungen über die Krebssterblich- 
keit der Mohammedaner. Seltenheit des Peniskrebses. 



Einfluß des Klimas auf die Krebsausbreitung. 17 

Europäische Rassen: Unterschied zwischen Komanen und Deutschen in bezug 
auf Krebssterblichkeit. Franzosen und Italiener. Selteneres Vor- 
kommen in den polnischen Provinzen Deutschlands. 

Krebssterblichkeit und Körpergröße. Brünetter und 
blonder Typus. Dolichocephalen. 
Juden: Seltenes Vorkommen von Penis- und Lippen krebs. Statistische 
Untersuchungen über die Disposition der Juden zur Krebserkrankung. Ge- 
ringere Krebssterblichkeit inKrakau, Amsterdam, London. Kritische 
Würdigung dieser Angaben. Einfluß der Armut resp. Wohlhabenheit 
auf die Krebssterblichkeit der Juden. Statistische Erhebungen in Nord- 
amerika. 

Seltenheit der Uteruscarcinome bei den Jüdinnen. Statistische 
Untersuchungen über diese Frage in Budapest, München und Nürn- 
berg. 

Häufigeres Vorkommen von Mammakrebs und Krebs des 
Digestionstrakt us. 

Bestätigende Untersuchungen in Nordamerika. Speisegesetze 

der Juden und Krebserkrankung. 
% 

Vergleichende, statistische Untersuchungen über die Krebs- 
sterblichkeit bei den einzelnen Keligionen in Budapest. 

Daß die Krebskrankheit nicht gleichmäßig auf der ganzen 
Erde verbreitet ist, haben bereits die älteren Forscher hervor- 
gehoben. 

Schon Hieronymus Fabricius abAquapendente, 1 ) von 
der Ansicht ausgehend, daß die „Regeneratio" der atrabilis in heißer 
Luft schneller vor sich gehe und deshalb häufiger zur Krebserkrankung 
disponiere als kalte und feuchte Luft, behauptete, daß „in Germania 
raro, in Asia frequ enter Cancri oriuntur." 

Noch im Beginn des 19. Jahrhunderts waren viele Forscher, wie 
z. B. F. J. Leon Rouzet, 2 ) der Meinung, daß je heißer das 
Klima wäre, um so häufiger und schwerer die Krebskrankheit 
aufträte. Wer z. B., nach Rouzet, mit einem Cancer von Norden 
nach Süden geht, verschlechtert sich, umgekehrt aber verbessert er sich. 

Auch Jourdanet 3 ) teilte noch diese Anschauung. Ein im 
tropischen Klima gelegenes Land, wie z. B. Mexico, wäre bloß 
deshalb von Krebs weniger heimgesucht als die anderen, unter dem- 
selben Breitegrad gelegenen Länder, weil die Temperatur in dem 
hochgelegenen Lande schwankend wäre und öfters sich stark abkühle. 

Späterhin jedoch vertrat man gerade den entgegengesetzten Stand- 
punkt. Den äußersten Norden und die tropischen Gegenden 
hielt man fast für immun gegen die Krebserkrankung. 

Panum 4 ) z. B. behauptete, daß in den arktischen Gegenden 
der Krebs überhaupt nicht vorkomme, auch J. Erichsen 5 ) 
vertrat noch diese Ansicht. 

Andererseits teilten auch viele Forscher mit, daß sie die tropischen 
Gegenden für immun der Krebskrankheit gegenüber hielten. 

Ein im Anfang des 19. Jahrhunderts in den Tropen lange Zeit 
praktizierender, holländischer Wundarzt namens Schouten 6 ) 



>) Cfr. Bd. I, S. 87. 

2 ) Recherches et Observations sur le Cancer. Paris 1878, 8°, 358 S. 

8 ) Le Mexique et l'Amerique tropical. Paris 1864, S. 412. 

4 ) Cfr. A. Hirsch: Handbuch der histor. geograph. Pathologie 2. Aufl., 1886, 
Bd. III, S. 350. 

5 ) Prakt. Handbuch der Chirurgie. Berlin 1864. 

6 ) Verhaal over de tegen-natuurlyke Gezwellen Deel II, p. 639. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 2 



18 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

berichtet, daß er dort während der ganzen Zeit seiner Tätigkeit 
niemals eine Krebserkrankung beobachtet hätte. 

Auch W. H. Wals he 1 ) und besonders Livingstone 2 ) hielten 
die in den tropischen Gegenden Afrikas und Asiens wohnenden 
Ureinwohner für immun gegenüber dem Krebs. 

Die Ansicht, daß die Tropenbewohner von der Krebskrank- 
heit nicht heimgesucht würden, war bis in die jüngste Zeit hinein 
sehr verbreitet. 

v. d. Corput, 3 ) v. Leyden, 4 ) R. de Bovis 5 ) u. a. hielten die 
Tropenbewohner für immun. Andererseits gibt es aber Forscher, 
wie z. ß. Alex Th. Brand, 6 ) Frank, C. M ad den 7 ) u. a., welche 
die Ansicht vertreten, daß der Krebs in den tropischen Ländern 
ebenso verbreitet sei, wie in der gemäßigten Zone. 

Auch im r i e n t soll, nach den Beobachtungen älterer Forscher, 
der Krebs fast gar nicht vorkommen. P o 1 a k 8 ) hat niemals in 
P e r s i e n einen Krebskranken gesehen und R i g 1 e r 9 ) niemals in der 
Türkei. 

Wie wir aber sehen werden, gibt es auf der ganzen Erde 
keinen gegen Krebs immunen Ort, mehr oder weniger häufig 
kommt der Krebs überall vor, nur nicht immer zur Kenntnis der 
Aerzte oder der Behörden. 

Dagegen ist es nach den Beobachtungen der neueren Zeit nicht 
zweifelhaft, daß bei den einzelnen Rassen dieKrebskrankheit 
nicht gleichmäßig verbreitet ist. Von welchen Umständen 
die mehr oder minder starke Ausbreitung der Krebskrankheit in 
diesem Falle abhängig sein könnte, werden wir noch späterhin zu 
erörtern Gelegenheit haben. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit im äußersten 
Norden der Erde. 

In Grönland war, nach den Untersuchungen von Kiaer, 10 ) bis 
zum Jahre 1900 kein Fall von Krebs unter den Eingeborenen bekannt 
geworden. Nur gutartigeGeschwülste, wie Keloide und Lipome, 
kamen zur Beobachtung. Erst im Jahre 1904 beobachtete Bertelsen 11 ) 
3 Fälle von Krebserkrankung (Mamma- resp. Leberkrebs), und in 



x ) The nature and treatment of Cancer. London 1846. 

2 ) Missionary Travels in South Africa 1857. Cfr. auch: L ortet: Essai mono- 
graphique sur le pretendu Cancroide labial. These. Paris 1861. 

3 ) Etiologie du Cancer: Bullet, de la Soc. de Med. de Gand, 3. Nov. 1883. 

4 ) Deutsches Krebskomitee, 14. Nov. 1901. 

5 ) Du röle des principaux facteurs accessoires dans l'etiologie du Cancer (Semaine 
med. 24. Sept. 1902). 

6 ) Brit. med. Journ., 26. Juli 1902, II, p. 241. 

7 ) Ibidem, p. 730. 

8 ) Briefe aus Persien (Wiener med. Wochenschr. 1853, Nr. 14, 32, 44; 1854, 
Nr. 25 und 48; 1855, Nr. 17). 

9 ) Die Türkei und ihre Bewohner. Wien 1852. 

10 ) Ugeskrift for Laeger 1900, No. 20. 

11 ) Hospitalstidende 1904. No. 8. 



Krebserkrankung in den arktischen Gegenden. 19 

neuester Zeit berichtet G. Meldorf 1 ) bereits über 37 Gesch wulst- 
erkrankungen, unter denen sich auch vielfach Haut- und Mamma- 
carcinome vorfanden, bei den Eingeborenen Grönlands, bei einer 
Gesamtsterblichkeit von 5032 Personen. 

Auf den Lofoten und an mehreren anderen Orten des nördlichen 
Polarkreises (Tromsö, Vardö und besonders Hammer fest) fand 
G e i r s v o 1 d 2 ) mehrere Krebs h erde, wobei der letztgenannte Ort die 
höchste Sterblichkeit unter allen norwegischen Städten 
aufweist. 

In Island sind, nach den älteren Angaben von A. Hirsch, 3 ) 
während der Zeit von 1827— 1837 nur 10 Todesfälle an Krebs unter 
50000 Einwohnern zur Kenntnis gekommen.*) 

Wie Roger Williams 4 ) mitteilt, hätte auch noch im Jahre 1892 
Dr. R. Jeaffreson, der sich lange dort aufhielt, nicht einen einzigen 
Fall von Krebs beobachtet, während Lazarus- Bar low 5 ) für das 
Jahr 1900 bereits eine Zunahme der Krebserkrankung von 28,8 auf 
100000 Einwohner berechnet. 

Diese Zahl stimmt auch mit den neuesten Angaben von Jensen 6 ) 
über die am 1. April 1908 in Island vorgenommene Sammelforschung 
überein, an der von 46 Aerzten 41 sich beteiligten. Im ganzen wurden 
23 Krebsfälle (6 Männer und 17 Weiber) mitgeteilt, d. h. 2,8 Krebs- 
fälle auf 10000 Lebende. 

Auf den Faröer Inseln ist, wie wir bereits erwähnt haben, 
von Panum 7 ) niemals eine Krebserkrankung beobachtet worden. 
Auch neuere Forscher, wie z. B. J. S. Davidson, 8 ) hielten diese 
Inseln für immun, hingegen beobachtete dieser Forscher die merk- 
würdige Erscheinung, die wir auch noch bei anderen Völkerrassen 
finden werden, daß die Bewohner dieser Inseln, sobald sie 
längere Zeit in Dänemark lebten, häufiger als die 
meisten anderen Völker rassen von Krebs heimgesucht 
würden! 

Die neuesten Untersuchungen von C. 0. Jensen 9 ) haben jedoch 
ergeben, daß auch in diesen arktischen Gegenden der Krebs be- 
reits eine große Ausbreitung gefunden hat. 

Von 10 000 Einwohnern erkranken in Island = 2,8, in Däne- 
mark = 4,3 und auf den Faröer n = 3,8**) Personen an Krebs. 



1 ) Nordisk medicinsk Arkiv 1908. 

2 ) 1. c. 8. 9. 
») 1. c. S. 17. 

*) Cfr. auch : B o u d i n : Tratte de geographie et de statistique medicale. Paris 1857. 
4 ) The natural history of Cancer. London 1908, S. 20. 

6 ) Arch. Middlesex Hosp. Vol. V, 1905, S. 275. 

«) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. XIII, 1913, S. 63. 

7 ) 1. c. S. 17. 

8 ) Brit. med Journ , 11. Jan. 1902, S. 77. 

9 ) Bericht des Dänischen Krebskomitees (Ugeskrift for Läger, Sept. 1911). 

**) Nach der neuesten Sammelforschuiig am 1. April 1911 teilten die 6 auf den 
Faröern praktizierenden Aerzte 9 Krebsfälle mit, die sie an diesem Tage in Be- 
handlung hatten, d. h. auf 10000 Lebende entfielen 3,8 Krebskranke. (Cfr. Jensen: 
Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. XIII, 1913, S. 63.) 



20 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit bei der 
schwarzen Rasse. 

Ueber die Erkrankung der Ureinwohner von 

Afrika 

liegen nur spärliche Mitteilungen vor. 

Aeltere Berichte französischer Militärärzte, wie z.B. der von 
Majeste, 3 ) erwähnen das häufige Vorkommen von Hodenkrebs 
bei den Ureinwohnern Afrikas, begünstigt durch die vielfache Er- 
krankung an Phimosis. Doch sind diese Beobachtungen in bezug auf 
die Diagnose nicht ganz einwandfrei. 

Tanchou 2 ) hingegen hielt die Eingeborenen Afrikas für immun. 

Auch neuere Forscher, wie z.B. M. Reclus. 3 ) behaupteten, daß 
der Krebs bei den Eingeborenen Afrikas fast gar nicht vorkomme. 

Ebenso hat auch Hermann Vortisch, 4 ) der an der englischen 
Goldküste seit 1885 die ärztliche Praxis ausübte, bei den Negern 
niemals eine Krebserkrankung beobachtet. Hingegen behauptete 
F. Plehn, 5 ) daß die Krebserkrankung bei den Negern Kameruns 
durchaus nicht zu den Seltenheiten gehöre. 

Otto Peiper 6 ) berichtet über 19 Fälle von bösartigen Ge- 
schwülsten bei den Eingeborenen von Kamerun in der Zeit von 
1903—1909. 

Auch v. Hansemann 7 ) bestätigte in jüngster Zeit, daß Carci- 
n o m e unter der eingeborenen, schwarzen Bevölkerung der 
deutschen Kolonien nicht zu den Seltenheiten gehören, und daß 
daselbst auch alle bei uns vorkommenden Formen beobachtet worden 
wären. 

Unter 84 aus den deutschen Kolonien zugesandten Präparaten 
befanden sich 20 Carcinome, und zwar 7Cutiscarcinome, 1 Kachen- 
krebs, 3 Mammakrebse, 1 Magenkrebs und 4 primäre Leber- 
krebse, ferner 1 Carcinom der Schilddrüse, 1 Ovarialkrebs und 
1 Lungenkrebs. 



1 ) Recueil de Memoires de Medecine, de Chirurgie et de Pharmacie militaire 
par Lambert, Paris 1834. 

2 ) Academie de Med. de Paris, 6. Mai 1844. 

3 j Bericht von Legrain in der Acad. de Med. de Paris vom 21. Juli 1896. 
(Cfr. auch: Sem. med. 1896, S. 282). 

4 ) Deutsche med. Wochenschr. 1907, S. 110. (Cfr. auch Henderson: Report 
on Cancer in British Colonies 1905). 

Cfr. auch: A. Balfour (Journ. of tropic. Med. 15. April 1904, p. 118, hat nur 
gelegentlich Carcinom bei den Eingeborenen des Sudans beobachtet). 

Fiaschi (Brit. med. Journ. 1897, Vol. I, p 687 — niemals im Somaliland 
und in Erythrea). 

Forde (Report on Cancer in British Colonies 1905 — niemals in Gambia). 

Johnson (Lancet, 1900, Vol. II, p. 1057 — niemals in Lagos). 

Robert Howard (Journ. of tropic Med. 1. März 1910) hat im Laufe von 10 
Jahren in der Gegend des Njassa-Sees nur 3 Sarkome und 1 Mammacarcinom beobachtet. 

5 ) Virch. Arch. Bd. 139, 1895, S. 545. 

°) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. 12, 1912, S. 291 (mit vielen Literatur- 
angaben über Krebs in den Tropen, auch über beobachtete Krebsfälle in den anderen 
deutschen Kolonien). 

7 ) Berliner Hufelandische Gesellschaft. 13. Febr. 1913. 



Krebs bei der schwarzen Rasse in Afrika. 21 

Auffallend ist die Häufigkeit der primären Leberkrebse, die sich 
in einer cirr ho tischen Leber entwickelt hatten. 

Sarkome kommen bei den Eingeborenen häufiger vor als 
Carcinome. 

Unter den 23 Sarkompräparaten befanden sich alle möglichen 
Formen, und zwar 8 Lymphosarkome , 2 Epulis, 8 Fibrosarkome, 
2 Lymphangiosarkome, 2 Osteosarkome und 1 Chondrosarkom. 

Es befanden sich ferner unter den Präparaten: 1 Hypernephrom, 
1 Adenomyxosarkom (bei einem Kind), 1 Cystoma papilläre ovarii (mit 
zahlreichen Metastasen) und 1 Chorioepitheliom. 

Recht häufig wurden auch in den deutschen Kolonien Fibrome 
beobachtet, die auf traumatische Ursachen zurückzuführen waren, 
wie z. B. an den Ohrläppchen. 

In Ostafrika wurden mehr maligne Geschwülste gefunden als 
in Nordwest afrika. 

Auch ein Lid krebs, der ein junges Mädchen befallen hatte, be- 
fand sich unter den Präparaten. 

In den portugiesischen Kolonien Afrikas kommen Krebs- 
erkrankungen unter den Eingeborenen, nach den neueren Unter- 
suchungen von F. CreightonWellmann 1 ) und A z e v e d o N e ve s , 2 ) 
nur sehr selten vor. 

In Angola beobachtete Well mann bei den Eingeborenen zwar 
vielfach Keloide, die sich aus den Narben entwickelten, aber fast gar 
keine bösartige Geschwulst. 

Auch Neves teilt mit. daß sowohl in Angola als auch in 
Moc,ambique nur je ein Fall von Krebs bei einem Eingeborenen 
beobachtet worden wäre und in St. Thome kein Fall, während am 
Kap Verde die Erkrankung an bösartigen Geschwülsten sehr 
häufig vorkommen soll. 

Ebenso soll auch, nach einer etwas älteren Mitteilung von 
Courbon, 3 j in Abessynien der Krebs, besonders Mamma- und 
Hodenkrebs, etwas häufiger vorkommen, während C. Singer, 4 ) der 
lange im Südwesten von Abessynien praktizierte, niemals Krebs 
beobachtet hat. 

Australien und Polynesien. 

Ueber die Krebserkrankung der Ureinwohner des australischen 
Kontinents berichtete in neuerer Zeit besonders A 1 1 e n 5 ) (M e 1 b o u r n e). 

Nach den Angaben dieses Forschers hat bei den Eingeborenen 
dieses Landes die Krebssterblichkeit während der letzten 20 Jahre 
zugenommen. 

Während im Jahre 1880 auf 10000 Einwohner nur 3,54 Todes- 
fälle an Krebs entfielen, stieg diese Zahl im Jahre 1900 auf 5,72! 



*) Tumors and Cancer among the Bush natives of Angola (Medecine, Vol. 12, 
1906, No. 6). 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung-, Bd. 8, 1910, S. 239. 

3 ) Observat. topographique et medicale sur l'Abyssinie. These de Paris 1861. 

4 ) Journ. of tropic. Med. 16. Jan. 1905, p. 17. Cfr. auch: Kellett-Smith 
(Liverpool, med. chir. Journ 1901, Vol. XXI, p. 46) beobachtete auch bei den Ein- 
geborenen im Nyassaland niemals Krebs. Sehr selten kommt, nach Hawes 
(Bartholom. Hosp. Rep. 1906, p. 161), auch bei den Hottentotten der Krebs vor. 

_ B ) Statistics concerning Cancer in Australasia and Tasmania (6. Versammlung 
des interkolon. med. Kongresses von Australasien zu Hobart (Tasmanien) 1902. Cfr. 
auch: Australian medical Gazette 21. April 1902, S. 169. 



22 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Aber diese Zunahme ist. nach der Ansicht von Allen, nur eine 
scheinbare; denn die Lebensdauer der Bevölkerung" ist eine 
größere geworden, die Eingeborenen werden älter, und es gelangen 
mehr Personen in das krebsfähige Alter. 

Nach den Beobachtungen von Allen erkranken allerdings die 
Maoris auf Neuseeland und die Schwarzen in Victoria selten 
an Krebs, dagegen um so häufiger die eingewanderten 
Chinesen, eine Erscheinung, die wir auch bei den Eingewan- 
derten in anderen Ländern finden. 

Genauere statistische Erhebungen über das Verhältnis der Krebs- 
sterblichkeit zwischen den Eingeborenen und den Ein- 
gewanderten dieses Kontinents machte in neuerer Zeit besonders 
G. Cooke Adams: 1 ) 







Von 10 000 Lebenden starben an Krebs 


Jahr 


Zahl der 
Einwohner 


Eingeborene 


Engländer 


andere Natio- 
nalitäten 


1851 


403 889 




28,0 


14,0 


1861 


1153 973 


5,6 


30,5 


19,0 


1871 


1 668 377 


9,7 


56,7 


25,0 


1881 


2 252 617 


16,8 


72,9 


32,6 


1891 


3 183 237 


19,8 


119,8 


45,9 


1901 


3 771715 


22,6 


203,1 


57,3 



Wir ersehen aus dieser Zusammenstellung, in wiehohem Grade 
dieKrebssterblichkeitbeidenEingew ander ten,im Ver- 
hältnis zu derderEingeborenen, gestiegen ist, die, unter 
Berücksichtigung der Bevölkerungszunahme, fast stabil geblieben ist. 

Nun weist aber schon Adams selbst darauf hin, daß eine sta- 
tistische Aufnahme bei der schwarzen Bevölkerung auf große Schwierig- 
keiten stößt, da diese ärztliche Hilfe nur in den seltensten Fällen in 
Anspruch nimmt. Insofern ist diese Aufstellung nicht sehr beweisend. 
Andererseits spricht aber Adams die Vermutung aus — ein Glaube, 
der bei den Eingeborenen Australiens sehr verbreitet ist — daß 
das Kauen einer bestimmten Art von Eucalyptusblättern*) ein 
gutes Prophylacticum gegen den Krebs sei, und daß vielleicht 
darauf die geringe Neigung der Eingeborenen zur Krebserkrankung 
zurückgeführt werden könnte. 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit in Neuseeland haben 
wir bereits an einer früheren Stelle**) bei Besprechung der Be- 
ziehungen zwischen Malaria und Krebserkrankung einige An- 
gaben gemacht, und wir haben an der betreffenden Stelle auch die 
Mitteilungen von L. Aschoff erwähnt, der auf die große Krebs- 
sterblichkeit in Neuseeland hinwies, im Vergleich zu anderen 
tropischen Ländern. Bei den von Asch off angeführten statistischen 
Nachweisen, auf die wir hiermit verweisen, hat allerdings eine Unter- 



l ) Lancet, 1904, Vol. I, p. 422 und: Tbe Empire Review Vol. VII, März 1904, p. 117. 
Cfr. auch: Mullins: Australian medical Gazette, 20. Jan. 1896. Coghlan: Ibidem. 
2. April 1902, S. 174. 

*) Wir kommen noch späterhin bei Besprechung der Krebsbehandlung auf diese 
Pflanze zurück. 

**) Cfr. Bd. II, S. 285. 



Krebs bei der schwarzen Easse in Australien. 



23 



Scheidung zwischen Eingeborenen und Eingewanderten nicht 
stattgefunden. 

Die neuesten Untersuchungen von P. W. H i s 1 o p und P. C 1 e n n e 1 1 
Fenwick. 1 ) Brennan 2 ) u.a. haben jedoch ergeben, daß der Krebs 
unter den Eingeborenen Neuseelands nur sehr selten 
vorkommt, und daß dieses Land die geringste Krebssterb- 
lichkeit der Welt aufweist, daß aber auch hier eine dauernde 
Zunahme der Krebserkrankung zu beobachten sei. 

Aus folgender Tabelle*) wird die allmähliche Steigerung der Krebs- 
todesfälle in Neuseeland ersichtlich, im Vergleich zu den Krebs- 
todesfällen in England und Wales. 



Von 10 000 Einwohnern starben an Krebs 


Jahr 


Neuseeland 


England und 

Wales 




Personen 


Personen 


1886 


3,68 


5,90 


1890 


— 


6,76 


1891 


4,68 


6,92 


1892 


4,78 


6,89 


1893 


5,02 


7,09 


1894 


6,01 


7,11 


1895 


5,53 


7,52 


1896 


5,50 


7,60 


1897 


5,47 


7,83 


1898 


6.40 


7,98 


1899 


6,24 


8,25 


1900 


5,63 


8,28 



Allgemein wird auch noch die geringe Krebssterblichkeit bei den 
Frauen in Neuseeland hervorgehoben, im Vergleich zu den Krebs- 
todesfällen in anderen Ländern. 

In bezug auf das gehäufte Vorkommen von Magenkrebs bei den 
Eingeborenen der Sandwichs Inseln verweisen wir auf unsere 
früheren Ausführungen. **) 

Auf Samoa wurden in der Zeit von 1881 — 1901 von den dort 
ansässigen Aerzten im ganzen 12 Krebsfälle beobachtet.***) 

An der Süd Westküste von Neumecklenburg hat E. Stephan 3 ) 
unter 1200 Menschen nur einen Krebsfall beobachtet. 

Auch auf den einsam gelegenen Gilbert- und Ellice-Inseln 
mit 2500 Bewohnern hat Alexander Robertson 4 ) Krebsfälle be- 
obachtet. 



1 ) Brit. med. Journ., 23. Okt. 1909. 

2 ) Keport on Cancer in British Colonies 1905. 

*) Zusammengestellt nach den Berichten von: The New Zealand Official Year 
book 1901 red. von R. J. Seddon und E. J. Dadelszen. Wellington und London, 
S. 308 und von W. J. Barclay (Lancet, 19. Sept. 1903, S. 822). 
Bd. II, S. 596. 
***) Cfr. Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt Bd. 21, H. I. Cfr. 
auch: 0. Peiper: Zeitschr. f. Krebsforschung Bd. 12, 1912, S. 291. 

3 ) Südseekunst. Berlin 1906. Cfr. auch: Conrad Sieber (Arch. f. Schiffs- u. 
Tropenhygiene, Bd. 13, 1909, ein Krebsfall in Nord-Mecklenburg im Bismarck- Archipel). 

4 ) Journ. of tropic, Med.. 15. Jan. 1908. 



24 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Verhältnis der Krebssterblichkeit zwischen der 
schwarzen und der weißen Rasse in Amerika. 

Vereinigte Staaten Nordamerikas. 

Wie Spencer Wells 1 ) mitteilt, hat schon Fordyce Bark er 
darauf hingewiesen, daß die Neger in Amerika weniger oft von 
der Krebskrankheit heimgesucht würden als die weiße Bevölkerung. 
Aber die Angaben von B a r k e r , ebenso wie die von J. Ph. L y o n 2 ) 
(Buffalo) und G. B. Massey, 3 ) sind wenig zuverlässig, soweit man 
überhaupt von Zuverlässigkeit bei derartigen statistischen Unter- 
suchungen sprechen kann. 

Etwas wahrscheinlicher sind schon die Mitteilungen von Armand, 4 ) 
der das Verhältnis der Krebstodesfälle zwischen der schwarzen 
und weißen Bevölkerung in Nordamerika auf 634:1000 angibt 
und die neueren Untersuchungen von Azevedo Sodre, 5 ) nach dessen 
Berechnung sich ein Verhältnis von 600:1350 ergeben würde.*) 

Etwas ungünstiger gestaltet sich dies Verhältnis für die 
schwarze Bevölkerung nach den neuesten Untersuchungen von 
J. Sanes, 6 ) auf Grund deren sich die Krebstodesfälle bei den Negern 
zu denen der weißen Bevölkerung wie 1000:1400 verhalten. 

Genauere Untersuchungen in einigen Staaten Nordamerikas 
über das Verhältnis der Krebstodesfälle der amerikanischen 
Indianer zu denen der weißen Bevölkerung liegen von Isaak 
Levin 7 ) aus dem Jahre 1900 vor: 



Staat 


Bevölkerung 


Krebstodesfälle 


Prozentsatz 


Virginia 
S. Carolina 
N. Carolina 
Georgia 


1190000 Weiße 
660 000 Schwarze 

560000 Weiße 
780 000 Schwarze 

1250 000 Weiße 
630 000 Schwarze 

1200 000 Weiße 
1 000 000 Schwarze 


397 
136 

147 
144 

326 
84 

290 
161 


1 : 3000 
1 : 5000 

1 : 4000 
1 : 5500 

1 : 4000 
1 : 7500 

1 : 4000 
1 : 6000 



1 ) Sir Thomas Spencer -Wells: Ueber Krebs nnd carcinomatö'se Krank- 
heiten. 2. Morton Lektüre in London, 29. Nov. 1888. Deutsch von Junker von 
Langegg (Volkmann's Sammlung kl. Vorträge Nr. 337). Cfr. auch: Brit. med. 
Journ., 1. und 8. Dez. 1888. 

2 ) Americ. Journ. of the med. Sc, Juni 1901. 

3 ) Ibidem, Februar 1900. 

4 ) Traite de climatologie generale 1873, p. 863. 

5 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. II, 1904, S. 407. 

*) Nach Sodre entfallen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auf 
10000 Weiße = 2.7 Todesfälle an Krebs und auf 10000 Neger = 1,2 Todesfälle. 

6 ) New Yorker Gynäkol. Kongreß 1911 

(bei den Negern eine Krebsmortalität von 50,2 : 100000 Lebende 
„ „ Weißen „ „ „ 71,7:100000 „ ). 

7 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910, S. 422. 



Krebssterblichkeit bei der schwarzen und weißen Kasse in Amerika. 25 

Daß die Rasse auch nicht ohne Einfluß auf die Organstatistik 
sei, geht, nach K. Buday, 1 ) daraus hervor, daß in den Vereinigten 
Staaten Nordamerikas bei den Farbigen der Magenkrebs 
seltener, der Uterus krebs aber häufiger vorkommt. 

Ueber die Krebserkrankung der schwarzen Rasse in 
Zentralamerika und W e s t i n d i e n 

liegen nur spärliche Mitteilungen vor. 

Von älteren Angaben sind die Mitteilungen von L, Young 2 ) 
bemerkenswert, der bei den Negerinnen Westindiens niemals Uterus- 
oder Mammakrebs beobachtet hat. 

Auch ein in Nicaragua lange Zeit praktizierender Arzt Dr. Bern- 
hard 3 ) hat nur äußerst selten bei Eingeborenen eine echte Krebs- 
erkrankung feststellen können, hingegen je 2 Fälle von Uterus- und 
Mammakrebs bei Eingewanderten. Allerdings nennen die Ein- 
geborenen jede verhärtete oder eiternde Hautdrüse „Krebs" (Canclo). 
Hingegen berichtete in neuerer Zeit Ernst R o t s c h u h , 4 ) daß Uterus- 
carcinome und varial cysto me bei den Eingeborenen von 
Nicaragua ziemlich häufig vorkommen. 

Auf den Antillen (Barbados) soll, nach einer älteren Mitteilung 
von Jackson, 5 ) die Krebskrankheit bei den Eingeborenen ziemlich 
häufig vorkommen, ebenso berichtet aus neuerer Zeit N. Unter- 
berg 6 ) über häufigeres Vorkommen von Krebs auf Portoriko. 

In den 

Südamerikanischen Staaten 

soll, nach den neueren offiziellen Statistiken in Columbia,*) die Krebs- 
sterblichkeit bei der schwarzen Rasse fast ebenso groß sein, 
als bei der weißen Bevölkerung. 

Im Jahre 1897 z. B. betrug die Durchschnittsmortalität an Krebs, 
auf 10000 Lebende berechnet, = 46 bei der weißen Bevölkerung und 
= 41 bei der schwarzen Rasse. 

Ganz besonders häufig soll, nach den Angaben von Middleton 
Michel, 7 ) in den Süd Staaten der Uteruskrebs bei der schwarzen 
Rasse vorkommen, und zwar oft noch häufiger als bei den Weißen. 

Während der Zeit von 1878—1891 kamen z. B. 48 Fälle von 
Uteruskrebs bei der weißen Bevölkerung und 53 Fälle bei der 
schwarzen Rasse zur Kenntnis.**) 

Auch in Brit. Guiana wurde die häufige Erkrankung der 
Negerinnen an Uteruskrebs festgestellt. 

*) II. Internation. Krebskonferenz in Paris, 5. Okt. 1910, S. 104. 

2 ) Cfr. Astley Cooper: Anatomie of the Breast, 1840. 

3 ) Deutsche Klinik 1854. S. 107. 

4 ) Archiv f Schiffs- u. Tropenhygiene, Bd. II, 1898. 
*) Boston, med. and surgic. Journal, 4. Juli 1867. 

6 ) Archiv f. Schiffs- u Tropenhygiene, Bd. III, 1899. 

*) Report of the Health Officer of the district of Columbia für die Jahre 1875 
bis 1900 (Washington). 

7 ) Medical News, 1892, 8. 400. 

**) Cfr. auch über Uteruskrebs bei Negerinnen: 
J. Williams: John Hopkins Hosp. Rep. 1890, II, S. 224. 



26 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Unter 6000 Sektionen fand Barnes 1 ) 97 Fälle von Krebs 
= 1,66 °/ aller Todesfälle, die sich auf folgende Rassen verteilten : 

Schwarze und Mischlinge = 61 
Hindus = 23 

Madeira Portugiesen = 8 

Chinesen = 4 

Unbekannt = 1 

Im Jahre 1906 konnte Wise 2 ) schon über 140 Krebsfälle be- 
richten. 

In Brasilien, dessen Statistik wir noch späterhin erörtern werden, 
soll, nach den Angaben von A. de Azevedo Sodre, 3 ) die schwarze 
Rasse fast immun sein. 

Sehr interessante Untersuchungen über den Einfluß der ßassen- 
mischuiig auf die Krebssterblichkeit in den Vereinigten Staaten 
von Nordamerika stellte in neuerer Zeit Alfred Wolff 4 ) an. 

Nach dem „Twelfth Census of the United States" für 1900*) bildet 
die Mischung der Rasse den Hauptfaktor für die Verschiedenheit 
der Krebsmortalität. 

Auf 1 Million Einwohner im Alter von 45 — 64 Jahren ent- 
fielen auf: 

Weiße, deren beide Eltern Eingeborene waren = 1450 Krebstodesfälle jährlich 
„ deren Mütter in Ungarn u. Böhmen geb. waren = 2580 „ „ 



„ „ Rußland u. Polen 


yi 


11 


= 2450 


„ „ Deutschland 






= 2260 


„ „ Trland 


11 


11 


= 2150 


„ „ Frankreich 


i; 




= 2120 


„ „ England 


11 




= 1710 


„ „ Schottland 


11 




= 1510 


„ „ Skandinavien 


11 


11 


= 1480 


„ „ Italien 


11 


11 


= 1150 



Auch Hovard A. Kelly 5 ) (Baltimore) hatte schon darauf hin- 
gewiesen, daß die schwarze Rasse an sich wenig vom Krebs heim- 
gesucht würde, und daß nur durch Kreuzung mit der weißen 
Rasse die Krebsdisposition bei den Negern gesteigert 
würde. 

Aus unseren bisherigen Erörterungen ist ersichtlich, daß die 
schwarze Rasse an und für sich, im Verhältnis zu der weißen 
Bevölkerung, weniger zur Krebserkrankung neigt, daß aber unzweifel- 
haft in den letzten Jahrzehnten auch bei der schwarzen Rasse 
eine Zunahme der Krebstodesfälle stattgefunden hat. 

Daß die schwarze Rasse gegen die Krebskrankheit nicht 
immun ist, haben wir in unseren bisherigen Erörterungen nach- 
gewiesen, weshalb aber diese Rasse von Natur aus so wenig zu 

1 ) Brit. Guiana Medical Journal 1898, Bd. X. (Cfr. auch Bd. H, S. 285.) 

2 ) Eep. on Cancer in Brit, Guiana for 1906/07. Georgestown 1907. 

3 ) Brazil Medico, 15 Juni 1904, Nr. 23. (Cfr. auch : Zeitschr. f. Krebsforschung, 
Bd. II, S. 407.) 

4 ) Brit. med. Journal, 18. April 1903 (A comparative Statistical study of Cance- 
rn ortality). 

*) Vol. III, P. I (Report of W. A. King). 

5 ) Transact. of the south surg. and gynaecol. assoc. Nov. 1890. 

Cfr. auch: G. McConnell: Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1909, S. 256. 



Ursachen für die relative Immunität der schwarzen Rasse. 27 

einer Krebserkrankung disponiert ist, dafür hat man die 
mannigfachsten Erklärungen gegeben. 

Schon der holländische Wundarzt Schouten ^führte die geringe 
Disposition zur .Krebserkrankung bei der schwarzen Kasse auf den 
beiden Wilden üblichen häufigen und naturgemäß ausgeführten 
Beischlaf zurück. Schouten war der Ansicht, daß die Zurück- 
haltung und Beschränkung des Beischlafes eine Anhäufung von giftigen 
Stoffen im Körper hervorrufe und Anlaß zur Krebsbildung gebe. 

Auch in neuerer Zeit gibt Hearsey 2 ) als Grund für die geringe 
Krebssterblichkeit unter den Eingeborenen von Afrika die einfacheren 
Formen des Geschlechtsverkehrs an, und daß die Frauen ihre 
Kinder selber stillen. Dazukommt, daß viele mechanische Reize 
(Rauchen!), denen die Europäer ausgesetzt sind, bei den Wilden 
wegfallen. 

Als fernerer Grund für die geringe Neigung der schwarzen Rasse 
zur Krebserkrankung wurde, wie wir schon au einer früheren Stelle*) 
ausführlich erörtert haben, die vegetarianische Lebensweise 
der schwarzen Rasse angeführt. Eifrige Verteidiger dieser Anschauung 
waren besonders Lebl an c, 3 ) van den Corput 4 ) und Verneuil 5 ) 
(cfr. auch S. 12). 

Auch die Enthaltsamkeit vom Alkohol bei der schwarzen 
Rasse ist, nach Arthur Newsholme, 6 ) eine wesentliche Ursache 
für die geringe Krebssterblichkeit bei diesen Völkerschaften. 

Die einfache Lebensweise, die guten Zähne und die 
ungestörte Verdauungstätigkeit verhüten, wie Hearsey, 7 ) Roger 
Williams 8 ) u.a. hervorheben, bei den Wilden viele Krankheiten, 
die zur Krebserkrankung Veranlassung geben könnten. 

Ueber die Beziehungen der Malaria — die ebenfalls als 
Grund für die geringe Disposition der schwarzen Rasse zur Krebs- 
erkrankung angeführt wurde — zur Krebskrankheit verweisen wir 
auf unsere früheren Ausführungen.**) Aus den daselbst angeführten 
Tatsachen geht hervor, daß das Ueberstehen von Malaria 
keinen Schutz gegen die Krebserkrankung gewährt! 
(Ueber Malaria und Leberkrebs in den Tropen cfr. Bd. II, S. 285 
und 737.) 

Von J. San es 9 ) wird auch noch angeführt/daß die Sterblichkeit 
im präcancerösen Alter bei den Negern größer sei als bei 
der weißen Bevölkerung, daß also auch weniger Personen von 
der schwarzen Rasse in das krebsfähige Alter gelangen 
als bei den Weißen. Hauptsächlich würdeu die Neger von der 
Tuberkulose***) frühzeitig dahingerafft. 

x ) 1. c. S. 17. 

2 ) Brit. med. Journ. 1906, Vol. II, S. 1562. 
*) Cfr. Bd. II, S. 88 ff. 

3 ) Bullet, de l'Academie 30. Sept. 1854 und 31. Jan. 1855. (Cfr. auch Bd. I, 
S. 211.) 

4 ) Bullet, de la Soc. de Med. de Gand, 3. Nov. 1883. 
ft ) Französischer Chirurgenkougreß 1889. 

6 ) Brit. med. Journ. 1903, II, S. 1529. 
-') cfr. Nr. 2. 
s ) 1. c. S. 19 (p. 23). 
**) Cfr. Bd. II, S. 284 ff. 
9 ) New Yorker gynäkol. Kongreß 1911. 
***) Wir kommen auf die statistischen Beziehungen zwischen Tuberkulose und 
Krebs noch späterhin zurück. 



28 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankhei . 

Die Sterblichkeit an Tuberkulose zwischen der schwarzen Rasse 
und der weißen Bevölkerung verhält sich, nach San es, wie 457: 179. 

Außer diesen allgemeinen, hygienischen Verhältnissen 
glaubte man nun auch verschiedene anatomische Unterschiede 
zwischen der schwarzen und weißen Rasse als Ursache der geringen 
Krebssterblichkeit bei den Negern heranziehen zu können. 

So erwähnt z. B. Dollinger 1 ) eine Arbeit von Hyde, der die 
Ansicht aussprach, daß die physiologische Pigmenti er ung 
der Haut scheinbar eine relative Immunität dieses Organs 
gegen den Krebs zu bedingen scheint, und daß auch die farbigen 
Rassen augenscheinlich weniger an Krebserkrankung der anderen 
Organe zu leiden haben als die Weißen. 

Diese relative Immunität mag, nach Hyde, bedingt sein 
durch den Schutz, den das Pigment des Integuments gegen die 
aktinischen Strahlen des Lichtes gewährt.*) 

Nach der Ansicht von L. Aschoff 2 ) sind ferner bei den Natur- 
völkern niemals Angiome, Naevi oder sonstige abgestorbene 
Zellmassen, die als prä Cancer ose Erkrankungen aufzufassen 
sind und als Zeichen eines degenerativenZustandes angesehen 
werden müssen,**) anzutreffen. 

H. Hearsey 8 ) (bei den Ureinwohnern von Zentralafrika) 
und Külz 4 ) (bei den Negern von Westafrika) haben aber zahlreiche 
gutartige Geschwülste, wie Fibrome, Lipome, Lymphadenome usw. 
beobachtet. 

Ob nun die eine oder die andere Erklärung für die geringe Dis- 
position der schwarzen Rasse zur Krebserkrankung zutrifft, lassen 
wir dahingestellt. Die Tatsache jedoch, daß auch bei dieser 
Rasse die Sterblichkeit an Krebs im Laufe der Zeit 
scheinbar zugenommen hat, wird von keiner Seite bestritten; 
aber einstimmig macht man den Einfluß der Kultur für die 
Steigerung der Krebstodesfälle verantwortlich. 

Schon Tanchou 5 ) sprach sich dahin aus, daß „La cause de cette 
maladie parait etre la civilisation!". Auch G. Salle G ) vertrat 
die Ansicht, daß „Le Cancer est plus commun chez les peuples dont 
les conditions de bien etre sont plus developpees".***) 

Nun ist es ja klar, daß je mehr die Zivilisation bei den 
schwarzen Rassen Eingang findet, um so mehr auch die 
ärztliche Tätigkeit der Weißen an Bedeutung gewinnt. 
Aerztliche Hilfe wird häufiger in Anspruch genommen, und auf diese 
Weise kommen dann auch mehr Fälle von Krebserkrankung, die sonst 
unerkannt zugrunde gegangen wären, zur Kenntnis der Aerzte und 
Behörden. Dadurch wird vor allem zunächst die scheinbare 
Steigerung****) von Krebstodesfällen bei der schwarzen Rasse zu 



*) IL Internationale Krebskonferenz. Paris 1910, S. 494. 
*) Cfr. auch: „Physikalische Reize" (Bd. II, S. 149 ff.). 

2 ) Deutsches Krebskomitee, 9. Jan. 1902. 
**) Cfr. auch Bd. II, S. 186 ff. 

3 ) Brit. med. Journ. 190ß, Vol. II, S. 1562. 

4 ) Arch. f. Schiffs- und Tropenhygiene, Bd. 14, 1910. 

5 ) Academie de Medecine de Paris, 6. Mai 1844. 
b ) 1. c. S. 9 (p. 95). 

***) Cfr. auch C Schulz: Über Vorkommen und Verbreitung bösartiger Tumoren 
bei den tropischen Hassen. I.-D. Leipzig 1910. 

****) Cfr. auch: Rodmann: Boston, med. and surg. Journ. 7. Juli 1898. 



Kultur und Krebserkrankung. 29 

{ . 
erklären sein ; denn die bisherigen Statistiken über die Krebserkrankung 
der schwarzen Rasse sind naturgemäß nur sehr lückenhaft und nur 
als Zufallsstatistiken zu bezeichnen. 

Daß nebenbei aber die Zivilisation, wenn auch nur in- 
direkt, eine Steigerung der Krebstodesfälle bei der 
schwarzen, unzivilisierten Easse hervorrufen kann, soll nicht bestritten 
werden. 

Die bessere Hygiene, die Bekämpfung der Infektionskrankheiten, 
besonders der Tuberkulose (cfr. auch S. 27), verlängert auch 
dieLebensdauer der schwarzen Rasse, und es gelangen infolge- 
dessen auch mehr Personen in das krebs fähige Alter! 
(cfr. auch S. 22). 

Aus diesen Gründen wird es auch verständlich, weshalb z. B. 
bei den Nachkommen der befreiten Sklaven von der Sierra 
Leone der Krebs, wie R e n n e r x ) mitteilt, häufiger vorkommt als bei 
den Ureinwohnern, und weshalb z. B. Neger von der Westküste Af r ik a s , 
sobald sie nach zivilisierten Ländern, wie z.B. nach Amerika, 
auswandern, häufiger an Krebs erkranken, als ihre in der Heimat ge- 
bliebenen Stammesgenossen. 

Nicht das feuchte, kalte oder das heiße Klima, wie J. S. David- 
son 2 ) betont, sind schuld an der mehr oder minder großen Sterblich- 
keit der Bewohner, sondern die besseren hygienischen Bedingungen, 
die geeignet sind, das Leben des Eingewanderten zu verlängern 
Auf diese Ursache ist wohl auch höchstwahrscheinlich die von uns 
bereits erwähnte (cfr. S. 19) Erscheinung zurückzuführen, daß auch 
andere unzivilisierte Völkerschaften, wie z. B. die Ureinwohner von 
den Faröer Inseln, sobald sie nach Dänemark einwandern, 
nach längerem Aufenthalte von der Krebskrankheit ebenso häufig be- 
fallen werden als die eingesessene Bevölkerung! 

Auch die ungünstige Einwirkung der vorhin von uns besprochenen 
Rassenmischung auf die Disposition zur Krebserkrankung muß 
auf kulturelle Faktoren zurückgeführt werden. 

Von Laker 3 ) ist, wie wir schon an einer früheren Stelle er- 
wähnt haben,*) auch versucht worden, für den ungünstigen Ein- 
fluß der Kultur auf die Entstehung des Krebses eine ana- 
tomische Grundlage zu finden. 

Nach der Theorie dieses Forschers wird beim Naturmenschen 
der Tod vorbereitet durch die annähernd gleiche Zellkraft aller 
3 Keimblätter. 

Beim Kulturmenschen kommt es durch die unnatürliche 
Lebensweise zum einkeimblättrigen oder eingewebigen 
Greisen tum, oft mit Erhöhung der Lebens- und Wachstumskraft 
anderer Zellgruppen oder Keimblätter.**) 



1 ) Journ. of tropic. Med. 1910, Vol. XIII und: Brit. med. Journ., 3. Sept. 1910 
(hauptsächlich Zunahme von Mammacarcinomen!). 

2 ) Brit. med. Journ. 11. Januar 1902. 

! ) Ueber das Wesen und die Heilbarkeit des Krebses. Leipzig und Wien 1906, 73 S. 
Cfr. auch: Wiener med. Wochenschr. 1908, Nr. 46 und C. Thiem: II. Inter- 
nationale Krebskonferenz. Paris 1910, S. 407. 
*) Bd. II, S. 53. 
**) Cfr. auch über Senilismus und Krebsentwicklung, Bd. II, S. 91 und 150. 



HO I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit bei den Hindus. 

Diese Rasse, deren Hauptsitz Indien bildet, soll nach älteren 
Berichten ebenfalls nur sehr selten von der Krebskrankheit befallen 
werden. 

Nach den älteren Angaben von Walshe 1 ) befanden sich z. B. im 
Hobart-Town Spital in Calcutta unter 4080 männlichen 
Patienten nur 3 Krebskranke, und unter 701 kranken Frauen nur 
2 mit Krebs behaftete Personen. 

Bei den Hindus ist, nach Walshe, Krebs nur sehr selten zu 
beobachten, häufiger schon bei den Chinesen. 

Aber nach neueren Untersuchungen sollen auch die Hindus 
ziemlich häufig an Krebs erkranken. Allerdings ist die 
Krebskrankheit nicht in allen Teilen des Landes gleichmäßig verbreitet. 

In allen Hospitälern des Punjab z. B. kamen, nach D. W. 
Sutherland, 2 ) während der Zeit von 1899—1903 = 266 Fälle von 
malignen Geschwülsten zur Behandlung, im Verhältnis zu den 



f 
oo • 



Gesamterkrankungs fällen nur 0,08 °/ 

Im Mayo Hospital zu Labore hingegen entfielen während der 
Zeit von 1892—1903 auf 43412 Erkrankungsfälle schon 792 Fälle 
von bösartigen Geschwülsten, d. h. 1 Krebsfall auf 55 Patienten! 

Auch in den übrigen Staaten und Städten Indiens*) ist die 
Erkrankungsziffer keine gleichmäßige. 

Wie E. F. Neve 3 ) mitteilt, betrug die Sterblichkeit an Krebs 
in Kashmir (Church Missionary Society Hospital) bei einer Ge- 
samtzahl von 20000 Patienten = 100 pro anno oder 0,5 °/ a U er 
Todesfälle. 

Im American Presbyterian Hospital zu Bombay kamen, nach 
den Mitteilungen von William C. B e n t a 1 1 , 4 ) auf 13 666 Patienten 
pro Jahr 41 Fälle von Krebs vor = 0,3 / aller Erkrankungen. 

Nach J. S. Davidson 5 ) beträgt die Krebssterblichkeit 
in Bomb a y nur 0,1 auf 1000 Todesfälle an anderen Erkrankungen. 

Unter 385833 Erkrankungen, die während eines Zeitraumes von 
5 Jahren in den Hospitälern von South Travancore zur Beobach- 
tung kamen, befanden sich, nach Bentall, 4 ) 702 Krebskranke — 
dies entspricht einer Morbiditätszahl von 0,2 °/ ! 

Auf der Insel Ceylon soll, nach A. Perry, 6 ) der Krebs nur 
selten bei den Eingeborenen vorkommen. 



1 ) 1. c. S. 18. 

2 ) Arch. Middlesex Hosp. 1904, Vol. III, p. 84. 

*) Es liegt nicht in unserer Absicht, eine vollständige, statistische Uebersicht 
über alle Ortschaften, aus denen Berichte vorliegen, an dieser Stelle zu geben. Wir 
verweisen den Leser, der sich hierfür interessiert, besonders auf die Arbeiten von: 

Dalgetty (Journ. of tropical Medecrue, lö. April 1902, S. 122, für Assam). 

Nil block (Indian med. Gazette, April 1902, S. 1611 

Drake (Lancet, 19U4, Vol. II, p. 1309, für Thakurbarrie). 

Neve (Brit med. Journ. 1906, Vol. I, S. 1217) und 

Roger Williams (1. c. S. 19) p. 33 ff . 

3 ) Indian medical Gazette, May 1902, S. 164. 

4 ) Brit. med. Journ. 1908, Vol. II, S. 1428. 

5 ) Indian med. Gazette, April 1902, p. 161. 

ö j Report on Cancer in British Colonies 1905. 



Krebsverbreitung bei den Hindus. 31 

Im Jahre 1897 entfielen auf 100000 Einwohner 5 Krebserkran- 
kungen*), und im Jahre 1903 starben 6 von 100000 Lebenden! 

Charakteristisch ist nun nach den Beobachtungen vieler ärztlicher 
Leiter von chirurgischen und gynäkologischen Hospitälern die Lo- 
kalisation der Krebserkrankung bei den Hindus. 

Im chirurgischen Hospital zu Calcutta kamen, nach den 
Berichten von Megaw, 1 ) in der Zeit von 1896—1904 = 11446 chi- 
rurgische Fälle zur Behandlung, unter denen sich 343 Patienten mit 
bösartigen Geschwülsten befanden, also 1 Krebsfall auf 33 chirur- 
gische Erkrankungen, oder 3°/ aller Erkrankungen, und zwar ent- 
fielen 20°/ aller Krebs fälle auf Carcinom des Penis, 
19,9 °/ auf Mammakrebs, 15,2 °/ auf Hautkrebse, 9,9 °/ auf Krebs 
der Mundschleimhaut und nur 0,9 °/ auf Magenkrebs! 

Auch andere Beobachter, wie z. B. Mc Leod 2 ) und William 
C. Ben t all, 3 ) bestätigen die Häufigkeit des Peniskrebses bei 
den Hindus, im Gegensatz zu den in demselben Lande wohnenden 
Mohammedanern, bei denen der Peniskrebs zu den größten Selten- 
heiten zählt. 

Wir haben bereits an einer früheren Stelle**) auf das gehäufte 
Vorkommen von Peniskrebs bei den Hindus, die leicht an Phi- 
mosis erkranken, hingewiesen und hervorgehoben, daß die bei den 
Mohammed'anern und Juden übliche Circumcision einen er- 
heblichen Schutz gegen die Erkrankung an Peniskrebs gewährt.***) 

Die häufige Erkrankung der Hindufrauen an Mammakrebs 
wird ebenfalls von vielen Beobachtern, wie z. B. von W. S y k e s , 4 ) 
bestätigt. 

Auffallend aber ist der große Prozentsatz von Krebserkran- 
kung der Mundschleimhaut bei den Hindus, die, nach den 
Beobachtungen von Bentall, 5 ) fast 38 mal so häufig bei den Hindus 
als z. B. bei den Engländern auftritt. 

Allgemein wird als Ursache dieser häufigen Erkrankung das 
gewohnheitsmäßige Betelkauen („betel-chewing") der Eingeborenen 
angeschuldigt. 

Hingegen sind Erkrankungen an Magenkrebs nur sehr selten 
bei den Hindus zu beobachten. Sicherlich hängt dies mit der fru- 
galen Lebensweise dieser Rasse, die fast ausschließlich Veget ari - 
an er sind, zusammen. 

Sehr charakteristisch schildert Roger Williams 6 ) die Lebens- 
Aveise der Hindus: 

*) Cfr. auch: Colonial Report 1902, Nr. 19. 

1 ) Indian medical Gazette, May 1905, p 163. 

2 ) International Text-Book of Surgery, Vol. II, 1900, p. 1206. 

3 ) Brit. med. Journ. 1908, Vol. II, p. 1428. 

**) Cfr. Bd. II, S. 1010. (Ob es sich nun in der Tat stets um Peniscarcinome 
gehandelt hat, oder um syphilitische Affektionen, die, wie Madden (zitiert von 
Roger Williams 1. c. S. 19 [p. 35]) sagt, bei den Hindus „flourish with tropical 
luxuriance", ist sehr zweifelhaft.) 

***) D. W. Sutherland (Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene, Bd. 14, 1910, 
S. 691) beobachtete allerdings auch bei einem circumcidierten Hindu, bei dem 
15 Jahre vorher wegen Phimosis die Circumcision ausgeführt worden war, die Er- 
krankung an einem Cancroid des Penis. 

4 ) Brit. med. Journ. 29. März 1902, Vol. I, p. 807. 

5 ) Ibidem, 1908, Vol. II, p. 1428. 
°) 1. c. S. 19 (p. 23). 

Cfr. auch: W. Sykes: Brit. med. Journ. 29. März 1902, Vol. I, p. 807 und: 



32 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

„The natives of India live on millet or rice, a little milk, witli 
the butter from the milk, and the vegetables they grow ; and of these 
they partake sparingly. They seldom eat any meat. It is only 
the Brahmins, the priestly caste, who form but a small fraction 
of the immense Hindoo population, who never eat any flesh food. 
The immense majority of the people live a rural lue, depending 
upon agriculture for their subsistence." 

Nach diesen Beobachtungen kann man die Theorie von dem Ein- 
fluß der Fleischdiät auf die Verbreitung der Krebskrankheit 
(cfr. S. 27) — wenigstens, so weit sie den Magenkrebs betrifft — 
nicht ohne weiteres als eine spekulative Hypothese betrachten, ob- 
wohl, wie wir sehen werden, dies nicht für alle anderen Rassen zutrifft. 

Ueber die Krebsverbreitung bei den in der französischen 
Kolonie Cochinchina wohnenden Hindus fanden wir in der Lite- 
ratur nur einige ältere, statistische Angaben von Thourel 1 ) vor, 
die allerdings keinen Anspruch auf große Zuverlässigkeit machen. 

Nach den Angaben dieses Forschers sollen im Jahre 1863 unter 
22 269 Krankheitsfällen nur 2 Fälle von Magenkrebs und 1 Ence- 
phaloid vorgekommen sein und im Jahre 1864 unter 18811 Erkran- 
kungen nicht ein einziger Krebsfall. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit bei den Chinesen. 

Schon den älteren Schriftstellern ist es aufgefallen, daß die 
Chinesen, im Verhältnis zu den anderen tropischen Rassen, eine 
große Disposition zur Krebserkrankung aufweisen. 

Bereits Wals he 2 ) hat dies hervorgehoben. Aber andere Forscher 
behaupteten gerade das Gegenteil, und Salle 3 ) zitiert einen Aus- 
spruch von Fried el, der die Konstitution der Chinesen als 
wenig geeignete Pflanzstätte für Krebserkrankung bezeichnet: 
„La diathese cancereuse", sagt Fried el, „parait elire plus difficile- 
ment domicile dans une Constitution de Chinois que dans celle d'un 
Europeen. Dans des cas de Cancer du sein, la tumeur n'avait 
pas le caractere de malignite, qui lui est propre, de sorte 
que la cachexie speciale faisait ä peu pres defaut dans la plupart 
des cas." 

Die neueren Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß die 
Krebskrankheit bei den Chinesen ziemlich stark verbreitet 
ist, wenn auch nicht in dem Grade, wie bei den Hindus. 



Imperial Cancer Kesearch Fund Staff, fifth ßep. 1907 (unter 1589 in Indien be- 
obachteten Krebsfällen betrafen 1513 den Rumpf und das Gesicht und nur 76 die 
inneren Organe ! Eine besondere Art von Hautkrebs, die in Indien als „Kangri-burn 
cancer" bezeichnet wird, hält Williams nicht für eine echte Krebserkrankung). 
M Notes medicales sur im voyage en Oochinchine. These de Paris 1870. 

2 ) 1. c. S. 18. 

3 ) 1. c. S. 9 (p. 92). 



Krebsverbreitimg bei den Chinesen. 33 

Nach den neueren Berichten *) betrug z. B. in Hongkong die 
Krebssterblichkeit bei den Chinesen in der Zeit von 1895 bis 
1904 = 4,45 auf 100000 Lebende (bei den Hindus 5 resp. 
6:100000, cfr. S. 31 und in England 81:100000!). 

Unter 2981 erwachsenen Chinesen, die sich im Jahre 1900 im 
Tang Wah Hospital**) zu Hongkong befanden, litten 8 an bös- 
artigen Geschwülsten, und im Jahre 1902 von 3185 Patienten = 10, 
auf 6166 Patienten kamen also 18 Krebskranke, oder auf je 342 
Kranke 1 Krebsfall (in den Londoner Hospitälern kommt, nach 
Roger Williams, 1 ) schon auf 20 Patienten 1 Krebskranker!). 

Schon erheblich größer war die Zahl der Krebserkrankungen, die 
im Regierungshospital von Hongkong unter der Leitung von 
Cantlie zur Beobachtung kamen. 

Wie Roger Williams mitteilt, antwortete dieser Arzt auf eine 
Anfrage, daß er unter 3608 Chinesen in seinem Hospital 114 Krebs- 
fälle, oder 1 Krebsfall auf 31 Patienten, in Behandlung gehabt hätte, 
darunter 38 Brustkrebse, 9 Peniskrebse, 8 Uteruskrebse. 

Cantlie hat aber niemals einen Magenkrebs bei seinen 
Patienten gefunden, trotzdem die Chinesen durchaus keine 
Vegetarianer sind und verhältnismäßig viel animalische 
Nahrung zu sich nehmen. Insofern widerspricht also wieder diese 
Beobachtung der Annahme, daß nur bei Vegeta rianern der 
Magenkrebs selten vorkommt (cfr. auch S. 31). 

Auch in den Berichten von J. P. Maxwell 2 ) über die Krebs- 
verbreitung in Süd-China, besonders in F o k i e n , wird die S e 1 1 e n - 
hei t 'des Magenkrebses bei den Chinesen, im Gegensatz zu 
europäischen Volksstämmen, hervorgehoben. 

Unter 11000 Patienten, die sich im Laufe von 3V 2 Jahren im 
Chang-poo Hospital befanden, litten 54 Personen an Krebs, 
d. h. auf 203 Patienten kam 1 Krebsfall ! 

Von diesen 54 Krebskranken (42 Männer, 12 Frauen) litten an 
Oesophaguskrebs = 7, an Pyloruskrebs = 2 Männer. Von den 
12 Frauen waren 4 an Brustkrebs und eine an Oesophaguskrebs erkrankt. 

Nach den Mitteilungen von Elisabeth Reifsnyder 3 ) kommt 
auch in Shangai Uterus- und Mammakrebs bei Chinesinnen ziem- 
lich häufig vor. 

Hingegen soll, nach den Erfahrungen von Brunet, 4 ) der Krebs 
sehr selten in den Teilen von China sein, wo die Bevölkerung 
ausschließlich von Vegetabilien lebt.***) 

Erheblich größer ist nun, wie wir bereits mehrfach erwähnt 
haben (cfr. S. 22 und 30). die Krebssterblichkeit bei den Chinesen, 
sobald sie in andere Länder auswandern! 



;: ) Report on Cancer in British Colonies 1906. Cfr. auch: Roger Williams 
(1. c. S. 19 [p. 30 ff.]). 

**) Report of the Civil Medical Officer 1900. (Dieses Hospital ist, wie Roger 
Williams hervorhebt, eine Zufluchtsstätte für die ärmsten Chinesen, welche oft 
sterbend hereingebracht werden). 

') 1. c. S. 19 (p. 31). 

2 ) Journal of tropical Medecine, Sept. 1904, p. 270. Cfr. auch: Wittenberg: 
Archiv f. Schiffs- und Tropenhygiene, Bd. IV, 1900. 

3 ) American Journal of Obstetrics 1895, Vol. 31, p. 512. Cfr. auch: E. Hender- 
son (Edinburgh, med. Journal 1876, p. 405 u. 690; 1877, p. 118, Bericht über Shangai). 

4 ) Revue d'Hygiene 1905, Vol. 27, No. 2/3. 

***) Cfr. auch: Gray (Lancet 1901, Nord-China). Foulkes: (Indian medic. 
Gazette, Sept. 1902, p. 348, Peking). 

Wolff, Die Lehre von der Krebakrankbeit. III. 3 



34 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Unter den im Jahre 1900 in den Vereinigten Staaten Nord- 
amerikas befindlichen 48 565 Chinesen*) betrug schon die Krebs- 
sterblichkeit 49 auf 100000 Lebende (im Heimatlande =- 4.45 
cfr. S. 33, bei den Weißen in Nordamerika = 66), oder auf je 
40 Todesfälle entfiel 1 Todesfall an Krebs. 

Bei den nach Australien ausgewanderten Chinesen stieg 
die Krebsmortalität im Jahre 1900 sogar auf 72:100000 Lebende, und 
unter den in Victoria**) während der Zeit von 1894—1900 re- 
gistrierten 1316 Todesfällen bei den eingewanderten Chinesen ent- 
fielen 42 Todesfälle auf Krebs, d. h. schon auf 31 Todesfälle überhaupt 
1 Krebstodesfall (cfr. auch S. 22). 



Die Verbreitung der Krebskrankheit 
unter den Japanern. 

Sowohl China als auch Japan liegen außerhalb der tropischen 
Zone, und nach den Erfahrungen der meisten Forscher nimmt die 
Verbreitung der Krebskrankheit mit der Entfernung 
vom Aequator zu. 

Auch in Japan ist die Krebskrankheit ziemlich verbreitet. 

Nach den Mitteilungen von Hashimoto 1 ) kommen Mamma-, 
Uterus- und Zungenkrebse bei den Japanern ziemlich häufig vor. 

Auffallend ist besonders die seit den ältesten Zeiten bereits bekannte 
häufige Krebserkrankung des Oesophagus bei den Sake- 
trinkern.***) Man bezeichnet in Japan dieses Carcinom mit dem 
Namen ,,Kak".f) 

Auch Krebs der Oberlippe ist in Japan dreimal so häufig 
als der der Unterlippe, während bei den europäischen Kassen 
das umgekehrte Verhältnis besteht, ff) 

Magencarcinome sind, nach den Beobachtungen von H a s h i - 
moto, in Japan ebenfalls nicht selten, hingegen beobachtete man 
bei den Japanern — im Gegensatz zu den Chinesen — nur 
äußerst selten Hautkrebse. Dies dürfte wohl, wie B a e 1 z 2 ) hervor- 
hebt, auf die bei den Japanern übliche Hautpflege und auf die 
allgemeine Reinlichkeit zurückzuführen sein. 

Die Krebssterblichkeit in Japan erreicht fast die Höhe 
der in europäischen Ländern, ja, übersteigt sogar in einzelnen 
Ortschaften dieselbe. 

Nach den Angaben von K. Buday 3 ) sollen in Japan im Jahre 
1905 von 10000 Lebenden 5,3 an Krebs gestorben sein, nach Roger 



*) Twelfth Census Eeport of the United States 1900. 
**) Cfr. Lancet 1904, Vol. I, p. 424 und: Australian medical Gazette, 21. Sept. 
1902, p. 169. 

1 ) Archiv f. klin. Chirurgie, Bd. 32, 1885, S. 11. 
***) Ein aus Eeis bereitetes, berauschendes Getränk. 

f) D. h. nicht mehr fähig Eeis zu schlucken, 
ff) Cfr. Gan, (Japan. Archiv f. Krebsforschung-) Ergebnisse der Krebsforschung 
in Japan, Jahrg. I, H. IL Tokio 1907. Cfr. auch Bd. II, S. 532 ff. 

2 ) Deutsches Krebskomitee, 25. Juni 1901. 

3 ) II. Internation. Krebskonferenz. Paris 1910, S. 92. 



Krebsverbreitung bei Japanern und Mohammedanern. 35 

Williams 1 ) = 4,9. In Kyoto starben von 10000 Lebenden, nach 
den Berechnungen von B. Nakarai, 2 ) sogar 7,9 Personen an Krebs, 
während vergleichsweise in Charlottenburg auf 10000 Lebende 
7,5 und in Berlin 4,3 Todesfälle an Krebs entfielen. 

Bei den nach anderen zivilisierten Ländern aus- 
gewanderten Japanern soll hingegen — im Gegensatz zu der 
chinesischen Rasse — die Krebs Sterblichkeit geringer 
sein als im Heimatlande! 

Bei den in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 
lebenden Japanern betrug z. B. die Krebssterblichkeit im Jahre 1900, 
nach Roger Williams, 3 ) nur 2,4 auf 10 000 Lebende ! 

Die Japaner leben im Auslande außerordentlich mäßig, ernähren 
sich hauptsächlich von Reis und sind in bezug auf Alkoholkonsum 
abstinent. *) 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit unter den 
Mohammedanern 
liegen nur spärliche Berichte vor. 

Nach den älteren Berichten von Clot-Bey 4 ) über die Mo- 
hammedaner in Aegypten soll der Krebs, besonders Uterus- 
krebs, nur sehr selten bei der eingeborenen Bevölkerung vorkommen. 

Ebenso selten hat man auch in der Türkei, nach den Mit- 
teilungen von Rigler, 5 ) Mamma- und Uteruskrebs beobachtet.**) 
Auch in den übrigen von Mohammedanern bewohnten Ländern, 
wie in Syrien, Arabien, Persien usw., sollen, nach den Be- 
obachtungen von D u t h i 1 , 6 ) nur äußerst selten Krebserkrankungen 
vorkommen. 

Beiden in Indien lebenden Mohammedanern hingegen soll, 
nach Roger Williams 7 ), dieselbe Neigung zur Krebserkrankung 
vorhanden sein, wie bei den Hindus. 

Nur in bezug auf den Peniskrebs nehmen die Mohammedaner, 
wie wir gesehen haben (cfr. S. 31), eine Ausnahmestellung ein. 

Brault 8 ) berichtet in neuerer Zeit über gehäuftes Vorkommen 
von Gesichtskrebs bei den in Algier wohnenden Muselmännern, 
der fast ausschließlich nur bei Männern vorkommt. Brault bringt 
diese Erscheinung mit den intensiven Sonnenstrahlen in Be- 
ziehung, denen diese Eingeborenen ausgesetzt sind. 

Bei den Frauen soll am häufigsten die Vagina krebsig erkranken. 



») 1. c. S. 19 (p. 32). 

2 ) Gan, Jahrg. III, H. 1/2. 

3 ) 1. c. S. 19 (p. 33). 

*) Cfr. auch: R. Reyburn: New York med, Rec. 1902, p. 171. 
*) Des travaux de l'Ecole de Medecine d'Abou-Zabel 1833. 

5 ) Die Türkei und ihre Bewohner. Wien 1852. 

**) Dies mag wohl mit der Sitte der Mohammedanerinnen zusammenhängen, 
sich von keinem männlichen Arzt untersuchen zu lassen. 

6 ) Cancer primitif du sein. These. Paris 1874. 

7 ) 1. c. S. 19 (p. 34). 

8 ) Province med. 1912, No. 1. 



3* 



36 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Hat die Rasse einen Einfluß auf die Krebsverbreitling 
bei den europäischen Völkern? 

Unsere bisherigen Ausführungen berechtigen uns zu dem Schluß, 
daß bei den außerhalb von Europa lebenden Eassen gewisse 
charakteristische Eigentümlichkeiten in bezug auf die Disposition zur 
Krebserkrankung tatsächlich bestehen. 

Es ist nun wiederholt die Behauptung aufgestellt worden, daß 
auch bei den verschiedenen europäischen Rassen Unter- 
schiede in bezug auf die Krebs Verbreitung beobachtet worden wären. 

Es liegen über diese Frage nicht allzureichliche Mitteilungen 
vor, die außerdem wegen der Schwierigkeit des zu beschaffenden 
Materials kein übersichtliches Bild gewähren. 

Man gab an, daß z. B. die romanische Rasse viel weniger 
vom Krebs heimgesucht würde als die deutsche! 

Nencki 1 ) behauptet z. B., daß Franzosen und Italiener 
weniger häufig vom Krebs befallen werden, als Deutsche, allein die 
Untersuchungen von Karl Kolb 2 ) ergaben, daß dieser Unterschied 
kein erheblicher ist. 

In Bern starben z. B. von 1 Million über 40 Jahre alten 
Franzosen = 3116 an Krebs, von Deutschen = 3356. 

Auch R. de Bovis, 3 ) der außerordentlich eingehende Unter- 
suchungen über dieses Problem angestellt hat, ist der Ansicht, daß 
bei den einzelnen Rassen von Europa ein Unterschied in bezug 
auf die Häufigkeit der Krebserkrankung vorhanden ist. Seine Be- 
hauptung, z. B. daß in den polnischen Provinzen Deutsch- 
lands der Krebs seltener vorkomme, als in den übrigen Provinzen, 
wird in der Tat durch die Untersuchungen von Wutzdorf 4 ) be- 
stätigt. 

Es starben z. B. an Krebs im Jahre 1892 von 10000 Lebenden: 

in Berlin = 8.08 Personen 

„Pommern = 5,2 „ 

,, Brandenburg =5,1 „ 

„Ostpreußen =4,6 „ 

„Schlesien =4,5 „ 

„ Westpreußen = 4,05 „ 

„Posen =3,3 „ 

Also ein geringer Unterschied zugunsten der polnischen Pro- 
vinzen ist aus dieser Tabelle ersichtlich. Ob aber hierbei nicht auch 
— ebenso wie bei den unzivilisierten Rassen — die geringe Neigung 
der polnischen Bevölkerung ärztliche Hilfe aufzusuchen, eine Rolle 
spielt, lassen wir dahingestellt. 

Man hat ferner geglaubt, daß bestimmte Rasse neigen- 
schaften einen Einfluß auf die mehr oder minder große Ver- 



1 ) Zeitschr. f Schweizer. Statistik 1900, p. 332. 

2 ) Deutsche Vierteljahrsschr. f. öffentl. Gesundheitspflege 1906, Bd. 38. 

3 ) L' Augmentation de frequence du Cancer, sa predominance dans les villes et 
sa predilection pour le sexe feminin, sont elles reelles ou apparentes? (Semaine 
medicale 1902, No. 37). 

4 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 164. 



Krebsverbreitung bei europäischen Rassen. 37 

breitung der Krebskrankheit ausüben. Kruse 1 ) z. B. behauptete, 
daß Krebs Sterblichkeit und Körpergröße in einem ganz 
bestimmten Verhältnis zueinander stehen. Je größer 
die Statur, um so höher ist die Erkrankungsziffer! 

Seine Theorie sucht Kruse durch statistische Erhebungen in 
einzelnen italienischen Provinzen zu stützen. 

In Toscana und Emilia z. B. wohnen die größten Leute, 
daselbst herrscht auch die größte Sterblichkeit. Progressiv nimmt 
dann sowohl die Größe der Statur als auch die Höhe der Krebs- 
sterblichkeit in den Provinzen Ligurien, Lombardei usw. ab. 

Auch andere Rassenunterschiede, wie schmaler Kopf, 
niedrige Stirn, großer Mund, brünetter Typus, die alle, nach 
Li vi 2 ), der kleinen Statur bei den Italienern eigentümlich sind, 
haben einen Einfluß auf die Häufigkeit der Krebserkrankung. 

Der blonde Typus soll mehr Neigung zur Krebserkrankung 
zeigen als der dunkle. 

Norwegen und Schweden, wo, nach J. Beddoe, 3 ) die 
blondesten Menschen der Welt sich befinden, zeigen auch die 
größte Krebssterblichkeit in der ganzen Welt.*) 

Kelling 4 ) behauptet auch, daß die Rasse von großer Be- 
deutung für die Art der K rebs er krankung wäre. 

In Deutschland wären, nach der Ansicht dieses Forschers, 
besonders die Dolichocephalen mit brünettem oder rotem 
Haar für die Erkrankung des Digestionstr actus disponiert. 

Ob und inwieweit dies nun zutrifft, ist bisher nicht weiter 
nachgeprüft worden. 



Einfluß der Religion auf die Verbreitung 
der Krebskrankheit 

Wir haben schon an früheren Stellen wiederholt Gelegenheit 
gehabt darauf hinzuweisen , daß gewisse Organ erkrankungen, wie 
z. B. P e n i s k r e b s **) undLippenkrebs ***), bei den J u d e n , die in 
bezug auf Religion und Rasse eine Sonderstellung einnehmen, nur 
äußerst selten beobachtet worden sind. 

Man hat auch behauptet, daß die Juden im allgemeinen, im 
Verhältnis zu den anderen Religionsgemeinschaften desselben Landes 
oder Ortes, weniger oft an Krebs erkranken. 

Einige statistische Untersuchungen scheinen in der Tat diese 
Annahme zu bestätigen. 

In K r ak a u z. B. befanden sich, nach den Angaben von d e B o v i s , 5 ) 



Münchener med. Wochenschr. 1901, Nr. 42. 
Antropometria militare. Roma 1898. 

3 ) Albutt's „System of Medecine", 1896, Vol. I, p. 35. 

*) Wie weit dies den Tatsachen entspricht, werden wir noch späterhin ausführen. 

4 ) Wiener med. Wochenschr. 1904, Nr. 87/38. 
**) Cfr. Bd. II, 8. 1010. 

***) Ibidem, S. 534. 

5 ) Sem. medic. 1902, No. 39. (Cfr. auch: Statystyka miasta Krakowa, T. IV, 
1891-92.) 



38 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



in der Zeit von 1887—1898 unter lOOOOO Einwohnern, die älter als 
30 Jahre alt waren, im Durchschnitt 597 Christen und 347 Juden. 

Während derselben Zeit entfielen auf 1 Million Christen = 
3110 Krebstodesfälle und auf ebensoviel Israeliten = 2660 Todes- 
fälle an Krebs. 

Nun ist aber Krakau eine Universitätsstadt und hat einen großen 
Fremdenzufluß; allein das fremde Element ist bei der christlichen 
Bevölkerung größer als bei der jüdischen. 

Unter 1744 krebskranken Christen befanden sich in der Zeit von 
1887—1898, nach den Angaben von de Bovis, = 697 Fremde 
oder 40%, während unter 289 krebskranken Juden nur 66 Fremde 
= 23 °/o gezählt wurden. 

Es erkrankten also in der Tat in dieser Stadt viel weniger 
Juden als Christen an Krebs. 

Auch die Statistik von Amsterdam*) weist ähnliche Verhält- 
nisse auf: 

In der Zeit von 1892 — 1902 starben in Amsterdam: 



Gesamt- 
bevölkerung 



Juden 



Prozentsatz 
bei Juden 



Gesamtmortalität 
an Krebs 



41330 

6 297 



3643 
206 



8,8% 
3,3% 



Für London hat ein Anonymus**) ebenfalls berechnet, daß die 
Juden weniger häufig an Krebs erkranken als die christliche Be- 
völkerung. Es starben nämlich in London in der Zeit von 1898 
bis 1900 von 100000 Christen = 94 Personen an Krebs, von 
100000 Juden aber nur 52,5. 

Allerdings muß hierbei, nach den Beobachtungen des Anonymus, 
berücksichtigt werden, daß unter den Juden von London sich eine 
große Zahl jugendlicher, jüdischer Einwanderer befindet, die 
das Verhältnis zwischen Christen und Juden in bezug auf die Krebs- 
sterblichkeit zugunsten der letzteren beeinflußt. 

Wie nun Roger Williams 1 ) hervorhebt, handelt es sich bei 
der Statistik dieses Anonymus um den östlichen Teil von London, 
wo die ärmste, jüdische Bevölkerung wohnt, während nach .den Er- 
fahrungen von B. W. Rieh ardson 2 ) bei der im Westen Londons 
wohnenden, wohlhabenden, jüdischen Bevölkerung ein Unterschied 
in bezug auf die Häufigkeit der Krebserkrankung zwischen Juden und 
Christen nicht vorhanden sei. 



Auch bei den in 
amerika wohnenden 
J. S. Billings, 3 ) ein 



den Vereinigten Staaten von Nord- 
Juden soll, nach den Untersuchungen von 
Unterschied in bezug auf die Häufigkeit der 



Bureaus der Stadt 
1911, S. 2093. 



*) Cfr. van Konijenburg: Arbeiten des statistischen 
Amsterdam 1862—1902. — Kef. in: Deutsche med. Wochenschr 
**) Cfr.: Brit. med. Journ. 1902, Vol. I, S. 681. 
x ) 1. c. S. 19 (p. 17). 
2 ) Asclepiad. Vol. VIII, 1891, p. 145. 
•) Tenth United States Census Rep. for 1880 (zitiert von Boger Williams 



Einfluß der Religion auf die Krebserkrankung. 



39 



Krebserkrankung zwischen der einheimischen, weißen Bevölkerung 
und den Juden nicht festzustellen sein: 



Männer 
Frauen 



Auf 1000 Todesfälle überhaupt kamen 
Sterbefälle an Krebs vor bei 



Juden 



bei der anderen weißen 
Bevölkeruna: 



13,58 
21,65 



13,09 
23,59 



Nach den Erfahrungen von Roger Williams 1 ) hängt die Krebs- 
sterblichkeit bei den Juden davon ab, wie sie sich der übrigen 
Bevölkerung angepaßthaben. Bei den wohlhabenden Juden, 
die sich vollständig akklimatisiert haben, ist ein Unterschied 
in bezug auf die Krebserkrankung zwischen der einheimischen und 
der jüdischen Bevölkerung nicht zu beobachten. Nur die ärmsten, 
eingewanderten Juden, meistenteils Polen, sind auch in Nord- 
amerika, wie alle übrigen, wenig zivilisierten Rassen, von Krebs 
weniger heimgesucht. 

Diese Anschauung wird auch durch die statistischen Unter- 
suchungen von F. L. Hoffmann 2 ) bestätigt: 

Es starben von 100 000 Einwohnern in Nordamerika an Krebs: 



im Alter 


Einheimische 
Weiße 


Polnische 
Juden 


Deutsche 


Irländer 


Italiener 


von 45—64 

Jahren 

von 64 Jahren 

und darüber 


155,3 
374,9 


92,3 
263,5 


238,6 
561,5 


232,2 
479,9 


119,4 
392,7 



Man hat nun auch behauptet, wie wir schon vorhin erwähnt haben, 
daß es einen Unterschied in bezug auf die Häufigkeit der einzelnen 
Organ erkrankungen zwischen Juden und Christen gäbe. 

Aus den von J. Dollin g er 3 ) angestellten, statistischen Unter- 
suchungen für die Stadt Budapest ist ersichtlich, daß in Budapest 
die israelitischen Männer, in bezug auf die Häufigkeit der 
Krebserkrankung und im Vergleich zu den anderen Religionsgemein- 
schaften, den vierten, die israelitischen Frauen hingegen den 
letzten Platz einnehmen. In der Provinz, d. h. im Komitate 
Bekes, stehen dagegen die israelitischen Männer an zweiter, die 
israelitischen Frauen aber auch hier an letzter Stelle! 
(cfr. Tabelle S. 42 und 43.) 

Diese relative Immunität der israelitischen Frauen 
beruht nun, nach den Beobachtungen von A. Theilhaber, 4 ) der 
zuerst auf diese Erscheinung hingewiesen hat, auf der geringen 



1. c S. 19 (p. 18). 

„Race and mortality", New York. Examiner Oct. 1902, p. 635 (zitiert von 
Roger Williams). 

3 ) IL Internation. Krebskonferenz. Paris, Okt. 1910, S. 492. 

4 ) Münch. med. Wochenschr. 1909, Nr. 25. 



40 



I. Allgemeine statistische .Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Beteilung der Jüdinnen an derKrebserkrankungdesUterus, 
im Gegensatz zu der häufigen Erkrankung an Myomen. 

Unter 228 Myomkranken befanden sich = 43 oder 19,1 °/ 
Jüdinnen, unter 133 Carcinomkranken hingegen nur 1 Jüdin oder 0.75 °/ • 

Daß dies nun kein zufälliges Eesultat sei, sucht F. Theil- 
haber 1 ) auf Grund der Budapester Stattstiken, welche allein eine 
Trennung der Konfessionen bei den Todesfällen enthalten, 
nachzuweisen.*) 

Es betrug in Budapest: 



im Jahre 


Gesamt- Gesamtsterblich- Gesamtsterblich- Krebssterblich- 
sterblichkeit keit bei Juden keit an Krebs keit bei Juden 


1902 
1903 
1904 
1905 
1906 


14 732 

15 059 

15 435 
16094 

16 380 


2 400 
2 468 
2 614 
2 623 
2 500 


869 167 
896 188 
1009 192 
867 153 
785 183 


Sa. 


71700 


12 605 


4426 883 



An Gebärmutterkrebs starben: 











Juden der an allen 


Jahr 


Ueberhaupt 


Jüdinnen 


Prozentsatz 


Carcinomen 
gestorbenen 


1902 


172 


10 


5,8 


19,1% 


1903 


150 


18 


12,0 


20,9 o/ 


1904 


170 


13 


7,7 


19,0% 


1905 


142 


15 


10,5 


17,6% 


1906 


149 


12 


8,0 


23,3 % 


Sa. 


783 


68 


8,7 


19,5% 



Die Todesfälle an U t e r u s k r e b s bei den Jüdinnen in Budapest 
bleiben also weit hinter der nach der allgemeinen Beteili- 
gung zu erwartenden Ziffer zurück. Wie F. Theilhaber 
hervorhebt, kann man die Ziffer deuten wie man will, das Factum 
bleibt bestehen, daß die Jüdinnen in Budapest in ganz auffälliger 
Weise ein niedriges Kontingent an Gebärmutterkrebsen 
stellen! 

Daß die Krebserkrankung des Uterus bei den Jüdinnen von 
Budapest weniger zur Kenntnis der Aerzte gelangt, ist kaum an- 
zunehmen, da gerade die Jüdinnen bei chronischen Erkrankungen 
häufiger ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen pflegen als die Frauen 
von anderen Religionsgemeinschaften. 

Meistens soll es sich nun, nach den Beobachtungen von A. Theil- 
haber, bei den Jüdinnen um Corpuscarcinome handeln. 

Wie weit diese Behauptung richtig ist, hat sich bisher nicht 
nachprüfen lassen, da fast in allen Mortalitätsstatistiken eine Trennung 
zwischen Corpus- und Collumcarcinom nicht vorgenommen worden ist. 

l ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 476. 

*) Cfr. auch die Statistik von v. Körösy in Prinzing's Handbuch der medizi- 
nischen Statistik, S. 522. 



Einfluß der Religion auf die Krebserkrankuug. 



41 



Auch bei den Jüdinnen in München soll, nach den Erfahrungen 
von H. Kirsch n er, 1 ) die Sterblichkeit an Uteruskrebs eine sehr 
geringe sein, und zwar 7 °/ zu 25 — 35 °/ der allgemeinen Häufigkeit. 

Die Untersuchungen von E. Auerbach 2 ) bestätigen die Angaben 
über den geringen Prozentsatz der an Uteruskrebs in Budapest 
gestorbenen Jüdinnen : 

Von 10 000 P^inwohnern in Budapest starben : 



an Krebs 
an Uteru 



krebs 



Katholiken 



Juden 



Uebrige 
Konfessionen 



73,7 
24,0 



66,2 
8.6 



66,4 
26,0 



Hingegen sollen, nach den Untersuchungen von A. T heil h ab er 
und S. Greis eher, 3 ) die Jüdinnen, im Verhältnis zu den christ- 
lichen Frauen, häufiger an Mammakrebs erkranken. 

Es starben in München in der Zeit von 1907 — 1909 an Uterus- 
und Mammacarcinom : 





Gesamt- 
zahl der 
weibl. 
Carcinom- 
fälle 


Uterus 

und 
Mamma 


In 

Prozenten 
der Fälle 


Uterus 


In 
Prozenten 
der Fälle 


Mamma 


In 
Prozenten 
der Fälle 


Christen 
Jüdinnen 


1326 
102 


501 
24 


37,7 
23,5 


381 

7 


28,7 
6,8 


120 
17 


9,0 
16,7 



Aehnliche Resultate ergaben auch die statistischen Untersuchungen 
bei den Jüdinnen in Nürnberg. 

A. T heil h aber 4 ) ist aber der Ansicht, daß im ganzen doch bei 
Juden der Krebs häufiger anzutreffen ist, als bei Christen, weil 
die geringere Sterblichkeit der Jüdinnen an Uteruskrebs wieder 
reichlich ausgeglichen wird durch die häufige Er- 
krankungder Juden anCarcinom desDigestion st r actus, 
welche die der Christen bei weitem übertrifft. 

Daß die Juden ein so großes Kontingent an Krebserkrankung 
des Digestionstractus, besonders des Magens, aufweisen, wird auch 
von Fishberg 5 ) inNew York in bezug auf die amerikanischen 
Juden bestätigt, bei denen 45°/ aller Krebserkrankungen den Magen 
betreffen. 

Nach Fishberg sind auch die Jüdinnen in Amerika gegen 
Uteruskrebs ziemlich immun, ebenso aber auch gegen Mamma- 
krebs. 



J ) Mitgeteilt von F. T h e i 1 h a b e r (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. 8, 1910, S. 477). 

2 ) Die Sterblichkeit der Juden in Budapest (1901 — 1905) in: Zeitschr. f. Demo- 
graphie und Statistik der Juden, 1908, H. 10/11. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. 9, 1910, S. 542. 

4 ) II. Internationale Krebskonferenz. Paris, Okt. 1910, S. 652. 

5 ) Jewish Encyclopaedia. New York 1902, Vol. III, p. 529 (zitiert von Koger 
Williams). 



42 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Roger Williams 1 ) teilt nun die Ansicht, daß die Jüdinnen 
eine gewisse Immunität gegen die Krebserkrankung des Uterus 
und der Mamma besitzen, nicht, auch leugnet er die besondere Dis- 
position der Juden zur Krebserkrankung des Magendarmkanals; denn 
nach seinen Erfahrungen betreffen bei der Britischen Nation über- 
haupt 50°/ aller Krebserkrankungen den Magendarmkanal! 

Ob die von den orthodoxen Juden befolgten Speisegesetze, 
wie das Verbot des Genusses von Schweinefleisch, irgendeinen 
Einfluß haben auf die mehr oder minder häufige Erkrankung an Krebs, 
haben wir bereits an einer früheren Stelle besprochen .*) 

Auch die Nachforschungen von Bauby, 2 ) auf welche Eoger 
Williams hinweist, haben für Toulouse und seine Umgebung 
ergeben, daß der Genuß oder die Enthaltsamkeit von Schweine- 
fleisch gar keinen Einfluß haben auf die Erkrankungsziffer 
an Krebs. 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit bei änderen Reli- 
gionsgemeinschaften liegen nur statistische Mitteilungen aus 
Budapest und Bekes vor. 

Nach den Untersuchungen von J. Dollin g er 3 ) gestaltet sich die 
Krebssterblichkeit bei den einzeln enReligionen dieser Ortschaften 
folgendermaßen: 

Budapest. 







Jährlicher 






Anzahl der 


Durchschnitt 


Von 10 000 


Religion 


über 15 Jahre 


der Krebs- 


Lebenden 


alten 


mortalität 


starben an 




Bevölkerung 


in den Jahren 
1901—1904 


Krebs 




Männer 


Römisch-katholisch 


154 005 


165,25 


. 10,73 


Evangelisch-reformiert 


26 566 


26,25 


9,99 


Evangel. Augsb. Konf. 


15149 


14,25 


9,40 


Israeliten 


62 962 


57,75 


9.17 


Griechisch-katholisch 


2 887 


2.25 


7:79 


TJnitarisch 


418 


0,25 


5,98 


Griechisch-orientalisch 


2 989 


1,50 


5,02 


Sonstige Religionen 


586 




0,00 


Sa. 


265 562 


267,50 
Frauen 


10,07 


Griechisch-orientalisch 


953 


2,25 


23,61 


Griechisch-katholisch 


2 158 


3,50 


16,22 


Evangel. Augsb. Konf. 


14 613 


21.50 


15,40 


Römisch-katholisch 


175 746 


258;50 


14,71 


Evangelisch-reformiert 


25 685 


36,0 


14,02 


Sonstige und unbekannt 


201 


0,25 


12,44 


Israelitisch 


56 772 


69,00 


12,15 


TJnitarisch 


450 


— 


— 


Sa. 


276 578 


391,00 


14,14 



1 ) 1. c. S. 19 (p. 18). 
*) Cfr. Bd. II, S. 85. 

2 ) Bullet, med. 14. Okt. 1894. 

3 ) II. Internation. Krebskonferenz. 



Paris, Okt. 1910, S. 493. 



Einfluß der Religion auf die Krebserkankung. 
Komitat Bekes. 



43 







Jährlicher 






Anzahl der 


Durchschnitt 


Von 10 000 


Religion 


über 15 Jahr 


der Krebs- 


Lebenden 


alten 


mortalität 


starben an 




Bevölkerung 


in den Jahren 
1901-1904 


Krebs 




Männer 


Sonstige und unbekannt 


306 


0,50 


16,34 


Israeliten 


2 269 


2,75 


12,12 


Griechisch-orientalisch 


2 723 


3.00 


11,02 


Unitarisch 


228 


0,25 


10,96 


Evangel. Augsb. Konf. 


32154 


29,75 


9,25 


Römisch-katholisch 


20 807 


18,75 


9,01 


Evangelisch-reformiert 


31312 


25,75 


8,22 


Griechisch-katholisch 


305 


0.25 


8,20 


Sa. 


90104 


81,00 
Frauen 


8,99 


Griechisch-katholisch 


216 


0,75 


34,72 


Evangelisch-reformiert 


30 790 


29,75 


9,66 


Griechisch-orientalisch 


2 335 


2,25 


9,64 


Evangel. Augsb. Konf. 


31198 


30,00 


9,62 


Römisch-katholisch 


20 872 


20,00 


9,58 


Israelitisch 


2 455 


2,25 


9,28 


Sonstige und unbekannt 


365 


0,25 


6,85 


Unitarisch 


180 


- 


— 


Sa. 


88 411 


85,25 


9,64 



Aus diesen beiden Tabellen ist ersichtlich, daß in beiden Bezirken 
zunächst die Krebssterblichkeit bei den Frauen größer ist 
als bei den Männern, daß ferner, wie wir schon erwähnt haben, 
die Jüdinnen die niedrigste und die griechisch-katholischen 
resp. orientalischen Frauen die g r ö ß t e Krebsmortalität aufweisen. 

Aus beiden Tabellen ist ferner ersichtlich, daß die i s r a e 1 i ti s c h e n 
Männer in Budapest in bezug auf die Höhe der Krebssterblichkeit 
den vierten Platz, im Komitate Bekes dagegen den zweiten 
einnehmen. 

Nach der von v. Körösy 1 ) für die Zeit von 1896 — 1900 auf- 
gestellten Berechnung ist jedoch die Krebssterblichkeit bei den Juden 
in Budapest die niedrigste im Vergleich zu den anderen Religionen. 

Von 10000 Lebenden starben während dieser Zeit in Budapest 
an Krebs: 



Katholiken = 8,2°/ ; 

und im Alter von über 60 Jahren 



Calvinisten = 6,2 °/ ; Juden = 4,9% 



Katholiken =5,1°/, 



Calvinisten = 3,6 °/ ; J u d e n = 5,6 °/ . 



Cfr.: Prinzing's Handbuch der medizinischen Statistik S. 522. 



44 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Einfluß der Dichtigkeit der Bevölkerung 

auf die Höhe der Krebssterblichkeit. Untersuchungen 

über die Verbreitung der Krebskrankheit bei Stadt- 

und Landbewohnern. 

Wohnung sdichte und Krebssterblichkeit: Anhänger und Gegner dieser 
Theorie. Nachweis für Norwegen. 
Stadt- und Landbewohner: 

Häufigeres Vorkommen von Lippen- und Gesichtskrebs bei Bauern. 
Größere Krebssterblichkeit in Städten. Ausnahmen (Boston). Größere 
Sterblichkeit der Männer in Städten. Parasitäre Theorie und Krebs- 
sterblichkeit auf dem Lande. Nachweis der größeren Sterblichkeit in den 
Städten für Preußen, Frankreich, Holland, Ungarn, Däne- 
mark und für Lebensversicherungsgesellschaften. 

Kritische Würdigung des statistischen Materials. Umgekehrte 
Verhältnisse in Schottland. Fehlerquellen. Genauere Statistik von 
Norwegen. Ursachen der größeren Krebssterblichkeit in den Städten. 
Keine besondere Krebsdisposition des Großstädters. Kohlen- 
heizung und Krebssterblichkeit. Einfluß der Tuberkulose auf die 
Krebssterblichkeit. 

Man war lange Zeit der Meinung', daß der Krebs um so mehr 
verbreitet wäre, je dichter die Bevölkerung in einem Lande wohne. 

G. Salle 1 ) vertrat z. B. die Ansicht, daß der Krebs dort häufiger 
vorkomme, wo Wohnungsdichte vorhanden ist. 

Auch Laspeyres 2 ) behauptete, daß mit zunehmender Be- 
völkerungsdichtigkeit die Höhe der relativen Krebs- 
sterbezahlen steige, und daß die Sterblichkeit mit der Größe 
des Wohnorts zunehme. 

Allein, nach den Untersuchungen von de Bovis, 3 ) trifft dies 
nicht für alle Länder und Ortschaften zu. 

In S c h w e d e n und N o r w e g e n z. B., wo die Bevölkerung sehr 
zerstreut wohnt, kommt, wie wir noch späterhin sehen werden, eine 
Häufung von Krebserkrankungen vor, während in den dicht be- 
völkerten Bezirken von Cöln, Aachen und Düsseldorf die Krebs- 
krankheit weniger verbreitet ist, al s z. B. in Württemberg 
und Baden. 

Für Norwegen hatte bereits Kiaer 4 ) den statistischen Nachweis 
erbracht, daß die Dichtigkeit der Bevölkerung keinen Einfluß 
auf die Höhe der Krebssterblichkeit ausübt, und in neuerer Zeit 
konnte Geirsvold 5 ) dies nur bestätigen. 

Nach den Untersuchungen dieses Forschers ist die Dichte der 
Bevölkerung ein sehr ungleichartig wirkender Faktor, der für 
Vergleiche ganz wertlos ist. 



1 ) 1. c. S. 9. 

2 ) Centr.-Blatt f. allg. Gesundheitspflege, 1901, H. 9—10. 

3 ) 1. c. S. 86. 

4 ) 1. c. S 9. 
6 ) 1. c. S. 9. 



Wohnungsdichte. Stadt- und Landbewohner. 45 

Aus folgender Tabelle wird dies ersichtlich: 



Amt 


Zahl der Krebs- Zahl der 
todesfälle auf Einwohner pro 
10 000 Einwohner Quadratkilometer 


Buskeruds 
Jarlsberg 
Hedemarken 
Stavanger 


7,52 
7 44 
7,07 
2,92 


7,1 

41,1 

4,4 

12,4 



Die Frage hingegen, ob der Krebs häufiger in den Städten oder 
auf dem Lande vorkomme, wurde allgemein dahin beantwortet, daß 
anscheinend die Stadtbewohner häufiger an Krebs erkranken, 
als die Bewohner des flachen Landes. 

Wir haben schon bei Besprechung der Krebserkrankung der 
einzelnen Organe darauf hingewiesen, daß gewisse Erkrankungen, 
wie z. B. der Gesichts- und Lip penkrebs, *J bei Bauern 
häufiger vorzukommen pflegen, als bei den Stadtbewohnern. 

Schon ältere Beobachter, wie Tanchou 1 ) und Wals he 2 ), be- 
richten über größere Krebssterblichkeit in den Städten, und daß 
auf dem Lande mehr Männer sterben und in den Städten mehr 
Frauen. 

Nach den älteren statistischen Untersuchungen von Marc 
d' Espin e 3 ) verhält sich die Krebssterblichkeit auf dem Lande zu 
der in der Stadt G e n f wie 28 : 38. 

Andererseits haben aber auch schon ältere Forscher darauf 
hingewiesen, daß diese Beobachtungen nicht für alle Länder zu- 
treffend sind. 

In Boston z. B. kamen im Jahre 1850, nach Shattock, 4 ) auf 
1000 Todesfälle überhaupt 5,6 Krebstodesfälle, auf dem Lande 
hingegen 12,3 Todesfälle an Krebs vor. 

Die Anhänger der parasitären Theorie, wie z. B. J. F. B o s c , 5 ) 
behaupten sogar, daß auf dem Lande die Krebssterblichkeit stets 
größer sein müsse als in den Städten, weil ja die Gefahr der Infektion 
mit dem vermuteten Krebserreger auf dem Lande größer w T äre als in 
den Städten. 

Die neueren statistischen Erhebungen haben jedoch ergeben, 
daß im allgemeinen die Krebssterblichkeit in den Städten 
eine größere ist als die auf dem Lande. 

Für Preußen hat dies insbesondere R. Finkeinburg 6 ) nach- 
gewiesen (siehe nächste Seite). 

Auch die vorhin erwähnten, älteren Beobachtungen von Tanchou 
und Walshe, daß auf dem Lande mehr Männer sterben 
und in den Städten mehr Frauen, hat Fink ein bürg für 



*) Cfr. Bd, IT, S. 150 und S. 534. 

1 ) Gaz. des Hop. 1843, p. 488 und: Academie de Med. de Paris, 6. Mai 1844. 

2 ) 1. c. S. 18. 

3 ) Annales d'Hygiene, Paris 1840 und 1847. 

4 ) Report of the sanitary commission of Massachusetts. Boston 1850. 

5 ) 1. c. S. 4. 

6 ) Untersuchungen über die Ausbreitung und Frequenz der Krebserkrankungen 
im preußischen Staate mit besonderer Berücksichtigung der Rheinprovinz. I.-D. 
Bonn 1894. (Cfr. auch: Centr.-Blatt f. allg. Gesundheitspflege 1894, Bd. XIII, S. 251.) 



46 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Preußen bestätigen können, wenn auch nicht in dem Grade, wie 
dies behauptet wurde. 





Auf 100 000 Einwohner 


Provinz 


Mehr 

Krebstodesfälle 

in Städten als auf 

dem Lande 


Sonstige allge- 
meine Todes- 
fälle mehr in 
Städten als auf dem 
Lande 


Brandenburg 
Schleswig-Holstein 


14,8 
45,1 


5,2 

1,9 



In den Städten sind jedenfalls auffallend mehrFrauen 
als Männer an Krebs gestorben, während auf dem 
Lande der Prozentsatz annähernd gleich geblieben ist! 

Diese Verhältnisse werden aus folgender Tabelle ersichtlich: 



Von 100 000 Einwohnern starben in Preußen an 
Krebs (1891-1895) 



Männer 



Frauen 



In großen Städten 


63,3 


97,9 


In mittleren Städten 


63.7 


83,2 


In kleinen Städten 


53,4 


63,4 


Auf dem Lande 


35,8 


36,4 



Die Statistiken von Frankreich zeigen ebenfalls, daß die Krebs- 
sterblichkeit in den Städten, besonders in den großen Zentren, 
bedeutend höher ist als auf dem Lande: 

Schon für die Zeit von 1830—1840 hatte Tanchou 1 ) nach- 
gewiesen, daß in Paris allein während dieser Zeit überhaupt 7999 
Krebstodesfälle vorgekommen sind (unter 9118 im ganzen De- 
partement) = 2,54% aller Todesfälle überhaupt im ganzen Seine- 
departement, während auf dem Lande die Zahl der Krebs- 
todesfälle nur 1,63 °/ aller Todesfälle überhaupt betrug. 

Nach den neueren Untersuchungen von de Bovis' 2 ) ergaben 
sich für die französischen Städte folgende Zahlen: 

Im Jahre 1900 starben von 100000 Einwohnern an Krebs: 



In Paris 

In Städten mit über 



= 121 
100000 Einwohnern == 112 



30000 „ = 99 

20000 „ = 95 

10000 „ = 91 

5000 „ = 74 

500 „ = 82. 

In Holland sind, nach de Bovis, ähnliche Verhältnisse. 

Nur Eotterdam macht eine Ausnahme; denn hier starben in 
der Stadt von 100000 Einwohnern = 90, auf dem Lande aber 
93 Personen an Krebs. 



ii ii ii ii 

In Bezirken mit weniger als 



1 ) 1. c. S. 45. 

2 ) 1. c. S. 36. 



Stadt- und Landbewohner. 47 

Bedeutend höher ist auch in den Städten die Krebssterb- 
lichkeit, im Vergleich zu der auf dem Lande, in Ungarn. 

Nach den Angaben von J. Dollinger 1 ) übersteigt das Ver- 
hältnis der Krebskranken in den Städten jenes der sie umgebenden 
Distrikte gewöhnlich um das Drei- und Vierfache! 

Nicht ganz so erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land 
in bezug auf die Krebssterblichkeit weisen die für Dänemark 
angestellten Erhebungen von Johannes Fi e biger und S v. 
Trier 2 ) auf: 

Es starben im Jahre 1908 von 1Ü0000 Einwohnern 

Im ganzen Lande = 43 an Carcinom 

In Copenhagen =54 „ „ 

In den übrigen Städten = 47 „ „ 

Auf dem Lande == 38 „ „ 

Auch die Statistiken der Lebens Versicherungsgesellschaften 

haben, wie P. Juliusburger 3 ) nachgewiesen hat, ergeben, daß die 
Krebssterblichkeit zwischen Stadt- und Landarbeitern sich ver- 
hält wie 34,76 : 8,55. 

Allen diesen statistischen Angaben liegt nun, wie wir noch 
späterhin ausführlicher erörtern werden, kein ganz einwand- 
freies Material zugrunde, auch die Art der statistischen Berech- 
nung ist nicht überall die gleiche; deshalb liegen auch aus einigen 
Gegenden, in denen eine ganz besonders peinliche Statistik über die 
Todesursachen geführt wird, und die Fehlerquellen soviel als möglich 
beseitigt werden, ganz andere Ergebnisse vor in bezug auf das Ver- 
hältnis der Krebssterblichkeit in den Städten und auf dem Lande. 

Für Schottland z. B. haben die sorgfältigen Untersuchungen von 
W. G. A. Robertson 4 ) ergeben, daß nach Ausscheidung der 
Ortsfremden der Krebs auf dem Lande mehr verbreitet 
ist als in den Städten. 

Ganz besondere Beachtung verdienen die statistischen Erhebungen 
in Norwegen, wo seit Jahrzehnten die gesetzliche Leichen- 
schau durch Aerzte ausgeübt wird, und wo infolgedessen das zu- 
grundeliegende Material auch zuverlässiger erscheint. 

Die älteren, naturgemäß noch lückenhaften Untersuchungen von 
Kiaer 5 ) haben für die Zeit von 1865—1866 allerdings ergeben, daß 
in der Regel die Krebssterblichkeit in den Städten größer war als 
auf dem Lande. 

In dem Bezirk von L a u r w i g z. B. gestaltete sich das Verhältnis der 
Krebssterblichkeit in den Städten zu der auf dem Lande, wie 7,2 : 3,7. 

Auch die neueren Forschungen von Geirsvold 6 ) haben zu dem- 
selben Ergebnis geführt. 



1 ) II. Internat. Krebskonferenz zu Paris, Okt. 1910, S. 476. 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910, S. 275. 

a ) Ibidem, Bd. III, 1905, S. 106 (Statistik der Lebensversicherungsgesellschaft 
Friedrich Wilhelm zu Berlin für die Zeit von 1885—1899). 

4 ) Edinb. med. Journ. 30. Jan. 1903. 

5 ) 1. c. S. 9. 

6 ) 1. c. S. 9. 

Cfr. auch: Rahts: Uebersicht über die Verbreitung der Krebssterblichkeit am 
Ende des 19. Jahrhunderts (Medizinal-statistische Mitteilungen des Reichsgesundheits- 
amts 1903, Bd. VII, S. 243). 



48 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Zwischen Stadt und Land ist, nach Geirsvold, in Norwegen, 
wie sonst überall, der Unterschied in bezug auf die Krebssterblichkeit 
ziemlich groß, und zwar zuungunsten der Städte. 

Für die Zeit von 1878—1897 verhielt sich die Krebsmortalität 
in den Städten Norwegens zu der auf dem Lande wie 8,16°/ nnft : 
5,09 »/ 000 ! 

Sowohl in den Städten als auch auf dem Lande ist, wenn man 
die zwei Dezennien miteinander vergleicht, die Zunahme erheblich 
gewesen, relativ am größten auf dem L a n d e = ca. 250 °/ , in 
den S t ä d t e n = ca. 50 °/ ! Die Kurven der Gesamtsterblichkeit 
verlaufen dagegen ziemlich parallel, die Land kurve bedeutend 
niedriger; in den letzten Jahren sind beide Kurven im Sinken be- 
griffen. 

Allein als Todesursache steht der Krebs in den Land- 
distrikten bedeutend voran. 

Für die Zeit von 1878—1897 betrug die Krebssterblich- 
keit auf dem Lande 6,83% von der Gesamtsterblichkeit 
überhaupt, in den Städten aber nur 4,88 °/ ! 

Wenn man die Fehlerquellen bei den bisherigen, statistischen 
Ergebnissen ausmerzt, wie z. B. die Nichtberücksichtigung des Al- 
ters und des Geschlechts, dann erhält man, nach Geirsvold, 
doch andere Resultate. 

Bekanntlich hat, wie Geirsvold hervorhebt, in Norwegen, 
ebenso wie in anderen Ländern, eine Reihe von Jahren hindurch eine 
Verschiebung der Bevölkerung vom Lande nach den 
Städten stattgefunden. Infolge des industriellen Aufschwungs in 
den Städten findet eine große Abwanderung, und zwar hauptsächlich 
von jungen Leuten, nach den Industriezentren statt, während auf 
dem Lande mehr die älteren, im krebsfähigen Alter befind- 
lichen Personen zurückbleiben. 

Dieselbe Wirkung muß auch die bedeutende, jährliche Abwande- 
rung von jungen Leuten nach Amerika haben. 

Durch diese Tatsachen glaubt Geirsvold das vorhin erwähnte 
stärkere Ansteigen der Krebssterblichkeit in den Landes- 
distrikten ungezwungen erklären zu können. Es kommt noch 
hinzu, daß in neuerer Zeit auch auf dem Lande die ärztliche Ver- 
sorgung eine bessere geworden ist, und daß im Verein mit den 
Fortschritten in der medizinischen Wissenschaft in bezug auf die 
Diagnose des Krebses mehr Krebsfälle auch auf dem Lande zur 
Kenntnis kommen als in früheren Zeiten. 

Von einer besonders großen Zunahme der schädlichen Faktoren 
auf dem Lande darf, nach Geirsvold, gewiß nicht die Rede sein. 

Man hatte schon früher wiederholt versucht die Ursachen der 
scheinbar höheren Krebssterblichkeit in den Städten und besonders 
in den großen Zentren eines Landes zu erforschen.*) 

Bereits Mal gaigne *) bemängelte die Richtigkeit der von Tan - 
chou angegebenen hohen Krebsmortalität in Paris, gegenüber der 
des Landes (cfr. S. 46). 



*) In Städten mit verschiedener Eassenbevölkerung betrifft, nach Spencer- 
Wells (Brit. med. Journ. 1 Dez. 1888, Vol. II, p. 1201), die Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit fast ausschließlich die weiße Bevölkerung. 

l ) Journ. de Chirurgie 1843, p. 218. 



Stadt- und Landbewohner. 49 

Die größere Krebssterblichkeit in P a r i s hängt, nach M a 1 g a i g n e , 
damit zusammen, daß eine große Zahl von krebskranken Personen 
aus der Provinz nach Paris zusammenströmt, um sich von den 
berühmten, französischen Chirurgen behandeln zu lassen. Der 
größte Teil dieser Provinzialen stirbt aber in den Pariser Hospi- 
tälern und trägt auf diese Weise zur Erhöhung der Mortalitätsziffer 
für Paris bei. 

Daß in den großstädtischen Verhältnissen an und für sich 
nicht die Ursache der gehäuften Krebssterblichkeit zu suchen ist, 
haben auch die neueren Untersuchungen von de Bovis 1 ) dargetan. 

Die größere Krebssterblichkeit in den Städten erklärt sich, nach 
de Bovis, zunächst dadurch, daß in den Städten sich mehr Kran- 
kenhäuser und Asyle vorfinden, in denen Krebskranke auch von 
außerhalb Unterkunft finden, eine Erklärung, die, wie vorhin er- 
wähnt, auch M a 1 g a i g n e gegeben hat. 

Ferner besitzen aber die Städte eine zahlreichere, erwachsene 
Bevölkerung; so machen beispielsweise in Berlin die über 
20 Jahre alten Personen 66% der Bevölkerung aus, in ganz Preußen 
aber nur 45°/ . 

Dann bringen auch die Totenschau der armen Hospitanten 
und die häufigeren Obduktionen bei der wohlhabenden Bevölkerung 
in den Städten mehr Krebsfälle ans Tageslicht. 

In Ländern, wo eine gesetzliche Totenschau vorgeschrieben 
ist, wie z. B. in Norwegen (cfr. S. 47), verschwinden diese Unter- 
schiede in der Krebssterblichkeit zwischen Stadt und Land. 

Besitzt nun der Großstädter eine größere Dispo- 
sition zur Krebserkrankung als der Landbewohner? 

Daß gewisse Schädlichkeiten bei den Landbewohnern zur Erkran- 
kung an Lippen- und Gesichtskrebs führen können, haben wir 
schon vorhin erwähnt (cfr. S. 45). 

Man kann nicht allgemein sagen, wie de Bovis betont, daß der 
Großstädter überhaupt leichter an Krebs zu erkranken pflegt als 
der Landbewohner. 

Die Schwierigkeit, bei den statistischen Nachweisen eigentliche 
Großstädter und Provinziale zu trennen, ist eine sehr erhebliche. 

Gibt es Infektionen oder Contagionen bei städtischen Krebs- 
en dem ien ? 

Nach de Bovis bietet die Statistik großer Städte keinen Anhalt 
hierfür. 

Haben Alkoholismus und Syphilis einen Einfluß? 

„Vielleicht" sagt de Bovis. 

Was auch immer, nach de Bovis, das Agens sei, da der Krebs 
eine Verderbnis und Entartung des Organismus voraussetzt, wo fänden 
sich die Bedingungen mehr hierfür als in großen Städten, wo alle 
Verhältnisse sich die Hand "reichen, die R a s s e entarten zu lassen ? 

Wenn wir das Ergebnis unserer bisherigen Ausführungen zu- 
sammenfassen, so hat sich durch keine Untersuchung feststellen lassen, 
daß der Großstädter im allgemeinen mehr zur Krebserkrankung 
disponiert ist, als der Landbewohner. Die angeblich hohe Krebs- 
sterblichkeit in den Städten wird bei Ausmerzung der angeführten 

l ) 1. c. S. 13. 
Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 4 



50 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Fehlerquellen, welche ein trügerisches Resultat herbeiführen, her ab- 
gedrückt und nähert sich der Krebssterblichkeit auf 
dem Lande. 

In manchen Ländern sogar, wie beispielsweise in Schottland, 
übersteigt die Krebssterblichkeit auf dem Lande, wie wir vorhin 
erwähnt haben (cfr. S. 47), die in den Städten. 

Diese Tatsache ist auch durch die neuesten Untersuchungen von 
C. E. Green 1 ) wiederum bestätigt worden. 

Ob die Ursache für diese Erscheinung in der auf dem Lande 
üblichen Heizung mit Stein- resp. Braunkohle zu suchen ist, 
wie Green vermutet, lassen wir dahingestellt. 

Daß der Krebs in Grönland z. B. deshalb nicht vorkommt, 
weil dort keine Kohlen vorhanden sind und die Heizung mittels ani- 
malischen Fettes (Tran!) geschieht, ist eine Hypothese von Green, 
die bisher nicht weiter nachgeprüft werden konnte.*) 

Auch aus französischen Ortschaften liegen Mitteilungen vor 
über häufigeres Vorkommen von Krebs auf dem Lande 
als in den Städten desselben Bezirks. 

So berichtet z. B. S tief fei, 2 ) daß in Baugee (Meuse) die Land- 
bewohner viel häufiger an Krebs erkranken als die Stadtbewohner. 

Er führt dies darauf zurück, daß auf dem Lande dieses Bezirks 
sehr wenig Todesfälle an Tuberkulose vorkommen, wodurch 
mehr Personen in das krebsreife Alter gelangen.**) 



Soziale Faktoren und deren Einfluß auf die Krebs- 
sterblichkeit (Armut und Wohlhabenheit, Berufearten). 

Armut und Reichtum in ihren Beziehungen zur Krebssterblichkeit: A eitere, 
statistische Erhebungen von Tanchou, Marc d'Espine und Wals he. 
Fehlerhafte, statistische Methode. 

Neuere Statistiken: Einteilung von Braithwaite. Fleischgenuß 
und Krebssterblichkeit. 

Schwierigkeiten bei der Berufszählung. Weinberg's und 
Gastpar's Untersuchungen in Stuttgart. 

Behla's amtliche Statistik für Preußen. Häufigeres Vorkommen 
bei den bemittelten Ständen. Verteilung der Organerkrankungen 
auf die verschiedenen, sozialen Gruppen. 

Statistische Nachweise aus dem Material von Versicherungsgesell- 
schaften. Fehlerquellen dieser Erhebungen. 

Verschiedene Resultate bei verschiedenen Methoden. 

Beruf und Krebs: A eitere Beobachtungen über Erkrankungen von Nonnen. 
Erste Versuche einer Berufszählung von Ramazzini und Walshe. 
Genauere statistische Nachweise für Kopenhagen durch Hannover. 
Berufskrebse (Schornsteinfeger, Naphtholarbeiter usw.). 



1 ) Edinb. med. Journ. Okt. 1912, S. 336. 

*) Auch R. Behla (Medizinalstatistische Nachrichten 1910, S. 159) vertritt die 
Ansicht, daß die Zunahme des Krebses mit der in allen Kulturländern immer weiter 
sich ausdehnenden Verwendung der Kohle als Feuerungsmaterial zusammenhängt, in 
dem Sinne, daß außer anderen mannigfachen Substraten auch die Kohle als Träger 
des Keimes eine wichtige Bolle spielt. 

2 ) Gaz. des Hopitaux 1889, S. 1016. 

**) Wir kommen auf diese Frage noch späterhin zurück. 



Soziale Faktoren und Krebsverbreitling. 51 

Neuere Erhebungen in England: Statistiken von Braithwaite 
und Newsholme. 

Krebssterblichkeit und Beruf in Christiania: Abweichendes Ergebnis 
von der englischen Statistik. Krebssterblichkeit bei Aerzten. 

Untersuchungen in Nordamerika: Krebsreiche Berufe. Geist- 
liche und Aerzte. Hohe Sterblichkeit bei den Arbeitern. 

Statistische Erhebungen in Deutschland: 

Untersuchungen in Chemnitz. Textil- und Maschinen arbeiter. 

Berliner Statistik. Einteilung in drei Gruppen. Einfluß der Alters- 
berücksichtigung auf das Ergebnis. Fehlerhafte Definition der Gruppe 
„Berufslose". 

Sonstige Fehlerquellen aller Statistiken nach Weinberg. Zweifel- 
hafter Wert des Materials von Versicherungsgesellschaften und 
Ortskrankenkassen. 

Statistische Untersuchungen in Preußen: 

Schwierigkeit der Erhebungen. Behla's Methode. Gruppeneinteilung. 
Krebsreiche und krebsarme Berufe. Reinliche und unreinliche 
Beschäftigungsarten. Verwertung für die parasitäre Theorie. 
» Fehlerquellen dieser Methode. Nichtberücksichtigung der Alters- 

stufen. Einfluß der Methode auf das Ergebnis. Beziehungen der Todes- 
fälle zu den Lebenden. Lücken in der allgemeinen Medizinalstatistik. 

Kolb's statistische Erhebungen in Bayern. Abweichende Ergebnisse 
von Behla's Berechnungen. Einfluß des Alters auf das statistische 
Ergebnis. 

Statistik in Baden. Indirekter Einfluß des Berufs. 

Frauenberuf und Krebssterblichkeit. 

Mangelhafte, statistische Unterlagen. 

Krebssterblichkeit im Heere und in der Marine. Französische 
Armee. Preußisches Heer. Geringer Wert dieser Statistiken wegen der 
Kleinheit der Zahlen. 

Schon Tanchou 3 ) und Lebert 2 ) machten darauf aufmerksam, 
daß bei Wohlhabenden der Krebs häufiger vorkomme als bei 
Armen. 

Die Verfeinerung der Lebenssitten und die höhere geistige Ent- 
wicklung bilden, nach Tanchou, geradezu eine Disposition zur 
Krebserkrankung. 

Zahlenmäßig hat dieses von Tanchou aufgestellte Gesetz zuerst 
Marc d ' E s p i n e 3 ) für den Kanton Genf nachgewiesen. Das Ver- 
hältnis der Krebstodesfälle in diesem Distrikt verhielt sich bei 
Reichen und Armen wie 106:72. 

Auf 706 Todesfälle bei Reichen entfielen 82 Krebstodesfälle, 
oder auf je 1000 Todesfälle überhaupt — 111 Krebstodesfälle, während 
für die Gesamtbevölkerung nur 52 Krebstodesfälle auf 1000 Todes- 
fälle überhaupt berechnet wurden. Hauptsächlich übersteigt die Zahl 
der Erkrankungen an Magenkrebs bei reichen Leuten um ein Be- 
deutendes die bei armen Leuten, und zwar im Verhältnis von 40 : 26.*) 

Zu demselben Ergebnis gelangte auch Walshe 4 ) in bezug auf 
englische Verhältnisse. 

Diese aus der älteren Zeitepoche stammenden Statistiken können 
naturgemäß keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit machen, und bereits 
Oesterlen 5 ) hat die Angaben von d'Espine als irrige bezeichnet. 

x ) Essai statistique sur la mortalite dans le Canton de Geneve (Annales d'Hygiene, 
Paris 1840, T. 23, p. 5) und: Recherches sur le traitement medic. des turaeurs 
cancereuses du sein. Paris 1844. 

2 j Traite pratique des Maladies cancereuses. Paris 1851. 

3 ) Annales d'Hygiene. Paris 1847, T. 38. 
*) Cfr. auch Bd. II, S. 645. 

4 ) 1. c. S. 18. 

5 ) Handbuch der med. Statistik 1874, S. 893. 

4* 



52 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Derselben Ansicht ist auch in neuerer Zeit Prinzing, 1 ) der den 
Fehler in den statistischen Angaben darin sieht, daß d' Espin e 
nicht zugleich die Zahl der Lebenden jeder Bevölkerungsschicht 
angibt. 

Trotzdem steht, wie wir schon wiederholt ausgeführt haben 
(cfr. S. 28 ff.), Kultur und Wohlhabenheit in einem gewissen 
Zusammenhange mit der Krebssterblichkeit, und verweisen wir auf 
unsere diesbezüglichen Ausführungen. 

Braithwaite, 2 ) der, wie wir gesehen haben, die größere Krebs- 
sterblichkeit auf den reichlichen Fleischgenuß zurückführt, teilt, 
wie wir noch späterhin ausführen werden, die Berufsklassen in 
bezug auf die Krebssterblichkeit in zwei große Gruppen: Müßig- 
gänger und Beschäftigte. 

Während nun bei der Gesamtbevölkerung zwischen 25 bis 
60 Jahren die Zahl der Krebstodesfälle zu den Gesamttodes- 
fällen überhaupt sich verhält wie 47 : 1000, beträgt diese bei Müßig- 
gängern und Wohlhabenden = 96:1000 und bei Beschäf- 
tigten = 44:1000. 

Die Wohlhabenden essen nun, nach Braithwaite, mehr 
Fleisch, infolgedessen schnellt die Zahl der Krebstodesfälle bei 
dieser Menschenklasse in die Höhe! 

Ueber die Berechtigung dieser Hypothese verweisen wir auf 
unsere früheren Ausführungen.*) 

Auch in der Neuzeit hat man nun versucht, unter möglichster 
Ausmerzung der Fehlerquellen, dieses Problem aus der Krebslehre zu 
ergründen. 

Welche Schwierigkeiten aber bei einer ein wandsfreien Statistik 
in bezug auf die Berufssterblichkeit resp. auf die soziale 
Stellung der Verstorbenen zu überwinden sind, haben besonders 
W. Weinberg und Gastpar 3 ) betont. 

Die Hauptschwierigkeit liegt, nach der Ansicht dieser Forscher, 
darin, ein genügendes Material zu gewinnen, in welchem die Todes- 
fälle beruflich und sozial nach denselben Gesichtspunkten gesichtet 
sind, wie die entsprechenden lebenden Gesamtheiten. 

Eingehende und mühevolle Untersuchungen haben für Stuttgart 
während der Zeit von 1873—1902 ergeben, daß bei den Männern 
zunächst eine Ueber Sterblichkeit der sozial höherstehen- 
den stattfand. Bei den Frauen war ein Einfluß der sozialen 
Stellung nicht nachweisbar. 

Zum Teil mag dies, nach Weinberg und Gastpar, damit zu- 
sammenhängen, daß verheiratete, selbständige, erwerbstätige Frauen 
bei den Todesfällen nach dem Beruf des Mannes gezählt werden mußten. 

Das Material, das Weinberg und Gastpar zur Verfügung 
stand, war natürlich viel zu klein, um allgemeine Schlüsse zu ziehen. 

Aber selbst das große Material der preußischen Berufs- 
statistik bereitet, wie B e h 1 a 4 ) hervorhebt, für die Beantwortung der 



1 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 527. 

2 ) 1 c S 12 

*) Cfr.' S." 12u. 32 u. Bd. II, S. 85. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung Bd. II, 1904, S. 238. 

4 ) Krebs und Tuberkulose vom Standpunkte der vergleichenden internationalen 
Statistik (Medizinalstatistische Nachrichten 1910, S. 146). 



Soziale Faktoren und Krebsverbreitung. 53 

Frage, ob die Krebssterblichkeit bei den Wohlhabenderen größer 
sei als beider ärmeren Bevölkerung, mannigfache Schwierigkeiten. 

Die preußisch e Berufsstatistik unterscheidet drei Kategorien: 
Besitzende. Aufsichts führ ende und Arbeiter. 

Es ist nun ungemein schwer, nach dieser Richtung eine Berufs- 
krebsstatistik durchzuführen. Diesem Vorhaben stellen sich große 
Hindernisse entgegen. Man mußte sich bei der Aufstellung der Sta- 
tistik auf die Gegenüberstellung von Arm und Reich beschränken. 

Sowohl die deutsche als auch die schwedische Sammel- 
forschung*) führten zu dem Ergebnis, daß der Krebs bei den be- 
mittelten Ständen häufiger vorkommt. 

iVuch die Berliner Statistik von Albert Asch off 1 ) ergab 
dasselbe Resultat. 

Trotz der vielen alten Jahrgänge bei den ärmeren Almosen- 
empfängern und Hospitaliten war die Krebssterblichkeit bei dieser 
sozialen Gruppe bei weitem nicht so groß, als bei den wohlhabenden 
Rentiers und Pensionären. 

Aber auch in bezug auf die Organerkrankung hat man Unter- 
schiede in der Häufigkeit des Auftretens bei Arm und Reich be- 
obachten zu können geglaubt. 

So teilt z. B. Koerber 2 ) mit, daß Haut-, Gesichts- und 
Kopfhautkrebs mehr bei der ärmeren Bevölkerung vorkommt, 
wo auf die Hautpflege weniger Gewicht gelegt wird. 

Die Krebserkrankung des Intestinaltraktus war in allen 
Ständen vertreten, doch war ersichtlich, daß die relative Beteiligung 
der verschiedenen sozialen Klassen in dem Verhältnisse abnahm, 
wie die ökonomische und sozialhygienische Lage zu- 
nahm! 

Das Uteruscarcinom soll, nach den Untersuchungen von 
A. Theilhaber, 3 ) bei vermögenden Ständen seltener vor- 
kommen als bei der ärmeren Bevölkerung, und zwar erkranken wohl- 
habende Frauen öfters an Cervixcarcinom, während Corpus- 
carcinome häufiger bei der ärmeren Bevölkerung auftreten (vgl. 
auch S. 40). 

Eine Ausnahme machen, nach A. Theilhaber und S.Greischer, 4 ) 
für München er Verhältnisse nur die Frauen der Gastwirte und 
Metzger. 

Beim Mammakrebs verhält es sich, nach der Ansicht dieser 
Forscher, wieder umgekehrt. 

Hier überwiegen die Erkrankungen bei den vermögenden 
Frauen, während die ärmere Bevölkerung seltener von Mammakrebs 
heimgesucht wird. 

Auch die Untersuchungen von W. Weinberg und Gastpar 5 ) 
ergaben für Stuttgart eine relative Ueb er Sterblichkeit der 
ärmeren Bevölkerung an Gebärmutterkrebs. 

Während also, nach Weinberg und Gastpar, ein sozialer 



*) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 3. Wir kommen noch später- 
hin ausführlicher auf diese Sammelforschungen zurück. 
! ) 1. c. S. 8. 

2 ) Jahrb. der Hamburgischen Staatskrankenanstalten, Supplement zu Bd. XIII, 1908. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 472. 

4 ) Ibidem, Bd. IX, 1910, S. 540. 
*) Ibidem, Bd. II. 1904, S. 248. 



54 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Einfluß auf die Sterblichkeit an Gebärmutter krebs besteht, kann 
ein solcher auf die Sterblichkeit beider Geschlechter an Neubildungen 
der übrigen Organe vorläufig nicht als erwiesen betrachtet werden. 

P. Juliusburger 1 ) hat aus den statistischen Nachweisen über 
die Todesfälle bei der Versicherungsgesellschaft Friedrich 
Wilhelm zu Berlin während der Zeit von 1885—1895 den Schluß 
gezogen, daß die bemittelten Frauen im allgemeinen häufiger 
an Krebs zu erkranken pflegen, als die Frauen aus den ärmeren 
Bevölkerungsschichten. 

Allein, eine derartige statistische Berechnung ist, nach W. Wein- 
berg, 2 ) technisch durchaus irrig. Weder das Alter der ent- 
sprechenden lebenden Gesamtheiten, noch das der Gestorbenen ist 
mitgeteilt. Ein Vergleich des Prozentsatzes einer Todesursache unter 
sämtlichen Todesfällen ist nur bei annähernd bekannter Gesamt- 
sterblichkeit statthaft. 

Da bei den Angehörigen der Volksversicherung eine größere 
Allgemeinsterblichkeitszitfer angenommen werden darf, als bei den 
besser situierten Frauen, so mußte auch bei gleicher Sterblichkeit bei 
den Gruppen an Krebs ein geringerer Prozentsatz der Todesfälle an 
Krebs unter den Toten der Volksversicherung von vornherein erwartet 
werden. 

Die Annahme einer größeren Häufigkeit des Krebses bei den 
besser Situierten war also, nach Weinberg, auf Grund dieses 
Materials nicht berechtigt. 

Statistiken, die nicht auf einem Vergleich der Lebenden 
und Toten beruhen, sondern nur von den Erfahrungen 
bei den Toten ausgehen, sind, nach Weinberg, wertlos! 

Aus diesem Grunde ist auch die vorhin erwähnte Statistik von 
A. und F. Theilhaber für allgemeine Schlüsse nicht zu verwerten. 

Nicht nur ein Vergleich zwischen Lebenden und Toten, sondern 
auch der Einfluß des Alters darf bei einer exakten Statistik 
nicht außer acht gelassen werden. 

Wenn man alle diese Gesichtspunkte berücksichtigt, dann kommt 
man, nach \V. Weinberg, zu ganz anderen Resultaten. 

In Stuttgart ergab die nach dieser Methode vorgenommene 
Zählung auch für den Krebs der übrigen Organe eineüeber- 
sterblichkeit der Frauen in den niederen, sozialen 
Schichten. Dieses Resultat steht im Gegensatz zu den Erfahrungen 
bei Männern und zu Weinberg's früherer Annahme. 

Welchen Einfluß bei der statistischen Berechnung die Methode 
der Statistik ausübt, ist aus folgenden Ergebnissen Weinberg's 3 ) 
für Stuttgart ersichtlich: 

Es verhielt sich die Sterblichkeit der Klasse A (Reiche) zu der- 
jenigen der Klasse B (Arme) bei Berücksichtigung der vorhin er- 
wähnten Faktoren : 
bei Krebs der Gebärmutter wie 100:235 gegen 100:145 nach der 

alten Methode, 
bei Krebs der Brust wie 100:110 gegen 100:77 nach der alten 
Methode, 



1 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. III, 1905, S. 106. 

2 ) Ibidem, Bd. XI, 1912, S. 302. 

3 ) Ibidem, Bd. XI, 1912, S. 307. 



Beruf und Krebserkrankung. 55 

bei Krebs der übrigen Organe wie 100:165 gegen 100:100 nach 
der alten Methode. 

Der ungünstige Einfluß der niederen sozialen Stellung auf die 
Häutigkeit des Gebär mutterkrebses erscheint demnach mit Hilfe 
der neuen Methode noch erheblich stärker als bei der früher ge- 
machten Voraussetzung, während beim Brustkrebs sich die 
Ueber Sterblichkeit der höheren sozialen Schichten in das 
Gegenteil verkehrt! 

Für die Gesamtheit der Krebs fälle ohne Unterschied der 
Lokalisation verhielt sich die Sterblichkeit von Klasse A zu Klasse B 
wie 100: 183! 

Diese Zahlen, die auf Grund sehr exakter, statistischer Nachweise 
gewonnen sind, sprechen allerdings gegen die Auffassung, daß 
der Krebs ein Privileg der höheren Gesellschafts- 
schichten darstelle.*) 

Wir haben schon bei Besprechung der Krebserkrankung der 
einzelnen Organe daraufhingewiesen, daß bereits die älteren Forscher 
einen gewissen Zusammenhang zwischen Krebserkrankung und Beruf 
vermuteten. 

Wir haben z. B. erwähnt,**) daß Vesal, Forest u. a. den 
Nonnen und sterilen Frauen eine ganz besondere Disposition zur 
Erkrankung an Uteruscarcinom zuschrieben. 

Andererseits behauptete v. d. C o r p u t , J ) daß bei den Trappisten 
und anderen Orden, welche eine strenge Kost innehalten und große 
Kasteiungen sich auferlegen, fast gar kein Krebs vorkomme. 

Auch Ramazzini 2 ) machte bereits einen Versuch — allerdings 
auf ganz unsicheren Grundlagen — den Einfluß des Berufs auf die 
Krebserkrankung nachzuweisen. 

Die Behauptung von W. H. W a 1 s h e , s ) daß in England, 
besonders in Cambridge und Süd -Lincoln, die Landwirte 
häufiger an Krebs erkranken als die Industriearbeiter, beruht 
ebenfalls nur auf ganz unzuverlässigen, statistischen Angaben. 

Die erste einigermaßen brauchbare Statistik stammt von A. Han- 
nover 4 ) (Kopenhage n). 

Während der Zeit von 1843—1847 kamen in Kopenhagen auf 
1000 kranke Handwerker = 6 Krebserkrankungen vor, auf 1000 
Aerzte, Studierte und Dienstboten hingegen 9 Erkrankungen an 
Krebs. 

Dabei war aber die Allgemeinsterblichkeit der letzteren Gruppe 
geringer als die der ersten; denn es starben (1840 — 1859) von 1000 
Mitgliedern der ersten Gruppe jährlich = 60, von der zweiten Gruppe 
jährlich = 56. 



*) Cfr. auch: J. Conrad (Beiträge zur Untersuchung- des Einflusses von Lebens- 
stellung- und Beruf auf die Mortalitäts Verhältnisse. Jena 1877, S. 141 — größere 
Krebssterblichkeit der ärmeren Bevölkerung in Halle). M. Neefe (Zeitschr. f. 
Hygiene, Bd. 24, 1897, S. 247 — größere Krebssterblichkeit der ärmeren Be- 
völkerung in Breslau). 

**) Cfr. Bd. II, S. 963. (Cfr. auch über Prostituierte: Bd. II, S. 946 u. 963.) 

') 1. c. S. 18. 

'-') Bernard Ramazzini (Opera oinnia medica et physiologica. 4°. 500 S. London 
1718 bei Paul und Isaac Vaillant). 

3 ) 1. c. S. 18. 

4 ) Maladies des artisans de Copenhague (Annales d'Hygiene 1862. 2. Serie. T. 17). 



56 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Wir haben auch schon an einer früheren Stelle auf gewisse 
Berufs arten hingewiesen, die durch ihre Beschäftigung ganz be- 
sonders häufig Krebserkrankungen ausgesetzt sind. 

Wir erinnern nur an den Schornsteinfegerkrebs,*) an die 
Krebserkrankung bei Naphthol- und Anilinarbeitern,* 1 ') an 
den Witterungs- und Röntgenkrebs***) und an die häufige Er- 
krankung der Müller an Magenkrebs, f) 

Bei allen diesen Berufsarten handelt es sich um bestimmt nach- 
weisbare Schädlichkeiten, deren ungünstigen Einfluß man auch ana- 
tomisch und klinisch nachweisen kann. 

Man hat nun in neuerer Zeit versucht, auf statistischem 
W T ege die Beziehungen zwischen Beruf und Krebs genauer zu 
erforschen und die Untersuchungen auf alle Kreise auszudehnen. 

Bestimmte Gesichtspunkte, nach denen man das zugrunde gelegte 
Material sichten wollte, waren nicht vorhanden. 

Welche Schwierigkeiten eine derartige Auszählung der Todesfälle 
nach bestimmten Berufsarten verursacht, haben wir schon vorhin erwähnt, 
und welchen Trugschlüssen man ausgesetzt ist, falls man nicht die an- 
geführten Fehlerquellen ausmerzt, haben wir ebenfalls hervorgehoben. 

Der einzige Forscher, der eine Berufszählung von einem be- 
stimmten Gesichtspunkt aus — nämlich von der mehr oder 
minder großen Fleisch nahrung — vornahm, war Braithwaite. 1 ) 

Wir haben schon vorhin erwähnt (cfr. S. 52), daß dieser Forscher 
die Berufsarten in beziig auf die Erkrankung an Krebs in zwei große 
Gruppen teilt: in Müßiggänger und Beschäftigte. 

Im Durchschnitt betrug in England die Krebs Sterblichkeit 
der männlichen Bevölkerung zwischen 25—60 Jahren 47:1000 
aller Todesfälle bei der Gesamtbevölkerung. 



Auf die Müßiggänger entfielen 96 Krebstodesfälle auf 1000 Todes- 


fälle überhaupt, 






auf die Beschäftigten entfielen 44 Krebstodesfälle auf 1000 Todes- 


fälle überhaupt. 






Bei den einzelnen Berufs arten kom 


men auf 1000 Todesfälle 


überhaupt: 






Bauern 


== 70 Krebstodesfälle 


Rechtsanwälte ff) 


= 60 


55 


Matrosen f f f ) 


= 60 


55 


Schlächter 


= 57 


55 


Landarbeiter 


= 48 


55 


Fischer 


= 46 


55 


A e r z t e *f ) 


= 43 


55 


Kohlengrubenarbeiter 


= 36 


55 


Geistliche*!!) 


= 35 


55 



*) Cfr. Bd. I, S. 87; Bd. II. S. 142, 1022. 
**) Cfr. Bd. II, S. 147 ff. 
***) Cfr. Bd. II, S. 149 ff. 
t) Cfr. Bd. II, S. 624. 
x ) 1. c. S. 12. 
ff) Die Krebssterblichkeit in diesem Beruf ist, nach Braithwaite, deshalb 
so hoch, weil die Anwälte den Tag im Bureau zubringen und am Abend reich- 
liche Mahlzeiten einnehmen. 

fff) Erhalten viel Pökelfleisch als Nahrung. 

*f) Haben mehr körperliche Bewegung und nehmen die Hauptmahlzeit mittagsein. 
•*tt) Diesem Beruf verbietet, nach Braithwaite, vielfach ihre Armut, reich- 
lich zu essen. 



Beruf und Krebserkrankung. 



57 



Die von Newsholme 1 ) angeführte Tabelle von T a t h a m für 
die Zeit von 1881 — 1890 ergab dieselben Eesultate. 

Es entfielen während dieser Zeit auf 1000 Todesfälle in England 
überhaupt, auf die verschiedenen Berufe: 





Krebstodesfälle 


Krebstodesfälle 


Schornsteinfeger 


156 


Gastwirte 


53 


Brauer 


70 


Werftarbeiter 


51 


Schankwirte in L< 


)ndon 70 


Tabakarbeiter 


51 


Kellner 


65 


Schuster 


50 


Handelsarbeiter 


63 


Tuchhändler 


49 


Malzarbeiter 


61 


Pförtner 


48 


Juristen 


60 


Gewöhnliche Arbeiter 


48 


Seeleute 


60 


Fischer 


46 


Gasarbeiter 


59 


Grobschmiede 


45 


Kutscher 


58 


Aerzte 


43 


Werkzeugarbeiter 


58 


Fischhändler 


42 


Fleischer 


57 


Kohlengrubenarbeiter 


36 


Kohlenträger 


56 


Landwirte 


36 


Bleiarbeiter 


53 


Gewürzhändler 


34 



Zu anderen Ergebnissen in bezug auf die Beteiligung der einzelnen 
Berufsarten an der Krebssterblichkeit gelangte H. Bern er 2 ) auf Grund 
seiner statistischen Erhebungen in Christiania (1870—1889). 

Bern er unterscheidet drei große Berufsgruppen (nur Männer!): 

I. Die höheren Klassen (Beamte, Offiziere, Kaufleute usw.). 

IL Die Mittelklasse (Bedienstete, Soldaten, Gastwirte usw.). 

III. Die Arbeiterklasse. 

Es zeigt sich nun, daß die Totalsterblichkeit in der dritten 
Klasse am größten ist, ein wenig niedriger in der ersten, aber auf- 
fallend niedrig in der zweiten Klasse (15.85 % resp. 14,73 und 
11,65 % ). 

Die Krebssterblichkeit ist aber am größten in der ersten 
Klasse, am niedrigsten in der zweiten Klasse. 

Nach Geirsvold 3 ) beruht nun die hohe Krebssterblichkeit der 
ersten Klasse, die auch viele Beamte und Offiziere umfaßt, darin, 
daß ein großer Teil dieser Berufsgruppe nach der Entlassung in einem 
relativ hohen Alter (Durchschnittsalter 57,5 Jahre!) nach der Haupt- 
stadt übersiedelt. 

Für die Aerzte hat V edel er, 4 ) im Gegensatze zu den vorhin 
angeführten englischen Statistiken, eine unverhältnismäßig hohe 
Zahl von Krebstodesfällen berechnet. 

Für diese Berufsgruppe liegt noch ein statistischer Nachweis aus 
Mittel franken von Martius 5 ) vor (enthält allerdings nur ein 
kleines Material über 91 praktizierende und 46 beamtete Aerzte). 

Die Krebstodesfälle bei den Aerzten dieses Distrikts betrugen 



1 ) The Practitioner. April 1899. 

2 ) Die Sterblichkeit in C h r i s t i a n i a in verschiedenen Altern und Erwerbszweigen 
1870 — 1889 (Beilage zum Jahresbericht des Gesundheitsamts Christiania 1890). Cfr. 
auch Geirsvold 1. c. S. 9 (p. 15). 

:{ ) 1. c. S. 9 (p. 15). 

4 ) Verhandlungen der Norwegischen medizinischen Gesellschaft 1900, S. 121. 

B ) Bayerisches ärztliches Intelligenzblatt, Jahrg. 28, 1881, Nr. 18. 



58 I« Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

7,3 °/ aller Krebstodesfälle, und zwar 8,8 °/ für die praktizierenden 
und 4,3 °/ für die beamteten Aerzte. 

Auch die von G. M c. C o n n e 1 x ) in den Vereinigten Staaten 
von Nordamerika angestellten Untersuchungen über die Krebssterb- 
lichkeit in den einzelnen Berufen ergaben ein von der englischen 
Statistik abweichendes Resultat. 

Wenn wir aus den von Connell aufgeführten Tabellen nur die 
Berufsarten mit höchster und niedrigster Krebssterblichkeit 
berücksichtigen, dann erhalten wir folgende Prozentzahlen: 

Auf 100000 Lebende entfielen Krebstodesfälle: 

Hohe Krebssterblichkeit: Niedere Krebssterblichkeit: 

Cafetiers = 28,0 

Buchhalterinnen = 15,1 

Arbeiterinnen der Textil- 
branche = 9,9 



Arbeiter 


= 126,6 


Matrosen und Fischer 


= 113,1 


Schmiede 


= 107,3 


Krankenwärterinnen 




und Hebeammen 


= 105,0 


Geistliche 


= 102,2 


Dienerinnen 


= 99,6 


Maurer und Steinmetze 


= 98,0 


Bauern 


= 87,7 


Kaufleute und Händler 


= 81,3 


Gärtner 


= 72,9 


Tapezierer 


= 72,6 


Aerzte 


= 67,5 


Hotelbesitzer 


= 60,1 


Juristen 


= 52.5 



An der Spitze dieser Statistik stehen also die nicht landwirt- 
schaftlichen Tagelöhner, während sowohl in der englischen, 
als auch in der norwegischen Statistik diese Berufsgruppe zu 
den krebsarmen gezählt wurde. 

Eine überraschend hohe Prozentzahl weist in Nordamerika 
die Krebssterblichkeit bei den Geistlichen auf, die bei der eng- 
lischen Statistik die unterste Stufe einnehmen. 

Man könnte diese Tatsache, nach Connell, damit erklären, daß 
diese Klasse gewöhnlich ein höheres Alter erreicht als die Angehörigen 
der meisten anderen Berufszweige. 

Im übrigen aber scheint, nach Connell, eine direkte Beziehung 
zwischen Beschäftigung und Krebssterblichkeit zu be- 
stehen. Schwierig ist nur die Erklärung für den Zusammenhang 
schwerer Arbeit und des Aufenthalts im Freien mit der 
Krebssterblichkeit, wenn man, nach Connell, nicht die Theorie 
der chronischen Eeizung als Ursache heranziehen will. 

Aus Deutschland liegen ebenfalls statistische Untersuchungen 
über die Beziehungen zwischen Krebserkrankung und Beruf vor ; doch 
handelt es sich bei den meisten Berichten um Erhebungen in 
kleineren, eng begrenzten Bezirken. 

In Sachsen stellte Radestock 2 ) für Chemnitz fest, daß 
unter 34 366 Textilarbeitern im Jahre 1899 kein Krebsfall vor- 



l ) Zeitschr. f. Krebsforschung. Bd. VII, 1909, S. 238. 

'■) Zeitschr. des sächsischen statistischen Landesamts 1905. 



LIBRARY OF THE 
SCHOOL OF MEDICINE 

Beruf und Krebserkrankung.yALE UNIVERSITY 59 

gekommen sei, während von 23987 Maschinenarbeitern 10 an, 
Magenkrebs gestorben wären, bei einer allgemeinen Krebssterblichkeit 
von 452 Personen. 

Genauere Angaben machte in dieser Beziehung Albert Aschoff 1 ) 
für Berlin. 

Es starben in Berlin während der Zeit von 1897 — 1899 an 
Krebs im ganzen 2736 Frauen und 1838 Männer. 

Asch off unterscheidet drei große Gruppen: 

A. Qe werbetreibende mit 671 Krebstodesfällen auf 1000 Sterbe- 

fälle überhaupt (1897—1899). 

B. Freie Berufsarten mit 720 Krebstodesfällen auf 1000 Sterbe- 

fälle überhaupt (1897-1899). 

C. Ohne Beruf mit 780 Krebstodesfällen auf 1000 Sterbefälle über- 

haupt (1897—1899). 

Bei der Gruppe A haben die Buchdrucker die geringste 
Krebssterblichkeit (318 Todesfälle) aufzuweisen, die Gärtner, Land- 
und Forst arbeit er die höchste. 

Unter der Gruppe B waren die Aerzte mit der geringsten, 
Beamte, Professoren und Geistliche mit der höchsten Krebssterb- 
lichkeit (364 Todesfälle) vertreten. 

Die Gruppe C zeigt von allen Berufsständen die höchste Krebs- 
sterblichkeit. 

Dieses Bild wird aber, wie Aschoff selbst betont, verschoben, 
wenn man das Alter in den einzelnen Berufsklassen berücksichtigt; 
denn von den Gewerbetreibenden waren nur etwa 30% über 
40 Jahre alt, bei den Kentiers hingegen zählte man etwa 92% 
alte Leute. 

Für Stuttgart haben W. Weinberg und Gastpar 2 ) sta- 
tistische Untersuchungen zur Beantwortung der Frage über den Zu- 
sammenhang zwischen Krebs und Beruf auszuführen gesucht. 

Beide Forscher jedoch sind zu keinem endgültigen Resultat 
gelangt. 

Dem Material der Bevölkerungsstatistik haftet der Mangel an, 
daß häufig der Beruf und die soziale Stellung beim Tode nicht so 
genau und nach denselben Grundsätzen erfaßt wird, wie bei der 
Zählung der Lebenden. 

Ein fernerer Fehler dieser statistischen Methode besteht, nach 
Weinberg und Gastpar, in der Nichtberücksichtigung des Alters 
der einzelnen Berufsarten. 

Bei dem verschiedenen Altersaufbau der einzelnen Berufskreise 
ist das Alter der Lebenden und Gestorbenen für die Berufs- und 
soziale Statistik noch mehr zu berücksichtigen, als bei der Sterblich- 
keitsstatistik überhaupt. 

Weiterhin ist die Untersuchung über die Krebssterblichkeit bei 
den berufslosen Personen recht fehlerhaft. Hier müßte man, 
nach Weinberg und Gastpar, den früheren Beruf und die 
soziale Stellung berücksichtigen. 

Man findet z. B. in mancher Statistik Millionäre und In- 
validenrentner in der Rubrik der berufslosen Personen vereinigt. 
Dadurch wird es unmöglich, auch nur die männliche Berufssterblichkeit 

') 1. c. s. 8. 

! ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. II, 1904, S. 238. 



60 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



genau zu erfassen, wenn auch ein ungefähres Urteil durch Berechnung 
des wahrscheinlichen Fehlers möglich ist. 

Auch die Unterscheidung der Haushaltungsangehörigen 
in solche unter und über 14 Jahre, wie es bei der deutschen 
Berufsstatistik üblich ist, ist, nach Weinberg und Gastpar, fehler- 
haft. Dadurch ist es geradezu unmöglich die berufliche und soziale 
Sterblichkeit der Frau genau festzustellen. 

Infolge dieser großen Schwierigkeiten ließen sich, nach Wein- 
berg und Gastpar, zuverlässige Angaben über die Beziehungen 
zwischen Krebs und Beruf in Stuttgart nicht ermitteln. 

Nur recht bedingten Wert haben auch die statistischen Nach- 
weise der Versicherungsgesellschaften in bezug auf das Verhältnis 
zwischen Krebssterblichkeit und Beruf. 

Karup und Gollmer 1 ) fanden z. B. bei den katholischen 
Geistlichen Süddeutschlands eine viel höhere Krebssterblich- 
keit, besonders an Magenkrebs, als bei den anderen akademischen 
Berufsständen. 

Auf Grund der statistischen Nachweise einer anderen Ver- 
sicherungsgesellschaft stellte Paul Croner 2 ) fest, daß am meisten 
die Schneider, Schmiede, Schlosser und die Beamten von der Krebs- 
krankheit heimgesucht würden. 

Nach den statistischen Untersuchungen von P. Julius burger 3 ) 
gestaltete sich bei der „Friedrich Wilhelm" zu Berlin die 
Krebssterblichkeit der einzelnen Berufsarten (während der Zeit von 
1885 bis 1899) folgendermaßen: 



Gruppe A 


Gruppe B (Arbeiterversicherung) 


Beamte = 24,79 °/ 


Stadtarbeiter 


*) = 34,76% 


Schneider u. 


Schlosser 


= 2,26% 


Kaufleute = 16,32 "/ 


Landarbeiter 


= 8,5 % 


Zimmerer 




= 1.98 <y 


Lehrer = 5,37 °/ 


Schuhmacher 


= 4,6 % 


Wächter 




= 1,53% 


Gastwirte = 4,75% 


Maurer 


= 4,52% 


Gärtner 




= 1,45% 


Gutsbesitzer = 2,07 % 


Weber 


= 3,59% 


Schmiede 




= 1,29% 




Tischler 


= 3.55 o/ 


Böttcher 




= 0,73<>/ 




Kutscher 


= 2,78 o/ 


Bäcker 




= 0,6 % 




Bergleute 


= 2,6 % 









Alle bisher angeführten statistischen Untersuchungen in Deutsch- 
land gaben kein richtiges Bild über die Verbreitung der Krebs- 
krankheit unter den einzelnen Berufsständen — teils ist das Material 
zu klein, teils fehlerhaft berechnet oder zu einseitig, wie dasjenige 
der Versicherungsgesellschaften. 

Auch die sonst statistisch sehr bedeutende, wertvolle und zuver- 
lässige Untersuchung über: „die Krankheits- und Sterblichkeitsver- 
hältnissein der Ortskrankenkasse für Leipzig und Umgegend"'.**) 



1 ) Mortalitäts Versicherung des geistlichen Standes nach den Erfahrungen der 
Gothaer Lebensversicherung (Jahrb. f. Nationalökonomie und Statistik, N. F., Bd. XVI. 
März 1888). 

2 ) Beitrag zur Pathogenese des Carcinoms (Veröffentlichungen des Komitees für 
Krebsforschung. — IL Ergänzungsband zum klinischen Jahrbuch. Jena 1902. (Aus 
den Akten der „Viktoria" zu Berlin). 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. III, 1905, S. 106. 
*) Cfr. auch S. 47. 

**) 4 Bände mit 4 graphischen Tafeln und 104 Zeichnungen im Texte. Berlin 1910. 



Beruf und Krebserkrankung. 61 

hat für die Lösung dieses Problems keinen großen Wert; denn es 
handelt sich im ganzen für die Zeit von 1887 — 1901 nur um 206 
Krebstodesfälle, auf Grund deren man nicht allgemein auf krebs - 
reiche (Gärtner, Landarbeiter, Maurer, Holzarbeiter usw.) und 
krebsarme Berufe (Steinmetze, Metallarbeiter, Graveure usw.) zu 
schließen berechtigt ist. 

Die Nachweise aus den Versicherungsgesellschaften z. B. 
haben, wie wir vorhin angeführt haben, zu ganz anderen Ergebnissen 
geführt. 

Ein größeres, amtliches Material hat nun in jüngster Zeit 
R. Behla 1 ) bearbeitet und auf Grund dieses Materials eine breitere 
Unterlage geschaffen für die Untersuchungen der Beziehungen 
zwischen Krebs und Beruf. 

Die wichtigste Frage bei der Bearbeitung dieses Materials war 
nun die Art der Methode, nach welcher die einzelnen Zahlen für 
die verschiedenen Berufsstände berechnet wurden. 

Die ältere Statistik hat sich, wie Behla hervorhebt, bei Unter- 
suchungen über den Einfluß des Berufs wegen Mangels anderen 
Materials mit den Sterbe fällen allein behelfen müssen, da Be- 
rufszählungen nicht vorlagen. 

Diese Methode hat jedoch, wie auch wir bereits betont haben, 
verschiedene Mängel und hat sich nicht als zweckmäßig erwiesen. 

Wertvoller ist, nach Behla, die Beziehung auf die Lebenden, 
eine Methode, die Behla seinen Berechnungen für das Jahr 1908 zu- 
grunde legte. Die Nachweise beziehen sich nur auf Männer, da, wie 
wir vorhin erwähnten, die Beschäftigung der Frauen schwankende 
sind, und Ergebnisse für die Sterbefälle der erwerbstätigen Frauen 
nicht in wünschenswerter Weise zur Verfügung stehen. 

Behla teilt die Berufsgruppen nach der in Preußen üblichen 
Methode in 6 Berufsabteilungen ein: 

A. Landwirtschaft fauch Gärtnerei, Forstwirtschaft und Fischerei), 

B. Industrie, 

C. Handel und Verkehr, 

D. häusliche Dienste und Lohnarbeit wechselnder Art, 

E. Heer und Marine, Beamte und freie Berufe, 

F. Beruf lose (auch Strafgefangene, Irre, Invaliden usw.). 
Indem wir in bezug auf Einzelheiten auf die verschiedenen von 

Behla zusammengestellten Tabellen verweisen, wollen wir an dieser 
Stelle nur das Schlußergebnis der Krebssterblichkeit dieser ver- 
schiedenen Hauptgruppen anführen. Ebenso wie Behla, bringen 
auch wir zum Vergleich die Sterblichkeit an Tuberkulose bei 
diesen Gruppen zum Ausdruck*) (siehe nächste Seite). 

Unter den einzelnen Berufs gruppen der erwerbstätigen Männer 
unterscheidet nun Behla krebsreiche und krebsarme Berufs- 
arten. 

Krebs reiche Gruppen sind nach Behla: 

Häusliche Dienste, Bekleidungsgewerbe, Land- und Forstwirt- 
schaft, Holz- und Textilindustrie, Gast- und Schankwirtschaft, Handel 

l ) Krebs und Tuberkulose in beruflicher Beziehung usw. (Medizinalstatistische 
Nachrichten 1910). 

*) Wir kommen noch späterhin auf die statistischen Beziehungen zwischen 
Tuberkulose und Krebs zurück. 



62 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



und Verkehr, Baugewerbe, Lederindustrie, Industrie der Nahrungs- 
und Genußmittel usw. 

Als krebsarme Gruppen bezeichnet Behla: 

Armee und Marine, Bergbau, Hütten- und Salinenwesen, poly- 
graphische Gewerbe, Industrie der Steine und Erden, chemische und 
Maschinenindustrie, Versicherungsgewerbe usw. 





Von 10 000 (im Jahre 1908) im Preußischen Staat 


Berufsabteilungen 


Lebenden starben 


erwerbstätigen Männern 
starben 




überhaupt 


an Tuber- 
kulose 


an Krebs 


überhaupt 


an Tuber- 
kulose 


an Krebs 


A. Land- und Forst- 














wirtschaft 


153.38 


10,40 


4,46 


134,95 


15,99 


8,40 


B. Industrie 


150 20 


14,63 


4,05 


102,69 


21,75 


6,50 


C. Handel und Verkehr 


135,55 


14,21 


5,61 


128.86 


23,72 


9,14 


D. Häusliche Dienste, 














auch Lohnarbeit 














wechselnder Art 


354,56 


' 45,26 


14,76 


805,64 


190,13 


59.32 


E. Militär, Beamte, 














freie Berufsarten 


94,17 


11,58 


4,97 


81,49 


13,19 


5,52 


F. Ohne Beruf 


496,73 


42,75 


27,45 


544,09 


35,96 


26,14 



Auf Grund dieser statistischen Erhebungen kommt Behla zu 
dem Schluß, daß man bei den krebsreichen Gruppen sozusagen 
mehr unreinliche Beschäftigungsarten vorfindet, bei den 
krebsarmen hingegen mehr reinliche, oder anders ausgedrückt, 
mehr solche Berufe, die es mit anorganischen Substanzen zu tun 
haben, während die krebsreiche Gruppe wesentlich auf die Ver- 
arbeitung von organischen, zersetzungsfähigen und fauligen Sub- 
stanzen angewiesen ist. 

Diese Schlußfolgerung verwertet nun Be.'hla für seine von uns 
oft besprochene, parasitäre Theorie des Krebses*) (cfr. S. 4 ff.). 

Inwiefern auch diese auf einem großen Material beruhenden, 
statistischen Untersuchungen von Behla als nicht ganz einwandfrei 
zu bezeichnen sind, haben wir schon vorhin erwähnt (cfr. S. 59 ff.). 

Die Nichtberücksichtigung der Altersstufen, die große, nicht 
weiter spezialisierte Gruppe der Berufslosen, welche die ver- 
schiedensten, sozialen Elemente umfaßt, müssen unbedingt zu Trug- 
schlüssen Veranlassung geben. 

Die Art der Methode bildet eben die Ursache für die ver- 
schiedenen Ergebnisse der einzelnen Statistiken, die häufig so sehr 
voneinander abweichen, daß man mittels der einen Methode das ge- 
rade Gegenteil von den auf anderen Methoden beruhenden Er- 
gebnissen nachweisen kann. 

Die Schwierigkeiten, die bei einer Berufs Zählung und 
bei den statistischen Nachweisen der Todesfälle bei den einzelnen 
Berufsarten zu überwinden sind, hebt auch K. Kolb 1 ) hervor. 

Die Verhältnisse sind so kompliziert und erschweren derartig die 
Entwirrung und Erklärung der gemachten Beobachtungen, daß man 



*) Cfr. auch Bd. I, S. 681 ff. 

l ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910, S. 445. 



Beruf und Krebserkrankung. 63 

bei dem zurzeit vorliegenden Material kaum berechtigt ist, allgemein 
gültige Schlüsse zu ziehen. 

Die Hauptschwierigkeit besteht, nach Kolb, darin, die Ge- 
storbenen in dieselben Berufsarten einzuordnen, in die 
sie während des Lebens durch die Gewerbezählung eingereiht waren; 
denn nur die Beziehung der Todesfälle zu der gleichen 
Anzahl Lebender erlaubt in der Regel auch in dieser 
Frage einwandfreie Schlüsse aus der Mortalitäts- 
statistik. „Aber nun", sagt Kolb, „tritt, wenn man das Ver- 
hältnis zwischen der Zahl der Gestorbenen und der Zahl der Lebenden 
eines Berufes für die verschiedenen Altersklassen berechnen will, 
vielfach ein neues Hindernis in den Weg. Unsere Berufszählungen 
verfolgen volkswirtschaftliche und finanzpolitische Zwecke 
und berücksichtigen nicht die besonderen Forderungen der Medizinal- 
Statistik. Die genauere Berechnung der Altersklassen wird darum 
nicht auf alle Berufe ausgedehnt, gerade auch nicht auf Berufe, 
welche in medizinischer Beziehung besonderes Interesse bieten würden 
und gut abgrenzbar wären, wie die Aerzte, Krankenpfleger, Geist- 
liche usw.". 

Es stellen sich in den einzelnen Ländern noch mannigfache 
andere Schwierigkeiten bei der Berufsstatistik hindernd in den Weg, 
um die Bearbeitung dieser Frage, wie Kolb hervorhebt, nicht gerade 
als verlockend erscheinen lassen. 

Alle bisher von uns aufgeführten Statistiken,") welche diese Frage 
behandeln, entsprechen nicht den Anforderungen, die man an zuver- 
lässige Bearbeitungen stellen muß. 

Kolb hat nun versucht, unter möglichster Berücksichtung der an- 
geführten Gesichtspunkte, die Krebstodesfälle in Bayern während der 
Zeit von 1905 — 1908 in das Schema der Preußischen Berufsstatistik 
einzureihen, wobei er zu ganz anderen Ergebnissen gelangte als B e h 1 a. 

Die Krebstodesfälle in den einzelnen Altersklassen der ver- 
schiedenen Gruppen wollen wir hier nicht weiter anführen, sondern nur 
das Endergebnis und auf 10000 Lebende berechnet, um mit der 
Behla'schen Statistik (cfr. S. 62) vergleichende Anhaltspunkte zu 
haben. Es entfielen von 10000 erwerbstätigen Männern auf Gruppe 

an Krebs 



A. 


Landwirtschaft 


= 


15,23 Todesfälle 


B. 


Industrie 


= 


11.21 


ii 


C. 


Verkehr und Gastwirtschaft' 


:*\ 


16,78 


11 


D. 


Häusliche Dienste 


= 


12,54 


55 


E. 


Freie Berufe 


= 


11,77 


55 


F. 


Ohne Beruf***) 


= 


9,81 


11 



Wenn man diese Tabelle mit der von Behla angeführten ver- 
gleicht, dann sind die Unterschiede der Krebssterblichkeit bei den 
einzelnen Gruppen ganz auffallender Art. 

Diese Zahlen ändern sich aber, nach Kolb, noch ganz bedeutend, 



*) Außer den bisher angeführten Arbeiten erwähnen wir noch: Die Oester- 
reichische Statistik Bd. 49 u. 72; Hecke: Die Sterblichkeit an Tuberkulose und 
Krebs in Wien 1904; D ollin ger: Statistik der Krebskranken in den Ländern der 
Ungarischen Heil. Krone, Budapest 1908; Rosenfeld: Das Oesterreichische 
Sanitätswesen 1902. Beilage zu Nr. 45. 

**) Davon auf Gastwirtschaft allein = 21,32. 
***) Mit Ausschluß der Kinder und Personen ohne Angabe des Berufs. 



64 J- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

wenn man nur die ü b e r 30 J a h r e alte Bevölkerung in Rechnung zieht, 
dann rücken z.B. die freien Berufe von der drittgünstigsten Stelle 
an die ungünstigste, und wenn man die einzelnen Altersklassen 
vergleicht, so haben alle Abteilungen — mit einziger Ausnahme des 
Verkehrsgewerbes — eine geradezu umgekehrte Reihenfolge! 

Auch in bezug auf die Krebstodesfälle bei den einzelnen Berufs- 
gruppen kommt Kolb zu anderen Ergebnissen als Behla. 

Als krebsarme Berufe bezeichnet Kolb: Stein- und Erd- 
industrie, Bergleute, chemische Industrie, Baugewerbe, Reinigungs- 
gewerbe usw. 

Krebsreiche Berufe sind, nach Kolb, u. a.: Metall-, Maschinen- 
und Holzindustrie, Müller, Zimmerer und besonders Gastwirte. 

Wir ersehen aus allen diesen Zusammenstellungen, wie wenig 
geklärt die Frage der Beziehungen der Krebs Sterblichkeit zum 
Beruf bisher ist, trotz aller Bemühungen und statistischen Nachweise. 

Welche Fehler bei den statistischen Berechnungen zu vermeiden 
sind, haben wir schon angeführt, die Möglichkeit, daß wir bei einer zweck- 
mäßigen, amtlichen Berufsstatistik nach Jahren vielleicht geeignetes 
Material zur Lösung dieses Problems erhalten werden, ist ja nicht 
ausgeschlossen. Zurzeit aber reichen alle bisherigen Statistiken, 
wie auch W. T. Gibson x ) hervorhebt, zur Beantwortung dieser Frage 
nicht aus. 

Daß gewisse Berufsarten durch bestimmte Schädlichkeiten (Ruß, 
Teer usw.) einer erhöhten Disposition zur Krebserkrankung ausgesetzt 
sind, haben wir schon wiederholt erwähnt. Hier handelt es sich um 
anatomisch und klinisch gut nachweisbare Erscheinungen zwischen 
Ursache und Wirkung. 

Für die anderen Berufsarten ist aber, nach der Ansicht von 
R. Werner, 2 ) nicht die Beschäftigung als solche von aus- 
schlaggebender Bedeutung. Der Einfluß ist vielmehr ein indirekter, 
„indem in jenen Gegenden, welche z. B. für die Entwicklung der 
Industrie geeignet sind, im allgemeinen jene unbekannten, lokalen 
Faktoren seltener auftreten, welche die Entstehung des Karzinoms 
begünstigen, während in den mehr auf den Ackerbau angewiesenen, 
bzw. für ihn besonders qualifizierten Bezirken das Gegenteil zutrifft." 

Die Schwierigkeit der Berufsstatistik bei der männlichen, 
erwerbstätigen Bevölkerung ist schon, wie wir gesehen haben, derart 
groß, daß ein einwandfreies Material keinem Forscher bisher zur Ver- 
fügung stand. 

Noch schwieriger gestaltet sich natürlich die Berufsstatistik bei 
den erwerbstätigen Frauen. Die wenigen, vorliegenden 
Statistiken über die Beziehungen zwischen Krebstodesfällen 
und Frauenberuf haben deshalb nur einen sehr geringen Wert. 

Kolb 3 ) hatte versucht diese Frage an einem kleinen Material 
bei Schwestern, Lehrerinnen, Wäscherinnen, Hebammen usw. zu prüfen. 

Doch ergab die Mangelhaftigkeit der Unterlagen kein irgendwie 
greifbares Resultat. 

Wesentlich größeres Material liegt allerdings der Ungarischen 



*) The Etiology and Nature of cancerous and other Growths. London 1909 
(118 S.). 

2 ) 1. c. S. 15 (p. 284). 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910, S. 463. 



Beruf und Krebserkrankung. 65 

Statistik von Dollinger 1 ) zugrunde; aber auch bei dieser Statistik 
machen sich die vorhin erwähnten Mängel sehr bemerkbar. 

Nach der Sterblichkeitsstatistik für die Jahre 1901 — 1904 entfielen 
auf 10 000 erwerbstätige Frauen im Alter von über 15 Jahren : 

Sonstige und unbekannte Berufstätigkeit == 21,49 Krebstodesfälle 

Tagelöhner ohne nähere Angaben = 17,86 „ 

Handel = 11,07 „ 

Oeffentlicher Dienst = 8,77 

Industrie — 6,71 „ 

Landwirtschaft = 3,68 „ 

Hausgesinde = 3,54 „ 

Nach der Baden er Statistik von E. Werner 2 ) gestaltet sich 
die Häufigkeit der Krebstodesfälle in den großen Berufsgruppen für 
das Jahr 1906 bei dem weiblichen Geschlecht folgendermaßen: 

Berufslose, Landwirtschaft, häusliche Dienst- und Tagelöhnerinnen, 
Beamte, Handel und Industrie. 

Wie wir aber schon vorhin auseinandergesetzt haben, haben diese 
Statistiken, soweit sie die berufstätigen Frauen betreffen, fast gar 
keinen Wert. 

Geeignetes Material würde eigentlich nur ein Berufsstand — 
nämlich die Armee und Marine — liefern, da bei diesem Stande 
in der Regel eine sorgfältige Listenführung über Krankheits- und 
Todesfälle geführt zu werden pflegt. 

Aber bei der geringen Anzahl der vorkommenden, bösartigen Neu- 
bildungen bei diesem fast ausschließlich aus jugendlichen Personen 
bestehenden Berufe, haben die statistischen Erhebungen nicht den 
Wert wie bei den anderen Berufsständen. 

Von statistischen Nachweisen über das Vorkommen von bösartigen 
Neubildungen in der Armee finden wir zunächst eine genauere, 
allerdings schon etwas ältere Zusammenstellung von Salle 3 ) über 
die französische Armee für die Zeit von 1863 — 1874 (mit Aus- 
nahme des Kriegsjahres). 

Zugleich ist aus dieser Tabelle das Verhältnis der Todesfälle 
an Krebs zu denen an Tuberkulose ersichtlich (siehe nächste 
Seite). 

Irgendwelche Schlußfolgerungen, ob z. B. eine Zunahme oder 
Abnahme stattgefunden hat. lassen sich aus dieser Tabelle nicht 
ziehen wegen der kleinen Zahlen, um die es sich hierbei handelt. 
Ebensowenig kann man auch Vergleiche anstellen, ob Tuberkulose 
und Carcinom bei diesem Berufe in irgendeiner Beziehung zueinander 
stehen. 

Nach Salle entfallen durchschnittlich auf 1000 Mann Effektiv- 
stärke bei der französischen Armee 0,015 Todesfälle an bös- 
artigen Neubildungen. 

Wenn wir zum Vergleich die Todesfälle an bösartigen Neu- 
bildungen in der preußischen Armee*) aus der neueren Zeit 
heranziehen, dann kommen wir zu folgenden Ergebnissen: 



») 1. c. S. 63. 

2 ) ]. c. 8. 15. 

3 ) 1. c. S. 9. 

*) Einschließlich des Sächsischen und Württembergischen Armeekorps; 

Wulff. Die Leine von der Krebskranklieit. 111. O 



66 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



In der Zeit von 1884—188 8 wurden in der preußischen 
Armee*) beobachtet: 

11 Fälle von multiplen Sarkomen (Gehirn, Hoden usw.), 
3 „ „ Lymphomen (Mediastinum, Bauch usw.), 
10 „ „ Knochensarkomen, 
1 Fall „ Sarkom der Parotis 
und 6 Fälle von Carcinom (Blase, Prostata, 3 Magenkrebse, 
1 Medullarkrebs). 

Sterblichkeit des französischen Heeres an Krebs und Tuberkulose 







nach Salle 


(1863- 


-1874, mit Ausschluß von 


1870/ 


71). 








Kopfzahl 


Iststärke 


Lazarett- 


Todes- 
fälle 


Todesfälle 


Prozentsatz 
auf 1000 


Jahr 






behand- 
lung 


Krebs 


Tuberkulose 






' 


"> 


Krebs 






Frank- 
reich 


Algier 


Frank- 
reich 


Algier 


Frank- 
reich 


Algier 


Frank- 
reich 


Algier 


Tuber- 
kulose 


1863 


294 149 


67 548 


246 453 


63 903 


112 077 


3 265 


6 


2 


509 67 


2,45 


17,9 


1864 


273 275 


74 456 


235 700 


69 714 


123 628 


3 935 


6 


1 


460 83 


1,77 


13,9 


1865 


262 807 


86161 


228 194 


79 894 


123 742 


3 971 


8 


2 


501 121 


2,51 


15,6 


1866 


205 743 


70 490 


229 761 


66 979 


109 360 


3186 


4 


3 


505 82 


2,19 


18,4 


1867 


316 992 


67 188 


274 658 


62 723 


118 033 


4 120 


5 


1 


541 63 


1,45 


14,6 


1868 


325 306 


69 328 


267 460 


63 746 


141461 


5 272 


5 


1 


547 86 


1,13 


12,0 


1869 


350 937 


62 264 


269 871 


60 463 


120 502 


3 879 


o 


— 


569 86 


0,51 


17,0 


1872 


354 187 


75 786 


288 956 


69 613 


109 209 


3 659 


2 


— 


536 


57 


0,54 


16,2 


1873 


413 872 


67 267 


329 735 


62 231 


105 596 


3 768 


4 


1 


554 


57 


1,33 


16,2 


1874 


373 365 


52 833 


323 864 i 50 947 


101 215 


3 355 


7 




385 


59 


2.08 


13,2 


Ueber- 


3 220 633|693 321 


2 694 672)650 213 


1 164 823 


38 410 


49 


11 


5107 


762 


1,56 


15,5 


haupt 


3 913 


954 


3 344 


885 





Bei einer durchschnittlichen Stärke von 425000 Mann, entfielen 
während der Zeit von 1884— 1888 bei der preußischen Armee auf 
je 1000 Mann = 0,07 Erkrankungen an einer bösartigen Neubildung. 

Wir haben bei der preußischen Armee die Morbiditäts- 
ziffer berechnet, da über das weitere Schicksal der Erkrankten, von 
denen nur ein kleiner Prozentsatz infolge eines operativen Eingriffs 
gestorben ist, während der größere Teil als Invalide entlassen werden 
mußte, nichts Näheres berichtet wird. Deshalb ist diese Zahl gegen- 
über dem Prozentsatz bei der französischen Armee, wo es sich 
um Mortalitätsziffern handelt, anscheinend eine hohe. 

Für die Zeit von 1896 — 1906 hat Hermann Kroger 1 ) die 
Angaben über bösartige Geschwülste in der preußischen Armee 
und ihre Verteilung auf die einzelnen Armeekorps zusammengestellt. 
Im ganzen wurden während dieses Dezenniums, 172 Sarkome, 65 Carci- 
nome und 2 Mischgeschwülste beobachtet. 

Diese Zahl verteilt sich auf folgende Gegenden Deutschlands: 
I. Oestliches Deutschland = 0,06 °/ 00 der Kopfstärke 
II. Südlich-Mitteldeutschland = 0.06 °/ 00 „ „ 

III. Nördlich „ = 0,04 °/ 00 „ 

IV. Südwestliches „ = 0,055 °/ u0 „ „ 

*) Cfr. : Sanitätsbericht über die Königlich Preußische Armee usw. für die 
Berichtsjahre vom 1. April 1884 bis 31. März 1888. Berlin 1890, S. 56. 

l ) Ueber das Vorkommen von bösartigen Geschwülsten im Heere. I.-D. 
Leipzig 1910. (Auf Grund der Sanitätsberichte über die Königlich Preußische 
Armee usw. 1876—1906.) 



Beruf und Krebserkrankung. 
Auf die einzelnen Jahre entfielen: 



67 



Jahr 


Sarkome 


Auf je 
1000 Mann 


Carcinome 


Auf je 
1000 Mann 


1896-1897 


10 


0,02 


5 


0,01 


1897—1898 


20 


0,04 


4 


0,008 


1898-1899 


13 


0,02 


6 


0,01 


1899—1900 


19 


0,04 


4 


0,008 


1900—1901 


23 


0,04 


8 


0,01 


1901—1902 


22 


0,04 


8 


0,01 


1902-1903 


10 


0,02 


7 


0,01 


1903—1904 


24 


0,05 


12 


0,02 


1904—1905 


18 


0,03 


3 


0,006 


1905—1906 


14 


0,03 


9 


0,017 



Kroger schließt ans diesen Ergebnissen, daß in den letzten 
Jahren eine geringe Zunahme der Erkrankung an bösartigen 
Geschwülsten b£i dem Heere stattgefunden hätte. 

Doch sind die Zahlen viel zu klein, um derartige Schlüsse zu 
ziehen. Die kleinen Erhöhungen in den einzelnen Jahren beruhen auf 
reinem Zufall. 

Im Jahre 1908 sind in der preußischen Armee*) im ganzen 
37 Personen mit bösartigen Neubildungen beobachtet worden, von denen 
14 gestorben sind. Bei einem Bestände von 531735 Mann entfallen 
also auf je 1000 Mann = 0,07 Erkrankungen an bösartigen Geschwülsten. 

Von den Carcinomen entfielen, nach der Zusammenstellung von 
Kroger, auf den 



Mastdarm = 
Magen = 
Darm = 



16 

14 

7 



Fälle 



Haut = 5 Fälle 
Leber = 4 „ 
Pankreas =3 



je 2 mal hatte das Carcinom seinen Sitz an der Zunge, Kehlkopf und Lippe. 
Die übrigen Fälle waren auf die verschiedensten Organe verteilt 
(Wirbel, Drüsen, Niere, Oesophagus, Rippe, Hoden und Harnblase). 

Die Erkrankungen der Matrosen an bösartigen Neubildungen 
haben wir schon wiederholt erwähnt (cfr. S. 58).**) Genauere Zu- 
sammenstellungen über die Erkrankungen an bösartigen Geschwülsten 
bei der Kriegs-marine liegen zurzeit noch nicht vor. 



Geschlecht, Alter und Lokalisatiou. 

Geschlecht: A eitere Beobachtungen: 

Ueberwiegen des weiblichen Geschlechts. Erste statistische Nach- 
weise durch Tanchou für Paris und Wals he für England. Be- 
stätigung durch spätere, statistische Zusammenstellungen. 

K i a e r ' s Statistik für Norwegen. Beneke's Nachweis für deutsche 
und außerdeutsche Städte. 



*) Cfr. Sanitätsberichte über die Preußische Armee usw. für das Jahr 1908. 
**) Cfr. auch Bd. II, S. 85, 151, 285 u. 737. 

5* 



68 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Neuere, statistische Untersuchungen: 

Schwankendes Verhältnis in den verschiedenen Ländern. Mangelhafte 
Diagnose. Unterschied in den Ergebnissen beiSanimelforschungen 
und Mortalitätsnachweisen. Vergleichen de Statistik in den einzelnen 
Ländern. Buday's Methode. 

Ungleiche Verteilung in den Städten. 

Einfluß des Geschlechts auf die einzelne Organerkrankung. Ver- 
schiedenheit in den einzelnen Ländern und Städten. Einteilung nach zu- 
gänglichen und unzugänglichen Krebsen in England. 

Einfluß des Altersaufbaues. 

Alter und Maximum der Krebssterblichkeit bei beiden Ge- 
schlechtern in verschiedenen Ländern und Städten. Erkrankung der 
jüngeren Altersstufen in Berlin. Ab- und Zunahme der einzelnen 
Organerkrankungen bei beiden Geschlechtern auf Grund von Sek- 
tionsergebnissen. 

Alter und Maximum bei der Krebssterblichkeit in Bayern. 

Allgemeine Betrachtungen über Ab- und Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit bei beiden Geschlechtern. Zunahme der Erkrankungen beim 
männlichen Geschlecht. Kritische Bemerkungen über die statistischen 
Methoden. Fehlerhafte und richtige Methoden. Rückgang der Krebs- 
sterblichkeit beim weiblichen Geschlecht. 
Alter: Aeltere Mitteilungen: 

Alterszunahme und Krebssterblichkeitskurve nachWalshe, 
d'Espine und Lebert. 

Englische Statistik. K i a e r ' s Untersuchungen in N o r w e g e n. Ver- 
gleichende Uebersicht von Kiaer. 

Erstgeborene und Krebssterblichkeit. 

Neuere, statistische Untersuchungen: 

Verschiebungen der Altersstufen gegen frühere Jahrzehnte. 
Buday's Untersuchungen. Auftreten von Uteruskrebs in jüngeren 
Altersstufen in Ungarn. Einfluß des Seniums und der Pubertät in 
verschiedenen Ländern. 

Wutzdorff's statistische Nachweise für Preußen. Ungünstige 
Verschiebung nach den jüngeren Altersstufen hin. Bestätigung durch 
andere Beobachter. Kritische Bemerkungen von de Bovis und Kolb. 
Verschiedene Ergebnisse bei Anwendung verschiedener Methoden. Berech- 
nung der Zahl der Lebenden auf jeder Altersstufe nach Do Hing er. 

Beweise gegen Wutzdorff's Schlußfolgerungen durch statistische 
Nachweise aus Norwegen und aus Versicherungsgesellschaften. 
Lokalisation: Aeltere Untersuchungen: 

Meinungsverschiedenheiten über häufigere Erkrankung der rechten 
oder linken Körperseite. 

Unterschied in bezug auf die Häufigkeit der einzelnen Organ - 
erkrankungen in verschiedenen Ländern. Kiaer 's statistische Nach- 
weise. Vergleich mit d'Espine's Untersuchungen in Genf. 

Neuere, statistische Nachweise: 

Vergleichende Uebersicht über Sektionsbefunde in Kolozsvar und 
München. 

Kolb 's Uebersichtstabellen für verschiedene Länder. Vergleichende 
Uebersicht über die Sektionsergebnisse aus verschiedenen pathologischen 
Instituten. 

Ursachen der verschiedenen Ergebnisse. 

Uebersicht über die Erkrankung des Respirationssystems in ver- 
schiedenen Ländern. 

Fehlerhafte Schlußfolgerungen aus Sektionsergebnissen. 

Die Frage, ob mehr Männer oder Frauen an der Krebskrankheit 
sterben, hat schon die älteren Schriftsteller beschäftigt. 

Wir haben bereits früher erwähnt, daß Pare 1 ) z. B. der Ansicht 
war, daß das weibliche Geschlecht mehr zur Erkrankung disponiert 
wäre, als das männliche. Diese Anschauung haben viele Beobachter 
auch späterhin vertreten. 



Cfr. Bd. I, S. 43. 



Geschlecht und Krebserkrankung. 69 

Im großen und ganzen hat man früher diese Behauptung zahlen- 
mäßig nicht belegen können, und nur hin und wieder finden wir 
bei einzelnen Forschern allgemein die Ansicht von dem Ueberwiegen 
des weiblichen Geschlechts bei der Krebskrankheit ausgesprochen. 

So sagt z. B. Berchelmann, 1 ) daß „das weibliche vor dem 
männlichen Geschlecht öltterer damit befallen werde". 

Nach den Beobachtungen von Rouzet 2 ) hingegen tritt der Krebs 
im allgemeinen bei Frauen nicht häufiger auf als bei Männern. Einzelne 
Organerkrankungen, wie z. B. Gesichts- und Magenkrebs, beob- 
achtet man häufiger bei Männern, Brustkrebs mehr bei Frauen, da- 
durch tritt ein Ausgleich in bezug auf das Endresultat ein. 

Her rieh und Popp 3 ) behaupteten sogar, daß das männliche 
Geschlecht häufiger erkranke als das weibliche — , und zwar in dem 
Verhältnisse von 20,19:15,34. 

Diese Ansicht ist jedoch von den späteren Forschern im allge- 
meinen nicht geteilt worden. 

Tanchou 4 ) z. B., der für seine Zeit schon ausgezeichnete, sta- 
tistische Berechnungen anstellte, fand, daß in Paris dreimal 
so viel Frauen durchschnittlich sterben als Männer, und Farr 5 ) be- 
hauptete, daß in England sogar achtmal so viel Frauen als 
Männer an Krebs zugrunde gehen. 

Farr 's Berechnung war jedenfalls für das weibliche Geschlecht 
zu hoch gegriffen, denn, nach Wals he, 6 ) der etwas zuverlässigere 
Zahlen anführt, starben in England in den Jahren 1830 — 1840 durch- 
schnittlich jährlich 3495 Männer und 10144 Frauen. Dies Ergebnis 
würde also eher mit dem von Tanchou für Paris berechneten 
Prozentsatz übereinstimmen. 

Auch die späteren, statistischen Untersuchungen bestätigten durch- 
aus die von Tanchou angegebenen Verhältniszahlen. 

So hat z. B. Jean Fabre 7 ) auf Grund eines größeren Zahlen- 
materials, hauptsächlich aus älteren Zusammenstellungen, folgende 
Zahlen für die Erkrankung des männlichen und weiblichen 
Geschlechts erhalten.*) 

(Siehe Tabelle Seite 70). 

Zu demselben Resultate gelangte auch Nedopil. 8 ) 

Für die nächstfolgende Epoche (1851 — 1868) haben wir, auf Grund 
der von Kiaer 9 ) angegebenen, statistischen Aufstellungen, folgende 



1 ) Johann Philipp Berchelmann: Sammlung merkwürdiger Abhandlungen 
vom Krebs, worinnen die Ursachen desselben untersucht und zwey bisher geheim ge- 
haltene Mittel zu dessen Heilung bekannt gemacht werden. Franckfurt a/Mayn, 1764. 
kl. 8^. 280 S. 

2 ) 1. c. S. 17. 

3 ) Untersuchungen über die am häufigsten vorkommenden Fremdbildungen am 
menschlichen Körper. Regensburg 1841. 

4 ) Gazzette med. 29. Juillet 1843, p. 488. 

6 ) Cfr. Journ. de Chirurgie de Malgaigne 1843. p. 368. 

6 ) 1 c. S. 18. 

7 ) 1. c. S. 6. 

*) Die Ziffern sind von uns auf Prozentzahlen berechnet und die Angaben von 
Fabre, der Uebersichtlichkeit wegen, in Tabellenform gebracht worden. 

8 ) Med. Jahrb. 1883, H. I. 

9 ) 1. c. S. 9. 



70 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Beobachter 


Gesamt- Krebstodes- 
todesfälle an fälle bei 
Krebs Frauen 


Krebstodes- 
fälle bei 
Männern 


Prozentsatz der 

Krebstodesfälle 

bei Frau und 

Mann 


Simpson l ) 

Lebert 2 ) ' 

Leroy d'Etiolles 3 ) 

Salle 4 ) 

Marc d'Espine 5 ) 

Sibley 6 ) 


11662 

349 

2 781 

1726 

889 
407 


8 746 

218 

2148 

1182 

571 

377 


2916 
131 
633 
544 
318 
30 


75%: 25% 
62%: 38% 
77%: 23% 
68%: 32% 
64%: 36% 
93%: 7% 


Sa. 


17 814 


13 242 


4572 


75%: 25% 



Ergebnisse für die Beteiligung des männlichen und weiblichen 
Geschlechts an den Krebstodesfällen erhalten: 













Prozent- 




Von 1000 












satz der 


Prozent- 


Lebenden 






Gesamt- 


Krebs - 


Krebs- 


Krebs- 


satz zu 


starben an 


Staat 


Jahr 


todesfälle 
an 


todesfälle 
bei 


todesfälle 
bei 


sterblich- 
keit bei 


sämt- 
lichen 


Krebs 


bzw. Stadt 










Krebs 


Frauen 


Männern 


Frau 
und 
Mann 


Todes- 
fällen 


ö 

S 
PN 


5 


Norwegen 


1862-66 


2 418 


1359 


1059 


56,2 : 43,8 


3,7 : 2,8 


6,0 


4,7 


England *) 


1851—60 


60196 


42137 


18 059 


70,0 : 30,0 


2,1:0,9 


4,3 


2,0 


Belgien 


? 


12 376 


7 275 


5101 


58,7 : 41,3 


— 






Kopenhagen 


1859—68 


1430 


905 


525 


63,5 : 36,7 


4,6 : 2,6 


— 


— 


Stockholm 


1861—66 


609 


482 


127 


49,1 : 20,9 




12,7 


4,0 


Christiania 


1861-65 


243 


142 


101 


58,2:41,8 


— 


7,5 


5,9 


Sa. 




77 272 


52 300 


24 972 


68%: 32% 









Wir ersehen aus dieser Tabelle, daß die Krebssterblichkeit bei 
den Frauen etwas günstiger sich gestaltet. 

Während nach der vorhergehenden Tabelle, welche etwa das 
dritte und vierte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts umfaßt, die Krebs- 
sterblichkeit bei Frau und Mann sich verhält wie 75:25, verschiebt 
sich in den zwei nächstfolgenden Jahrzehnten das Verhältnis zu- 
gunsten der Frau! 

Der Prozentsatz der Krebssterblichkeit bei Frau und Mann 
verhält sich wie 68:32! 



1 ) Während der Zeit von 1838—1842. 

2 ) 1. c. S. 51. 

3 ) Gazette, hebdom. 1856, p. 104. 

4 ) 1. c. S. 9. 

5 ) Annuaire de la Mortalite Genevoise. III. Publication Annees 1844 et 1845. 
Geneve 1846. Cfr. auch 1. c. S. 51. 

6 ) Med. chir. Transact. 1859 (aus dem Middlesex Hospital während der Zeit 
von 1853—1856). 

*) Simpson (cfr. C. Schröder: Handbuch der Krankheiten der weiblichen 
Geschlechtsorgane, Leipzig 1886, S. 281) gibt für die Zeit von 1847—1861 eine Ge- 
samtkrebssterblichkeit von 87 348 Personen in England an, und zwar entfielen 
auf Frauen = 61715, auf Männer = 25633 Todesfälle an Krebs. Dies würde 
einem Prozentsatz von 71 : 29 entsprechen, also mit dem in der Tabelle fast gleich sein. 



Geschlecht und Krebserkrankung. 



71 



Für die beiden folgenden Jahrzehnte, bis etwa zum Jahre 
1880, finden wir für diese Frage einiges Material aus mehreren Städten 
Deutschlands, Hollands, Belgiens usw. und besonders auch 
aus Strafanstalten von F. W. Beneke 1 ) mitgeteilt. 
&} Die Angaben sind allerdings nur lückenhaft und sind auf 100 
Todesfälle überhaupt berechnet. 



Von 100 Todesfällen überhaupt entfielen auf Krebs: 



Ort 


Jahr 


Weiber 


Männer 


Strafanstalten (Preußen) 


1870-80 


2,10% 


1,14% 


Frankfurt a. M. 


1857-73 


5,25% 


2,45% 


Brüssel 


1873-79 


4,19% 


2,06% 


Hannover 


1875—77 


3,34% 


1,40% 


Cassel 


r> n 


2,84% 


1,19% 


Wiesbaden 


n » 


4,04% 


2,46% 


Berlin 


)1 >5 


2,19% 


0,95 o/ 


Bremen 


1872—74 


2,03 % 


1,02% 


New York 


1867—73 


1,93% 


0,66% 


Amsterdam 


1875—78 


3,20 o/ 


2,05% 


Rotterdam 


» yi 


2,52% 


1,62% 


S'Gravenhage 


» )5 


2,96% 


2,27% 


Utrecht 


?) » 


2,87% 


1,95% 


Arnheim 


» n 


3,19% 


1,36% 


Leyden 


n n 


2,51% 


3,23% 



Mit Ausnahme der Krebssterblichkeit in der Stadt Leyden, über- 
wiegt also auch in dieser Zeitepoche die Krebssterblichkeit bei den 
Frauen um ein Erhebliches die der Männer, wenn auch nicht in 
dem Umfange, wie anscheinend in den früheren Jahrzehnten. 

Die statistischen Untersuchungen der neueren Zeit haben er- 
geben, daß in den verschiedenen Ländern und Städten das Verhältnis 
der Krebssterblichkeit zwischen dem männlichen und weiblichen 
Geschlecht ein außerordentlich schwankendes ist; aber an keinem 
Orte finden wir ein derartiges Ueberwiegen der Krebssterblichkeit 
bei den Frauen wie in früheren Jahrzehnten. Die Kurve der Krebs- 
sterblichkeit des weiblichen Geschlechts nähert sich immer 
mehr der des männlichen Geschlechts. 

Der Grund für diese Aenderung der Sterblichkeitskurven liegt 
hauptsächlich darin, daß die häufigsten Carcinome des Weibes, wie 
Brust- und Uteruskrebs, verhältnismäßig leicht auch in früheren 
Zeiten zu diagnostizieren waren, während vielfache Krebserkrankungen, 
die hauptsächlich das männliche Geschlecht zu befallen pflegen, 
wie Carcinome des Intestinaltractus, früher oft unerkannt blieben. 
Die besseren diagnostischen Hilfsmittel der Neuzeit lassen zurzeit 
auch bei Männern Krebserkrankungen vielfach erkennen , deren 
Diagnose früher sehr erschwert oder unmöglich war. 

So kommt es denn, daß, nach den neueren Untersuchungen die 
Krebssterblichkeitskurven von Mann und Frau sich allmählich immer 
etwas nähern. 



*) Zur Statistik der Carcinome, inbesonderheit deren Vorkommen in Strafan- 
anstalten (Schriften der Gesellschaft zur Beförderung- der gesamten Naturwissen- 
schaften, Bd. XI, Supplementheft V. Kassel 1881. 4°. 34 S.). Cfr. auch: Berliner 
klin. Wochenschr. 1880, Nr. 11 und: Deutsches Archiv f. klin. Med., Bd. XV, S. 538. 



72 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Während z. B. in Norwegen (cfr. S. 70) in der Zeit von 1862 
bis 1866 die Krebssterblichkeit bei Mann und Frau sich verhielt 
wie 43.8:56,2, berechnete Geirsvold 2 ) für die Zeit von 1865—1897 
ein Verhältnis von 47,8:52,2 (13429 Todesfälle an Krebs bei Männern 
und 14651 bei Frauen). 

Der Unterschied ist also zurzeit in Norwegen kein so erheb- 
licher. 

Auch in Deutschland weicht in neuerer Zeit die Krebs- 
sterblichkeit der Frauen nicht so erheblich ab von der der Männer, 
wie in früheren Jahrzehnten (cfr. S. 71). 

Nach den Untersuchungen von R Werner' 2 ) starben z. B. in 
Baden (1500 Gemeinden innerhalb 25 Jahren) 

von 10000 Männern = 8.7 an Krebs, 
„ 10000 Frauen == 10,8 „ „ . 

In den preußischen Provinzen Schleswig und Ostpreußen 
betrug, nach ß. F i n k e 1 n b u r g , 3 ) die durchschnittliche Krebssterblich- 
keit bei Mann und Frau = 51,1 : 68,3 bzw. 27,6 : 30,8. 

Aehnlich verhält sich auch die Krebssterblichkeit bei Männern 
und Frauen nach den Untersuchungen von F. Reiche 4 ) in 
Hamburg. 

In den Jahren 



1872— 1880 entfielen auf 1 Krebstodesfall beim M an n e 

1881-1889 „ „ 1 „ „ „ : 

1889—1898 „ „ 1 „ „ „ : 



l,46beiderFrau 

149 

1,29 „ „ „ 



Nur in England und Wales übertrifft auch in der Neuzeit, 
nach den Angaben von R Finkeinburg, 5 ) die Krebssterblichkeit 
des weiblichen Geschlechts um ein Bedeutendes die der Männer. 

In England und Wales verhielt sich die Krebssterblichkeit 
zwischen Mann und Frau wie 32,0 : 62,0 , in London sogar wie 
35,0:73! 

Eine vergleichende Statistik in bezug auf das Verhältnis 
der Krebssterblichkeit bei beiden Geschlechtern in verschiedenen 
europäischen Staaten verdanken wir J. Dollinger, 6 ) der 
seinen Berechnungen teils das Material von Sammelfor schlingen, 
teils von Mortalitätsstatistiken zugrunde legte: 

Es starben von 100000 Einwohnern an Krebs: 





Sammelstatistik 


Mortalitätsstatistik 


Staat 






Männer Frauen 


Männer Frauen 


Deutschland 


16,0 


26,9 








Portugal 


20,8 


26,3 


20,6 


25,9 


Ungarn 


28,0 


35,0 


83,0 


107,0 


Schweden 


26,74 


39,22 


75,0 


85,0 


Dänemark 


34,0 


51,0 


— 


— 


>) 1. c. S. 9. 






2 ) 1. c. S. 15. 




3 ) 1. c. S. 45. 




4 ) Deutsche med. Wochenschr. 1900, Nr. 7 i 


i. 8. 


5 ) 1. c. S. 45. 




°) II. Internationale Kr 


ebskonfere 


nz Paris. 


Okt. 191 


(S. 475) 



Geschlecht und Krebserkrankung. 



73 



Wie sehr die Ergebnisse der Sammelforschung von denen 
der amtlichen Mortalitätsstatistik abweichen, ist schon aus dieser 
Tabelle ersichtlich. Wir werden noch späterhin Gelegenheit haben 
auf den Wert der einzelnen statistischen Methoden zurückzukommen. 
Für unsere Untersuchungen an dieser Stelle genügt es darauf hinzu- 
weisen, daß auch auf Grund des größeren, statistischen Materials der 
amtlichen Sterblichkeitsnachweise das Verhältnis der Krebs- 
sterblichkeit bei beiden Geschlechtern ungefähr das Gleiche ist, wie 
das aus der Sammelstatistik berechnete. 

Von einem anderen Gesichtspunkte stellte K. Buday 1 ) eine ver- 
gleichende Statistik der Krebssterblichkeit bei den einzelnen Ge- 
schlechtern in den verschiedenen Ländern auf, indem er nicht die 
Zahl der Lebenden, sondern die Krebstodesfälle überhaupt 
als Grundlage wählte: 



Es entfielen auf 100 Krebstodesfälle bei Männern 







Krebstodes- 


Staat 


Jahr 


fälle bei 
Frauen 


Vereinigte Staaten 






von Nordamerika 


1900 


171,0 


Schweden 


1890-1898 


153,8 


England 


1901—1905 


147,0 


Italien 


1904 


127,8 


Ungarn 


1901 - 1904 


124,7 


Deutschland 


1907 


123,0 


Oesterreich 


1895-1898 


121,0 


Schweiz 


1901—1906 


100.2 



Wie wechselnd das Verhältnis der männlichen und weiblichen 
Krebstoten in den verschiedenen Ländern sich gestaltet, ist auch aus 
dieser Tabelle ersichtlich, es kann dagegen, wie Buday hervorhebt, 
in einem Lande in nacheinanderfolgenden Zeitperioden ziemlich 
konstant bleiben. 

Es entfielen z. B. in der Schweiz in den Jahren 1891 — 1898 
auf 100 Krebstodesfälle bei Männern = 102,8 Todesfälle bei Frauen, 
in den Jahren 1901 — 1906 gestaltete sich dies Verhältnis wie 100 : 100,2. 

Diese beinahe gleichmäßige Verteilung der Krebs- 
sterblichkeit bei beiden Geschlechtern in der Schweiz ver- 
dient umso mehr Beachtung, als auch in der angrenzenden Zone 
hoher Krebssterblichkeit (cfr. S. 10 ff.), wie Buday betont, fast die- 
selben Erscheinungen beobachtet w r erden. 

Es entfallen z. B. auf 100 Krebstodesfälle bei M änn ern in Tirol 
== 94 auf Weiber, in Vorarlberg = 81, während z. B. im Oberamt 
Eiedlingen in Württemberg die Krebstodesfälle der Männer zu 
denen der Frauen sich verhalten wie 100:73! 

Die Ungleichheit in der Verteilung des Krebses zwischen dem 
männlichen und weiblichen Geschlechte tritt, nach J. Dollinger, 2 ) 
hauptsächlich in den Städten hervor. 



*) IL Internationale Krebskonferenz Paris. Okt. 1910, S. 95. 
2 ) Ibidem, S. 477. 



74 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Wenn man nur die über 15 Jahre alte Bevölkerung in Be- 
tracht zieht, so entfallen in Ungarn auf 100000 Einwohner im all- 
gemeinen 23 Krebstodesfälle auf Männer und 35 auf Frauen. 

Dieses Verhältnis zeigt nun in verschiedenen Städten ganz er- 
hebliche Unterschiede, wie aus folgender Tabelle ersichtlich ist: 



Zahl der auf 100 000 über 15 Jahre alten 
Einwohner entfallenden Krebstodesfälle 



Stadt 


Männer 


Frauen 


Budapest 


28 


88 


Temesvar 


47 


95 


Kopenhagen 


34 


71 


Lissabon*) 


20,8 


26,3 


Porto*) 


22,3 


28,4 



Wir haben schon bei Besprechung der Erkrankung der einzelnen 
Organe darauf hingewiesen, daß die Organe und Organsysteme 
bei den verschiedenen Geschlechtern eine verschiedene Dispo- 
sition zurKrebserkrankung zeigen. 

Diese Erscheinung war, wie wir gesehen haben, auch bereits den 
älteren Forschern bekannt, und man hatte schon von jeher auf 
diesen Unterschied bei beiden Geschlechtern hingewiesen. 

A e u ß e r e Krebserkrankungen kommen z. B., nach Adelmann, 1 ) 
beim Manne häufiger vor als bei der Frau. Diese Beobachtung 
wurde auch in neuerer Zeit von Bapok 2 ) bestätigt, nach dessen 
Untersuchungen Gesichtskrebse beim Manne häufiger auftreten 
als bei der Frau. 

Auch Krebs des Intestinaltr actus kommt, wie wir schon 
früher hervorgehoben haben,**) bei Männern häufiger vor als bei Frauen. 

Nach H. H a e b e r 1 i n 3 ) verhält sich z. B. der Prozentsatz der 
Erkrankung an Magenkrebs bei Mann und Frau wie 50:337 8 . 

In neuerer Zeit hat nun F. Reiche 4 ) auf Grund des statisti- 
schen Materials in Hamburg eine Zusammenstellung der Krebs- 
todesfälle unter Berücksichtigung des Organs und Geschlechts 
veröffentlicht. 

Demnach gestaltet sich die Beteiligung der beiden Geschlechter 
an der Erkrankung der einzelnen Organe folgendermaßen: 



Organ 


Weiber 


Männer 


Organ 


Weiber 


Männer 


Kehlkopf 

Zunge 

Lippe 

Oesophagus 

Kiefer 

Pharynx 


1 

1 
1 
1 
1 
1 


8,8 
6,6 
5,5 
5,2 
3,7 
3,7 


Blase 

Magen 

Gallenblase 

Mamma 

Digestionsorgane 

Genitaltractus 


1 

4 1,2 


3,1 

1,8 

0,35 

0,009 

2,1 

1,0 



*) Bei diesen beiden Städten ist das Alter der Einwohner nicht berücksichtigt. 

1 ) Günsbnrg's Zeitschr. 1858/59, Bd. 9 u. 10. 

2 ) Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie, Bd. 30, 1890, S. 
**) Cfr. Bd. II, S. 646 i. 

3 ) Deutsches Archiv f. klin. Med., 1889, Bd. 44, S. 

4 ) Deutsche med. Wochenschr., 1900, Nr. 7/8. 



465. 



461. 



Geschlecht und Krebserkrankung. 



75 



Diese Verhältnisse sind nun, wie K. Kolb 1 ) durch ausführliche, 
statistische Untersuchungen nachgewiesen hat,*) nicht für alle 
Länder maßgebend. Man findet ganz erhebliche Unterschiede in 
bezug auf die Häufigkeit der Erkrankung der einzelnen Organe bei 
beiden Geschlechtern in verschiedenen Ländern. 

Daß das männliche Geschlecht durch die häufige Erkrankung 
des Digestionstractus das weibliche Geschlecht um ein Er- 
hebliches übertrifft, und umgekehrt das weibliche Geschlecht in 
bezug auf das Genitalsystem, wird von allen Forschern zugegeben. 

Die Krebserkrankung des Mannes befällt hauptsächlich den 
Verdauungskanal. 

Aber in den verschiedenen Ländern werden, wie Kolb hervor- 
hebt, sehr abweichende Prozentzahlen angegeben. 

Während z. B. in Frankreich der Magenkrebs beim Mann 
60°/o aller Krebse beim männlichen Geschlecht betrug, stieg diese 
Zahl in Baj^ern auf 85,9%, in Ungarn auf 84,3 °/ , in Italien 
auf 84.5 °/ > in Schweden auf 84,8 °/ un( i i* 1 der Schweiz sogar 
auf 90,6 °/ . 

Nur England zeigt die verhältnismäßig geringe Zahl von 73°/ . 

In einzelnen Städten verhält sich dieser Prozentsatz, nach 
Kolb, folgendermaßen : 

Klausenburg = 78,0, München = 78,9, Berlin = 80,4 bis 
85,1%. 

Auch die Erkrankung der einzelnen Organe ist in bezug 
auf ihre Häufigkeit in den einzelnen Ländern eine verschiedene: 

Wenn wir z. B. nur die Erkrankung der Lippe und des Oeso- 
phagus als Beispiel herausgreifen, dann gestaltet sich die Beteiligung 
der beiden Geschlechter, nach Kolb, in verschiedenen Ländern 
folgendermaßen : 



Staat 


Organ 


Männer 

°/o 


Frauen 

h 


Organ 


Männer 

0/ 
10 


Frauen 

/o 


Bayern 

Schweiz 

England 


Lippe u. Mund 

n n 


1,9 
2,3 

9,8 


0.7 
0,4 
1,2 


Oesophagus 

J5 


4,7 

12.8 

6,3 


1,3 

2,8 
1,5 



Wie wir schon vorhin erwähnt haben, weichen die statistischen 
Nachweise in England am meisten und bei fast allen Haupt - 
gruppen von denen der anderen Staaten ab. 

Da tritt zuerst, wie Kolb hervorhebt, die relative Selten- 
heit der Magen-, Leber- und Pankreaskrebse, dann die 
relative Häufigkeit der Krebse der oberen 



Verdauungs- 
org a n e , wie der untersten, des Darm- und Rektumkrebses hervor. 
Das gleiche findet sich bei den Frauen — in bezug auf den Magen- 
krebs sogar noch ausgesprochener. Die außerordentlich hohe Zahl 
der Krebse der weiblichen Geschlechtsorgane teilt dagegen 



l ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 249. 

*) lieber die Einzelheiten findet man an der angeführten Stelle nähere Angaben. 
Cfr. auch die einzelnen von K. Buday angeführten Tabellen (II. Internationale 
Krebskonferenz Paris. Okt. 1910, S. 98 ff.). 



76 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



entfallen in England nur 
hingegen = 966 und in der 

kleinen Verhältniszahlen der 

große Gesamtzahlen erklären: 



England zugleich mit Italien, den Vereinigten Staaten und 
Schweden. 

Dabei ist, nach Kolb, die Krebssterblichkeit der Männer in 
England eine bedeutend geringere, als z. ß. in Bayern und 
in der Schweiz. 

Auf 1 Million lebende Männer 
742 Todesfälle an Krebs, in Bayern 
Schweiz = 1097! 

Man kann also, nach Kolb, die 
meisten Verdauungsorgane nicht durch 
eher könnten die kleineren Gesamtzahlen die großen Prozente der 
Krebse von den Lippen bis zum Oesophagus und des Darmes erklären. 

Diese Verschiedenheit in den statistischen Angaben für Eng- 
land kann aber, nach Kolb, noch eine andere Ursache haben. 

In England*) legt man bei der statistischen Untersuchung des 
Krebses Wert auf die Unterscheidung zwischen zugänglichen und 
unzugänglichen Krebsen, je nach der leichteren Diagnostizierbar- 
keit der Tumoren. 

Zu den zugänglichen Krebsen werden gerechnet: 

Haut, subkutanes Gewebe, Lippen, Zunge, Mundhöhle, Ober- und 
Unterkiefer, Gaumen, Augapfel, Augenhöhlen und Augenlider, Xacken- 
drüsen, Brustdrüse, Rumpf- und Beckenwandungen, Arme und Beine, 
die äußeren männlichen Genitalien, Vulva, Vagina und Anus. 

Zu den unzugänglichen Krebsen zählt man in England: 

Hirn und Rückenmark, Pharynx, Oesophagus, Lungen, Pleura 
und Mediastinum, Herz, Magen, Darm, Leber, Gallenblase, Pankreas, 
Niere, Blase, Prostata, Peritoneum, Ovarien, Wirbelsäule, Kreuzbein 
und Beckenknochen. 

Dazwischenliegende Krebse sind: 

Schädel, Larynx, Trachea, Parotis, Harnröhre, Rektum, Uterus 
und Schilddrüse. 

Nimmt man diese Einteilung an, so verhält sich, nach den Be- 
rechnungen von Kolb, die Beteiligung der beiden Geschlechter in 
Bayern, in der Schweiz und in England folgendermaßen: 

Einteilung der Krebse nach der Diagnostizier barkeit: 







Männer 






Frauen 






Bayern 


Schweiz 


England 


Bayern 


Schweiz 


England 


Zugängliche 

Dazwischenliegende 

Unzugängliche 


7 

7,5 
85,4 


4,7 
5,2 

90,1 


22,4 
15,5 
62,2 


13,1 

21,2 

65,7 


12,9 
23,2 
63,8 


22,9 
30,6 

46:5 



Aus dieser Tabelle ist ein großer Unterschied zwischen Bayern 
und der Schweiz einer- und England andererseits ersichtlich. 

In Bayern und in der Schweiz findet man bei den Männern 
85 — 90°/ schwer diagnostizierbare Krebse gegen 62 ° in England, 
und bei den Frauen 63— 65°/ gegen 46°/ in England. 



*) Cfr. : Scientific Kep. on the investigations of the Imperial Cancer Eesearch 
Fund 1905, P. I, No. 2, p. 18. 



Geschlecht und Krebserkrankung. 77 

Ob in England verhältnismäßig mehr versteckte Krebse der 
Unterleibsorgane, namentlich des Magens, nicht registriert werden, 
darüber erlaubt sich Kolb kein Urteil. 

I nzweifelhaft wird aber der Prozentsatz der Beteiligung der 
beiden Geschlechter an den Krebstodesfällen in diesen 3 Ländern 
durch den verschiedenen Altersaufbau beeinflußt; denn aus einer 
Berechnung von Kolb ist ersichtlich, daß in dem Krebsalter von über 
50 Jahren in England nur 14°/ der Männer leben, in Bayern 
aber 16,2% und in der Schweiz = 17,7 °/ . 

In Bayern lebt also etwa %, in der Schweiz ein volles Viertel 
mehr Männer in diesem Alter als in England, und ähnlich verhält 
es sich bei den Frauen. Da aber, nach Kolb, das Alter nicht nur 
die Häufigkeit, sondern auch die Lokalisation des Krebses 
beeinflußt, so erklärt beispielsweise dieser andere Altersaufbau zum 
Teil den hohen Prozentsatz des Uteruskrebses in England. 

Noch zwei andere Fragen, die das Geschlecht der Erkrankten 
betreffen, beschäftigten die Statistiker der älteren und neueren Zeit- 
epoche, nämlich welche Altersstufe bei beiden Geschlechtern die 
höchsten Erkrankungszitfern aufweist, ob dieses Maximum in den 
verschiedenen Ländern und Ortschaften dasselbe ist, und ob in der 
letzten Zeit eine größere Zunahme der Erkrankung bei 
den Männern oder bei den Frauen zu beobachten ist. 

Diese Probleme hat schon Kiaer 1 ) zu lösen versucht. 

Nach den Untersuchungen von Kiaer, denen allerdings kein 
lückenloses Material zugrunde lag, sinkt z. B. in England die 
Sterblichkeit für beide Geschlechter vom ersten Lebensjahre bis zum 
Alter von 15 Jahren. Darauf steigt die Kurve für das männliche 
Geschlecht bis ins höchste Lebensalter, beim Weibe da- 
gegen vom Beginn der Pubertät bis zum Klimakterium, 
worauf die Sterblichkeitskurve wieder langsam abfällt. 

In Norwegen hingegen sterben in den ersten 15 Jahren mehr 
Männer als Frauen, späterhin jedoch, besonders im höheren 
Lebensalter, zeigt die Sterblichkeitskurve der Frauen ein starkes 
Qebergewicht. 

Die neueren Untersuchungen von Geiersvold 2 ) haben jedoch 
für Norwegen ergeben, daß mit Ausnahme der Altersperiode von 
30—50 Jahren, beide Geschlechter in gleichem Grade 
befallen sind, die Männer sogar etwas häufiger. Die Zu- 
nahme der Krankheit fällt wesentlich auf die über 6 Jahre alten 
Personen, und nur in den Städten ist eine Steigerung der Krebs- 
sterblichkeit der Frau bis in das höchste Lebensalter zu beobachten, 
während die Sterblichkeitskurve der Männer allmählich abnimmt, wie 
ans folgender Tabelle ersichtlich ist (siehe nächste Seite). 

F. W. Beneke 3 ) hat ebenfalls schon auf Grund eines Materials 
von 3476 Carcinomfällen, die aus verschiedenen Städten (Frank- 
f n i' t a. M., Bremen, Leipzig, Brüssel und N e w V o r k) stammten, 

') 1. c. s. 9. 
- 9. 
I>ii' Utersdiposition. Bin Beitrag zur Physiologie und Pathologie der einzelnen 
Altersstufen des Menschen. Marburg 1S7 ( J. 



78 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit, 



die Altersstufen zu berechnen versucht, welche das Maximum 
der Krebssterblichkeit bei beiden Geschlechtern aufweisen. 





In ganz Norwegen 


In den Städten 


Altersklassen 


1876—1895 1 1876—1885 


1886-1895 


1884- 


1897 




(20 Jahre) | (10 Jahre) 


(10 Jahre) 




M. j W. M. 


W. 


M. | W. 


M. 


W. 


1—20 


0,09 


0,08 


0,09 


0,06 


0,10 0,10 


0,54 


0,65 


20-30 


0,42 


0,39 


0,39 


0,39 


0,43 0,38 


0,78 


0,44 


30—40 


1,72 


2,19 


1,57 


2,10 


1,85 2,26 


2,49 


3,81 


40—50 


6,59 


7,30 


5,98 


6,44 


7,22 8,07 


10,8 


12,6 


50—60 


18,07 


16,36 


15,55 


14,71 


20,70 18,00 


31,0 


28,4 


60-70 


34.71 


25,84 


32,76 


25,23 


35,89 26,28 


63,2 


42,6 


70—80 


36,70 27,82 


28.46 


21,34 


42,25 | 32,93 


81,7 


64,9 


80-90 


23,01 


20,00 


17,24 


18,11 


28,50 21,84 


64,6 


65,4 


90—100 


17,80 


18,00 


9,47 


11,56 


24,04 25,70 


31.8 


72,8 



Es zeigt sich nun, daß in den 4 zuerst genannten Städten, bei 
einem Material von 1061 Carcinom fällen, das Alter von 50 — 60 
Jahren bei beiden Geschlechtern die höchste Sterblichkeits- 
ziffer aufweist, während in New York (2415 Carcinomfälle) das 
Maximum bei Männern in den Altersstufen von 50 — 60 Jahren 
auftritt, bei Frauen aber bereits in den Altersstufen von 40 — 50 
Jahren. 



Unter 1061 Carcinomen 


aus Frankfurt, 




New York 




Bremen, Leipzig und Brüssel 




(2415 Carcinomfälle) 




Alter 


M. W. 


Sa. 


Prozent- 


Alter 


1 1 
M. 1 W. 1 Sa. 


Prozent- 


(Jahre) 






satz 


(Jahre) 




satz 


0—10 


2 3 


5 


0,4 


0—10 


11 


13 


24 


1,0 


10—20 


4 3 


7 


0,6 


10—20 


3 


8 


11 


0,4 


20-30 


9 20 


29 


27 


20-30 


36 


72 


108 


4,5 


30-40 


28 55 


83 


7,8 


30—40 


77 


281 


358 


14,8 


40—50 


58 


131 


189 


17,8 


40—50 


165 


467 


632 


26,2 


50-60 


109 


201 


310 


29,2 


50-60 


200 


421 


621 


25,7 


60—70 


93 


182 


275 


25,9 


60-70 


147 


294 


441 


18,2 


70—80 


52 


87 


139 


13,1 


70-80 


57 


127 


184 


7,6 


80-90 


9 15 


24 


2,3 


80-90 


8 


28 | 36 


1.5 


Sa. 


364 


697 


1061 




Sa. 


704 


1711 


2415 





Die neueren Untersuchungen über die Sterblichkeits- 
kurven der beiden Geschlechter haben nun in den verschiedenen 
Ländern verschiedene Ergebnisse gehabt. 

Nach den Berechnungen von Laspeyres 1 ) überwiegt z. B. in 
Preußen (1891 — 1895) die Krebssterblichkeit der Frau in dem Alter 
von 30 — 50 Jahren die des Mannes, während in den Alters- 
stufen von 50 — 7 Jahren wiederum die Sterblichkeitskurve des 
Mannes die der Frau übersteigt. 



*) Zentralbl. f. allg. Gesundheitspflege 1901, H. 9 u. 10. 



Geschlecht und Krebserkrankung. 



79 



Im allgemeinen wird in England z. B., nach den Beobachtungen 
von Bar low Lazarus, 1 ) der Mann in einem höheren Alter 
(Durchschnitt 55,2 Jahre) von der Krebskrankheit heimgesucht als die 
Frau (Durchschnitt 49,9 Jahre!). 

Aus einzelnen größeren Orten führen wir noch folgende Bei- 
spiele an: 

Eisenstadt 2 ) hat z. B. für Berlin folgende M a x i m a bei beiden 
Geschlechtern berechnet, und zwar für die Zeit von 1881 — 1900 : 

Das Maximum lag: 



Zeitraum 



1881-1885 
1886—1890 
1891—1895 
1896—1900 



Altersstufe 



Mann 



Frau 



65 — 70 Jahre 45— 50 Jahre 

60-65 „ 55-60 „ 

60 — 65 „ i 50 — 55 „ 

55—60 „ I 50—55 „ 



Aus dieser Tabelle ist ersichtlich, daß in Berlin, auf Grund 
der Mortalitätsstatistik, der Mann im Laufe von 20 Jahren 
schon in einem um 10 Jahre jüngeren Alter das Maximum 
erreicht, während bei der Frau das durchschnittliche Lebensalter, 
in welchem sie die höchste Krebssterblichkeit aufweist, ein höheres 
geworden ist. 

Auch aus Sektionsergebnissen hat man diese Frage zu 
lösen versucht. 

Bollinger 3 ) hat z.B. aus den Sektionsprotokollen des München er 
pathologischen Instituts berechnet, daß die Krebssterblichkeit 
beim Manne bis zum 57. Lebensjahre zunimmt, bei der Frau bis zum 
52. Lebensjahre und nach einem Abfalle wieder vom 73.-88. Lebens- 
jahre steigt. 

Die Zunahme der Krebserkrankung beim männlichen Ge- 
schlecht betraf in den letzten 44 Jahren hauptsächlich den Ver- 
dauungskanal, bei der Frau die Geschlechtsorgane, Er- 
krankungen des Respirationssystems und der Knochen haben bei 
beiden Geschlechtern abgenommen. 

Für Bayern haben die statistischen Untersuchungen von Kolb 4 ) 
ergeben, daß der Krebs absolut für beide Geschlechter 
zwischen 60 — 70 Jahren am häufigsten ist, vollkommen 
übereinstimmend mit der Krebsstatistik der Schweiz 5 ) und 
Oesterreichs. G ) 

Das Maximum in diesen Altersstufen trifft, nach Kolb, über- 
haupt ziemlich in allen Ländern zu; nur kann es hin und wieder 
vorkommen, daß das Maximum bei den Frauen etwas früher 
sich einstellt, wie z. B. in der ungarischen Statistik, während 

x ) Cfr.: Med. Klinik 1906, S. 508 (nach Beobachtungen aus dem Middlesex- 
hospital). 

2 ) Zeitschr. f. Versicherungsmedizin 1910, Nr. 9 u. 10. (Auf Grund der Mor- 
talitätsstatistik des Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin für 1903.) 

3 ) Deutsche med. Wochenschr. 1903, Vereinsbeilage, S. 301. Cfr. auch: Gabriel 
Schuster: Statistische Studie zur Carcinomfrage. I.-D. Bamberg 1909. (Erlanger 
pathol. Institut 1863—1907.) 

4 ) 1. c. S. 75. 

*) Schweiz. Statistik, Lief. 137. 

°) Oesterreich. Statistik, Bd. 67, 1904, S. 122. 



80 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

die Umfrage des deutschen Krebskomitees vom Jahre 1900") infolge 
der durch den Zufall beeinflußten Entstehung der Urzahlen den Höhe- 
punkt beim weiblichen Geschlecht in den Altersstufen von 
70 — 80 Jahren ergeben hat. 

Ebenso ist, nach K o 1 b , bei dem aus Krankenhäusern stammen- 
den Material nur der Zufall von Einfluß, wenn hier die meisten Krebs- 
erkrankungen in dem Alter von 50—60 Jahren gefunden wurden. 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß man auch in neuerer Zeit 
sich mit der Frage beschäftigte, ob im Laufe der letzten Jahrzehnte 
eine Zunahme der Krebserkrankung beim männlichen 
oder weiblichen Geschlecht stattgefunden hat. 

Auch hier weichen die statistischen Ergebnisse voneinander ab, 
je nach dem Material, das zur Verfügung stand, oder je nach der 
Methode, die zur Anwendung kam. 

Die Sektionsprotokolle in München z. B. haben, nach 
Bollinger, 1 ) ergeben, daß innerhalb eines Zeitraumes von 39 Jahren 
eine Zunahme bei Männern von 5,5 °/ a u f 8 %, bei Frauen hingegen 
von 9,4 °/ auf 18°/ stattgefunden hat. 

Zu einem anderen Resultate gelangte man jedoch, wenn man das 
Material der amtlichen Mortalitätsstatistik zugrunde legte. 

Roger Williams 2 ) fand z. B., daß in England in der Zeit 
von 1840—1896 die Zunahme der Krebssterblichkeit bei den Männern 
größer war als bei den Frauen, und daß die Sterblichkeitskurve des 
Mannes sich im Laufe der Zeit allmählich der des Weibes näherte. 

Zu demselben Ergebnis gelangte auch Wutzdorff 3 ) in bezug 
auf die Krebssterblichkeit der beiden Geschlechter in Preußen. 

Während z. B. in der Zeit von 1875 — 1895 bei der männlichen 
Bevölkerung eine Zunahme von 23,3 °/ , bei dem weiblichen Ge- 
schlecht aber von 24,2 °/ stattfand, erhöhte sich die Zunahme der 
Krebssterblichkeit beim Manne auf 129,1 °/ , bei der Frau 
aber nur auf 109,9%. 

Die Gefahr an Krebs zu sterben hat also für die Frau in der 
Zeit von 1876—1898 abgenommen, für den Mann aber zu- 
genommen! 

Vielleicht ließe sich dieses Absinken der Krebssterblichkeit 
beim weiblichen Geschlecht dadurch erklären, daß in neuerer Zeit 
sich immer mehr Frauen mit operablen Krebserkrankungen, be- 
sonders mit Uterus- und Mammacarcinomen, einer Operation unter- 
ziehen und dadurch zur Heilung gelangen, während das männliche 
Geschlecht mehr an inoperablen Carcinomen (Verdauungstractus !) 
zu erkranken pflegt. 

Aus einer Zusammenstellung der krebskranken Patienten von sämt- 
lichen Krankenhäusern Preußens**) ist ersichlich, daß in der 
Zeit von 1877—1909 bedeutend mehr krebskranke Frauen als Männer 
die Heilanstalten aufgesucht haben. 

*) Wir kommen noch späterhin auf diese Umfrage zurück. 

1 ) 1. c. S. 79. 

2 ) Remarks on the mortality from Cancer (Laneet, 20. August 1898, Vol. II. 
p. 481). 

3 ) Verhandlungen des deutschen Krebskomitees, 14. Nov. 1901 (cfr. auch: 
Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 161). 

**) Medizinalstatistische Nachrichten. Herausgegeben vom Königl. Preuß. Sta- 
tistischen Landesamt, Jahrg. III, 1911/12, H. I. 



Geschlecht und Krebserkrankunff. 



81 



Es befanden sich in sämtlichen Krankenhäusern Preußens 
krebs kranke Personen: 



Jahr 


Männer 


Frauen 


1877 


1187 


1765 


1886 


2 872 


5154 


1896 


5 726 


8 615 


1900 


7 434 


10 285 


1905 


8 986 


13 030 


1906 


9711 


13 645 


1907 


10135 


14 257 


1908 


10157 


14 028 


1909 


10 901 


14 376 


Sa. 


67 109 


95155 



Auch die Statistiken der Versicherungsgesellschaften 
haben, wie Juliusburg er *) behauptet, ergeben, daß in der letzten 
Zeit eine entschiedene Abnahme der Krebssterblichkeit bei den 
Frauen festgestellt werden konnte; denn während bei den Männern 
in der Zeit von 1885 — 1899 die Zahl der Krebs todesf alle, im Ver- 
hältnis zu den Gesamttodesfällen, von 6,9 °/ auf 9,5 °/ stieg, erhöhte 
sich dieser Prozentsatz bei den Frauen nur von 13,3 °/ auf 15,3 °/ . 

Wenn wir das Endergebnis unserer Erörterungen über die Be- 
teiligung der beiden Geschlechter an der Krebssterblichkeit in Betracht 
ziehen, dann ergibt sich, daß die statistischen Mitteilungen der ver- 
schiedenen Forscher und aus verschiedenen Ländern außerordentlich 
voneinander abweichen. 

Wir haben schon teilweise dargetan, aus welchem Grunde der- 
artige Unterschiede entstehen müssen, wenn das benutzte Material 
nicht lückenlos ist und die angewandte Methode fehlerhaft war. 

Die statistische Wissenschaft ist zurzeit noch nicht derartig fest 
begründet, daß einheitliche Resultate erzielt werden und unzweideutige 
Schlußfolgerungen gezogen werden können. 

Die Statistik ist oft in den Händen mancher Forscher wie weiches 
Wachs, das nach Belieben in jede Form gebracht werden kann. Wir 
werden auch späterhin noch auf die fehlerhaften Methoden, die 
bei der Beurteilung statistischer Mitteilungen die größten Schwierig- 
keiten bereiten, zurückkommen müssen und wollen an dieser Stelle nur 
die F e h 1 e r ins Auge fassen, die in bezug auf die Beteiligung der b e i d e n 
Geschlechter an der Krebssterblichkeit bisher gemacht worden sind. 

Schon Kiaer 2 ) hat darauf aufmerksam gemacht, daß man bei der 
Statistik über die Beteiligung der beiden Geschlechter vor allem be- 
rücksichtigen müsse, wieviel alte Leute überhaupt in einem Bezirke 
wohnen, wenn man ein fehlerfreies Ergebnis erzielen will v 

In besonders kritischer Weise hat dann de Bovis 3 ) die Fehler 
aufgedeckt, die den bisherigen, statistischen Mitteilungen anhafteten. 

Man darf, nach de Bovis, nicht in einem Lande die Zahl der 
männlichen Krebskranken ohne weiteres vergleichen mit der der 
weiblichen; man darf auch nicht die Zahl der Einwohner einfach 

*) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. III, 1905, S. 106. 
a ) 1. c. S. 9. 
3 ) 1. c. S. 36. 

Wollt', Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 6 



82 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

in Beziehung zu der Sterblichkeit beider Geschlechter bringen. Wenn 
z. ß.von 100 OOO Männern 100 an Krebs sterben und von 100000 Frauen 
110, so darf daraus nicht geschlossen werden, daß die 
Frau empfänglicher ist als der Mann. 

King, Newsholme, Geiersvold uud Laspeyres, auch 
Kolb, Weinberg u. a. haben diese beiden statistischen Fehler 
aufgedeckt. Man wird sich, nach d e B o v i s , am meisten der Wahrheit 
nähern, wenn man die Krebssterblichkeit des Mannes und des Weibes 
auf die Zahl der über 25 oder 30 Jahre alten, männlichen 
und weiblichen Individuen berechnet. 

Legt man diese Altersstufe den Berechnungen zagrunde, dann 
würde sich z. B. für Preußen die Krebssterblichkeit bei Mann und 
Frau im Jahre 1898 nicht wie 100:113, nach der amtlichen Statistik, 
sondern wie 100 : 109 verhalten ! 

Noch richtigere Zahlen erhält man, nach de Bovis, wenn man, 
nach dem Vorgange von Laspeyres, 1 ) die Sterblichkeit für 
jedes Geschlecht und jedes Alter besonders berechnet. 

Man findet dann, daß in dem Alter von 30—50 Jahren die 
Krebssterblichkeit der Frau die des Mannes überwiegt, in den Alters- 
stufen von 50—70 Jahren hingegen wird das Gegenteil beobachtet. 

Bei der Berechnung der Zahlen für die G e s a m t h e i t des männ- 
lichen und weiblichen Geschlechts darf man, nach de Bovis, nicht 
den mittleren Wert von Prozentzahlen zugrunde legen. 

Unter 100000 Frauen wird die Sterblichkeitsziffer stark beeinflußt 
durch die der älteren Frauen. 

Stellt man nun eine steigende Reihe der auf die Altersklassen 
verteilten 100000 Frauen auf und eine ebensolche der Männer, 
so kann man nach dem Alter die Zahl der männlichen oder weiblichen 
Krebskranken berechnen, welche auf 100000 in dieser Weise gleich- 
mäßig verteilten Männer oder Frauen kommen. 

Auf diese Weise erhält man, nach de Bovis, das richtige 
Zahlenverhältnis der männlichen und weiblichen Krebs- 
kranken! 

Die nach diesem Grundsatz berechneten Krebstodesfälle bei 
beiden Geschlechtern ergaben nun für verschiedene Länder 
folgende Prozentzahlen: 



Es kamen auf 100 krebskranke 
Männer 



Staat 


Jahr 


Frauen 


Preußen 


1900 


101 


Irland 


9 


100 


Norwegen 


1897 


87 


Schweiz 


1889 


88 


Holland 


p 


123 


England 


1877 


193 




1887 


163 


» 


1897 


146 



Man ersieht aus dieser Tabelle, daß z. B. in England eine 
Verminderung der größeren Krebssterblichkeit des weiblichen 

*) 1. c. S. 44. 



Beziehungen der Altersstufen zur Krebssterblichkeit. 83 

Geschlechts schon in den beiden letzten Jahrzehnten eingetreten 
ist, eine Tatsache, die wir auch schon vorhin (cfr. S. 80) auf Grund 
unserer Nachweise für Preußen haben feststellen können. 

Nach de Bovis beobachtet man auch in anderen Ländern, wie 
z. B. in der Schweiz, Holland und in Norwegen, dieselbe 
Erscheinung. 

Es ist also vorauszusehen, daß in einigen Jahren die Zahlen 
für beide Geschlechter dieselben sein werden, wenn 
nicht sogar, wie wir schon vorhin erwähnten, die des Mannes 
eine höhere sein wird, wie dies in Norwegen und in der Schweiz 
(cfr. Tabelle S. 82!) bereits jetzt der Fall ist. 

Wir haben schon vorhin die Gründe für die Abnahme der 
Krebssterblichkeit bei der Frau auseinandergesetzt. Auch de Bovis 
führt diese Erscheinung darauf zurück, daß man zurzeit die inneren 
Krebserkrankungen, die den Mann häufiger heimsuchen als die Frau, 
besser diagnostizieren kann als früher. 

Das große Uebergewicht der Krebssterblichkeit der Frau 
in den Altersstufen von 25 — 50 Jahren ist, nach de Bovis, dem 
frühzeitigen Auftreten des Genitalkrebses zuzuschreiben. 

In der Schweiz z. B. fallen bei der Frau 50°/ der Fälle von 
Brust- und Gebärmutterkrebs, aber nur 38°/ der anderen Krebs- 
formen in das Alter von 25—50 Jahren! 

Die Behauptung vieler Statistiker, daß die Krebs- 
sterblichkeit in den letzten Jahrzehnten in er- 
schreckender Weise zugenommen hat, wird also bei 
einer gewissenhaften Prüfung der statistischen An- 
gaben, wenigstens soweit das weibliche Geschlecht in 
Frage kommt, eher widerlegt als bewiesen!*) 



Die Frage, welche Altersstufe überhaupt das Maximum der 
Krebssterblichkeit bei beiden Geschlechtern aufweist, hat auch schon 
die Forscher um die Mitte des 19. Jahrhunderts beschäftigt. 

Walshe 1 ) hatte bereits auf Grund statistischer Untersuchungen 
in England die Behauptung aufgestellt, daß mit zunehmendem 
Alter auch die Krebssterblichkeitskurven steigen. 

Nach Walshe verhält sich die Krebssterblichkeit zu den ein- 
zelnen Altersstufen folgendermaßen (siehe nächste Seite). 

Salle 2 ) hingegen kam auf Grund verschiedener Statistiken aus 
einer etwas älteren Zeitepoche, und zwar unter Benutzung der 
englischen Statistik von 1847,**) der Statistik von Marc 
d'Espine, 3 ) ferner derjenigen von Lebert 4 ) u. a. — im ganzen 
handelte es sich um 7225 Krebstodesfälle — zu dem Ergebnis, daß 
die Altersstufe von 50—60 Jahren das Maximum der Krebs- 
sterblichkeit aufweise. 



*) Wir kommen noch späterhin auf diese Frage ausführlicher zurück. 

1 ) 1. c. S. 18. 

2 ) 1. c. S. 9. 

**) Sibley (Med. chir. Transact. 1859) hatte auf Grund des statistischen Materials 
aus dem Middlesexhospital als Maximum die Altersstufe von 40 — 50 Jahren angegeben. 
;l ) Essai critique et analytique de statistique mortuaire, 1858. 
4 ) 1. c. S. 51. 

6* 



84 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Es befanden sich in einem Alter von 



30- 


-40 


Jahren 


— 


760 Individuen 


40- 


-50 




— ' 


1471 


50- 


-60 







1898 


60- 


-70 


w 


= 


1691 


70- 


-80 


« 


= 


781 



Eine etwa 20 Jahre später in E n g 1 a n d *) veranstaltete Sammel- 
forschung ergab jedoch, daß das Maximum der Krebssterblichkeit 
in den höheren Altersstufen liegt; denn unter 36926 Krebstodes- 
fällen befanden sich allein 7936 Personen, die mehr als 74 Jahre alt 
waren. 

Tabelle für England nach Walshe (cfr. S. 83). 



Von 1000 Lebenden starben an Krebs 



Alter 


Männer 


Frauen 


Mittel 


Unter 5 Jahren 


0,06 


0,17 


0,12 


5—10 




0,07 


0,04 


0,06 


10—15 




0,02 


0,10 


0,06 


15—20 




0,009 


0,17 


0,013 


20-30 




0,010 


0,24 


0,017 


30—40 




0,058 


0,152 


0,105 


40-50 




0,140 


0,983 


0,561 


50-60 




0,290 


1,066 


0,678 


60—70 




0,636 


1,192 


0,919 


70—80 




0,935 


1,421 


1,178 


• 80—100 


r> 


1,207 


0,973 


1,089 



Auch nach den älteren Untersuchungen von Kiaer 1 ) liegt das 
Maximum der Krebssterblichkeit in Norwegen, nach der Mortali- 
tät ss tat istik für das Jahr 1866, in den Altersstufen von 
50— 60 Jahren; auf die Zahl der Lebenden hingegen berechnet, 
in einer höheren Altersstufe, nämlich in dem Alter von 70 — 80 Jahren ! 

Es befanden sich, nach Kiaer, unter 1123 Krebstoten in 
Norwegen im Jahre 1866 im Alter von: 



1 j 2 — 1 Jahr 


= 1 Person 


40—50 Jahren 


= 212 


Personen 


1- 5 „ 


= 3 


55 


50—60 


55 


= 312 


» 


5-10 „ 


= 3 


55 


60—70 


55 


= 308 


n 


10—15 ,. 


= 1 


55 


70—80 


55 


= 152 


?? 


15-20 ,. 


= 1 


55 


80—90 


55 


= 34 


n 


20—30 „ 


= 22 


55 


90—100 


11 


= 2 


n 


30-40 ,; 


= 72 


n 










Auf je 100000 Lebend 


Le entfielen 


jedoch 


Krebstodesfälle au 


das Alter von: 














0-10 Jahren = 


1,3 


50—60 Jahren 


= 202 


Personen 


10—20 


— 


0,5 


60—70 


55 


= 260 


55 


20—30 


= 


6,5 


70—80 


55 


= 261 


55 


30-40 


= 


25,0 


80-90 


55 


== 213 


55 


40—50 


= 101,0 
med. Journ. 1884, 


90—100 „ 

Vol. I, p. 816 und Cr] 


= 135 

pps: Kep 


n 


*) Cfr.: Brit. 


. of Bartholo 


mew Hosp. Vol. XIV. 












») 1. c. S. 9. 















Beziehungen der Altersstufen zur Krebssterblichkeit. 



85 



Zum Vergleich zieht auch Kiaer die Beziehungen des Alters 
zur Krebssterblichkeit in anderen Ländern (Belgien, Frankreich 
und England) heran. 

In Belgien und Frankreich (auf Grund der Statistik von 
Lebert) verhalten sich die Altersstufen zu den Krebstodesfällen, im 
Vergleich zu denen von Norwegen, folgendermaßen: 





Norwegen 


Belgien 


Frankreich 
(nach Lebert) 


Altersklasse 


Krebstodes- 
fälle im 
ganzen 


Prozent- 
satz 


Krebstodes- 
fälle im 
ganzen 


Prozent- 
satz 


Prozentsatz 


— 5 Jahren 


4 


0,3 


128 


2,0 


1,9 


5-10 „ 


3 


0,3 


28 


0,4 


1,6 


10-20 „ 


2 


0,2 


78 


1,2 


2,4 


20—30 „ 


22 


2,0 


142 


2,2 


5,3 


30-40 „ 


72 


6,4 


390 


6,0 


15,9 


40—50 „ 


212 


18,9 


1051 


16,3 


24,7 


50—60 „ 


312 


27.8 


1720 


26,7 


23,6 


60-70 „ 


308 


27,4 


1668 


25,9 


17,2 


70—80 „ 


152 


13,5 


1012 


15,7 


6,9 


Ueber 80 „ 


36 


3,2 


230 


3,6 


0,5 


Sa. 


1123 


100,0 


6447 


100,0 





In diesen Ländern ist das Alter nach Jahrzehnten berechnet, 
in der englischen Statistik aber bis zum 25. Lebensjahre von 5 zu 
5 Jahren. Für England kommen, nach Kiaer, folgende Zahlen 
in Betracht. 



England (1851—1860) 





Krebstodes- 




Altersstufe 


fälle im 
ganzen 


Prozentsatz 


— 5 Jahre 


559 


0,9 


5—10 „ 


209 


0,3 


10—15 . 


172 


0,3 


15—20 „ 


317 


0,5 


20-25 „ 


496 


0,8 


25—35 „ 


2 950 


4,9 


35—45 „ 


8 586 


14,3 


45 — 55 „ 


13 958 


23,2 


55 — 65 „ 


15 350 


25,5 


65-75 „ 


12109 


20,1 


75 — 85 „ 


4 788 


8,0 


Ueber 85 „ 


702 


1,2 


Sa. 


60196 


100,0 



Es lag also das Maximum der Krebssterblichkeit (nach der 
Sterblichkeitsstatistik von N o r w e g e n und B e 1 g i e n für das Jahr 1866 
berechnet, von England für die Zeit von 1851—1860): 

In Norwegen und Belgien in den Altersstufen von 50 bis 
6 Jahren, in Frankreich von 40—50 Jahren und in England 
von 55—65 Jahren! 



86 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In früheren Jahrzehnten hatte besonders Charles H. M o o r e x ), 
die Theorie aufgestellt, daß die Krebskrankheit hauptsächlich die 
gesündesten und kräftigsten Personen heimsuche, und daß, da 
die Erstgeborenen in der Eegel die kräftigsten Kinder wären, 
auch ein Ueb ergewicht der Krebstodesfälle bei den Erst- 
geborenen sattfinde. 

Unter 101 Krebskranken fand Moore nämlich 26 erstgeborene, 
11 zweitgeborene, 19 drittgeborene, 13 viertgeborene, 9 fünfgeborene 
und 5 siebentgeborene Kinder. 

Weitere Untersuchungen aus der Neuzeit liegen nach dieser 
Richtung hin nicht vor, so daß wir die Richtigkeit der Moor e 'sehen 
Theorie dahingestellt sein lassen müssen. 

Wenn wir nun nach dieser kurzen Abschweifung wieder auf die 
Beziehungen des Alters zur Krebssterblichkeit zurückkehren, so 
haben auch die Statistiker der Neuzeit dieser Frage ihre Auf- 
merksamkeit geschenkt. 

Es ist nicht unsere Aufgabe, an dieser Stelle alle statistischen 
Angaben anzuführen, die dieses Problem behandeln, wir wollen hier 
nur einen Ueber blick über gewisse Fragen geben, wie sich die 
Beziehungen des Alters zur Krebserkrankung in den ver- 
schiedenen Ländern gestalten, und ob in der letzten Zeit irgend- 
welche Verschiebungen in den Altersstufen nach oben 
oder unten hin in bezug auf das Maximum der Krebssterblichkeit 
stattgefunden haben. 

Wir müssen hier zunächst die gründlichen Untersuchungen von 
K. B u d a y 2 ) anführen. 

Auf Grund der Sektionsergebnisse des pathologisch-ana- 
tomischen Instituts von Kolozsvär (5530 Obduktionen, darunter 
366 Carcinome, während der Zeit von 1870 — 1906), ferner der von 
H. Rieck 8 ) (pathologisch-anatomisches Institut zu München) und 
Riechelmann 4 ) (Krankenh aus Friedrichshain zu Berlin) mit- 
get eilten Sektionsergebnisse, kommt Buday zu dem Schluß, daß 
unter 100 an Krebs Verstorbenen das 50. Lebensjahr 
nicht überschritten hatten in Ungarn = 4:7,b°l , in München 
= 39,0 °/ und in Berlin = 30,4%. 

Die große Krebssterblichkeit in Ungarn in den früheren 
Altersstufen hat ihre Ursache, nach Buday, darin, daß besonders 
der Uteruskrebs in Ungarn schon die jüngeren Altersstufen zu 
befallen pflegt, und daß sowohl die Carcinome des Genital- als auch die 
des Respirationssystems in Ungarn häufiger vorkommen als in 
anderen Ländern, während Krebs des Verdauungskanals in 
Ungarn seltener beobachtet wird. 

Bei einem Vergleich mit anderen Ländern ergeben sich, nach 
Buday, 5 ) in bezug auf das Lebensalter der an Krebs 
Verstorbenen einige Unterschiede, die darauf zurückzuführen sind, 



*) Brit. med. Journ. 21. April und 26. Aug. 1865 und 1. Dez. 1866. 
2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VI, 1908, S. 1. 

8 ) Krebsstatistik nach den Befunden des pathol. Instituts zu München, 1854 
bis 1903, I.-D. München 1904. (9,6% Carcinome unter allen Sektionen.) 

4 ) Berliner klin. Wochenschr. 1902, Nr. 31. (9,13% Carcinome unter allen 
Sektionen.) 

5 ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris, Okt. 1910, S. 94. 



Beziehungen der Altersstufen zur Krebssterblichkeit. 



87 



sowohl die Pubertät als auch das Senium bei 
den, nördlichen Völkern später eintritt als bei den Be- 
wohnern des Südens; dadurch liegt das mittlere Lebensalter bei 
den nördlichen Völkern etwas höher als bei den südlichen 
Stämmen ! 

Unter 100 an Krebs Verstorbenen hatten das Alter 
von 60 Jahren überschritten in: 



Holland 
Dänemark 
Schweden 
Deutschland 
Vereinigte Staaten 
von Nordamerika 



= 60,5% 
= 59,0 % 
= 57,0 °/ 

= 52,5°/ 



Frankreich 

Oesterreich 

Japan 

Ungarn 

Portugal 



= 50,0 % 

= 48,0 °/ 

- 47,0 °/ 

- 46,5 °/ 
= 37,0 o/ 



52,2 o/ 

in Griechenland hatten das Alter von 50 Jahren überschritten 
= 43°' . 

Wie wir schon vorhin erwähnt haben, hat man in neuerer Zeit 
die statistischen Untersuchungen auch auf das Problem ausgedehnt, 
ob in den letzten Jahrzehnten eine Verschiebung der Alters- 
grenzen bei der Krebserkrankung zu beobachten wäre. 

A. Katz 1 ) ist der Ansicht, daß die Altersgrenzen immer mehr 
nach unten hin sich verschoben hätten. 

Auch Wutzdorff 2 ) behauptet, daß in Preußen während der 
Zeit von 1876 — 1898 die Altersgrenze sich in ungünstiger Weise 
nach den unteren Altersstufen verschoben hätte, und 
zwar um etwa 10 Jahre! 

Ein Vergleich in bezug auf das Alter der in Preußen im 
Jahre 1876 und 1898 an Krebs Verstorbenen ergab folgende Re- 
sultate : 





Von je 10000 Lebenden starben an Krebs 


Altersklasse 


1876 


1898 




Männer 


Frauen 


Männer 


Frauen 


bis 1 Jahr 


0,25 


0,12 


0,46 0,43 


1—2 Jahre 


0,22 


0,11 


0,18 0,23 


2-3 „ 


0,14 


0,09 


0,30 0,28 


3-5 „ 


0,13 


0,07 


0,27 0,27 


5-10 „ 


0,05 


0,07 


0,14 0,09 


10-15 ;; 


0.03 


0,07 


0,11 0,13 


15—20 „ 


0,11 


0,09 


0,26 0,19 


20-25 „ 


0,12 0,17 


0,33 0,45 


20—20 „ 


0,35 0,44 


0,57 0,86 


30-40 „ 


1,10 1,81 


1,84 3,02 


40-50 „ 


3,10 5.76 


7,89 11,05 


50-60 „ 


8,31 10,12 


20,70 21,37 


60-70 _ 


13,96 13,29 


39,46 ; 32,52 


70—80 „ 


13,31 13,20 


36,52 1 34,24 


über 80 „ 


7.80 8,76 


26,30 26,87 


überhaupt 


2,13 2,73 


5,36 6,08 




2, 


13 


5,73 



1 ) Deutsche med. Wochenschr. 1899, S. 

2 ) 1. c. S. 80. 



177. 



88 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Wir ersehen aus dieser Tabelle, daß in diesen 22 Jahren schon 
in den Altersstufen von 20—30 und 40—60 Jahren die Sterblichkeit 
an Krebs zuungunsten der jüngeren Altersstufen sich ver- 
schoben hat, abgesehen von der um mehr als um das Doppelte fest- 
gestellten Steigerung der Krebssterblichkeit überhaupt, ein 
Problem, das uns noch späterhin beschäftigen wird. 

Wir ersehen ferner aus dieser Tabelle, daß die Krebssterblichkeit 
der Frau, besonders in den höheren Altersstufen, nicht in dem 
Grade sich steigert wie bei dem Manne, und daß die Sterb- 
lichkeitskurve der Frau, die besonders in den Altersstufen von 
40—50 Jahren um ein Bedeutendes die des Mannes übertrifft, später- 
hin sich allmählich der des Mannes nähert und in den hohen Alters- 
stufen mit der Sterblichkeitskurve des Mannes fast parallel verläuft. 

Andererseits ersehen wir auch aus dieser Tabelle, daß das 
Maximum beim Manne sich in dieser Zeit gleich geblieben ist, 
es betrifft das Alter von 60 — 7 Jahren, während das der Frau im 
Jahre 1876 in den Altersstufen von 60 — 70 Jahren lag, im Jahre 
1898 aber erst in dem Alter von 70 — 80 Jahren eintrat. 

Die Krebssterblichkeit hat sich also hauptsächlich zuungunsten 
des Mannes in den letzten Jahrzehnten mehr nach den jüngeren 
Altersstufen hin verschoben. 

Wir haben auf diese Erscheinung schon vorhin hingewiesen bei 
Besprechung der Berliner Statistik (cfr. S. 79 ff.). 

Auch F. Reiche 1 ) hat diese Beobachtung auf Grund der sta- 
tistischen Untersuchungen über die Krebssterblichkeit in Hamburg 
für die Zeit von 1872 — 1898 bestätigen können. 

Das Maximum betraf durchschnittlich das Alter von 60 bis 
70 Jahren. Eine Verschiebung in diesen 27 Jahren hat aber insofern 
stattgefunden, als beim Manne die absolute und relative Zu- 
nahme schon zwischen dem 40. — 55. Lebensjahre eintrat, bei der 
Frau aber erst in einem späteren Lebensalter, nämlich zwischen dem 
45. und 55. Lebensjahre. 

Die Behauptung von Wutzdorff (cfr. S. 87), daß in der 
letzten Zeit immer mehr die jüngeren Altersstufen vom Krebs be- 
fallen würden, ist nun, nach de Bovis, 2 ) der die statistischen Er- 
gebnisse von Wutzdorff von einem anderen Gesichtspunkte aus 
beurteilt, eine irrtümliche; denn nach der Wutzdorff 'sehen Tabelle 
ist im Jahre 1876 die Krebssterblichkeit bei Männern im Alter von 
60 — 70 Jahren 127 mal größer gewesen, als bei den im Alter von 15 
bis 20 Jahren (cfr. Tabelle S. 87 = 0,11 : 13,96), im Jahre 1898 aber 
151 mal häufiger (0,26 : 39,46). 

Aus dieser Berechnung zieht de Bovis den Schluß, daß auch in 
der letzten Zeit hauptsächlich die höheren Altersstufen an Krebs 
erkranken. 

Auch K. Kolb 3 ) vertritt die Ansicht, daß die Disposition 
zur Krebserkrankung bis in das höchste Alter zunimmt, 
eine Tatsache, die auch aus den zuverlässigsten Statistiken anderer 
Länder gefolgert werden kann, wie z. B. aus der englischen 
Statistik für die Zeit von 1891—1897. 



*) Deutsche med. Wochenschr. 1900, Nr. 7 u. 8. 

2 ) 1. c. S. 13. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung-, Bd. 8, 1910, S. 284. 



Beziehungen der Altersstufen zur Krebssterblichkeit. 



89 



Von 1 Million Lebenden starben nämlich in England*) 
während dieser Zeit: 



Altersstufe 


Männer 


Frauen 


0—5 


Jahre 


32 


26 


5—10 




18 


12 


10-15 




18 


12 


15—20 




32 


25 


20—25 




49 


39 


25—35 




98 


180 


35—45 




386 


918 


45—55 




1283 


2 328 


55—65 




3 050 


4 045 


65-75 




4 977 


5 555 


75 und mehr Jahre 


5 432 


6135 



Wenn wir mit dieser Statistik, die auf 1 Million Lebende be- 
rechnet ist, die ä 1 1 e r e , nur auf Grund der Sterblichkeitsregister 
in England von Kia er aufgestellte (cfr. S. 85), in Vergleich ziehen, 
dann ersehen wir, daß in der Tabelle von Kiaer das Maximum 
der Krebssterblichkeit die Altersstufen von 55—65 Jahren betrifft, 
während die neueren Untersuchungen ein fortwährendes An- 
steigen der Sterblichkeit bis in das höchste Alter ergeben haben. 

Nur in bezug auf das allerhöchste Alter über 70 — 75 Jahren 
ist, nach Kolb, die Möglichkeit vorhanden, daß die Disposition zur 
Erkrankung, besonders bei den Männern, wieder ein wenig ab- 
nimmt. 

Einige Statistiken sprechen, nach Kolb, trotz der kleineren 
Zahlen dafür, wie z. B. die englische für 1897 — 1901, welche einen 
Abfall von 7052 in den Altersstufen von 65 — 75 Jahren auf 5225 auf- 
weist für die über 75 Jahre alten Personen. 

Auch die preußische Statistik zeigt einen kleinen Abfall von 
3656 auf 3454 bei den über 70 Jahre alten Personen. 

Diese Ausnahme vom fortlaufenden Ansteigen mit zu- 
nehmendem Alter ist, nach Kolb, von Bedeutung, weil auch diese 
Erscheinung den Beweis dafür liefert, daß die Krebserkrankung nicht 
einfach eine Wirkung des Alters sein kann;**) denn dann wäre 
doch zu erwarten, daß sie ausnahmslos, unausgesetzt mit dem 
Alter häufiger würde. 

Die in den einzelnen Statistiken angeführten, absoluten Zahlen 
der Altersverteilung des Krebses geben, nach Kolb, natürlich keinen 
Maßstab für die Disposition zur Erkrankung in den einzelnen Alters- 
stufen, da die Zahl der Individuen in den höheren Altern rasch 
abnimmt und die Disposition doch nur dadurch bestimmt werden 
kann, daß man die Zahl .der Erkrankungen in den einzelnen 
Altersklassen auf die gleiche Individuenzahl berechnet. 

Es beruht, nach Kolb, auf einem Mißverständnis, wenn man aus 
den absoluten Zahlen, oder gar, wie K. Buday 1 ) es getan hat, 



*) Cfr. Scientific reports on the investigations of the Imperial Cancer Research 
Fund 1905, P. I, p. 24. 

**) Cfr. auch: Bd. II, S. 53, 91, 150 usw. 
J ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VI, 1908, S. 22. 



90 I- Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit, 

aus dem Umstände, daß der Krebs zwischen 50—60 Jahren im 
höchsten Verhältnis zu sämtlichen Obduktionen steht, die Schluß- 
folgerung zieht, die Krebserkrankung wäre im vorgeschrittenen Alter 
nicht nur deshalb seltener, weil die Zahl der älteren Personen ge- 
ringer würde, sondern auch weil das vorgeschrittene Alter zum Krebs 
weniger disponiere. 

Der Ansicht von Kolb trat in jüngster Zeit auch J. D Ol- 
li ng er 2 ) bei. 

Die auf absoluten Zahlen beruhende Berechnung des Anteiles 
jeder Altersstufe an der Krebskrankheit führt auch, nach Do Hing er, 
zu irrtümlichen Schlußfolgerungen. Es muß die Zahl der Krebs- 
fälle einer jeden Altersstufe auf die Zahl der Lebenden 
einer jeden Altersstufe berechnet werden. 

Wenn man nach diesem Grundsatz verfährt, dann stellt es sich 
heraus, daß die Disposition zur Krebserkrankung mit dem höheren 
Alter immer mehr zunimmt. 

Auch Geirsvold 2 ) hatte schon die Beobachtung mitgeteilt, daß 
in Norwegen die Krebskrankheit keine Neigung zeige, die 
jüngeren Altersklassen heimzusuchen; denn von 10 000 Lebenden 
starben an Krebs im Alter von: 

30 — 40 Jahren ca. 2 Personen 



40— 50 


55 


» < 


50- 60 


55 


„ 17 


60— 70 


57 


,. 30 


70— 80 


55 


„ 32 


80— 90 


5? 


n 22 


90-100 


55 


,. 18 



Ebenso ergeben auch die statistischen Nachweise aus Ver- 
sicherungsgesellschaften, so weit man diesen Statistiken für 
das Krebsproblem eine Bedeutung beimessen will, die Tatsache, daß 
das Durchschnittsalter der Verstorbenen in der letzten Zeit ein 
höheres geworden ist. 

Wie P. Juliusburger 3 ) mitteilt, betrug das Durchschnitts- 
alter der an Krebs Verstorbenen bei der „Friedrich Wilhelm" 
zu Berlin 

im Jahre 1885 = 52 Jahre 

,, ,, 1889 = 53% „ 

,. 1890—1894 = 57 
., „ 1895-1899 = 57 V, „ 



Die Lokalisation der Krebserkrankung in den einzelnen Organen 
und die Häufigkeit einzelner Organerkrankungen in den verschiedenen 
Ländern haben wir schon ausführlich im zweiten Bande dieses Werkes 
behandelt. 

An dieser Stelle wollen wir nur noch einige allgemeine 
Gesichtspunkte und einzelne wertvolle, neuere, statistische Unter- 
suchungen über diese Frage anführen. 

Man hatte, besonders in früheren Jahrzehnten, vielfach die Frage 

x ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris, Okt. 1910, S. 483 u. 500. 

2 ) 1. c. S. 9. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. III, 1905, S. 106. 



Organerkrankungen in verschiedenen Ländern. 91 

erörtert, ob die Krebserkrankung mehr die Organe ^der rechten oder 
der linken Körperseite befalle. 

Wals he 1 ) z. B. war der Ansicht, daß die Organe der rechten 
Körperseite mehr zur Krebserkrankung disponiert wären, als die der linken. 

Delauny 2 ) hingegen behauptete, daß die linke Körperhälfte 
häufiger erkranke als die rechte; denn alle Krankheiten „dues ä un 
defaut d'activite". So erkranke z. B., nach Delauny, von den 
Därmen hauptsächlich das Colon descendens ; nach A v i o 1 a t 8 ) die linke 
Lunge häufiger als die rechte; nach Heurtaux 4 ) die linke Lippe 
öfter als die rechte. 

„Une maladie du corps gauche", sagt Heurtaux, „peut frapper 
le corps droit en engendrant un produit virulent, qui circule dans le sang". 

Auch wir haben diese Frage schon wiederholt im zweiten Band 
dieses Werkes erörtert, und wir verweisen hauptsächlich auf unsere 
Ausführungen über den Sitz des Mammacarcinoms*); aber, wie wir an 
der betreffenden Stelle schon hervorgehoben haben, ist das bisher 
vorliegende Material zur Entscheidung dieser Frage nicht aus- 
reichend, und wir müssen es dahingestellt sein lassen, ob die rechte 
oder die linke Körperhälfte häufiger zu erkranken pflegt. 

Wichtiger sind allerdings die Untersuchungen über die Häufig- 
keit der verschiedenen Organerkrankungen in den verschiedenen 
Ländern. 

Wir haben auch diese Ergebnisse bereits bei der Besprechung 
der Erkrankung der einzelnen Organe berücksichtigt, und wir wollen 
an dieser Stelle nur noch einige allgemeine, vergleichende 
statistische Angaben anführen. 

Daß in bezug auf die Häufigkeit der Erkrankung einzelner 
Organe in verschiedenen Ländern Unterschiede vorkommen, haben 
schon ältere Statistiker feststellen können. 

Während z. B., nach Kiaer, 5 ) in Norwegen unter 908 Carcinom- 
todesfällen in der Zeit von 1862 — 1866 

auf Krebs des Magens == 47,8 °/ 

„ „ der Leber = 3 „ 

„ „ „ weiblichen Genitalien = 21,4 „ 
„ „ „ Mamma = 9,5 „ 

entfielen, kamen, nach Marcd'Espine, 6 ) in Genf von 889 Krebs- 
todesfällen auf 

Krebs des Magens = 45 °/ 

„ der Leber (inkl. Pankreas und Peritoneum) = 12 „ 
„ „ weiblichen Genitalien = 15 „ 

„ „ Mamma = 8,5 „ 

Auch die neueren, statistischen Untersuchungen haben ergeben, 
daß die Krebserkrankung der einzelnen Organe nicht in allen Orten 
gleich häufig auftritt. 



x ) 1. c. S. 18. 

2 ) Biologie comparee du cöte droit et du cöte gauche. These de Paris 1874. 

8 ) Cancer primitif du poumon. These de Paris 1861. 

4 ) These de Paris 1860. 
*) Bd. II, S. 1134 ff. 

5 ) 1. c. S. 9. 
*) 1. c. S. 51. 



92 I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Eine vergleichende Uebersicht, die z. B. K. Buday 1 ) über 
die Sektionsergebnisse in Kolozsvär (5530 Obduktionen in der Zeit 
von 1870—1906) und über die von München, nach Rieck 2 ) (während 
der Zeit von 1854—1903), aufstellt, ergibt folgende Verhältnisse: 



Krebserkrankung der Organe 



Prozentsatz 
in Kolozsvär 



Prozentsatz 
in München 



Lippen, Zunge, Eachen, Oesophagus, 

Nase, Kehlkopf, Bronchien u. Lungen 28,84 12,31 

Magen 39,38 39,55 

Darm, Leber, Gallenblase, Pankreas 17,50 | 27,80 

Eine ausführlichere Zusammenstellung über die wichtigsten 
Lokalisationen der Krebserkrankung in den verschiedenen 
Ländern hat dann in neuester Zeit K. Kolb 3 ) veröffentlicht, und 
zwar getrennt nach Geschlechtern. 

Die wichtigsten Lokalisationen in den verschiedenen Ländern: 











? 


CO 


CD s—. 

'OK Ö 


sT 


Organe 


PQ 


CD 

o 




9 


2 

i— i 




CD 

o 
CO 


Männer : 








i 
| 








Lippe, Zunge, Mund, Speicheldrüsen 
Oesophagus 


1,9 
4,7 


2,3 

12,8 


9,8 
6,3 


6.8 ; 

2.9 1 


13,0*) 


9,5 

? 


9,3 
4,6 


Zusammen 


6,6 


15,1 


16,1 


9,7 | 


— 


13,9 


Magen, Leber, Pankreas 

Darm 

Eektum 

Andere Verdauungsorgane 


65,4 
5,7 
5,7 
0,4 


65,5 
3,6 
2,6 
2,4 


36,7 
7,3 

10,2 
0,2 


65,5 
6,7 

2,2 i 


71,5 


57,6 

? 

5,5 


61,5 
} 9,4 


Zusammen 


77,2 


74,1 


54,4 


74,4 




— 


Peritoneum, Abdomen, Mesenterium 


2,1 


1,4 


2,5 


0,2 




9,2 


— 


Frauen : 
















Lippe, Zunge, Mund, Speicheldrüsen 
Oesophagus 


0,7 
1,3 


0,4 

2,7 


1,2 
1,5 


0,7 
0,4 


3,9 


17 

? 


2,2 
2,1 


Zusammen 


2,0 


3,1 


2.7 


1,1 


— 


4,3 


Magen, Leber, Pankreas 

Darm 

Eektum 

Andere Verdauungsorgane 


48,8 
4,9 
2,9 
0,9 


50,1 
3,9 
2,1 
0,1 


28,7 
6,8 
5,9 
0,2 


45,4 
6,4 
1,5 
0,1 


49,5 


37,1 
3,5 


34,2 

} 7,8 


Zusammen 


57,5 


56,2 


41,6 


53,4 


— 


— 


Peritoneum. Mesenterium, Abdomen 


5,1 


3,1 


3,6 


0,5 | 




7,7 


— 


Weibliche Geschlechtsorgane (Ute- 
rus, Ovarien, Vagina) 
Mamma 


19,5 
8,1 


22,7 
10,0 


24,9 
16,6 


33,1 
6,6 


29,4 
10,8 


29,3 
15,8 


21,4 

23,9 


Zusammen 


27,6 


32,7 


41,5 


39,7 


40,2 


45,1 


45.3 



a ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VI, 1907, S. 1. 
2 ) 1. c. S. 86. 

:J ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 266. 
Anm. 4—10 siehe nächste Seite. 



Organerkrankungen in verschiedenen Ländern. 93 

Das dieser Tabelle zugrunde liegende Material ist allerdings, 
nach Kolb, nicht für alle Länder als gleichwertig anzusehen. 

In England und in der Schweiz ist die Mortalitätsstatistik 
weit zuverlässiger als in anderen Staaten, da in diesen beiden Staaten 
schon seit langer Zeit die Leichenschau obligatorisch ist. 

Die italienische Statistik hat, abgesehen von der zu geringen 
Zahl der einzeln angeführten Organe und Organgruppen, welche nur 
eine sehr beschränkte Vergleichung zuläßt, trotz aller formellen Sorgfalt, 
ebenso wie auch die ungarische, trotz der trefflichen Bearbeitung 
von Dollinger, zu wenig unbezweifelbare Urzahlen, um der 
englischen und schweizerischen Statistik gleichgestellt werden 
zu können. 

Auch die von Mc. Connell veröffentlichte Krebsstatistik aus 
den Vereinigten Staaten für das Jahr 1900 hat eine für Ver- 
gleiche wenig geeignete Einteilung der Lokalisationen. 

Als Ergänzung zu der auf Grund von Mortalitäts- oder Sammel- 
statistiken aufgestellten Lokalisationstabelle in den verschiedenen 
Ländern gibt Kolb nun auch eine Uebersicht über die aus den ver- 
schiedenen, pathologischenlnstituten berichteten Lokalisationen 
der Krebskrankheit (siehe nächste Seite). 

Wenn wir nun die auf S. 92 angeführte Ländeftabelle 
einer näheren Prüfung unterziehen, dann findet man, wie Kolb hervor- 
hebt, daß Bayern ganz übereinstimmende Zahlen aufweist 
mit der Schweiz und Ungarn bezüglich der zusammengefaßten 
Erkrankungen von Magen, Leber und Pankreas, wie auch der sämt- 
lichen im Unterleibe gelegenen Verdauungsorgane, mit Ausnahme 
des Darmes. 

In bezug auf die Krebserkrankung des Darmes und Rektums 
hält Bayern die Mitte zwischen dem stark befallenen England 
und der wenig heimgesuchten Schweiz. 

Dagegen steht Bayern auffallend zurück in bezug auf die 
Erkrankungen der oberen Verdauungswege von den Lippen 
bis zum Oesophagus, nicht nur hinter Ungarn, sondern vor allem 
auch hinter der Schweiz und England. 

In Ungarn und England sind besonders die oberen Teile 
befallen, in der Schweiz die Speiseröhre. 

Inwieweit der Alkoholgenuß für die verschiedene Häufigkeit 
des Krebses des Verdauungskanals in den einzelnen Ländern ver- 
antwortlich gemacht werden kann, haben wir bereits früher er- 
örtert. : j 



4 ) Cfr. auch Kolb: Zeitschr. f. Hygiene, Bd. 40, 1902. 

•"') Cfr.: Nencki (Zeitschr. f. Schweizer. Statistik, Jahrg. 36); Kühl (Ibidem, 
Jahrg. 42, 1906) und: Schweizer. Statistik, Lief. 137 (für die Zeit von 1891—1900). 

(i ) Cfr. Annual Kep. of the Registrar General 1905 (von Kolb für die Zeit von 
1901—1905 berechnet). 

7 ) Cfr. Dollinger: Statistik der Krebskranken in Ungarn, 1908, S. 24. 

*) Von Kolb berechnet für das Jahr 1904. 

°) Cfr. Mc. Connell: Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, S. 238, für das 
Jahr 1900. 

10 ) Cfr. Sammelstatistik von 1906 (Beteiligung von 97,3% aller Aerzte mit 
1872 Fällen — Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 3). 

*) Inkl. Larynx und Schilddrüse. 

**) Cfr. besonders: Bd. II, S. 595 ff. 



94 



I. Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Wie Feilchenfeld 1 ) betont, muß man aber weniger das Bier 
beschuldigen als die stärkeren Alcoholica, besonders den 
Schnaps;*) denn nach den Angaben von J. Boas, 2 ) befanden sich 
unter den von ihm behandelten .Kranken mit Oesophaguskrebs fast 
40% Schnaps trinker! 

Uebersicht über die Lokalisationsbefunde auf Grund von Sektionsergebnissen: 
(nach Kolb, cfr. S. 93). 





Mün- 
chen 






Pathologisch 


e Institute 




Organe 


Berlin 




Klau- 
sen- 
burg 


M 

o 

9 




2 
'S 

o 


ö 

1 

o 


>s 


es 
O 

3 


Redlich 4 ) 

Feilchen- 
feld ') 


1 ^~V 

o PI 

Sa 


5? 

pq 








Mannt 


;r 






Frauen 




Lippe, Mund, Zunge, 

Rachen 
Oesophagus 


5,1 
6,5 


4,9 
17,3 


3.6 
21,3 


1.8 
20,0 


13,4 
6,7 


0,8 
0,7 


1,0 
2,8 


1,6 


1,4 


1,4 


Zusammen 


11,« 


22,2 24,9 


21,8 


20,1 


1,5 


3,8 


1,6 


1,4 


1,4 


Magen, Leber, Pan- 
kreas 

Darm 

Rektum 

Andere Verdauungs- 
organe 


47,3 
8,1 
9,4 

1,6 


43,5 
4,5 

6j 

3,5 


44,7 
5,5 
5,1 

1,2 


50,0 
4,3 

5,1 

3,9 


42,0 

6,7 
6,7 

0,8 


28,7 
3,4 
5,3 

1,2 


31,4 
7,0 
5,6 

10,8 


28,4 
5,0 
5,5 

9.1 


37,0 
4,5 
2,3 

9,5 


22,5 

2,0 
1,0 

3,9 


Zusammen 


66,4 


58,2 56,5 


63,3 


56,2 


38,6 


54,8 


48,0 | 53,3 


29,4 


Peritoneum, Mesen- 
terium 


0,9 


- 




1,7 


1,9 




_ 




Uterus 
Ovarium 
Vagina, Vulva 


- ~ 




32,7 
4,3 
2,4 


17,4 
5,6 

1,4 


20,5 

4,7 
4,4 


24,6 
4,0 

1,4 


34,3 
22,5 

2,9 


Zusammen 


— 


— — 






39,4 


24,4 


29,6 


30,0 


59,7 


Mamma 


— 


— 




— 


— 


11,6 


12,2 


12,6 


8,3 


7,0 



In bezug auf die Erkrankung der weiblichen Geschlechts- 
organe steht Bayern ebenfalls hinter den anderen Ländern zurück. 

Auffallend ist der geringe Prozentsatz der Krebserkrankung 
der Mamma in Ungarn und die hohe Sterblichkeit an Brustkrebs 
in Schweden. 



*) Beiträge zur Statistik des Carcinoms. I.-D. Leizig 1901. (Bericht über 500 
Obduktionen von Carcinomen am Urbankrankenhaus in Berlin in der Zeit von 
1895—1900.) 

*) Cfr. auch Bd. II, S. 624. 

2 j Hygienische Rundschau 1905, Nr. 18. 

3 ) 1. c. 8. 86. 

4 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. V, 1907, S. 261. (Bericht über 496 Ob- 
duktionen von Carcinomen in der Zeit von 1900 — 1905 am Urbankrankenhaus in 
Berlin.) 

:> ) Berliner klin. Wochenschr. 1902, Nr. 31. (711 Carcinomfälle am Krankenhaus 
Friedrichshain zu Berlin in der Zeit von 1895 — 1901.) 

ö ) Zeitscbr. f. Krebsforschung, Bd. VI, 1908, S. 5. (366 Carcinomfälle in der 
Zeit von 1870—1905.) 



Organerkrankungen in verschiedenen Ländern. 



95 



Merkwürdig ist auch, nach den neuesten Untersuchungen von 
Munch Spegaard, 1 ) die hohe Krebssterblichkeit an Magen- 
krebs in N o r w e g e n und die sehr geringe Sterblichkeit an U t e r u s - 
krebs, besonders in einzelnen Distrikten Norwegens, wie z. B. 
im südlichen Bergenhus- Amt, wo bei einer Bevölkerung von 
130000 Seelen in der Zeit von 1896—1907 nur 24 Todesfälle an 
Uteruskrebs vorkamen, d. h. nur 2,2 °/ aller Krebstodesfälle. 

Aus der folgenden Tabelle sind diese Verhältnisse ersichtlich. 
Zum Vergleich haben wir auch die ältere, schon S. 91 angeführte 
Tabelle von Kiaer beigefügt: 



1896—1901 nach Geiersvold^ 



Organ 



1862—1866 
nach Kiaer 



Auf 100 Krebstodesfälle über- 
haupt 



Männer i Weiber i 



zusammen 



:n 
Leber 
Mamma 
Genitalien 
Andere Organe 



66,9 
7,6 
0.1 
1,0 

24,4 



52,9 
6,0 

11,6 
22,1 



60,0 
6,8 
3,8 
6,3 

23,1 



47,8 
3,0 
9,5 

21,4 

18,3 



Nach dieser Tabelle ist die Krebssterblichkeit an Magenkrebs 
in Norwegen höher, als in allen übrigen Ländern Europas. 

Die niedrigste Zahl für Magenkrebs fand S0egaard im 
Stavanger-Amt mit 55,8 °/ , die höchste im Nordlandsamt, 
und zwar bei der Fischerbevölkerung dieses Amtes. 

Auf welche Ursachen dieser hohe Prozentsatz an Magenkrebs in 
Norwegen zurückzuführen ist, kann Soegaard nicht angeben; die 
geringe Sterblichkeit an Uteruskrebs glaubt er jedoch durch 
das relative Freibleiben der norwegischen Landbevölkerung von 
venerischen Erkrankungen erklären zu können. 



Die zum Vergleich angeführten Ergebnisse aus den patho- 
logischen Instituten unterscheiden sich, nach Kolb, von der 
Länderstatistik hauptsächlich durch den großen Abstand in 
bezug auf die Erkrankung der Atmungsorgane.*) 

Wir haben schon früher auf die Ungleichheit des Vorkommens 
dieser Carcinome in den verschiedenen Ländern hingewiesen**) und 
fügen an dieser Stelle noch die neuesten Untersuchungen von Kolb 
hinzu, nach dessen Berechnung in Bayern Krebserkrankungen der 
Lungen, Pleura und des Mediastinums bei den Männern = 0,8°/o> 
bei den Frauen = 0,7 °/ aller Krebserkrankungen ausmachen, 
während die Angaben aus den pathologischen Instituten be- 



l ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. XIII, 1913, S. 87. 
«) 1. c. S. 9. * 

*) In der Tabelle auf S. 92 nicht angeführt. 
**) Cfr. Bd. II, S. 830 ff. 



96 I« Allgemeine statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

deutend höhere Prozentzahlen enthalten, nach R i e c k ] ) für M ü n c h e n 
= 2.4" bei Männern und 1.3% bei Frauen, und nach den Mitteilungen 
aus den Berliner Instituten = 5,9—9.2% bei Männern und 0,8 bis 
2,3% bei den Frauen. 

Nach Kolb darf man diesen Unterschied zwischen seinen Be- 
rechnungen und den Sektionsergebnissen aus den pathologischen 
Instituten nicht allein der besseren Diagnose am Sektionstisch zu- 
schreiben, sondern es bestehe tatsächlich ein wirklicher Unter- 
schied in bezug auf die Häufigkeit des Lungenkrebses 
zwischen Bayern und Berlin. 

Die pathologischen Institute von München und Berlin zeigen 
selbst große Differenzen, und auch das geringere Prozentverhältnis 
dieser Krebsformen in Bayern und in der Schweiz einerseits, in 
England andererseits, scheint, nach Kolb, auf häufigeres Vor- 
kommen des Lungenkrebses im Norden hinzuweisen. 

In der Schweiz entfallen auf Krebs des Respirations- 
systems 0.5 % bei Männern und 0,4 % bei Frauen, also noch weniger 
als in Bayern, in England hingegen 2,2 % bzw. 1,1 %. 

Nun weist aber K. Buday, 2 j nach dessen Berechnung in Ungarn 
Krebs des Respirationssystems häufiger vorkommt, als in 
anderen Ländern (cfr. auch S. 86j, darauf hin, daß die Angaben aus 
den pathologischen Instituten nicht ohne weiteres für sta- 
tistische Schlußfolgerungen verwertet werden können. 

In der sonst sehr sorgfältig aufgestellten Statistik für die Stadt 
Breslau von Ferdinand Frief 8 ) finden sich z. B. für die Zeit 
von 1876 — 1900 unter 5624 Krebstodesfällen nur 26 Fälle von 
Lungenkrebs, aber 757 Todesfälle an Leberkrebs, während 
nach den pathologisch-anatomischen Statistiken der Lungenkrebs 
im allgemeinen dem Leberkrebs in bezug auf Häufigkeit kaum nach- 
steht. *) 

Buday fand z. B. innerhalb 35 Jahren (1870 — 1905) in den 
Sektionsprotokollen des pathologischen Institus zu Kolozsvär neben 
8 primären Leberkrebsen 10 Lungenkrebse verzeichnet, Rieck 1 ) in 
München im Laufe von 10 Jahren 20 Lungen- und 41 Leberkrebse. 
Riechelmann 4 ) innerhalb 6 Jahren am Krankenhaus Friedrichs- 
hain zu Berlin neben 3 Leberkrebsen 27 Krebse des Respirations- 
systems. Aus diesen Mitteilungen ist, nach Buday, ersichtlich, daß 
die große Zahl der Leberkrebse in der Breslauer Statistik dadurch 
entstanden ist, daß auch die sekundären Fälle hinzugerechnet 
wurden, während die primären Lungenkrebse in Ermanglung einer 
Obduktion vermutlich meist nicht erkannt wurden. 

Wir werden noch späterhin Gelegenheit haben, das Urmaterial 
der einzelnen, statistischen Angaben einer genaueren Prüfung zu 
unterziehen. 



x ) 1. c. S. 86. 

2 j Zeitschrift für Krebsforschung, Bd. VI, 1908, 8. 2. 

3 ) Die in den Jahren 1876—1900 in Breslau vorgekommenen Todesfälle an 
Krebs. I.-D. Breslau 1904 i'cfr. auch: Klinisches Jahrb., Bd. XH, 1904. 8. 133—200). 

*) Es handelt sich natürlich um Primärcarcinome. 

4 ) 1. c. 8. 86. 



IL 



Spezielle statistische Untersuchungen 
über die Krebskrankheit. 



Wulff. Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 



Allgemeine Betrachtungen über die bei der Krebs- 
krankheit angewandten statistischen Methoden. 

Aufgaben der statistischen Untersuchungen. Fehlerquellen der Methoden. 
Ursprung des statistischen Materials. 

Sammelforschung: Geschichte derselben. Neuere Rundfragen. Art 
derselben. Ergebnisse. Aerztebeteiligung. Lücken und Fehler derartiger 
Methoden. Einheitliche Grundsätze. 

Sterblichkeitsstatistik: Mangelhafte Diagnose auf den Toten- 
scheinen. Einfluß der gesetzlichen Leichenschau auf die Zunahme des Krebses. 
Art der Verarbeitung des statistischen Materials. Einheitliches Schema. 

Sonstige Quellen: Familienregister, Krankenhäuser, Krankenkassen, 
Sektionsstatistiken, Lebensversicherungsgesellschaften und Gefängnisse. 

Kritische Bemerkungen über die bisher angewandten Methoden. 

Bei den statistischen Untersuchungen über die Krebskrank- 
heit handelt es sich hauptsächlich darum, festzustellen, ob in bezug 
auf das Auftreten dieser Erkrankung in einzelnen Staaten und 
Städten Unterschiede zu bemerken sind, ferner, ob in den 
einzelnen Ländern eine gleich- oder ungleichmäßige Ver- 
breitung stattfindet und schließlich, ob die Krankheit im Laufe 
der letzten Jahrzehnte eine Zunahme erfahren hat. 

Diese Fragen haben in der letzten Zeit die Statistiker aller 
Länder beschäftigt, und man hat eine ganz gewaltige Arbeit zur 
Lösung dieser Probleme geleistet. 

Wir haben aber schon im vorigen Abschnitt darauf hingewiesen, 
welche Schwierigkeiten eine einigermaßen einwandfreie Statistik zu 
überwinden hat, z. B. bei Ermittlung des Berufs der an Krebs Ver- 
storbenen oder der prozentualen Beteiligung des Geschlechtes 
an der Krebssterblichkeit (vgl. S. 81 ff.). 

Wir haben ferner auch schon hervorgehoben, welche Fehler 
vielen statistischen Mitteilungen anhaften, und zu welchen trügerischen 
Schlußfolgerungen derartige, fehlerhafte Statistiken tühren können. 

Man darf z. B., nach Karl Kolb, 1 ) die Berechnung nicht aus 
dem Verhältnis der Krebstodesfälle zu sämtlichen Todesfällen aufstellen, 
sondern, nach dem Vorgange der englischen Statistiker, aus dem 
Verhältnis der Krebstodesfälle zu den überhaupt 
Lebenden (vgl. auch S. 52). 



l ) Zeitschr. f. Hygiene, Bd. 40, S. 373. 

7* 



100 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Aber auch dies genügt, nach E. Hirschberg, 1 ) nicht zu einer 
einwandfreien Statistik; man darf die Zahl der Krebstodesfälle nicht 
mit der ganzen Bevölkerung, sondern nur mit der der Er- 
wachsenen vergleichen. 

Noch viel weiter geht in der jüngsten Zeit Felix A. Theil- 
haber 2 ) in bezug auf die Ansprüche, die man an eine fehlerfreie 
Statistik stellen muß. 

Theilhaber erwähnt z. B. die Zusammenstellung der Krebs- 
sterblichkeit in einzelnen Ländern und Städten seitens des Kaiser- 
lichen Gesundheitsamts im Statistischen Jahrbuch für das 
Deutsche Keich 1911.*) 

Diese Ziffern haben, nach Theilhaber, in dieser Form leider 
einen nur sehr geringen Wert. Nicht nur, weil die Totenschau, 
wie wir noch späterhin sehen werden, in einzelnen Ländern nicht 
gesetzlich geregelt ist, oder in Ländern, wo diese obligatorisch ist, 
nicht in zuverlässiger Weise gehandhabt wird, sondern weil selbst bei 
angenommener idealer Erfassung der Krankheitsursache die wahllose 
Beziehung auf 100000 Lebende oder auch Gestorbene ganz falsche 
Ziffern ergibt. 

Der verschiedenartige Altersaufbau der Sterblichkeit, z. B. 
zwischen kinderreichen (Deutschland) und kinderarmen 
(Frankreich) Ländern läßt natürlich eine verschiedenartige 
Mortalität entstehen. 

„Es muß daher", sagt Theilhaber, „die strikteste Forderung 
aufgestellt werden, daß die Krebstodesfälle nur in Be- 
ziehung zu der Ziffer der über 30 Jahre alten Personen 
gesetzt werden." 

Die statistischen Aemter müssen sich mit der Zeit, nach Theil- 
haber, daran gewöhnen, die jetzige Methode zu verlassen, da die 
heutige statistische Erfassung der Krebsfälle nur irreführend 
wirken kann. 

Diese Forderung Theilhaber's in bezug auf die Altersstufe 
der zum Vergleich dienenden Bevölkerung mag wohl etwas zu weit 
gehen, da, wie wir bei Besprechung der Erkrankung der einzelnen 
Organe hervorgehoben haben, auch ein nicht geringer Prozentsatz 
von Kindern und Personen bis zum 30. Lebensjahre an 
bösartigen Neubildungen (Sarkomen \) jährlich zugrunde geht. Immer- 
hin müssen auch der Altersaufbau und die Altersklasse, wie wir 
schon im vorigen Abschnitt hervorgehoben haben (cfr. S. 14, 59 usw.), 
bei einer fehlerfreien Statistik genügend berücksichtigt werden. 

Jede Krebsstatistik ohne Berücksichtigung der 
Altersklasse führt, nach Kolb, 3 ) zu Täuschungen und 
ist unter Umständen wertlos. 

Zur Erfassung der Krebserkrankung bzw. der Krebstodesfälle hat 
man nun im Laufe der Zeit sich der mannigfachsten Methoden 
bedient, 

Eine der ältesten Methoden zur Ergründung der Ursachen, 



1 ) Statistisches Jahrbuch der Stadt Berlin (1900—1902). Berlin 1903. 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. XU, 1912, S. 367. 

*) Wir kommen noch späterhin auf diese Tabelle zurück. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, S. 456. 



Statistische Methoden. 101 

des Vorkommens und der Verbreitung der Krebskrankheit in einem 
Lande bildet die 

Samnielforschung, 

welche in England, wie wir schon an einer früheren Stelle*) 
ausführlicher geschildert haben, bereits im Jahre 18 02 veranstaltet 
worden ist. 

Es hatte sich zu dieser Zeit eine Gesellschaft, eine Art Komitee 
gebildet, dem hervorragende Männer, wie Baillie, Sims, Willan, 
Hope, Skarpe, Pearson, Abernethy, Dennan u. a. ange- 
hörten. 

Diese Gesellschaft, welche sich „Society for investigating 
the Natur e and Cure of Cancer " nannte, beschritt den Weg, den 
auch unsere heutigen Komitees benutzen. Man schickte an alle her- 
vorragenden Aerzte Englands einen für die damalige Zeit außer- 
ordentlich rationell aufgestellten Fragebogen, wie er praktischer 
und ausführlicher wohl auch heute kaum abgefaßt werden könnte, in 
welchem 13 Fragen zur Beantwortung vorgelegt wurden,**) u. a. auch 
über den Einfluß des Klimas und der Umgebung auf die Ausbreitung 
des Krebses, und ob auch Tiere an Krebs erkranken.***) 

Einen Erfolg hatte dieses Komitee leider nicht zu verzeichnen, 
und es löste sich 4 Jahre später, im Jahre 1806, wieder auf. 

Trotzdem ließ man sich durch diesen Mißerfolg nicht ent- 
mutigen und suchte späterhin auf einem anderen Wege die Zahl der 
Krebskranken zu ermitteln, nämlich durch Zählung aller Kranken 
an einem bestimmten Tage. 

Eine derartige Aufnahme aller kranken Personen fand z. B. in 
der Nacht vom 30. März 1851 in Irland statt.f) 

Es wurden auf diese Weise im ganze Lande 51053 kranke Männer, 
darunter 161 Krebskranke, und 53442 kranke Frauen, darunter 
206 Krebs fälle ermittelt, d. h. auf je 1000 kranke Männer ent- 
fielen 3,5 krebskranke Männer, und auf je 1000 kranke Frauen 
4 krebskranke Frauen. 

Auch in anderen Ländern suchte man auf dem Wege der S a m m e 1 - 
for schung Aufschluß über die Verbreitung der Krebskrankheit zu 
erlangen. 

In Norwegen wurde z. B. im Jahre 1884 eine Sammelforschung 
seitens der „Norwegischen Medizinischen Gesellschaft zu 
Kristiania" veranstaltet,!!) allein die Teilnahme unter den Aerzten 
war eine so geringe, daß die Ergebnisse wertlos sind. 

Etwas später wurde auch von der „Brit. med. Association" f f f) 
eine derartige Sammelforschung angeregt, die sich aber nicht allein 
auf die Krebskrankheit beschränkte, sondern auch auf andere Er- 
krankungen, wie z. B. auf Chorea, Rheumatismus usw. erstreckte. 



*) Cfr. Bd. I, S. 81 ff. 

**) Veröffentlicht im Edinburger med. and surg. Journ. 1806, Vol. IT, p. 382. 
***) Ueber die genauere Abfassung dieses Fragebogens findet man näheres in 
Bd. I, S. 82. 

f) Cfr. Boudin: Traite de geographie et de statistique med. Paris 1857. 
ff) Report by collective investigation committee of the Norwegian medical asso- 
ciation. Kristiania 1887. 

tff) Brit. med. Journ , Jan. 1889, p. 113 (bearbeitet von J. Owen — mit mehreren 
großen Karten und Plänen). 



102 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Auch aus dieser Sammelforschung konnten irgendwelche greif- 
baren Resultate nicht erzielt werden. 

Wir haben dann auch schon verschiedene Rundfragen in 
kleine renBezirken erwähnt, die hauptsächlich auf Beobachtungen 
über Ansteck ungsfähigkeit, Heredität und endemisches 
Vorkommen sich erstreckten, wie z. B. die Umfragevon Gueillot, 1 ) 
Brunon, 2 ) Bernhard Schuchardt 8 ) u. a. 

Erst in neuester Zeit wurde wiederum der Weg der Sammel- 
forschung in verschiedenen Ländern zur Klärung vieler Fragen auf 
dem Gebiete der Krebslehre beschritten, aber viel planmäßiger und 
ausgedehnter. 

Eine Reihe von Gesellschaften, die zu diesem Zwecke in den ver- 
schiedensten Ländern gegründet wurden, nahm diese Angelegenheit 
in ihr Arbeitsprogramm auf; aber die erzielten Erfolge entsprachen 
nicht den für diese Zwecke aufgewandten Arbeiten und Kosten. 

Die von der Zeitschrift „The Practitioner" im April 1899 ver- 
anstaltete Sammelforschung ist also nicht, wie J. Do Hinge r 4 ) an- 
nimmt, die erste ihrer Art, sondern hat bereits ihre Vor- 
gänger gehabt. 

Es folgte dann die große, vom deutschen Krebskomitee 
im Jahre 1900 in die Wege geleitete Sammelforschung mit Zählung 
aller Krebskranken an einem bestimmten Tage, dann un- 
mittelbar darauf die holländische Sammelforschung, im Jahre 
1902 die spanische, 1904 die ungarische, 1907 die Ergänzung 
zu der deutschen Krebsstatistik, 1908 die französische, 1909 
die griechische und finländische und 1910 die dänische 
Sammelforschung.*) 

Die deutsche und englische Statistik hatten zur Grundlage 
ausschließlich die Ergebnisse der Sammelforschung, bei den 
anderen Statistiken wurden zum größten Teil die Sterblichkeits- 
statistiken benutzt. 

Alle diese Bemühungen hatten jedoch nicht den gewünschten 
Erfolg, und auch die Sammelforschungen der Neuzeit teilten das 
Schicksal ihrer Vorgänger, und zwar scheiterten alle diese Forschungen 
an dem geringenlnteresse der Aerzte für derartige An- 
fragen. 

Diese Sammelforschungen können deshalb nicht für die Frage 
der Verbreitung der Krebskrankheit verwertet werden, wenn die 
Zahl der Beteiligung der Aerzte eine zugeringe ist, und nur in einigen 
Ländern, wo die Zahl der antwortenden Aerzte fast vollständig war, 
kann man aus dieser Methode einigermaßen wertvolle Schlüsse 
ziehen auf die Art der Ausbreitung des Krebses in dem betreffenden 
Lande. 

Die Beteiligung der Aerzte an den genannten Sammelforschungen 
war nun in den einzelnen Ländern eine recht verschiedene: 



1 ) Cfr. Bd. II, S. 59 (La question du cancer: Union med. du Nord-Est, 
15. Febr. 1891). 

2 ) Cfr. S. 7. 

3 ) Cfr. S. 8. 

4 ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris. Okt. 1910, S. 469. 

*) Wir kommen noch späterhin auf die Ergebnisse aller dieser Sammelforschungen 
ausführlicher zurück. 



Statistische Methoden. 103 

Es beteiligten sich in 

Spanien = 3°/ Aerzte Ungarn = 96°/ Aerzte 

Deutschland = 55°/ „ Schweden = 97°/ „ 

Holland = 60°/ „ Dänemark = 99°/ 

Portugal =75°/o 

Aber trotz des hohen Prozentsatzes der Aerztebeteiligung in ein- 
zelnen Ländern können die Ergebnisse nicht als einwandfrei 
bezeichnet werden. 

Zunächst ist die Diagnose nicht immer eine sichere gewesen; 
denn nur in den wenigsten Fällen wird über die histologische 
Untersuchung der gemeldeten Erkrankungen berichtet. 

Nur Dänemark macht in dieser Beziehung eine rühmliche Aus- 
nahme; denn 35 °/ der gemeldeten Fälle waren histologisch 
untersucht worden. 

Es kommt hinzu, daß auch viele Aerzte Fehlanzeigen ein- 
schickten, meistens wohl, um den Patienten gegenüber nicht das Gebot 
der Verschwiegenheit zu verletzen. 

Infolge dieser Fehlerquellen ergeben sich in den Resultaten 
der durch eine Sammelforschung erzielten Statistik erhebliche 
Unterschiede in den einzelnen Ländern, die zu Trugschlüssen 
verleiten können. Es kommt noch hinzu, daß alle diese Sammel- 
forschungen nicht nach einheitlichen Grundsätzen durchgeführt 
worden sind, und wollen wir hoffen, daß in Zukunft durch Herstellung 
eines einheitlichen, internationalen Fragebogens, nach 
den Vorschlägen von George Meyer, 1 ) Ledoux Lebard 2 ) u. a., 
alle diese Fehler ausgemerzt werden können, so daß auch aus den 
Sammelstatistiken ein einigermaßen brauchbares Material erzielt 
werden kann. 

Etwas zuverlässigere Zahlen liefern schon die amtlichen 
Sterblichkeitsstatistiken, 

die allerdings auch zahlreiche Fehlerquellen aufweisen. 

Zunächst handelt es sich bei dieser Methode ebenfalls um die 
Richtigkeit der Diagnose, falls keine Sektion gemacht worden ist, 
was doch nur in den seltensten Fällen zu geschehen pflegt. Die 
Leichenschau ist nur in wenigen Ländern, wie wir noch sehen 
werden, eine obligatorische, und welchen Einfluß eine solche auf die 
statistischen Nachweise über die Krebstodesfälle in einem Lande aus- 
übt, werden wir noch späterhin zu erörtern haben. Die Zahl der 
Krebstodesfälle steigt in auffallender Weise mit der Ein- 
führung der gesetzlichen Leichenschau. 

Vielfach sind auch die Angaben auf den Totenscheinen 
unzuverlässig, selbst wenn diese von A e r z t e n ausgestellt worden 
sind; denn wie oft der Krebs nicht erkannt worden ist, haben 
die Statistiken der Sektionsprotokolle ergeben.*) Der Krebs 
kommt also oft häufiger vor, als aus den amtlichen Nachweisen er- 
sichtlich ist. 



*) IT. Internationale Krebskonferenz, Paris, 1910, S. 521. 

2 ) Ibidem, S. 567. 

*) Cfr. auch Bd. II, S. 958. 



104 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In früheren Zeiten wurde sogar häufig die Diagnose „ Krebs " auf 
den Totenscheinen umschrieben, indem man als Todesursache Wasser- 
sucht, Verhärtung usw. angab, teils aus Unkenntnis der eigentlichen 
Todesursache, teils aus Schonung für die Angehörigen bei richtiger 
Erkennung der Krankheit, weil der Krebs vielfach als eine an- 
steckende Krankheit angesehen wurde*) 

Noch viel unzuverlässiger sind natürlich die Angaben der nicht- 
ärzt liehen Leichenbeschauer, zumal da die Kranken in vielen 
Gegenden überhaupt nicht ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, sondern 
oft von Laien und Kurpfuschern behandelt werden, die nicht 
imstande sind eine richtige Diagnose zu stellen. 

Es ist daher nicht weiter auffallend, daß in Ländern, wo diese 
Fehlerquellen der amtlichen Statistik möglichst vermieden werden, 
der Krebs häufiger diagnostiziert wird und die Zahl der Krebs- 
todes fälle ansteigt. 

Aber auch die Verarbeitung des durch die amtlichen Todes- 
nachweise gegebenen Materials kann noch außerdem zu irrtümlichen 
Schlußfolgerungen Veranlassung geben, wenn nicht bestimmte 
Grundsätze befolgt werden. 

So hat denn auch in neuerer Zeit die preußische Statistik **) 
bei der statistischen Bearbeitung der Krebstodesfälle ein einheit- 
liches Schema aufgestellt, unter Berücksichtigung des Alters der 
Einwohner und des Prozentsatzes zur Bevölkerung und zu den Ge- 
storbenen überhaupt. 

Außer diesen beiden Hauptquellen, auf denen die meisten 
statistischen Angaben beruhen, hat man aber auch andere Hilfs- 
quellen benutzt, um das Urmaterial Zugewinnen. W. Weinberg 
und Gastpar 1 ) bedienten sich z. B. der Familienregister, um die 
Angaben der offiziellen, statistischen Nachweise über Beruf, Alter usw. 
der an Krebs Verstorbenen zu kontrollieren bzw. zu ergänzen. 

Diese Familienregister sind nun eine spezifisch württem- 
bergische Einrichtung, datieren aus dem Jahre 1808 und wurden 
zuerst von den Pfarrern der betreifenden Gemeinde geführt, späterhin 
aber von besonderen Beamten.***) 

Derartige Hilfsquellen stehen aber nicht überall zur Verfügung. 

Man hat dann ferner das Material der Krankenhäuser zu 
statistischen Untersuchungen und Vergleichen herangezogen. Aber 
diese Statistiken geben zu noch größeren Irrtümern in bezug auf die 
Schlußfolgerungen Veranlassung, wie wir dies im einzelnen noch 
späterhin ausführlicher erörtern werden. 

Man wußte in früheren Zeiten nicht, was man mit den armen 
Krebskranken im vorgerückteren Stadium anfangen sollte und nahm 
sie nur ungern in die Krankenhäuser auf. Späterhin allerdings, als 
die Antisepsis mehr chirurgische Eingriffe zuließ und die thera- 
peutischen Erfolge bessere wurden, trat naturgemäß ein größerer 
Zufluß der hilfesuchenden Kranken in die Heilanstalten ein, wo- 



*) Cfr. auch: W. A. Freund (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. III, 1905. S. 1). 
**) Cfr.: Medizinalstatistische Nachrichten. Herausgegeben vom Königl. Preuß. 
statistischen Landesarat, II. Jahrg. 1910, H. III. 

l ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. II, 1904, S. 195. 
***) Ueber die Form dieser Familienregister findet man näheres an der be- 
zeichneten Stelle, S. 197. 



Statistische Methoden. 105 

durch die vergleichenden Statistiken gegen frühere Zeiten ganz 
erheblich beeinflußt wurden. 

Es kam in neuerer Zeit noch die Einwirkung der Kranken- 
kassengesetzgebung hinzu, durch welche mehr Männer als früher 
den Heilanstalten zugeführt wurden, wodurch wiederum die Todeskurve 
der Männer gegenüber der der Frau (cfr. S. 80) ganz erheblich 
stieg, da in den Krankenhäusern die Diagnose der versteckten 
Krebse bedeutend leichter und auch häufiger gestellt werden konnte, 
als außerhalb des Krankenhauses. Es kamen auf diese Weise auch 
mehr Krebse zur Kenntnis als vor Einführung der sozialen 
Gesetzgebung, wo ärztliche Behandlung viel seltener nachgesucht 
wurde, oder überhaupt nicht stattfand. 

Inwieweit die Statistiken der pathologischen Institute 
für die Frage der Verbreitung resp. Zunahme der Krebskrankheit 
verwertet werden können, haben wir bereits vorhin erwähnt, 
und wir werden auf diese Sektionsstatistiken noch späterhin zurück- 
kommen, ebenso auf das aus Lebensversicherungsgesell- 
schaften und Gefängnissen stammende Material, welches insofern 
sich von den übrigen Mortalitätsstatistiken unterscheidet, als es die 
Säuglings- und Kindersterblichkeit ausschließt und nur 
ältere, mehr für die Krebskrankheit disponierte Personen umfaßt. 

Wir haben also eine Zahl von Quellen angeführt, aus denen das 
statistische Material zur Beantwortung unserer vorhin gestellten 
Fragen herstammt. Keine Methode ist als einwandfrei zu bezeichnen. 
Schon Oesterlen 1 ) beklagte die Unzulänglichkeit aller 
statistischen Angaben, und nicht viel besser steht es auch um viele 
statistische Mitteilungen aus unserer Zeit, wie selbst der hervorragende 
Statistiker de Bovis 2 ) zugesteht, der nur einigen wenigen Statistiken, 
allerdings nur örtlicher Natur, einen gewissen Wert beimißt und 
nur die Statistiken von King und Newsholme (England), 
Laspeyres und Kolb (Deutschland), Kiaer und G e i r s v o 1 d 
(Norwegen) und Nencki (Schweiz) als ohne grobe Fehler 
bezeichnet.*) 

Nach de Bovis ist ein Vergleich mit anderen Ländern, 
deren Mortalitätsstatistik nach verschiedenen Grundsätzen (Leichen- 
schau!) berechnet ist, nicht angängig, wohl aber ist eine ver- 
gleichende Statistik in demselben Lande, wo bei Aufstellung der 
Sterbeziffer dieselben Grundsätze obwalten, brauchbar und unter Um- 
ständen wertvoll. 

Noch viel weiter geht in dieser Beziehung Prinzing 3 ), nach 
dessen Ansicht nicht nur die Zahlen verschiedener Länder sich gar 
nicht miteinander vergleichen lassen, sondern ebensowenig ist, nach 
dem Stande unserer heutigen Todesursachenstatistik, ein Vergleich 
einzelner Landesteile untereinander möglich. 

Prinzing erwähnt z. B. ein Kartogramm (Taf. VII) aus dem 
Schlußheft des 5. Bandes der Medizinalstatistischen Mit- 
teilungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts mit Angabe 



*) Handbuch der medizinischen Statistik 1865, S. 430. 

2 ) 1. c. S. 13. 

*) Wir kommen noch späterhin ausführlich auf diese Statistiken zurück. 

3 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, 8. 527. 



1Q6 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

der Häufigkeit der Todesfälle an Neubildungen während der Zeit von 
1892 — 1896 nach Kreisen. Bezirksämtern usw., das ganz bedeutende 
Unterschiede zeigt ; aber dieses Kartogramm stellt , nach P r i n z i n g , 
mehr die Verbreitung der Leichenschau als die Häufigkeit 
der Todesfälle an Neubildungen dar! 

Die Schwierigkeiten, welche der Beantwortung unserer gestellten 
Fragen entgegentreten, sind also sehr groß, und getreu unserem bisher 
in diesem Werke befolgten Grundsatze, wollen wir versuchen einen 
Ueberblick über die Entwicklung der die Krebskrankheit be- 
treffenden statistischen Untersuchungen in den einzelnen 
Staaten und Ortschaften nunmehr zu geben, unter Berück- 
sichtigung der angewandten Methoden und unter Hervorhebung ihrer 
Fehlerquellen. 

Zugleich wollen wir am Schlüsse, trotz der vorhin erwähnten 
Uebelstände, auch dievergleichendeStatistik zwischen einzelnen 
Staaten und Ortschaften berücksichtigen, in der Erwartung, daß aus 
derartigen Zusammenstellungen immerhin etwas Brauchbares für eine 
zukünftige Forschung gewonnen werden kann.*) 



*) Cfr. auch über die geographische Verbreitung des Krebses auf der Erde: 
R. Behla: Centr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 24, 1898, Nr. 21; Bd. 26, 1899, Nr. 20/21 
(mit 73 Literaturangaben), Zeitschr. f. Hygiene, Bd. 32, 1899, S. 123. Deutsche 
Medizinalzeitung 1900, S. 157 usw. 



Statistische Untersuchungen 

über die Verbreitung der Krebskrankheit 

bei germanischen Völkerstämmen. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit im 
Deutschen Reiche. 

Ergebnisse der Samnielforschung vom Jahre 1900. Lücken and 
Fehler dieser Methode. 

Amtliche Statistiken: Keine gesetzliche Leichenschau. Statistiken 
aus Heilanstalten. Stärkerer Zufluß von Patienten. Verhältnis der 
Vermehrung der Heilanstalten zu den Krebstodesfällen. 

Sterblichkeitsstatistik: Nomenklatur. Berechnung auf die Zahl 
der Gesamttodesfälle und der Lebenden. Z u n a h m e der Krebssterblichkeit. 
Statistik unter Berücksichtigung der Altersklassen. 

Statistische Untersuchungen über die Verbreitung der Krebs- 
krankheit im Deutschen Reich sind naturgemäß erst in der 
Neuzeit angestellt worden. 

Obwohl die amtlichen Mortalitätsstatistiken, wie wir sehen werden, 
auch über die Krebstodesfälle Auskunft geben, so glaubte man doch 
auf dem Wege der Sammelforschung zuverlässigeres Material zu 
erhalten. 

Zu diesem Zweck veranstaltete das im Jahre 1900 begründete 
deutsche Komitee für Krebsforschung eine Rundfrage an 
alle Aerzte Deutschlands behufs Zählung aller an einem be- 
stimmten Tage (15. Okt. 1900) in Behandlung befindlichen Krebs- 
kranken.*) Zugleich sollten die Zählkarten Aufschluß geben über 
die örtliche Verteilung der Krebskranken beiderlei Geschlechts, 
über das Alter, über den Unterschied in der Häufigkeit der Er- 



*) Cfr. I. Ergänzungsband zum Klinischen Jahrbuch. Jena 1902 (bearbeitet 
von E. Hirschberg). 



[Qg ii. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

krankung bei Verheirateten and Ledigen, ferner über Meta- 
stasen, Berufs Verhältnisse, Erblichkeit, Ansteckung 
und über etwaige ätiologische Ursachen. Von den 25376 an- 
gefragten Aerzten beteiligten sich L4060 6ö°/ an der Beantwortung 
(cfr. auch 8. L03). 

Es wurden an diesem Tage im ganzen L 1 246 KrebskrVnke 
im ganzen Deutschen Reiche festgestellt, davon entfielen 6321 auf 
Preußen und 4925 auf das übrige Reich. 

Die meisten Fälle, nämlich 11 11 Krebskranke, wurden in der 
Rheinprovinz gezählt, in Berlin allein 71 ( .) Krebskranke. 

Aul' iooooo Einwohner berechnet, winden nach dem Ergebnis 
dieser Samraelforschung 21,5 Krebskranke entfallen, wodurch 
Deutschland in bezug auf die Häufigkeit der Krebserkrankung, im 
Vergleich mit anderen europäischen Staaten,*) außer- 
ordentlich günstig gestellt wäre, vorausgesetzt, daß man aus 
diesen lückenhaften und nicht fehlerfreien, statistischen Nachweisen 
derartig weitgehende Schlußfolgerungen zu ziehen berechtigt ist; denn 
von einer genaueren Prüfung des Materials in bezug auf die IMa- 
gnose konnte keine Rede sein, ebensowenig wurden die Alters- 
klassen berücksichtigt, auch die verhältnismäßig geringe Be- 
teiligung der Aerxte und die dadurch verursachte Lücken- 
haftigkeit des verarbeiteten Materials gebot Vorsicht bei der Be- 
urteilung der erzielten Ergebnisse. 

Nichtsdestoweniger glaubte man aus dieser Sammelforschung be- 
sonders auf die Häufigkeit der ein/einen Organerkrankungen 
wertvolle Schlußfolgerungen ziehen zu können, zumal diese Ergebnisse 
mit den bisherigen, aus den Berichten größerer Kliniken und aus 
Obduktions- und Literaturfällen gewonnenen Zahlen ziemlich überein- 
stimmten. 

Vor allem fand man die bekannten Tatsachen, daß bei einem 
Drittel aller männlichen Krebskranken der Magen das primär 
erkrankte Organ ist. daß beim Weibe ein Drittel aller Krebsfälle 
die Genitalien, ein Viertel die Mamma und ein Siebentel 
den Magen betreffen, durch die Ergebnisse der Sammelforschung 
bestätigt. 

Die Sammelforschungen umfassen nur die Zahl der an Krebs er- 
krankten Personen; um aber die Zahl der jährlichen Krebs- 
todesfälle zu ermitteln, muß man auf die amtlichen Statistiken 
zurückgreifen, welche in Deutschland aber auch nicht ganz ein- 
wandfrei sind, da die gesetzliche Leichenschau bisher im 
Deutschen Reich noch nicht allgemein eingeführt ist. 

Dem Nachweise über den stand der Krebsverbreitung im 
Deutschen Reich dienen nun. wie Wutzdorff 1 ) hervorhebt, 
zwei Arten von amtlichen Statistiken, von denen die eine sich auf 
die in öffentliche und private Heilanstalten aufgenommenen 
Kranken, die andere, auf die Sterbefälle bezieht. 



*) Wir kommen noch späterhin ausführlicher auf diese vergleichenden [Jeber- 
sichten zurück. 

**) Cfr. auch: Georg Beimann (Arch. t klin. Chirurgie, IUI. 67, S. 649 und 
Bd. 68, s. 31 76), 

"> Deutsche med. Wochenschr. 1902. Nr. 10. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Deutschland). 1()9 

Die erste Art ist insofern wenig beweiskräftig, weil nur ein 
kleiner Teil der krebskranken Bevölkerung- die Krankenhäuser 
aufsucht, und weil dieser Teil aus den mannigfachsten Ursachen zeit- 
weiligen Größenschwankungen unterliegt. 

Immerhin empfiehlt es sich, nach Wutzdorff, die Ergebnisse 
dieser Heilanstaltsstatistik anzuführen. 

Der Zugang an Krebskranken betrug in sämtlichen Heil- 
anstalten Deutschlands im Jahre 1879 = 6630 und stieg im Jahre 
1898 bis auf 24 266 Personen. 

Die Zunahme in diesen 20 Jahren betrug demnach mehr als 
266%! 

Diese Zunahme ist jedoch nicht, wie Wutzdorff hervorhebt, 
auf die Vermehrung derKrankenhäuser überhaupt zurück- 
zuführen, sondern sie hat letztere 2 1 / 2 nml überflügelt; denn die Zahl 
der in den Heilanstalten Verpflegten hat sich von 513983 im Jahre 
1879 nur auf 1064 845 im Jahre 1898 — also nur um etwas über 
100% — vermehrt. 

Wesentlich zuverlässigeres Material liefert schon die Sterb- 
lichkeitsstatistik des Deutschen Reiches,*) die seit dem 
Jahre 1892 bei allen Bundesstaaten, mit Ausnahme von M e eklen - 
burg-Strelitz, auch eine Spalte für die durch „Neubildungen" 
verursachten Todesfälle enthält. Allerdings sind hierunter auch die 
gutartigen Geschwülste mit einbegriffen; da jedoch die Zahl der 
an gutartigen Geschwülsten Verstorbenen außerordentlich gering 
ist, so wird das Endergebnis nicht allzusehr beeinflußt. 

Es entfielen nun im Jahre 1892 im ganzen Deutschen Reich 
auf je 100 Todesfälle überhaupt 2,6 Todesfälle an Krebs, 
im Jahre 1898**) hingegen 3,5, oder wenn man die Zahl der 
Lebenden berücksichtigt, dann starben im Jahre 1892 von 100000 
Lebenden = 59,6 an Neubildungen, im Jahre 1898 dagegen 70,6 Per- 
sonen. 

In diesen 7 Jahren haben also die Krebstodesfälle 
im Deutschen Reich um 18,5% zugenommen! 

Dieser Prozentsatz wird noch größer, wenn man für die Zeit von 
1892—1899, nach Rahts, 1 ) die Bevölkerungszunahme in Ver- 
gleich zieht; denn während die Bevölkerungszahl nur um 10% 
während dieser Zeit gestiegen ist, beträgt die Steigerung der Krebs- 
sterblichkeit = 24,37 °/oj una " zwar nat in 677 Bezirken eine Zu- 
nahme stattgefunden (in 109 Bezirken um mehr als 16%), in 
226 Bezirken eine Abnahme, und in 30 Bezirken ist die Krebs- 
sterblichkeit während dieser Zeit gleich geblieben. 

Für das Jahr 1904 ist, nach den Angaben von Rahts, 2 ) das 
Verhältnis der Krebstodesfälle zu den Gesamttodesfällen 
von 3,5% auf 4% gestiegen; denn unter den 1160320 im Jahre 1904 
im ganzen Deutschen Reiche (mit Ausnahme von Mecklenburg- 
Strelitz) Verstorbenen befanden sich 46 801 krebskranke Personen. 

*) Regelmäßig veröffentlicht in den: Medizinalstatistischen Mitteilungen aus dem 
Kaiserlichen Gesundheitsamt. 

**) Cfr. Medizinalstatistische Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt. 
Bd. VI, S. 289. 

2 ) Ibidem, Bd. VII, 1902, H. II u. III. 

2 ) Medizinalstatistische Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt, 
Bd. X. 8. 31. 



HO IT. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In der Zeit von 1903—1904 hat eine Zunahme der Krebs- 
todesfälle um 4,8 °/ stattgefunden. 

Diese Berechnungen sind jedoch insofern nicht ganz einwandfrei, 
als die Altersklassen der Verstorbenen nicht berücksichtigt worden 
sind und unter den Gesamttodesfällen bzw. bei dem Vergleich mit der 
Zahl der Lebenden auch die Kinder mitgezählt worden sind. 

Etwas anders gestaltet sich die Krebssterblichkeit im Deutschen 
Reiche, wenn man, nach Pernice, 1 ) nur die Altersklasse von 
15 — 60 Jahren in Betracht zieht. 

Es starben nämlich von je 1 Million am 1. Januar in Deutsch- 
land Lebenden an Krebs: 



Jahr 


Man Der 


Weiber 


überhaupt 


1888 


373 


445 


818 


1889 


399 


469 


868 


1890 


397 


465 


862 


1891 


418 


480 


898 


1892 


465 


527 


992 


1893 


473 


547 


1020 


1894 


488 


566 


1054 


1895 


488 


573 


1061 


1896 


517 


588 


1105 


1897 


529 


605 


1134 


1898 


536 


608 


1144 


1899 


558 


652 


1210 


1900 


574 


648 


1222 



im 



Es hat also auch nach dieser Tabelle die Krebssterblichkeit 
Deutschen Reiche während der Zeit von 1888 — 1900 ganz 



erheblich zugenommen, und zwar um 49,3 °/ ; während der Zeit 
von 1892—1898 allein um 15,3 °/ (nach Wutzdorff's Berechnung 
für diese Zeit um 18,5 °/ und nach Rahts um 24,37 °/ ). 

Rahts 2 ) hat nun auch eine Berechnung aufgestellt für die nach 
dem 60. Lebensjahre in Deutschland in der Zeit von 1892 
bis 1904 an Neubildungen verstorbenen Personen. 

Es starben in diesen Altersstufen im Mittel jährlich: 



1892—1901 = 16626 Personen = 43,56 °/ 000 

1902—1903=21214 „ =50,2 °/ 000 

1904 =22 999 „ =53,2 



der Lebenden 



'000 



Also auch in diesen Altersstufen hat eine Steigerung 
Krebstodesfälle im Deutschen Reiche stattgefunden. 



der 



Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 507. 

Medizinalstatistische Mitteilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt, Bd. X. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Preußen). Hl 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in Preußen. 

Statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit in ganz Preußen : 

Methoden: Sammelforschung. Amtliche Sterblichkeits- 
nachweise. Gesetzliche Leichenschau. 

Zunahme seit dem Jahre 1875. Tabellarische Uebersicht. 

Verbreitung in den einzelnen Provinzen: 

Unterschied in bezug auf die Höhe der Krebssterblichkeit zwischen den 
Provinzen mit ackerbautreibender und Industriebevölkerung. 
Einfluß des Alters auf die statistischen Ergebnisse. Tabellarische Uebersicht. 

Verschiedenartigkeit der Resultate zwischen Sammelforschung und 
amtlicher Statistik. 
Untersuchungen in den einzelnen Regierungsbezirken der Rheinprovinz, von 
Ost- und Westpreußen und von Westfalen. 

Mangelhaftigkeit des amtlichen Materials in qualitativer Be- 
ziehung. Geringe Abnahme der Krebssterblichkeit in Westfalen, mäßige 
Zunahme in den anderen Provinzen. Statistik der in Heilanstalten 
dieser Provinzen verstorbenen Krebskranken. Tabellarische Uebersicht. 

Verbreitung in einzelnen Großstädten von Preußen : 

Berlin: Statistische, amtliche Nachweise seit 1875. Tabellarische Uebersicht. Keine 

Zunahme. Ergebnisse der Sammelforschung. Berichte aus Heilanstalten. 

Vermehrter Zugang von Krebskranken in die Krankenhäuser. Irrtum 

in der Diagnose. Sektionsergebnisse. 
Breslau: Nachweis für die Zeit von 1876 — 1900. Einfluß der obligatorischen 

Leichenschau auf die Höhe der Sterblichkeitsziffern. 
Frankfurt a. 0.: Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1907. 
Untersuchungen in Marklissa, Frankfurt a. M. (allmähliche Zunahme, größere 

Krebssterblichkeit bei den Männern). Norderney, Helgoland (auffallend 

hohe Sterblichkeit an Magenkrebs). 

Statistische Untersuchungen in Hamburg und Bremen. 

Die Ergebnisse der im Jahre 1900 veranstalteten Sammel- 
forschung haben wir bereits erwähnt. 

Irgendwelche Schlußfolgerungen lassen sich bei der Lückenhaftig- 
keit des vorliegenden Materials nicht ziehen. 

Um die Verbreitung der Krebskrankheit im preußischen 
Staate zu erforschen und den Nachweis der Zunahme bzw. Ab- 
nahme dieser Krankheit zu liefern, ist man vollständig auf die etwa 
seit 1875 bestehenden amtlichen Todesnachweise angewiesen. 

Da nun eine Leichenschau im preußischen Staate nicht 
allgemein eingeführt und nur in Berlin, Breslau, Frankfurt a. M., 
Liegnitz, Kreis Nieder barnim und in der Provinz Hessen 
obligatorisch ist, so wird man im allgemeinen den aus diesen sta- 
tistischen Nachweisen erzielten Ergebnissen, wie Fr. P r i n z i n g ] ) 
hervorhebt, keinen allzugroßen Wert beilegen können, insbesondere 
soweit die Frage der Zunahme des Krebses in Betracht kommt. 

Nichtsdestoweniger wollen wir jedoch versuchen, aus dem bisher 
vorliegenden Material vom Jahre 1875—1909 eine Uebersicht über 
die Verbreitung und Zunahme des Krebses in Preußen zu 
geben, zu welchem Zweck wir die folgende Tabelle zusammengestellt 
haben. 



x ) Deutsche med. Wochenschr. 1902. S. 527. 



112 n. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 
Krebssterblichkeit in Preußen. 





Es starben 


l von 100 000 Lebenden 


Gesamtzahl 
der an Krebs 


Auf 100 Todes- 


Jahr 


in Preußen an 


Krebs : 


fälle überhaupt 
entfielen Todes- 




insgesamt 


Männer 


Frauen 


Verstorbenen 


fälle an Krebs 


1875 


22,8 




_ 






1881 2 ) 


31,2 


27,6 


34.7 


— 


— 


1882 


31,8 


27,5 


35,9 


— 


1,25 


1883 


33,5 


29,4 


37,5 


— 


1,32 


1884 


34,9 


30,6 


39,0 


— 


1.37 


1885 


35,3 


30,9 


39,6 


— 


1,41 


1886 


38,5 


34,1 


42,8 


— 


147 


1887 


38,3 


33,8 


42,5 


— 


1.60 


1888 


40,9 


37,3 


44,5 


— 


1,79 


1889 


43,4 


39,9 


46.9 


— 


1.88 


1890 


43,1 


39,7 


46;5 


— 


1,80 


1896 3 ) 


55,3 


51,7 


58,8 


— 


2,64 


1897 4 ) 


56,8 


52,9 


60,5 


— 


2,68 


1898 


57,3 


53,6 


60,8 


— 


2,81 


1899 


60,6 


55,8 


65,2 


— 


2,78 


1900 


61,1 


57.4 


64,8 


20 430 


2,74 


1901 


62.3 


57;5 


66,8 


21488 


3,01 


1903 5 ) 


65,9 

(59,8)*) 


60,6 

(55,2) 


70,9 

(64,2) 


23 420 

(21 258) 


3,31 

(3,00) 


1904 


69,4 


64,4 


74,3 


25 050 


3.57 


(62,6) 


(58,4) 


(66,6) 


(22 586) 


(3.22) 


1905 


69,9 


64,0 


75,7 


25 074 


3,54 


(62,9) 


(57,7) 


(67,9) 


(23115) 


(3,18) 


1906 


70,9 


65,0 


76,8 


26 498 


3.94 


(64,0) 


(58,6) 


(69,3) 


(23 906) 


(3,55) 


1907 


73,9 


68,0 


79,7 


28 034 


4,12 


(66,2) 


(60,8) 


(71.5) 


(25 100) 


(3,69) 


1908 


74,1 


67,8 


80,3 


28 531 


4,11 


(66,5) 


(60,8) 


(72,1) 


(25 602) 


(3,69) 


1909 


75,4 


69,4 


81,2 


29 429 


4,40 


(67,7) 


(62,3) 


(72,9) 


(26 416) 


(3,95) 


1910 


79,2 


72.5 


85,8 


31340 


4,91 


(71,0) 


(64,9) 


(77,0) 


(28 093) 


(4.40) 


1911 


80,7 


73,7 


87,4 


32 660 


4,69 


(72,8) 


(66,4) 


(79,0) 


(29 473) 


(4,23) 



Wir ersehen aus dieser Tabelle, in welchem Umfange die Krebs- 
krankheit in den letzten 3 Jahrzehnten in Preußen zugenommen 
hat, und zwar von 22,8 Krebstodesfällen auf 100000 Lebende im 
Jahre 1875, auf 75,4 im Jahre 1909, d. h. alsc um mehr als 230 °/ ! 

Selbst wenn das Material zu dieser Tabelle fehlerhaft und nicht 



») Cfr. Wutzdorff: Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 161. 

2 ) Cfr. für die Zeit von 1881—1890: E. Finkeinburg: Untersuchungen über 
die Ausbreitung und Frequenz der Krebserkrankungen im preußischen Staate. I.-D. 
Bonn 1894 und: Centr.-Bl. f. allg. Gesundheitspflege 1894, S. 251. 

3 ) Cfr. für die Zeit von 1896 — 1901: Die Sterblichkeit nach Todesursachen und 
Altersstufen usw. während des Jahres 1901. Mit 2 Tafeln. Preußische (amtliche) 
Statistik, Nr. 179. Berlin 1903. 

4 ) Cfr. auch R. Behla: Ist die Zunahme des Krebses nur eine scheinbare? 
(Deutsche Medizinalzeitung 1900, S. 157.) 

5 ) Cfr. Medizinalstatistische Nachrichten des Königl. Preußischen statist ; schen 
Landesamts Berlin. Jahrg. I, 1909, H. III, S. 354 und Jahrg. II, 1910. H. III; 
Jahrg. IV, 1912, H. II, S. 181. 

*) Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Todesfälle an Krebs allein, 
während bei den anderen Zahlen alle Neubildungen, auch die gutartigen, 
mit einbegriffen sind. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Preußen). H3 

ganz einwandfrei sein sollte, so kann man sich doch nicht der Ansicht 
verschließen, daß die Krebskrankheit in Preußen in den letzten 
Jahrzehnten in bedenklichem Grade zugenommen hat. 

Diese Steigerung in mehr oder minder hohem Grade wird von 
allen Statistikern zugegeben, und bereits Fink ein bürg 1 ; hat darauf 
hingewiesen, daß, trotz der Verminderung der allgemeinen 
Sterblichkeit in Preußen, schon während der Zeit von 1881 bis 
1890 eine beträchtliche Zunahme der Krebssterblich- 
keit bei beiden Geschlechtern in gleichem Maße stattgefunden hat. 

Im Vergleich zur Bevölkerungszunahme hat, wie wir 
schon erwähnt haben (cfr. S. 80), in der Zeit von 1875—1895 die 
Krebssterblichkeit beim Mann und bei der Frau um das 5 bzw. 4 J / 2 fache 
zugenommen.*) 

Wenn wir nun die Verteilung der Krebstodesfälle auf die einzelnen 
Provinzen Preußens in Betracht ziehen, so ergeben sich für die Zeit 
von 1881 — 1890, nach Fin kein bürg, 2 ) folgende Verhältnisse: 

Es starben an bösartigen Neubildungen während dieser Zeit in 
den einzelnen Provinzen Preußens von 100 000 Einwohnern**) in 



Schleswig 


= 58,1 


Pers. 


Schlesien 


= 31,5 


Pers. 


Pommern 


= 48,4 


>? 


Westfalen 


= 31,0 


55 


Hannover 


= 42.3 


5? 


Ostpreußen 


= 29.3 


55 


Hessen-Nassau 


= 41,8 


n 


Westpreußen 


= 29.2 


55 


Sachsen 


= 41,2 


55 


Hohenzollern 


= 26,7 


55 


Brandenburg 


= 39.4 


55 


Posen 


= 23,0 


55 


Rheinland 


= 34.1 


55 









Die Verbreitung der Krebskrankheit ist also, nach Finkeln- 
burg, in den Provinzen mit Industriebevölkerung eine viel 
größere, als in denen mit einer Ackerbau betreibenden Bevölkerung. 

Diese Tabelle gestaltet sich jedoch anders, wenn man bei den 
Krebstodesfällen in den einzelnen Provinzen die Altersstufe der 
Verstorbenen berücksichtigt und den Prozentsatz der Zunahme. 
(Siehe Tabelle nächste Seite). 

Den Unterschied der Ergebnisse bei Anwendung verschiedener 
Methoden ersieht man z. B. aus der Statistik der Krebstodesfälle in 
der Rheinprovinz. 

Die Sammelforschung im Jahre 1900 hatte einen Bestand 
von 1141 Krebsfällen ergeben (cfr. S. 108), während die amt- 
liche Mortalitätsstatistik im Jahre 1896—1897 = 2700 Krebs- 
todesfälle im Alter von 15 — 60 Jahren und 2453 Todesfälle im Alter 
von 60 Jahren und darüber verzeichnet. 

Im einzelnen liegen noch genauere Untersuchungen über Re- 
gierungsbezirke aus der Rheinprovinz, von Ost- und West- 
preußen und von Westfalen vor.***) 

1 ) 1. c. S. 112. 

*) Cfr. auch Georg Heimann: Archiv f. klin. Chirurgie, Bd. 57, 1898, S. 911: 
Bd. 58, S. 31. 

2 ) 1. c. S. 112. 

**) Geordnet nach der Höhe der Sterblichkeit. 

***) Ueber die Krebssterblichkeit im Regierungsbezirk Stralsund cfr. Deneke 
(Corresp.-Bl. des Aerztevereins des Regierungsbezirks Stralsund, 1900, Nr. 51). 
Wolff. Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 8 



114 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Es starben infolge von Neubildungen*) 







Im Alter 


Provinzen 


von 


15-60 Ja 


hren 










1892—93 


1896—97 


Zunahme 
in Proz. 


Brandenburg 


1410 


1701 


20.64 


Posen 


679 


818 


20^7 


Eheinprovinz 


2314 


2700 


16,68 


Sachsen 


1434 


1655 


15,41 


Schlesien 


2234 


2525 


13,03 


Pommern 


922 


1035 


12,26 


Westpreußen 


648 


726 


12,04 


Westfalen 


1170 


1302 


11,28 


Schleswig-Holstein 


776 


855 


10,18 


Hannover 


1277 


1378 


7,91 


Ostpreußen 


958 


1028 


7.31 


Hessen-Nassau 


943 


976 


3,80 



Im ^.lter von 60 Jahren und darüber 



Pommern 

Eheinprovinz 

Brandenburg 

Ostpreußen 

Schlesien 

Westfalen 

Hannover 

Posen 

Sachsen 

Schleswig-Holstein 

Hessen-Nassau 

Westpreußen 



762 


1009 


1974 


2453 


1351 


1655 


702 


845 


1720 


2045 


930 


1101 


1239 


1456 


539 


633 


1327 


1550 


988 


1129 


790 


906 


523 


592 



32,4 
24,3 
22,5 

20,4 

18,9 

18,4 

17,5 

17,4 

16,8 

14,3 

14.07 

13.2 



In den einzelnen Regierungsbezirken der Rhein pro vi nz 
entfielen, nach R. Finkein bürg, x ) während der Zeit von 1881 bis 
1890 auf 10000 Lebende in 

Cöln =6,8 Krebstodesfälle 

Aachen = 5,4 „ 

Koblenz = 4,7 „ 

Düsseldorf =4,5 „ 

Trier =4,3 

Die Krebsverbreitung in den Provinzen Ost- und Westpreußen 
und in Westfalen ist eingehender von Gustav Tugend reich 2 ) 
untersucht worden, der als Grundmaterial die Zählkarten des 
Königlich Preußischen statistischen Bureaus und die 
Statistiken aus den öffentlichen Heilanstalten benutzte. 
Bei dieser Bearbeitung hatte Tugendreich auch Gelegenheit 
die von uns schon hervorgehobenen Mängel der amtlichen 
Statistik kennen zu lernen. 

Das Material bestand zunächst aus den Zählkarten für die im 
Jahre 1900 an Krebs Verstorbenen. „So reich und lückenlos das 



*) Nach Pernice: Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 506 (diese 
und die nächstfolgende Tabelle ist ebenfalls nach der Höhe der Zunahme geordnet). 

l ).l. c S. 112. 

2 ) Der Krebs in den Provinzen Ost- und Westpreußen und Westfalen 
im Jahre 1900. Ein Beitrag zur Krebsstatistik. I.-D. Leipzig 1902. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Preußen). 



115 



Material nach der quantitativen Seite war", sagt Tugendreich, 
„so wenig ausreichend war es qualitativ. Die Diagnosen, in der 
Regel nicht von Arzteshand geschrieben, sind zumeist ungenau, 
ja vielfach nichtssagend." 

Das aus den allgemeinen Heilanstalten stammende Ma- 
terial war schon in bezug auf die Genauigkeit der Diagnose er- 
heblich besser. 

Während z. B. in den Zählkarten der amtlichen Statistik 
die Bezeichnung „Böse Geschwulst" oder „Krebsgeschwulst" ohne 
jede nähere Angabe in einzelnen Regierungsbezirken fast in 
einem Drittel aller Zählkarten enthalten war, war die allgemeine 
Bezeichnung „Krebs" in den aus den Heilanstalten stammen- 
den Statistiken nur äußerst selten zu finden. 

Es bleibt jedoch, nach Tugendreich, zu berücksichtigen, daß 
auch bei diesem Material, bei dem Fehlen einer obligaten 
Leichenschau, die Diagnosen meistens einer sicheren Bestätigung 
entbehren; denn sicher ist in vielen Fällen das klinische Bild der 
Nebenerscheinungen, wie z. B. der „Wassersucht," welche in 
den Zählkarten eine eigene Spalte aufweist, so sehr in den 
Vordergrund getreten, daß das ursprüngliche Leiden übersehen 
wurde. 

Bei der Bearbeitung des amtlichen, statistischen Materials er- 
gaben sich nun, nach Tugendreich, für die Regierungsbezirke 
von Ost- und Westpreußen und von Westfalen folgende Ver- 
hältnisse : *) 



Ost- und Westpreußen 



Eegierungsbezirke 


Gesamtzahl der an 

Krebs Verstorbenen 

im Jahre 1900 

(1899)**) 


Prozentsatz 

der 

Gesamtbevölkerung 


Auf 100 Todesfälle 

überhaupt entfielen 

Krebstodesfälle 


Königsberg 

Gumbinnen 

Danzig 

Marien werder ***) 


661 

(743) 
401 

(365) 
452 

(330) 
322 

(339) 


0,057 °/ 
0,05 „ 
08 „ 
0,03 „ 


2,5 

2,0 
3,1 

2,7 


überhaupt 


1836 

(1777) 







Westfalen 



Minden 

Münster 

Arnsberg 


291 

(316) 
230 

(239) 
832 

(831) 


0,05o/ 
0,04 „ 
0,05 „ 


2,6 
1,5 
2,3 


überhaupt 


1353 

(1386) 







*) Von uns in Tabellenform gebracht. 

**) Die eingeklammmerten Zahlen bedeuten die Vergleichszahlen mit dem Jahre 1899. 
***) Cfr. auch H. Barnick: Generalbericht über die Gesundheitsverhältnisse des 
Reg.-Bez. Marien werder 1889—1894 und 1895—1897. 

8* 



11(3 IL Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Die Gesamtzahl der an K r e b s V e r s t o r b e n e n betrug also 
in den beiden Provinzen Ost- und Westpreußen im Jahre 1899 
= 1777 Personen und im Jahre 1900 = 1836; es hat also im Laufe 
eines Jahres die Krebssterblichkeit um 3,3 °/ zugenommen. In 
Westfalen hingegen ist eher eine kleine Abnahme zu ver- 
zeichnen. 

Allein, auch diese Zahlen geben kein richtiges Bild von der Ver- 
breitung und der Zunahme der Krankheit in den einzelnen Re- 
gierungsbezirken dieser Provinzen; denn, abgesehen von dem quali- 
tativen Wert des Urmaterials findet man bei diesen Angaben nir- 
gends die Beziehungen zu den einzelnen Altersklassen erwähnt. 

Als zweite Hilfsquelle benutzte nun Tu gendre ich das aus den 
öffentlichen Heilanstalten dieser Provinzen stammende Ma- 
terial aus dem Jahre 1900. 

Zum Vergleich konnten hierbei die Angaben von Georg Hei- 
mann 1 ) aus dem Jahre 1896 herangezogen werden. 

Es wurden nämlich in den öffentlichen Heilanstalten dieser Pro- 
vinzen Krebskranke behandelt:*) 



Ost- und Westpreußen 



Eegierungsbezirke 


Nach Heimann 

(1896) 


Nach Tugendreich 

(1900) 


Königsberg 
Gumbinnen 
Dan zig 
Marienwerder 


498 

48 

267 

111 


579 

63 

315 

137 


überhaupt 


924 


1094 



Münster 

Minden 

Arnsberg 



Westfalen 
178 
105 
364 



171 
152 

388 



überhaupt 



647 



711 



Es hat also in den öffentlichen Heilanstalten der Provinzen st- 
und W e s t p r e u ß e n in 4 Jahren eine Zunahme der Krebskranken 
um 18,3%, oder um 4,6 °/ jährlich stattgefunden, in Westfalen 
hingegen aber nur um 9,8 °/ bzw. um 2,9 °/ ! 

Westfalen steht also in bezug auf die Verbreitung und Zu- 
nahme der Krebskrankheit erheblich günstiger da, als die beiden 
preußischen Provinzen. Damit stimmt, nach T u g e n d r e i c h , die 
Angabe von Heimann überein, daß Königsberg und Danzig 
den höchsten Prozentsatz Krebskranker, Westfalen hingegen den 
niedrigsten aufzuweisen hat. 

Inwiefern diese Steigerung von anderen Faktoren (Universitäts- 
stadt, Zahl der Krankenhäuser und Aerzte usw.) abhängig ist, werden 
wir noch späterhin zu erörtern haben. 

Weit schwieriger als für den Staat Preußen gestalten sich 
die Untersuchungen für die einzelnen Großstädte Preußens, da die 



') Arch. f. klin. Chirurgie, Bd. 57, S. 649. 
*) Von uns in Tabellenform gebracht. 



Krebsverbreitung- bei germanischen Völkerstämmen (Preußen). 117 

Beschaffung eines zuverlässigen Materials oft auf unüberwindliche 
Hindernisse stößt, falls nicht durch eine gesetzliche Leichen- 
schau, die in Preußen nur in einigen Städten (cfr. S. 111) aus- 
geübt wird, ein genügend sicheres Urmaterial geliefert wird. 
In 

Berlin 

werden nun allerdings seit dem Jahre 1875 statistische Nachweise 
über alle Todesfälle veröffentlicht, auf Grund der von Aerzten aus- 
zufüllenden Totenscheine. 

Die statistischen Jahrbücher der Stadt Berlin ent- 
halten auch eine Spalte für die Todesfälle an bösartigen Neubildungen, 
und aus den einzelnen Monatsberichten ist auch das Alter 
der an Krebs Verstorbenen ersichtlich, so daß eine genauere Be- 
arbeitung dieses Materials in bezug auf die Häufigkeit des Vor- 
kommens und auf etwaige Zunahme der Krebserkrankungen möglich 
ist. Bisher hat man jedoch dieses Material für die Beantwortung 
dieser Fragen noch nicht in dem Grade verarbeitet, wie es wohl 
wünschenswert wäre, und wir wollen von einer zukünftigen Forschung 
hoffen, daß sie dieses Material nicht brach liegen lassen wird. Aller- 
dings ist auch dieses Material in bezug auf die Diagnose nicht 
ganz einwandfrei, da Sektionen in der Privatpraxis doch nur in 
den seltensten Fällen gemacht w 7 erden. 

Wir haben nun versucht über alle uns interessierenden Punkte 
einen Ueberblick in bezug auf die Verbreitung, Zunahme usw. der 
Krebskrankheit in Berlin seit dem Jahre 1875 in folgender Tabelle 
zu geben, unter Benutzung der bisher vorliegenden, allerdings sehr 
lückenhaften statistischen Angaben. (Siehe obere "Tabelle S. 118.) 

Wir ersehen aus dieser allerdings etwas lückenhaften Tabelle, 
daß von einer Zunahme der Krebstodesfälle in Berlin in den letzten 
2 Jahrzehnten nicht gut die Rede sein kann. 

FürBerlin kann jedoch auch noch ein anderes Material zur Klärung 
gewisser Fragen herangezogen werden, nämlich das Ergebnis der 
Sammelforschung aus dem Jahre 1900 und die Veröffentlichungen 
über Zugang und Sterbe fälle von Krebskranken und über die 
Sektionsberichte aus den Berliner Krankenhäusern. 

Die am 15. Oktober 1900 veranstaltete Sammelforschung 
hat. wie wir schon erwähnt haben (cfr. S. 108), an diesem Tage einen 
Bestand von 719 Krebskranken ergeben. 

Die Zahl der in sämtlichen öffentlichen und privaten 
Heilanstalten von Berlin behandelten und gestorbenen krebs- 
kranken Personen ist für die Zeit von 1900 — 1905 aus folgender 
Tabelle ersichtlich*) (Siehe untere Tabelle S. 118). 

Wir ersehen aus dieser Zusammenstellung, daß in diesen 5 Jahren 
ein vermehrter Zugang von Krebskranken in die Kranken- 
häuser stattgefunden hat, eine Erscheinung, die auch aus der S. 81 
angeführten Tabelle für die Heilanstalten von ganz Preußen er- 
sichtlich ist. 

Damit ist jedoch noch nicht gesagt, daß die Krebskrankheit in 
Berlin in den letzten Jahren eine Zunahme erfahren hat, da auch die 
klinische Diagnose des Krebses oft eine irrtümliche gewesen 



*) Auf Grund der Angaben des „Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin" 
für 1900-1902 und 1905. 



118 IT. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Es starben an Krebs in Berlin: 











Auf 10000 Lebende 


Auf 100 

Todesfälle 
überhaupt 
entfielen 
Krebstodes- 
fälle 


Prozentsat 
der Krebs 




Gesamtzahl der Krebstodesfälle 


entfielen Krebs- 


todesfälle b 


Jahr 








todesfälle 


Personen ii 
Alter von 
bis 30 Jahr 
























und darüb( 




Ohne 
Alters- 


im Alter 
von 


im Alter 
von 60 J. 


Zunahme 

lo 


Ueber- 
haupt 


M. 


W 


Ueber- 


M, 


W 


zu den G( 
samttodes 




angabe 


15—60 J. 


u. darüber 






haupt 






fällen 


1875 !) 





42, 


3*) 





5,7 








1,53 








4.49 *) 


1885 2 ) 


910 






, im Alter 
von 15 bis 




9,82 


14,0 


— 3,0 


5,0 




1892 3 ) 

1895 4 ) 

1896 3 ) 


1618 


1580 
2011 


1061 
1394 


60 J. = 
( 27,28, im 
Alter von 
60 J. u. 
darüber 
= 31,4 


— 


15,37 


17,75 


— 




5,3 


7^2 


— 


1897—99 4 ) 


4574 **) 






















durch- 
























schnittlich 


1528 


— 


— 


— 


10,9 


— 


— 


— 


— 


— 





1900 5 ) 


1556 


1261 ***) 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 





1901 5 ) 


1609 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


1902 5 ) 


1770 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


1903 5 ) 


1886 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


6,0 


4,6 


5,8 


— 


1907 6 ) 


— 


— 


— 


— 


11,6 


— 


— 


— 




— 


1910 7 ) 


— 


2289 f) 


— 


— 




— 


— 


— 


— 


— 


13,4 f) 













Verhältnis 














der Krebs- 


Verhältnis 








Gesamt- 
todesfälle in 

allen 
Kranken- 
häusern 




todesfälle in 


der Krebs- 




Zahl der 




Gesamt- 


den 


todesfälle zu 


Jahr 


behandel- 


Todesfälle 


todesfälle in 


Kranken- 


den Gesamt- 


ten Krebs- 
kranken 


an Krebs 


der ganzen 
Stadt 


häusern 
zu den Ge- 


todesfällen 
in allen 










samttodes- 


Kranken- 












fällen i n d e r 


häusern 












Stadt 




1900 


2588 


744 














1905 


— 


1162 


11958 


34 451 


3,4% 


9,9% 



1 ) Cfr. F. W. Beneke: Zur Statistik der Carcinome usw. 1880; Berliner klin. 
Wochenschr. 1880, Nr. 11 und Deutsches Archiv f. klin. Med., Bd. XV, S. 538. 

*) Beneke berechnete diese Zahl bei Personen im Alter von 20—100 Jahren. 

2 ) Cfr. R. Finkeinburg 1. c. S. 45 und: Albert Aschoff 1. c. S. 8. 

3 ) Nach Pernice: Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, S. 506. 

4 ) Nach A. Aschoff 1. c. S. 8 (p. 344). 

**) In dieser Zahl sind nur die Krebstodesfälle enthalten, die Todesfälle 
an sämtlichen Neubildungen betrugen = 5484. 

B ) Nach E. Hirschberg: Statistisches Jahrb. der Stadt Berlin (1900—1902). 
Berlin 1903. 

***) Im Alter von 20—70 Jahren. 

6 ) Nach J. Fiebiger: Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910. S. 275. 

7 ) Nach F. A. Theilhaber, ibidem, Bd. XII, 1912, S. 367 (cfr. auch S. 100). 
f) In der Altersklasse über 30 Jahre. 



8°/o 


aller 


Sektionen 


11% 


5? 


5? 


9% 


>? 


?} 


10°/o 


>? 


» 


9°/o 


1? 


J? 


8°/o 


5? 


?? 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Preußen). 119 

ist, wie dies aus den Sektionsergebnissen einzelner Berliner 
Krankenhäuser ersichtlich ist. 

Im Krankenhaus Friedrichshain zu Berlin fanden, nach 
W. Riech el mann, 1 ) Sektionen statt im Jahre: 

1895/96 = 1288 darunter 103 Carcinome = 

1896/97 = 1130 ,. 125 „ = 

1897/98 = 1107 „ 104 „ = 

1898/99 = 1254 „ 125 „ = 

1899/00 = 1310 „ 118 „ == 

1900/01 = 1337 „ 116 „ = 

Unter 7426 Sektionen in der Zeit von 1895 — 1901 fanden sich 
also 691 Carcinomfälle, d. h. 9,3 °/ aller Sektionen. 

Diese Zahl würde mit dem für alle Berliner Krankenhäuser 
angegebenen Prozentsatz fast gleich sein. 

Nun aber sind, nach Eiechelmann, bei Lebzeiten 156 Fälle 
nicht diagnostiziert und 58 Fälle fälschlich für Krebs 
gehalten worden, so daß also die wirkliche, durch die Sektion 
bestätigte Zahl der Krebsfälle um 14 % höher war, als die bei Leb- 
zeiten angenommene*) 

Es ist auch aus diesem, dem pathologischen Institute des 
Krankenhauses am Friedrichshain entstammenden Material, eine 
Zunahme der Krebstodesfälle im Verhältnis zu den Ge- 
samttodesfällen im Laufe dieser Zeit nicht ersichtlich, eher 
noch eine geringe Abnahme, zum mindesten aber blieb dieses 
Verhältnis im Durchschnitt sich gleich. 

Zu demselben Ergebnis gelangte auch Walter Redlich 2 ) auf 
Grund der am Urbankrankenhaus vorgenommenen Sektionen: 

Es betrugen die Gesamtsektionen**) in den Jahren: 

1895—1900 = 3831 (5022) darunter 507 Carcinome == 13,2 °/ 
1900-1905 = 3816 (5002) „ 496 „ = 13 °/ 

aller Sektionen der Erwachsenen. 

Hingegen konnte J. Orth 3 ) an dem Sektionsmaterial der Cha- 
rite zu Berlin eine Steigerung der Krebstodesfälle von 4,9 °/ 
aller Todesfälle im Jahre 1875 auf 12,2 °/ im Jahre 1908 feststellen. 

Unter den übrigen Großtädten von Preußen wollen wir an 
dieser Stelle nur noch Breslau und Frankfurt a/O. erwähnen, 
aus denen einige neuere, statistische Untersuchungen vorliegen. 

In Breslau hat F. Frief 4 ) im Laufe von 30 Jahren (1876—1900) 
im ganzen 5624 Krebstodesfälle feststellen können. Eine ganz ge- 



*) Berliner klin. Wochenschr. 1902, Nr. 31/32. Cfr. auch Dani eisen: Carci- 
nomstatistik nach Befunden des Kieler pathologischen Instituts. I.-D. Kiel 1887. 

*) Riechelmann berechnet 711 Carcinome unter 7 790 Sektionen und dem- 
gemäß auch die wirkliche Zahl von Carcinomen um 21,94% höher als die an- 
genommene. Unsere Berechnung beruht auf dem von Riechelmann selbst an- 
geführten Zahlenmaterial. 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. V, 1907, S. 261. Cfr. auch Feilchenfeld: 
Beiträge zur Statistik und Kasuistik des Carcinoms. I.-D. Leipzig 1901. (A.us dem 
Sektionsmaterial des Urbankrankenhauses in Berlin für die Zeit von 1895 — 1900.) 

**) Mit Ausschluß der Kinder. (Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die Ge- 
samtsektionen.) Die Verhältniszahlen werden daher, da nur Erwachsene in Be- 
tracht kommen, höher als bei dem aus dem Friedrichshain stammenden Material. 

3 ) Berliner klin. Wochenschr. 1909, Nr. 13. 
*) 1. c. S. 96. 



120 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

ringe Zunahme hat seit dem Jahre 1882, — in welchem die 
ärztliche Leichenschau eingeführt wurde — , stattgefunden, 
und zwar um 0.36 auf 10000 Lebende! In bezug auf Einzelheiten 
aus dieser Statistik verweisen wir auf unsere vorhin gemachten Aus- 
führungen (cfr. S. 96). 

In Frankfurt a/O. hatte Pernice 1 ) unter den Aerzten dieses 
Regierungsbezirkes eine Umfrage über die Zahl der an einem be- 
stimmten Tage (25. Juni 1907) in Behandlung stehenden Krebs- 
kranken veranstaltet. Es beteiligten sich an dieser Sammelforschung 
85 °/ aller Aerzte, und es wurden an diesem Tage im ganzen 404 krebs- 
kranke Personen ermittelt. Daß auch diese Sammelforschung für die 
Erforschung der Ausbreitung der Krebskrankheit in diesem Bezirke 
wenig Wert hat, ersieht man aus den amtlichen Sterblichkeitsnachweisen 
für diesen Regierungsbezirk. 

Es starben nämlich im Jahre 

1900 = 719 Personen an Krebs 

1901 = 748 

1902 == 741 

1903 = 720 „ „ „ 

1904 = 808 

1905 = 845 „ „ „ 

Die Gründe für diese plötzliche Steigerung in den Jahren 1904 
bis 1905 sind nicht ersichtlich, da nähere Angaben über Bevölkerungs- 
zunahme, Aufklärung des Publikums usw. nicht gemacht werden. 

Von kleineren Bezirken ist noch die Statistik der Krebstodes- 
fälle in Marklissa und Umgegend zu erwähnen, die A. Wolff 2 ) 
zusammengestellt hat. 

Auf 11703 Einwohner dieses Bezirks entfielen während der Zeit 
von 1891 — 1899 durchschnittlich jährlich 17,7 Krebstodesfälle, d. h. auf 
1000 Lebende = 1,5 Krebstodesfälle. 

Im Vergleich zu den Gesamttodesfällen betrug die Krebs- 
sterblichkeit = 4,4 °/ , ein Prozentsatz, den Wolff für sehr hoch hält, 
der auch in der Tat, im Verhältnis zu der Sterblichkeit in anderen 
Bezirken, wie z.B. in den Regierungsbezirken von Ost- und West- 
preußen (cfr. S. 115), wesentlich höher ist. 

Unter den älteren Statistiken ist noch besonders die aus Frank- 
furt a/M. bemerkenswert, welche, nach A. Hirsch, 3 ) sich durch Ge- 
nauigkeit der Angaben vor vielen ähnlichen Nachweisen auszeichnet. 

Schon in der Zeit von 1863 — 1883 ist daselbst trotz der Be- 
völkerungszunahme eine Abnahme der Sterbefälle an Uterus- und 
Mammacarcinom festgestellt worden. 

F. W. Beneke 4 ) hat noch nähere Angaben über die Krebs- 
sterblichkeit in Frankfurt a/M. für die Zeit von 1857—1876 gemacht. 

Durchschnittlich entfielen auf 100 Todesfälle überhaupt 
während dieser Zeit = 3,79 Krebstodesfälle (Maximum = 5,30, Mini- 
mum = 2,7).*) 

1 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 504. 

2 ) Ibidem, Bd. I, 1904, S. 233. 

3 ) Handbuch der histor.-geograph. Pathologie. Stuttgart 1886. Abt. III, S. 353. 

4 ) 1. c. S. 118. 

*) Im Vergleich zu anderen deutschen Städten entfielen zu dieser Zeit z. B. in 
Halle = 2,91, Hannover = 2,35, Kassel = 1,99, Wiesbaden = 3,20 Krebs- 
todesfälle auf 100 Todesfälle überhaupt. 



Krebs Verbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Preußen] 



121 



Die Krebssterblichkeit der Personen im Alter von 20 — 100 
Jahren in Frankfurt a/M. während der Zeit von 1871 — 1876 wird 
durch folgende Tabelle veranschaulicht: 



Jahr 


Allgemeine Todesfälle 


Krebstodesfälle 


Prozentsatz der Krebs- 
todesfälle zu den Todes- 
fällen überhaupt 




M. 


w Ueber- 
>v - haupt 


M. 


w Ueber- 
haupt 


M w Ueber- 
M - W " haupt 


1871 
1872 
1875 
1876 


663 
582 
671 
664 


611 
511 
530 
537 


1274 
1093 
1201 
1201 


20 
23 

38 

38 


42 

48 
48 
53 


62 
71 
86 
91 


3,01 
3,9 
5,66 
5,7 


6,87 4,8 
9,3 6,5 
9,06 7,16 
9,87 | 7,57 



Aus dieser Zusammenstellung ist eine allmähliche Steige- 
rung der Krebstodesfälle ersichtlich. 

Auch in Frankfurt a./M. ist die von uns schon häufiger er- 
wähnte Beobachtung, daß die Krebssterblichkeit bei den Männern 
im Laufe der Zeit verhältnismäßig höher wird, als die bei der Frau 
(cfr. auch S. 80 ff.) bestätigt worden.*) 

Ueber die Krebssterblichkeit auf einzelnen preußischen Inseln 
liegen statistische Nachweise über Norder ney und Helgoland vor. 

Das Vorkommen von Krebserkrankungen auf der Insel No r d e r n e y 
haben wir bereits angeführt (cf. S. 8 und 11). 

Ueber die Krebserkrankungen und Sterbefälle auf Helgoland 
hat E. L i n d e m a n n x ) berichtet. Auf Grund der in den kirchlichen 
Sterblichkeitsregistern als „Krebs" bezeichneten Sterbefälle 
konnte Linde mann für die Zeit von 1840 — 1903 im ganzen 61 Krebs- 
todesfälle (42 Frauen — 19 Männer) feststellen bei einer Bevölkerung 
von etwa 2000 Seelen. Bemerkenswert war der hohe Prozentsatz 
der an Magenkrebs Verstorbenen, der 50 °/ aller Krebstodes- 
fälle betrug. 

Von den 19 an Krebs verstorbenen Männern litten 13 an Magen- 
krebs! 

Eine Zunahme konnte bei dem kleinen, vorliegenden Material 
im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht festgestellt werden, da be- 
sonders in früheren Jahrzehnten die Aufzeichnungen recht mangel- 
haft waren. 

Im Durchschnitt starben von 1 E i n w o h n e r n = , 5 an Krebs. 

Im Anschluß an die preußischen Städte wollen wir an dieser 
Stelle noch die Ausbreitung und die Krebssterblichkeit in 
den beiden freien Städten Hamburg und Bremen anführen. 

In Hamburg hat man bereits in früheren Jahrzehnten dem 
Problem von der Verbreitung der Krebskrankheit und ihrer 
etwaigen Zunahme eine große Aufmerksamkeit geschenkt. 



*) In bezug auf die Krehssterblichkeit in anderen preußischen Städten, wie z. B. 
in Oppeln, cfr. E. Roth (Zeitschr. f. Medizinalbeamte 1901, S. 82 — für die Zeit von 
1892 — 1894). A. Schmidtmann: 6. Generalbericht über das öffentl. Gesundheits- 
wesen des Reg.-Bez. Oppeln für die Jahre 188G— 1891. 

J ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. I, S. 225. 



122 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hatte man vielfach 
behauptet, daß die Krebssterblichkeit in Hamburg zugenommen hätte, 
doch konnte schon damals Benjamin 1 ) für die Zeit von 1844—1854 
den Nachweis erbringen, daß diese Behauptung eine irrige 
wäre. 

Wir finden dann für die Zeit von 1873 — 1879 einige statistische 
Angaben von F. W. Beneke, 2 ) nach dessen Berechnung während 
dieser Zeit auf 100 Todesfälle überhaupt = 3,18 Krebstodesfälle 
(Maximum = 3,4, Minimum == 2,4) entfielen. Im Vergleich zu der 
Krebssterblichkeit in anderen Großstädten Preußens zu dieser Zeit 
(cfr. S. 121), steht Hamburg in bezug auf die Höhe der Krebs- 
sterblichkeit an dritter Stelle. 

Im Jahre 1879 entfielen im Staate Hamburg auf 5126 Todes- 
fälle von Personen im Alter von 15 — 100 Jahren überhaupt = 374 
Krebstodesfälle, d. h. 7,3 °/ aller Todesfälle. 

Dieser Prozentsatz ist im Jahre 1900, nach den Angaben von 
F. Reiche, 3 ) nur unwesentlich gestiegen, und zwar auf 8,8.*) 

Auch die neuesten, statistischen Nachweise für die Zeit von 
1900—1908 haben eine nur sehr geringe Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit in Hamburg ergeben. 

Nach Koerber 4 ) fand im Laufe dieser 8 Jahre eine Zunahme 
von 10 auf 11 % 00 statt. 

In den einzelnen Altersklassen gestalteten sich die Todes- 
fälle an Krebs in der Zeit von 1892 — 1896, nach Pernice, 5 ) folgender« 
maßen: 

Infolge von Neubildungen starben in Hamburg 

im Jahre 1892 im Alter von 15—60 Jahren = 617 Personen 
„ „ 1896 „ „ „ 15-60 „ - 833 

Es hat also in dieser Altersstufe eine Zunahme von 35,01 °/o 
stattgefunden. 

Es starben im Alter von 60 Jahren und darüber an Neu- 
bildungen : 

im Jahre 1892 = 524 Personen 
„ „ 1896 = 670 

In dieser Altersstufe hat also die Krebssterblichkeit um 2 7,9 % 
zugenommen. 

Im Vergleich mit den Provinzen von Preußen (cfr. S. 114), steht 
Hamburg in bezug auf die Zunahme in den Altersstufen von 15 
bis 60 Jahren während dieser Zeit an zweiter Stelle. Nur Bremen 
hat, wie wir sehen werden, eine größere Zunahme aufzuweisen. 

Auch in bezug auf das Alter von 60 Jahren und darüber nimmt 
Hamburg die zweite Stelle ein und wird hierin nur von der 
Provinz Posen übertroffen. 

Ueber das angeblich endemische Vorkommen von Krebs in 
Hamburg verweisen wir auf unsere früheren Ausführungen (S. 15). 



: ) Wiener med. Wochenschr. 1856, Nr. 44. 
2 ) 1. c. S. 118. 

s ) Münchener med. Wochenschr. 1900, Nr. 39. 
*) Allerdings ohne Rücksicht auf das Alter. 

4 ) 1. c. S. 15. 

5 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 506 (Tab. I). 



Krebsverbreitung bei germanischeu Völkerstämmen (Preußen). 123 

In Bremen entfielen in der Zeit von 1872 — 1874, nach den An- 
gaben von F. W. Beneke, 1 ) auf 100 Todesfälle überhaupt = 1,90 
Krebstodesfälle. 

Im Vergleich zu anderen deutschen Städten steht Bremen 
in dieser Beziehung am günstigsten da. 

Insgesamt starben an Neubildungen im Jahre 1892, nach 
Pernice, 2 ) im Alter von 15 — 60 Jahren = 155 Personen, im Jahre 
1896 hingegen = 230 Personen, dies bedeutet eine Zunahme in dieser 
Altersklasse um 48,39 °/ . 

In dieser Beziehung steht Bremen am ungünstigsten da 
(cfr. S. 114 und 122). 

In der Altersklasse von 60 Jahren und darüber starben 
an Neubildungen in Bremen im Jahre 1892 = 130 Personen, im 
Jahre 1896 hingegen = 148 Personen. Es hat also in dieser Alters- 
klasse eine Zunahme von nur 13,8 °/ stattgefunden, wodurch Bremen, 
nächst Westpreußen (cfr. S. 114), die günstigste Stellung einnimmt. 



1 ) 1. c. S. 118. 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 506, Tab. I. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in 
den anderen deutsehen Bundesstaaten. 

Bayern: Aeltere Angaben. Neuere Untersuchungen über die geographische 
Verbreitung. Allgemeine Krebssterblichkeit unter Berücksichtigung der 
Zunahme der Gesamtbevölkerung und des Alters. 

Verbreitung in einzelnen Kegierungsbezirken im Vergleich mit 
preußischen. Einfluß der Leichenschau auf die Mortalitäts- 
statistik der Stadt- und Landbevölkerung. Uebersichtstabelle über baye- 
rische Bezirksämter. 

Krebssterblichkeit in München: Scheinbare Zunahme. Ergebnisse der 
Sektionsstatistik aus Münchener pathologischen Instituten. 
Statistik aus den pathologischen Instituten von Würzburg und 
Erlangen. 

Krebssterblichkeit in Augsburg und Nürnberg. 

Sachsen : Statistisches Material. Mangel einer ärztlichen Leichenschau. Uebersichts- 
tabelle über die Krebssterblichkeit von 1873—1908. 

Verbreitung der Krebskrankheit in einzelnen Kreisen. Kritische Be- 
merkungen über die scheinbare Zunahme. 

Württemberg' : Allgemeine Krebssterblichkeit in der Zeit von 1892 — 1899. Ausführ- 
liche Untersuchungen von Weinberg und Gastpar über die Krebs- 
sterblichkeit in Stuttgart. Geschichtliche Bemerkungen. Art der 
statistischen Methode. Uebersichtstabelle für die Zeit von 1873 — 1902. 
Scheinbare Zunahme. 

Baden: Sammelforschung: Mängel derselben. Statistische Erhebungen von 
E. Werner. Geographische Verbreitung. Zunahme. Alter- und Organ- 
beteiligung. Kritische Bemerkungen. 

Thüringen: Endemisches Vorkommen. Krebssterblichkeit in Sachsen- K ob urg- 
Gotha. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit im 
Königreich Bayern. 

Für Bayern hatte schon Boudin 1 ) für die Zeit von 1851 — 1855 
berechnet, daß die Krebstodesfälle = 2,6 °/ a H er Todesfälle aus- 
machen, eine Zahl, die, wie wir gesehen haben (cfr. S. 109), in 
Deutschland erst im Jahre 1892 erreicht wurde. 



*) Traite de geographie et de statistique med. Paris 1857. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Bayern). 125 

Die späteren Untersuchungen von K. Kolb 1 ) haben nun er- 
geben, daß die Krebskrankheit nicht gleichmäßig im ganzen 
Königreich verbreitet ist. 

Von 1 Million Lebenden starben z. B. in dem südlich der 
Donau gelegenen Landesteile = 1213 Personen jährlich an Krebs, 
im übrigen Bayern hingegen nur 873 Personen. 

Auf welche Ursachen dieser Unterschied in der Krebssterblich- 
keit in den einzelnen Landesteilen, nach Kolb, zurückzuführen ist, 
haben wir bereits auseinandergesetzt (cfr. S. 10 ff.). 

In Bayern kommt die Krebskrankheit entschieden häufiger 
vor, als z. B. in Preußen. 

Nach den Angaben von Wutzdorff 2 ) starben z. B. in Bayern 
im Jahre 

1892 von 100000 Lebenden = 83,15 an Krebs 

(in ganz Deutschland*) = 59,6. in Preußen**) = 43,4) 

1898 von 100000 Lebenden = 97,4 an Krebs 

(in ganz Deutschland*) = 70,6, in Preußen**) = 57,3). 

Die Zunahme der Gesamtbevölkerung betrug während 
dieses Zeitraumes = 8,2 °/ , die der Todesfälle an Neubildungen hin- 
gegen 29,1 °/ . (Im ganzen Deutschen Reich nur 18,5 °/ . Cfr. 
S. 109). 

Berücksichtigt man jedoch bei den absoluten Zahlen der 
Krebssterblichkeit, nach den Angaben von Pernice, 8 ) das Alter 
der an Neubildungen Verstorbenen, dann steht Bayern etwas 
günstiger in bezug auf die Zunahme der Krebssterblichkeit in ge- 
wissen Altersstufen da, als Preußen. 

Es starben nämlich im Alter von 15 — 60 Jahren 
im Jahre 1892 in Preußen insgesamt 16369 Personen 
Zunahme = 14,52 °/ . 



1896 „ „ „ 18 745 



In Bayern starben im Alter von 15 — 60 Jahren 

im Jahre 1892 = 4757 Personen 
„ 1896 = 5358 
Zunahme = 12,63 °/ . 

Im Alter von 6 Jahren und darüber starben in Preußen 

im Jahre 1892 = 13952 Personen 
„ 1896 = 16802 
Zunahme = 20,4 °/ . 



') 1. c. S. 10. Cfr. auch W. Lomm: Die Verbreitung der Krebskrankheit mit 
besonderer Berücksichtigung des Königreichs Bayern. I.-D. München 1900. 

2 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 161. 
*) Cfr. S. 109. 

**) Cfr. S. 112. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 506, Tab. I. 



126 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Im Alter von 60 Jahren und darüber starben in Bayern 

im Jahre 1892 = 5090 Personen 
„ 1896 = 5855 
Zunahme = 15 %. 

Wenn man nun die Krebssterblichkeit in den einzelnen Regierungs- 
bezirken Bayerns einer genaueren Prüfung unterzieht, dann findet 
man, daß die Krebstodesfälle in den bayerischen Bezirken bei 
weitem häufiger vorkommen, als z. B. in den Regierungs- 
bezirken der ßheinprovinz, ferner aber auch, daß der Unter- 
schied in der Krebssterblichkeit zwischen der Stadt- und Land- 
bevölkerung in der Rheinprovinz ein erheblich größerer 
ist, als der in den bayerischen Bezirken (cfr. auch S. 45 ff.). 

"Wie Fr. Prinzing 1 ) hervorhebt , starben , nach F i n k e 1 n - 
bürg, 2 ) von 10 000 Lebenden in der Zeit von 1881—1890 an Krebs 
(cfr. auch S. 114): 



Kegierungs- 


























bezirke 


























Koblenz 


in 


den 


St 


ädten 


= 


47 


au 


f (1 


em 


Lande 


= 


1,9 Personen 


Düsseldorf 


jj 


55 




55 


= 


4,5 


55 




55 


55 


= 


2,6 


Cöln 


n 


55 




5? 


= 


6,8 


55 




55 


55 


= 


2,7 


Trier 


n 


55 




55 




4,3 


55 




55 


55 


= 


1,9 5, 


Aachen 


55 


,5 








5,4 


55 




55 




= 


2,3 „ 



In den bayerischen Bezirken hingegen, nach Prinzing, in 
der Zeit von 1892—1896:*) 

Im Begierungs- 
bezirke 

Oberbayern in den Städten = 12,2 in den Bezirksämtern^ 10,6 Personen 

Niederbayern „ „ „ =11,1 „ „ „ = 7,9 „ 

Oberpfalz „ „ „ = 10,6 „ „ „ =7,4 

Oberfranken „ „ „ = 9,3 „ „ „ = 6,3 

Mittelfranken „ „ „ =11,0 „ „ „ = 8,5 „ 

Unterfranken „ „ „ = 13,6 „ „ „ =7,1 „ 

Schwaben „ „ „ = 14,0 „ „ „ = 12,5 

Diese erheblichen Unterschiede in der Krebssterblichkeit zwischen 
der Stadt- und Landbevölkerung in der Rheinprovinz 
sind nun, nach Prinzing, darauf zurückzuführen, daß die Sterbefälle 
an Krebs auf dem Lande, mangels jeglicher Leichenschau, nur wenig 
eingetragen werden, während die Eintragung in den Städten 
häufiger und richtiger stattfindet. 

Die Unterschiede zwischen der Stadt- und Landbevölkerung 
in den bayerischen Bezirken sind nun aus dem Grunde erheblich 
geringer, weil in diesen Bezirken seit langer Zeit 
schon eine geordnete Leichenschau eingeführt ist. 

Die bayerische Statistik ist deshalb auch von ganz be- 
sonderem Werte, und die Uebersicht, die Kolb 3 ) über die Krebs- 



1 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 527. 

2 ) Centr.-Bl. f. allg. Gesundheitspflege 1894, Bd. XIII, S. 251. 
*) Todesfälle an Neubildungen (gut- und bösartigen) überhaupt. 

3 ) 1. c. S. 10. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Bayern). 



127 



Sterblichkeit in einigen bayerischen Bezirksämtern gegeben 
hat, gewährt ein klares Bild über die tatsächliche Verbreitung 
des Krebses (cfr. auch S. 10): 



Stadt*) 



Bevölkerung 



Krebs- 
todesfälle 



M. 



W. 



Jahr 



auf 
1 Million 
Lebende 



Insmarshausen 
Dachau 
München*) 
Starnberg 
Wolfratshausen 
Griesbach 
Passau Land 
Stadt 
Hersbruck 
Landsberg 



15 680 
24 961 
30 355 
15 560 

15 915 
33 618 
40 606 

16 794 
37 471 

5 623 



293 


170 


123 


482 


218 


264 


315 


147 


168 


270 


117 


153 


265 


112 


153 


468 


219 


249 


685 


256 


429 


306 


87 


219 


853 


404 


449 


292 


82 


154 



1890- 
1886- 
1888- 
1890- 
1890- 
1891- 
1885- 
1885- 
1882- 
1879- 



-1899 
-1902 
-1898 
-1902 
-1902 
-1902 
-1902 
-1902 
-1900 
-1901 



1869 
1162 

992 **) 
1317 
1281 
1266 

937 
1012 
1135 
2265 



Statistische Untersuchungen über die Krebs Verbreitung 
und etwaige Zunahme dieser Krankheit in einigen Großstädten 
Bayerns haben zu folgenden Ergebnissen geführt: 

In München gestaltete sich die Krebssterblichkeit in der Zeit 
von 1871 — 1909, nach den Angaben von A. T heil habe r und S. 
Greischer, 1 ) folgendermaßen: 

Es starben von 1000 Einwohnern an Carcinom und anderen 
Neubildungen in der Zeit von 



1871-1875 = 
1876—1880 = 
1881—1885 = 
1886—1890 = 
1891—1895 = 
1896—1900 = 
1901-1905 = 

1906 = 

1907 = 

1908 = 

1909 = 



136 Personen = 
207 ,. = 



265 
330 
428 
609 
756 



0,8 °/ 00 der Bevölkerung 

00 J5 » 



1,0 °/c 



- 1,1 7c 

= 1,1 °lr 



1 1 °/ 

L 1 L /oo 

'oo 



1 4 °/ 



= 1,5 



Demnach 



Bevölkerung im 



905 (738)***^ 
977 (782) 
890 (693) 

hätte sich 
Laufe 



V..) 



der Bevölkerung 



— 1 6°/ 

n — ■ L ? u /oo 

)Personen = l,7°/ 00 (l,3 

n =: =ljl /oo (J-;4 /ooJ 55 5? 

n — l,0°/oo (1,2 /oo) w » 

die Krebssterblichkeit der Münchener 
von 39 Jahren prozentual ver- 
doppelt. 

Trotzdem glauben Theilhaber und Greischer nicht, daß 
diese Erscheinung Veranlassung zur Beunruhigung geben darf ; denn 
in diesem Zeiträume hat die allgemeine Sterblichkeit 
in München ganz gewaltig abgenommen, und zwar von 
40,4 auf 1000 Einwohner bis zu 17,6 auf 1000 Ein- 
wohner — also um mehr als um die Hälfte. Abgesehen von dem 
Rückgang der Sterblichkeit an Tuberkulose von 5°/ 00 au f 2ß°looj 



*) Nach Bezirksämtern. (Alle Todesfälle nur von Aerzten bescheinigt.) 
**) Nach Prinzing für die Zeit von 1892—1896 = 1010 (ohne die Stadt 
München). 

l ) Zeitschr. f. Krebsforschung. Bd. IX, 1910, S. 530. 
***) Bei den eingeklammerten Zahlen handelt es sich um Todesfälle an Carcinom 
bei Personen im Alter von 25 Jahren und darüber. 



128 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



der geringeren Säuglingssterblichkeit, der Abnahme der 
Epidemien usw.,*) wodurch ein größerer Teil der Bevölkerung in das 
krebs fähige Alter gelangt, kommt noch hinzu die genauere 
Diagnosenstellung, der größere Zufluß in die Krankenhäuser 
und die Zunahme der Sektionen, wodurch die scheinbare Zu- 
nahme der Krebskrankheit ihre Erklärung findet. 

Derselben Ansicht sind auch die Hygieniker und die patho- 
logischen Anatomen, die sich mit der Münchener Krebs- 
sterblichkeit beschäftigt haben. 

Nach Singer 1 ) z. B., der die Krebssterblichkeit der M ü n c h e n e r 
Bevölkerung in den einzelnen Altersklassen untersuchte, hätte 
wohl in der Zeit von 1876—1900 eine Zunahme stattgefunden, doch 
wäre diese aus den oben angeführten Gründen nur eine scheinbare. 



Es starben in München von 1000 Einwohnern 
an Krebs 







Im Alter 


Im Alter 


Im Alter 




Jahr 


von 


von 


von 




31-50 


51-70 


71 Jahren 






Jahren 


Jahren 


u. darüber 


1876- 


-1880 


0,9 


3.9 


5,3 


1881- 


-1885 


1,0 


4,5 


6,5 


1886- 


-1890 


1,1 


4,9 


8,1 


1896- 


-1900**) 


1,2 


6,0 


10,7 



Auch die pathologischen Anatomen haben zwar eine 
Steigerung der Sektionen von an Krebs verstorbenen Personen 
beobachtet, doch wäre diese Zunahme vor allem auch auf die Zu- 
nahme der Sektionen überhaupt und auf die genauere 
Diagnose zurückzuführen, abgesehen von den schon vorhin ange- 
führten Gründen, so daß auch, nach Ansicht der München er Patho- 
logen, die Zunahme nur eine scheinbare ist. 

Nach den Untersuchungen von Heinrich Rieck 2 ) kamen im 
pathologischen Institut zu München während der Zeit von 
1854 — 1902 unter der Zahl der Sektionen überhaupt, Sektionen von 
an Krebs Verstorbenen ***) vor : 

In der Zeit v. 1854— 1863 unter 3101 Sektion en= 220 Carcinome= 7 % 
„ „ „ ,. 1864-1873 „ 3976 „ =282 „ = 7,1 „ 
„ „ „ „ 1874-1883 „ 4674 „ =382 „ = 8,2 „ 
„ „ „ „ 1884—1893 „ 5687 „ =564 „ = 9,9 „ 



1902 



7667 



962 



= 12.5 



*) Wir kommen noch späterhin auf alle diese Punkte ausführlicher zurück. 

1 ) Die Abminderung der Sterblich keitsziffer in München. Festschrift der 
27. Versammlung des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, 1902. 

**) Die Steigerung ist, nach Singer, auch darauf zurückzuführen, daß in der 
Zeit von 1896—1900 auch die Todesfälle an anderen Neubildungen mitgezählt wurden. 

2 ) 1. c. S. 86. Cfr. auch Ingerle: Sektionsberichte aus dem Münchener 
pathol. Institut 1854—1864. I.-D. München 1886. Kittsteiner — für die Zeit von 
1865—1874. I.-D. München 1886. Peetz, I.-D. München 1889 und 0. Boilinger 
(Münchener med. Wochenschr. 1903, Nr. 38). 

***) Im Alter von 15 Jahren und darüber. 



Krebsverbreitimg bei germanischen Völkerstämmen (Bayern). 129 

Es wurden also in der Zeit von 1854 — 1902 = 25 105 Sektionen 
ausgeführt, unter denen sich 2410 Krebsfälle, d. h. durchschnittlich 
9,6 °/ befanden. 

Die Zunahme bei den Männern stieg von 5,5 °/ auf 8%, die 
der Frauen von 9,4 °/ auf 18%!*) 

Im Vergleich mit den Ergebnissen aus den Berliner und 
Breslau er pathologischen Instituten (cfr. S. 119 ff.), ist die 
Zunahme, mit Ausnahme der Charitestatistik, in dem Münchener 
Institute eine erhebliche. 

Auch die Berichte aus dem pathologischen Institute zu 
Würzburg ergeben eine ähnliche Zunahme der Krebssterblichkeit. 

Nach einer Zusammenstellung von Fritz Fö ekler 1 ) fanden in 
diesem Institut in der Zeit von 1852 — 1908 im ganzen 21494 
Sektionen statt, von Erwachsenen allein = 15 255, darunter fanden 
sich 1607 Carcinome — also durchschnittlich 10,53 °/ ! 

Die Aufzeichnungen sind allerdings — besonders in der älteren 
Zeitepoche — lückenhaft, und der Prozentsatz der Carcinome schwankt 
in den einzelnen Jahren ganz beträchtlich, z. B. im Jahre 1871 = 5,65 %. 
im Jahre 1904 aber 17,9%! 

In den einzelnen Jahrzehnten verhielten sich die Carcinom- 
sektionen zu den übrigen Sektionen bei Erwachsenen folgender- 
maßen : 

In d. Zeit v. 1852-1861 = 2719 Sekt., darunter 246 Carcinome = 9,04 % 
„„ „ „1862-1871 = 3467 „ „ 276 „ = 7,95,, 

„„ „ „1872-1881 = 1715 „ „ 151 „ = 8,80 „ 

1882—1891 = 1244 „ „ 162 „ = 13,02 „ 

1892—1901 = 3578 „ „ 426 ,. =11,90,, 

1902-1908 = 2532 „ „ 346 „ =13,66,, 



» ii ii ii 
ii ii ii ii 
ii ii ii ii 



Nicht ganz so hoch war, nach den Untersuchungen von Gabriel 
Schuster, 2 ) die Steigerung der Carcinomsektionen in dem patho- 
logischen Institut zu Erlangen, wo, nach Carl T hier seh, 3 ) in der 
Zeit von 1826 — 1854 überhaupt nur 102 Fälle von Epithelialkrebs 
klinisch behandelt wurden. 

Nach Schuster fand, ähnlich wie im Würzburger Institute, 
während der Zeit von 1863 — 1882 eine prozentuale Abnahme der 
Carcinome statt, und erst vom Jahre 1883 an konnte eine Steigerung 
festgestellt werden, die aber bis zum Jahre 1907 nur von 1 auf 1,41 
sich erhöhte. 

Von weiteren Untersuchungen über die Krebssterblichkeit in 
einzelnen Großstädten Bayerns müssen wir noch die ausführ- 
lichen Mitteilungen von W. R. Hoeber 4 ) über die Krebsverbreitung 
in der Stadt Augsburg erwähnen. 



*) Cfr. auch die Statistik von Hermann Nobiling (Zeitschr. f. Krebsforschung, 
Bd. X, 1911, für die Zeit von 1908 — 1909 — Sektionsmaterial des pathol. Instituts 
des Krankenhauses München r. d. Isar). 

1 ) Krebsstatistik nach den Befunden des pathologischen Instituts zu Würz- 
bürg vom Jahre 1852—1903. I.-D. Würzburg 1909. 

2 ) Statistische Studien zur Carcinomfrage. I.-D. Bamberg 1909. kl. 8°. 73 S. 

3 ) Der Epithelialkrebs, namentlich der Haut. Leipzig 1865. 

4 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. I, 1904, S. 173. 

Wolff. Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 9 



130 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Durchschnittlich starben jährlich in dieser Stadt in der Zeit von 
1892 — 1901, bei einer Bevölkerung von 84097 Einwohnern, überhaupt 
= 2081.5 Personen, d. h. 24,74 °/ 00 , an Neubildungen = 1,3 °/ 00 . 

Auf 100 Todesfälle überhaupt, entfielen durchschnittlich jährlich 
5,5 an Neubildungen. Im ganzen starben während dieses Zeit- 
raumes 1153 Personen an Neubildungen. 

Im Vergleich mit anderen größeren Städten Bayerns, starben 
an Neubildungen, nach Prinzing, 1 ) z. B. in Nürnberg = 0,99 von 
1000 Einwohnern jährlich, in den größeren Städten von Mi tt el- 
franken = 1,01 und in denen von Schwaben = 1,43 Personen. 

Augsburg nimmt also in dieser Beziehung eine mittlere 
Stellung ein. Die größere Krebssterblichkeit in München (cfr. S. 127) 
ist wohl auf den größeren Zufluß von Aus war tigen zurück- 
zuführen; denn wie Prinzing hervorhebt, haben alle Universitäts- 
städte immer ein „großes Plus" an Krebstodesfällen aufzuweisen 
(cfr. auch S. 109). 



Die Verbreitung der Krebskrankheit im 
Königreich Sachsen. 

Im Königreich Sachsen werden seit dem Jahre 1873 in den 
Statistischen Jahrbüchern auch Angaben über die Zahl der 
Krebstodesfälle gemacht. 

In neuerer Zeit hat G. Kadestock 2 ) in sorgfältiger Weise eine 
Zusammenstellung aller im Königreich Sachsen vom Jahre 1873 — 1903 
vorgekommenen Krebstodesfälle veröffentlicht, wobei er zu dem Er- 
gebnis kam, daß während dieser Zeit ein Ansteigen der Krebs- 
sterblichkeit von 5,8 auf 9,1 auf je 10000 Einwohner statt- 
gefunden hätte. 

Wie Prinzing 3 ) betont, wird in Sachsen zum großen Teil 
die Leichenschau von Laien ausgeübt. Die Zahl der ärztlich be- 
glaubigten Todesursachen hat allerdings seit den 70er Jahren erheblich 
zugenommen, blieb sich aber in den letzten Jahren gleich. Es ist 
daher, nach Prinzing, anzunehmen, daß die höheren Ziffern der 
Krebssterblichkeit auf einer wirklichen Zunahme der Krebs- 
todesfälle beruhen. 

Die folgende, von uns auf Grund des vorliegenden Materials*) 
zusammengestellte Tabelle gibt eine Ueber sieht über die Krebs- 
sterblichkeit im Königreich Sachsen für die Zeit von 1873 — 1908. 



1 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 527. 

2 ) Zeitschr. des Königl. Sächsischen Statistischen Landesamts 1905, H. II. 

3 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 527. 

*) Außer den vorhin genannten Quellen wurden noch benutzt: Statistisches 
Jahrbuch für das Königreich Sachsen 1908 u. 1910 und: J. D oll in g er: II. Inter- 
nationale Krebskonferenz. Paris 1910, S. 474. 



Krebsverbreitung bei germanischen ■ Völkerstämmen (Sachsen). 



131 





Es starben im Königreich Sachsen 












Aerztlich 


Aerztlich 


Jahr 


von 10 000 
Einwohnern 


an 
Infektions- 


überhaupt 
an Krebs 


beglaubigte 
Todesfälle 


beglaubigte 
Krebstodes- 




an Krebs 


krankheiten 




überhaupt, 
Prozentsatz 


fälle, 
Prozentsatz 


1873 


5,84 






37,1 % 




1874 


6,01 


— 


— 


— 


— 


1875 


6,23 


— 


— 


— 


— 


1876 


6,39 


— 


— 


— 


— 


1877 


6.87 


— 


— 


— 


— 


1878 


6,53 


— 


— 


— 


82,8 % 


1879 


7.09 


— 


— 


— 


— 


188J 


7,25 


— 


— 


— 


— 


1881 


7,03 


— 


— 


— 


— 


1882 


6,98 


— 


— 


— 


— 


1883 


7,12 




— 


— 


— 


1884 


7,09 




— 


— 


— 


1885 


7,38 


— 


— 


— 


— 


1886 


7,23 


— 


— 


— 


— 


1887 


7,54 


— 


— 


— 


— 


1888 


7,63 




— 


— 


— 


1889 


7,59 


— 


— 


— 


— 


1890 


8,02 


— 


— 


— 


— 


1891 


7,79 


— 




1893 -97 


— 


1893 


8,60 


— 




53,8; 52,0; 52,7; 
55,9; 53,2 


— 


1903 


9.10 


3097 


3370 


— 


95,7% 


1906 


8,45 


— 


— 


— 




1908 


8,35 


— 


— 


— 


— 



In den einzelnen Kreisbezirken Sachsens starben von 10000 Ein- 
wohnern an Krebs im Jahre 1908*): 

Im 



Kreise Bautzen 


= 


7,67 


Personen 


55 


Chemnitz 


= 


8,43 


55 


n 


Dresden 


= 


8,87 


55 


55 


Leipzig 


= 


8,39 


55 




Zwickau 


= 


7,73 


55 



Im Gegensatz zu Prinzing, hält Rad est ock nun diese erheb- 
liche Zunahme im Königreich Sachsen nur für eine scheinbare; 
denn die Kurve der Aerztevermehrung geht im Königreich 
Sachsen fast parallel mit der Sterblichkeits kurve an 
Krebs. 

„Mit der Zunahme der Aerzte", sagt Radestock, „stieg die 
Zahl der den Krankenhäusern überwiesenen Krebskranken und mit 
letzterer Zahl die Zahl der überhaupt ermittelten Krebsfälle." 

Noch größere Irrtümer werden, nach Radestock, durch die 
Statistiken der Krankenhäuser (cfr. auch S. 109 u. 130) hervor- 
gerufen. Die Beeinflussung durch die Krankenkassengesetz- 
gebung ist hierbei noch viel größer, als die aller anderen Faktoren. 
Wir haben schon früher darauf hingewiesen (cfr. S. 105), daß durch 
die soziale Gesetzgebung: mehr Männer den Krankenhäusern 



*) Cfr. Statistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen 1910. 



9* 



132 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit 

zugeführt werden, und daß infolgedessen auch mehr versteckte 
Krebse diagnostiziert werden, wodurch die Sterblichkeitskurve der 
Männer eine Steigerung erfährt. Eine Ausnahme macht in 
dieser Beziehung nur Frankfurt a./M. (cfr. S. 121), wo schon vor 
Einführung der Krankenkassen eine Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit bei den Männern beobachtet wurde. 

Nach Radestock ist das allmähliche, auf einen Zeit- 
raum von ungefähr 30 Jahren verteilte Ansteigen der 
relativen Krebssterblichkeit in Sachsen nicht gleich- 
bedeutend mit einem Umsichgreifen der Krebskrankheit, 
sondern mit einer Zunahme der statistisch ermittelten, 
d. h. ärztlich bescheinigten Krebstodesfälle! 



Statistische Untersuchung en über die Verbreitung der 
Krebskrankheit in Württemberg. 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit in Württemberg 
hat Friedrich Prinzing 1 ) eine ausgezeichnete Uebersicht für die 
Zeit von 1892 — 1899 gegeben. In mustergültiger Weise hat er für die 
einzelnen Oberämter die Krebstodesfälle zusammengestellt, unter 
Berücksichtigung der Altersklassen, der Zahl der ärztlich Behandelten 
und der Angaben über die Todesfälle durch Altersschwäche. 

In Uebereinstimmung mit K. Kolb (cfr. S. 10) konnte Prinzing 
die höchste Sterblichkeit im Donaukreise feststellen. Die 
Zunahme betrifft besonders die an und südlich der Donau ge- 
legenen Oberämter. 

Im Jahre 1898 z. B. entfielen auf je 10000 Einwohner = 9,67 
Krebstodesfälle. Die Krebssterblichkeit in Württemberg ist also 
in diesem Jahre fast ebenso hoch wie in Bayern (cfr. S. 125). 

Indem wir in bezug auf Einzelheiten über die Krebsverbreitung 
in den württembergischen Oberämtern auf die Arbeit von Prin- 
zing verweisen, wollen wir an dieser Stelle nur noch die Krebs- 
verbreitung in Stuttgart anführen. Durch die außerordentlich sorg- 
fältigen und in statistischer Beziehung mustergültigen Untersuchungen 
von W. Weinberg und Gastpar 2 ) können die statistischen Nach- 
weise für Stuttgart wohl als die bisher zuverlässigsten angesehen 
werden. 

In Stuttgart besteht, nach den Angaben von Weinberg und 
Gastpar, bereits seit dem Jahre 1781 eine Ermittlung und Ver- 
öffentlichung der Todesursachen. Bis zum Jahre 1850 handelte es 
sich aber nur um Eintragungen in die Kirchenbücher, und es darf 
daher nicht wunder nehmen, daß „Krebs" als Todesursache bis zum 
Jahre 1811 gar nicht und bis zum Jahre 1850 nur selten verzeichnet 



1 ) Württemb. med. Corresp.-Bl. 1903 u. 1908 (die Krebshäufigkeit in den Ober- 
ämtern Backnang, Marbach, Schorndorf, Waiblingen und B i b e r a c h , 
Riedlingen, Sauig au, Waldsee). 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. II, 1904, S. 195; Bd. IV, 1906, S. 18. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Württemberg). 133 



ist. Die Häufigkeit der Krebstodesfälle berechnete Stimmel 1 ) für 
die Zeit von 1822—1833 deshalb auch nur auf 5,5 von 1000 Todes- 
fällen überhaupt. 

Erst seit dem Jahre 1873 wurden Totenscheine lediglich für 
statistische Zwecke eingeführt. Allein, auch die Diagnosen auf den 
Totenscheinen konnten nicht immer als einwandfrei gelten, da eine 
gesetzliche Leichenschau in Stuttgart nicht besteht, und selbst im 
Jahre 1901 noch 31 °/ der angegebenen Krebstodesfälle ärztlich nicht 
diagnostiziert waren. 

Immerhin konnte, besonders in der jüngsten Zeit, durch die zu- 
nehmende Hospitalbehandlung, durch die Vermehrung 
der Aerzte und durch die infolgedessen auch verbesserten Diagnosen 
auf den Totenscheinen, das vorhandene Material zur Prüfung vieler 
Fragen, wie z. B. des endemischen Vorkommens, der Verteilung, der 
Vererbung, des Berufs usw. verwertet werden. 

Die Art der statistischen Untersuchungen, die Berücksichtigung 
der Fehlerquellen und die Hilfsquellen, die Weinberg und Gastpar 
zur Verfügung standen, haben wir bereits erwähnt (cfr. S. 14 
und 104). 

Wir geben nun in folgender Tabelle eine Uebersicht über die 
Krebssterblichkeit in Stuttgart während der Zeit von 1873 — 1902, 
unter Benutzung der von Weinberg und Gastpar gemachten An- 
gaben : 

Krebstodesfälle in Stuttgart (1873—1902). 



Jahr 


Gesamtzahl 
der Todes- 
fälle über- 
haupt 


Gesamtzahl 
der Krebs- 
todesfälle 


Auf 10 000 
Lebende ent- 
fielen jährlich 
Krebstodesfälle 


Auf 100 Todes- 
fälle überhaupt 

entfielen 
Krebstodesfälle 


Von 100 
Krebstodes- 
fällen ent- 
fielen auf 
Magenkrebs 




M. 


W. 


M. 


W. 


M. 


W. 


M. 


W. 


M. 


W. 


1873-1882 
1883-1892 
1893—1902 


14 616 
13 954 

15 288 


12 893 
12 688 
14 762 


221 
332 
588 


492 
630 
886 


4,11 
5,26 
7,33 


8,66 

9,09 

10,09 


1,6 

2,7 
4,7 


4,0 
5,3 

6,8 


63,8 
66,6 
72,6 


33,9 
43,2 
47,0 



Wir werden noch späterhin Gelegenheit haben eine ver- 
gleichende Uebersicht über die Krebssterblichkeit in den ein- 
zelnen Staaten und Städten Deutschlands zu geben und werden 
dann auch entscheiden können, ob die Krebssterblichkeit in Stutt- 
gart über oder unter dem Durchschnitt der allgemeinen Krebs- 
sterblichkeit in deutschen Orten steht. 

Aus der vorstehenden Tabelle ist jedenfalls eine Zunahme der 
Krebssterblichkeit überhaupt, in der Zeit von 1873—1902 ersichtlich, 
ferner, in der letzten Zeit eine größere, prozentuale Zunahme bei 
Männern, bedingt besonders durch die Erkrankung der Ver- 
dauungsorgane (cfr. auch S. 83 u. 105), hingegen war in Stutt- 
gart bei den Frauen eine Abnahme der Todesfälle an Uterus- 
und Mammakrebs zu bemerken, wohl infolge von Heilungen 
durch rechtzeitige Operationen. 



! ) Untersuchungen über die Bevölkerung^ 
nisse in Stuttgart. I.-D. Tübingen 1834. 



Geburts- und Sterblichkeitsverhält- 



134 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Auch Weinberg und Gastpar sind der Ansicht, daß 
die Zunahme der Krebssterblichkeit in Stuttgart nur 
eine scheinbare sei, bedingt durch die bessere Diagnostik, 
längere Beobachtung und durch die gesetzliche Krankenversicherung, 
durch welche besonders mehr Männer den Krankenhäusern zugeführt 
werden. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in Baden 
und Thüringen. 

Durch die mühevollen und sorgfältigen Untersuchungen von 
E. Werner 1 ) haben wir einen genaueren Ueberblick über die Krebs- 
sterblichkeit in 

Baden 
erhalten. 

In seinem hervorragenden Werke bearbeitete Werner zunächst 
das Material der Sammelforschung des badischen Landes- 
komitees für die Jahre 1904 und 1906. 

Auch diese Rundfrage bei den Aerzten Badens hat, wie fast alle 
Sammelforschungen (cfr. S. 101 ff), für die Beurteilung der Verbreitung 
der Krebskrankheit nur einen sehr bedingten Wert; denn an der 
Sammelforschung vom Jahre 1904 beteiligten sich nur 61% aller 
badischen Aerzte und an der vom Jahre 1906 sogar nur 45,7%. 
Die Ergänzungen, die Werner zur Ausfüllung der Lücken vornahm, 
sind durchaus bedenklich und können nicht als einwandfrei an- 
gesehen werden. 

Auf Grund der Ergebnisse dieser Rundfragen berechnete Werner 
die Krebssterblichkeit in Baden für das Jahr 1904 auf 3,97 von 
10 000 Einwohnern und im Jahre 1906 auf 3,83. Im ganzen kamen 
in Baden im Jahre 1904 = 2066 und im Jahre 1906 = 1993 Krebs- 
todesfälle vor. 

Im Vergleich mit der Krebssterblichkeit in Bayern und 
Württemberg (cfr. S. 125 u. 132), ist also die Krebssterblichkeit 
in Baden verhältnismäßig niedrig. Die Lückenhaftigkeit des Ur- 
materials läßt jedoch keine beweiskräftigen Schlußfolgerungen zu. 

Weit zuverlässiger ist schon das auf Grund der amtlichen 
Sterblichkeitsnachweise aus 1576 Gemeinden Badens von 
Werner bearbeitete Material, das die Zeit von 1883—1907 umfaßt. 

Aus diesen Nachweisen geht zunächst hervor, daß der Süden 
und Südosten des Landes am stärksten von der Krebskrankheit 
heimgesucht wird, während die Mitte sehr krebsarm ist und der 
nördliche Teil eine mittlere Krebssterblichkeit aufweist. 

Nach Werner sind weder geologische noch klimatische 
Faktoren maßgebend für die Höhe der Krebssterblichkeit (cfr. S. 15), 
sondern mehr äußere Ursachen (physikalische, chemische, parasitäre 
Reize !). 



*) 1. c. S. 15. Cfr. auch: Münchener med. Wochensehr. 1911, Nr. 44 und: Inter- 
nationale Hygiene- Ausstellung 1 . Dresden 1911. 



Krebsverbreitung bei germanischen Völkerstämmen (Baden, Thüringen). 135 

In der Zeit von 1883— -1907 hat nun die Krebssterblich- 
keit in Baden um etwa 33 1 / 3 °/ zugenommen, aber nur bei 
den über 60 Jahre alten Personen (50 — 60%). Bei Personen unter 
40 Jahren war fast gar keine Zunahme festzustellen, und bei solchen 
im Alter von 40 — 60 Jahren war die Zunahme nur unerheblich. 

Daraus schließt nun Werner, daß die Zunahme eine wirk- 
liche, und daß die bessere Diagnosenstellung nicht schuld an 
der Steigerung sei. 

Für Preußen trifft dies, nach Behla, 1 ) nicht zu; denn die für 
die Zeit von 1888 — 1897 nach Altersklassen geordnete Auf- 
stellung zeigt im Laufe des Jahrzehnts ein regelmäßiges An- 
steigen auch innerhalb der einzelnen Altersstufen. 

Sehr verbreitet ist, nach Werner, in Baden die Krebs- 
erkrankung des Verdauungskanals, die 66%% aller Krebs- 
todesfälle ausmacht. 

Die Diagnosen auf den Totenscheinen sind jedoch, wie überall, 
wo keine gesetzliche Leichenschau eingeführt ist, auch in Baden 
nicht immer maßgebend, besonders bei den aus früheren Zeiten 
stammenden Nachweisen, wo oft nur Allgemeinbezeichnungen, wie 
Magen-, Leberleiden usw., die wirkliche Diagnose zweifelhaft er- 
scheinen lassen. Der Nachweis, wie oft solche Allgemeinbe- 
zeichnungen auf den Totenscheinen vermerkt waren, fehlt, wie 
Prinzing 2 ) hervorhebt, in der Wem er 'sehen Arbeit, so daß gegen 
die Annahme, daß in Baden die Krebssterblichkeit wirklich und 
nicht scheinbar zugenommen habe, gewichtige Bedenken erhoben 
werden müssen. 

Ueber die Krebssterblichkeit in Thüringen haben wir bereits, 
soweit die Frage des endemischen Vorkommens in einzelnen Ort- 
schaften in Betracht kommt, berichtet (cfr. S. 7 ff.). 

Für Sachsen-Koburg-Gotha berechnete Pernice 3 ) Todesfälle 
an Neubildungen: 

Bei Personen im Alter von 15 — 60 Jahren, im Jahre 1892 = 109 

11 11 11 11 11 11 11 11 11 loUD = 1U4: 

„ ,, „ „ „ 60 Jahren und darüber, im Jahre 1892=130 

11 11 11 11 11 11 11 11 11 J OVO = 14:0 

In der letzten Altersstufe hat also eine Zunahme von 13,8% 
stattgefunden. 

Allein, diese Zahlen sind zu klein, um irgendwelche Schlüsse in 
bezug auf die wirkliche Zunahme der Krebskrankheit zu ziehen.*) 



1 ) Deutsche Medizinalzeitung 1900, Nr. 14. (Cfr. auch Anlage I zu der Ministerial- 
verfügung vom 16. Nov. 1899.) 

2 ) Cfr. Deutsche med. Wochenschr 1910, S. 2117. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 506. 

*) Ueber die Krebstodesfälle in Schwarzburg-Sondershausen während 
der Zeit von 1885—1895. Cfr. Nicolai: Corresp.-Bl. des Allg. ärztlichen Vereins 
von Thüringen 1897, p. 1. 



136 H. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Statistische Untersuchungen 

über die Krebssterblichkeit in deutschen Gefängnissen 

und bei deutschen Lebensversicherungsanstalten. 

Krebserkrankung in Gefängnissen : Beneke's Diathesentheorie gestützt 
durch statistische Untersuchungen. Geringe Krebssterblichkeit der Zucht- 
hausinsassen. Vegetabilische Diät. 

Statistik der Lebensversicherungsgesellschaften : 

Art des Materials. Untersuchungen bei der „Viktoria". Zunahme 
der Krebstodesfälle. 

Gotha er Lebensversicherung. Berücksichtigung der Altersklassen. 
Tabelle. 

„Friedrich Wilhelm": Uebersicht über die Krebstodesfälle von 
188ö— 1899. Schwankendes Verhalten. Allgemeine Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit. Kritische Bemerkungen. 

Statistische Untersuchungen bei der Leipziger und Magdeburger 
Lebensversicherungsgesellschaft. Uebersichtstabelle. Mängel dieser Sta- 
tistiken. 

Vergleichende Uebersicht über die Krebssterblichkeit in einzelnen 
Staaten, Provinzen und Städten Deutschlands. 

Wir haben bisher alle statistischen Ergebnisse im Deutschen 
Reich angeführt, deren Urmaterial aus Sammelforschungen, amt- 
lichen Sterblichkeitsnachweisen, Familienregistern, Heilanstalten und 
pathologischen Instituten herstammt. 

Man hat nun auch geglaubt, daß die aus Gefängnissen und 
Lebensversicherungsanstalten mitgeteilten Nachweise ge- 
eignet wären zur Klärung vieler Fragen aus der Krebslehre, wie 
z. B. der Aetiologie, des Berufs, Geschlechts, ferner der Zunahme 
oder Abnahme usw., beizutragen. 

Das aus Gefängnissen stammende Material hat besonders F. W. 
Beneke 1 ) in vieler Hinsicht verwerten zu können geglaubt. 

In ätiologischer Beziehung glaubt er zunächst eine Stütze 
für seine von uns oft erwähnte Diathesenlehre*) in der geringen 
Krebssterblichkeit der Anstaltsinsassen zu finden. 

Nach Beneke nämlich steht die Krebssterblichkeit der 
Zuchthausgefangenen, ganz allgemein mit der Krebssterblich- 
keit der frei lebenden Bevölkerung verglichen, auf einer der 
niedrigsten Stufen; denn sie betrug für alle Anstalten 
Preußens nur 1,24 °/ aller Todesfälle in der Zeit von 1870—1880, 
während die Krebssterblichkeit der frei lebenden Bevölkerung in den 
Städten zu dieser Zeit bedeutend höher war. 

Beneke bezieht diese geringe Krebssterblichkeit der 
Gefängnisinsassen, im Gegensatz zur Tuberkulose, auf die bis in 
die 70er Jahre übliche Beköstigung der Gefangenen, welche fast 
ausschließlich vegetabilischer Natur war. 

Nach der zu dieser Zeit gültigen Kostverordnung erhielt der 
Gefangene täglich 140 g Eiweiß, 35 g Fett, 736 g Kohlehydrate und 
nur Sonntags etwas Fleisch. 

Das Verhältnis der stickstoffhaltigen Substanzen zu den stick- 
stofffreien ist überall ein etwas niedrigeres, als es für die normale 
Ernährung des Menschen festgestellt ist, nämlich 1 : 4,8—5,0 stickstoff- 
haltigen, in Form der schwer resorbierbaren Leguminosen und Cerealien. 

l ) 1. c. S. 71. 

*) Cfr. Bd. I, S. 317; Bd. II, S. 83, 85, 89, 91 usw. 



Germanische Völkerstämme (Deutsche Gefängnisse u. Lebensvers. -Gesellsch.). 137 

Die Kost der Strafgefangenen ist also eine an Stickstoff und an 
phosphor sauren Salzen arme, dagegen an Fett, Kohlehydraten 
und pflanzensauren Salzen relativ reichliche. 

Inwieweit Ben eke diese Beobachtungen auch für die Behand- 
lung der Krebskranken verwerten will, werden wir noch späterhin 
zu erörtern haben. 

Weitgehende Schlußfolgerungen lassen sich natürlich aus den 
statistischen Nachweisen der Gefängnisse nicht ziehen, da es sich 
doch hierbei hauptsächlich um mehr jugendliche Individuen handelt, 
durch welche der geringe Prozentsatz der Krebssterblichkeit erklärt 
werden könnte. 

Wertvoller ist schon das von Lebensversicherungsgesellschaften 
stammende Material, da hier in der Eegel ältere, mehr dem krebs- 
fähigen Alter entsprechende Personen, unter Ausschluß des Kindes- 
und Säuglingsalters, in Betracht kommen. 

Wir haben diese statistischen Nachweise bereits für die Unter- 
suchungen über die Verbreitung des Krebses bei den einzelnen Berufs- 
arten (cfr. S. 60 ff.) und bei beiden Geschlechtern (cfr. S. 81) 
benutzt, wir haben aber auch schon auf die Mängel dieser Statistiken 
hingewiesen. 

Immerhin ist auch dieses statistische Material einer Prüfung wert, 
besonders in bezug auf die Frage, ob der Krebs in den letzten Jahr- 
zehnten eine Zunahme erfahren hat. 

Nach den Untersuchungen von Paul Croner 1 ) starben unter 
den Versicherten der „Viktoria" zu Berlin in der Zeit von 1864 — 1897 
im ganzen 6005 Personen und von diesen 558, d. h. 9,3 °/ an Krebs. 

Die Zunahme der Krebstodesfälle in der letzten Zeit ist folgende: 

In der Zeit von 1868—1882 betrug die Krebssterblichkeit = 6,3 °/ 
aller Todesfälle, in der Zeit von 1883—1897 — 8,2 °/ ! 

Von 2060 Männern starben = 134, d. h. 6,5 °/ , von 421 Frauen 
= 37, d. h. 8,7% an Krebs. 

Den größten Prozentsatz, nämlich 83,3 °/ aller Krebstodesfälle, 
wies die Erkrankung des Verdauungskanals auf. 

Viel höher ist der Prozentsatz der Zunahme der Krebssterblich- 
keit bei den Versicherten der Gothaer Lebensversicherungs- 
bank in der Zeit von 1875 — 1899 gewesen.*) 

Im Jahre 1875 starben von 42522 Versicherten an Krebs nur 
61 = 1,43 °/ 00 , im Jahre 1899 von 92 732 aber 219 = 2,36 °/ 00 . 

Unter den einzelnen Altersklassen ist die Zunahme bei 



x ) Veröffentlichungen des Komitees für Krebsforschung. (IL Ergänzungsband 
zum klin. Jahrbuch. Jena 1902.) 

*) Cfr. Corresp.-Bl. des allg. ärztl. Vereins von Thüringen 1900, H. VIII. Für 
die Zeit von 1829 — 1878 hat Emminghaus in den Mitteilungen aus der Geschäfts- 
und Sterblichkeitsstatistik dieser Bank nähere Angaben veröffentlicht. Die Krebs- 
sterblichkeit während dieser Zeit betrug in den Jahren von 

1829—1838 = 2,97% aller Todesfälle 
1839—1849 = 2,72 „ „ 
1849-1858 = 2,82 _ „ 

1859—1868 = 5,36 „ „ 
1869—1878 = 6,48 „ „ 

Auch Hü 11 mann kam auf Grund der Statistik der „Iduna" in Halle für die Zeit 
von 1871 — 1880 zu demselben Ergebnis. Die Krebssterblichkeit betrug bei dieser 
Gesellschaft = 6.5 °/ aller Todesfälle. 



138 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



den Personen im Alter von 66—70 Jahren besonders groß gewesen, 
wie die folgende Uebersicht zeigt: 

Von 1000 Versicherten der entsprechenden Altersklasse starben 
an Krebs: 



Alter 



46—50 J. 
51—55 „ 
56—60 „ 
61—65 „ 
66-70 „ 



1880—1889 1890-1899 



0,94 
2,04 
3,16 
4,47 

5,82 



1.23 
2,17 
3,71 
5,34 

7,68 



Sehr eingehende Untersuchungen an einem Material von 7081 Krebs- 
todesfällen bei der Lebensversicherungsgesellschaft „Friedrich 
Wilhelm" in Berlin in der Zeit von 1885-1899 stellte R Julius- 
burger 1 ) an zur Prüfung verschiedener Probleme aus der Krebslehre 
(Zunahme. Geschlecht, Erblichkeit, Durchschnittsalter, Beruf, Organe). 

Wir haben bereits die Ergebnisse dieser Untersuchungen, soweit 
Beruf und Geschlecht in Frage kommen, angeführt (cfr. S. 60 und 81). 

Für uns handelt es sich an dieser Stelle hauptsächlich darum, ob 
auch aus diesem statistischen Material eine Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit ersichtlich ist. 

Die folgende, von uns auf Grund des von Juliusburg er mit- 
geteilten, statistischen Materials zusammengestellte Tabelle gibt nun 
eine Uebersicht über die Allgemein- und Krebssterblichkeit der 
„Friedrich Wilhelm" während der Zeit von 1885 — 1899 bei beiden 
Geschlechtern : 

A. Lebensversicherung. 



Jahr 


Gesamttodesfälle 


Krebstodesfälle 


Auf 100 Todesfälle 

überhaupt entfielen 

Krebstodesfälle 




Ueber- 
haupt 


M. 


W. 


Ueber- 
haupt 


M. 


W. 


Ueber- 
haupt 


M. 


W. 


1885-1889 
1890-1894 
1895—1899 


2357 
1914 
2018 


1750 
1602 
1754 


607 
312 
264 


257 
184 
224 


155 
148 
181 


102 
36 
43 


10,9 

9,6 

11,1 


9,9 

9,2 

10,3 


16,8 
11,5 
16,3 


In 15 Jahren 
überhaupt 


6289 


5106 


1183 


665 


484 


181 


10,6 


9,5 


15,3 



1885-1899 
1890-1894 
1895—1899 


I 

5119 
15 764 
40 762 


$. Arbeit 

2 663 2 456 

7 818 7 946 

20 602 20160 


e r v e r s 

431 
1560 
4425 


iche 

150 

569 

1761 


r u n g 

281 

991 

2664 


8,4 

9,9 

10,9 


5.6 
7i3 

8,5 


11,4 
12,5 
13,2 


In 15 Jahren 
überhaupt 


61645 


31083 30 562 


6416 


2480 


3936 


10,4 


8,0 


12,9 



Nach den Angaben von Juliusburger betrug bei der A b - 
teilung A im Jahre 18 85 die Gesamtsterblichkeit = 426 Personen, 
und zwar 321 Männer und 105 Frauen. 



! ) Berliner Komitee f. Krebsforschung. 4. Juli 1902. (Deutsche med. Wochen- 
schrift 1902, Vereinsbeilage Nr. 38) und: Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. III, 1905, S. 106. 



Germanische Völkerstämme (Deutsche Lebensvers.- Gesellsch.). 139 

Von diesen starben im ganzen 36 Personen an Krebs = 8,4%. 
und zwar 22 Man n er (6,9 °/ aller verstorbenen Männer) und 14 Frauen 
(13,3 °/ aller verstorbenen Frauen). 

Wie aus der obigen Tabelle ersichtlich ist, steigt dieser Prozent- 
satz in den darauf folgenden 5 Jahren bei beiden Geschlechtern sehr 
erheblich bis auf 10,9 °/ aller Todesfälle (9,9 % Männer, 16,8 °/ Frauen). 

In der Zeit von 18 90 — 1894 ist eine mäßige Abnahm e dieses 
Prozentsatzes bis auf 9,6 °/ aller Todesfälle zu erkennen, die bei den 
Männern nur gering, bei den Frauen aber sehr erheblich ist 
(9,2% Männer, 11,5 °/ Frauen). 

In dieser Zeit war die Sterblichkeit bei der „Friedrich Wilhelm" 
überhaupt eine sehr geringe. 

Die Zeit von 189 5 — 18 99 zeigt nun wieder eine Steigerung 
der Allgem einSterblichkeit und mit ihr auch eine solche von 
Krebs bis auf 11,1 % aller Todesfälle, mit einer Beteiligung der 
Männer von 10,3 °/ un( l der Frauen von 16,3%. 

Somit stiegen also bei der Abteilung A die Krebstodesfälle unter 
den Männern während der Zeit von 1885—1899 von 6,9% auf 
9,5% aller verstorbenen Männer, bei den Frauen von 13,3% 
auf 15,3% aller verstorbenen Frauen. 

Es hat also bei beiden Geschlechtern eine Zunahme statt- 
gefunden, die allerdings bei den Männern größer ist als bei den 
Frauen (cfr. auch S. 81). 

Bei der Abteilung B ist während der Zeit von 1885 — 1899 
eine allmähliche Zunahme zu bemerken, und zwar bei den Männern 
von 3,7% (im Jahre 1885) auf 8.5% (im Jahre 1899) und bei den 
Frauen von 11,4% auf 13,2%. 

Für die Männer der Abteilung B ist diese Zunahme größer 
als bei der Abteilung A, während sie für die Frauen der letzteren 
Abteilung größer war als bei denen der Abteilung B. 

Auf Grund dieser statistischen Nachweise kommt Juliusburger 
zu dem Ergebnis, daß die Krebskrankheit in der letzten 
Zeit entschieden eine Zunahme erfahren hat. 

Wie wir schon wiederholt hervorgehoben haben, sind diese 
Statistiken in keiner Weise beweiskräftig für die Behauptung einer 
wirklichen Zunahme der Krebskrankheit. 

Die Frage, ob das Durchschnittsalter der an Krebs 
Verstorbenen zugenommen hat, hat Juliusburger, wie wir gesehen 
haben (cfr. S. 90), in bejahendem Sinne beantwortet. 

Die Statistik der „Friedrich Wilhelm" ist aber auch aus dem 
Grunde nicht ganz einwandfrei, weil bei den Krebstodesfällen 
auf die Zahl der lebenden Versicherten keine Rücksicht genommen 
worden ist, und ebensowenig auf die Zahl der in einer bestimmten 
Altersklasse Lebenden. In dieser Beziehung ist die Statistik 
der Gotha er Lebensversicherung (cfr. S. 137) weit zuverlässiger. 

Bei der Statistik der Lebensversicherungen muß auch die Zahl 
der sog. abgekürzten Lebensversicherungen in Betracht gezogen 
werden; denn gerade in dem kritischen Alter scheidet ja eine 
Anzahl von Versicherten aus. 

Derartige Mängel finden wir nun fast bei allen Statistiken über 
die Krebstodesfälle bei Versicherten, so daß, selbst wenn die absoluten 
Zahlen eine Zunahme der Krebssterblichkeit erkennen lassen, dies 
doch in Wirklichkeit nicht der Fall zu sein braucht. 



140 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Die schwankenden Angaben über das Prozentverhältnis der Krebs- 
todesfälle zu den allgemeinen Todesfällen beruhen auf den verschieden- 
artigen Methoden der Statistik. 

Nach den Angaben von Eisenstadt 1 ) betrug z. B. bei der 
Leipziger Lebensversicherungsgesellschaft in der Zeit von 1864—1886 
die Krebssterblichkeit der Versicherten = 4,1 °/ aller Todesfälle, in 
der Zeit von 1886 — 1908 = 5,13 °/ , bei der Baseler Lebensversicherungs- 
gesellschaft*) hingegen, in der Zeit von 1865—1897 = 9,06 °/ aller 



haben 

8,2% 



Verstorbenen und bei der Viktoria, wie wir gesehen 
(cfr. S. 137), = 6,3 °/ für die Zeit von 1868—1882 und = 
für die Zeit von 1883—1897. 

Auch die statistischen Berechnungen der Magdeburger Lebens- 
versicherungsgesellschaft für die Zeit von 1881 — 1898, die R. Behla 2 ) 
mitteilte, können für die Annahme des Umsichgreifens der Krebs- 
krankheit nicht als zuverlässig gelten. Es ist wohl in diesen Tabellen 
Bezug genommen auf die Zahl der Versicherten, und die Krebstodes- 
fälle sind in Vergleich mit der Allgemeinsterblichkeit gestellt worden; 
aber das Alter der Verstorbenen, die Zahl der in den einzelnen Alters- 
stufen Lebenden und die Zahl der abgekürzten Lebensversicherungen 
werden nicht berücksichtigt. 

Die von Behla veröffentlichte Tabelle über die Krebssterblich- 
keit bei der Magdeburger Lebens Versicherungsanstalt 
während der Zeit von 1881 — 1898 enthält folgende Angaben: 





Gesamtzahl 

der 
Versicherten 


Gesamt- 
zahl 
der 
Toten 


Anzahl der an Krebs Verstorbenen 


Jahr 


insgesamt in °/° der 1 in ° /o der 
insgesamt y ersicherten \ Toten 


1881 
1882 
1883 
1884 
1885 
1886 
1887 
1888 
1889 


33135 
34 621 
36 744 
38 944 
40 681 

42 011 

43 097 

43 937 

44 862 


651 
637 
720 

690 
777 
743 
759 

787 
788 


51 
53 

46 
57 
65 
65 
78 
67 
59 


0,154 
0,153 
0,125 
0,146 
0,160 
0,155 
0,181 
0,152 
0,132 


7.834 
8,320 
6,389 
8.261 
8,366 
8,748 
10,277 
8,513 
7.487 


Durchschnitt 

1890 
1891 
1892 
1893 
1894 
1895 
1896 
1897 
1898 


358 032 

45 953 

46 917 

47 591 

48 474 
50 086 
52 338 
54 411 
56 349 
58 350 


6552 

852 
859 
909 
977 
929 
916 
947 
1015 
991 


541 

81 

76 

89 

95 

105 

87 

96 

117 

105 


0,150 

0,176 
0,162 
0,187 
0,196 
0,210 
0,166 
0,176 
0,208 
0,180 


8,244 

9,507 

8.848 

9,791 

9,724 

11,302 

9,498 

10,137 

11,527 

10,595 


Durch schnitt 


460 469 


8395 


851 


0,185 


10,137 



*) Zeitschr. f. Versicherungsmedizin 1910, Nr. 6. 

*) Cfr. Arthur Hesse: 7066 Todesfälle der Baseler Lebensversicherungs- 
gesellschaft medizinisch und statistisch bearbeitet. Leipzig 1899 (66 S.). 
2 ) Deutsche Medizinalzeitung 1900, Nr. 14. 



Germanische Völkerstämme (Deutschland. Uebersicht). 141 

Aus dieser Tabelle ist also eine Zunahme der Krebssterblich- 
keit im Laufe von 10 Jahren von 8,244 % aller Todesfälle auf 10,137 °/ 
ersichtlich. 

Die Steigerung 1 der Krebstodesfälle bei dieser Gesellschaft ent- 
spricht ungefähr der bei den anderen Lebens Versicherungsgesellschaften 
beobachteten Zunahme in den letzten Jahrzehnten. 

„Die Behauptung von der größeren Krebsfrequenz während der 
letzten Dezennien", sagt Behla, „bleibt trotz aller Einwände und 
künstlicher Erklärungsversuche zu .Recht bestehen; es ist dies leider 
eine bedauerliche Erscheinung, deren Ursachen nachzuspüren eine 
Hauptaufgabe des neuen Jahrhunderts sein muß." 

Das Material, auf welches Behla sich zur Bekräftigung seiner 
Behauptung stützt, ist leider ebenfalls nicht einwandfrei. Auch bei 
der Statistik dieser Gesellschaft fehlt der Vergleich mit der Zahl der 
in einer bestimmten Altersstufe Lebenden, des Alters der Ver- 
storbenen selbst und die Berücksichtigung der abgekürzten Ver- 
sicherungen. 

Bei Beobachtung aller dieser Gesichtspunkte würden vielleicht 
die Ergebnisse andere geworden sein. 

Wir haben gesehen, daß fast in allen Staaten und Städten 
Deutschlands im Laufe der letzten Jahrzehnte die absoluten 
Zahlen der Krebstodesfälle in mehr oder minder erheb- 
lichem Grade zugenommen haben. Ob diese Zunahme nun 
eine wirkliche oder nur scheinbare ist, läßt sich schwer be- 
urteilen, da das bisher vorliegende Material zur Entscheidung dieser 
Frage nicht ausreicht. Die Sektionsergebnisse aus einzelnen 
pathologischen Instituten (cfr. S. 119) lassen allerdings eine Zunahme 
nicht erkennen. 

Die statistischen Methoden werden nicht in allen Staaten nach 
einheitlichen Grundsätzen gehandhabt, die Berücksichtigung der 
Altersklassen, der Zustrom von Krebskranken nach den Groß- und 
Universitätsstädten ist nicht überall berücksichtigt worden, 
und vor allem ist die gesetzliche Leichenschau, die doch am 
meisten, wenn auch nicht stets, Gewähr für die richtige Diagnose 
bietet, nur in wenigen Ortschaften eingeführt. 

Die Ergebnisse sind infolgedessen auch, wie wir wiederholt 
hervorgehoben haben, je nach der angewandten Methode, verschieden, 
und vergleichende Ueb er sich ten über die Zu- oder Abnahme 
der Krebssterblichkeit in den einzelnen Staaten, Provinzen und Städten 
sind deshalb auch nicht als beweiskräftig anzusehen. 

Wir haben schon teilweise solche Vergleiche im Laufe unserer 
Erörterungen herangezogen und fügen zur Vervollständigung noch 
einige Ueber sichten an dieser Stelle hinzu, die allerdings zu weit- 
gehenden Schlußfolgerungen keine Berechtigung geben. 

Nach den Angaben von Wutzdorff 1 ) hatten z. B. in der Zeit 
von 1892— 1898 die größte Zunahme an Krebssterblichkeit 
folgende Staaten und Provinzen aufzuweisen: 



] ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 161. 



142 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Württemberg = 34,4°/ Posen 
Hamburg = 32,7 °/ Bayern (links 
Berlin = 25,8 % des Rheins) 


= 24,2 % 
= 23,8% 


Die geringste Zunahme zeigen: 




Hannover = 3,7 °/ Hessen 
Königreich Sachsen — 8,1 °/ Ostpreußen 


- 9,3 % 

= 9,5 °/ 



Westfalen = 9,1% 

Die Krebssterblichkeit im Jahre 1898 gestaltete sich in bezug 
auf die Höhe folgendermaßen: 

Von 10000 Einwohnern starben in diesem Jahre in: 

Große Krebssterblichkeit Geringe Krebssterblichkeit 



Lübeck = 13,36 Pers. 


Schaumburg- 




Hamburg = 11,36 


» 


Lippe 


= 3,79 Pers 


Baden =10,52 


n 


Provinz Posen 


= 4,11 „ 


Bayern (rechts 




Sachsen-Coburg- 




des Rheins) = 10,23 


11 


Gotha 


-4,33 „ 


Berlin =10,17 


5, 


Westfalen 


= 4,57 „ 


Hessen = 9,76 


11 


Westpreußen 


= 4,67 „ 


Württemberg = 9,56 


11 


Hohenzollern 


= 4,73 n 


Sachsen = 9,26 


11 


Ostpreußen 


= 5,06 „ 


Braun seh weig = 8,80 


11 


Rheinprovinz 


= 5,12 „ 


Bremen = 8,60 


11 







Nach einer Zusammenstellung von Fritz Loeb 1 ) hatte im Jahre 
1907 Rostock die größte Krebssterblichkeit von allen deutschen 
Städten. Es entfielen nämlich in diesem Jahre auf je 10000 Ein- 
wohner 25 Krebstodesfälle, nächstdem kommen Freiburg i. Br. mit 
19 Krebstodesfällen im Jahre 1906 und 21 Krebstodesfällen im Jahre 
1907*) und Augsburg mit 17 Krebstodesfällen im Jahre 1907. 

Die geringste Sterblichkeit an Krebs hatten im Jahre 1907 die 
Städte Borbeck, Koblenz, Metz und Mühlheim a. d. Ruhr, 
wo auf 10000 Einwohner je 3 Krebstodesfälle entfielen.**) 

Aus einer Zusammenstellung von C. Maeder 2 ) ist ersichtlich, 
daß in der Zeit von 1891 — 1896 die jährliche Zunahme der 
Krebssterblichkeit in einigen Großstädten Preußens betrug in: 

Königsberg = 0,53 Krebstodesfälle von 10000 Lebenden 

Berlin = 0,55 

Altona = 0,57 „ „ „ „ 

Breslau = 0,62 „ „ „ „ 



*) Mitteilungen des statistischen Amtes der Stadt München, Bd. 21, H. I. 

*) Die grolie Krebssterblichkeit in diesen beiden Universitätsstädten ist wohl 
hauptsächlich auf die große Zahl der von auswärts in die Kliniken aufgenommenen 
Krebskranken zurückzuführen. 

**) In bezug auf die Krebssterblichkeit in anderen deutschen Städten in den 
Jahren 1906/07 verweisen wir auf die weiteren Ausführungen von Fritz Loeb. 

2 ) Zeitschr. f. Hygiene und Infektionskrankheiten, Bd. 33, 1900, S. 235. 



Germanische Völkerstämme (England). 143 



Statistische Untersuchungen 
über die Krehssterblichkeit in England. 

Geschichte der statistischen Untersuchungen über die Krebssterblich- 
keit in England. Geographische Verbreitung. Zunahme der Krebssterb- 
lichkeit bei beiden Geschlechtern. 

Neuere Untersuchungen: Uebersichtstabelle über die Zunahme der 
Krebssterblichkeit in England in der Zeit von 1840 — 1905. 

Verhältnis zur Bevölkerungszunahme. Vergleich der Krebssterblichkeit 
in England mit der Preußens. 

Wirkliche oder scheinbare Zunahme? 

Anhänger und Gegner. 

Krebssterblichkeit in Schottland: 

Geringere Zunahme als iu E n g 1 a n d. R o b e r t s o n ' s statistische Unter- 
suchungen. Wirkliche Zunahme. 

Krebssterblichkeit in Irland: 

Geringere Verbreitung als in England und Schottland. Ueber- 
sichtstabelle. 

Krebssterblichkeit in den einzelnen Grafschaften Englands: 

Geographische Verbreitung. Tabelle. Uebersicht nach der Höhe der 
Krebssterblichkeit. Statistische Untersuchungen über die Krebsverbreitung 
in Es sex. 

Krebssterblichkeit in englischen Städten: 

London. Edinburgh, Glasgow, Dundee, Leeds. 

In England hat man schon seit langer Zeit der Verbreitung der 
Krebskrankheit große Aufmerksamkeit geschenkt. 

Wir haben bereits darauf hingewiesen (cfr. S. 101), daß schon 
im Jahre 1802 eine Sammelforschung veranstaltet worden ist, die 
zu keinem Ergebnis führte, und auch die Wiederholung derselben 
im Jahre 1851 haben wir bereits erwähnt und deren Resultate 
mitgeteilt. 

In England werden nun seit dem Jahre 1838 in den „Annual 
Reports of the Registrar-General" (der erste Jahrgang für das Jahr 
1838 erschien im Jahre 1839) sehr eingehende, statistische Mitteilungen 
über Geburten, Heiraten und Sterbefälle veröffentlicht, auch über die 
Krebstodesfälle, so daß für dieses Land eine genauere Ueber- 
sicht über die Krebssterblichkeit, über Zu- und Abnahme während 
eines längeren Zeitraumes gewonnen werden kann. 

Seit dem Jahre 1840 hatte William Farr, 1 ) der hervorragende 
Statistiker, die Herausgabe dieser Berichte geleitet, so daß also die 
Angaben als zuverlässig gelten können, vorausgesetzt natürlich, daß 
die Diagnosen auf den Totenscheinen richtig waren; denn schon 
Oesterlen 2 ) bemerkt, daß in Wirklichkeit die Krebsmortalität in 
England und auch in Belgien 2 — 3 mal sogroß in früheren Jahr- 
zehnten gewesen wäre, als die amtlichen Statistiken angaben; denn 
viele Krebserkrankungen, besonders innerer Organe, wären zu 
jener Zeit nicht erkannt worden. 

Schon frühzeitig hatte man auch die Beobachtung gemacht, daß 
der Krebs nicht in allen Landesteilen gleichmäßig ver- 
breitet wäre. 



l ) Cfr. Koger Williams, 1. c. S. 19 (p. 51). 
'-) Handbuch der medizinischen Statistik 1864. 



144 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Charles Moore 1 ) hat z. B. E n g 1 a n d durch eine von Peters- 
burg nach Bristol reichende schräge Linie in zwei Teile geschieden. 

In dem südöstlich dieser Linie gelegenen Landesteile ist der 
Krebs stärker verbreitet als in dem nordöstlichen. 

Wir haben bereits auf die Bodentheorie Haviland's hingewiesen 
(cfr. S. 11), der auch die Krebssterblichkeit in England als Stütze 
für seine Hypothese anführt; denn je mehr man sich, nach Havi- 
land, 2 ) den Ufern der Themse nähert, um so häufiger w 7 ürden die 
Krebstodesfälle auftreten. 

Auf Grund der vorhin erwähnten, amtlichen Sterblichkeits- 
nachweise findet man auch schon seit dem Jahre 1838 eine Reihe 
von statistischen Untersuchungen über mannigfache Probleme aus der 
Krebsstatistik. 

So berechnete z. B. Boudin 3 ) für die Zeit von 1838—1842 die 
Krebssterblichkeit in England und ihre Zunahme in Beziehung zu 
den Lebenden folgendermaßen: 

1838 = 2448 Krebstodesfälle = 166 auf 1 Million Lebende 

1839 = 2691 „ = 178 „ 1 

1840 = 2786 „ =181 8 1 

1841 = 2746 „ = 176 „ 1 

1842 = 2641 „ = 186 „ 1 

Im ganzen konnte also auch schon zu dieser Zeit Boudin eine 
Zunahme der Krebskrankheit feststellen. 

Durchschnittlich betrug, nach A. Hirsch, 4 ) während der Zeit 
von 1849—1855 die Krebssterblichkeit in England = 2,9% 
aller Todesfälle, nach Charles Moore, 5 ) in der Zeit von 
1851-1861 = 1,7— 2,2 °/ aller Todesfälle, während A. Haviland«) 
einen Prozentsatz von 4,09 für die Zeit von 1851 — 1860 und von 5,91 
für die Zeit von 1861—1870 berechnete. 

Cripps 7 ) hingegen gibt an, daß in England und Wales in der 
Zeit von 1861—1870 im ganzen 2379622 Todesfälle, darunter 81699 
Krebstodesfälle vorgekommen wären, was einem Prozentsatz von 3,5 
aller Todesfälle entsprechen würde. 

Nach Kiaer 8 ) wiederum betrugen in der Zeit von 1851—1860 die 
Krebstodesfälle = 1,5 % aller Todesfälle und = 3,2 auf 10000 Lebende 
berechnet (cfr. auch S. 85). 

Man hatte zu dieser Zeit in England auch schon die Zunahme 
der Krebssterblichkeit im Vergleich zurBevölkerungs- 
zunahme berechnet. 

Nach Charles Moore 9 ) starben z. B. in England im Jahre 
1850 = 4966 Personen an Krebs, im Jahre 1862 = 7396 Personen. 



*) Brit. med. Journ. 21. April u. 26. August 1865 und: Antecedents of Cancer. 
London 1865, p. 41. 

2 ) Lancet 18. u. 25. Febr. und 3. u. 10. März 1888 u. 1890, Vol. II, p. 316. 

3 ) 1. c. S. 124. 

4 ) Handbuch der histor.-geograph. Pathologie 1886, S. 349. 

5 ) Brit. med. Journ. 1. Dez. 1866. 

6 ) cfr. Nr. 2. 

7 ) Kep. ol Bartholomew Hosp. Vol. XIV Cfr. auch: S.W. Sibley: Carcinom- 
statistik des Middlesexhospitals (Med. chir. Transact. 1859, Vol. 42). 

8 ) 1. c. S. 9. 
°) cfr. Nr. 1. 



Germanische Völkerstämme (England). 145 

Es hatte also die Krebssterblichkeit um 49 °/ zugenommen, die Be- 
völkerung hingegen zu dieser Zeit nur um 13°/ ! 

Ferner hat auch Moore bereits die Beteiligung der beiden Ge- 
schlechter an der Krebssterblichkeit zu dieser Zeit angegeben. 

Von 5846 lebenden Männern starb im Jahre 1851 = 1 Mann an Krebs 
„ 2461 ., Weibern „ „ „ „ — 1 Weib „ „ 

Im Jahre 1861 hingegen starb schon 

von 4484 Männern = 1 Mann an Krebs 
„ 2019 Weibern = 1 Weib „ 

Im ganzen starben, nach A. Haviland, 1 ) in England in der 
Zeit von 1851—1860 von 9 278 742 lebenden Männern = 18059 an 
Krebs, von 9 718174 lebenden Frauen = 42137 an Krebs, also 4,2 °/ 
Männer und 12,7 °/ Frauen. 

Die Gesamttodesfälle an Krebs betrugen in der Zeit von 
1858—1885 in England, nach J. F. Churchill, 2 ) = 290409, die 
sich auf die einzelnen Jahrfünfte folgendermaßen verteilten: 

1858—1860 starben 19936 Personen an Krebs 



1861- 


-1865 


w 


38190 


1866- 


-1870 


jj 


44640 


1871- 


-1875 


n 


52 564 


1876- 


-1880 


j? 


62108 


1881- 


-1885 


w 


72971 



Es hat also in dieser Zeit eine ganz bedeutende, absolute Zu- 
nahme der Krebstodesfälle in England stattgefunden, eine Be- 
obachtung, die auch Spencer- Wells 3 ) für die Zeit von 1861 — 1887 
bestätigen konnte; denn es starben im Jahre 

1861 = 7 245 Personen an Krebs 
1887 = 17113 
und auf die Zahl der Lebenden berechnet, im Jahre 
1861 = 360 auf 1 Million Lebende 

1887 = 606 „ 1 

Die Zunahme der Krebssterblichkeit in England hat sich also 
in dieser Zeit fast verdoppelt. (K i a e r hatte, wie wir vorhin erwähnt 
haben, für die Zeit von 1851 — 1860 als Durchschnitt 320 Krebstodes- 
fälle auf 1 Million Lebende berechnet.) 

Für die Zeit von 1851—1890 gibt Prinzin g 4 ) als Durch- 
schnittssterblichkeit in England folgende Zahlen an: 

Es starben von 1 Million Lebenden: 

1851—1860 = 310 Personen an Krebs 
1861—1870 = 390 
1871—1880 = 470 
1881—1890 = 590 



1 ) 1. c. S. 144. 

2 ) A letter to the Registrar-General on the increase of Cancer in England 
and its cause. London 1888. 

3 ) Cancer and cancerous diseases (2. M o r t o n - Lecture. 29. Nov. 1888 in L o n d o n. — 
Deutsch von JunkervonLangegg,Volkmann's Samml. klin. Vorträge, Nr. 337). 
Cfr. auch: J. Payne: Increase of cancer (für die Zeit von 1880—1888). — Lancet, 
16. Sept. 1899. Evans: Med. mod. 10. März 1897, p. 155. 

4 ) Deutsche med. Wochenschr. 1902, S. 527. 

Wol ff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 10 



146 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Für die ganze Zeit vom Jahre 1840—1905 hat dann Roger 
Williams 1 ) eine Zusammenstellung der Krebssterblichkeit in Eng- 
land veröffentlicht, unter Berücksichtigung der Bevölkerung und der 
allgemeinen Sterblichkeit, die in ihrer Vollständigkeit musterhaft ist. 

Die Zeit von 1838—1840 haben wir bereits berücksichtigt 
(cfr. S. 144). Williams benutzte als Material die regelmäßig er- 
scheinenden „Reports of the Registrar-General", wobei bei der Be- 
rechnung sich einige kleine, unwesentliche Unterschiede ergaben, gegen- 
über den bisher erwähnten, statistischen Mitteilungen.*) 



Krebssterblichkeit 
1840—1905. 



in 



England und Wales in der Zeit von 











Auf 1 Million 


Im 


Auf 100 
Todesfälle 


Jahr 


Gesamt- 


Todesfälle 


Krebs- 


Lebende ent- 


Verhältnis 


überhaupt 


bevölkerung 


überhaupt 


todesfälle 


fielen Krebs- 


zur Bevölke- 


entfielen 










todesfälle 


rung 


Krebstodes- 
fälle 


1840 


15 730 813 


359 687 


2 786 


177 


1 : 5646 


0,77 


1850 


17 773 324 


368 995 


4 966 


279 


1 


3579 


1,35 


1855 


18 829 OüO 


426 646 


6 016 


319 


1 


3129 


1,43 


1860 


19 902 713 


422 721 


6 827 


343 


1 


2915 


1,61 


1865 


21 145 151 


490 909 


7 922 


372 


1 


2670 


161 


1870 


22 501316 


515 329 


9 530 


424 


1 


2361 


1,85 


1875 


24 045 385 


546 453 


11336 


471 


1 


2121 


2,08 


1880 


25 714 288 


528 624 


13 210 


502 


1 


1946 


2,50 


1881 


25 974 439 


491 937 


13 542 


520 


1 


1918 


2,77 


1882 


26 413 861 


516 654 


14 057 


532 


1 


1879 


2,77 


1883 


26 770 744 


522 997 


14 614 


546 


1 


1763 


2,85 


1884 


26 922 192 


530 828 


15192 


564 


1 


1772 


2,85 


1885 


27 220 706 


522 750 


15 560 


572 


1 


1749 


3,03 


1886 


27 522 532 


537 276 


16 243 


520 


1 


1694 


3,03 


1887 


27 827 706 


530 758 


17 113 


615 


1 


1626 


3.22 


1888 


28 136 258 


510 971 


17 506 


621 


1 


1607 


3,45 


1889 


28 448 239 


518 353 


18 654 


656 


1 


1525 


3,33 


1890 


28 762 287 


562 248 


19 433 


676 


1 


1480 


3,58 


1891 


29 081 047 


587 925 


20117 


692 


1 


1445 


3,45 


1892 


29 405 054 


559 684 


20 353 


690 


1 


1445 


3,70 


1893 


29 731 100 


569 958 


21135 


711 


1 


1407 


3,70 


1894 


30 060 763 


498 827 


21 422 


713 


1 


1403 


4,35 


1895 


30 383 047 


568 997 


22 945 


755 


1 


1324 


4,16 


1896 


30 717 355 


526 727 


23 521 


764 


1 


1306 


4,55 


1897 


31 055 355 


541 487 


24 443 


787 


1 


:1270 


4,55 


1898 


31 397 078 


552 141 


25196 


802 


1 


1246 


4,55 


1899 


31 907 762 


581 799 


26 325 


825 


1 


: 1212 


4,55 


1900 


32 261 013 


587 830 


26 731 


828 


1 


:1207 


4,55 


1901 


32 621 263 


551 585 


27 487 


842 


1 


: 1186 


5,00 


1902 


32 997 626 


535 538 


27 872 


844 


1 


: 1183 


5,26 


1903 


33 378 338 


514 628 


29 089 


872 


1 


: 1174 


5.88 


1904 


33 763 434 


549 784 


29 682 


877 


1 


:1138 


5,55 


1905 


34 152 977 


520 031 


30 221 


885 


1 


: 1131 


5,88 



Wir ersehen aus dieser Tabelle, in welchem Umfange die Krebs- 
krankheit in England in der Zeit von 1840—1905 zugenommen hat. 



l ) 1. c. S. 19 (p. 53) cfr. auch: Brit. med. Journ. 8. August 1896 und: Lancet, 
20. August 1898. 

*) Das Verhältnis der Krebstodesfälle zu den Todesfällen überhaupt, in der 
letzten Spalte ist von uns, der besseren Ue^eraMiktLVvegen, in Prozentzahlen um- 
gerechnet worden. "L^V 



Germanische Völkerstämme (England). 147 

Während in der Zeit von 1850—1905 die Bevölkerung sich v e r- 
doppelt hat, ist die Krebssterblichkeit um das Sechsfache 
gestiegen. 

Wenn wir die Krebssterblichkeit in Preußen (cfr. S. 112) in der 
Zeit von 1875 — 1905 mit derjenigen von England zu derselben Zeit 
vergleichen, dann ergeben sich folgende Verhältnisse: 

Von 1 Million Lebenden starben in 

Preußen im Jahre 1875 =228 Pers., im Jahre 1905 =699 Pers. 
England „ „ „ =471 „ „ „ „ =885 „ 

Es kommt also die Krebskrankheit schon an und für sich 
in England viel häufiger vor als in Preußen, hingegen hat 
die Erkrankung in Preußen während dieses Zeitraumes um das 
Dreifache zugenommen, in England jedoch nur um das Doppelte. 

Man hatte auch in England schon frühzeitig sich mit dem 
Problem beschäftigt, ob die Zunahme der Krebssterblichkeit eine 
wirkliche oder nur scheinbare sei, und wir haben auch schon 
daraufhingewiesen (cfr. S. 143), daß bereits Oesterlen behauptet 
hat, es handle sich nur um eine scheinbare Zunahme, da in früheren 
Jahrzehnten eine große Zahl von Krebsfällen nicht diagnostiziert 
worden wäre. 

Auch Hugh, P. Dünn 1 ) ist der Ansicht, daß es sich in Eng- 
land nur um eine scheinbare Zunahme handle, da, infolge besserer 
Kinderpflege die Säuglingssterblichkeit stark herab- 
gemindert wäre, wodurch die Vergleichszahlen zwischen der Zahl 
der Todesfälle überhaupt und der Krebstodesfälle zuungunsten der 
letzteren verschoben würden. Die Leute erreichen ferner auch ein 
längeres Lebensalter, wodurch mehr Personen in das krebs- 
fähige Alter gelangen. 

Auch Ambrose 2 ) und A. NewsholYne 3 ) vertraten diese An- 
sicht, zumal in neuerer Zeit nicht nur Fortschritte in der Diagnose 
des Krebses gemacht worden seien, sondern auch die amtlichen 
Statistiken sorgfältiger geführt würden, als in früheren Jahr- 
zehnten. 

Hingegen ist William ß. Coley 4 ) der Meinung, daß es sich 
in England, ebenso wie in allen übrigen Staaten, um eine wirk- 
liche Zunahme der Krebskrankheit handle. 

Auch Roger Williams 5 ) pflichtet dieser Anschauung bei und 
sucht die Behauptung der Anhänger von der nur scheinbaren Zu- 
nahme des Krebses in England durch statistische Nachweise zu 
entkräften. 

Die Annahme z. B., daß durch Bekämpfung der Säuglingssterb- 
lichkeit mehr Personen in das krebsfähige Alter gelangen, wird durch 
die statistischen Nachweise der Krebssterblichkeit in Irland 
widerlegt. 

In diesem Lande ist durch die massenhafte Auswanderung jun ger 
Leute der Prozentsatz der älteren Personen ein erheblich 
größerer als in den anderen Teilen Englands. Trotzdem ist die 

1 ) Brit. med. Journ. 1883, Vol. I, S. 708 u. 761. 

2 ) Brit. med. Journ. 1888, Vol. II, p. 1347. 

3 ) Proceed. of the Royal Society 1893, p. 209 und: The Practitioner, April 1899. 

4 ) The increase of Cancer (Surgery Gynecology and Obstetrics, Juni 1910). 
B ) 1. c. S. 19 (p. 52). 

10* 



148 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Irland geringer 
aber größer als im 



Krebssterblichkeit an und für sich in 
als in England und Wales, die Zunahme 
übrigen England. 

In Irland starben z. B. an Krebs von 1 Million Einwohnern 

im Jahre 1864 = 270 Personen \ „ e - , „, 

„ 1903 = 670 „ j 2 > 5 fache Zunahme. 

In E n g 1 a n d und Wales starben an Krebs von 1 Million Einwohnern 

im Jahre 1865 =370 Personen 
,, 1903 = 872 



2,3 fache Zunahme. 



Auch die Annahme, daß in der letzten Zeit die „unzugäng- 
lichen Krebse" (cfr. S. 76) besser diagnostiziert würden als in 
früheren Zeiten, wodurch die Zunahme der Krebskrankheit erklärt 
würde, ist, nach Roger Williams, nicht stichhaltig, besonders in 
bezug auf Magen- und Leberkrebs, wie aus der folgenden Ta- 
belle*) ersichtlich ist: 



Von 100 Todesfällen 


an malignen Neubildungen entfielen auf 




Männer 


Frauen 


Organe 


1868 


1888 


Organe 


1868 


1888 


Magen 


35,3 


24,0 


Uterus 


38,0 


31,4 


Leber 


12,0 


14,9 


Mamma 


24.2 


18,3 


Zunge und Mund 


8,0 


7,2 


Magen 


11,9 


11,9 


Rectum 


7,8 


8,9 


Leber und Gallenblase 


6,4 


12,7 


Gesicht 


6.3 


3,2 


Rectum 


3,7 


4,8 


Därme (mit Ausschluß 


4,0 


66 


Därme (mit Ausschluß 


2 1 


5,3 


von Rectum) 




von Rectum) 


c i L 


Sonstige Organe 


26,6 . 


35,2 


Sonstige Organe 


13,7 


15,6 



Diese Zusammenstellung ist noch von Tatham 1 ) für die Jahre 
1897 — 1900 ergänzt worden: 



Von 100 Todesfällen 


an malignen Neubildungen entfielen auf 




Männer 


Frauen 


Organe 


1897 


1900 


Organe 


1897 


1900 


Magen 


20,6 


20.5 


Uterus 


23,5 


22,5 


Leber 


14,2 


13,9 


Mamma 


15,5 


15,8 


Rectum 


8,6 


9,0 


Magen 


11,3 


13.8 


Zunge und Mund 


6,3 


6,8 


Leber 


13,2 


14,3 


Därme (mit Ausschluß 


6,3 


7,0 


Rectum 


5,2 


5,2 


von Rectum) 
Oesophagus 


5,7 


5,4 


Därme mit Ausschluß 
von Rectum 


5,2 


5,7 


Blase 


3,3 


2,8' 


Ovarien 


1,7 


1,7 


Gesicht 


3,0 


2,3 


Oesophagus 


M 


1,3 


Nacken 


2,7 


2,3 


Zunge und Mund 


1,3 


0,6 


Pharynx u. Tonsillen 


2,3 


2,2 


Blase 


0,8 


0,9 


Larynx und Trachea 


1,8 


2,0 


Gesicht 


0,6 


0,6 


Hoden und Penis 


1,5 


1,5 


Nacken 


0,6 


0,5 


Sonstige Organe 


23.7 


24,3 


Sonstige Organe 


17,7 


17,1 



*) Veröffentlicht in: Report of the Registrar-General for 1889. 
x ) Registrar-General's Annual Reports, 1897 und 1900. Cfr. auch 
Journ. of med. Sc. Mai 1902. 



Dubliner 



Germanische Völkerstämme (Schottland und Irland). 149 

Auf Grund dieser Ergebnisse kommt Williams zu dem Schluß, 
daß die Zunahme der Krebskrankheit nicht auf ein besseres Erkennen 
der „unzugänglichen" Krebse zurückzuführen ist.*) 

Williams stützt sich bei der Verteidigung seiner Ansicht, daß 
die bessere Diagnose nicht schuld sei an der Zunahme der Krebs- 
krankheit, auch auf die Ergebnisse englischer**) und amerika- 
nischer***) Lebensversicherungsgesellschaften, deren 
Mitglieder in ärztlicher Beziehung gut versorgt sind, so daß die Wahr- 
scheinlichkeit der Diagnose auch „unzugänglicher" Krebse, selbst in 
früheren Zeiten größer war, als bei der übrigen Bevölkerung. 

In der Schottischen Lebensversicherungsgesellschaft war z.B. 
die Krebssterblichkeit bei den versicherten Männern in der Zeit von 
1881 — 1890 fast doppelt so groß, als während des Zeitraumes vom 
Jahre 1861—1870, während die Krebssterblichkeit an „unzugänglichen" 
Krebsen (Magen, Leber usw.) in der Zeit von 1888 bis 1894 um 
7,70 °/ niedriger war, als in den Jahren von 1874— 1880. f) 



Die Krebssterblichkeit in Schottland und Irland. 

Wir haben schon früher auf die Krebsverbreitung in Schottland, 
soweit es sich um die Krebssterblichkeit in den Städten und auf 
dem Lande handelt, hingewiesen (cfr. S. 47). 

Auch in Schottland ist ein allmähliches Anwachsen der 
Krebssterblichkeit beobachtet worden. 

Nach den Angaben von S p e n c e r - W e 1 1 s x ) starben z. B. von 
1 Million Lebenden in der Zeit von 
1862—1865 =404 Personen an Krebs (in England im Jahre 1865 

= 372 Personen), 
1881—1885 =540 (in England im Jahre 1885 = 572 Personen). 

Die Zunahme ist also nicht ganz so hoch wie in England. 

Mit großer Sorgfalt hat dann W. G. Aitchison Robertson 2 ) 
für die Zeit von 1895—1897 die lokale Verteilung des Krebses in 
Schottland, unter Ausscheidung der Ortsfremden — und 
sich stützend auf die Zahl der in den Krankenanstalten der großen 
Städte Gestorbenen, berechnet. Wenn diese Methode auch eine gewisse 



*) Welchen Einfluß jedoch die operative Behandlung und Heilung vieler un- 
zugänglicher Krebse auf die Krebssterblichkeit ausübt, werden wir noch späterhin zu 
erörtern haben. 

**) cfr. Claud Muirhead: The Causes of Death among the Assured in the 
Scottish Widows' Life Assurance Society. Edinbourgh 1902, p. 13. 

***) cfr. F. L. Hoffmann: Journ. of the Americ. med. Assoc, 19. Oct. 1901, 
p. 101. (Statistik der „Prudential Insurance Company of America.") 

t) Auch gegen die Statistik dieser Lebensversicherungsgesellschaften muß man 
dieselben Bedenken haben, wie gegen die der deutschen Gesellschaften (cfr. 
S. 137 ff.). 

! ) 1. c. S. 145. 

2 ) A contribution to the study of the local distribution of Cancer in Scotland 
(Edinburgh, med. Journ. 30. Jan. 1903 mit 3 Karten und 2 Tafeln). 



150 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Gewähr bietet für die wirkliche Zahl der an Krebs verstorbenen 
Einheimischen, so hat doch auch die statistische Berechnung von 
Eobertson den Fehler, daß eine Ausscheidung nach Alter und 
Geschlecht nicht stattgefunden hat. 

Aus seinen Untersuchungen schloß Robertson, daß es sich bei 
der Krebssterblichkeit in Schottland nicht um eine scheinbare, 
sondern um eine wirkliche Zunahme handelt. 

Diese gestaltete sich nun, nach den Angaben von Koger 
Williams, 1 ) für die Zeit von 1861 — 1905 folgendermaßen: 

Es starben von 1 Million Lebenden in der Zeit von 

1861—1870 = 416 Personen an Krebs 

1871—1880 = 486 

1881—1890 =-578 

1891—1900 = 739 

1900=800 „ ,. „ (in England =828) 

1901=820 „ „ „ (,. „ =842) 

1902=830 „ „ „ („ „ =844) 

1903=840 „ „ „ („ „ =872) 

1904=850 „ „ „ (,. „ =877) 

1905 = 890 ,. „ ,. {„ ,. = 885) 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in Irland haben wir bereits 
vielfach zu erwähnen Gelegenheit gehabt, insbesondere in bezug auf 
die Orte mit hoher Krebssterblichkeit (cfr. S. 11 ff.), auf das Menschen- 
material (cfr. S. 147) und in bezug auf die im Jahre 1851 ver- 
anstaltete Sammelforschung (cfr. S. 101). 

In Irland ist im allgemeinen die Krebssterblichkeit nicht so 
verbreitet wie in England und Schottland, auch hat die 
Steigerung nicht in dem Grade zugenommen, wie in den beiden 
anderen Ländern, was aus der beifolgenden Tabelle, die wir auf Grund 
der statistischen Mitteilungen von Spencer- Wells, 2 ) Roger 
Williams 3 ) und des „Spezial-Report on Cancer in Ireland 4 )" zu- 
sammengestellt haben, ersichtlich ist. Vergleichsweise haben wir für 
einzelne Jahre auch die Krebssterblichkeit in England und Schott- 
land hinzugefügt. (Siehe Tabelle nächste Seite.) 

In bezug auf die geographische Verbreitung der Krebs- 
krankheit in den einzelnen Grafschaften und Städten Eng- 
lands haben wir schon vorhin erwähnt (cfr. S. 144), daß die sorg- 
fältigen Untersuchungen von Charles H.Moore 5 ) für die Zeit von 
1851 — 1861 eine größere Krebssterblichkeit in dem südöstlichen 
Teile des Landes als in dem nordwestlichen ergeben haben. 

Im Jahre 1861 z. B. entfiel in dem südöstlichen Teil des 



1 ) 1. c. S. 19 (p. 67). 

2 ) 1. c. S. 145. 

3 ) 1. c. S. 19 (p. 69). 

4 ) Supplement of tlie 38. Annual Rep. of the Registrar-General. Dublin 1903. 
Cfr. auch: Brit. med. Journ., 20. Juni 1903. W. S. Lazarus- Barlow: A Note 
of Cancer in Ireland (Aren, of the Middlesex Hospital, London 1905). 

5 ) 1. c. S. 144 (daselbst finden sich auch genauere, statistische Tabellen über 
die Krebssterblichkeit in den einzelnen Grafschaften während dieser Zeit). 



Germanische Völkerstämme (England, geograph. Verbreitung). 



151 



Landes auf jeden 30. Todesfall bei den Frauen ein Krebstodesfall, in 
dem nordwestlichen Teil aber erst auf jeden 59. Todesfall. 

Auch Haviland's 1 ) Forschungen bestätigten diese Beobach- 
tungen. 

In den südöstlichen und östlichen Teilen des Landes ent- 
fielen auf je 10000 Lebende =4—6 Krebstodesfälle, in den nord- 
westlichen Teilen hingegen nur 2—3 Krebstodesfälle. 



Es starben an Krebs von 1 Million Lebenden 



Jahr 


Irland 


England 


Schottland 


1864 


270 


372 




1870 


330 


424 


— 


1877 


350 


— 


— 


1880 


340 


502 


— 


1885 


390 


572 


— 


1887 


430 


615 


— 


1890 


460 


676 


— 


1895 


500 


755 


— 


1897 


580 


787 


— 


1898 


590 


802 


— 


1899 


590 


825 


— 


1900 


610 


828 


800 


1901 


650 


842 


820 


1903 


670 


872 


840 


1906 


793 


— 


— 



Die folgende Tabelle*) gibt eine Uebersicht über die Krebssterb- 
lichkeit in den südöstlichen bzw. östlichen und den nord- 
westlichen bzw. nördlichen Grafschaften in der Zeit von 1884 
bis 1900: 



Es starben an 


Krebs 


von 


1 Million Lebenden 


Ort 


1884 


1900 


London 






650 


964 


South-Eastern 






622 


883 


South-Midland 






694 


929 


Eastern 






763 


895 


West-Midland 






595 


863 


Yorkshire 






536 


809 


Northern 






442 


816 


South-Western 






642 


950 


North-Western 






490 


773 


North-Midland 






520 


798 


Wales 






533 


775 


In ganz England 


und Wales 


560**) 


828 



Nach der Höhe der Krebssterblichkeit während der Zeit von 
1890—1901 verhalten sich die einzelnen Grafschaften folgendermaßen: 



l ) Geographica! Distribution of Disease in Great Britain, 2. Aufl. 1892 (1. Auf- 
lage erschien im Jahre 1875). 

*) Nach Koger Williams (1. c. S. 19), p. 82. 
**) Nach der Tabelle S. 146 = 564. 



152 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Es starben an Krebs von 1 Million Lebenden 





1890 


1900 


1901 


1901 


Ort 


Beide 


Beide 








Geschlechter 


Geschlechter 


Männer 


'Frauen 


Huntingdonshire 


1108 


1083 


964 


1300 


Cambridgeshire 


939 


1033 


951 


1330 


North-Wales 


871 


1063 


981 


1200 


Devonshire 


847 


964 


818 


1121 


Norfolk 


781 


991 


879 


1132 


Suffolk 


779 


991 


790 


1031 


Derbyshire 


— 


783 


519 


932 


South-Wales 


563 


658 


577 


798 


Lancashire 


555 


730 


593 


905 


Staffordshire 


538 


685 


482 


802 


Durham 


518 


619 


497 


804 


Montmouthshire 


504 


606 


576 


789 


In ganz England und Wales 


676 


828 


691 


985 



Es liegen außerdem Sonderunters uchun gen über die Krebs- 
sterblichkeit in einzelnen Grafschaften vor. von denen wir an dieser 
Stelle nur noch die von George Melmoth Scott 1 ) ausgeführten, 
statistischen Erhebungen über die Grafschaft Es sex anführen wollen. 
In dieser Grafschaft starben in der Zeit von 

1871—1880 = 274 Personen an Krebs 
1881—1890 = 355 
1891—1900 = 447,5 
Auf 1000 Sterbefälle überhaupt entfielen Krebstodesfälle: 
1871-1880 = 4,78 
1881—1890 = 6,23 
1891—1900 = 7,73 
Auch aus diesen Tabellen ist eine absolute Zunahme der Krebs- 
krankheit ersichtlich. 

Unter den Städten Englands hat London bereits seit dem Jahre 
1849 statistische Berichte über die Krebssterblichkeit aufzuweisen. 

Nach v. d. Corput 2 ) betrug die Krebssterblichkeit in London 
im Jahre 1849 = 2,5 % aller Todesfälle, im Jahre 1859 == 3,8 °/ . 

Nach einer Zusammenstellung*) für die Zeit von 1851 — 1902 
starben an Krebs in London von 1 Million Lebenden in den Jahren: 



1851—1860 = 420 Personen 


1895 = 830 Personen 


1861—1870 = 480 


1896 = 860 


JJ 


1871-1880 = 550 


1897 = 880 


j? 


1881—1890 == 680 


1898 = 920 




1891 == 780 


1899 = 950 


5? 


1892 = 750 


1900 = 950 


JJ 


1893 == 800 


1901 = 930 




1894 = 790 


1902 = 990 


5? 



x ) Lancet 1900, Vol. II, p. 574. 
*) 1. c. S. 18. 

*) Eeport of the public Health Committee of the London County Council 1902. 
**) Nach Koger Williams 1. c. S. 19 (p. 60), 

im Jahre 1S01 = 880 Personen im Jahre 1903 = 960 Personen 

„ 1902 = 930 „ „ „ 1904 == 920 

im Jahre 1905 == 930 Personen 



Germanische Völkerstämme (Norwegen). 153 

Unter den übrigen Städten weist Edinburgh*) die höchste 
Krebssterblichkeit auf: 

Von 1 Million Lebenden starben im Jahre 

1881 = 810 Personen an Krebs 

1891 = 970 „ „ „ 

1901 = 1090 „ „ „ 

1905 = 1850 „ „ „ 

während in Glasgow z. B. von 1 Million Lebenden im Jahre 

1891 = 600 Personen an Krebs starben 
1902 = 850 „ „ „ 

Ueber die Krebssterblichkeit in Dundee hat Ch. Templern an *) 
eingehende, statistische Untersuchungen angestellt. 

Auch in dieser Stadt hat die Krebssterblichkeit gleichmäßig zu- 
genommen, und zwar in der Zeit von 1877 — 1902 um mehr als 
um das Doppelte. 

Ueber die Krebssterblichkeit in Leeds cfr. S. 13. 



Statistische Untersuchungen 
über die Krebssterhlichkeit in Norwegen. 

Gesetzliche Leichenschau. Statistische Untersuchungen von Kiaer und 
Geirsvold. Hohe Krebssterblichkeit in Norwegen. Stetige Zu- 
nahme. Uebersichtstabelle für die Zeit von 1865 — 1897. Vergleich mit 
der Bevölkerungszunahme. Wirkliche Zunahme nach Geirsvold. Ein- 
fluß der Aerztezahl auf die statistischen Ergebnisse. 

Geographische Verbreitung. Krebssterblichkeit in den Aemtern 
und größeren Städten. 

Wir haben schon vielfach Gelegenheit gehabt, auf die Verbreitung 
der Krebskrankheit in Norwegen hinzuweisen. Wir haben bei 
Besprechung der allgemeinen Verbreitung des Krebses auf die Ver- 
hältnisse in Norwegen bezug genommen (cfr. S. 9), ebenso bei den 
Untersuchungen über die Disposition der einzelnen Völkerrassen zur 
Krebserkrankung (cfr. S. 37) und bei Erörterung der Ergebnisse von 
Sammelforschungen (cfr. S. 101). 

Wir haben auch schon erwähnt (cfr. S. 47), daß in Norwegen 
bereits seit Jahrzehnten eine ärztliche Leichenschau besteht, 
so daß die statistischen Untersuchungen dieses Landes ganz besondere 
Beachtung verdienen. 

Die norwegische Statistik, und insbesondere auch die Krebs- 
statistik, ist in eingehender Weise von Franz Kiaer 1 ) für die Zeit 
von 1853—1866 und von M. Geirsvold 2 ) für die Zeit von 1865 
bis 1897 bearbeitet worden. 



*) Cfr. Roger Williams 1. c. S. 19 (p. 69). 

1 ) Brit. med. Journ. 14. Febr. 1903. 

2 ) 1. c. S. 9. 

3 ) 1. c. S. 9. 



154 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Gelegentlich hat auch Andvord 1 ) bei den statistischen Unter- 
suchungen über die Tuberkulose in Norwegen einige statistische 
Angaben über die Verbreitung der Krebskrankheit gemacht.*) 

Nach den mühevollen Untersuchungen von Kiaer sind in Nor- 
wegen in der Zeit von 1853—1866 im ganzen 91103 Personen ge- 
storben, bei denen die Krankheit bestimmt angegeben war, darunter 
2671 Personen an Krebs, d. h. 2,9% aller Todesfälle, im Verhältnis 
zu der englischen Statistik aus dieser Zeitepoche (cfr. S. 146), ein 
recht hoher Prozentsatz. 

Dabei ist Kiaer der Ansicht, daß infolge mangelhafter Diagnose 
diese Zahl eher zu niedrig als zu hoch berechnet sei. 

Durchschnittlich starben während dieser Zeit, nach den Angaben 
von Kiaer, in Norwegen jährlich 863 Personen an Krebs. Bei 
einer Bevölkerungszahl von 1668 000 Menschen (im Jahre 1866) würden 
also auf je 10000 Lebende jährlich 5,2 Todesfälle an Krebs entfallen. 
(In England zu dieser Zeit = 3,72). 

Das Material, welches Kiaer zur Verfügung stand, war natur- 
gemäß ein lückenhaftes. 

Geirsvold nun, der über ein größeres Zahlenmaterial mit ge- 
naueren Angaben verfügte, konnte zwar im großen und ganzen die 
Ergebnisse Kiaer's bestätigen, wenn auch viele Einzelheiten in 
einem ganz anderen Lichte erschienen. 

Nach den Untersuchungen von Geirsvold ist während der Zeit 
von 1865 — 1897 die Krebssterblichkeit, sowohl im ganzen Lande als 
auch in den einzelnen Bezirken, in stetiger Zunahme gewesen, 
die aus folgender Tabelle ersichtlich ist (siehe Tabelle nächste Seite). 

Es ist also die Krebssterblichkeit in Norwegen in der Zeit 
von 1865—1897 von 1,9 auf 10000 Lebende bis auf 8,5 gestiegen. 
(In England hingegen nur von 3,72 auf 7,87. Cfr. S. 146.) Im ganzen 
sind während dieser Zeit 29 099 Krebstodesfälle registriert, d. h. durch- 
schnittlich starben jährlich 882 Personen an Krebs. Nach Kiaer 
kamen, wie vorhin erwähnt, in früheren Jahrzehnten durchschnittlich 
863 Krebstodesfälle vor. 

Eine Bevölkerungszunahme fand während dieser Zeit von 
1701756 auf 2110400 statt. 

Während also die Bevölkerung nur l 1 / 4 mal sich vermehrte, hat 
die Krebssterblichkeit fast um das Fünffache zugenommen. 

Geirsvold ist der Ansicht, daß es sich bei der Krebssterblichkeit 
in Norwegen um eine wirkliche und nicht um eine scheinbare 
Zunahme handle, und daß die bessere Diagnose in der Neuzeit nicht 
allein für das Ansteigen der Krebstodesfälle verantwortlich gemacht 
werden könne. 

In N o r w e g e n ist die Z a h l d e r A e r z t e , im Verhältnis zur Be- 
völkerung, von 216 auf 1 Million Einwohner im Jahre 1867, bis auf 
429 im Jahre 1897 gestiegen, also fast um das Doppelte. Allein, 
dieser Zuwachs ist bis zum Jahre 1890 nur sehr langsam erfolgt, 
da er im Laufe von 8 Jahren nur von 311 auf 429 pro 1 Million 
Einwohner anstieg. Parallel zu dieser Steigerung der Aerztezahl 



x ) Studien über die Häufigkeit der Tuberkulose in Norwegen (Norsk Magazin 
for Laegevidenskaben 1895, p. 1013). 

*) Leider ist auch die statistische Untersuchung von Geirsvold insofern nicht 
ganz einwandfrei, als eine Berechnung auf die erwachsene Bevölkerung sich nicht 
hatte durchführen lassen. 



Germanische Völkerstämme (Norwegen). 



155 



erhöht sich auch die Zahl der von den Aerzten gemeldeten Todes- 
ursachen von 34,3% im Jahre 1867, auf 77,1 °/ im Jahre 1897. 



Krebssterblichkeit in 


Norwegen in der Zeit von 1865 — 1905.*) 




Krebstodesfälle 


Auf 100 Todesfälle 


Von 


Jahr 






überhaupt entfielen 
Krebstodesfälle 


10000 Lebenden 




Registriert 


Berechnet 


starben an Krebs 


1865 


319 


930 


3,3 


1,9 


1866 


314 


975 


3,4 


1,8 


1867 


308 


848 


2,8 


1,8 


1868 


335 


872 


2;8 


1,9 


1869 


438 


1197 


4,0 


2,5 


1870 


471 


1223 


4,3 


27 


1871 


477 


1125 


3,9 


2,7 


1872 


477 


1138 


4,0 


2,7 


1873 


610 


1390 


4,9 


3,5 


1874 


568 


1365 


4,2 


3,2 


1875 


624 


1458 


4,3 


3,5 


1876 


625 


1408 


4,1 


3,4 


1877 


682 


1507 


4,8 


3,4 


1878 


712 


1500 


5,1 


3,8 


1879 


794 


1594 


5,5 


4,2 


1880 


801 


1590 


5,1 


4,2 


1881 


887 


1760 


5,3 


4,6 


1882 


892 


1746 


4,9 


4,7 


1883 


959 


1918 


5,8 


5,0 


1884 


1006 


1920 


6,1 


5,2 


1885 


1047 


1987 


6,2 


5,4 


1886 


1007 


1818 


5,8 


5,2 


1887 


1116 


2022 


6.4 


5,7 


1888 


1112 


1989 


5,9 


5,6 


1889 


1144 


2058 


5,9 


5,8 


1890 


1148 


2069 


5,8 


5,8 


1891 


1237 


2270 


6,5 


6,2 


1892 


1278 


2123 


5,9 


6,4 


1893 


1405 


2107 


6,4 


7,0 


1894 


1449 


2052 


6,2 


7,1 


1895 


1464 


2140 


6,6 


7,1 


1896 


1691 


2205 


7,3 


8,1 


1897 


1802 


2337 


7,5 


8,5 


1900 


2008 


— 


7,2 


— 


1905 


2248 


— 


8,0 


— 



Geirsvold gibt zwar zu, daß ärztliche Hilfe in der neueren 
Zeit auch in Norwegen häufiger in Anspruch genommen wurde als 
früher, und daß infolgedessen auch auf den Totenscheinen richtigere 
Diagnosen vermerkt seien. 

Andererseits wären aber auch die Angaben über Krebstodesfälle 
aus früheren Zeitepochen zu hoch gewesen, da viele nicht krebs- 
artige Krankheiten, wie z. B. perniziöse Anämie, osteomyelitische 
Erkrankungen, Actinomycosis usw. als „Krebs" in den Totenscheinen 
aufgeführt worden seien. 

Inwieweit das zunehmende Lebensalter und die Abnahme der 



*) Für die Jahre 1900 und 1905 hat Munch S0egaard (Zeitschr. f. Krebs- 
forschung, Bd. 13, 1913, S. 87) die Sterblichkeitszifter von Krebs berechnet. Dank 
der Liebenswürdigkeit des Redakteurs dieser Zeitschrift Herrn Prof. Dr. George 
Meyer in Berlin war es mir noch möglich vor Drucklegung dieses Werkes einen 
Bürstenabzug der S0egaard' sehen Arbeit zu erhalten. 



156 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Gesamtsterblichkeit auf die Steigerung der Krebstodesfälle von Ein- 
fluß sind, läßt Geirsvold unentschieden. 

Man muß wohl, nach Geirsvold, annehmen, daß eine Anzahl 
von Faktoren einander neutralisieren, daß aber eine stetige Zu- 
nahme der krebsartigen Krankheiten wirklich stattgefunden hat. 

Die Krebskrankheit kommt in Norwegen nicht gleich- 
mäßig in allen Bezirken vor. 

Wir haben schon früher (cfr. S. 9) auf den Unterschied in der 
Krebsverbreitung zwischen dem Küsten- und Binnenland 
hingewiesen. 

Nach den Angaben von Kiaer ist der südliche Teil Nor- 
wegens vom Krebs mehr verschont als der mittlere, während der 
nördliche Teil eine geringe Krebssterblichkeit aufweist. 

Auch Geirsvold bestätigt, daß der Krebs an s e 1 1 e n s t e n in den 
südwestlichen und nördlichen Teilen des Landes vorkommt, 
am häufigsten in den zentral gelegenen, östlichen Gegenden. 

Ueber die Krebssterblichkeit in den einzelnen Aemtern 
Norwegens in der Zeit von 1861 — 1865 gibt folgende, von Kiaer 
zusammengestellte Tabelle Aufschluß:*) 

Krebssterblichkeit in den Aemtern Norwegens in der Zeit von 
1861—1865: 



Amt 


Mittlere 

Volksmenge 

im Jahre 

1864 


Gesamtzahl 
der Krebs- 
todesfälle 


Auf 10 000 
Lebende ent- 
fielen Krebs- 
todesfälle 


Kristiania 

Hamar 

Kristiansand 

Bergen 

Trondhjem 

Tromsoe 


439 548 
240 591 
322 270 

262 090 
251 478 

152 277 


243 
141 
152 
106 
156 
70 


5,5 
5,9 
4,7 
4,0 
6,2 
4,6 


überhaupt 


1 668 254 


863 


5,2 



In den einzelnen Aemtern tritt also der Krebs am häufigsten 
in Hamar und Trondhjem auf, am seitesten in Bergen, 
Tromsoe und Kristiansand, während die Krebssterblichkeit in 
Kristiania dem Sterblichkeitsdurchschnitt im ganzen Reiche 
entspricht. 

Die Untersuchungen von Geirsvold für die spätere Zeit von 
1865—1897 haben ebenfalls eine ungleichmäßige Verbreitung 
der Krebskrankheit in Norwegen ergeben. 

Die größte Krebssterblichkeit weisen die im hohen Norden 
gelegenen Städte Hammerfest und Tromsoe auf. 

Die Krebssterblichkeit in einzelnen größeren Städten verhielt 
sich in bezug auf die Höhe der Sterblichkeit folgendermaßen: 



*) Cfr. auch A. Hvoslef: Ueber das Auftreten von Krebs in den Landbezirken 
von Norwegen. (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, S. 184.) 






Germanische Völkerstämnie (Schweden). 157 

Es starben von lOOOO Lebenden an Krebs durchschnittlich in: 

Hammerfest = 13,47 Personen Vardoe = 8,84 Personen 

Tromsoe =10,98 „ Kristiania = 8,24 „ 

Trondhjem =10,00 „ Bergen =7,64 
Krag er ö = 9,67 „ 

Die Erklärung von Geirsvold für diese Unterschiede in der 
Krebsverbreitung haben wir bereits angeführt (cfr. S. 47. ff). 

Einzeluntersuchungen über die Krebssterblichkeit in einigen 
Orten Norwegens haben noch in besonders eingehender Weise 
Munch S0egaard 1 ) für Wikor und Garmann Andersen 2 ) 
für den Bezirk des Har danger fjords angestellt (cfr. auch S. 95). 

Wir werden auf diese sorgfältigen Untersuchungen, die für ge- 
wisse Probleme der Krebslehre (Vererbung, Cancer ä deux usw.) von 
Wichtigkeit sind, noch an einer anderen Stelle zurückkommen. 



Statistische Untersuchungen über die Verbreitung der 
Krebskrankheit in Schweden. 

A eitere, statistische Mittteilungen von Kiaer. Größere Krebssterb- 
lichkeit in Schweden als in Norwegen. 

Neuere, statistische Untersuchungen von Quensel für die Zeit von 
1875 — 1899. Größere Krebssterblichkeit in den kleineren als in den 
größeren Städten. Fleischgenuß und Ursache der Krebskrankheit. 
Geographische Verbreitung. 

Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1905. Aerztebeteiligung. 
Geographische Verbreitung. 

Krebs morbidität. Verbreitung in den Städten und auf dem Lande. 

Krebsmorbidität und Krebsmortalität in Stockholm. 

Viel spärlicher sind die statistischen Untersuchungen über die 
Verbreitung der Krebskrankheit — besonders in bezug auf die früheren 
Jahrzehnte — in Schweden. 

Wir finden einige statistische Mitteilungen für die Zeit von 1861 
bis 1866 von Kiaer 3 ) angeführt, die er den vom „Schwedischen 
Zentralbureau" herausgegebenen Berichten, die sehr vollständige 
Angaben über die Todesursachen enthielten, entnahm. 

Demnach entfielen während dieser Zeit auf 64314 Todesfälle 
überhaupt = 1667 Krebstodesfälle, d. h. 2,6%, also ein etwas ge- 
ringerer Prozentsatz als in Norwegen zu dieser Zeit (cfr. S. 154). 

Im Durchschnitt starben zu dieser Zeit in Schweden jährlich 
310 Personen an Krebs, d. h. von 10000 Lebenden, bei einer Be- 
völkerung von 4 660000 Einwohnern = 6,65 Personen (in Nor- 
wegen = 5,2). 

Erst im Jahre 1900 erschienen dann ausführlichere Mitteilungen 



r ) Medicinsk Revue. Juli 1909 und Sept. 1911. Norsk Magazin f. Laege- 
yidenskaben, Okt. 1910. 

2 ) Medicinsk Eevue, Juni 1911. 

3 ) 1. c. S. 9. 



158 H- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

von U. Quensel 1 ) über die Krebssterblichkeit in Schweden, welche 
den Zeitraum von 1875—1899 umfaßten. 

Die schwedische Rasseist, nach den Angaben dieses Forschers, 
eigentlich eine der gesündesten in der ganzen Welt; denn die 
allgemeine Sterblichkeit betrug in der Zeit von 1890 — 1900 nur 
16,4%, in Norwegen = 16,9°/ n , in England hingegen =18,8°/ . 

In der Zeit von 1875—1879 entfielen nun auf je 10000 Lebende 
= 8,0 Krebstodesfälle und in der Zeit von 1895-1899 = 9,7 Todes- 
fälle*) an Krebs. 

Im Vergleich mit Norwegen (cfr. S. 154) ist also die Krebs- 
sterblichkeit in Schweden höher (cfr. auch S. 94). 

Auf 100 Todesfälle überhaupt, entfielen in der Zeit 

von 1875—1879 == 3,37 Krebstodesfälle, 
„ 1895-1899 = 6,27 

Quensel teilt noch die merkwürdige Erscheinung mit, daß die 
Krebssterblichkeit in den kleineren Städten verhältnismäßig höher 
sei als in den größeren Städten (cfr. S. 44). 

Diese hohe Krebssterblichkeit ist nun, nach Quensel, nicht 
auf den übermäßigen Fleischgenuß der Schweden zurückzuführen; 
denn pro Kopf und Jahr entfallen in Schweden nur 67 Pfund 
Fleisch (in England = 126 Pfund, cfr. S. 13). Hingegen werden 
allerdings große Mengen von «Fisch, Milch und Käse verzehrt. 

Auch für Schweden hat Quensel den Beweis erbracht, daß das 
Binnenland mehr vom Krebs heimgesucht wird als das Küsten- 
land, und daß in bezug auf die geographische Verbreitung 
die Verhältnisse ähnlich liegen wie in Norwegen (cfr. S. 156). 

Diese Angaben sind auch in neuester Zeit durch die in Schweden 
im Jahre 1905 veranstaltete Sammelforschung**) bestätigt worden,, 
an der sich 97,3% der angefragten Aerzte (von 1331 = 1295) be- 
teiligten (cfr. auch S. 53 u. 103).***) 

Im ganzen scheint, nach den Ergebnissen dieser Sammelforschung, 
die Krebsfrequenz verhältnismäßig niedrig zu sein im südlichen 
Schweden, mit Ausnahme von Gotland und Blekinge, sowie 
in Norrland, mit Ausnahme von Wester-Norrland, hoch da- 
gegen in Svea Land. 

Im ganzen Reiche wurden in der Zeit vom 1. Dezember 1905 
bis 28. Februar 1906 = 1754 Krebskranke gezählt, d. h. auf 
10000 Lebende = 3,31, im Verhältnis zu der vorhin erwähnten 
Krebsmortalität also ein sehr geringer Prozentsatz. 

In den Städten kamen auf 10000 Lebende = 38,72 krebskranke 
Männer und 72,0 krebskranke Frauen. 

Auf dem L a n d e = 23,42 krebskranke Männer und 28,76 krebs- 
kranke Frauen. 



f ) Nord. med. arkiv 1900, Nr. 34, Heft VI. (Om mortaliteten i kräfta i Sveriges 
städer under ären 1875—1899.) 

*) Im Jahre 1900 stieg diese Zahl auf 10,2. 
**) Bericht über die von der schwedischen Aerztegesellschaft veranstaltete 
Sammelforschung über die Krebskrankheit in Schweden während der Zeit vom 
1. Dezember 1905 bis 28. Februar 1906. (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, 
1909, S. 3.) 

***) Unter diesen hatten 649 Aerzte = 50,1 °/ Fehlanzeigen eingesandt. 



Germanische Völkerstämme (Dänemark). 159 

Die Krebsverbreitung in den Städten war also doppelt so 
groß als auf dem Lande, eine Erscheinung, die auf die größere Zahl 
der Aerzte in den Städten zurückzuführen ist. 

Wir haben schon früher den Wert derartiger Sammelforschungen 
für die Statistik des Krebses beleuchtet und verweisen auf unsere 
diesbezüglichen Ausführungen (S. 103). 

Unter den einzelnen Städten wollen wir nur noch die Krebs- 
sterblichkeit in Stockholm hervorheben. 

Nach den Ergebnissen der Sammelforschung kamen in der 
angegebenen Zeit in Stockholm auf 10000 Lebende = 7,36 Krebs- 
kranke. Nach Kiaer 1 ) starben in der Zeit von 1851 — 1860 durch- 
schnittlich jährlich 8,9 Personen an Krebs (in Göteborg = 5,4). 



Statistische Untersuchungen über die Verbreitung der 
Krebskrankheit in Dänemark. 

A elt er e , statistische Untersuchungen. Zunahme in der Neuzeit. 
Große Krebssterblichkeit in Dänemark. 

Ergebnisse der Sammelforschung vom Jahre 1908: 

Aerztebeteiligung. Histologische Sicherstellung der Diagnose. Mor- 
biditätsstatistik. Hoher Prozentsatz der Krebsverbreitung. Vergleich mit 
anderen europäischen Ländern. 

Sterblichkeitsnachweise für Kopenhagen. Vergleich mit 
anderen europäischen Großstädten. 

Boden theorie und Krebssterblichkeit. 

Statistische Untersuchungen über die Krebsverbreitung in Däne- 
mark sind erst in neuerer Zeit angestellt worden. 

Von älteren Angaben erwähnen wir die Mitteilungen von 
Kiaer, 2 ) daß in der Zeit von 1861 — 1864 in ganz Dänemark 
1229 Personen an Krebs gestorben sind. 

Die Krebssterblichkeit betrug 3,1 °/ aller Todesfälle überhaupt, 
oder auf 10000 Lebende (bei einer Bevölkerung von 369400 Ein- 
wohnern) kamen jährlich 6,7 Krebstodesfälle, ein etwas höherer 
Prozentsatz also als in Schweden und Norwegen zu dieser Zeit 
(cfr. S. 157). 

In der Folgezeit stieg dann die Krebssterblichkeit ganz erheblich, 
und zwar in der Zeit von 1886—1887 auf 10,9 von 10000 Lebenden 
und im Jahre 1900 sogar auf 13,0!*) 

Dänemark zeigt also nicht nur eine erhebliche Zunahme 
der Krebssterblichkeit, sondern, im Vergleich mit Norwegen und 
Schweden, auch eine großeKrebsverbreitung überhaupt! 

Um nun eine Klärung der Sterblichkeitsverhältnisse an Krebs in 
Dänemark herbeizuführen, wurde am 1. April 1908 eine Sammel- 

1 ) 1. c S. 9. 

2 ) 1. c. S. 9. 

*) Cfr. Mulhall: The Industries and Wealth of Nations 1896. 



160 II« Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

forsch ung*) veranstaltet, die insofern schon große Beachtung ver- 
dient, als 99% aller Aerzte sich an derselben beteiligten (von 1524 
Aerzten hatten 1513 geantwortet, cfr. auch S. 103). 

Es wurden nun an diesem Tage, nach Ausmerzung verschiedener 
doppelt gemeldeten und zweifelhaften Fälle, in ganz Dänemark 
1135Krebskranke gezählt, bei denen in 35% durch eine histo- 
logische Untersuchung die Diagnose gesichert war (cfr. auch 
S. 103). 

Bei einer Bevölkerung von 2 650000 Einwohnern würden also 
auf je 10000 Lebende == 4,3 Krebserkrankungen kommen. 

Im Vergleich zu den Ergebnissen der Sammelforschungen 
in anderen Ländern, die wir bisher erwähnt haben, weist Dänemark 
die höchste Erkrankungsziffer auf; denn, wie wir gesehen 
haben, entfielen in Deutschland (cfr. S. 108) auf je 10000 Lebende 
= 2,15 und in Schweden (cfr. S. 158)= 3,31 Krebskranke. Wenn 
wir jedoch die ungleiche Beteiligung der Aerzte an diesen 
Sammelforschungen in den einzelnen Ländern in Betracht ziehen, dann 
werden wir auf derartige Vergleiche kein allzu großes Gewicht legen 
dürfen. 

Trotzdem ist auch aus den Sterblichkeitsnachweisen, 
sowohl aus frühren Jahrzehnten, als auch aus der Neuzeit, ersichtlich, 
daß Dänemark, und besonders Kopenhagen, im Verhältnis zu 
anderen Ländern bezw. Großstädten, eine sehr hohe Krebs- 
sterblichkeit aufweist. 

Schon B o u d i n x ) teilt mit, daß in der Zeit von 1840—1844 in 
Kopenhagen 65 Krebstodesfälle vorgekommen wären, was einem 
Prozentsatz von 2% aller Todesfälle überhaupt entsprechen würde. 

In der Zeit von 1859 — 1868 steigerte sich dieser Prozentsatz, 
nach den Angaben von Kiaer, 2 ) auf 3,6% aller Todesfälle und auf 
8,7 von je 10000 Lebenden. 

Nach den neueren Untersuchungen von J. F i e b i g e r und 
S v. Trier 3 ) gestaltete sich die Krebssterblichkeit in Kopenhagen 
in der Zeit von 1897 — 1908 folgendermaßen: 

Es starben, von je 10000 Einwohnern jährlich in der Zeit von 

1897—1901 — 13,2 Personen an Krebs 
1902—1906 = 13,3 „ 

1907 = 15,0 „ „ „ 

1908 = 13,4 „ „ „ 

Im Vergleich mit anderen Großstädten Europas, ist die Krebs- 
sterblichkeit in Kopenhagen allerdings eine sehr hohe; denn es 
starben von je 10000 Lebenden jährlich im Jahre 1907 (bzw. 1908) in 



*) Bericht über die Zählung der am 1. April 1908 in Dänemark in ärztlicher 
Behandlung gewesenen Krebskranken. Bearbeitet von Johannes Fiebiger und 
S v. Trier. (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910, S. 275. Cfr. auch: Ugeskrift 
for Laeger, Okt. 1909). 

1 ) 1. c. S. 101. 

2 ) 1. c. S. 9. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, S. 282. Cfr. auch: Stadslaegens Beret- 
ning 1908. 



Germanische Völkerstämme (Holland). 161 

Stockholm == 11,6 Personen an Krebs 

Kristiania 1 ) = 11,9 (bzw. 10,2) ,, „ 

Berlin 2 ) = 11,6 „ 

Hamburg 3 ) = 10,5 „ ,. 

London 4 ) = 10,3 (bzw. 10,6) 

Als Ursache der großen Krebsverbreitung in Dänemark ist 
nicht, nach den Untersuchungen von Fiebiger und Trier, die 
Beschaffenheit der Bodenverhältnisse in Dänemark anzu- 
schuldigen; denn gerade in den am meisten von der Krebskrankheit 
heimgesuchten Aemtern, wie z.B. in Soroe und Aarhus, sind die 
Bodenverhältnisse durchaus nicht als feucht und sumpfig anzu- 
sehen, so daß die Bodentheorie (cfr. S. 3 ff.) an der dänischen 
Krebsstatistik keine Stütze findet. Ueber den Unterschied in der 
Verbreitung des Krebses bei der Stadt- und Landbevölkerung 
cfr. S. 47. 



Die Krebssterblichkeit in Holland. 

Statistik der Neuzeit. Zunahme in der Zeit von 1875 — 1905. 

Ergebnisse der Sammelforsch ung vom Jahre 1900: 

Geringe Morbiditätsziffer. 

Mortalitätsstatistik in den einzelnen Städten. Einzelunter- 
suchungen über die Krebssterblichkeit in Amsterdam und Utrecht. 
Scheinbare Zunahme. 

Statistische Untersuchungen über die Krebssterblichkeit im 
ganzen Lande sind nur in geringer Zahl veröffentlicht worden und 
beziehen sich hauptsächlich auf die Neuzeit. 

Aus den uns zugänglichen, statistischen Nachweisen ist ersichtlich, 
daß auch in Holland die Krebskrankheit bedeutend zugenommen 
hat, und zwar in der Zeit von 1875—1905 fast um das Doppelte. 

Es starben von 10000 Lebenden in Holland im Jahre 

Personen an Krebs 



1875 5 ) 


= 


5,1 


1888 6 ) 


= 


6,5 


1900 7 ) 


= 


9,3 


1903 7 ) 


= 


9,9 


1905 


= 


10,1 



Die im Jahre 1900 veranstaltete Sammelforschung*) ergab 
eine Krebs morbidität von 2,86 auf je 10000 Lebende, eine im 
Verhältnis zu anderen Ländern (cfr. S. 160), verhältnismäßig geringe 

1 ) Cfr. auch S. 156. 

2 ) Cfr. auch S. 118. 

3 ) Cfr. auch S. 122. 

Er. auch S. 152. 
5 ) Nach Gr. W. Bruinsma (Vragen des Tijds — zitiert nach P. H. Eijk- 
mann: Krebs und Röntgenstrahlen. Haarlem 1902). 

tt ) Nach J. D ollin g er (II. Internat. Krebskongreß, Paris 1910, S. 474). 
7 ) Nach Roger Williams 1. c. S. 19 (p. 74). 

*) Bearbeitet von J. M. Huizinga, W. Nolen und J. Veit (Nederl. Tiid- 
schrift voor Geneeskunde, 12. Okt. 1901. Cfr. auch: Klin. Jahrb. 1902). 
Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 11 



162 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Erkrankungsziffer. Allerdings hatten sich mir 60 °/ der Aerzte an 
dieser Sammelforschung- beteiligt. 

In bezug auf die geographische Verbreitung der Krebs- 
krankheit in Holland verweisen wir auf unsere Ausführungen S. 12. 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit in den einzelnen 
Städten Hollands liegen ältere Mitteilungen für die Zeit von 
1875—1878 von F. W. Beneke 1 ) vor (cfr. auch S. 71). 

Es entfielen während dieser Zeit auf je 100 Todesfälle in 

Amsterdam = 2,60 Krebstodesfälle 

Rotterdam = 2,05 „ 

'sGravenhage = 2,55 „ 

Utrecht = 2,40 „ 

Gemeinde Zutphen = 8,11 „ 

„ Arn heim = 2,23 „ 

Stadt Leyden = 2,89 „ ' 

während in ganz Holland zu dieser Zeit auf je 100 Todesfälle 
= 2,10 Krebstodesfälle kamen. 

Im Vergleich mit der Krebssterblichkeit in anderen Großstädten 
Europas zu dieser Zeit (cfr. S. 120, 122), geht die Krebssterblich- 
keit in den holländischen Städten, mit Ausnahme der Gemeinde 
Zutphen, nicht über den Durchschnitt hinaus. 

In Amsterdam stieg die Krebssterblichkeit in der Zeit von 
1891—1900 von 3,8 auf 7,8 von je 10000 Lebenden*) und im Jahre 1907 
auf 10,6, während im Jahre 1908 ein Abfall auf 9,1 zu verzeichnen 
war.**) Im Verhältnis zu der Krebssterblichkeit in der Neuzeit 
(cfr. S. 161) in anderen Großstädten Europas, hat also Amsterdam 
eine verhältnismäßig geringe Krebssterblichkeit aufzuweisen (cfr. 
auch S. 38). 

Ueber die Krebssterblichkeit in Utrecht hat in neuerer Zeit 
P. V. Astro 2 ) sehr eingehende Untersuchungen angestellt, auf Grund 
der Todesangaben des Standesamts in Utrecht in den letzten 
30 Jahren. 

Astro konnte eine deutliche Zunahme bei Personen im Alter 
von über 44 Jahren und eine noch größere bei den über 65 Jahre 
alten Personen feststellen. 

Die Sterblichkeit an Brustkrebs hat zwar in der letzten Zeit 
sehr abgenommen, hingegen ist der Prozentsatz der Sterblichkeit an 
Krebs des Intest inaltractus, besonders bei Männern, sehr 
gestiegen und macht fast 8°/ aller Krebstodesfälle aus. 

Astro kommt nun zu dem Ergebnis, daß die Zunahme der 
Krebskrankheit in Utrecht nur eine scheinbare und durch die 
bessere Diagnostik bedingt sei, weil gerade die Diagnostik des 
Krebses deslntestinaltractus in der letzten Zeit eine viel bessere 
geworden ist, und umgekehrt die Zahl der leicht zu diagnostizierenden 
Krebse nicht zugenommen hat. 



') 1. c. S. 71. 

*) Cfr. Koger Williams 1. c. S. 19 (p. 74). 
**) Cfr. J. Fiebiger und Trier 1. c. S. 160. 

2 ) Statistiek der Carcinoom-sterfte in de Gemeente Utrecht, gedurende tijd 
nak 1892—1902. Utrecht 1802. (Cfr.. auch Nederl. Tiidschrift voor Geneeskunde 
1903, Nr. 3). 



Krebs Verbreitung bei romanischen Kassen (Frankreich). 163 

Inwiefern nun die besseren Operationsergebnisse der leicht 
zugänglichen Krebs auf das Verhältnis zwischen Morbidität und 
Mortalität von Einfluß sind, werden wir noch späterhin zu erörtern 
haben. 



Wir haben bisher die Verbreitung der Krebskrankheit in allen 
denjenigen Ländern erörtert, deren Bewohner nach Rasse und Ab- 
stammung eine gewisse Zusammengehörigkeit zeigen, insofern als 
sie den germanischen Typus darstellen. 

Wir wenden uns nunmehr zu den Ländern, deren Einwohner 
mehr der 

Romanischen Rasse 
angehören. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in Frankreich. 

Krebssterblichkeit in Frankreich. Art der statistischen Berechnung. 
Einfluß derselben auf das Endergebnis. 

Geographische Verbreitung: Unterschied in der Krebssterblich- 
keit zwischen den südlichen und nördlichen Departements. 

Uebersicht über die Krebssterblichkeit in einigen größeren Städten 
Frankreichs. 

Krebssterblichkeit in Paris und Lyon. 

Statistiken, soweit sie das ganze Land umfassen, sind in nur 
geringer Zahl mitgeteilt worden und betreffen hauptsächlich die 
früheren Jahrzehnte. 

Mitteilungen aus der neueren Zeitepoche machte u. a. 
J. Dollinger, x ) nach dessen Berechnung in der Zeit von 1895 — 1904 
in Frankreich auf je 10 000 Lebende = 9,8 Krebstodesfälle ent- 
fielen. 

Aus einer Zusammenstellung, die einen Vergleich mit der Krebs- 
sterblichkeit in anderen Ländern ermöglicht,*) ist ersichtlich, daß 
Frankreich in bezug auf die Krebssterblichkeit am ungünstigsten 
dasteht. 

Allerdings muß man bei der Berechnung dieser Sterblichkeits- 
ziffer in Betracht ziehen, daß das in Frankreich zugrunde gelegte 
Material ausschließlich aus Städten mit einer Einwohnerzahl von 
über 5000 Seelen herstammt, während bei den übrigen Staaten auch 
die Landbevölkerung mit einbegriffen ist. 

Wir sehen, wie sehr die Art der bei der Berechnung be- 
folgten Grundsätze das Endergebnis beeinflussen kann! 

Nach den Untersuchungen von J. Bertillon 2 ) ist die Krebs- 
krankheit im Norden von Frankreich sehr verbreitet, und 
zwar in der Richtung von Caen nach Angers, Dijon bis Dün- 
kirchen, während im Süden (Marseille) Krebserkrankungen im 
allgemeinen weniger häufig vorkommen. 



*) II. Internation. Krebskonferenz. Paris 1910, S. 474. (Cfr. auch: A. Neves: 
Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, S. 306.) 

*) Wir kommen auf diese Uebersichtstabelle noch späterhin zurück. 
2 ) Presse med. 1911, S. 385. 

11* 



164 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Auch ältere Beobachter haben schon auf diese ungleichmäßige 
Verbreitung der Krebskrankheit in Frankreich hingewiesen. 
Wir erinnern nur an das en de mische Vorkommen dieser Krankheit 
in einzelnen Ortschaften der Norman die (cfr. S. 7 ff.).*) 

Die Häufigkeit der einzelnen Organerkrankungen tritt auch 
nicht in allen Teilen des Landes gleichmäßig auf. 

So werden z. B., nach den Beobachtungen von Fleury, 1 ) die 
Bewohner der bergigen Auvergne ganz besonders häufig vom 
Lippen krebs befallen. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in den einzelnen Departe- 
ments gestaltet sich nun, nach den Angaben von Bertillon, für 
die Neuzeit folgendermaßen: 

In den südlichen Departements, wie z. B. in Corsica, 
starben jährlich von 10000 Einwohnern = 3,2 an Krebs, während in 
den in der Normandie gelegenen Bezirken, wie z. B. in Eure et 
Loir und in Eouen von je 10000 Einwohnern jährlich 16,7 bzw. 
17,3 Personen an Krebs starben. 

Koger Williams 2 ) sucht die Ursache für diese verschieden- 
artige Ausbreitung des Krebses in Frankreich in den ungleich- 
mäßigen, sozialen Verhältnissen der Bewohner; denn im Süden 
wohnt eine verhältnismäßig arme Bevölkerung, während im Norden 
Frankreichs der Wohlstand der Bevölkerung ein sehr großer 
ist (cfr. auch S. 50 ff). 

Wir haben schon den Unterschied in der Krebssterblichkeit 
zwischen den großen und kleinen Städten Frankreichs er- 
wähnt (cfr. S. 46). 

Nach einer Zusammenstellung von J. Fabre 3 ) verhalten sich 
einzelne Städte in bezug auf die Höhe der Krebssterblichkeit 
folgendermaßen : 

Es starben von je 10000 Lebenden jährlich an Krebs in 



Havre 


= 7,1 


Personen 


Cormeilles**) = 20,3 Personen 


Keims 


= 10,1 


)? 


Ardennen**) = 26,6 „ 


Paris 


= 10,4 


55 


St. Sylvestre**) = 34,0 


Eouen 


= 12,7 


[ V 


Oulchy**) =140,0 


Lyon 


= 16,3 


55 





Ueber die Krebssterblichkeit in Paris hat schon Rouzet 4 ) 
einige statistische Angaben gemacht. 

Im Jahre 1817 z. B. soll von je 7 über 20 Jahre alten Per- 
sonen eine an Krebs gestorben sein, d.h. über 14 °/ aller Todesfälle 
bei Erwachsenen entfielen auf Krebstodesfälle — also ein außer- 
ordentlich hoher Prozentsatz! 



*) Cfr. auch: Niquet: Recherches sur les causes du caucer en Normandie et 
en Picardie. These de Paris 1895. 4°. 38 S. 

x ) Du Cancer des levres ä Clermont (Arch. gener. de Med. 1876, T. 28, p. 499). 
Fleury wendet sich auch gegen die Ansicht von Bouisson (Gazette med. 1856), 
daß der Tabakgenuß die Ursache des häufigen Lippenkrebses wäre, Fleury sieht 
vielmehr in der allgemeinen Unreinlichkeit der Bergbewohner der Auvergne 
die Hauptursache für die häufige Erkrankung an Lippenkrebs. 

2 ) 1. c. S. 19 (p. 72). 

3 ) 1. c. S. 6 (p. 38). 

**) Ueber das endemische Auftreten der Krebskrankheit in diesen Ortschaften 
cfr. S. 7 ff. 

4 ) 1. c. S. 17. . ... 



Krebsverbreitimg bei romanischen Rassen (Frankreich). 165 

Wesentlich geringer war, wie wir gesehen haben (cfr. S. 46), der 
von T a n c h o u 1 ) für Paris während der Zeit von 1830—1840 berechnete 
Prozentsatz, der nur 2,54 °/ betrug, also etwa dem Prozentsatz der 
Krebstodesfälle in London zu dieser Zeit entspricht (cfr. S. 152). 

Etwas geringer als in Paris selbst war die Krebssterblichkeit 
im ganzen Seinedepartement während dieser Zeit. 

Unter 382851 Todesfällen überhaupt, befanden sich 9118 Krebs- 
todesfälle. Die Krebssterblichkeit betrug also nur 2,38% aller 
Todesfälle. 

Wesentlich höher war schon die Krebssterblichkeit in Paris, 
nach Salle, 2 ) im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts; sie 
betrug 6,3% aller Todesfälle. 

Salle hält diese Zunahme jedoch nur für eine scheinbare, 
da infolge der vielen Krankenhäuser in Paris ein großer Zufluß 
von Krebskranken aus allen Teilen des Landes stattfindet. 

Auf 10000 Lebende berechnet, gestaltete sich die Krebs- 
sterblichkeit, nach den Angaben von R. de Bovis 3 ) und J. ß e r - 
tillon, 4 ) in Paris während der Zeit von 1865—1900 folgender- 
maßen: 

Es starben von 10000 Lebenden in Paris im Jahre 

1865 = 8,4 Personen 

1870 = 9,1 

1880 == 9,4 

1890 == 10,8 

1900 = 12,0 

Es hat also auch in Paris eine Zunahme der Krebstodesfälle, 
besonders in dem letzten Jahrzehnt, stattgefunden. Die Steigerung 
ist allerdings lange nicht so groß, wie z. B. in London während 
dieser Zeitepoche (cfr. S. 152). 

Eine Ausnahme von allen bisher erwähnten Großstädten macht 
Lyon, indem hier eher eine Abnahme der Krebssterblichkeit in 
neuerer Zeit zu bemerken war. 

Schon in der Zeit von 1861 — 1863 zeichnete sich Lyon, nach 
den Angaben von Marmy, 5 ) durch eine geringe Krebssterblichkeit 
aus. Unter 23712 während dieser Zeit eingetretenen Todesfällen be- 
fanden sich nur 127 Krebstodesfälle, d. h. auf je 100 Todesfälle ent- 
fielen nur 0,53 Todesfälle an Krebs. 

Nach einer Zusammenstellung von J. Fabre 6 ) starben in Lyon 
von je 10000 Lebenden in der Zeit von 

1875—1879 durchschnittlich 16,3 Personen an Krebs 
1880—1884 „ 15,6 

1885-1889 „ 16,0 

Trotz der gewaltigen Zunahme der Bevölkerung während dieser 
Zeit von 93000 auf 416000 Einwohner, hat die Krebssterblichkeit, 
die allerdings an und für sich hoch ist, eher ab- als zugenommen. 



! ) Gazette med. 29. Juillet 1843, p. 488. 

2 ) 1. c. S. 9. 

3 ) Sem. med. 1902, No. 37. 

4 ) Presse med. 1911, S. 385. 

6 ) Topographie et statistique du Khöne 1866. 

6 ) 1. c. S. 6 (auf Grund der Aufzeichnungen von Drivon). 



166 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Die KrebssterMichkeit in Belgien. 

A eitere Statistiken über die Krebssterblichkeit in Belgien und in 
den einzelnen Departements. 

Krebssterblichkeit in Brüssel. Lückenhafte, statistische Unterlagen. 
Sektionsergebnisse aus dem Hospital St. Jean. Große Sterblich- 
keit an Krebs des Magendarmkanals. Geringe Sterblichkeit an 
Krebs der Genitalorgane. 

Die statistischen Mitteilungen über die Verbreitung der Krebs- 
krankheit in diesem Lande sind noch recht lückenhaft. Abgesehen 
von einigen statistischen Angaben aus der neueren Zeit von Gallet 
und D e s c h a m p s *) liegen, soweit das ganze Land in Betracht 
kommt, nur ältere Mitteilungen vor. 

In der Zeit von 1 851— 1855 *) entfielen auf 506985 Todesfälle 
überhaupt = 5929 Krebstodesfälle, d. h. 1,17%. 

Für die Zeit von 1851-1860 berechnete Kiaer 2 ) aaf je 10000 
Lebende = 3,2 Krebstodesfälle, und zwar in den Städten = 4,2 und 
auf dem Lande = 2,8 Todesfälle an Krebs. 

Auf die einzelnen Departements entfielen in der Zeit von 
1851—1855 auf je 100 Todesfälle in 

A n v e r s = 1,7 Krebstodesf. F 1 a n d r e (östlich) = 1,3 Krebstodesf. 
Hainaut = l,6 „ „ (westlich) = 1,4 „ 

Namur =1,2 „ L u x e m b o u r g =0,7 „ 

Brabant = 2,5 „ Limbourg =1,0 „ 

Liege =1,2 „ 

Nach älteren Angaben von F. W. Beneke 3 ) soll in der Stadt 
Brüssel in der Zeit von 1873 — 1879 unter 100 Todesfällen überhaupt, 
2,98 Krebstodesfälle vorgekommen sein (Maximum = 3,70, Minimum 
= 2,71). Brüssel zeigt in bezug auf die Krebssterblichkeit zu dieser 
Zeit, im Vergleich mit anderen Großstädten, nächst Frankfurt a. M. 
und Hamburg (cfr. S. 120 und 122) die höchste Sterblichkeit an 
Krebs. 

Allein, alle diese Berechnungen, auch selbst die aus der neueren 
Zeit von G. Marc eile 4 ), beruhen auf ganz unsicheren, statistischen 
Unterlagen, da erst seit dem Jahre 1901 die Schemata der Toten- 
scheine derartig umgeändert wurden, daß auch die Krebstodesfälle 
gezählt werden konnten. 

Wesentlich zuverlässigere Mitteilungen machte J. Steinhaus 5 ) 
auf Grund des Materials aus dem pathologischen Institut des 
Hospitals „St. Jean" in Brüssel. 

In der Zeit von 1888—1907 kamen unter 5574 Sektionen 370 Carci- 
nome zur Autopsie, d. h. 6,6 °/ , im Vergleich zu den Sektionsergebnissen 
aus anderen pathologischen Instituten (cfr. S. 119 und 128), ein ver- 
hältnismäßig geringer Prozentsatz. 



*) Presse med. belg. 19. u. 26. Juli und 2. August 1896. 
*) Cfr. Annales d'Hygiene 1858. 2. Ser. T. IX. 

2 ) 1. c. S. 9. 

3 ) 1. c. S. 71. 

4 ) Statistique de la mortalite par Cancer ä Bruxelles pendant les annees 
1875—1906 (Journ. de Chirurgie, Oct. 1908, p. 235). 

5 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 206. 



Krebs Verbreitung bei romanischen Kassen (Belgien, Italien). 167 

Die Sterblichkeit an Krebs des Magen-Darmkanals war 
außerordentlich hoch und betrug 61,2 °/ aller Krebstodesfälle 
(unter 372 Krebstodesfällen betrafen 227 den Magen-Darmkanal), und 
zwar starben an Krebs des Magen-Darmkanals 77,9° j aller Männer 
und 42,7 °/ aller Frauen. 

In dieser Beziehung übertrifft die Statistik aus dem patho- 
logischen Institut von „St. Jean" alle Ergebnisse aus den anderen 
pathologischen Instituten. 

Hingegen war die Sterblichkeit an Krebs der Genitalorgane 
die niedrigste von allen Sektionsergebnissen aus anderen patho- 
logischen Instituten. Beim Manne betrafen nur 1,55 °/ aller Krebs- 
todesfälle die G e n i t a 1 o r g a n e (im Gegensatz zu 3,60 °/ und 4,50 °/ 
aus anderen Instituten) und bei der Frau = 38,25% (im Gegensatz 
zu 51,2 °/ und 68,2 °/ aus anderen Instituten). 



Statistische Untersuchungen 
über die Krehssterblichkeit in Italien. 

Gesetzliche Leichenschau. Geringe Krebssterblichkeit in 
Italien. Geographische Verbreitung. Einfluß von M a 1 a r i a und 
Easse auf die Krebssterblichkeit in Italien. 

Beteiligung der höheren Altersstufen an der Krebssterblichkeit. 
Mortalitätsstatistik aus einzelnen größeren Städten. 

Die statistischen Nachweise über die Krebs Verbreitung in Italien 
sind insofern wertvoll, als in diesem Lande seit dem 22. August 1888 
die obligatorische, ärztliche Leichenschau besteht. 

Die Krebssterblichkeit in Italien gestaltete sich in der Zeit 
von 1880—1905, nach den Untersuchungen von Roger Williams 1 ) 
und besonders von Friedrich Prinzing, 2 ) folgendermaßen: 

Es starben in Italien von je 10000 Lebenden im Jahre 

- 1880 = 2,1 Personen an Krebs 

1887—1891 durchschnittlich = 4,30 
1892—1896 „ = 4,58 

1899 = 5,19 „ ■ „ 

Durchschnittlich starben, nach Prinzing, in den Jahren 1887 
bis 1899 von 10000 Lebenden = 4,60 an Krebs, ein Prozentsatz, der 
sich im Jahre 1900 auf 5,19 und im Jahre 1905 auf 5,8 erhöhte. 

Im Vergleich mit anderen europäischen Staaten, wie z. B. mit 
Preußen (für das Jahr 1899 = 6,0 cfr. S. 112) oder mit England 
(für das Jahr 1899 = 8,2 cfr. S. 146), ist die Krebssterblichkeit in 
Italien als gering zu bezeichnen. 

Am häufigsten tritt, nach Prinzing, die Krebskrankheit in 
den nördlichen Landschaften Mittelitaliens und in Ober- 



*) 1. c. S. 19 (p. 75). 

2 ) Centr.-Bl. f. allgemeine Gesundheitspflege 1902. S. 142 und: Deutsche med. 
Wochenschr. 1902, S. 527. 



168 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

italien auf; je weiter nach Süden, um so geringer wird die 
Krebssterblichkeit (cfr. auch S. 12). 

Wir haben schon an einer früheren Stelle*) auf die Beziehungen 
der Malaria zur Krebserkrankung hingewiesen, und wir sind zu 
dem Ergebnis gelangt, daß die Malaria, die von vielen Forschern 
für die geringe Krebssterblichkeit in 1 1 a 1 i e n verantwortlich gemacht 
wird, keine gegen Krebs immunisierende Wirkung ausübt, 
und daß Krebs und Malaria sich nicht gegenseitig ausschließen, wie 
wir an vielen Nachweisen aus tropischen Gegenden dartun konnten 
(cfr. S. 6 ff.). 

Welcher Einfluß der Rasse auf die Krebssterblichkeit zu- 
geschrieben wird, haben wir bereits erörtert (cfr. S. 37). 

Roger Williams 1 ) glaubt, daß der geringe Fleischverbrauch 
vielleicht von Einfluß auf die Krebssterblichkeit in Italien sei; denn 
es entfallen pro Kopf und Jahr in Italien nur 23 Pfund' Fleisch, 
— der geringste Prozentsatz von allen europäischen Völkern. 

Auffallend ist noch bei der italienischen Krebsstatistik die 
große Beteiligung der über 80 Jahre alten Personen an der 
Krebssterblichkeit, im Gegensatz zu der Statistik aus anderen Ländern 
(cfr. S. 83 ff.), wo das Maximum der Krebssterblichkeit eine weit 
jüngere Altersstufe betrifft. 

Nach den Angaben von Prinzin g starben nämlich in der Zeit 
von 1887—1899 von je 10000 Personen im Alter von 

20-40 Jahren = 0,80 Männer und 1,53 Frauen 

40—60 ,. = 7,31 „ „ 12,40 „ 

60—80 „ == 27,13 „ „ 32,06 „ 

Ueber 80 „ = 29,01 „ „ 35,27 „ 

Die Ursachen für diese große Beteiligung der höchsten Alters- 
stufen an der Krebssterblichkeit in Italien sind nicht bekannt (cfr. 
auch S. 87). 

In den Großstädten Italiens verhielt sich die Krebs- 
sterblichkeit folgendermaßen : 

Für Verona hatte schon Rib. Stern 2 ) berechnet, daß in der 
Zeit von 1760—1839 im ganzen 1142 Krebstodesfälle vorgekommen 
wären mit einem auffallend hohen Prozentsatz des weiblichen 
Geschlechts; denn es befanden sich unter den Krebstoten nur 
142 Männer, hingegen 365 Frauen mit Uteruskrebs und 325 Frauen 
mit Brustdrüsenly^ebs. Da, wie wir wiederholt erwähnt haben, 
der größte Prozentsatz der Sterbefälle bei den Männern den bei 
Lebzeiten oft schwer diagnostizierbaren Krebs des Magen-Darm- 
kanals betrifft, so werden wir dieser älteren Statistik keinen allzu- 
großen Wert beimessen können. 

Nach den statistischen Angaben aus der neueren Zeit starben 
von je 10000 Lebenden jährlich in 

Florenz = 13,7 Personen an Krebs 
Ravenna == 12,0 „ „ „ 

Venedig = 10,3 „ „ 

Mailand = 10,1 



*) Cfr. Bd. II, S. 284 ff. 

1 ) 1. c. S. 13. 

2 ) Annali universali di medicina 1844, Vol. 110, p. 484. 



Krebsverbreitung bei romanischen Rassen (Spanien, Portugal). 169 

Rom = 7,7 Personen an Krebs 

Turin =5,9 „ „ „ 

Genua = 5,9 „ „ „ 

Neapel =5,6 „ „ „ 

Auch in den größeren Städten Italiens ist also im allgemeinen 
die Krebssterblichkeit verhältnismäßig niedriger, als in anderen 
Großstädten Europas. 



Die Krebssterblichkeit in Spanien und Portugal. 

Ergebnisse der S a m m e 1 f o r s c h u n g in Spanien. Geringe Beteiligung 
der Aerzte. Amtliche Sterblickkeitsnachweise. 

Samnielforschung in Portugal. Hoher Prozentsatz der Aerzte- 
beteiligung. Geringe Krebssterblichkeit. Geringe Zunahme der Krebs- 
sterblichkeit nach den amtlichen Ausweisen. 

Krebssterblichkeit in Oporto. 

lieber die Sterblichkeitsverhältnisse an Krebs in Spanien haben 
wir erst durch die von Hans Leyden 1 ) am 1. September 1902 an- 
geregte und bearbeitete Sammelforschung, an der sich allerdings 
nur 2,9 °/ der Aerzteschaft *) beteiligte, einigen Aufschluß erhalten. 

Die Ergebnisse dieser Sammelforschung sind jedoch so lückenhaft, 
daß man kein Bild über die wirkliche Verbreitung der Krebskrankheit 
in Spanien gewinnt. Einige Anhaltspunkte geben wohl die jähr- 
lich veröffentlichten Gesundheitsberichte,**) nach denen sich die Krebs- 
sterblichkeit, z. B. für das Jahr 1900, folgendermaßen gestaltet: 

Die Gesamtsterblichkeit in Spanien betrug in diesem 
Jahre = 536 716 Personen, darunter 7294 Krebstodesfälle, d. h. auf 
je 10000 Lebende (bei einer Bevölkerung von etwa 18600000 Seelen) 
entfielen 3,9 Krebstodesfälle, und auf je 100 Todesfälle überhaupt, 
kamen 1,35 Todesfälle an Krebs vor. 

Aber auch diese Angaben sind nur mit Vorsicht zu verwerten, 
da das zugrunde gelegte Material nicht ganz einwandfrei ist. 

Auch über die Verbreitung der Krebskrankheit in Portugal haben 
wir erst durch die im Juni 1904 veranstaltete Sa mm elf or sc hung,***) 
an der sich allerdings 75,2% aller Aerzte (von 1739 antworteten 
1307) beteiligten, einige Kenntnis erlangt. 



l ) Bericht über die am 1. September 1902 in Spanien veranstaltete Krebs- 
sammeiforschung (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. I, S. 41). 

*) J. Dollinger (II. Internation. Krebskonferenz. Paris 1910, S. 470) gibt 
einen Prozentsatz von 4% der Aerzte an. Nach den Angaben von H. Leyden 
beteiligten sich aber von etwa 20000 Aerzten nur 592 an der Sammelforschung, von 
denen noch 298 Fehlanzeigen einsandten. (Cfr. auch S. 103). 

**) Ministerio de Instrucciön Publica y Bellas Artes. Direction General del 
Instituto Geogrätico y Estadistico. Movimiento Anual de la Poblaciön de Espana, 
Aiio de 1900, segunda Parte. Madrid 1901. 

***) Bericht über die Zählung der im Mai und Juni 1904 in Portugal in ärzt- 
licher Behandlung gewesenen Krebskranken (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, 
1909, S. 297), bearbeitet von Azevedo Neves. 



170 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Es wurden während dieser Zeit im ganzen 1188 Krebskranke 
gezählt, und zwar 447 krebskranke Männer und 741 Frauen. 

In Portugal weist das Alter von 50 — 54 Jahren das Maxi- 
mum der Krebssterblichkeit auf. 

Ein Einfluß der Malaria auf die Höhe der Krebssterblichkeit 
war in Portugal nicht nachweisbar. 

Im allgemeinen ist die Krebssterblichkeit in Portugal 
als eine geringe zu bezeichnen; denn es entfielen z. B. auf je 10000 
Lebende in der Zeit von 1902—1904 nur 2,18 Krebstodesfälle. 

Ein Vergleich mit den Ergebnissen der Sammelforschung aus 
anderen Ländern, wie sie Azevedo Neves 1 ) aufstellt, ist schon 
wegen der verschiedenartigen Beteiligung der Aerzte von geringem 
Wert. 

Aus den Veröffentlichungen der „Tabellas preliminares do movi- 
mento physiologico da populacäo do reino de Portugal" ist ersicht- 
lich, daß auch in Portugal die Krebstodesfälle, wenn auch sehr 
langsam, zunehmen. 

Es starben in Portugal an Krebs von je 10000 Lebenden im 
Jahre 

1902 = 2,28 Personen 

1903 = 2,34 

1904 = 2,37 

Ueber die Krebssterblichkeit in Oporto während der Zeit von 
1893—1901 gab Souza 2 ) eine Uebersicht auf Grund der Sterb- 
lichkeitsnachweise des „Boletin Mensal de Estatistica Sanitaria 
1893 — 1901," die Azevedo Neves 3 ) noch unter Benutzung des 
„Bolletin Hebdomadario da estatistica obituaria da cidade do Porto" 
für das Jahr 1902 ergänzte. 

Es starben in Oporto von 10000 Lebenden 

im Jahre 1895 = 7,05 Personen an Krebs 
„ „ 1899 = 5,00 „ „ „ 

durchschnittlich starben während der Zeit von 1895 — 1899 jährlich 
von 10000 Lebenden = 5,51 Personen an Krebs. 

Im Jahre 1902 betrug dieser Prozentsatz = 5,50. 

Im ganzen sind in p o r t o in der Zeit von 1893—1902 = 963 Krebs- 
todesfälle vorgekommen, d. h. von je 10000 Lebenden starben durch- 
schnittlich 5,9 Personen an Krebs. 



*) 1. c. s. 169. 

2 ) cancro no Porto (Porto Medico, 1. April 1904). 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, S. 325. 



Länder mit gemischter Bevölkerung (Oesterreich-Ungarn). 171 

Wir haben bisher die Krebsverbreitung in allen denjenigen Ländern 
erörtert, deren Bevölkeran g in der Hauptzahl der germanischen und 
romanischen Kasse angehört. 

Wir wenden uns nunmehr den europäischen Ländern zu, deren 
Bewohner aus den verschiedensten Rassen sich zusammensetzen. 



Statistische Untersuchungen 
über die Krebsverbreitung in Oesterreich-Ungarn. 

Oesterreich: Gesetzliche Leichenschau. Geringes, statistisches Material. Geo- 
graphische Verbreitung. Mortalitätsstatistik. Krebsver- 
breitung in den reichen und armen Provinzen. 

Krebssterblichkeit in Wien. 
Ungarn : Ergebnisse der amtlichen Mortalitätsstatistik. Aerztliche Leichen- 
schau. Wirkliche und berechnete Krebssterblichkeit. 

Krebssterblichkeit in Budapest. 

Ergebnisse der Sammelforschung. Aerztebeteiligung. Verhältnis 
zu den Angaben der amtlichen Sterblichkeitsnachweise. Erklärung für 
die Unterschiede der Ergebnisse. 

Sektionsstatistik. Zunahme der Krebstodesfälle. V e r - 
gleich mit den Sektionsergebnissen aus anderen pathologischen Instituten. 
Wirkliche oder scheinbare Zunahme? 

In Oesterreich besteht zwar schon seit dem Jahre 1861 eine 
gesetzliche Leichenschau, nichtsdestoweniger hat man der 
Krebsverbreitung erst in neuerer Zeit einige Beachtung geschenkt. 
Das bisher vorliegende, statistische Material*) ist noch sehr gering 
und gestattet nur in großen Umrissen einen Einblick in die Sterb- 
lichkeitsverhältnisse an Krebs in diesem Lande. 

Wir haben schon bei Besprechung der Boden theorie (cfr. S. 10 ff.) 
darauf hingewiesen, daß die Krebskrankheit nicht gleichmäßig 
stark in dem ganzen Lande verbreitet ist. 

Nach Prinzing*) sind einzelne Teile des Landes, wie Nord- 
tirol, Salzburg, Ober- und Niederösterreich ganz besonders 
stark von der Krebskrankheit heimgesucht, so daß Prinzing von 
einer „örtlichen Disposition zur Krebserkrankung" spricht. 

In allen diesen Landesteilen, mit Ausnahme der Vorarlberg - 
lande, hat man auch in der letzten Zeit eine Zunahme der Krebs- 
erkrankung feststellen können. 

Die Krebssterblichkeit in Oesterreich stieg von 3,7 im Jahre 
1880 auf 4,8 im Jahre 1887, und auf 7,0 im Jahr 1900, berechnet 
auf je 10000 Lebende. 

Im Vergleich mit der Krebssterblichkeit in anderen europä- 
ischen Ländern, wie z. B. in Preußen (cfr. S. 112) und in El n g 1 a n d 
(cfr. S. 146), ist die allgemeine Krebssterblichkeitin Oester- 
reich als verhältnismäßig günstig zu bezeichnen. 



*) Cfr. z. B. Prinzing (Centr.-Bl. f. öffentliche Gesundheitspflege, Jahrg. 23, 
1904, S. 209), Statistische Untersuchungen für die Zeit von 1896—1900. E. Klubal, 
Oesterreichisches Sanitätswesen 1896, p. 228 (Statistik für Mähren). J. D o 1 1 i n g e r , 
II. Internation. Krebskonferenz. Paris 1910, S. 474. Roger Williams, 1. c. S. 19 
(p. 75). Siegfried Rosenfeld, Kritik bisheriger Krebsstatistiken. Mit Vor- 
schlägen für eine zukünftige österreichische Krebsstatistik. Gutachten erstattet im 
Auftrage der österreichischen Krebsgesellschaft. Wien 1911. 165 S. (Nachweis der 
bisherigen Fehlerquellen in der Krebsstatistik. Cfr. auch : Zeitschr. f. Krebsforschung, 
Bd. XII, S. 57 u. S. 358.) 



172 TL. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In den einzeln enLandesteilen verhielt sich während dieser 
Zeit die Krebssterblichkeit folgendermaßen: 



Es 


starben 


an Krebs von je 10 000 


Lebenden 


durchschnittlich 


jährlich 


in 














Sa 


l z b u r g = 


13,3 Personen 






Ob 


er-Oester reich = 


11,5 „ 








Un 


ter-Oesterreich = 


10,8 








Tirol und Vorarlberg — 


10,7 „ 





Diese Provinzen haben eine verhältnismäßig wohlhabende Be- 
völkerung. 

Viel niedriger ist der Prozentsatz der Krebssterblichkeit in 
den ärmeren Provinzen der Monarchie. 

Es starben an Krebs von je 10000 Lebenden durchschnittlich 
jährlich in der 

Bukowina =3,7 Personen 
Galizien =2,8 „ 
Dalmatien = 1,9 „ 

wobei bemerkt werden muß, daß die Bukowina und Galizien 
hauptsächlich von polnischen Juden (cfr. auch S. 37 ff.) bevölkert 
wird, während in Dalmatien mehr das italienische Element 
(cfr. S. 167 ff.) vorherrscht. 

In Wien steigerte sich die Krebssterblichkeit von 10,7 im Jahre 
1875 auf 11,1 im Jahre 1900, berechnet auf je 10000 Lebende und Jahr. 

Ueber die Krebssterblichkeit in "Ungarn geben uns für die neuere 
Zeit zwei Statistiken einigen Aufschluß. 

Durch die Bemühungen von J. D ollin g er J ) und J. v. Vargha 2 ) 
ist das Krebsmaterial der ungarischen Sterblichkeitsstati- 
stik für die Zeit von 1901 — 1904 derartig bearbeitet worden, daß 
gewisse Anhaltspunkte für die Krebssterblichkeit in Ungarn ge- 
wonnen werden konnten. Ferner suchten diese Forscher durch eine im 
Jahre 1904 unter den ungarischen Aerzten veranstaltete Sammel- 
forschung die Ergebnisse der amtlichen Statistik zu ergänzen. 

Im ganzen sind, nach den Angaben der amtlichen Statistik, 
in Ungarn während der Zeit von 1901 — 1904 = 26912 Personen 
an Krebs verstorben, durchschnittlich starben in Ungarn jährlich 
11810 Personen an Krebs. 

Auf 100 Todesfälle überhaupt entfielen im Jahre 

1900 = 2,18 Krebstodesfälle 

1901 = 2,37 

1902 = 2,35 

1903 = 2,42 

1904 = 2,60 

1905 = 2,30 

Da in U n g a r n keine ärztlicheLeichenschau besteht, und 
diese Angaben sich nur auf die ärztlich beglaubigten Todes- 
fälle beziehen, so ist, wie v. Vargha selbst hervorhebt, in Wirk- 

x ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. I, S. 126; Bd. V, S. 127; Bd. VI, S. 672; 
Bd. VII, S. 276; Bd. IX, S. 115 usw. Cfr. auch: Statistique des personnes atteintes 
de Cancer des pays de la Sainte couronne hongroise 1907. (In deutscher Uebersetzung 
in Budapest 1908 erschienen.) 

2 ) Ungarisches Komitee f. Krebsforschung, 17. April 1904. Cfr. auch: Ungar, 
statistische Mitteilungen. Neue Serie, Bd. 22. Budapest 1907. 



Länder mit gemischter Bevölkerung (Oesterreich-Ungarn). 173 

lichkeit die Zahl der Krebstodesfälle viel höher anzunehmen, 
und zwar mindestens um ein Drittel. 

Es sind deshalb auch die Berechnungen auf die Lebenden nicht 
ganz einwandfrei. 

In der Zeit von 1901 — 1904 starben, wie wir vorhin er- 
wähnt haben, in Ungarn im ganzen 269i2 Personen an Krebs, 
d. h. auf je 10000 Lebende, im Alter von 15 Jahren und dar- 
über, entfielen 9,90 Krebstodesfälle. 

Es ist aber, nach D ollin ger, wahrscheinlich, daß diese Zahl 
bei präzise durchgeführter Totenschau sich verdoppeln würde. 

Weit niedriger gestalten sich die Prozentzahlen, wenn man die 
G e s am tbevölkerung berücksichtigt. 

Nach einer Zusammenstellung von Eo ger Williams *) entfielen 
auf je 10000 Lebende in Ungarn im Jahre 

1897 = 2,6 Krebstodesfälle 
1903 = 3,9 

In Budapest stieg die Krebssterblichkeit von 6,2 auf je 10000 
Lebende im Jahre 1896, auf 7,2 im Jahre 1900. 

Zu ganz anderen Ergebnissen gelangte man auf Grund der am 
15. Oktober 1904 vorgenommenen Zählung sämtlicher krebskranken 
Personen in Ungarn, an der sich fast 96 °/ aller ungarischen 
Aerzte*) beteiligten. 

Bei einer Bevölkerung von 12 400680 über 15 Jahre alten Personen 
wurden an diesem Tage 3570 inländische und 19 ausländische Krebs- 
kranke gezählt, d. h. unter je 10000 Lebenden befanden sich 2,88 Krebs- 
kranke. 

In Deutschland betrug dieser Prozentsatz bei der am 15. Oktober 
1900 vorgenommenen Zählung = 2,15 (cfr. S. 108). 

Im Verhältnis zu den jährlichen Krebstodesfällen in Ungarn, 
ergab also die Sammelforschung kaum ein Drittel der jährlichen 
Sterblichkeitsziffer. 

Wenn man nun für die durchschnittliche Lebensdauer eines Krebs- 
kranken 3 Jahre annimmt, dann müßten in Ungarn etwa 30000 Krebs- 
kranke vorhanden gewesen sein. 

Diese Zahlen sind natürlich zu hoch, ebenso wie die Sammel- 
forschung zu niedrige Zahlen angibt. 

Die Ursache für diese Unterschiede sieht Do 11 in ger darin, daß 
viele Krebskranke überhaupt nicht ärztlichen Rat bei ihrem Leiden 
nachsuchen. Für seine Klinik war dies z. B. bei 27 °/ aller Krebs- 
kranken der Fall gewesen. 

Ebenso wie in anderen Staaten, hat man auch in Ungarn ver- 
sucht, aus den Sektionsergebnissen der pathologischen 
Institute Schlüsse auf die Verbreitung und Zunahme des 
Krebses zu ziehen. 

Wir haben schon wiederholt Gelegenheit gehabt, auf die Be- 
richte von K. Buday 2 ) über die Sektionsergebnisse des pathologisch- 



*) 1. c. S. 19 (p. 75). 

*) Von 5122 angefragten Aerzten sandten allerdings 3864 negative Berichte, 
und nur 53 antworteten nicht. 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VI, 1908, S. 1 und: IL Internation. Krebs- 
kongreß. Paris 1910, S. 89. 



174 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskraukheit. 

anatomischen Instituts an der Universität in Kolozsvär hinzuweisen 
(cfr. S. 86, 92, 94). 

In diesem Institut wurden in der Zeit vom 1. Oktober 1870 bis 
31. Dezember 1905 insgesamt 5530 Leichen obduziert, unter denen 
sich 366 also 6,6 °/o Carcinome befanden. 

Wenn man nur die über 20 Jahre alten Verstorbenen berück- 
sichtigt, dann stieg dieser Prozentsatz bei 4030 Sektionen auf 9,08! 

In der Zeit von 1870—1888 kamen 1801 über 20 Jahre alte 
Individuen zur Sektion, darunter 145 Carcinome, d. h. 8,05 °/ , hingegen 
in der Zeit von 1889—1905 == 2229 Individuen, darunter 221 Carcinome, 
d. h. 9,91 °/ . 

Die Zunahme während dieser Zeit beträgt also fast 2°/ , im 
Verhältnis zu den aus München (cfr. S. 128) und Würzburg 
(cfr. S. 129) mitgeteilten Zahlen, wo die Steigerung der Sektionen 
von an Carcinom Verstorbenen während dieser Zeit fast um 4 °/ ge- 
stiegen war, ist der Prozentsatz der Zunahme in Kolozsvär als ein 
niedriger zu bezeichnen. 

Folgende Tabelle von Buday gibt eine vergleichende Ueber- 
sicht über die Zunahme der Sektionen von an Krebs Verstorbenen 
in einigen pathologischen Instituten: 







Auf 


Statistik von 


Jahr 


100 Sektionen 

entfielen 
Krebsleichen 


Orth (Berlin) l ) 


1875 


4,9 


J5 


1885 


7,0 


n 


1907 


14,11 


Lex (Heidelberg) 2 ) 


1870—1879 


6,57 




1900-1907 


9,13 


Rieck (München) 3 ) 


1854—1863 


7,0 


» 


1894—1902 


12,5 


Steinhaus (Brüssel) 4 ) 


1888-1897 


8,6 




1898—1907 


9,07 


Feilchenfeld u. Eedlich (Berlin) 5 ) 


1895-1900 


13,24 




1900—1805 


13,00 


Buday (Kolozsvär) 6 ) 


1870—1888 


8,0 


» 


1889-1905 


9,91 



Wie aus dieser Tabelle ersichtlich ist, hat der Prozentsatz der 
Krebsleichen, im Verhältnis zu den Gesamtobduktionen, 
fast in allen Statistiken zugenommen, besonders, wenn man größere 
Zeitepochen miteinander vergleicht. Eine Ausnahme machen nur die 
Sektionsergebnisse aus dem Krankenhaus amUrban in Berlin, die 
eher eine Abnahme der Sektionen von Krebsleichen aufweisen 
(cfr. auch S. 119). 



!*) 1. c. S. 119. 

2 ) Gustav Lex: Eine statistische Bearbeitung des in den Jahren 1841 — 1908 
in den Sektionsprotokollen des pathol. anat.-Instituts der Universität Heidelberg 
gesammelten Krebsmaterials. l.-D. Heidelberg 1909. 

3 ) 1. c. S. 86. 

4 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VIII. S. 206. Cfr. auch S. 166. 

5 ) 1. c. S. 119. 

6 ) 1. c. S. 173. 



Länder mit gemischter Bevölkerung (Schweiz). 175 

Ob man aus der Zunahme der Sektionen von Krebsleichen auch 
auf eine allgemeine Zunahme der Krebssterblichkeit schließen darf, 
oder, ob es sich nur um eine scheinbare Zunahme handelt infolge 
des größeren Zustroms von Krebskranken in die Krankenhäuser, läßt 
Buday dahingestellt sein. 



Statistische Untersuchungen 
über die Krebssterblichkeit in der Schweiz. 

Abstammung der Bewohner. Hohe Krebssterblichkeit. Gesetzliche 
Leichenschau. 

Mortalitätsstatistik für die ganze Schweiz. Krebssterblichkeit 
in den Kantonen. Orte mit hoher und niederer Krebssterblichkeit. 

Häufigkeit des Magenkrebses im Verhältnis zur Krebserkrankung 
der anderen Organe. Uebersichtstabelle. Vermutliche Ursachen der Er- 
krankungen an Magenkrebs. 

Aeltere, statistische Mitteilungen über die Sterblichkeit an Magenkrebs 
in Genf. Krebssterblichkeit in Laufen. 

In der Schweiz, deren Bevölkerung zu zwei Drittel ger- 
manischer Abstammung ist, während ein Drittel der romanischen 
Easse angehört, ist die Krebssterblichkeit, im Verhältnis zu anderen 
europäischen Staaten, eine sehr hohe. 

Diese hohe Krebssterblichkeit wird, nach L. Nencki, 1 ) dessen 
statistische Untersuchungen für die Schweiz mit außerordentlicher 
Sorgfalt durchgeführt wurden, zum Teil auch bedingt durch die in 
neuerer Zeit gut organisierte, ärztliche Leichenschau. 

Die Leichenscheine werden direkt an das statistische Bureau in 
Bern gesandt, wo sie verarbeitet werden. Die Krebstodesfälle werden 
allerdings erst seit dem Jahre 1901 gesondert ausgezählt, und zwar 
nur die Todesfälle an Carcinom. Die in einigen Kantonen nicht 
ärztlich beglaubigten Todesursachen werden bei der Mortalitäts- 
statistik gar nicht berücksichtigt. 

Es ist natürlich nicht möglich bei der Statistik der Krebs- 
sterblichkeit den hierdurch entstehenden Ausfall, der in einigen 
Kantonen, wie z. B. in Wallis, wo 43°/ der Todesursachen nicht 
ärztlich beglaubigt waren, einen ziemlich großen Prozentsatz aus- 
macht, rechnerisch auszugleichen. 

Nach den Angaben von Nencki starben in der Schweiz an 
Carcinom im Jahre 

1889 = 3347 Personen, d. h. von 10000 Einwohnern = 11,44 
1898 = 4131 „ „ „ „ „ „ = 13,24 

Dieser Prozentsatz ist ein außerordentlich hoher; denn in 
Preußen (cfr. S. 112) starben z. B. im Jahre 1898 von 10 000 Lebenden 
nur 5,73 Personen an Krebs. 



*) Zeitschr. f. Schweizerische Statistik 1900, Bd. II, S. 332. Cfr. auch: Prin 
zing (Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. V. 8. 225). 



176 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Wir haben schon früher (cfr. S. 12) auf die ungleichmäßige 
Verbreitung der Krebskrankheit in der Schweiz hingewiesen. 

Zu den Kantonen mit hoher Krebssterblichkeit gehören 
besonders Luzern, Appenzell und St. Gallen. 

Es starben an Krebs von je 10000 Lebenden im Kanton 
Luzern während der Zeit von 1889—1898 = 19 Männer und 

15,5 Frauen. 
Beide Appenzell während der Zeit von 1889—1898 = 14,7 Männer 

und 13,7 Frauen. 
St, Gallen während der Zeit von 1889—1898 = 15,8 Männer und 
14,4 Frauen. 

Im Vergleich z. B. mit der Krebssterblichkeit in den Provinzen 
Preußens (cfr. S. 113), ist die Sterblichkeit in diesen Kantonen der 
Schweiz fast dreimal so hoch. 

Diese hohe Krebssterblichkeit in den vorher genannten Kantonen 
wird nun fast ausschließlich durch eine Häufung von Erkrankungen 
des Magens verursacht, und es ist merkwürdig, daß schon vor 
25 Jahren, wie wir bereits an einer früheren Stelle ausgeführt 
haben,*) dieselben Orte sich durch die hohe Sterblichkeit 
an Magenkrebs auszeichneten. 

Nach den Berechnungen von L. Nencki 1 ) und Prinzing 2 ) ge- 
staltete sich in der Zeit von 1889—1901**) die Sterblichkeit an Krebs 
der einzelnen Organe in den verschiedenen Kantonen folgender- 
maßen: 

Von je 10000 Lebenden starben an 





Kanton Bern 


Basel Stadt 
und Land 


Kanton 
St. Gallen 


Kanton 
Luzern 




M. 


W. 


M. | W. 


M. i W. 


M. 1 W. 


Magenkrebs 


4.0 


2,6 


3,8 3,1 


9,2 


6,0 


10,6 5,5 


Krebs des Oesophagus 


1,8 


0,2 


1,5 


0,2 


2,0 


0,5 


3,4 0,8 


„ des Darms, Leber usw. 


1,2 


1,8 


2,0 


2.3 


2,3 


2,9 


2,2 3,2 


„ der Brustdrüse 




0,8 


— 


1,3 




1,2 


- 1,3 


„ weiblicher Genitalien 


— 


2,3 


— 


2,3 


— 


2,3 




2,6 


„ sonstiger Organe 


2,3 


1,5 


2 f l 


1,3 


2,3 


1,5 


2,8 


2,1 


Ueberhaupt 


9,3 


9,2 


9,4 


10,5 


15,8 


14,4 


19,0 


15,5 



Wie aus dieser Tabelle ersichtlich ist, wird der Unterschied 
in der Höhe der Krebssterblichkeit fast ausschließlich durch 
die Todesfälle an Magen- und Speise röhrenkrebs be- 
dingt! 

Wenn wir die Sterblichkeit am Magenkrebs aus der Zeit von 
1877 — 1886***) mit der Statistik aus der neueren Zeit vergleichen, 
dann sehen wir, daß die Zunahme der Krebssterblichkeit in der 
Schweiz hauptsächlich durch die Zunahme an Todesfällen von 
Magenkrebs verursacht wird. 



*) Cfr. Bd. II, S. 645 ff. 

1 ) 1. c. S. 175. 

2 ) Ibidem. 

**) Ueber die Sterblichkeit an Magenkrebs in der Zeit von 1877—1886, cfr. 
Bd. II, S. 646. 

***) Cfr. Bd. II, S. 647. 



Länder mit gemischter Bevölkerung (Schweiz). 177 

Damit hängt es auch zusammen, daß in den Kantonen mit hoher 
Krebssterblichkeit die Sterblichkeit bei den Männern gleich groß, 
oder sogar größer ist als bei den Frauen. 

Als Ursache für diese Häufung von Erkrankungen an 
Magenkrebs hatte man, wie wir schon früher auseinandergesetzt 
haben,*) schwer verdauliche Nahrung, den Alkohol usw. angeschuldigt. 

Allein Prinzing 1 ) ist der Ansicht, daß nach seinen Erfahrungen 
in den nordöstlichen, schweizer Kantonen mit hoher Krebssterb- 
lichkeit die Nahrung nicht in Betracht kommen kann; denn in 
einem und demselben Oberamt hat man Orte mit hoher und 
niederer Krebssterblichkeit gefunden, trotzdem die Art der 
Ernährung keinen Unterschied zeigte! 

Schon in früheren Jahrzehnten hat auch der ausgezeichnete Sta- 
tistiker Marc d'Espine 2 ) auf die Häufung von Todesfällen an 
Magenkrebs in der Stadt Genf hingewiesen. 

In dieser Stadt besteht schon seit etwa 1838 eine geordnete 
Leichenschau, die durch Aerzte ausgeübt wird, so daß das zu- 
grunde gelegte Material einige Gewähr für die Zuverlässigkeit der 
Todesangaben bietet. 

In der Zeit von 1838 — 1845 kamen in Genf im ganzen 471 Krebs- 
todesfälle vor, die sich auf folgende Organe erstreckten.**) 

Es starben in Genf an Krebs des 



Magens 


= 209 Pers. 


an allgemeiner Carcinosis = 9 3 


Pers. 


Uterus 


= 72 


n 


Oesophagus — 8 


ii 


Leber 


= 59 


5) 


Mundes = 6 


55 


Mamma 


= 44 


)5 


der männlichen Genitalien = 5 


55 


Darms 


== 14 


11 


Knochen = 4 


55 


Halsdrüsen 


= 12 

= 10 


11 
ii 


Unbestimmt = 19 


55 


Rectum 


Ueberhaunt 471 1 


Pers. 



In der Zeit von 1838—1855 starben in Genf von 68 281 Ein- 
wohnern durchschnittlich jährlich 68,4 Personen an Krebs, d. h. von 
je 10000 Lebenden jährlich 11 Personen (cfr. auch S. 70). 

Die Todesfälle an Krebs betrugen jährlich 5,2 °/ aller Todesfälle 
überhaupt. 

Unter 889 während dieser Zeit vorgekommenen Krebstodesfällen 
entfielen auf Magenkrebs allein = 399 Todesfälle. 

Fast 50°/ aller Krebstodesfälle wurden also durch Magenkrebs 
verursacht. 

Ueber die Krebssterblichkeit im Amtsbezirk Laufen hat Victor 
Wyss 3 ) eingehende Untersuchungen angestellt, auf die wir hiermit 
verweisen. 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit in den übrigen 
Staaten Europas liegen nur wenige, kaum verwertbare, statistische 
Mitteilungen vor, u. a. aus Rußland und Griechenland. 



*) Cfr. Bd. II, S. 645. 
J ) 1. c. S. 175. 

2 ) Annales d'Hygiene. Paris 1840, T. 23; 1847, T. 37, p. 323 und: Statistique 
mortuaire du Cancer de Geneve pendant les annees 1838—1855. (Echo med. 1858, T. II). 

**) Cfr. auch Bd. II, S. 667, 959 ? 1163 und 1168. 

3 ) Victor Wyss: Ueber das Vorkommen carcinomatöser Erkrankungen im 
bernischen Amtsbezirk Laufen. I.-D. Bern 1875. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 12 



178 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In 

Rußland 

ist. wie Hagen -Tor n 1 ) hervorhebt, die Morbiditätsstatistik 
im ganzen eine recht mangelhafte, und statistische Untersuchungen 
über die Verbreitung der Krebskrankheit im ganzen Lande sind über- 
haupt noch nicht angestellt worden. 

Nur in größeren Städten, wie z. B. in Petersburg. 
Moskau, Odessa und Warschau, werden die Sterbefälle syste- 
matisch registriert. 

Nach den Ergebnissen dieser Aufzeichnungen soll der Krebs in 
Rußland nicht weniger häufig sein, als in anderen Staaten. 

Man hatte versucht, durch eine im Jahre 1901 von v. Levschin 
angeregte Sammelforschung einigen Aufschluß über die Ver- 
breitung der Krebskrankheit zu erlangen ; allein das Ergebnis war 
ein klägliches; denn von 15000 angefragten Aerzten hatten im 
Laufe von 3 Jahren nur 2703 geantwortet. 

Etwas genauere Angaben machte A. Lipsky 2 ) über die Krebs- 
sterblichkeit in St. Petersburg während der Zeit von 1886 — 1907, 
wo die Krebstodesfälle etwa 3,5% aller Todesfälle ausmachen. 

Nach den Angaben von Nowosselsky und V. Mamonoff 3 ) ist 
die Krebssterblichkeit in den vorhin genannten größeren Städten 
nicht allzu groß, trotzdem ist auch in diesen Städten eine Zunahme 
der Krebstodesfälle zu beobachten. 

In Moskau*) z. B. kamen im Jahre 1880, bei einer Bevölkerung 
von 700000 Seelen =411 Krebstodesfälle vor, im Jahre 1896 hin- 
gegen, bei einer Bevölkerung von 900000 Seelen = 832 Todesfälle an 
Krebs. 

Von 10 000 Lebenden starben im Jahre 1880 = 5,85 Personen, 
im Jahre 1896 = 9,24 Individuen. 

Die Zunahme in 16 Jahren betrug also fast das Doppelte. 

In Finland hatte schon H. Holsti 4 ) den Versuch gemacht, auf 
statistischem Wege die Ausbreitung der Krebskrankheit in diesem 
Lande zu erforschen. Allein, das ihm zu Gebote stehende Material 
war zu gering und zu lückenhaft, um auch nur schätzungsweise An- 
haltspunkte für die Verbreitung dieser Krankheit zu gewinnen. 

Erst in jüngster Zeit hat G er h a r d R e n v a 1 1 5 ) (H e 1 s i n g f o r s) auf 
Grund der Medizinalbeamtentabellen, deren Material aus den 
allgemeinen Bezirks- und Gemeindekrankenhäusern her- 
stammt, für die Zeit von 1890 — 1907 eine Zusammenstellung der in 
dieser Zeit vorgekommenen Krebstodesfälle veröffentlicht. 

Es wurden im ganzen 9119 Todesfälle an malignen Ge- 
schwülsten gezählt, darunter 7613 Todesfälle an Carcinom. 

So lückenhaft auch das Urmaterial ist, so glaubt Ren vall doch 
einige wertvolle Schlüsse in bezug auf die prozentuale Ver- 
teilung der Erkrankung auf die einzelnen Organe ziehen 
zu können, wobei er zu dem bemerkenswerten Ergebnis kam, daß in 
Finland die Krebserkrankung der Lippen, die 18,9% aller 

1 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. IX, 1910, S. 59. 

2 ) Ibidem, S. 60. 

3 ) Ibidem. 

*) Cfr. Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. I, S 334. 

4 ) Finska Läkaresällkapets Handlingar 1889, T. 31, p. 979. 

5 ) 22. allg. finnischer Aerztekongreß 24. Sept. 1909. 



Krebsverbreitimg in Rußland u. Griechenland. 179 

Krebstodesfälle betrug", im Verhältnis zu anderen Ländern (cfr. S. 92), 
außerordentlich häufig vorkomme.*) 

Eine von G. Heinricius 1 ) in neuester Zeit angeregte Sammel- 
forschung, an der allerdings auch nur ein geringer Prozentsatz 
der Aerzte sich beteiligte, ergab, daß in Finland auf je 100000 Ein- 
wohner in den Städten =28,38 und auf dem Lande = 16,37 Krebs- 
todesfälle entfielen. 

Doch geben alle diese Mitteilungen kein Bild von der wirk- 
lichen Verbreitung der Krebskrankheit in Finland. 

Mit großen Schwierigkeiten verbunden war auch der von S. A. 
Gavalas 2 ) unternommene Versuch die Verbreitung der Krebskrank- 
heit in 

Griechenland 
statistisch nachzuweisen. 

Abgesehen von Athen, wo ein außerordentlich großer Zu- 
fluß von krebskranken, ausländischen Personen und von Be- 
wohnern der griechischen Provinzen stattfindet, so daß in dieser 
Stadt mit ihren zahlreichen Universitäts- und Privatkliuiken eine 
verhältnismäßig hohe Krebssterblichkeit festgestellt wurde, fehlt über 
die Krebssterblichkeit in den kleineren Städten und auf dem Lande 
überhaupt jede Statistik. 

Gavalas hatte es nun unternommen, auf Grund der aus Kliniken 
und pathologischen Instituten stammenden, statistischen Nachweise 
sowie der privaten Mitteilungen von Aerzten aus der Provinz ein un- 
gefähres Bild von der Verbreitung der Krebskrankheit in Griechen- 
land zu entwerfen. 

Im allgemeinen scheint die Krebskrankheit häufiger auf den 
Inseln, dagegen seltener im Pelopones und noch seltener in 
Thessalien vorzukommen. 

Im ganzen konnte Gavalas in der Zeit von 1905 — 1908 
661 Krebstodesfälle ermitteln, von denen 336 das männliche und 
325 das weibliche Geschlecht betrafen. 

Auf 100 Todesfälle überhaupt, kamen während dieser Zeit 
2,5 Krebstodesfälle. 

Fast 25 ü / aller Krebstodesfälle entfielen auf Todesfälle an 
Magenkrebs. 

Auf Veranlassung des deutschen Komitees für Krebsforschung- 
hatte man auch versucht auf dem Wege der Sammelforschung* 
eine Uebersicht über die Krebsverbreitung in Griechenland zu 
erlangen. 

Nur aus Larissa,**) wo sich alle Aerzte (56) an der Sammel- 
forschung beteiligten, sind die Ergebnisse bekannt geworden, und 
zwar wurden im ganzen unter 66000 Einwohnern nur 7 krebskranke 
Personen festgestellt, die sich in ärztlicher Behandlung befanden. 



*) Cfr. auch Bd. II, S. 527 ff. 

') Finska Läkaresällkapets Handlingar 1911, Bd. 53. 
2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 605. 
**) Cfr. Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. I, S. 292. 



12* 



Statistische Untersuchungen über die 
Krebssterbliehkeit in außereuropäischen 

Ländern. 

Die Verbreitung der Krebskrankheit in Amerika. 

Nordamerika: Quellen der Statistik. Unterschiede in den Ergebnissen bei Be- 
nutzung der einen oder anderen Quelle. Wirkliche Zunahme nach 
Connell. Vergleichende Uebersicht über die Krebssterblichkeit an 
Krebs und Tuberkulose in der Zeit von 1890—1908 in den Ver- 
einigten Staaten. 

Krebssterblichkeit in den einzelnen Staaten: 

Häufung von Todesfällen an Magenkrebs. Starke Beteiligung des 
weiblichen Geschlechts. Geographische Verbreitung. 

Krebsstatistik amerikanischer Lebensversicherungs- 
gesellschaften. Zunahme der Sterblichkeit an Brustkrebs. 

Krebssterblichkeit in amerikanischen Städten: 

Uebersichtstabellen für New York und Philadelphia. 

Allgemeine Uebersicht. 
Zentralamerika: Krebssterblichkeit auf den Bermudas- und Bahamainseln, 

in Guatemala, Jamaica, Trinidad und Mexiko. 
Südamerika: Krebssterblichkeit in Guiana. 

Krebsstatistik in Brasilien: 

Geringe Krebssterblichkeit. Geographische Verbreitung. 
Häufung von Uteruskrebs. Seltenheit des Magenkrebses. 

Uebersichtstabelle über Krebssterblichkeit in einzelnen größeren Städten. 
Uruguay: Mortalitätsstatistik von Montevideo. 
Argentinien: Krebssterblichkeit in Buenos- Aires. 

Uebersichtstabelle. 
Chile: Krebssterblichkeit in Santiago. 

Allgemeine Betrachtungen über die Verbreitung derKrebs- 
k rankheit in Amerika. 






Krebsverbreitling in Nordamerika 181 

Statistische Untersuchungen über die Verbreitung 

der Krebskrankheit in den Vereinigten Staaten 

yon Nordamerika. 

Wir haben schon vielfach Gelegenheit gehabt bei Besprechung 
einzelner Probleme aus der Krebsstatistik auch auf die Verhältnisse 
in den „Vereinigten Staaten" hinzuweisen, wie z. B. bei der 
Erörterung des Rassen problems (cfr. S. 24 ff.), der SterbJichkeits- 
unterschiede zwischen Eingeborenen und Eingewanderten 
(cfr. S. 34 ff.), der Abstammung der Krebskranken (cfr. S. 26), des 
Berufs (cfr. S. 58) usw. 

Wir wollen nunmehr in folgendem versuchen eine Uebersicht zu 
geben über die allgemeine Krebsverbreitung in den Vereinigten 
Staaten ohne Rücksichtnahme auf Rasse und Abstammung der Be- 
wohner. 

In den „Vereinigten Staaten" bestehen zwei Arten von 
Statistiken, von denen die eine der „Official Report" nur auf 
einen Teil der Bevölkerung sich erstreckt, etwa auf 29 Millionen 
Einwohner, während die statistischen Erhebungen über die übrige 
Bevölkerung, etwa 47 Millionen Bewohner, auf Grund von Volks- 
zählungen beruhen. 

Für die Zeit von 1890-1900 hat nun Guthrie Mc Connell 1 ) 
auf Grund dieser beiden statistischen Unterlagen eine allgemeine 
Uebersicht über die Krebsverbreitung und Sterblichkeit in den „Ver- 
einigten Staaten" zu geben versucht. 

Die Ergebnisse beider Statistiken in bezug auf die Krebssterblich- 
keit zeigen nicht unerhebliche Abweichungen; denn während 
nach der einen Statistik im Jahre 1900 auf 10000 Lebende = 4,3 Krebs- 
todesfälle und auf 100 Todesfälle überhaupt = 3.2 Todesfälle an Krebs 
entfielen, betrug dieser Prozentsatz auf Grund der anderen Statistik 
= 6,0 bzw. 3,5. 

Es kommt noch hinzu, daß die amerikanischen Statistiken unter 
der Spalte „Tumour" sowohl gut- als auch bösartige Geschwülste 
umfassen; da jedoch Todesfälle an gutartigen Geschwülsten zu den 
Seltenheiten gehören, so wird dieser Fehler der Statistik auf das 
Endergebnis von nicht allzugroßer Bedeutung sein. 

Bei der Beurteilung der Sterblichkeitsverhältnisse in den einzelnen 
Staaten muß man berücksichtigen, welche Statistik der Berechnung 
zugrunde liegt. 

Eine genaue Volkszählung hat im Jahre 1900 nur in folgenden 
Staaten stattfinden können: Maine, Vermont, New Hampshire, 
Massachusetts, Rhode- Island, Connecticut und Michi- 
gan mit allen ihren Städten und ländlichen Bezirken, dazu kommen 
noch etwa 50 Städte aus den anderen Staaten, bei denen eine 
Zählung im ganzen nicht hat durchgeführt werden können. 



') Zeitschrift f. Krebsforschung. Bd. VII, S. 238. Cfr. auch : Twelfth Census 
Report of the United States 1900, Vol. III, P. I und Frederick, L. Hof f mann: 
The vital Statistics of the Census of 1900 (Quarterly Publications of the American 
Statistical Association Dezember 1902). 



182 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Die Sterblichkeitsverhältnisse an Krebs für die gesamten 
„Vereinigten Staaten" wurden durch eine Kombination beider 
statistischen Systeme berechnet. 

Guthrie Mc. Connell ist der Ansicht, daß die Zunahme der 
Ki ebskrankheit in den „Vereinigten Staaten" einewirkliche und 
keine scheinbare, auf Grund einer besseren Diagnose sei; denn 
in den 10 Jahren von 1890 — 1900, auf welche sich die Untersuchungen 
erstrecken, hat die Diagnose nicht so glänzende Fortschritte gemacht, 
daß sie für die Zunahme der Krebskrankheit verantwortlich gemacht 
werden kann. 

Hingegen glaubt Connell, daß der Rückgang der Sterblichkeit 
an Lungentuberkulose*) vielleicht von Einfluß auf die Zunahme 
der Krebssterblichkeit sein könne. 

Wir haben nun auf Grund des vorliegenden, statistischen, aller- 
dings sehr lückenhaften Materials folgende Tabelle zusammengestellt, 
die eine Uebersicht über die Zunahme der Krebskrankheit in 
der Zeit von 1890 — 1908 und über die Abnahme der Tuberkulose 
in den Vereinigten Staaten (in allen Zählstaaten) während der 
Zeit von 1890—1900 bietet: 





Es starben an Krebs (d. h. Cancer 
und Tumours) 


Es starben an Tuberkulose 


Jahr 


Ueber- 
haupt 


Auf 100 

Todesfälle 
entfielen 
Krebstodes- 
fälle 


Von 10 000 
Lebenden 


TJeber- 
haupt 


Auf 100 
Todesfälle 
entfielen auf 
Tuberkulose 


Von 10000 
Lebenden 


1890 
1900 
1907**) 
1908***) 


18 536 

29 475 

30 514 


2,2 

2,8 


4,79 
6,00 
7,31 
7,65 


102 199 
111059 


12,1 
10,6 


24,54 

19,05 



Wir sehen, daß während der Zeit von 1890—1900 in den „Ver- 
einigten Staaten" eine Abnahme der Tuberkulosetodes- 
fälle um 5,49 auf 10000 Lebende und eine Zunahme der Krebs- 
todesfälle um 1,21 stattgefunden hat. 

In den einzelnen Staaten gestaltete sich die Krebssterblichkeit 
auf Grund der Zählung vom Jahre 1900 folgendermaßen: 

Es starben an Krebs von je 10000 Lebenden in 
Maine = 8,37 Personen Rhode-Island = 6,23 Personen 



Vermont =8,18 

Columbia =7,18 

NewHampshire= 6,68 
Massachusetts = 6,64 



NewYork =6,12 

Connecticut =6,11 „ 

Michigan =5,80 „ 

NewJersey =5,04 „ 

Einzeluntersuchungen liegen noch von William J. Whitney 1 ) 
für den Staat Massachusetts vor, wo in der Zeit von 1850—1910 
eine enorme Zunahme der Krebstodesfälle stattfand, und von Samuel 



*) Wir kommen noch späterhin im Zusammenhang auf dieses Problem zurück. 
**) Cfr. : Samuel Dixon, The Prevalence of Cancer (The Pennsylvania med. 
Journ. 1909, p. 96). 

***) Nach K. Buday (II. Internat. Krebskonferenz, Paris 1910, S. 92). 

') A Study of the Statistics of Cancer in Massachusetts for the Year 1905 
(The Boston med. and surg. Journ. 1910 p. 673). 



Krebsverbreitung in Nordamerika. 183 

Dixon 1 ) für den Staat Pennsylvania, wo die Zunahme der 
Krebssterblichkeit von 4,15 auf lOOOO Lebende im Jahre 1890, auf 
6,28 im Jahre 1907 stieg. 

Im allgemeinen ist also die Krebssterblichkeit in den Ver- 
einigten Staaten nicht allzuhoch, im Vergleich mit der Krebs- 
sterblichkeit z.B. in England (cfr. S. 146), geringer. Allerdings ist 
das in England zugrunde gelegte Material weit zuverlässiger als 
das in den Vereinigten Staaten. 

Auch in Nordamerika hat man die Beobachtung gemacht, daß 
die Todesfälle an Magenkrebs den größten Prozentsatz aller Krebs- 
todesfälle ausmachen. 

Unter 17 296 in den „Zählstaaten" im Jahre 1900 vorgekommenen 
Krebstodesfällen*) entfielen allein auf Magenkrebs =4220, d. h. 
24,4 °/o> welche annähernd gleich auf beide Geschlechter verteilt 
waren (2195 Männer und 2025 Frauen). 

Auffallend ist allerdings hierbei, im Gegensatz zu Statistiken 
aus anderen Ländern, wie z.B. aus der Schweiz (cfr. S. 177), die starke 
Beteiligung des weiblichen. Geschlechts an den Todesfällen von 
Magenkrebs, für welche eine Ursache nicht angegeben wird. 

An Uteruskrebs starben in diesem Jahre im ganzen 2291 Frauen, 
d. h. 7,9 % aller Krebstodesfälle überhaupt und 12,6 % aller Krebstodes- 
fälle bei Frauen wurden durch die Erkrankung des Uterus verursacht. 

Die Krebskrankheit ist nun, nach den Untersuchungen von G. 
Mc. Connell , 2 ) nicht gleichmäßig stark in den Vereinigten 
Staaten verbreitet. 

Die meisten Krebstodesfälle wiesen die Staaten im Küsten- 
gebiet des Stillen Ozeans auf (5,19 °/ aller Todesfälle), dann die 
stark bewaldeten Gegenden des Nordwesten (4,68 °/ )> die nord- 
östlichen Berggegenden und Plateaus (4,45%) und das 
Prairiegebiet (4,30%). 
' Die geringste Krebssterblichkeit zeigten das innere Plateau 
des Südens (1,81% aller Todesfälle), das Zentralgebiet des Süd- 
westens (1,58%) un( l die Umgebung des Nordmississippi. 

Connell ist Anhänger der Boden theorie (cfr. S. 4 ff.) und 
glaubt, daß die Ursache der verschiedenartigen Verbreitung der Krebs- 
krankheit in den weit zerstreuten Gebieten der Vereinigten 
Staaten in den Bodenverhältnissen zu suchen sei. 

„Die einzigen gemeinsamen Punkte", sagt Connel, „für die 
weit zerstreuten Gebiete mit hoher und hoch st er Sterblichkeit an 
Krebs sind die, daß diese Gegenden fast ausnahmslos hügelig oder 
gebirgig sind; weiterhin aber sind sie noch stark geholzt und 
durch zahlreiche, kleine Flußläufe oder Teiche gut bewässert." 

Ebenso wie in manchen europäischen Staaten hat man auch 
in Nordamerika versucht, noch andere Hilfsquellen, außer 
den vorhin angeführten, heranzuziehen, um Aufschluß über manche 
statistische Probleme zu erhalten. 

In dieser Beziehung sind die statistischen Mitteilungen der 
Lebens Versicherungsgesellschaften oft von Wert, voraus- 
gesetzt, daß man vorsichtig in seinen Schlußfolgerungen ist. 

*) The Pennsylvania med. Journ. 1909, p. 96. 

*) Im Gegensatz zu den in der Tabelle S. 182 angeführten Zahlen, handelt es 
sich hier ausschließlich um Carcinomtodesfälle. 
2 ) 1. c. S. 181. 



184 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 



Frederick L. Hoffmann 1 ) hat nun aus den statistischen Ver- 
öffentlichungen der „Prudential Insurance Company of America" be- 
rechnet, daß z. B. in Rhode- Island in der Zeit von 1876—1880 
bis 1896—1900 der Brustkrebs bei der Frau um 115 °/ zugenommen 
hat und in der Stadt Philadelphia von 1861—1865 bis 1896—1900 
sogar um 179%. 

Der Brustkrebs gehört zu den leicht erkennbaren Krebs- 
erkrankungen, so daß Irrtümer in der Diagnose zu den Ausnahmen 
gehören. 

Die Zunahme der Krebserkrankung dieses Organs ist aber 
charakteristisch für die Zunahme der Krebserkrankung überhaupt 
(cfr. auch S. 149). 

Die Statistik über die Verbreitung der Krebskrankheit in den 
amerikanischen Städten ist, soweit besonders ältere Zeit- 
Vergleich dienen könnten, in Frage kommen, 



epochen , die zum 
recht mangelhaft. 

Wir haben nun 
sehr lückenhaften 



versucht, auf Grund der vorliegenden, allerdings 
Angaben,*) wenigstens für New York und 
Philadelphia, eine Uebersicht über die Krebssterblichkeit zu geben. 

Krebstodesfälle inNewYork in der Zeit von 1867 — 1903. 





Krebstodes- 
fälle über- 
haupt 


Auf 100 Todes- 


Von 10 000 


Jahr 


fälle überhaupt 
entfielen Krebs- 


Lebenden 
starben an 




todesfälle 


Krebs 


1867 


286 **) 


3,01 




1868 


312**) 


3,08 


— 


1875 


— 


— 


4,00 


1885 


— 


— 


5,30 


1900 


— 


— 


6,40 


1902 


— 


3.59 


— 


1903 


— 


3 ; 87 


— 



Krebstodesfälle in Philadelphia in der Zeit von 1879—1904. 



Jahr 



Auf 100 Todes- y on ioO0O 

fälle überhaupt I Lebenden starben 

entfielen Krebs- | an Krebs 

todesfälle 



1879 




4,3 


1900 


— 


7,3 


1902 


3,82 


— 


1903 


3,82 


— 


1904 


— 


6,6 



*) The practical use of vital statistics (Boston, med. and surg. Journ. 27. De- 
zember 1900). 

*) Für New York cfr. noch: F. W. Beneke, 1. c. S. 71. Spencer-Wells, 
1. c. S. 145. Bryant, New York. med. Journ. 18. Mai 1895. Eoswell Park, Med. 
News 1899, S. 385 und 399. G. B. Massey, Americ. Journ. of the med. Sc. Februar 
1900, p. 170 (mit Kurven für die Städte New Orleans, Philadelphia, Boston, 
New York, St. Louis, Baltimore, für die Zeit von 1870—1910). Roger 
Williams, 1. c. S. 19 (p. 46). McConnell: Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VIT, 
S. 244. Für Philadelphia hauptsächlich: P. B. Bland: Surg. Gynec. and Obste- 
trics. Nov. 1906. 

**) Im Alter von 20—100 Jahren. 



Krebsverbreitung in Zentral-Amerika. 



185 



Die folgende Tabelle gibt eine Uebersicht über die Krebs- 
sterblichkeit in einer größeren Zahl von Städten Nordamerikas 
für die Zeit von 1898-1900. 



Stadt 


Auf 100 Todesfälle 
entfielen Krebs- 
todesfälle 


Von 10 000 Lebenden starben 
an Krebs 




1902 1903 


1898 


1899 


1900 


Brockton (Mass.) 


8,06 


6,12 








Davenport (Iowa) 


7,99 


5,06 


— 


— 


— 


Auburn (N. J.) 


7,19 


7,31 


— 


— 


— 


Jackson (Mich.) 


6,72 


5,64 


— 


— 


— 


Rochester (N. J.) 


6,58 


— 


— 


— 


— 


Saginaw (Mich.) 


6,55 


7,32 


— 


— 


— 


Grand Rapids (Mich.) 


5.97 


6,92 


— 


— 


— 


San Francisco*) 


5,94 


5,87 


10,36 


— 


11,2 


Maiden (Mass.) 


5,70 


7,31 


— 


— 


— 


Quincy (Mass.) 


— 


6,94 


— 


— 


— 


Boston**) 


4,57 


5,09 


7,6 


— 


— 


Buffalo ***) 


4,53 


4,70 




5,3 


— 


Chicago 


4,44 


4,19 


— 


— 


6,3 


Cincinnati 


4,32 


4,45 


— 


— 


— 


Baltimore 


3,98 


3,83 


— 


— 


6,9 


Philadelphia 


3,82 


3,82 


— 


— 


7,3 


New York 


3,59 


3,87 


— 


— 


6,4 


Cleveland 


3,43 


3,74 


— 


— 




St. Louis f) 


3,18 


4,03 


— 


— 


— 


New Orleans 


— 


— 


— 


— 


6,4 



Wir ersehen aus dieser Tabelle, daß in einzelnen Städten, deren 
Krebssterblichkeit im allgemeinen geringer ist, als z. B. die in 
englischen Städten (cfr. S. 152), die Krebssterblichkeit in der Zeit 
von 1902 zu 1903 stark zurückgegangen ist, und daß in den 
Großstädten der Prozentsatz der Krebssterblichkeit, im Gegensatz 
zu den Erfahrungen in europäischen Ländern (cfr. S. 46 ff.), ge- 
ringer ist als in den Mittelstädten. 

Ueber die Verbreitung der Krebskrankheit in 
Zentral-Amerika 



Wir haben schon, soweit das geringe Material 
Krebssterblichkeit bei den Eingeborenen 



ist nur wenig bekannt, 
es gestattete, auf die 
hingewiesen (cfr. S. 25). 

Auf den Bermudas-Inseln ff) kamen im Jahre 1900 unter 
423 Todesfällen überhaupt, = 13 Krebstodesfälle vor, d. h. 3 % aller 
Todesfälle, auf den Bah ama- Insel nfff) unter 1231 Todesfällen im 



*) In der Zeit von 1866—1898 von 1,65 bis 10,36 auf 10000 Lebende - zeigt 
also die größte Zunahme. 
**) Cfr. auch S. 45. 
***) Cfr. auch: The Journ. of the Americ. Assoc. 1901. p. 1740 (für die Zeit von 
1880-1889). 

f) Cfr. auch : GeorgeGellhorn (Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, S. 281). 
tt) Colonial Rep. 1902, No. 19. (Cfr. auch: Roger Williams, 1. c. S. 19 [p. 47]). 
tft) Ibidem, p. 20. 



186 II- Spezielle statistische Untersuchungen üher die Krebskrankheit. 

Jahre 1900 nur ein einziger Krebstodesfall, in Guatemala im Jahre 
1894 = 4 Krebstodesfälle. 

In Jamaica stieg- die Krebssterblichkeit von 1,2 auf 10000 
Lebende im Jahre 1888, auf 1,9 im Jahre 1905. 

In den Hospitälern von Trinidad und Tobago entfielen im 
Jahre 1900 auf 1317 Todesfälle überhaupt, = 13 Krebstodesfälle, 
d. h. — 0,9 °/„ aller Todesfälle. 

Ueber die Krebssterblichkeit in Nicaragua (cfr. S. 25) und in 
Mexico liegen statistische Angaben nicht vor.*) 

Sehr gering sind auch unsere Kenntnisse über die Krebsverbreitung in 

Südamerika. 

In British Guiana, dessen Krebssterblichkeit bei den Ein- 
geborenen wir schon besprochen haben (cfr. S. 25), sind in der 
Zeit von 1903—1904 in den Hospitälern im ganzen 148221 Kranke 
behandelt worden, von denen nur 105 Personen an bösartigen Ge- 
schwülsten litten.**) 

Auf 1556 Todesfälle während dieser Zeit entfielen 27 Krebs- 
todesfälle, d. h. 1,7 °/ . 

Auch in Niederländisch Guiana hat Spitzly 1 ) einige Krebs- 
fälle beobachtet. 



Etwas genauere Kenntnis besitzen wir über die Krebssterblichkeit 
in Brasilien, dank der mühevollen Untersuchungen von A. de Azevedo 
Socfre, 2 ) welche allerdings auf einem sehr lückenhaften und mangel- 
haften Material beruhen. 

Wie haben schon früher erwähnt (cfr. S. 26), daß in Brasilien 
die schwarze Rasse fast immun gegen die Krebserkrankung ist. 

Im ganzen sind in Brasilien in der Zeit von 1894—1898, bei 
einer Bevölkerungszahl von 16805000 Seelen und einer Gesamt- 
sterblichkeit von 148000 Personen, 690 Krebstodesfälle zur Kenntnis 
gekommen, d. h. auf 100 Todesfälle entfielen 0,46 Krebstodesfälle, 
und von je 10000 Lebenden starben 0,41 Personen an Krebs. 

Dieser Prozentsatz ist. im Vergleich zu der Krebssterblichkeit 
in anderen Ländern, ein außerordentlich niedriger, entspricht aber in 
keiner Weise der Wirklichkeit, da die Statistik in Brasilien noch 
ganz und gar in den Kinderschuhen steckt. 

Auf Grund des vorliegenden Materials glaubt Sodre aber doch 
einige Anhaltspunkte für die geographische Verbreitung der 
Krebskrankheit in Brasilien und für die häufigste Art der Lokali- 
sation des Krebses in den Organen ermittelt zu haben. 

Im ganzen ist der Krebs in Brasilien eine verhältnismäßig 
seltene Krankheit, wenngleich in manchen Gegenden die Zahl der 
Krebserkrankungen in den letzten Jahren zugenommen hat. 

Die Häufigkeit der Krebserkrankung scheint von klimatischen 
Einflüssen abhängig zu sein, indem sie sich mit der Entfernung 
vom Aequator ändert. 

*) Cfr. E od man: International Text-Book of Surgery, 1900, Vol. II, p. 731. 

**) Eep. of the med. Department of British Guiana, 1903—1904. (Nach 

Roger Williams sind aber mindestens 93 Tumoren als nicht bösartig anzusehen). 

') Brit. med. Journ. 1902, Vol. I, p. 16. 

2 ) Brazil Medico, 15. Juni 1904, No. 23. (Cfr. auch IL Lateinisch-Amerika- 
nischer medizinischer Kongreß in Buenos-Aires, April 1904.) 



Krebsverbreitimg in Südamerika. 



187 



In der Aequatorialgegend kommt Krebs kaum vor; die 
Häufigkeit der Erkrankung nimmt mit der Annäherung nach dem 
Wendekreis des Steinbocks hin zu, ihre Höhe erreicht die 
Krebskrankheit im äußersten Süden (Staat R i o G r a n d e), wo das 
Klima schon sehr dem der europäischen Mittelmeerländer gleicht. 

In Brasilien tritt der Krebs vorwiegend als Uterus krebs 
auf, gegen dessen Häufigkeit der Magen- und Leberkrebs weit zurück- 
stehen. 

In den 4 bedeutendsten Städten Brasiliens kamen z. B. in 
der Zeit von 1893—1902 im ganzen 1806 Krebstodesfälle vor, von 
denen entfielen auf 



Uteruskrebs = 410 oder 
Magenkrebs = 1.91 oder 
Leberkrebs = 111 oder 



22,7% 

10,5 °/ 

6,1 ü /o 



Ueber die Krebssterblichkeit in einzelnen größeren Städten 
Brasiliens gibt folgende Tabelle eine Uebersicht: 



Städte 


Jahr 


Auf 100 

Todesfälle 
entfielen 
Krebstodes- 
fälle 


Von 10 000 

Lebenden 

starben 

an Krebs 


Rio de Janeiro 


1890—1892 


0,8 


2,4 




1894—1898 


1,0 


2,8 




1899—1903 


1,27 


2,8 




1904*) 




2,6 


S. Paulo 


1893-1897 


0.6 


2,5 




1898-1902 


1,1 


2,5 


Santos 


1899-1902 


0,6 


1,9 


Bahia 


1898—1902 


0,8 


19 


Porte Allegre 


1900-1902 


2,5 


7,0 



Wie aus dieser Tabelle ersichtlich ist, haben die brasi- 
lianischen Städte, mit Ausnahme von Porte Allegre, die ge- 
ringste Krebssterblichkeit von allen bisher erwähnten Städten. 

Im Gegensatz zu den Erfahrungen, die man in anderen Ländern 
gemacht hat, ist der Magenkrebs in Brasilien eine seltene 
Erkrankung, hingegen gehört der Uteruskrebs, wie wir schon 
vorhin erwähnten, zu den häufigsten Krebserkrankungen. 

Diese Tatsache tritt auch in der Krebsstatistik der einzelnen 
Städte in Erscheinung. 



Stadt 


Jahr 


Gesamt- 
todesfälle 
an Krebs 


Uterus- 
krebs 


Magen- 
krebs 


Bahia 

Recife 

S. Paulo 

Rio de Janeiro 


1898—1902 
1895-1897 
1893—1902 
1899—1903 


198 
170 
468 
770 


73 

71 

104 

162 


8 

9 

73 

100 



Nach Roger Williams 1. c. S. 19 (p. 49). 



18g II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

In verschiedenen südamerikanischen Staaten ist in neuerer 
Zeit das Bestreben hervorgetreten, durch ständige Behörden für 
Statistik ein umfassendes, statistisches Material über ihre Territorien 
zusammenzutragen, um auch über die Verbreitung der Krankheiten, 
und insbesondere der Krebskrankheit, einen Ueberblick zu gewinnen. 

Zu diesen Staaten gehört auch Uruguay,*) für dessen Hauptstadt 
Montevideo eine sehr sorgfältige Statistik über Krebsverbreitung 
und Krebstodesfälle während der Jahre 1903 und 1904 vorliegt. 

In ganz Uruguay betrug, nach den Angaben von Roger 
Williams, 1 ) die Krebssterblichkeit im Jahre 1897 = 3,28 °/ aller 
Todesfälle. 

In Montevideo gestaltete sich die Krebssterblichkeit in den 
Jahren 1903 und 1904 folgendermaßen: 



Jahr 


Krebstodesfälle 


Auf 100 
Todesfälle 
entfielen 
Krebstodes- 
fälle 


Von 10000 

Lebenden 

starben 

an Krebs 


Magen- 
krebs 


Uterus- 


überhaupt 


M. 


W. 


krebs 


1903 
1904 


295 
260 


179 
147 


116 
113 


o,6 


10,4 
9,0 


164 
148 


30 
21 



Aus dieser Tabelle ist zunächst ersichtlich, daß in Montevideo 
die Krebssterblichkeit bei weitem höher ist, als inRiodeJaneiro 
und anderen Großstädten Brasiliens, ferner, daß mehr Männer 
als Frauen sterben, und daß eine Abnahme der Krebssterblichkeit 
in der Zeit von 1903 auf 1904 stattgefunden hat. 

Am auffallendsten ist aber die große Sterblichkeit an Magen- 
krebs, im Gegensatz zu den in Brasilien gemachten Erfahrungen. 
In dieser Beziehung und auch in bezug auf die Höhe der Krebs- 
sterblichkeit nähert sich Montevideo mehr den europäischen 
Verhältnissen. 

Aehnliche Beobachtungen machte auch E. Marino 2 ) in bezug 
auf die Krebssterblichkeit in Buenos- Aires , der Hauptstadt von 
Argentinien. 

In Buenos Aires gestaltete sich die Krebssterblichkeit in der 
Zeit von 1888 — 1907 folgendermaßen.**) (Siehe Tabelle nächste Seite.) 

Wir ersehen aus dieser Tabelle zunächst, daß in Buenos- Aires 
die Krebssterblichkeit zugenommen hat, aber nur entsprechend 
der Vermehrung der Bevölkerung, die während dieser 
Zeit etwa um ein Drittel zugenommen hat. 

Vom Jahre 1903 an sehen wir, ebenso wie es in Montevideo 
der Fall ist, eine langsameAbnahme der Krebssterblichkeit ein- 
treten. 



*) Cfr. Joaquin Canabal: Epideraiologia del Uruguay 1896 — 1899, con 
algunos datos de 1887 — 1901. Montevideo 1903. Juan L. Heguy und Joaquin 
de Salerain: Resumen Anual Demografia y Meteorologia. Ano 1903 und 1904. 
Montevideo 1904. 

1 ) 1. c. S. 19. (p. 49). 

2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. X, S. 277. 

**) Von uns zusammengestellt unter Benutzung der von Marino gemachten 
statistischen Angaben, die er dem „Anuario estadistico de la ciudad de Buenos 
Aires" entnommen hat. 



Krebsverbreitung in Südamerika. 



189 



Auch in Buenos- Aires wird die Zunahme fast ausschließlich 
durch die Häufung von Todesfällen an Magenkrebs bedingt, dessen 
Entstehung Marino auf den übermäßigen Fleisch genuß zurückführt. 

Krebssterblichkeit in Buenos-Aires (1888 — 1907). 



Jahr 



Gesamtzahl 
der Krebs- 
todesfälle 



Auf 100 
Todesfälle 
entfielen 
Krebstodes- 
fälle 



Von 10000 

Lebenden 

starben 

an Krebs 



Magenkrebs 



Uteruskrebs 



1888 
1890 
1898 
1899 
1900 
1901 
1902 
1903 
1904 
1905 
1906 
1907 



301 
308 
554 
614 
748 
745 
797 
901 
909 
974 
1004 
1011 



2,43 
1,87 : 
4,08 
4,52 
4,53 
4,70 
5.65 
6,44 
6,35 
6.12 
5,60 
5.10 



6,6 
5,6 

7,2 
7,7 
9,1 
8,8 
9,2 
10,1 
9,3 
9,5 
9,3 
9,0 



— 




— 


228 , 


81 v 


275 




74 


311 




97 


302 




76 


380 




62 


387 


* 


99 f 


392 




111 


434 




109 


409 




99 


440 




99 J 



überhaupt in 

der Zeit von 

1898-1907 



8257 



3558 = 43,1%! 907 = 11,0% 



Viel n i e dri ger ist die Krebssterblichkeit in Santiago, der Haupt- 
stadt von Chile, wo die Krebssterblichkeit in der Zeit von 1898 — 1902 
sich folgendermaßen verhielt:**) 



Jahr 


Auf 100 
Gesamt- | Todesfälle 
todesfälle entfielen 
an Krebs Krebstodes- 
fälle 


Von 10000 

Lebenden 

starben 

an Krebs 


Magenkrebs 


Uteruskrebs 


1898 
1899 
1900 
1901 
1902 


247 

272 
296 
227 
223 


2,2 
2,3 
1,2 

1,9 

2,0 


4,5 
4,3 
5,3 
4,6 

6,8 


50 
72 
88 
78 
79 


29 
21 
20 
11 

8 


überhaupt von 
1898—1902 


1265 


— 


— 


367 = 29 % 


89 = 7% 



In Santiago zeigt die Sterblichkeit an Magenkrebs ebenfalls 
einen hohen Prozentsatz, der allerdings nicht ganz so hoch ist wie 
in Montevideo. 



Wenn wir nun einen Rückblick auf unsere Erörterungen über 
die Krebssterblichkeit in Amerika werfen, dann finden wir zunächst, 
daß im allgemeinen eine Zunahme der Krebssterblichkeit in nicht 



*) Dieser niedrige Prozentsatz ist darauf zurückzuführen, daß im Jahre 1890 
wegen des Aufstandes die Gesamtsterblichkeit eine außerordentlich hohe war. 

**) Von uns zusammengestellt auf Grund der in der Zeitschr. f. Krebsforschung, 
Bd. 111, S. 311 veröffentlichten Mitteilungen der Chilenischen Gesandtschaft in 
Berlin. 



190 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

so hohem Grade stattgefunden hat, wie in europäischen 
Staaten, ja, daß in einzelnen Städten, wie in Montevideo und 
Buenos- Air es, sogar eine Abnahme in der letzten Zeit bemerkt 
worden ist. 

Bei der Beurteilung dieser Frage muß allerdings, wie wir schon 
hervorgehoben haben , die Quelle des Urmaterials berücksichtigt 
werden, welches aber in den Hauptstaaten Amerikas nicht weniger 
gut oder schlecht ist als in den europäischen Staaten. 

Im übrigen weichen die Sterblichkeitsverhältnisse und die Haupt- 
erkrankungen in den Staaten Amerikas — mit Ausnahme von 
Brasilien — nicht allzusehr von denen der europäischen Staaten ab. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in Afrika. 

Nordafrika: Geringe Krebssterblichkeit in Aegypten: 

Mortalitätsstatistik in Kairo: Einfluß der Lebensweise auf die 
Krebssterblichkeit. 

Mortalitätsstatistik in Algier: Unterschied der Krebssterblichkeit in 
Algier und Oran. 
Zentralafrika: Mitteilungen über Krebssterblichkeit in den Küstengebieten und 

zentral gelegenen Ländern. 
Südafrika: Vorkommen von Krebs bei Hottentotten und Zulus. 

Krebssterblichkeit auf St. Helena und auf den Madeirainseln. 

Wir haben schon früher (cfr. S. 20 ff.) über die Disposition der 
Eingeborenen Afrikas zur Krebserkrankung' berichtet. An dieser 
Stelle wollen wir nun untersuchen, wie sich die Gesamtsterblich- 
keit der Bewohner der mehr zivilisierten Länder in diesem 
Erdteil verhält. 

In Aegypten ist schon älteren Beobachtern die geringe Krebs- 
sterblichkeit der Bewohner aufgefallen. 

F. Pruner 1 ) hat z. B. im Laufe von 15 Jahren in Kairo nur 
einen Scirrhus Uteri, zweimal Scirrhus Mammae und viermal 
Lippenkrebs beobachtet, der durch Antiphlogose in 3 Fällen ge- 
heilt sein soll, so daß die Diagnose recht zweifelhaft ist. 

Auch in neuerer Zeit ist die Krebssterblichkeit in Kairo nur 
eine sehr geringe. 

Engel-Bey 2 ) hat z. B. im Jahre 1891 unter 19529 Todesfällen 
nur 19 Krebstodesfälle, d. h. 0,09 °/ aller Todesfälle feststellen können. 

Im allgemeinen kommt, nach den Untersuchungen von F. C. M a d - 
den, 3 ) der Krebs bei den Berbern und Sudanesen, die fast aus- 
schließlich Vegeta rianer sind, kaum vor, die wenigen, bisher beob- 
achteten Krebserkrankungen betrafen hauptsächlich die Araber und 
Kopten, die fast genau so wie die Europäer leben. 

Etwas häufiger kommt schon der Krebs in Algier vor. 



x ) Die Krankheiten des Orients. Erlangen 1847, S. 344. 

2 ) Nach einer Mitteilung von Roger Williams, 1. c. S. 19 (p. 42). 

a ) Brit. med. Journ. 1902, Vol. II, p. 730. 



Krebsverbreitung in Afrika. 191 

Schon Boudin 1 ) berichtet daß im Jahre 

1852 auf 1591 Todesfälle überhaupt = 8 Krebstodesfälle entfielen 

1853 „ 1603 „ „ = 12 

1854 „ 2267 „ „ = 17 

Auf 5461 Todesfälle in der Zeit von 1852—1854 kamen also 0,67 °/ 
Krebstodesfälle. 

Wir sehen schon in dieser Zeit einen kleinen Anstieg der 
Krebssterblichkeit eintreten, der sich in neuerer Zeit, besonders in 
den Städten, wo die europäische Bevölkerung überwiegt, 
ganz bedeutend vergrößert hat. 

Nach der amtlichen Statistik*) starben im Jahre 1895 in 
der „ S t a d t A 1 g i e r " von 10 000 Lebenden = 5,6 Personen an Krebs. 

Dieser Prozentsatz entspricht etwa dem in Preußen für dieses 
Jahr berechneten (cfr. S. 112). 

In Oran hingegen, wo nur wenige Europäer leben, 
starben von 10000 Lebenden nur 1,3 Personen an Krebs. 

In vielen anderen Städten, wie z. B. in Biskra, Batna, 
Mostaganem usw. ist in diesem Jahre überhaupt kein Krebs- 
todesfall zur Kenntnis gekommen. 

Ueber die Krebsverbreitung in Zentral-Afrika ist nur wenig 
bekannt. Was wir darüber wissen, haben wir schon früher angeführt 
(cfr. S. 20 ff.). 

Nur hin und wieder sind Krebsfälle im Innern Afrikas und 
in den Küstengebieten beobachtet worden. 

Wir finden in der Literatur Berichte über einzelne Krebserkran- 
kungen an der Westküste (Senegambien) von Forde, 2 ) an 
der Goldküste von Henderson, 3 ) aus Uganda von Cook, 4 ) 
wo besonders häufig Uterusgeschwülste beobachtet wurden, ferner aus 
dem Batsutoland 5 ) usw. (cfr. auch S. 20). 

Ebenso selten kommt auch der Krebs bei den Eingeborenen von 
Südafrika vor. 

Vereinzelte Fälle sind beobachtet worden in Natal**) (bei den 
Bantus), von H. Goodman 6 ) bei einem Zulu und von Hawes 7 ) 
bei Hottentotten. 

Bei den in Südafrika lebenden Europäern und bei den 
Buren kommt Krebs ebenso häufig vor, wie bei den in Europa 
lebenden Stammesgenossen. Nähere Angaben liegen zurzeit nicht vor. 

Einzelne Mitteilungen finden wir noch in der Literatur über die 
Krebssterblichkeit auf einigen, Afrika benachbarten Inseln. 

A eitere Berichte liegen über die Insel St. Helena vor. 

Nach Boudin 8 ) starben daselbst in der Zeit von 1826—1835 
überhaupt 552 Personen, darunter 2 an Krebs. 



') 1. c. s. 124. 

*) Cfr. Statistique sanitaire des villes de France et d'Algerie pendant l'annee 
1895, p. 114. 

2 j Report on Cancer in British Colonies 1905. 

8 ) Ibidem. 

4 ) Journ. of tropic. Med. 1901, p. 173. 

5 j Colonial Eep. 1902, p. 25 (unter 4684 Patienten im Maseru Krankenhaus 
im Jahre 1900 nur 2 Krebskranke). 

**) Rep. of medic. Officer of Health for Natal for the year 1903. 

6 ) Transvaal medic. Journ. 1906, p. 319. 

7 ) ßartholomew's Hosp. Rep. 1^06, p. 161. 

9 ) 1. c. S. 124. 



192 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Auf Funchal kamen, nach den Angaben von J. Goldschmidt, 1 ) 
im Jahre 1880 und 1881, bei einer Bevölkerung von 35000 Seelen, 
21 bzw. 25 Krebstodesfälle vor, d. h. auf je 10000 Lebende = 4,3 bzw. 
7 Todesfälle an Krebs, ein ziemlich hoher Prozentsatz. Man muß 
aber berücksichtigen, daß der größte Teil der Bewohner aus euro- 
päischen Eingewanderten besteht. 



Die Verbreitung der Krebskrankheit in Australien. 

Krebssterblichkeit bei der Gesamtbevölkerung. Geographische 
Verbreitung. Kultur und Höhe der Krebssterblichkeit. Mortalitäts- 
statistik in Neu -Südwales, Sidney und Neuseeland. 

Wir haben schon auf die Zunahme der Krebssterblichkeit in 
diesem Kontinent hingewiesen (cfr. S. 21 ff.), ebenso auf das Ver- 
hältnis der Krebssterblichkeit zwischen Eingeborenen und Ein- 
gewanderten (cfr. S. 22). 

Nach den statistischen Angaben von Cooke-Adams 2 ) entfielen 
im Jahre 1900 in ganz Australien auf 10000 Einwohner =5,73 
Krebstodesfälle. 

Dieser Prozentsatz ist also wesentlich niedriger, als der für 
dieses Jahr in England berechnete (8,25). 

Die geographische Verbreitung ist, nach Cooke-Adams, 
in dem ganzen Kontinent keine gleichmäßige. 

Es starben z. B. im Jahre 1900 von je 10000 Lebenden an 
Krebs in 

Victoria =7,2 Personen 

Süd-Australien =5,9 „ 
Neu Süd wales = 5,7 „ 
Tasmanien = 5,6 „ 

Queensland =4,6 „ 

West- Australien = 3,0 „ 

Bei dieser Statistik sind natürlich nur die Krebsfälle verwertet 
worden, die zur Beobachtung gekommen sind und nicht die- 
jenigen, die tatsächlich vorgekommen sind. 

Diese Statistik ist auch insofern charakteristisch, als diejenigen 
Staaten, die die höchste Kultur — und auch die zahlreichsten 
Aerzte haben — die höchste Krebssterblichkeitsziffer aufweisen. 

In Neu-Südwales nahm, nach den Angaben von E. Bloch, 3 ) im 
Jahre 1896 die Krebssterblichkeit die 3. Stelle in der Sterblichkeits- 
skala ein. Es starben in diesem Jahre 1027 Personen an Tuberkulose, 
935 an Darmkatarrhen und 621 an Krebs. 

In Sidney starben im Jahre 1897 = 42 Personen an Tuberkulose 
und 34 an Krebs. 



*) Madere etudiee comme Station d'hiver et d'ete. Paris 1884. 2. Aufl. 

2 ) 1. c. S. 22. 

3 ) Med. Reform 1898, S. 59. 



Verbreitung der Krebskrankheit in Australien. 193 

Auch die Krebssterblichkeit in Neuseeland haben wir schon er- 
örtert, besonders auch in bezug auf den Unterschied zwischen Ein- 
geborenen und Eingewanderten (cfr. S. 22 ff.). 

Nach den Angaben von R. J. Seddon und E. J. von Dadelszen 1 ) 
kamen in Neuseeland bei einer Bevölkerung von 763594 Personen 
im Jahre 1900 = 430 Krebstodesfälle vor, d. h. auf je 10000 Lebende 
= 5,63. 

Im Jahre 1899 = 6,24 

1898 = 6,40 

1897 = 5,47 

1896 = 5,50 

1895 = 5,53 

1894 = 6,01 

1893 = 5,02 

1892 = 4,78 

1891 = 4,68 

Auf 100 Todesfälle überhaupt, entfielen 

im Jahre 1900 = 5,97 Krebstodesfälle 
„ „ 1899 = 6,09 
„ 1898 = 6,50 

Die Zunahme der Krebssterblichkeit ist also in diesem Lande 
nicht so groß, wie in England während dieser Zeit (cfr. Tabelle 
S. 23). 

Bei den Männern handelte es sich hauptsächlich um Magen- 
krebs (37% aller Krebstodesfälle), bei den Frauen um Uterus- 
krebs (34°/ aller Krebstodesfälle).*) 



Ist die Zunahme der Krebskrankheit eine wirkliche 
oder nur scheinbare? 

Uebersicht über die Zunahme der Krebssterblichkeit in den Haupt- 
staaten und Hauptstädten. Höhe der Krebssterblichkeit und jährliche 
Zunahme. 

Gründe für eine scheinbare Zunahme. Anhänger und Gegner dieser 
Hypothese. Zunahme der Krebserkrankung des Magen-Darm kanals. 
Schwierigkeit der Diagnose. 

Höheres Lebensalter infolge besserer Hygiene und Abnahme der 
Epidemien. 

Statistische Untersuchungen über die Beziehungen der Tuber- 
kulose zur Krebskrankheit. 

Abnahme der Tuberkulose und Steigerung der Krebstodesfälle. 
Uebersichtstabelle. Norwegen's Ausnahmestellung. 

Tuberkulose ist nicht die einzige Ursache für die Zunahme der 
Krebstodesfälle. 

Einzeln ntersuchungen über das Verhältnis der Tuberkulose zur 
Krebskrankheit in Deutschland, England und Norwegen. 

Unbegründete Angst vor der Zunahme der Krebskrankheit. 



l ) The New Zealand Official Year-book 1901 (cfr. auch S. 23). 

*) Ueber die Krebssterblichkeit in China und Japan cfr. S. 32 ff. und S. 34 ff. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 13 



194 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Wenn wir einen Rückblick auf unsere bisherigen Erörterungen 
werfen, dann müssen wir zugeben, daß die Krebskrankheit in 
der ganzen Welt, mit nur sehr geringen Ausnahmen 
(cfr. S. 119, 165, 170, 188, usw.), in den letzten Jahrzehnten 
ganz erheblich zugenommen hat. 

Mögen auch viele Statistiken auf unzuverlässigem Material 
beruhen, so sind die hierdurch bedingten Fehler zwar erheblich, 
aber ohne Einfluß auf das allgemeine Endergebnis, daß die 
Krebstodesfälle in der ganzen Welt in mehr oder minder hohem 
Grade sich vermehrt haben. 

Für eine vergleichende Uebersicht über die Krebssterb- 
lichkeit in der ganzen Welt sind die Sammelforschungen 
aus Gründen, die wir schon wiederholt angeführt haben, nicht zu 
verwerten, ebensowenig die Statistiken aus den pathologischen 
Instituten (cfr. S. 119 ff., 174). 

Für die Aufstellung einer vergleichenden Uebersicht sind wir 
nur auf die Mortalitätsstatistiken der einzelnen Länder an- 
gewiesen. 

Es gestaltet sich nun die Krebsverbreitung und Sterblichkeit in 
den Hauptstaaten und Hauptstädten der Welt, auf Grund 
des von uns bisher erörterten, statistischen Materials und geordnet 
nach der Höhe der Krebssterblichkeit, folgendermaßen: 

Es starben von 10000 Lebenden in den Hauptstaaten. 









Durch- 








schnittlich 


Staat 


Zeit 


Zunahme von 


jährlicher 
Prozentsatz 
der Zunahme 


Schweiz 


1889—1898 


11,44 auf 13,24 


1,5 


Dänemark 


1887—1900 


10,9 „ 13,00 


1,7 


Frankreich *) 


1S00—1908 


9,8 „ 11,6 


1,9 


England 


1890-1900 


6,76 „ 8,28 


1,8 


Holland 


1888—1900 


6,50 „ 9,30 


2,5 


Norwegen 


1890—1900 


5,80 „ 8,50 


3,15 


Oesterreich 


1887—1900 


4,80 „ 7,00 


2,4 


Amerika (Vereinigte Staaten) 


1890-1900 


4,79 „ 6,00 


2,0 


Preußen 


1890-1900 


4,31 „ 6,11 


2,94 


Italien 


1890-1900 


4,30 „ 5,19 


1,71 


Ungarn 


1897—1903 


2,6 „ 3,90 


5,5 



In bezug auf die Höhe der jährlichen Zunahme der Krebs- 
todesfälle ist die Reihenfolge der Staaten folgende: 

Ungarn, Norwegen, Preußen, Holland, Oesterreich, 
Amerika, Frankreich, England, Italien, Dänemark und 
Schweiz. 

DiejenigenStaaten also, die bereits durch die Höhe 
der Krebssterblichkeit an und für sich auffallen, haben 
die geringste, jährliche Zunahme aufzuweisen, eine Er- 
scheinung, die noch der Aufklärung bedarf. 



*) Gesamtstatistik von 72 Städten (cfr.: F. A. Theilhaber — Zeitschr. f. 
Krebsforschung, Bd. XII, S. 368). 



Wirkliche oder scheinbare Zunahme der Krebskrankheit? 



195 



Die Verbreitung und Sterblichkeit an Krebs in den Haupt 
städten gestaltet sich nach der Höhe der Krebssterblich 
keit folgendermaßen: 

Es starben von 10000 Lebenden 











Durch- 


Durch- 


Stadt 


Zeit 


Zunahme 


Abnahme 


schnittlich 
jährlicher 


schnittlich 
jährlicher 






von 


von 


Prozentsatz 
der Zunahme 


Prozentsatz 
der Abnahme. 


Kopenhagen 


1897-1908 


13,2 auf 13,4 




0,05 


_ 


Paris 


1890—1900 


10,8 „ 12,0 


— 


1,00 


— 


Oporto 


1895—1899 




7,5 auf 5,0 


— 


10,0 


London 


1890—1900 


6,8 „ 9,5 


— 


2,80 


— 


Buenos Aires 


1888-1900 


6,6 „ 9,0 




1,50 


— 


Budapest 


1896-1900 


6,2 „ 7,2 




3,50 


— 


Moskau 


1880—1896 


5,85 „ 9,24 


— 


2,30 


— 


Berlin 


1875-1900 


5,70 „ 11,6 


— 


2,30 


— 


Christiania 


1865—1897 


5,50 „ 8,24 


— 


1,00 


— 


New York 


1875—1903 


4,00 „ 6,40 


— 


1,50 


— 


Amsterdam 


1890-1900 


3,80 „ 7,80 




5,10 


— 


Rio de Janeiro 


1890—1904 


2,40 „ 2,60 


— 


0,57 


— 



Etwas anders als in den vorher genannten Staaten gestaltet sich 
die prozentuale, jährliche Zunahme in den Hauptstädten 
dieser Länder. 

Die Reihenfolge, nach der Höhe der jährlichen Zunahme, ist (mit 
Ausnahme von Oporto): 

Amsterdam, Budapest, London, Berlin, Moskau, 
New York, Buenos Aires, Paris, Christiania, Rio de 
Janeiro, Kopenhagen. 

Es fragt sich nun, ob diese durch die Statistiken nachgewiesene 
Zunahme der Krebserkrankungen eine wirkliche oder nur schein- 
bare ist, 

Wir haben dieses Problem im Laufe unserer Erörterungen schon 
wiederholt gestreift, und wir haben gesehen, daß die Beantwortung 
dieser Frage keine einheitliche war. 

Schon ältere Beobachter, wie A. Hirsch 1 ) und Oesterlen 
(cfr. auch S. 147), waren der Ansicht, daß es sich nur um eine 
scheinbare Zunahme handle, da die Registrierung der Todes- 
fälle zuverlässiger geworden wäre. 

Auch neuere Forscher, wie Newsholme, Kolb, de Bovis, 
Radestock, W. Weinberg, Buday u. a. vertraten, wie wir ge- 
sehen haben, diese Anschauung, andere hinwiederum, wiePrinzing, 
R. Behla, Roger Williams, Geirsvold und McConnell 
neigen mehr der Ansicht zu, daß es sich um eine wirkliche Zu- 
nahme der Krebserkrankungen handle, bedingt hauptsächlich durch 
Zunahme der Erkrankung innerer Organe. 

Diese Annahme wird noch gestützt durch die infolge besserer 
Operationsergebnisse erzielte Abnahme von Todesfällen an 
Uterus-, Mamma- und Hautkrebsen (cfr. auch S. 133, 163 usw.); 



S. 352. 



Handbuch der historisch-geograph. Pathologie. Stuttgart 1886, III. Abt. 

13* 



196 IL Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

denn, wie z. B. Paul Steiner 1 ) in neuerer Zeit nachgewiesen hat, 
sind in der chirurgischen B u d a p e s t e r Klinik 43,7 °/ Mammakrebse, 
70,45 °/ Lippenkrebse und 38,4 % Hautkrebse, — nach AntonMeller 2 ) 
(Wiener chirurgische Klinik), sogar 50,7 °/ — durch Operation geheilt 
worden. *) 

Trotz der Minderung der Todesfälle an Krebs dieser Organe, 
hat doch eine allmähliche, absolute Zunahme der Krebstodes- 
fälle in neuerer Zeit stattgefunden. Es kann also die erhöhte Zu- 
nahme hauptsächlich nur durch eine häufigere Erkrankung an Krebs 
innerer Organe, und besonders des Magen-Darmkanals, be- 
dingt sein. 

Und in der Tat haben wir schon wiederholt darauf hinweisen 
können, daß in neuerer Zeit eine Zunahme von Todesfällen an Krebs 
des Verdauungskanals in den verschiedensten Ländern hat nach- 
gewiesen werden können (cfr. S. 91, 133, 162 usw.). 

Allein, auch diese Beobachtung ist nicht beweisend für eine 
wirkliche Zunahme der Krebskrankheit. 

Wir haben im Laufe unserer Erörterungen wiederholt hervor- 
gehoben, daß in den letzten Jahrzehnten die Sterblichkeit bei den 
Männern, besonders infolge von Todesfällen an Krebs des Ver- 
dauungskanals, ganz erheblich die der Frauen übertrifft, und 
daß sogar die allgemeine Krebssterblichkeit der Frau 
gegenüber früheren Jahrzehnten zurückgegangen ist 
(cfr. S. 83). 

Die Zunahme der Krebstodesfälle betrifft also hauptsächlich das 
männliche Geschlecht, wie dies auch Arthur Newsholme 3 ) für 
englische Verhältnisse nachgewiesen hat; denn die Krebstodesfälle 
bei Männern nahmen in der Zeit von 1861—1896 um 155% zu, bei 
den Frauen aber nur um 74%. 

Da es sich nun bei der Zunahme der Krebstodesfälle bei den 
Männern hauptsächlich um die in früheren Jahrzehnten schwer 
diagnostizierbaren Erkrankungen der Verdauungswege handelt, 
so wird man die bessere Erkennung dieser Krankheiten infolge 
der großen, in neuerer Zeit gemachten Fortschritte und der häufiger 
vorgenommenen Operationen, die leider in einem großen Prozentsatz 
nicht zur Heilung, aber zu einer richtigen Diagnose führen, als 
Grund für die Zunahme der Krebstodesfälle bei den Männern nicht 
von der Hand weisen dürfen. 

Es kommt noch hinzu, daß durch die neuere, soziale Gesetz- 
gebung mehr Männer den Krankenhäusern zugeführt werden, 
wodurch auch mehr Krebserkrankungen, die früher unerkannt ge- 
blieben sind, zur Kenntnis gelangen (cfr. auch S. 80, 105, 121, 131). 
Daß durch eine ärztliche Behandlung und durch die ärztliche 
Leichenschau mehr Fälle zur Kenntnis der Behörden kommen, als 
bei einem Mangel von ärztlicher Hilfe, haben wir wiederholt hervor- 
gehoben (cfr. S. 103, 120, 126, 131, 143, 147, 162 usw.), und wir haben 
auch als charakteristisches Beispiel die norwegischen Verhält- 
nisse angeführt (cfr. S. 154), wo Hand in Hand mit der Vermeh- 



1 ) Deutsche Zeitschr. f. Chirurgie 1906, Bd. 82, S. 363. 

2 ) Statistik der Hautcarcinome des Kopfes und Halses (Zeitschr. f. Krebs- 
forschung, Bd. VI, S. 64). 

*) Wir kommen noch späterhin ausführlicher auf diese Frage zurück. 

3 ) The Practitioner 1899, p. 379. 



Wirkliche oder scheinbare Zunahme der Krebskrankheit? 197 

r u n g der A e r z t e auch die statistischen Nachweise über 
die Krebstodesfälle im Lande zuverlässiger, d. h. höher wurden. 

Auch die Zunahme der Krebstodesfälle in den großen Zentren 
und Universitätsstädten ist, wie wir nachgewiesen haben (cfr. 
S. 109, 130 usw.), auf den größeren Zufluß von krebskranken 
Personen aus allen Teilen des Landes zurückzuführen. 

Es muß auch zugegeben werden, daß infolge der in neuerer Zeit 
angestrebten Aufklärung und Belehrung des Publikums mehr 
Krebskranke ärztlichen Rat nachsuchen *) als in früheren Zeiten, wo- 
durch die Mortalitätsstatistik an Krebs durch den großen Prozent- 
satz inoperabler und unheilbarer Fälle , die früher vielleicht uner- 
kannt unter einer anderen Diagnose registriert wurden, ungünstig 
beeinflußt wird. 

So überzeugend diese Gründe für eine nur scheinbare Zu- 
nahme der Krebskrankheit auch sind, so hat man doch auch noch 
andere, mehr indirekte Beweise zur Stütze dieser Anschauung ins 
Treffen geführt und besonders die Hypothese, daß die Menschen in 
neuerer Zeit allgemein ein höheres Lebensalter erreichen (cfr. 
auch S. 22) und dadurch eine erhöhte Disposition zur Krebs- 
erkrankung erlangen, obwohl hervorragende Statistiker, wie z.B.News- 
holme 1 ) und Maeder 2 ) sich als Gegner dieser Anschauung erwiesen. 

Die Erhöhung des durchschnittlichen Lebensalters wird nun 
allgemein den besseren hj^gienischen Lebensbedingungen 
der Neuzeit zugeschrieben, ferner der Abnahme der Säuglings- 
sterblichkeit (cfr. S. 105 und S. 147) und der Epidemien. 

Auf die letztere Erscheinung hat auch schon Kiaer 3 ) hinge- 
wiesen; denn in Norwegen z. B. betrug im Jahre 1853, wo die 
Choleratodesfälle allein, unter 26 391 Todesfällen überhaupt, 3514 aus- 
machten, der Prozentsatz der Krebssterblichkeit nur 1,8 °/n, hingegen 
war im Jahre 1854, welches die geringste Sterblichkeit an epi- 
demischen Erkrankungen in der Zeit von 1853 — 1866 aufwies, 
nämlich 1027 Todesfälle unter 23 362 Todesfällen überhaupt, die 
Krebssterblichkeit während dieses Zeitraumes am 
größten, sie betrug 4,1 °/ aller Todesfälle. 

Ein ganz besonderes Interesse aber beanspruchen die Unter- 
suchungen, welche die Ab- oder Zunahme der Tuberkulose zu 
der Höhe der Krebssterblichkeit in Beziehungen bringen. 

Wir haben schon oft Gelegenheit gehabt auf die Beziehungen 
der Tuberkulose zum Carcinom hinzuweisen. Wir erinnern 
nur an die Kr äsen lehre,**) an die Kombination von Tuber- 
kulose mit Carcinom,***) an die anatomischen und klinischen 
Beziehungen der Tuberkulose zum Carcinom, f) an Ribbert's 
Theorie, ft) an die Tuberkulose als Stammbaum des Carcinoms 
und als p r ä c a n c e r ö s e Erkrankung, f f f) 



*) Cfr. z. B. G. Winter, Die Bekämpfung des Krebses im Königreich Preußen 
(Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. X, S. 343). 

1 ) The Practitioner, April 1899, p. 371. 

2 ) Zeitschr. f. Hygiene 1900, Bd. 33, p. 235. 

3 ) 1. c. S. 9. 

**) Cfr. Bd. I, S. 163. 
***) Cfr. Bd. II, S. 108. 

f) Ibidem, S. 111. 
ff) Ibidem, S. 383. 
fft) Ibidem, S. 110 u. 178. 



198 II- Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 

Auch im Laufe dieser Abhandlung haben wir bereits auf die 
statistischen Beziehungen zwischen Tuberkulose und Carcinom 
aufmerksam gemacht. 

Wir haben gesehen, daß die schwarze Rasse stark von der 
Tuberkulose dahingerafft wird (cfr. S. 27). und daß infolgedessen 
auch wenig Individuen in das krebsfähige Älter gelangen. 

Wir haben auch schon die ältere Beobachtung von S tief fei 
erwähnt (cfr. S. 50), daß in einem Orte, wo viel Tuberkulose vor- 
kommt, wenig Carcinomerkrankungen beobachtet werden. 

Auch auf die Beziehungen zwischen Beruf, Tuberkulose 
und Carcinom haben wir bereits hingewiesen (cfr. S. 62). 

Wie. aus der folgenden Zusammenstellung ersichtlich ist, hat man 
in der ganzen Welt in den letzten Jahrzehnten eine Abnahme 
der Sterblichkeit an Tuberkulose und eine Steigerung 
der Krebstodesfälle beobachten können. Nur Norwegen 
macht eine Ausnahme von dieser allgemein anerkannten Tatsache. 

Es starben von 10000 Lebenden: 



Ort 



Preußen 



England 



Dänemark 



Schweden 



Italien 



Schweiz 



Nordamerika 



Neu-Südwales 




1904 1) 
1905 2 ) 
1907 3 ) 
1908 
1909 

1838 4 ) 

1903 

1903 

1887 5 ) 
1900 

1887 6 ) 
1900 

1897 7 ) 
1905 

1889 8 ) 
1898 

1890 9 ) 
1900 

1871— 1875 10 ) 
1896—1898 



an Tuberkulose 



an Krebs 



19,21 
19,13 
17,16 
16,46 
15,54 

38,00 
11,90 
11,40 

30,00 (1870—74) 
15,00 

28,00 
17,00 

12,2 

11,8 

23.4 (1876—80) 
18,9 

24,54 
19,05 

9,2 
7,9 



6,26 
6,29 
6,62 
6.65 
7;54 

1,60 

8,70 



10,90 
13,00 

8,00 (1875—79) 
10,20 

4,58 
5,80 

11,44 
13,24 

4,79 
6,00 

280 

5,7 (1900) 



1 ) Das Gesundheitswesen des Preußischen Staates im Jahre 1904. Berlin 
1906 (429 S. und 63 S. Tabellen). 

2 ) Ibidem, 1905. 

3 ) E. Behla, Krebs und Tuberkulose in vergleichend statistischer Beziehung 
(Medizinalstatistische Nachrichten 1910, S. 167). 

4 ) Cfr. Boger Williams, 1. c. S. 19 (p. 59). 

5 ) Cfr. S. 160. 

6 ) Cfr. S. 158. 

7 ) Cfr. S. 167. 

8 ) Cfr. S. 175. 

9 ) Cfr. S. 182. 

10 ) Cfr. Boger Williams, 1. c. S. 19 (p. 77), efr. auch S. 192. 






Wirkliche oder scheinbare Zunahme der Krebskrankheit'? 



199 



Wie wir schon vorhin erwähnt haben, macht Norwegen eine 
Ausnahme von der allgemein beobachteten Erscheinung, daß die Todes- 
fälle an Tuberkulose abnehmen und die Krebstodesfälle zunehmen. 

Es starben nämlich in Norwegen*) von je 10000 Lebenden 



1 Pers. an Tuberkulose und 3,3 Pers. an Krebs 

4. 3 

» » ii *?" ii ii ii 



11 


„ 4,2 


11 


„ 5,8 


M 


„ 8,5 



im Jahre 1865 = 
„ „ 1870 = 8,9 

n 1880 = 13,7 

n 1890 = 15,4 

„ 1897 = 19,6 

In den Hauptstädten europäischer Länder tritt die 
Wechselwirkung zwischen Krebs und Tuberkulose ebenfalls deutlich 
in Erscheinung. 

Es starben von 10000 Lebenden 



Ort 



Berlin *) 



London 2 ) 



Wien 



Zeit 



an 
Tuberkulose 



an 

Krebs 



1875 
1899 

1860 
1880 
1890 
1900 
1905 

1875 
1900 



31,0 (1876) 
19,0 (1901) 

28,6 
25,1 
20,9 
18,3 
14,2 

76,3 (1872—1876) 
46,7 (1897—1900) 



5,7 
10,9 

4,2 
5,5 

6,8 
9,5 
9,3 

10,7 
12,1 



Nun behauptet Carl Maeder, 4 ) daß in Preußen zwar eine Ab- 
nahme der Todesfälle an Tuberkulose festgestellt ist, daß aber die 
Zunahme der Krebssterblichkeit nicht auf die Abnahme 
der Tuberkulosesterblichkeit zurückgeführt werden 
könne. 

Auf einen Krebstodesfall entfielen z. B. in der Zeit von 1891 bis 
1896 durchschnittlich jährlich = 4,7 Todesfälle an Tuberkulose. Die 
Abnahme der Tuberkulosesterblichkeit beträgt pro Jahr = 0,18 °/ und 
könnte also höchstens eine Steigerung der Krebssterblichkeit von 
0,0041 / bewirken, in Wirklichkeit aber beträgt die Zunahme der 
Krebssterblichkeit = 0,115°/ o ! 

Daß trotzdem gewisse Beziehungen zwischen der Tuberkulose- 
und Krebssterblichkeit bestehen, geht aus vielen Einzelunter- 
suchungen über die Sterblichkeitsverhältnisse in einigen 
deutschen Städten hervor. 

Schon M. Roth 5 ) hat z. B. für den Ort Lenggries (Ober- 
bayern) für die Zeit von 1806—1885 eine Zusammenstellung der 
Krebs- und Tuberkulosetodesfälle veröffentlicht: 



*) Cfr. Geirsvold, 1. c. S. 9 (p. 22). 

1 ) Cfr. S. 118. 

2 ) Cfr. Roger Williams, 1. e. S. 19 (p. 60), cfr. auch S. 152. 

3 ) Cfr. S. 172. 

4 ) Zeitschr. f. Hygiene, Bd. 33, 1900, S. 235. 

5 ) Friedreich's Blätter f. gerichtliche Medizin 1889, S. 26. 



200 II. Spezielle statistische Untersuchungen über die Krebskrankheit. 
Krebs- und Tuberkulosesterblichkeit in Lenggries (1806—1885). 



Zeit 


Todesfälle Krebs- ^uber- 
überhanp^todesflUle J^ e 


Auf 100 Todesfälle . A » f , 100 Todesfalle 

überhaupt, entfielen U ^IT ' ^^ 

Krebstodesfälle j Tuberkiilosetodes- 


1806—1825 
1826—1845 
1846—1865 
1866-1885 


956 

933 

1003 

1222 


15 
51 
69 
59 


69 

92 

114 

112 


1,6 
5,5 

6,8 
4,8 


7,2 

9,8 

11,3 

9,2 


Ueberhaupt 


4114 


194 


387 


4,7 


9,4 



Wir ersehen auch aus dieser Tabelle, die ältere Zeitepochen umfaßt, 
daß die Zunahme der Krebssterblichkeit zwar mit einer Steigerung 
der Tuberkulosesterblichkeit einhergeht, daß aber die Xrebssterblich- 
keit in dieser Zeit von 1,6 auf 4,8 °/ aller Todesfälle, die Tuber- 
kulosesterblichkeit aber nur von 7,2 auf 9,2 °/ gestiegen ist. 

Auch die neueren, statistischen Untersuchungen von R. Behla 1 ) 
haben ergeben, daß Bezirke, die eine niedere Krebssterb- 
lichkeit besitzen, eine höhere Tuberkulosesterblichkeit 
aufweisen. 

Es starben z. B. von 10000 Lebenden im Jahre 1908 (cfr. auch 
S. 114 ff.) 



in Münster an Krebs = 3.85, an Tuberkulose 
,, Oppeln „ „ =4,13, „ 
„Trier „ „ =4,48, „ 



='20,11 Personen 

= 18.53 

= 17,20 ,; 



Dieselbe Beobachtung hat auch schon Spencer- Wells 2 ) in 
bezug auf das Verhältnis zwischen Tuberkulose und Krebs in 
England gemacht; denn in diesem Lande waren ebenfalls diejenigen 
Gegenden, die eine große Tuberkulosesterblichkeit aufwiesen, wenig 
vom Krebs heimgesucht und umgekehrt. 

In Norwegen hingegen ist, wie schon Kiaer 3 ) hervorgehoben 
hat, die Tuberkulose häufiger in der Küste ngegend und in 
den tiefer gelegenen Tälern verbreitet, der Krebs aber mehr im 
Innern und in den höher gelegenen Ortschaften. 

Zwischen der Verbreitung der Tuberkulose und der Krebskrank- 
heit war in Norwegen ein bestimmtes Verhältnis nicht 
nachzuweisen. 

Beide Krankheiten kommen, nach Kiaer, in einzelnen Distrikten 
zahlreich vor, in anderen wieder weniger.*) 

In Christians and ist z. B. die Tuberkulosesterblichkeit am 
größten von allen Stiften, während Krebstodesfälle nur sehr selten 
vorkommen. 

Insofern müssen wir nun C. Mae der (cfr. S. 199) Recht geben, 
daß die Abnahme der Tuberkulosesterblichkeit nicht die einzige 
Ursache für die Zunahme der Krebstodesfälle bildet, sondern daß 
auch noch andere Faktoren in Betracht kommen. 



1 ) 1. c. S. 198. 

2 ) 1. c. S. 24. 

3 ) 1. c. S. 9. 

*) Cfr. auch: Andvord, Studien über die Häufigkeit der Tuberkulose in Nor 
wegen (Norsk Magazin for Laegevidenskaben 1895, p. 1013). 



Wirkliche oder scheinbare Zunahme der Krebskrankheit? 201 

Es läßt sich auch nicht von der Hand weisen, daß in der letzten 
Zeit eine wirkliche Zunahme der Krebserkrankungen, besonders 
des Verdauungskanals, stattgefunden hat, obwohl der Beweis 
hierfür sehr schwer zu erbringen ist, jedenfalls ist die wirkliche 
Zunahme nicht eine derartig große, daß eine Be- 
unruhigung der Menschheit gerechtfertigt erscheint. 
Wir schließen uns vollständig dem Ausspruch von deBovis 1 ) an: 
„Oet accroissement est peut-etre reel, mais les alarmes 
exprimees sont sans doute absolument hors de Pro- 
portion avec lui." . 



*) Sem. medic. 1902, No. 39. 



III. 

Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Allgemeines über den Tierkrebs, 

Geschichte des Tierkrebses: Erste wissenschaftliche Grundlage für eine Tier- 
pathologie durch Dupuy. Pathologisch - anatomische Unter- 
suchungen von Ga spar in. Aeltere Beschreibungen von Krebsgeschwülsten 
bei Haustieren. Untersuchungen von Leblanc. Nachweis von echten 
Carcinomen bei verschiedenen Tierarten. Das Trauma als ätio- 
logische Ursache. Vorkommen von Krebs bei wildlebenden Tieren 
und Vögeln. Fleisch- und Pflanzenfresser. Salztheorie und 
Tierkrebs. Statistische Versuche. 



Krebserkrank nng bei Haussäugetieren. 

Hund: Statistik. Alter. Verhältnis der gutartigen Geschwülste zu den 
bösartigen. Sarkome und Carcinome. 

Lokalisation der bösartigen Geschwülste. 

Seltenes Vorkommen von Krebs des Verdauungskanals. 

Urogenitalsystem : 

Mammacarcinome : Vorkommen bei beiden Geschlechtern. Meta- 
stasen. Sarkome der Mamma. Mischgeschwülste. Gutartige Mamma- 
geschwülste. 

Genitalien: Carcinome der Vagina. Mischgeschwülste an der Vagina. 
Uebertragungsversuche. Sarkome der Vagina. Gutartige Geschwülste. 
Bösartige Uterusgeschwülste. Ovarialcysten. Bösartige Geschwülste 
der männlichen Genitalien. Prostata-, Hoden-, Peniscarcinome. 

Uropoetisches System: Blasencarcinome mit Metastasen. Leio- 
myome der Blase. Peritheliom der Niere. Carcinom der Ureteren. 

Digestionsapparat : 

Oesophaguscarcinome. Eelative Immunität gegen Magenkrebs. Sarkome 
des Magen-Darmtractus. Häufigkeit des Anuskrebses. Uebergang von 
Adenom in Carcinom. Entwicklungsgeschichtliche und histo- 
logische Untersuchungen. Bösartige Darmgeschwülste. 

Maligne Lebergeschwülste. Leberadenome und Lebercirrhosis 
Histologische Untersuchungen. Maligne Pancreasgeschwülste. 

Respirationssystem : 

Statistik. Primäre Lungen carcinome. Histologische Untersuchungen 

Maligne Erkrankungen der Struma. Metastasen. Parathyreoidkrebs. 

Zentralnervensystem: Bösartige Tumoren im Rückenmark und Gehirn 

Cutis und Extremitäten: 

Statistik. Vorkommen von bösartigen Geschwülsten am Kopf, Kiefer 
und Zahnfleisch. Sarkomatöse Erkrankungen der Extremitäten. 

Drüsen : 

Maligne Erkrankungen der Lymphdrüsen. Adenome der Schweiß- 
und Talgdrüsen. Histologische Untersuchungen. Leukämie und 
Pseudoleukämie. Lymphadenie. 



206 HI- ^ er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Pferd: Statistik. Lokalisation der bösartigen Geschwülste. Ueber wiegen 
der sarkomatösen Erkrankungen. Lieblingssitz. Alter. 

Respirationssystem : 

Häufigkeit der Erkrankung der N a s e n - und Kieferhöhlen. Aeltere 
Beobachtungen. Sarkome. Platten- und Zylinderepithelkrebse. 

Seltene Erkrankung des Kehlkopfs. 

Primärcarcinome der Lunge: Klinische Erscheinungen. Histo- 
logische Untersuchungen. Metastasen. Lungensarkome. Pleura- 
geschwülste. 

Genitalien : 

Häufigeres Vorkommen von malignen Geschwülsten beim männlichen 
als beim weiblichen Tiere. Peniskrebs beim Wallach. Ursachen. 
Verschiedene Krebsformen. Hoden- und Prostata krebs. 

Vulvakrebs. Kontaktinfektion. Kasuistik. Krebs der Vagina. 

Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten des Uterus und 
variums. 

Seltenheit der Mammae arcinome. 

Uropoetisches System: 

Krebs der Harnblase. Kasuistik. Klinische Erscheinungen. Patho- 
logische Anatomie. Metastasen. Sarkome, Papillome und Fibrome der 
Harnblase. 

Sarkome und Carcinome der Niere und Nebenniere. 

Digestionsapparat: 

Carcinom der Lippe. Aetiologie. Papillomatöse Wacherungen. 
Zylinderepithelcancroid und Plattenepithelkrebs des Zahnfleisches. 

Seltene Erkrankung der Zunge. Immunität des Oesophagus. 

Magenkrebs: Eigenartige, pathologisch-anatomische Befunde. Kasuistik. 
Myomgeschwülste. Lokalisation an der Cardia. Parasiten und 
präcanceröse Erkrankung. Maligne Darmgeschwülste. Carcinome, 
Adenome und Sarkome. Polyposis adenomatös a. Maligne Leber- 
geschwülste. Adenome der Gallengänge. 

Endotheliome des Peritoneums. 

Maligne Geschwülste der Schilddrüse und der Milz. Primäre, maligne 
Geschwülste der Lymphdrüsen. 

Zentralnervensystem : 

Sarkome der Dura, Papillome der Pia. Psammome. 

Auge: 

Sarkome der Orbita. Carcinome der Augenlider. Epitheliome der Con- 
junetiva und Sclerotica. 

Haut und Extremitäten: 

Aetiologische Ursachen. Papilläre Excrescenzen. Sarkome am 
Kopf. Huf- und Strahlkrebs. Klinische Erscheinungen. Anatomische 
und histologische Untersuchungen. Parasitäre Erkrankung? 

Allgemeine Carcinomatose. Gutartige Geschwülste. 

Melanotische Geschwülste: Vorkommen bei Schimmeln. Statistik. 
Heredität und Alter. Lokalisation und Lieblingssitz. Kasuistik. Klinischer 
Verlauf. Anatomische Struktur. Beschaffenheit des Pigments. Unterschied 
von der menschlichen Melanose. 

Esel und Maulesel: 

Aeltere Beobachtungen über Vorkommen von malignen Geschwülsten. 
Neuere Kasuistik. 

Rind: Statistische Untersuchungen. Häufigkeit der malignen Leber- 
geschwülste. Alter. Lokalisation. 

Genitalien : 

Maligne Uterusgeschwülste. Statistik. Metastasen. Anatomische 
Formen. 

Krebsgeschwülste des variums und der Vulva. Kasuistik. 

Harnorgane : 

Sarkome der Harnblase. Carcinome und Hypernephrome der Nieren. 



Allgemeines über den Tierkrebs. 207 

Verdauungskanal : 

Bösartige Geschwülste der Lippe und der Zunge. Immunität des 
Oesophagus gegen Carcinom. Papillomatöse Excrescenzen der 
Schleimhaut. Histologische Untersuchungen. Mannigfache Formen der 
Excrescenzen. 

Häufigeres Vorkommen der Magensarkome. Kasuistische Mitteilungen 
über Carcinome in den verschiedenenen Magenabschnitten. Ulcus 
carcinomatodes scirrhosum. Histologische Untersuchungen. Mannig- 
fache Sarkomarten am Psalter. Papillomatöse Wucherungen. Scirrhus 
des Labmagens. Histologische Untersuchung. 

Maligne Darmgeschwülste: Sarkome. Mannigfache Formen der- 
selben. Pathologisch-anatomische Untersuchungen. Darmpolypen. 

Maligne Lebergeschwülste: Häufigkeit dieser Geschwülste. Histo- 
logische Untersuchungen der primären Lebercarcinome. Lebersarkome und 
Leberadenome. Infektionsgeschwülste ? 

Respirationssystem : 

Statistik. Kasuistik. Unterscheidung von Actinomycosis. Sarkome der 
Trachea. 

Zentralnervensystem: Seltenes Vorkommen. Sarkome des Kückenmarks. 

Lymphdrüsen: Rundzellensarkome. 

Extremitäten : 

Kiefersarkome. Aeltere Kasuistik. Verwechslung mit Actinomycosis. 
Sarkome des Jochbeins. 

Melanosarkome : Lokalisation. 

Auge: Sarkome der Orbita. Endemisches Vorkommen. Ge- 
schichte der endemischen Augenerkrankungen. Erkennung des sarkomatösen 
Charakters durch Blanche. Vorkommen in einzelnen Ländern. Statistische 
Untersuchungen. Ausgangspunkt der Geschwülste. Einfluß der Rasse auf 
die Erkrankung. Unterschied des endemischen Vorkommens zwischen Mensch 
und Rind. Parasitäre Hypothese. Hereditärer Einfluß. 

Cornua cutanea: Sitz und Größe dieser Geschwülste. Histologie dieser 
Tumoren. Vorkommen bei anderen Tieren. 

Kalb : Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Kasuistische Mitteilungen. 

Schaf: Statistik. Häufigeres Vorkommen von malignen Lebergeschwülsten. 
Primäre Lungencarcinome. Endotheliome des Oberschenkels. 
Sarkom des Herzens. Allgemeine Lymphosarkomatose. 

Ziege: Relative Immunität. Mammacarcinom. 

Schwein: Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Häufige Lokalisation 
in der Niere. Carcinome, Sarkome und Mischgeschwülste der Niere. Histo- 
logische Untersuchung der sarkomatösen Niere. 

Kasuistische Mitteilungen über maligne Geschwülste an anderen 
Organen. 

Katze : Statistik. Häufigkeit der Mammacarcinome. Kasuistische Mitteilungen. 
Histologische Untersuchungen. Lungenmetastasen bei Mammacarcinomen. 
Klinische Erscheinungen. Wachstum. Epithelioma mammaire metatypique. 

Genitaltractus: Primärkrebs des Ovariums. Sarkome der Ovarien. 

Respirationssystem: Primäre Lungencarcinome. Verschiedene 
Formen. Histologische Untersuchungen. 

Digestionstractus : Aeltere Mitteilungen über Lippenkrebs. Fall 
von Zungenkrebs. Anatomische und klinische Erscheinungen. 

Maligne Geschwülste der Parotis. Adenome der Leber. Ueb er- 
gang von Leberadenom in Lebercarcinom. 

Maligne Geschwülste an sonstigen Organen: Sarkome des Bulbus 
und am Ohre. Gutartige Geschwülste. 



208 IH- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Allgemeines über den Tierkrelbs, 

Eine Tierpathologie im wissenschaftlichen Sinne hat es bei den 
Alten nicht gegeben. Infolgedessen finden wir auch bei den alten 
Schriftstellern gar keine Angaben über Geschwülste bei Tieren. 

Bis in das 18. Jahrhundert hinein war man der Ansicht, daß 
Krebs beim Tiere überhaupt nicht vorkommt, da die Tiere 
nicht so alt werden, und Krebs nur eine Krankheit des vorge- 
schrittenen Alters sei.*) 

Man wurde in dieser Ansicht noch bestärkt durch die mißlungenen 
Versuche den Menschenkrebs auf Tiere, besonders auf Hunde,**) zu 
übertragen. 

Noch im Jahre 1817 behauptete Ernst Friedrich August 
Baumann, 1 ) daß Tiere nicht an Krebs erkranken. 

Die erste wissenschaftliche Grundlage für eine Tierpathologie 
hat Dupuy 2 ) in Alf ort geschaffen, der die tuberkulöse Er- 
krankung der Tiere erkannte und beschrieb, allerdings nur sehr ober- 
flächlich und unbestimmt, indem er Bezeichnungen, wie Pulmonie', 
Gourme (Schorf), Farcin (Rotz), Pommeliere (Lungenschwindsucht) usw. 
für tuberkulöse Erkrankungen anwandte. 

Es ist deshalb auch sehr schwer zu entscheiden, ob es sich bei 
den von Dupuy beschriebenen Krebsgeschwülsten des 
Pferdes***) auch wirklich um echte Carcinome gehandelt hat. 

Wesentlich gefördert wurde die Tierpathologie, und ins- 
besondere auch die Onkologie, durch die pathologisch-ana- 
tomischen Untersuchungen von Gasparin,*) der zu derselben 
Zeit wie Dupuy, schon sehr genau beim Pferde die käsigen 
Massen der Tuberkulose von dem Carcinom, das besonders häufig 
in der Nasenschleimhaut des Pferdes lokalisiert wäre, unterschied. 

Schon Gasparin machte die Beobachtung, daß von allen Haus- 
tieren der Hund am meisten zur Krebserkrankung disponiert ist, das 
Pferd weniger, aber immer noch mehr als Hornvieh. Auch beim 
Schwein hat Gasparin hin und wieder eine Krebserkrankung be- 
obachtet. 

Auch Vautier 4 ) beschreibt bereits eine Krebserkrankung beim 
Hunde, die jedoch nicht ganz einwandfrei ist. 

In den folgenden Jahrzehnten schenkte man nun auch den bei 
Tieren vorkommenden Geschwülsten mehr Aufmerksamkeit, und 
in den Arbeiten von Hurtrel d' Arboval, 5 ) C. F. Heusinger 6 ) 



*) Cfr. z.B. Blumenbach, Med. Bibliothek. Güttingen 1783, Bd. I, S. 655. 
**) Cfr. auch Bd. I, S. 65; Bd. II, S. 28. 
*) Ueber den Krebs im allgemeinen nebst Anzeige eines sehr wirksamen, bisher 
geheim gehaltenen Mittels gegen den Lippen- und Gesichtskrebs insbesondere. 
Leipzig 1817. 

2 ) Traite de l'affection tuberculeuse. Paris 1817. 
***) Ibidem, p. 105, 178, 2C0, 265 usw. 

8 ) Manuel d'art veterin. Paris 1817 fart. „Cancer et Squirrhe" p. 71). 

4 ) Vues generales sur les affections cancereuses. These de Paris 1813. 

5 ) Dict. de Med. de Chirurgie et d'Hygiene veterin. Paris 1838, 2. Edit., 
T. I, p. 291. 

6 ) Recherches de Pathologie comparee. Kassel 1844. 



Allgemeines über den Tierkrebs. 209 

und besonders von C. Leblanc 1 ), dem größten Tierarzte aus dieser 
Zeitepoche, findet man vielfach Angaben über Krebsgeschwülste 
bei Haustieren. 

Leblanc hatte sich ganz besonders eingehend mit der Krebs- 
erkrankung der Tiere beschäftigt und nicht nur beim Pferd, sondern 
auch beim Esel, Rind, Schwein, bei der Katze und beim 
Kaninchen krebsartige Geschwülste beobachtet und beschrieben. 
Krebserkrankungen kommen, nach Leblanc, nicht nur bei Haus- 
tieren, sondern auch bei wildlebenden Tieren vor; auch bei 
Vögeln soll M. C. Rousseau, nach den Angaben von Leblanc, 
Krebsgeschwülste beobachtet haben. 

Leblanc machte auch die Beobachtung, daß die Krebserkrankung 
bei Fleischfressern, besonders an den Genitalien, häufiger 
vorkommt als bei den Pflanzenfressern, und daß das Pferd 
am meisten an melanotischem Krebs und das Rind an Knochen- 
krebs zu erkranken pflegen. 

Entsprechend dem Stande der Kenntnisse von der Krebskrankheit 
zu dieser Zeit überhaupt, mögen wohl auch vielfach Verwechslungen 
von tuberkulösen und anderen Erkrankungen mit Carcinom bei Tieren 
vorgekommen sein ; aber auch späterhin, als man das Carcinom besser 
zu diagnostizieren verstand und von anderen Geschwülsten zu trennen 
imstande war, blieb die Tatsache bestehen, daß auch bei Tieren 
echte Carcinome vorkommen. 

Insbesondere hat schon Adolf Hannover 2 ) auf Epitheliom- 
erkrankungen der Genitalien und der Füße*) beim Pferde 
hingewiesen. Auch beim Hunde hat Hannover diese Erkrankung 
beobachtet. 

Was Hannover unter „Epitheliom" verstand, haben wir schon 
früher ausführlich erörtert.**) 

Auch in ätiologischer Beziehung hat bereits Josef Engel 3 ) 
darauf aufmerksam gemacht, daß, ebenso wie in der menschlichen 
Pathologie, das Trauma eine wesentliche Ursache für eine Krebs- 
entwicklung beim Tiere bilde, wie er in einem Falle bei einem 
Pferde zu beobachten Gelegenheit hatte, bei dem infolge eines 
Stoßes sich eine krebsartige Geschwulst entwickelte. 

Wir haben schon an einer früheren Stelle ***) darauf hingewiesen, 
daß, gelegentlich der Diskussion über den „Pseudocancer^ in der 
Pariser Akademie der Medizin im Jahre 1854, Delafond über sehr 
bösartige Epithelgeschwülste beim Esel und Maulesel berichtete. 

Auch bei der Kuh sind schon in den früheren Jahrzehnten bös- 
artige Geschwülste beobachtet worden, von Theodor Meyer 4 ) z.B. 
eine carcinom at ose Leber und von Cooper (Chatteris) 6 ) in 
drei Fällen bösartige Geschwülste, die ihren Sitz an der Parotis, 
Submaxilla rdrüse und an der Zunge hatten. 

*) Clinique veterinaire 1843 (cfr. auch: Eriinb. veterinary Review 1859, Vol. II, 
p. 420 und: Kecueil de Med. veterin. prat. 1863, p. 737). 

2 ) Das Epithelioma. Eine eigentümliche Geschwulst, die man im allgemeinen 
bisher als Krebs angesehen hat. Leipzig 1852 (149 S. nebst 2 lithographischen Tafeln). 

*) Von den Tierärzten zu dieser Zeit auch „Strahlkrebs" genannt. 
**) Cfr. Bd. I, S. 137 ff.; Bd. II, S. 198 ff. 

3 ) Oesterreich. med. Wochenschr. 1842, Nr. 9. 
***) Cfr. Bd. 1, S. 212. 

4 ) Untersuchungen über das Carcinom der Leber und einiger anderer pathol.- 
anat. Abnormitäten desselben Organs. I.-D. Basel 1843 (62 S. u. 1 Tafel) p. 56. 

5 ) The Veterinarian. London 1869, Vol. 42, p. 518. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 14 



210 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Daß auch wildlebende Tiere an Krebs erkranken können, hat, 
wie wir schon vorhin erwähnten, bereits Lebl an c beobachtet. Nach 
Michel 1 ) (Straß bürg) käme diese Erkrankung besonders dann 
vor, wenn diese Tiere in der Gefangenschaft in Käfigen gehalten 
würden, wo sie träge und überfüttert würden; denn, nach der 
Behauptung von Michel, disponiere Trägheit und Völlerei zur Krebs- 
erkrankung. 

Bisher war man der Ansicht gewesen, daß die Krebserkrankung 
nur bei Säugetieren vorkomme, die vorhin erwähnte Beobachtung 
von Rousseau (cfr. S. 209) über Krebserkrankung bei Vögeln 
wurde nicht als beweiskräftig angesehen. 

Auch Robert Mitchell 2 ) und Fabre Domergue 3 ) vertraten 
noch diese Anschauung, indem sie behaupteten, daß Krebs bei Vögeln, 
Fischen und Reptilien nicht vorkomme. Allein, diese Ansicht ist eine 
durchaus irrige; denn, wie wir sehen werden, sind auch bei diesen 
Tierklassen in neuerer Zeit krebsartige Geschwülste beobachtet worden. 

Bis in die Neuzeit hinein behaupteten viele hervorragende Tier- 
pathologen, daß bei den Säugetieren fast ausschließlich die 
Fleischfresser von der Krebskrankheit heimgesucht würden, und 
daß Pflanzenfresser nur äußerst selten an Krebs erkranken. 

Diese Anschauung verteidigte z. B. noch Johne. 4 ) 

Man glaubte in dieser Beziehung eine Analogie zwischen der 
Verbreitung des Menschen- und Tierkrebses zu finden (cfr. S. 12). 

Allein, ebenso irrig wie die Ansicht, daß die Krebserkrankung 
bei den vegetarianisch lebenden Menschen gar nicht oder nur 
sehr selten vorkomme,*) ist auch die Behauptung, daß die pflanzen- 
fressenden Tiere gar nicht oder nur sehr selten krebsig erkranken. 
Wie wir noch späterhin erörtern werden, kommt Krebserkrankung bei 
Pflanzenfressern fast ebenso häufig vor als bei Fleischfressern. 

Ebenso haltlos ist auch „Braithwaite's Salztheorie" 
(cfr. S. 12)**) in bezug auf die Erkrankung der Tiere an Krebs. 

Die Annahme, daß wilde Tiere deshalb nicht an Krebs er- 
kranken, weil sie kein Salz fressen, ist, wie wir sehen werden, 
eine irrige, ebenso falsch ist auch die Behauptung, daß Schafe nie 
an Krebs erkranken, obwohl sie täglich 4—6 g Salz verzehren. 

In der Neuzeit haben sich nun die Beobachtungen über Krebs- 
erkrankung der Tiere derartig gehäuft, und die Literatur hat einen 
solchen Umfang angenommen, daß bereits Monographien, die aus- 
schließlich Geschwulstbildungen bei Tieren behandeln, er- 
schienen sind.***) 

1 ) Mem. de l'Acad. imper. de Med. 1857, Vol. XXI, p. 241. 

2 ) A general and historical treatise on Cancer Life, its Causes, Progress and 
Treatment. London 1879 (8°, 193 S.). 

3 ) Les Cancers epitheliaux. Paris 1898. 

4 ) Birch-Hirschfeld: Lehrbuch der allg. pathol. Anatomie. Leipzig 1886, 
p. 168. 

*) Cfr. auch Bd. II, S. 86, 88 usw. 
**) Cfr. auch Bd. II, S. 85 u. 498. 

***) Cfr. z. B. M. Casper, Pathologie der Geschwülste bei Tieren. Wies- 
baden 1899. Lubarsch-Ostertag. Ergebnisse der allg. Pathologie, Jahrg. III, 
1898, 2. Abt., S. 574; Jahrg. XI, Abt II, 1907. Cadiot, Etudes de Pathologie et 
de Clinique. Asselin et Houzeau edit. Paris 1899 (Zusammenstellung der Literatur von 
1858 — 1899). C. 0. Jensen, Der Krebs der Haustiere (8. internationaler tierärzt- 
licher Kongreß, Budapest 1905). Gabriel Petit [Alfort] (II. Internationale Krebs- 
konferenz, Paris 1910, S. 207; Fortsetzung der Literaturangaben von 1898—1910). 






Krebserkrankung bei Haustieren (Hund). 211 

Ein Versuch auf statistischem Wege eine Übersicht über 
die Häufigkeit des Tierkrebses zu gewinnen, den v. Wasiliewski 1 ) 
in Baden unternommen hat, ist nicht geglückt. Man konnte nur 
ganz allgemein feststellen, daß der Tierkrebs, ebenso wie der Menschen- 
krebs, in Südbaden häufiger vorkommt, als im Norden und in der 
Mitte des Landes (cfr. auch S. 134). Man ist in dieser Beziehung 
auf die zufällige Beobachtung und auf die Ergebnisse aus den 
tierärztlichen Instituten angewiesen, so daß wir zurzeit zu- 
verlässige Angaben über die wirkliche Verbreitung des Tierkrebses 
nicht besitzen. 



Krebserkrankung bei Säugetieren (Haustiere). 

Hund. 

Unter den Haustieren, deren Krebserkrankung bisher aus 
naheliegenden Gründen am besten erforscht ist, scheint der Hund 
am häufigsten an Krebs zu erkranken, eine Erscheinung, auf die 
auch schon Gasparin (cfr. S. 208) hingewiesen hat. 

In neuerer Zeit ist auch diese Beobachtung von A. S t i c k e r 2 ) 
bestätigt worden; denn auf 766krebskranke Hunde kamen 332 krebs- 
kranke Pferde, 78 Rinder, 21 Katzen, 12 Schweine und 8 Schafe bzw. 
Ziegen. 

Krebserkrankungen kommen beim Hunde im allgemeinen viel 
häufiger vor als beim Menschen; denn von 60471 in der 
Berliner tierärztlichen Hochschule in der Zeit von 1886 — 1894 
behandelten Hunden waren, nach Fröhner, 3 ) 2871 geschwulst- 
krank, darunter 1154 krebskrank, d. h. 1,9% aller behandelten Hunde. 

Unter 15455 von A. Sticker 2 ) in der Zeit von 1886-1900 
behandelten Hunden litten 465, d. h. 3 % a ^ er behandelten Hunde 
an Krebs. 

Noch viel größer war der Prozentsatz der Krebserkrankung bei 
den zur Sektion gekommenen Hunden. 

Unter 1306 in der Zeit von 1886 — 1887 sezierten Hunden wurden, 
nach A. S t i c k e r , 72 = 5,5 °/ Carcinome gefunden, nach M. C a s p e r , 4 ) 
unter 702 im Berliner tierärztlichen Institut obduzierten Hunden 
51 Carcinome, d. h. 7 °/ und, nacn Semmer, 5 ) unter 3525 sezierten 
Hunden sogar 8°/ Carcinome. 

In bezug auf das Alter wiesen die Hunde in den Altersstufen 
von 7—8 Jahren das Maximum der Krebserkrankung auf. 



1 ) Internationale Hygieneausstellung. Dresden 8. Juli 1911. 

2 ) Ueber den Krebs der Tiere, insbesondere über die Empfänglichkeit der ver- 
schiedenen Haustierarten und über die Unterschiede des Tier- und Menschenkrebses. 
Berlin 1902. Cfr. auch: Archiv f. klin. Chirurgie, Bd. 65, 1902, S. 616 ff. (mit Lite- 
raturangaben über Kasuistik für die Zeit von 1853 — 1901). 

a ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, 1895, S. 1. 

4 ) Archiv f. Tierheilkunde, Bd. 19, 1893, S. 14. 

5 ) Cfr. Möller, Lehrb. d. allg. tierärztlichen Chirurgie und Operationslehre 1893. 

14* 



212 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Es befanden sich unter 65 Hunden von Casper und unter 
70 Hunden von Sticker im Alter von 

Unter 5 Jahren nach Casper— 10 oder 15 °/ , nach S t i c k e r = 14,3 °/ 
6-6 „ „ , =18 „ 28% „ „ = 25 °/ 

7-8 , „ „ =22 „ 34%, „ „ =28 °/ 

9-10 „ „ „ =12 „ 18%, „ , =20 % 

11 Jahren 
und darüber „ = 3 „ 4%, „ „ = 11,4% 

Beim Hunde sind, ebenso wie beim Menschen, fast alle bisher 
in der menschlichen Pathologie bekannten Geschwüste, 
sowohl gut- als auch bösartige, beobachtet worden, die bösartigen 
Geschwülste bilden jedoch, im Vergleich mit dem Verhältnis beim 
Menschen, von allen Geschwülsten beim Hunde die Haupterkrankung; 
denn, wie Fröhner 1 ) mitteilt, befanden sich unter 643 Tumoren, 
die in der Zeit von 1886 - 1894 beobachtet wurden, = 40 °/ Carcinome, 
nach v. Wasielewski 2 ) sind sogar 50°/ aller Hundegeschwülste 
bösartig. 

Wie wir schon vorhin erwähnt haben und bei der Erkrankung 
der einzelnen Organe des Hundes noch ausführlicher erörtern werden, 
kommen beim Hunde fast alle bisher beim Menschen beobachteten, 
bösartigen Geschwülste vor, nur daß, im Gegensatz zur mensch- 
lichen Pathologie, die Sarkome fast ebenso häufig oder sogar 
noch häufiger beim Hunde gefunden werden als die Carcinome. 

An C a r c i n o m erkranken, wie Seramer, 3 ) D i s s e 1 h o r s t 4 ) u. a. 
hervorheben, hauptsächlich nur die älteren Hunde, während bei 
jüngeren Hunden häufiger Sarkome vorkommen. Da nun die 
Tiere im allgemeinen, und die Haustiere insbesondere, kein hohes 
Alter erreichen, so beobachtet man im allgemeinen mehr sarko- 
matöse als carcinomatöse Erkrankungen. 

Nun mögen ja wohl, besonders in den älteren Zeitepochen, viel- 
fach Tuberkulose, Aktinomycosis und andere Erkrankungen als 
Sarkome beschrieben worden sein, allein, auch neuere Untersuchungen 
haben ergeben, daß die sar komatöse Erkrankung bei den Haus- 
tieren, und besonders beim Hunde, viel häufiger beobachtet wird 
als die carcinomatöse Aifektion. 

Unter den Haustieren neigt der Hund am meisten zur sar- 
komatösen Erkrankung. 

Unter 54 an Sarkom erkrankten Tieren befanden sich z. B., 
nach den Beobachtungen von Semmer, 5 ) 30 Hunde, 12 Pferde, 
4 Rinder, 2 Schweine, 6 Geflügel und außerdem 2 Fische. 

Unter 643 von Fröhner 6 ) bei Hunden operierten Neubildungen 
befanden sich 44 Sarkome. 

Auch Melanosarkome,*) E n d o t h e 1 i o m e , **) b r a n - 



1 ) 1. c. S. 211. 

2 ) Internationale Hygieneausstellung in Dresden 1911. 

3 ) Deutsche Zeitschr. f. Tiermedizin, Bd. 14, 1888, S. 245. 

4 ) Münchener med. Wochenschr. 1902, Nr. 8. 

5 ) Cfr. Nr. 3. 

6 ) 1. c. S. 211. 

*) Cfr. Bruckmüller, Lehrbuch der pathol. Zootomie. 
**) Cfr. Lienaux: Deux cas d'hemangio-endotheliome chez le chien (Jourii. 
med. de Bruxelles 1910, p. 257). 



Krebserkrankung bei Haustieren (Hund). 213 

chiogene Carcinome (von der Kiemenspalte ausgehend) *) und 
alle möglichen sonstigen Mischgeschwülste sind, neben gut- 
artigen Geschwulstformen,**) wie wir sehen werden, vielfach beim 
Hund beobachtet worden. 

Anders wie beim Menschen , gestaltet sich beim Hunde die 
Lokalisation der Krebserkrankung; denn, nach den Untersuchungen 
von A. Stick er, 1 ) betrafen unter 603 Krebserkrankungen beim 
Hunde = 92°/ die äußere Decke und nur 8°/ die inneren 
Organe, und zwar entfielen auf 

Mamma == 299 Carcinome 

Cutis = 143 „ 

Anus = 78 „ 

Allgemeine Carcinomatose — 39***) 

Auch nach den Beobachtungen von Fröhner 2 ) war der Haupt- 
sitz der Krebserkrankung beim Hunde die Cutis, niemals hat 
jedochFröhner beim Hunde, unter einem Material von 70000 kranken 
Tieren, ein Carcinom der Zunge oder des Magens beobachtet, 
obwohl, wie wir sehen werden, auch derartige Erkrankungen beim 
Hunde beschrieben worden sind. 

Ebenso hat M. Oasper 3 ) bei Tieren überhaupt, und insbesondere 
beim Hund, niemals ein echtes Pharynx- oder Oesophagus- 
carcinom gefunden. 

Die Behauptung von 0. Israel, 4 ) daß beim Hunde nur Cancroide 
und nicht echte Carcinome vorkommen, ist durch spätere Beob- 
achtungen wie wir sehen werden, widerlegt worden. 

Unter den Organsystemen sind die Krebserkrankungen des Uro- 
genitalsystems beim Hunde bisher am besten erforscht worden, be- 
sonders die Krebserkrankung der Mamma, da diese bisher am 
häufigsten beim Hunde beobachtet worden ist. -f) 

Mammacarcinome kommen bei der Hündin fast ebenso häufig vor 
wie beim Menschen, aber auch der männliche Hund zeigt, im 
GegensatzzumMenschen ,f f ) große Neigung zur Krebserkrankung 
der Mamma, f ff) 

Am häufigsten sind die h i n t e r e n Drüsen der Sitz der Erkrankung. 

Die Frage nun, ob der Tierkrebs überhaupt in kli- 
nischer und pathologisch-anatomischer Beziehung mit 
dem Menschenkrebs identisch ist, wird uns noch späterhin 
beschäftigen. 



*) Cfr. Gabriel Petit, Bullet, de la Soc. centr. de med. veterin. 1901, p. 468 
und: Kec. de Med. veterin. 1902, p. 673. 

**) Cfr. Karl Freese, Ueber abgekapselte Eutergeschwülste beim Hunde. 
I.-D. Leipzig 1905. 

1 ) 1. c. S. 211. 

***) Cfr. auch: Tabus so (Arch. scient. d. R. Soc. ed. Acad. vet. T. I). 

2 ) 1. c. S. 211. 

3 ) Archiv f. Tierheilkunde, Bd. 19, 1893, S. 14. 

4 ) Deutscher Chirurgenkongreß 1895. 

f) Cfr. z. B. Gratia und Lienaux (Annales de Med. vet. Bruxelles 1894). 
Fröhner (Monatshefte f. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 1). Monsarrat (Liverpool, 
med.-chir. Journ. 1900, Vol. XX, p. 132). Ball (Journ. de med. veter., 30. April 
1903). W. Stenzel, Ueber Angiome, Carcinome und Chondrome der Milchdrüsen 
der Haustiere. I.-D. Bern 1903 (cfr. auch: Arch. f. wissenschaftl. und prakt. Tier- 
heilkunde, Bd. 29). 

ff) Cfr. Bd. II, S. 1173. 
ttf) Cfr. J. F. Ortschild (John Hopkins Hosp. Bull. 1905, Vol. XVI, p. 185). 



214 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Zunächst handelt es sich darum, ob der Krebs beim Hunde auch 
Metastasen hervorruft. Diese Frage ist durchaus zu be- 
jahen; denn, nach den Untersuchungen von J. M. Fadyean, 1 ) ver- 
liefen unter 16 Carcinomen beim Hunde = 2 mit Metastasen 
und bei 7 Adenocarcinomen wurden sogar in 4 Fällen Meta- 
stasen beobachtet. 

Beim Mammacarcinom des Hundes hat schon Pütz 2 ) Meta- 
stasen in den Lungen auftreten sehen, und spätere Forscher 
wie Gabriel Petit 3 ) u. a. haben, wie wir sehen werden, diese Beob- 
achtung durchaus bestätigen können. 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß bei Tieren im allgemeinen 
Sarkomerkrankungen häufiger vorkommen als beim Menschen. 

Auch unter den malignen Erkrankungen der Mamma des Hundes 
findet sich ein hoher Prozentsatz von Sarkomen. 

Unter 18 Mammageschwülsten des Hundes fanden z. B. Cadiot 
und Roger 4 ) 11 Drüsencarcinome und 7 Sarkome. 

Unter den Carcinomen der Mamma kommen beim Hunde, 
ebenso wie beim Menschen, alle möglichen Formen vor. 

Am häufigsten hat man auch beim Hunde die a c i n ö s e Form des 
Mammacarcinoms beobachtet,*) aber auch tubulöse Formen,**) die 
oft mit Cystenbildung einhergehen, ferner Colloid krebse und 
melano tische Carcinome der Mamma mit Metastasen in der 
Lunge sind beim Hunde z. B. von Crisp 5 ) beschrieben worden. 

Auch bösartige Mischgeschwülste, wie z. B. ein pilzförmig 
wucherndes Sarkoepitheliom, haben Cornil und Gabriel 
Petit 6 ) an der Mamma des Hundes in einem Falle vorgefunden. 

Unter den Sarkomarten der Mamma beim Hunde ist, nach 
den Untersuchungen von Cadiot und Roger, 7 ) die Spindel- 
zellen form die vorherrschende, aber auch Rundzellen- und 
Riesenzellensarkome kommen, nach Untersuchungen von 
J. M. Fadyean, 8 ) an der Mamma des Hundes vor, ebenso, nach 
Rolleston, 9 ) cystische Chondrosarcome (mit Metastasen 
in der Leber und in der Milz) und nach W. S t e n z e 1 , 10 ) Karl 
Freese 11 ) u. a., verschiedene andere bösartige, sarkomatöse Misch- 
geschwülste, die auch bisher beim Menschen zur Beobachtung ge- 
kommen sind.***) 



*) The Practitioner 1899, p. 456. 

2 ) Berner Zeitschr. f. Tiermedizin 1877, S. 335. 

3 ) Bullet, de la Soc. centr. de Med. veter. 1902, No. 10. (Generalisation du 
Cancer de la mamelle chez la chienne et la chatte.) 

4 ) Cfr. Bouchard's: Traite de Pathol. gener. 1895, T. I. 

*) Cfr. auch Bd. II, S. 1119 ff. Cfr. auch: J. F. Ortschild, 1. c. S. 213. 
**) Cfr. Roger Williams, 1. c. S. 19 (p. 95). 

5 ) Transact. of the pathological Society. London 1848, Vol. II, p. 346. 

6 j Bullet, et Mem. de la Soc. anat. de Paris 1905, Vol. 80, p 137 und März 1906. 

7 ) Cfr. Nr. 4. 

8 ) The Journ. of comparat. Pathol. 1890, Vol. III. 

9 ) Transact. of the pathol. Society. London 1897, Vol. 48, p. 324. 
10 ) 1. c. S. 213. 

"') 1. c. S. 213. 
***) j n jüngster Zeit hat besonders Jean Clunet: Recherches experimentales 
sur les tumeurs malignes. Paris 1910 (8°, 336 S. mit vielen Abbildungen und Tabellen), 
S. 5 und 6 an der Mamma des Hundes zwei Mischgeschwülste von adenoma- 
tösem und cystischem Bau sehr sorgfältig histologisch untersucht und beschrieben. 






Krebserkrankung bei Haustieren (Hund). 215 

Ein Chondro-Osteosarkom an der Mamma des Hundes hat 
auch schon Virchow 1 ) beschrieben, und in neuerer Zeit haben 
Cornil und G. Petit 2 ) ein ossificierendes Chondrosarkom an 
der Mamma einer Hündin beobachtet, eine Geschwulst, die an der 
Mamma des Menschen bisher nicht bekannt war. 

Gutartige Geschwülste an der Mamma des Hundes, wie 
z. B. Enchondrome, Papillome und Osteoidtumoren waren bereits den 
älteren Eorschern bekannt.*) 

In neuerer Zeit sind auch Fibroadenome (Ortschild), 3 ) Chon- 
drome (Fadyean 4 ) und alle möglichen Cystenbildungen **) an 
der Mamma des Hundes beschrieben worden. 

Weit seltener sind nun bösartige Geschwülste an den Genitalieu 
des weiblichen Hundes zur Beobachtung gekommen, am häufigsten 
noch an den äußeren Genitalien. 

Spontantumoren der Vagina sind schon seit längerer Zeit be- 
kannt. Bereits Novinsky, 5 ) der sich, wie wir schon früher aus- 
einandergesetzt haben,***) sehr eifrig mit experimentellen Uebertragungs- 
versuchen des Krebses von Tier auf Tier beschäftigte, beobachtete 
an der Vagina einer Hündin eine Spontangeschwulst, die er für ein 
Myxosarkom hielt, eine Geschwulst, die auch schon vorher W. 
Kaschewarowa-Rudnewa 6 ) unter der Bezeichnung „Myxo- 
sarcomatodes medulläre" an der Vagina einer Hündin be- 
schrieben hatte. 

Späterhin hat dann Wehr 7 ) über ein medulläres Carcinom 
der Vagina bei einer Hündin berichtet, mit dem er ebenfalls Ueber- 
tragungs versuche anstellte, über deren Ergebnis wir bereits früher 
Mitteilung gemacht haben, f) 

Im allgemeinen werden, nach den Beobachtungen von Smith 
und Washbourn, 8 ) Powell White, 9 ) Sanfelice 10 ) u. a. mehr 
Sarkome, besonders Rundzelle nsarkome, als Carcinome an 
den Genitalien des weiblichen Hundes beobachtet ; ff) aber 
auch Carcinome mannigfacher Art kommen an der Vagina des 
Hundes vor. 

Außer der vorhin erwähnten Beobachtung von Wehr, finden wir 
noch Mitteilungen von F r ohne r ir ) über ein carcinomatöses, b 1 u m e n - 



1 ) Würzburger Verhandl. 1850, Bd. I, S. 137. 

2 ) Bullet, et Mein, de la Soc. anat. de Paris, Januar 1906. 

*) Cfr. z. B. J. W. Sibley (Transact. of the pathol. Soc. London 1858, 
Vol. XI, p. 460). 

3 ) 1. c. S. 213. 

4 ) 1. c. S. 214. 

**) Cfr. M. Casper (Lubarsch-Ostertag's Ergebnisse, Jahrg. III, 1898, 
Abt. II, S. 816 mit 76 Literaturangaben). 

5 ) I.-D. Petersburg 1877 (cfr. auch: Zentralbl. f. die med. Wissenschaft, 1876). 
***) Cfr. Bd. I, S. 532. 

6 ) Virch. Arch., Bd. 54, 1872. S. 73. 

7 ) Centr.-Bl. f. Chirurgie 1888, Nr. 24; 1889 Nr. 29 und: Arch. f. klin. Chirurgie, 
Bd. 39, S. 226. 

t) Cfr. Bd. I, S. 532. 

8 ) Brit. med. Journ., Dezemb. 1898. 

9 ) Ibidem, Juli 1902. 

10 ) Centr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 36, 1904, S. 528. 

ff) Cfr. auch: G. Petit und Coquot (Bullet, et Mein, de la Soc. anat. de 
Paris, Januar 1906 — Globocellularsarkom der Vulva mit Metastasen in der Leber). 

11 ) Monatshefte f. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 1. 



216 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

kohlartiges Gewächs an der Vagina einer Hündin und von Ball 1 ) 
über ein medulläres Carcinom an der Vagina einer 4jährigen 
Hündin, welches zu gleicher Zeit vergesellschaftet war mit tuber- 
kulösen Knoten in der Leber. 

Auch gutartige Geschwülste, wie z.B. Fibromyome, sind an 
der Vagina der Hündin von A u 1 1 o n und H o b d a y 2 ) beobachtet worden. 

Naturgemäß kommen bösartige Geschwülste der inneren Geni- 
talien des weiblichen Hundes nur selten zur Beobachtung, außer 
bei Sektionen oder bei den nur selten vorgenommenen Autopsien 
in vivo, gelegentlich von Operationen oder Vivisektionen. 

lieber ein weiches Carcinom des Uterus bei einer Hündin 
berichtete z. B. Bruckmüller. 3 ) 

Häufiger sind schon gutartige Uterusgeschwülste, wie z. B. 
Fibromyome, beobachtet worden. 

Ueber derartige Geschwülste machten Mitteilungen Keiffer, 4 ) 
G. A. Wagner, 5 ) E. H. Williams und Hobday 6 ) u. a. 

Bösartige Ovarialgeschwülste bei der Hündin sind bisher 
nicht zur Kenntnis gekommen, wohl aber finden sich in der tierärzt- 
lichen Literatur, wie Roger Williams 7 ) hervorhebt, vielfach Mit- 
teilungen über Ovarialcysten, die beim Hunde beobachtet worden 
sind und oft krebsig entarten.*) 

Weit häufiger als bei der Hündin findet man Krebserkrankungen 
der Genitalien bei dem männlichen Hund; denn, während A. 
Sticker seinerzeit im ganzen nur 14 Krebserkrankungen der 
weiblichen Genitalien (7 Carcinome der Vagina, 4 des Uterus und 
3 der Ovarien) aus der Literatur hatte zusammenstellen können, fanden 
sich über bösartige Geschwülste der Genitalien des männlichen Hundes 
bereits 52 Mitteilungen in der Literatur, und zwar waren in 19 Fällen 
die Testikel erkrankt, in 16 Fällen der Penis, in 11 Fällen die Pro- 
stata und in 6 Fällen das Scrotum. 

Teilweise mag wohl die größere Zahl der Beobachtungen über 
Krebserkrankung der Genitalien des männlichen Hundes auf die mehr 
sichtbaren und bei Erkrankung deshalb auch mehr der tierärztlichen 
Beobachtung zugänglichen Teile der Genitalien des männlichen Hundes 
zurückzuführen sein. 

Für die Krebserkrankung der Testikel beim Hunde spielt 
der Kryptorchismus dieselbe Rolle wie beim Menschen. **) Mehr- 
fach hat man auch beim Hunde, wie Fröhner 8 ) hervorhebt, eine 
Krebsentwicklung an dem retinierten Hoden beobachten können. 

Auch die maligne Hodenerkrankung des Hundes ist in der Regel 
sarkomatöser Natur. 



x ) Journ. de Med. veterin. et de zootechnie, 30. April 1903. 

2 ) Veterinary Journal, May 1905, p. 255. 

3 ) 1. c. S. 212. 

4 ) Bullet, de la Soc. belg. de Gyn. et d'Obstet. 1900, T. X, p. 231. 

5 ) Centr.-Bl. f. allg. Pathologie 1905, Bd. 16, S. 131. (Adenom mit papillären 
Wucherungen, ausgehend von den Drüsen der Uterusschleimhaut und sich vorwiegend 
in der Submucosa unter Verdrängung der Muscularis entwickelnd). 

6 ) Journ. of comp. Pathol. 1902, Vol. XV, p. 267. 

7 ) 1. c. S. 19 (p. 97). 

*) Cfr. auch G. Petit, Premier cas signale de kystes proliferes de l'ovaire 
chez la chienne (Bullet, de la Soc. centr. de med. veterin. et Soc. anat., Juni 1905). 
**) Cfr. Bd. II, S. 113 u. 1024. 

8 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 1. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Hund). 217 

Schon Siedamgrotzky 1 ) und späterhin Möller, 2 ) Schue- 
-macher 8 ) u.a. haben ausschließlich Medullarsarkome der 
Testikel beim Hunde beobachtet, und in jüngster Zeit hat 0. Künne- 
mann 4 ) unter 5 malignen Tumoren der Hoden beim Hunde 4 Sar- 
kome und nur 1 Carcinom gefunden. 

Daß auch die Hodencarcinome beim Hunde mit Metastasen- 
bildung verlaufen können, hat in einem Falle Le Calve 5 ) beob- 
achtet, wo Metastasen in der Leber vorgefunden wurden. 

Die malignen Erkrankungen des Penis beim Hunde sind in der 
Regel carcinomatöser Natur. Auch am Präputium des Hundes ist 
von Geißler 6 ) eine Carcinomentwicklung beobachtet worden; aber 
auch Sarkome, besonders Rundzellensarkome, kommen vor, wie 
A. St ick er 7 ) in einem Falle bei einem 7 Jahre alten Hunde fest- 
stellen konnte. 

An Prostatacarcinom erkranken, nach F r ö h n e r , 8 ) haupt- 
sächlich alte Hunde. Die Erkrankung verläuft klinisch unter 
dem Bilde hartnäckiger Obstipation, also anders wie beim 
Menschen.*) 

In neuerer Zeit beschrieb noch E. K. Cullen 9 ) ein Prostata- 
carcinom, welches er bei einem 12 jährigen Bernhardiner beobachtet 
hatte. 

Auch die malignen Erkrankungen des Scrotums beim Hunde 
haben in der Regel einen carcinomatösen Charakter, nur G. A. 
Leon 10 ) berichtet über ein melanotisches Sarkom am Scrotum 
eines Terriers, welches 12 Monate nach der Operation recidivierte. 

Krebserkrankungen des uropoetischen Systems sind beim Hunde 
nicht allzuselten beobachtet worden. 

A. Sticker 11 ) führt z. B. in seiner Statistik 19 Krebs- 
erkrankungen der Niere und9Blasencarcinome beim Hunde an. 

Blasencarcinome beim Hunde beobachteten auch schon 
Schultz 12 ) und D e m e u r i s s e , 1 3 ) Erkrankungen, die mit Ulceration 
und Metastasenbildung verliefen.**) 

Auch in neuerer Zeit berichteten G. Petit und Germain 14 ) 
über Blasencarcinome bei Hunden mit Metastasen im Beckenbinde- 
gewebe. 



') Sächsischer Bericht 1871, S. 78. 

2 ) Lehrbuch der allg. tierärztlichen Chirurgie und Operationslehre 1893, S. 390. 

3 ) Deutsche tierärztliche Wochenschr. 1896, S. 408. 

4 ) Archiv f. wissenschaftliche Tierheilkunde, Bd. 36, 1910 (Suppl.-Bd.). 

5 ) Kecueil de med. veter. 1900, No. 2. 

6 ) Deutsche Gesellschaft f. Chirurgie. Berlin 1895. 

7 ) Med. Klinik 1905, Nr. 24. 

8 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 1. 

*) Cfr. über Prostatakrebs beim Menschen und dessen klinischen Verlauf, 
Bd. II, S. 1035. 

9 ) John Hopkins Hosp. Bep., März 1907 (cfr. auch de Rouville, Bullet. Soc. 
anat. Paris, Juli 1896). 

10 ) Brit. med. Journ. 1899, Vol. II, p. 1046. 
") 1. c. S. 211. 

") Monatshefte f. Tierheilkunde, Bd. IV, S. 506. 
13 ) Recueil de Med. veterin. 1892. 

**) Cfr. auch Fröhner, Monatshefte f. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 1. 
u ) Bullet, de l'Assoc. frang. pour l'etude du Cancer, 1910, p. 211. Cfr. auch: 
Bullet, et Mem. de la Societe anat. de Paris, 1908, p. 483. 



218 HI. Der Tier- und sogenannte Pflauzenkrebs. 

Ob die von Lienaux 1 ) und Tright 2 ) in der Harnblase eines 
Hundes gefundenen Geschwülste Leiomyome gewesen sind, läßt sich 
auf Grund der Beschreibung nicht mit Sicherheit feststellen. Weitere 
Beobachtungen über derartige Geschwülste in der Harnblase des 
Hundes liegen nicht vor. 

lieber die Krebserkrankung der Ureteren beim Hunde finden 
wir in der Literatur nur einige ältere Mitteilungen von Sie dam - 
grotzky, 3 ) der in einem Falle auch Metastasen in den Bronchial- 
drüsen beobachtete. 

Ein von der Kapsel der linken Niere ausgehendes Peritheliom 
beschrieb histologisch sehr eingehend Zietzschmann. 4 ) 

Der kindskopfgroße Tumor zeigte histologisch ein bindegewebiges 
Gerüst von alveolärem Gefüge mit schlauchförmigen Gebilden, welche 
Capillarblutgefäßen entsprachen, deren Wandungen aus einem dicken 
Mantel epithelähnlicher Zellen bestanden, während die Umgebung, 
das bindegewebige Stroma, einer starken hyalinen Verquellung ver- 
fallen war. 

Im Gegensatz zu den beim Menschen gemachten Beobachtungen, 
erkrankt der Hund nur äußerst selten an Krebs des Ver- 
dauungskanals. 

Wie wir schon vorhin erwähnten (cfr. S. 213), hat Fröhner bei 
Hunden, trotz des großen, ihm zu Gebote stehenden Materials, niemals 
ein Carcinom der Zunge und des Magens beobachtet, und ebenso 
hat M. Casper (cfr. S. 213) beim Hunde niemals eine Krebserkrankung 
des Pharynx und des Oesophagus auftreten sehen. 

Vielleicht hängt diese relative Immunität des Verdauungs- 
kanals beim Hunde mit der krebszerstörenden Eigenschaft 
seines Speichels und Magensaftes zusammen, der, wie wir 
noch späterhin sehen werden, auch zu therapeutischen Zwecken 
verwendet wurde.*) 

Es liegen wohl einzelne Mitteilungen über Carcinomerkrankung 
des Oesophagus und P y 1 o r u s beim Hunde vor ; einwandfrei scheint 
aber nur die vonCadiot 5 ) beschriebene Beobachtung eines Carci- 
noma encephaloides des Oesophagus mit sekundären Ge- 
schwülsten in der Lunge zu sein. 

Hingegen wird die Angabe von Eb er lein 6 ) über ein bei einem 
Hunde beobachtetes Pyloruscarcinom (Zylinderepithelkrebs) von 
A. St ick er 7 ) angezweifelt. 

In diesem Falle handelte es sich um einen 8jährigen Leonb erger, 
bei dessen Sektion Eber lein eine starke Verengerung des Pylorus 
und eine erhebliche Verdickung der Magenwand, die x / 2 cm stark war, 
vorfand. Histologisch soll einZylinderepithelcarcinom vor- 
gelegen haben mit Leber- und Lungenmetastasen. 

Sarkome des Magen-Darmtr actus hingegen scheinen hin 
und wieder beim Hunde vorzukommen. 



1 ) Annales belg., Jahrg. 43, p. 662. 

2 ) Holländische Zeitschr. 1884, p. 12. 

3 ) Magazin f. Tierheilkunde 1870, Bd. 36, S. 163 und: Sächsischer Bericht 
1871, S. 76. 

4 ) Zeitschr. f. Tiermedizin, Bd. XIII, 1904. 
*) Cfr. auch A. Sticker, 1. c. S. 211. 

B ) Bullet, de la Soc. centr. de med. veterin. 1892, S. 608. 

°) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VIII, 1897, S. 298. 

7 ) 1. c. S. 211. 



Krebserkrankuug bei Haustieren (Hund). 219 

So beschrieben z. B. G. Petit und Germain x ) ein primäres 
Sarkom der Zunge bei einem Hunde, Besnoit 2 ) multiple Rund - 
zellen sarkome im Magen eines Hundes und Maja 3 ) ein Sarkom 
des Ileum mit Metastasen in den Mesenterial- und retroperitoneal 
gelegenen Drüsen. 

Im allgemeinen sind also Krebserkrankungen des oberen Ab- 
schnittes des Verdauungskanals beim Hunde selten, um so 
häufiger aber kommen maligne Erkrankungen des unteren Teils 
des Darmtractus, besonders des Anus, vor. 

Wir haben schon vorhin (cfr. S. 213) auf das häufige Vorkommen 
von bösartigen Geschwülsten am Anus des Hundes hingewiesen, ein 
Körperteil der gerade beim Hunde häufigen Reizungen und Schädigungen 
ausgesetzt ist. 

In der Regel nehmen diese Geschwülste beim Hunde ihren Aus- 
gang von den Analdrüsen, in Form von anfangs gutartigen 
Adenomen, die aber bald bösartige Eigenschaften annehmen. 

Schon Siedamgrotzky 4 ) hat derartige, von den Circumanal- 
drüsen ausgehenden Adenome beim Hunde beschrieben. 

Auch in neuerer Zeit sind derartige Geschwülste am Anus des 
Hundes von Fadyean, 5 ) Wallace 6 ) u. a. beobachtet worden. 

Diese Geschwülste erscheinen klinisch durchaus als gutartig; 
denn sie sind abgekapselt, wachsen nicht infiltrativ, sind gelappt und 
leicht ausschälbar. Auch histologisch spricht nichts für ihre 
maligne Natur; sie bestehen aus soliden Zylindern von Epithelial- 
zellen, oft mit etwas Pigment vergesellschaft, die in regulärer, dem 
Drüsentypus entsprechender Form in einem feinen, vaskularisierten 
Bindegewebe eingebettet liegen. 

Die Bösartigkeit dieser Geschwülste zeigt sich aber darin, 
daß sie nach der Exstirpation häufig rezidivieren. 

In neuester Zeit hat nun besonders Alfred Jäger 7 ) ein bei 
einem Hunde beobachtetes Analdrüsencarcinom zum Ausgangs- 
punkt seiner Untersuchungen über die en twicklungsme chanische 
Auffassung der Blastome, wie sie E. Alb recht 8 ) vertreten 
hat, gemacht. 

Bei der Bildung dieser Tumoren handelt es sich, nach A. Jäger, 
um normale Gestaltungsvorgänge, nurdaß sie scheinbar 
ohne Veranlassung unaufhaltsam sich wiederholen und 
so eine tumorartige Leistung zeitigen. 

Ebenso wie bei der Bildung der Talgdrüsenadenome beim 
Hunde, die wir noch späterhin besprechen werden, kommt es auch 
beim Analdrüsencarcinom des Hundes, trotz der schrankenlosen 
Wucherung, ganz gesetzmäßig immer und immer wieder zur Aus- 
bildung jener eng aneinander gefügten, würfelförmigen Epithelkomplexe 
mit der charakteristischen, peripheren, proliferativen Keimzellenschicht 



*) Assoc. frantj. pour l'etude du Cancer 1909. 

2 ) Revue veterin. 1895, S. 486. 

3 ) Bullet, de la Soc. centr. de Med., 30. Juni 1910, p. 272. 

4 ) Sächsischer Bericht 1871, S. 86 und: Archiv f. Tierheilkunde, Bd. III, S. 305. 

5 ) The Practitioner, April 1899, p. 460. 

9 Transact. of the patholog. Soc. London 1896, Vol. 38, p. 659. 
7 ) Virch. Arch., Bd. 199, 1910, S. 82 und: Zeitschr. f. Krebsforschung-, Bd. IX, 
1910, S. 193. ' 

») Cfr. Bd. II, S. 10 u. 39. 



220 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

und der Verfettung* der weiterhin sich zu Talgdrüsenzellen aus- 
differenzierenden Epithelien, wie es die embryonale Entwicklung 
der Analdrüsen aufweist. 

Auch die weitere Entwicklung dieses Carcinoms findet genau in 
denselben Bahnen statt, welche die embryonale Entwicklung des 
Ausgangspunktes des Carcinoms — der Analdrüsen — innezuhalten 
pflegt. 

Wie die ontogenetische Entfaltung der Analdrüsen an das 
lockere Unterhautbindegewebe gebunden ist, so schreitet der carci- 
nomatöse Prozeß auch hier immer nur im lockeren Stützgewebe 
des retroperitonealen Teils der Beckenhöhle fort, unter Zer- 
störung der Beckenmuskulatur. Dagegen bleiben die fest- 
gefügten Hüllen der regionären Organe — Rectum, 
Blase u. a. — verschont. 

Ein derartiges Carcinom, welches das ganze Becken ausfüllte, 
und höchstwahrscheinlich seinen Ausgangspunkt vom Anus nahm, hat 
auch Cagny 1 ) bei einem Hunde beobachtet. 

Diese aus den Talgdrüsen am Anus des Hundes — also aus 
Drüsen des Ectodermepithels — sich bildenden Adenome und 
Adenocarcinome haben durchaus etwas Eigenartiges, zumal 
wenn man in Erwägung zieht, wie selten beim Menschen 
Adenome und Adenocarcinome der Haut überhaupt beobachtet worden 
sind.*) 

An den anderen Darmabschnitten des Hundes sind nur 
äußerst selten bösartige Geschwülste zur Beobachtung gekommen. 

Ein Darmcarcinom mit Lungenmetastasen beschrieb C a d i o t , 2 ) 
und Gabriel Petit 3 ) berichtet über ein Spindelzellensarkom 
des Darms mit Infiltration des großen Netzes und der Mesenterial- 
drüsen und ferner über ein von der Submucosa des Darms aus- 
gehendes Chondrosarkom mit chondrosarkomatösen Metastasen in 
der Lunge eines Hundes. 

Auch ein Carcinom am Blinddarm des Hundes ist von Meis 
und Parascandolo 4 ) beobachtet worden. 

Maligne Erkrankungen der Verdauungsdrüsen, nämlich der 
Leber und des Pankreas, kommen beim Hunde ebenfalls vor. 

Die Geschwulsterkrankungen der Leber sind beim Hunde erst 
in jüngster Zeit einer genaueren Untersuchung unterzogen worden.**) 

Bis in die jüngste Zeit hinein sind Leberadenome , wie sie 
Sab ou r in 5 ) beim Menschen beschrieben hat, selbst von so erfahrenen 
Forschern, wie von G. Petit und R. Germain (d' Alf ort), 6 ) bei 
Tieren überhaupt, bei denen man Lebercirrhose nicht allzuselten 
antrifft, nie beobachtet worden, und erst in neuester Zeit war es 
diesen Forschern geglückt, 6 Fälle von Leberade nomen beim 
Hunde und bei der Katze zu finden, Lebergeschwülste, die, wie wir 



1 ) Bullet de la Soc. centr. de Med. veterin. 1901, S. 382. 
*) Cfr. Bd. II, S. 1051 ff. 

2 ) Bullet, de la Soc. centr. de Med. veterin. 1892, p. 608. 

3 ) Bullet, et Mem. de la Soc. anat. de Paris, 1899, p. 487; 1905, p. 283. 

4 ) Arch. f. Tierheilkunde, Bd. 29, 1902, H. VI. 

**) Cfr. auch Lothar Stephan, Die Tumoren in der Leber des Hundes. 
I.-D. Gießen 1909. 

5 ) Essai sur l'adenome du foie. These, Paris 1881 (cfr. auch: Bd. II, S. 722). 

6 ) Bullet, de l'Assoc. franc. pour l'etude du Cancer. Paris 1910, T. III, p. 308. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Hund). 221 

gesehen haben,*) beim Menschen nur äußerst selten zur Kenntnis 
gekommen sind. 

Diese Lebergeschwülste beim Hunde sind nun, nach den Be- 
obachtungen von G. Petit und R. Germain, insofern bemerkens- 
wert, als sie eine große Neigung zur krebsigen Entartung auf- 
weisen. 

Unter den 4 von diesen Forschern untersuchten Leberadenomen 
des Hundes verlief eine Geschwulsterkrankung mit Cirrhose, eine 
ohne Cirrhose, die dritte zeichnete sich durch ihre ungeheuere Größe 
und vielfache Cystenbildung aus, und die vierte Lebergeschwulst war 
bereits krebsig und hatte viele Metastasen im Netz, Peritoneum, 
Pleura und Diaphragma hervorgerufen. 

Klinisch verlief die letztere Erkrankung mit Ascites und 
Hydrothorax. 

Bei der Sektion zeigte es sich, daß der Tumor, von der Größe 
einer kleinen Orange, am äußersten Rande des linken Leberlappens 
gelegen, und daß das ganze Netz in eine krebsige Masse umge- 
wandelt war. 

Die histologische Untersuchung ergab, daß die hintere 
Hälfte des Tumors vollständig den Typus des Adenoms aufwies, 
während der vordere Teil der Geschwulst carcinomatösen Bau 
zeigte. Zwischen diesen beiden Zonen befand sich eine cystische 
Erweiterung, die durch die zentrale Nekrose des Tumors sich ge- 
bildet hatte. 

Carcinom des Pankreas ist beim Hunde schon von Th. Kitt 1 ) 
beschrieben worden und in neuerer Zeit von Borrel. 2 ) 

Die letztere Mitteilung ist insofern bemerkenswert, als das Netz 
infiltriert war, und der Tumor um eine Nadel sich gebildet 
hatte. 

Große, retroperitoneale Lipome beim Hunde sind von 
A. J. Williams 3 ) und L. Hudson 4 ) beschrieben worden. 

In seiner Statistik über maligne Geschwülste des Respirations- 
systems beim Hunde führt A. St ick er 5 ) eine maligne Geschwulst 
der Nasennebenhöhlen, 10 maligne Lungengeschwülste 
und 2 krebsige Erkrankungen der Pleura an unter 766 behandelten 
Hunden. 

Ein Sarkom der Trachea, welches an der Bifurkation 
lokalisiert war, hat schon Johne 6 ) beschrieben, und späterhin be- 
richtete auch W. G. Spencer 7 ) über ein bei einem jungen Hunde 
peritracheal gelegenes Sarkom. 

Auch ein primäres Lungencarcinom hat bereits Johne 8 ) 
bei einem Hunde gesehen, aber histologisch nicht näher beschrieben, 
während Lienaux 9 ) späterhin ein Zylinder epithelcarcinom 
der Lunge histologisch genauer zu untersuchen Gelegenheit hatte. 



*) Cfr. Bd. II, S. 722 ff. 

1 ) Lehrbuch der pathol.-anat. Diagnostik. Stuttgart 1894/95, Bd. I, S. 587. 

2 ) Bullet, de l'Assoc. frang. pour l'etude du Cancer. Paris 1910, p. 149. 

3 ) The Veterinarian 1907, p. 301. 

4 ) Transact. of the pathol. Soc. London 1890, Vol. 41, p. 401. 

5 ) 1. c. S. 211. 

6 ) Sächsischer Bericht 1881, S. 70. 

7 ) Transact. of the pathol. Soc. London 1891, Vol. 42, p. 472. 
B Sächsischer Bericht 1880, S. 45. 

9 ) Revue med. veterin. 1896, p. 64. 



222 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Ebenso ist auch ein Gallert krebs der Hundelunge (Carcinoma 
gelatinosum alveolare, ausgehend von dem glatten Alveolarepithel) 
von H. Kievel 1 ) beobachtet worden, welches ohne Metastasen 
verlief. 

Histologisch handelte es sich um ein Plattenepithel- 
carcinom, welches vom Alveolarepithel seinen Ausgang genommen 
hatte und gallertig degeneriert war. 

Die Annahme Rievel's, daß derartige, primäre Gallertkrebse 
der Lunge beim Menschen bisher nicht zur Beobachtung gekommen 
sind, ist, wie wir bereits an einer früheren Stelle*) erwähnt haben, 
eine irrige. 

Beim Hunde sind auch Krebserkrankungen der Schilddrüse 
häufiger beschrieben worden. 

Eine sar komatös entartete Struma (kleinzelliges Eundzellen- 
sarkom), welche mit Hypertrophie der Nebennieren und allgemeinem 
Hydrops verlief, hat schon Guerrini 2 ) beobachtet. Ebenso beschrieb 
auch schon Siedamgrotzky 3 ) ein Schilddrüsencarcinom beim Hunde. 

Späterhin berichtete auch Hutyra 4 ) über ein Carcinom der 
Schilddrüse beim Hunde mit Lungenmetastasen, in denen die 
Drüsenzellen ihre spezifische Funktion beibehalten hatten,**) 
und in neuerer Zeit hat besonders Georg Schoene 5 ) sehr eingehend 
die Schilddrüse eines Pudels untersucht, welche an einem Lappen, sowohl 
eine sar komatöse (Spindelzellensarkom), als auch eine carci- 
nomatöse Entartung aufwies. Auch diese Erkrankung verlief mit 
Metastasen in der Lunge von carcinomatösem Bau. 

Aehnliche Tumoren hatte auch schon Wells 6 ) an der Schild- 
drüse von Hunden beschrieben und Leo Loeb 7 ) an der Schilddrüse 
einer weißen Ratte. 

Auch Carcinome, die von den Epithelkör perchen ihren Aus- 
gang nehmen,***) Parathyreoidkrebs, hat G. Petit 8 ) in einem 
Falle bei einem Hunde beobachten können. 

Daß auch das Zentralnervensystem des Hundes nicht von bös- 
artigen Geschwülsten verschont bleibt, wird durch die Beobachtungen 
von Kitt 9 ) (Sarkom des Rückenmarks), von Marchand undG. Petit 10 ) 
(Sarkom des Lobus olfactorius) und von Dexler 11 ) (Endotheliom der 
Dura) bewiesen. 

Wir haben schon vorhin erwähnt (cfr. S. 213), daß die Krebs- 
erkrankung der inneren Organe beim Hunde nur 8 °/ aller Krebs- 



x ) Deutsche tierärztl. Wochenschr. 1906, Nr. 11. 
*) Cfr. Bd. II, S. 827 ff. 

2 ) Praktische Tierheilkunde, Bd. 19, H. IX. 

3 ) Sächsischer Bericht 1872, S. 59. 

4 ) Oesterreich. Zeitschr. f. wissenschaftliche Veterinärkunde, Bd. IV, Nr. 1. 
**) Cfr. auch Bd. II, S. 1072. 

B ) Virch. Arch., Bd. 195, 1909, S. 169. 

6 ) Journ. of Pathol. and Bact., Juni 1901. 

7 ) Americ. Journ. of the med. Sc, 1903, p. 243. 
***) Cfr. Bd. II, S. 1069. 

s ) Bullet, et Mem. de la Soc. centr. de med. veterin. Seance du 19. Nov. 1906. 
9 ) Lehrbuch der pathol. Anatomie der Haustiere. Stuttgart 1911, 4. Aufl., 
Bd. II, S. 676. 

10 ) Bullet. Soc. anat, Paris 1906, p. 397. 

n ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VII, 1896. S. 112. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Hund). 223 

erkrankungen ausmache, während 92% aller malignen Geschwülste 
beim Hunde auf die äußere Decke und auf die Extremitäten entfallen. 

Nach der Sticker' sehen Statistik (cfr. S. 213) stehen die Krebs- 
erkrankungen der Cutis beim Hunde in bezug auf die Häufigkeit 
des Vorkommens an zweiter Stelle, während nach Fröhner's 1 ) 
Beobachtungen, die malignen Geschwülste der Cutis beim Hunde die 
erste Stelle einnehmen. 

Am Kopf eines Hundes hat schon im Jahre 1875 Creighton 2 ) 
ein Spindelzellensarkom exstirpiert. 

Sehr häufig hat man, wie Fröhner 3 ) angibt, Sarkome des 
Oberkiefers, seltener des Unterkiefers, beim Hunde be- 
obachtet, eine Erkrankung, die in der Regel vom Zahnfleisch als 
„Epulis sarcomatosa" ihren Ausgang nimmt. 

Auch nach einer Schußverletzung hat Birchmore 4 ) an 
der Backe eines Jagdhundes ein Sarkom entstehen sehen. 

Multiple, myelogene Sarkome an der Schulter und an den 
Schenkeln eines 10jährigen Hundes hat schon Siedamgrotzky 5 ) 
beschrieben. Auch Fröhner 6 ) berichtete über eine sarkomatöse 
Erkrankung aller Extremitäten eines Hundes und in neuerer 
Zeit G. Petit 7 ) über ein Osteosarkom am Schenkel eines Hundes. 

Eine Eigentümlichkeit der Krebslokalisation bei Tieren und 
auch beim Hunde besteht in der häufigen, primären Geschwulst- 
erkrankung der Lymphdrüsen überhaupt, und insbesondere der 
Talg- und Schweißdrüsen. 

Diese Erkrankungen kommen beim Menschen, wie wir gesehen 
haben,*) nur sehr selten vor, beim Hunde sind jedoch Talg- 
und Schweißdrüsenadenome und deren Uebergang in Carcinom 
häufiger zur Beobachtung gekommen.**) 

Derartige, von den Talgdrüsen ausgehenden Adenome hat 
beim Hunde zuerst L e i s e r i n g 8 ) beschrieben , späterhin auch 
Siedamgrotzky, 9 ) und über die krebsige Entartung eines 
Talgdrüsenadenoms bei einem Hunde berichtete dann Lions. 10 ) 
Wir haben auch schon vorhin (cfr. S. 219) die Entwicklung eines 
Carcinoms aus den Talgdrüsen am Anus des Hundes erwähnt, die 
Alfred Jäger 11 ) genauer verfolgt und beschrieben hat. 

Derselbe Forscher hatte Gelegenheit auch ein apfelgroßes Talg- 
drüsenadenom bei einem Hunde histologisch genauer zu unter- 
suchen und das Wachstum desselben zu verfolgen. 



1 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 1. 

2 ) Journal of Anat. and Physiol., Vol. XIV, p. 292 (cfr. auch: J. Bland- 
Sutton, ibidem, 1885, p. 446). 

3 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 90. 

4 ) Nach Angaben von Bog- er Williams, 1. c. p. 19 (p. 96). 
B J Sächsischer Bericht 1873, S. 61. 

6 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. V, S. 67. 

7 ) Rec. de med. veterin., Febr. 1906, p. 81. 
*) Cfr. Bd. II, S. 1045 ff. 

**) Cfr. auch: M. Casper (Archiv f. Tierheilkunde, Bd. 19, 1893, S. 14). 

8 ) Sächsischer Bericht 1870, S. 32. 

9 ) Ibidem, 1871, S. 86 (am Vorderschenkel). 

10 ) Bullet, de la Soc. centr. de med. veterin., Vol. XII, p. 326. 
u ) Virch. Aren., Bd. 199, 1910, S. 82. 



224 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Das Tumorwachstum vollzog- sich genau in denselben Bahnen, 
wie sich embryonal die Mechanik der Talgdrüsenbildung gestaltet, 
nämlich durch Aussprossung normalbreiter Epithelbalken, die stets 
schräg nach abwärts in einem ganz bestimmten Winkel gegen den 
Wurzelstrang gerichtet waren, woran sich in den aufquellenden End- 
stücken der typische Sekretionsprozeß durch Verfettung der zentralen 
Zellen anschloß. 

An dieser Hundegeschwulst konnte man also, nach Jäger, be- 
obachten, daß es sich beim Adenom um normale Gestaltungs- 
Vorgänge handelt, nur daß sie scheinbar ohne Ver- 
anlassung unaufhaltsam sich wiederholen und so eine 
tumor artige Leistung vollbringen. 

Auch von den Schweißdrüsen ausgehende Adenome sind 
beim Hunde öfters beobachtet worden. 

Creighton 1 ) hat schon 3 Fälle von Schweißdrüsen- 
adenomen der Achselhöhle beim Hunde beschrieben, und 
Lienaux 2 ) sah auch den Uebergang einer derartigen Geschwulst 
in ein Carcinom bei einem Hunde. 

Daß auch leukämische und pseudoleukämische 
(Hodgkin disease) Erkrankungen beim Hunde vorkommen, ist viel- 
fach berichtet worden. 

Wir haben die Pathologie dieser Geschwulsterkrankung beim 
Menschen schon ausführlich besprochen*) und auch auf den noch 
unaufgeklärten Zusammenhang zwischen den verschiedenen Formen 
hingewiesen. Wir werden über die neuesten Anschauungen**) noch 
Gelegenheit haben an anderer Stelle zu berichten und wollen hier 
nur erwähnen, daß Fröhner 3 ) bereits eine pseudoleukämische 
Erkrankung mit rapidem Verlauf bei einem Hunde beobachtet hat 
und ebenso späterhin Mac Fadyean, 4 ) Willach und Koßle, 5 ) 
E. Weil und A. Clerc 6 ) u. a. 

Sehr ausführlich berichteten P. J. C a d i o t un d P. E m i 1 e -We i 1 7 ) 
über die Erkrankung eines Hundes an L y m p h a d e n i e , wie sie bisher 
nicht beschrieben worden wäre. 

Das Blut dieses Hundes zeigte myelogene Eeaktion (Normo- 
und Megaloblasten) ohne Leukämie. Lymphdrüsen, Leber, Milz waren 
angefüllt mit nichtgranulierten, mononukleären Zellen. 

Es handelte sich, nach Cadiot und Weil, in diesem Falle um 
Lymphadenome und nicht umSarkome, wenn auch das Reticulum 
in einigen Knötchen fehlte.***) Die Erkrankung wurde infolgedessen 
auch als „Lymphadenie mit lymphatischem Bilde" von diesen Forschern 
bezeichnet. 



*) Transact. of the med.-chir. Soc. London 1882, Vol. 65, p. 53. 

2 ) Ann. de med. veterin. belg., April 1888, p. 181. Cfr. auch: Petersen (Arch. 
f. Dermatol. u. Syphilis, Bd. 25, 1893, S. 452). 

*) Cfr. Bd. II. S. 139 ff. 
**) Cfr. z. B. Albert Herz, Die akute Leukämie. Wien 1911, 184 S. 

3 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, 8. 90. 

4 ) Journ. of comp. Pathol. 1903, Vol. 16, p. 379. 

5 ) Arch. de med. experim. 1901, p. 462 (myeloide Leukämie). 
°j Presse med., 9. Sept. 1905. 

7 ) Arch. de med. experim. 1904, Vol. 16, p. 665. 
***) Cfr. auch: Gilbert und E. Weil (Ibidem, 1889, Nr. 2; 1904, Nr. 2). 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 225 

Pferd. 

Das Pferd ist im allgemeinen etwas weniger disponiert zur Er- 
krankung an malignen Geschwülsten als der Hund. 

Nach den statistischen Untersuchungen von A. St ick er 1 ) wurden 
an der tierärztlichen Hochschule zu Berlin in der Zeit von 1879 
bis 1901 im ganzen 215037 Pferde behandelt, von denen 103 an 
malignen Geschwülsten erkrankt waren, d. h. von 10000 Pferden = 4,7. 
In der Zeit von 1879—1885 stellte sich dieser Prozentsatz auf 
4,0 und von 1899—1902 auf 2,0. 

Der Häufigkeit nach waren an malignen Geschwülsten 
erkrankt : 

Penis und Vorhaut = 34 mal 
Vulva und Vagina = 14 „ 

Haut inkl. Anus = 14 „ 

Nase = 11 „ 

Lippe und Zahnfleisch = 9 ,, 
Uterus 8 „ 

Auge = 8 „ 



überhaupt 98 mal 

Die übrigen 5 Erkrankungen betrafen die Schilddrüse und Lymph- 
drüsen. 

Unter 4183 in der Zeit von 1882 — 1901 obduzierten Pferden be- 
fanden sich 6 mit Carcinom behaftete Tiere, d. h. 0,14 °/ ! 

Auch beim Pferde überwiegen, ebenso wie beim Hunde (cfr. S. 212), 
die sarkomatösen Erkrankungen. 

Unter 100 geschwulstkranken Pferden befanden sich, nach den 
Angaben von Fr ohne r, 2 ) 13 carcinom atös und 28 sarkomatös 
erkrankte Tiere. 

Die Beobachtungen von Froh n er bestätigen ebenfalls, daß der 
Lieblingssitz der malignen Geschwülste beim Pferde der Uro- 
genitaltr actus (14 Fälle) und die Nasen- und Oberkiefer- 
höhlen (11 Fälle) ist. 

Diese merkwürdige, von der menschlichen Pathologie so sehr 
abweichende Lokalisation der Krebsgeschwülste, wurde auch von fast 
allen anderen Forschern, wie z.B. von Hennig, 3 ) Schlegel, 4 ) 
Eberlein, 5 ) Fiebiger, 6 ) Gabriel Petit, 7 ) E i ch 1 e r 8 ) u. a. 
beobachtet. 

Auf Grund einer Zusammenstellung von gesammelten Fällen aus 
der Literatur gibt Sticker 9 ) folgende H äufigkeitsskala der 
beim Pferde befallenen Organe an: 



l ) l. c. S. 211. 

2 j Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. XIII, 1902 (bei einem Material von 
5Ü00 Pferden in der Zeit von lb95— 1901). 

3 ) Arch. f. wissenschaftliche und praktische Tierheilkunde, Bd. 47. 

4 ) Berliner tierärztliche Wochenschrift, 1902, Nr. 14. 

5 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. X. 
«) Ibidem, Bd. XIII. 

7 ) Bullet, de la Soc. centr. de med. veterin., Vol. 57. 

8 ) Zeitschrift für Tiermedizin, Bd. V, S. 428. 

9 ) 1. c. S. 211. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 15 



226 HI- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Unter 100 Krebserkrankungen des Pferdes waren lokalisiert an 
Nasen-' und Kieferhöhlen = 16 maligne Geschwülste 



Penis 


= 16 


Niere 


= 9 


Haut 


= 7 


Lunge und Pleura 


= 5,6 


Blase 


= 4,4 


Hoden 


= 4,0 


Auge 


= 4,4 



Die übrigen Erkrankungen verteilten sich auf Vulva, Gaumen, 
Magen, Anus, Mamma usw. 

In bezug auf das Alter der erkrankten Pferde konnte A. 
S t i c k e r *) folgende Angaben machen : 

Es befanden sich unter 90 krebskranken Pferden im Alter 



inter 


4 


Jahren 


= 2,2% 


von 


5— 6 


55 


= 4,2 „ 


5? 

n 


7— 8 

9-10 

11-12 

13—14 


n 

55 

55 

55 


= io,o „ 

= 15,5 „ 
= 9,0 „ 

= ",o „ 


n 


15-16 
17—18 


5? 
55 


= 17,7 „ 
= 12,2 „ 


;5 


19—20 


55 


= 14,4 „ 


55 


23—25 


55 


= 5,3 „ 



Was die Häufigkeit der Metastasenbildung bei den 
malignen Geschwülsten des Pferdes betrifft, so konnte Fadyean 2 ) 
unter 24 Carcinomen = 4 mal und unter 6 Adenocarcinomen = 1 mal 
Metastasenbildung feststellen. *) 

Das Respiration ssystem, besonders die Nasen- und Kiefer- 
höhlen des Pferdes, bilden, wie wir vorhin erwähnt haben, einen 
Lieblingssitz der carcinomatösen Erkrankung, eine Beobachtung, die 
auch schon ältere Forscher, wie z. B. Gasparin (cfr. S. 208), gemacht 
haben. 

Unter 332 Carcinomfällen bei Pferden , die Stricker 1 ) aus 
der Literatur hatte zusammenstellen können, entfielen auf Krebs- 
erkrankung der 

Nasen- und Nebenhöhlen = 52 maligne Geschwülste 
Lungen = 13 „ „ 

Kehlkopf = 7 

Pleura = 5 „ „ 

Rachen = 2 „ „ 

und auf die Bronchialdrüsen =1 „ Geschwulst. 

Maligne, von den Nasen- und Kieferhöhlen ausgehende 
Primärgeschwülste beim Pferde wurden von den älteren Forschern, 



1 ) 1. c. S. 211. 

2 ) The Practitioner 1899, p. 456. 

*) Cfr. auch: Fröhner, Vorkommen der Carcinome beim Pferde (Monatsh. f. 
prakt. Tierheilk. Bd. 8, 1896, S. 69). J. Swiestra (Tiidschrift voor Veeartseniikunde, 
1907, Nr. 6/7). 

3 ) 1. c. S. 211. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 227 

wie z. B. von Roll, 1 ) Dam mann, 2 ) Leise ring, 3 ) Johne 4 ) u. a. 
als Sarkome beschrieben. 

Auch Forscher der Neuzeit, wie Lediard, 5 ) Pike, 6 ) Wald- 
mann 7 ) u. a. berichten über sar komatöse Erkrankungen der 
Kiefer und Kieferhöhlen bei Pferden. 

Aber auch Carcinome, meistens Plattenepithelcarcinome, 
die in den Kieferhöhlen lokalisiert waren, sind in neuerer Zeit viel- 
fach beobachtet worden. 

So beschrieb z. B. Fröhner 8 ) bei einem Pferde ein Platten- 
epithelcarcinom, welches die ganze Oberkieferhöhle ausfüllte und nach 
der Nasen- und Maulhöhle durchgebrochen war. 

Da nun der obere Teil der Nasenschleimhaut und das Antrum 
H i g h m o r i mit Zylinderepithel ausgekleidet sind,*) und da bei der 
großen Zerstörung, die diese Geschwülste hervorrufen, der Ausgangs- 
punkt oft schwer festzustellen ist, so werden diese Plattenepithel- 
carcinome wohl ihre Ursprungsstätte an der Schleimhaut der 
Mundhöhle haben, während die Zylinderepithelkrebse, nach 
Kärnbach, 9 ) ihren Ausgang von der Schleimhaut der Nasenhöhle 
nehmen. 

Ein odontogenes Neoplasma in den Kieferhöhlen eines 
Pferdes hat in neuerer Zeit C. Lohoff 10 ) beschrieben. 

Ueber Geschwulsterkrankungen des Kehlkopfs beim Pferde liegt 
eine ältere Mitteilung von Hahn 11 ) vor, aus der aber nicht ersichtlich 
ist, um welche Art von Geschwulst es sich gehandelt hat. 

Hingegen ist eine Beobachtung aus neuerer Zeit, die Labat 12 
mitteilte, einwandfrei. In diesem Falle handelte es sich um einen 
apfelgroßen Tumor, der oberhalb des Kehlkopfs bei einem Pferde saß, 
durch Laryngofissur entfernt wurde und sich als ein gelapptes 
Epitheliom erwies. 

Primäre, maligne Lungengescliwülste beim Pferde sind schon 
von Johne 13 ) beschrieben worden und späterhin von W. Schütz, 14 ) 
Dieckerhoff 15 ) u. a., und zwar soll es sich stets um Primär- 
carcinome gehandelt haben. 

Klinisch verläuft, nach den Beobachtungen von G r a m m 1 i c h , 16 ) 
das Lungencarcinom bei Pferden häufig mit heftigem Nasenbluten. 



*) Oesterreichische Vierteljahrsschrift für Tierheilk., Bd. III, 1853, S 43. 

2 ) Magazin f. Tierheilkunde, Bd. 30, 1864, S. 1. 

3 ) Sächsischer Bericht 1871, S. 21. 

4 ) Sächsischer Bericht 1880, S. 42. 

5 ) Transact. of the pathol. Soc. London 1884, Vol. 35, p. 468. 
°) Brit. med. Journ. 1896, Vol. I, p. 989. 

7 ) Zeitschrift f. Tiermedizin, 1899. Bd. III, S. 199. 

8 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. XIV, 1903. 
*) Cfr. auch Bd. II, S. 785. 

9 ) Die Neubildungen der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen des Pferdes. 
Berlin 1909. 

10 ) Odontogenes Neoplasma in den Kieferhöhlen eines Pferdes. I.-D. Bern 1903 
(35 S. und 11 Abbildungen). 

u ) Münchener Jahresbericht 1862. 

,2 ) Koch's Monatsschrift 1892, S. 9. 

13 ) Sächsischer Bericht 1880, S. 45. 

u ) Preußische Mitteilungen, 1880, S. 44. 

l5 j Lehrbuch der speziellen Pathologie, Bd. I. 

lö ) Zeitschrift f. Veterinärkunde, Bd. II, S. 10. 

15* 



228 m« ^er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

In dem von Grammlich beobachteten Falle saß die Geschwulst 
am hinteren Teile der Lunge. 

Bei der histologischen Untersuchung der Lunge zeigten sich 
auf der Schnittfläche teils grauweiße, teils graurote Herde. , Das Ge- 
webe war mürbe und ließ sich in Klumpen herausholen. Das um- 
gebende Gewebe hingegen war derb, von helleren Bindegewebszügen 
durchzogen und von alveolärem Bau. 

Der linke Bronchialast war durchbrochen. Metastasen waren 
nicht nachzuweisen. 

Primäre Lungensarkome*) sind beim Pferde ebenfalls be- 
obachtet worden, und zwar von Martin 1 ) (Spindel- und Riesenzellen- 
sarkome) und von Morot 2 ) (Riesenzellensarkome). 

Lymphadenome der Lunge beim Pferde hat Montane 3 ) be- 
schrieben, und von den Bronchialdrüsen ausgehende Carcinome 
sind schon von Johne 4 ) und in neuerer Zeit von G. Petit und 
G e r m a i n 5 ) beim Pferde beobachtet worden. 

Auch maligne Pleurageschwülste kommen, nach den Mit- 
teilungen von Leisering, 6 ) Schindelka 7 ) und J. Swierstra 8 ) 
beim Pferde vor. 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß beim Pferde die krebsige 
Erkrankung der Genitalien fast noch häufiger vorkommt, als die der 
Nasenhöhlen und des Respirationssystems, und zwar, im Gegensatz 
zum Menschen, häufiger beim männlichen als beim weib- 
lichen Pferde. 

Nach Sticker's 9 ) Statistik entfielen auf 30 carcinomatöse Er- 
krankungen der Genitalien beim männlichen Pferde nur 9 bei der 
Stute, und zwar erkrankt beim Wallach häufiger der Penis und 
beim Hengst mehr der Hoden. 

Erklärt wird diese Erscheinung dadurch, daß beim Wallach 
infolge des Fortfalls von Erektionen mehr Smegma und Unrat sich 
ansammelt, wodurch Excoriationen und Geschwüre sich bilden, welche 
zu malignen Geschwülsten sich umwandeln können. 

Epithelialkrebs des Penis beim Pferde beschrieben schon 
Leisering 10 ) und Patteson 11 ) und späterhin Webber 12 ) und 
Fadyean, 13 ) der 7 Fälle von Peniskrebs, ausschließlich beim Wallach, 
zu beobachten Gelegenheit hatte. 

In neuerer Zeit berichtete dann F r ö h n e r 14 ) über 3 b 1 u m e n - 
kohlartige Plattenepithelkrebse am Penis bei älteren Pferden. 



*) Cfr. auch Bd. II, S. 827. 

1 ) Münchener Bericht für 1882— 18S3, S. 104. 

2 ) Revue veterin. 1891, p. 402. 

3 ) Ibidem, 1883. Nr. 1. 

4 ) Sächsischer Bericht 1880, S. 45. 

ß ) Assoc. frang. pour l'etude du Cancer 1910. 

6 ) Sächsischer Bericht 1870, S. 12. 

') Oesterreich. Zeitschrift f. wissenschaftliche Veterinärkunde, Bd. II, S. 59. 

s ) Tijdschrift voor Veeartseniikunde, 1907, Nr. 6/7. 

9 ) 1. c. S. 211. 

10 ) Sächsischer Bericht 1889, S. 26. 

11 ) Illustrated Medical News 1888, p. 220. 

12 ) Brit. med. Journ. 1899, Vol. II, p. 882. 

13 ) The Practitioner 1899, p. 456. 

14 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1903, Bd. 14. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 229 

In dem einen Falle saß die faustgroße, blumenkohlartige, derbe 
Geschwulst an der Glanspenis, im zweiten Falle war die ebenfalls 
faustgroße, aber stark zerklüftete Geschwulst an der Umschlags- 
stelle der Vorhaut lokalisiert, und im dritten Falle war das 
innere Blatt der Vorhaut besetzt mit zahlreichen, blumenkohlartigen 
Geschwulstmassen. In allen drei Fällen waren die regionären 
Lymphdrüsen metastatisch erkrankt. 

Beobachtungen über Hodenkrebse beim Pferde finden wir mit 
geteilt von Fröhner 1 ) (mit Metastasen im Gehirn), Trasbot 2 ) und 
Axe, 3 ) der bei einem 'Pony an einem retinierten Hoden ein 
Encephaloid hat entstehen sehen. 

Auch Krebs der Prostata haben Cadiot und Fournier 4 ) bei 
einem Pferde beobachtet. 

Bei der Stute sind bisher am häufigsten maligne Erkrankungen 
der Yulva zur Beobachtung gekommen. 

In dem von Eberlein 5 ) mitgeteilten Falle handelte es sich um 
ein Plattenepithelcarcinom der Vulva bei einer 14jährigen Stute mit 
Kontaktinfektion des Schweifes, eine bis dahin in der Tier- 
pathologie nicht beobachtete Erscheinung. 

Ferner berichteten über Vulvacarcinome beim Pferde, Fadyean, 6 ) 
Gabriel Petit, 7 ) A. Sticker 8 ) (6 Fälle aus der Berliner tier- 
ärztlichen Hochschule) und Hennig, 9 ) der außer den genannten Be- 
obachtungen noch drei aus der Literatur und zwei eigene anführen 
konnte. 

In dem ersten Falle fand sich bei einer 15jährigen Stute eine 
aus sechs bis sieben erbsen- bis haselnußgroßen Knoten bestehende 
Neubildung von fast knorpelharter Konsistenz im ventralen Scham- 
lippenwinkel. Die Oberfläche war ulceriert. Die mikroskopische 
Untersuchung zeigte in reichlich entwickeltem Bindegewebsstroma 
zahlreiche, kleinere und größere Plattenepithelzellennester. 

An den Uebergangsstellen vom gesunden in das kranke Gewebe 
konnte der Ausgang der Wucherung von der Epitheldecke der 
Schleimhaut der Glansclitoridis in das submucöse Gewebe ver- 
folgt werden. 

In dem zweiten Falle, der ebenfalls eine 15jährige Stute betraf, 
saß die Geschwulst an der rechten Schamlippe. Im Laufe von 3 Jahren 
hatte sich der Tumor, der anfangs nur erbsengroß war, zu einer großen, 
blumenkohlartigen Geschwulst entwickelt, die mikroskopisch dasselbe 
Bild zeigte, wie im ersten Falle, nur hatte in dem zweiten Fall der 
Tumor von dem epidermoidalen Ueberzug der Vulva seinen 
Ausgang genommen. 

Auch maligne Geschwülste der Vagina kommen beim Pferde vor. 
Sticker 10 ) hat 7 derartige Beobachtungen aus der Literatur zusammen- 

1 ) Repert. der Tierheilkunde 1883, H. IV. 

2 ) Rec. Bullet. 1885, p. 178. 

3 ) Veterinarian, Vol. 25, p. 262. 

4 ) Rec. Bullet. 1888, p. 348. 

5 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. X, S. 9. Cfr. auch: Arch. f. wissen- 
schaftliche Tierheilkunde, 1903, S. 160. 

ö ) The Practitioner 1899, p. 456. 

7 ) Rec. de Med. veterin. Paris 1902, Vol. IX, p. 118. 

8 ) 1. c. S. 211. 

°) Arch. f. wissenschaftliche und prakt. Tierheilkunde 1903, Bd. 29, H. I und II. 
,0 ) 1. c. S. 211. 



230 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

stellen können, und in neuerer Zeit teilte noch Bashford ] ) eine der- 
artige Erkrankung bei einer Stute mit. 

Maligne Uterusgeschwülste sind bisher beim Pferde ebenso selten 
wie beim Hunde (cfr. S. 216) zur Beobachtung gekommen. Im ganzen 
konnte Sticker 2 ) in der Literatur nur 8 Mitteilungen über eine 
derartige Erkrankung beim Pferde finden. Zwei Fälle von Uterus- 
sarkom hat noch J. Bland-Sutton 3 ) bei einer Stute beobachtet, 
und ein sehr großes Fibromyom des Uterus hat Harrison 4 ) bei 
einer alten, geschlachteten Stute gefunden. 

Ob es sich bei den 4 in der Literatur mitgeteilten Fällen von 
Ovarialkrebs beim Pferde*) um Carcinome gehandelt hat, ist schwer 
zu entscheiden. Die Mitteilung von Otto Krüger 5 ) über ein an- 
gebliches, 22 V 2 Pfund schweres Carcinom des Eierstockes bei einem 
Pferde betraf sicherlich eine Cystenbildung des Ovariums. Der- 
artige Ovarialcysten werden beim Pferde öfters gefunden, auch 
eine Dermoidcyste ist von Pollock 6 ) bei einer Stute beobachtet 
worden. 

Mammacarcinome sind beim Pferde, im Gegensatz zum Hund, 
nur sehr selten zur Beobachtung gekommen. Einzelne Fälle werden 
erwähnt von C a d i o t , 7 ) F a d y e a n 8 ) u. a. ; hingegen kommen Misch- 
gesch wülste der Mamma beim Pferde etwas häufiger vor. 

Adenofibrome, Chondrosarkome und Osteochondrome der Mamma 
sind von Kitt, 9 ) Fröhner, 10 ) Scott 11 ) u. a. beschrieben worden. 

Von den Harnorganen erkrankt die Harnblase beim Pferde recht 
häufig an malignen Geschwülsten. 

Ueber Krebs der Harnblase finden sich in der Literatur 
zahlreiche Mitteilungen. Leisering, 12 ) Proeger, 13 ) Siedam- 
grotzky, 14 ) Mauri, 15 ) Kemp, 16 ) Stolz, 17 ) Hink, 18 ) 
F a d y e a n 19 ) u. a. berichten über derartige Erkrankungen. 

Im ganzen sind, nach M. Schlegel, 20 ) bis zum Jahre 1903 = 
14 Fälle von Harnblasenkrebs beim Pferde beschrieben worden , denen 
er noch eine eigene Beobachtung hinzufügen konnte. 



*) Proceed. of the Eoyal Soc. London 1904, Vol. 73. 

2 ) 1. c. S. 211. 

3 ) Journ. of Anat. and Physiol. 1885, p. 415. 

4 ) Bristol med. chir. Journ. 1894, p. 288. 
*) Cfr. A. Sticker: 1. c. S. 211. 

5 ) Zeitschrift f. Veterinärkunde, Bd. IV, S. 274. 

6 ) Transact. of the obstetric Soc. London 1890, Vol. 31. 

Cfr. auch: M. Koizansky, Ein Beitrag zum Vorkomm eu der Dermoidcysten 
beim Pferde (Arch. f. wissensch. u. prakt. Tierheilk., Bd. 29, 1902). 

7 ) Rec. Bullet 1893, p. 507. 

8 ) The Practitioner 1899. p. 456. 

9 ) Münchener Bericht 1892. 

10 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 82. 

n ) Veterinarian, 1895, p. 462. 

12 ) Sächsischer Bericht 1868, S. 27. 

13 j Ibidem, 1872. 

u ) Ibidem, 1877, S. 42. 

15 ) Revue veterin. 1881, p. 60. 

16 ) Americ vet. Review, Vol. VI, p. 451. 

17 ) Arch. f. Tierheilkunde 1886, S. 288. 

1S ) Bad. tierärztl. Mitteilungen 1889, S. 57. 

19 ) Journ. of comp. Pathol. 1902, Vol. XV, p. 148. 

20 ) Berliner tierärztl. Wochenschr. 1903, Nr. 14. 



Krebserkrankung' bei Haustieren (Pferd). 231 

Die Erkrankung verlief bei der 15jährigen Schimmels tute unter 
dem Bilde einer periodischen Hämaturie. 

Bei der Bektaluntersuchung wurde eine mannskopfgroße Blasen- 
geschwulst vorgefunden. 

Bei der Sektion des Tieres zeigte es sich, daß die Schleimhaut 
der Harnblase, die 4 Kilo wog, geschwürig vollständig zerstört und 
die Muskulatur hypertrophisch war. 

In der Blasenhöhle lag eine doppeltfaustgroße, markweiche Masse, 
welche durch einen zweiüngerstarken Stiel mit der Blasenwand zu- 
sammenhing. Dicht neben der Ansatzstelle des Geschwulststiels war 
die Wand von einem fingerstarken Fistelgang durchbohrt. 

Die L y m p h d r ü s e n des Kreuz- und Darmbeins waren in höckrig- 
knollige Geschwulstmassen umgewandelt, das Peritoneum war mit 
zahlreichen, zum Teil gestielten Knoten von Hanfkorn- bis Hühnerei- 
größe bedeckt. Im rechten Hinterlappen der Lunge fand sich eine 
Anzahl subpleural gelegener, erbsen- bis bohnengroßer Knoten, das 
linke Ovarium zeigte einen grauweißen, markigen Geschwulstherd. 

Der Befund der charakteristischen Harnblasenepithelien in den 
Metastasen der Bauch- und Brusthöhle, sowie das deletäre Tiefen- 
wachstum der nesterweise oder alveolär angeordneten Pflaster- 
epithelien in der Harnblase wiesen, nach Schlegel, darauf hin, daß 
es sich um ein primäres Cancroid der Harnblase handle. 

Eine ähnliche Beobachtung teilte in neuerer Zeit auch Voirin *) mit. 

Es handelte sich um ein 14 jähriges Pferd, dessen Erkrankung 
ebenfalls durch eine periodisch auftretende Hämaturie charakteri- 
siert war. Die Sektion ergab ein blumenkohlartiges Carcinom 
in der Harnblase mit zahlreichen, kleinen Metastasen in der 
Lunge, Leber, Milz, Nieren, Peritoneum und Muskulatur. 

Neben den Carcinomen sind auch andere Geschwülste in der 
Harnblase des Pferdes beobachtet worden. 

In drei Fällen hat Dieckerhoff 2 ) Sarkome in der Harnblase 
eines Pferdes gefunden. 

Papillome der Harnblase beschrieb S c h m i d , 3 ) und Fibrome 
wurden von Levens 4 ) beobachtet. 

Ueber krebsige Erkrankungen der Niere beim Pferde sind, nach 
der Zusammenstellung von A. Sticker, 5 ) im ganzen 29 Mitteilungen 
in der Literatur vorhanden .*) 

Ein 17 Kilo schweres Rundzellensarkom der Niere hat 
Kitt 6 ) bei einem Pferde zu untersuchen Gelegenheit gehabt. 

Auch krebsige Erkrankungen der Nebennieren kommen beim 
Pferde vor. 

Derartige Mitteilungen machten z. B. Johne, 7 ) Prevost, 8 ) 
Erich Klawitter 9 ) u. a. 

1 ) Berliner tierärztliche Wochenschr. 1910, S. 349. 

2 ) Spezielle Pathologie und Therapie, Bd. I. 
■} Münchener Bericht 1862. 

4 ) Berliner tierärztliche Mitteilungen 1893, S. 113. 

5 ) 1. c. S. 211. 

*) Cfr. auch: Siedamgrotzky (Sächsischer Bericht 1877, S. 41). Johne 
(Ibidem 1881, S. 74). 

6 ) Lehrbuch der pathol.-anat, Diagnostik f. Tierärzte. Stuttgart 1895, Bd. II, S. 467. 

7 ) Sächsischer Bericht 1880, S. 47 (Cystocarcinom). 

8 ) Recueil de med. veterin. 1894, No. 19. 

9 ) Ueber Nebennierengeschwülste der landwirtschaftlichen Haussäugetiere. I.-D. 
Leipzig 1909. 



232 HI. Der Tier- und sogenannte Pflauzenkrebs. 

Eine cystische Entartung beider Nieren, und zwar derartig-, 
daß kaum etwas von der normalen Struktur der Niere übrig blieb, 
hat in einem Falle bei einem Pferde W. G. Spencer 1 ) beschrieben. 

Der Yerdauungskanal des Pferdes scheint etwas häufiger an 
malignen Geschwülsten zu erkranken, als der des Hundes (cfr. S. 218). 

Ueber Krebserkrankung der Lippe beim Pferde liegt nur eine 
ältere Mitteilung von C. Leblanc 2 ) vor, der bei Pferden an der 
Kommissur, wo der Zügel drückt, hin' und wieder krebsige Wuche- 
rungen hat auftreten sehen. 

Es ist jedoch sehr fraglich, ob es sich bei diesen Geschwülsten 
um echte Carcinome gehandelt hat. 

Wie Fröhner 8 ) hervorhebt, kommen bei Hunden, Pferden und 
Rindern, besonders bei jungen Tieren, sehr häufig papillomatöse 
Wucherungen vor, infolge von Reizzuständen. 

Auch an der Lippe des Pferdes hat Fröhner wiederholt, be- 
sonders nachdem Weiden, derartige, papillomatöse Wucherungen 
beobachtet, die durch den Reiz der harten und scharfkantigen Gräser 
sich zu bilden pflegen. 

Ueber krebsige Erkrankung des Zahnfleisches beim Pferde liegt 
ebenfalls eine ältere Mitteilung von Dammann 4 ) vor, der die Ge- 
schwulst als „Zylinderepithelcancroid" bezeichnete. Diese Be- 
obachtung ist nicht ganz einwandfrei. Es könnte sich doch nur um 
einen Plattenepithelkrebs gehandelt haben. 

Erst in jüngster Zeit hat Kitt 5 ) mehrere Fälle von Pflaster- 
zellenkrebs des Zahnfleisches beim Pferde beobachtet. 

Unter 356 aus der Literatur bisher bekannten Krebserkrankungen 
des Pferdes, befindet sich, wie Roger Williams 6 ) angibt, nicht 
ein einziger Fall von Zungenkrebs. 

Damit ist allerdings nicht gesagt, daß Zungenkrebs beim 
Pferde überhaupt nicht vorkommt; denn schon Johne 7 ) berichtet 
über ein Zungensarkom beim Pferde, und in neuerer Zeit hat 
J. A. Gibruth 8 ) einen echten Plattenepithelkrebs der Zunge 
bei einem Pferde beschrieben. 

Hingegen findet man in der Literatur allerdings nicht eine einzige, 
sichere Mitteilung über Oesopha guskrebs beim Pferde. 

Die von Hurtrel d'Arboval 9 ) mitgeteilte Beobachtung über 
ein im Jahre 1815 an der tierärztlichen Hochschule zu Alf ort bei 
der Sektion eines Pferdes gefundenes Oesophaguscarcinom scheint nicht 
ganz einwandfrei zu sein. 

Ueber Krebserkrankung des Magens findet man in der Literatur 
mehrere Mitteilungen. A. Sticker 10 ) konnte im ganzen 8 derartige 
Fälle aus der Literatur zusammenstellen. 



x ) Transact. of the pathol. Soc. London 1890, Vol. 41, p. 397. 

2 ) Recueil de Med. veterin. prat. 1863, p. 737. 

3 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. VI, S. 120. 

4 ) Magazin f. Tierheilkunde, Bd. 31, 1865, S. 290. 

5 ) Lehrb. der pathol. Anatomie der Haustiere. Stuttgart 1910, 4. Aufl., Bd. I, S. 511. 

6 ) 1. c. S. 19 (p. 99). 

7 ) Sächsischer Bericht 1879, S. 43. 

8 ) Eep. of principal veterinary officer. New Zealand Depart. of Agriculture 
1902-1903. 

9 ) 1. c. S. 208 (T. I, p. 292). 
10 ) 1. c. S. 211. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 233 

Abgesehen von einigen älteren Mitteilungen, wie z. B. von 
Oll mann, 1 ) Eoloff, 2 ) Uhlich 3 ) u. a., deren Diagnose, vielleicht 
mit Ausnahme der Beobachtung von Oll mann, wo auch Meta- 
stasen in Lungen, Pleura und Peritoneum gefunden wurden, nicht 
ganz zuverlässig erscheint, sind doch in neuerer Zeit unzweifel- 
hafte Fälle von Magenkrebs beim Pferde beobachtet worden. 

Der Magenkrebs ist bei Tieren, wie wir gesehen haben und 
auch noch späterhin erörtern werden, im Gegensatz zu den Krebs- 
erkrankungen beim Menschen, eine sehr seltene Er- 
krankung. 

Meistens handelt es sich, nach den Untersuchungen von M. 
Casper, 4 ) um die harte, cirrhöse Form, bei der in der Regel 
der größte Teil der Magen wand gleichmäßig verdickt und 
schwarten artig ist. Durch die Retraktion des neugebildeten, 
fibrösen Gewebes tritt eine Verkleinerung des Magens und eine 
Stenose des Pylorus ein. 

Die Schleimhaut trägt pilzartige Wucherungen oder Geschwürs- 
flächen mit unebenem, zerfetzten Grunde und wallartigem Rand. 

Auch diese Geschwulstart dringt in die Tiefe, wächst infiltrativ 
und erzeugt Metastasen. 

Derartige Magencarcinome sind beim Pferde in neuerer Zeit von 
Dur b eck 5 ) (Pflasterepithelkrebs der Cardia mit Lebermetastasen), 
Hillbrand 6 ) und Gabriel Petit 7 ) beschrieben worden. 

In dem Falle von Hill br and handelte es sich um ein löjähriges 
Militärpferd, dessen Erkrankung mit Schluckbeschwerden und körper- 
lichem Verfall einherging. 

Die Sektion ergab ein Carcinoma fibrös um ulcerosum 
des Magens mit zahlreichen Metastasen im Peritoneum, in der Leber 
und in anderen Organen der Bauchhöhle. 

Die Beobachtung von Petit betraf eine 6jährige Stute, bei 
deren Sektion ein Flächencarcinom an der Cardia gefunden 
wurde, welches sich auf der Basis eines alten, chronischen Abszesses 
entwickelt hatte. 

Der linke „cul-de-sac oesophagien de l'estomac" wird, wie G. Petit 8 ) 
hervorhebt, beim Pferde noch von der Oesophagusschleimhaut 
ausgekleidet, trägt also Pflasterepithel, während die Schleimhaut 
des eigentlichen Magens ein Zylinderepithel besitzt. 

Carcinome des Oesophagu steiles des Magens kommen, nach 
den Beobachtungen von Petit, beim Pferde ziemlich häufig vor, 
und alle Fälle von Magenkrebs mit Pflasterepithel müssen auf 
diesen Ursprung zurückgeführt werden. 

Dagegen gehören Zylinderepithelcarcinome, d. h. Carci- 
nome, die vom eigentlichen Magen ausgehen, zu den größten 
Seltenheiten. 



1 ) Preußische Mitteilungen 1878. 

2 ) Magazin für Tierheilkunde, Bd. 34, 1868, S. 183 (2 Fälle). 

3 ) Sächsischer Bericht 1886, S. 76. 

4 ) Lubarsch-Ostertag, Ergebnisse 1898, Jahrg. III, Abt. II, S. 801. 

») Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. X, S. 500. (Sehr ausführliche Arbeit ) 

6 ) Zeitschr f. Veterinärkunde 1903, H. 8 u. 9. 

7 ) Bullet, Assoc. frang. pour l'Etude du Cancer 1908, p. 70. (Cfr. auch: 
G. Petit und Fayet — Bullet, de Soc. centr. de Med. veterin., Vol. 56, p. 548. 
G. Petit: Ibidem 1907 u. 1908, p. 296.) 

8 ) II. Internationale Krebskonferenz. Paris 1910, S. 214. 



234 HI' Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die Beobachtung von Petit ist noch insofern bemerkenswert, 
als Petit den chronischen Abszeß, der zur Entstehung eines 
Carcinoms führte, auf eine Entzündung durch Bremsenlarven 
(„Larves d'Oestres") zurückführt, die oft zu vielen Hunderten in 
diesem Magenteil beim Pferde gefunden werden. 

Diese Larven bohren sich tief in die Schleimhaut hinein und 
erzeugen bei weiterem Wachstum oft napfförmige Vertiefungen in 
der Schleimhaut. 

Infolge dieses Reizes entsteht in der Umgebung der Bremse n- 
kolonien auf der Schleimhaut eine Leukoplasie;*) häufig bilden 
sich auch papilläre Auswüchse mit Epithelknospen, die große 
Aehnlichkeit mit den „Globes epidermiques" besitzen und den 
Beginn einer carcinomatösen Entartung anzeigen. 

Petit ist nun durchaus nicht der Ansicht, daß diese Bremsen- 
larven direkt ein Carcinom hervorrufen können, wohl aber sind sie 
imstande, durch den Reiz eine präcanceröse Affektion zu 
schaffen, wie dies, wie wir noch späterhin sehen werden, auch bei 
anderen höheren Parasiten der Fall ist. 

Auch die beim Menschen so selten vorkommenden Myom- 
g es ch wülste des Magens**) sind in einem Falle beim Pferde von 
Lot lies 3 ) beobachtet und als „Myoma laevicellulare" be- 
schrieben worden. 

Bei einem 18jährigen Pferde fand sich bei der Sektion an der 
Cardia eine aus glatten Muskelzellen und Bindegewebe bestehende 
Geschwulst. 

Beide Gewebsarten verhielten sich in bezug auf ihre Mengen- 
verhältnisse etwa ebenso wie in den aus glattem Muskelgewebe zu- 
sammengesetzten Häuten. Lotlies bezeichnete deshalb diese Magen- 
geschwulst als ein „Leiomyom". 

Maligne Darmgeschwülste sind beim Pferde ebenfalls beobachtet 
worden, und zwar fast in allen Abschnitten des Darmkanals.***) 

Ein rundzelliges Darmsarkom bei einem Pferde beschrieb 
G u e r r i n i , 2 ) und C a d e a c 3 ) fand bei einer Stute ein das Duodenum 
vollständig ausfüllendes Fibromyom, welches den Darm unwegsam 
machte und zum Tode führte. 

Ueber ein Sarkom des Jejunum bei einem Pferde berichtete 
Markus. 4 ) 

Auch am Dickdarm des Pferdes sind wiederholt maligne 
Geschwulsterkrankungen beobachtet worden. 

Schon Siedamgrotzky 5 ) hatte Gelegenheit eine derartige 



*) Cfr. auch Bd. II, S. 157 ff. 

**) Cfr. Bd. II, S. 856. Außer der an dieser Stelle angeführten Literatur, cfr. 

auch noch: H. Cohn, Ueher die primären Myome und Myosarkome des Magens. 

I.-D. Greifswald 1903. Douglas Gordon Cheyne: Brit. med. Journ. 20. Jan. 1912 

(Fibromyom an der kleinen Kurvatur, bei der Probelaparotomie zufällig gefunden). 

1 ) Berliner tierärztliche Wochenschr. 1890, S. 185. 

***) Cfr. auch: Arthur Achilles, Untersuchungen über Darmgeschwülste beim 
Pferde und über die Beziehungen derselben zur Darmfunktion und zum Gesamt- 
organismus. I.-D. Leipzig 1909. 

2 ) Oesterreich. Monatsschr. f. Tierheilkunde, Jahrg. 38, Nr. 10. 

3 ) Eecueil de Med. veterin. 15. März 1885. 

4 ) Ein primäres Sarkom des Leerdarms bei einem Pferde (Zeitschr. f. Tier- 
medizin 1902. H. I). 

5 ) Sächsischer Bericht 1871, S. 25. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 235 

Darmgeschwulst zu untersuchen, die er für einen Zylinder epithel- 
krebs hielt. 

Die Geschwulst war faustgroß und blumenkohlartig gewuchert, 
Histologisch zeigte der Tumor den Bau von schlauchförmigen 
Drüsen mit Zylinderepithel. Der Beschreibung nach scheint es sich 
um ein destruierendes Adenom gehandelt zu haben. 

Ein Spindelzellensarkom des Grimmdarms wurde von 
Baranski 3 ) bei der Sektion eines Pferdes gefunden. 

Ueber carcinomatöse Erkrankung des Appendix beim Pferde 
liegt nur eine Mitteilung von G. Petit 2 ) vor. 

Wiederholt sind sarkomatöse Erkrankungen des Mastdarms 
beim Pferde beschrieben worden, wie z. B. von A. Stick er 3 ) (Spindel- 
zellensarkom), Tetzner, 4 ) Kitt 5 ) u. a. 

Vielfach hat man die beim Menschen häufig vorkommende Poly- 
posis adenomatosa, welche, wie wir gesehen haben,*) als prä- 
canceröse Darmerkrankung eine wichtige Rolle spielt, auch beim 
Pferde beobachtet. 

Eine derartige Geschwulst, die vollständig ossifiziert war, 
hat z. B. G. Petit 6 ) am Rectum eines Pferdes in einem Falle ge- 
funden. 

Maligne Lebergeschwülste sind beim Pferde nur sehr selten zur 
Beobachtung gekommen. 

Ueber ein Adenom der Gallengänge berichtete schon 
Johne; 7 ) eine carcinomatöse Leberaffektion (sekundär ?) bei 
einem Pferde beschrieben Martin 8 ) (von den Gallengängen aus- 
gehend) und Fröhner, 9 ) und Bächstaedt 10 ) fand bei der Sektion 
eines Pferdes ein großes, primäres, fast blutleeres Rundzellensarkom 
der Leber, welche ein Gewicht von 17V 2 Kilo hatte. 

Mehrfach sind auch primäre, maligne Geschwulsterkrankungen 
des Peritoneums beim Pferde beobachtet worden, die beim Menschen 
als Endotheliome bezeichnet werden.**) 

Derartige Mitteilungen machten z. B. Kitt, 11 ) Schindelka 12 ) 
und Montane und Viaud. 13 ) — In den Fällen von Kitt war das 
Peritoneum mit zahlreichen, erbsen- bis eigroßen, rundlichen Ge- 
schwülsten besät, die zum Teil Agglomerate bildeten. Die Oberfläche 
der Geschwülste war glatt, gelblich-rot oder weiß, die Konsistenz derb 
und elastisch. Der Durchschnitt war weiß, kompakt und Lymphdrüsen 
sehr ähnlich, so daß man die Geschwülste makroskopisch für 
Lymphosarkome halten konnte. Mikroskopisch jedoch be- 
standen die Neubildungen aus Zylinder epithelien. 



1 ) Archiv f. Tierheilkunde 1887, S. 337. 

2 ) Bullet, et Mem. de la Soc. anat. Paris, Januar 1902. 

3 ) Archiv f. Tierheilkunde 1886, Bd. 12, S. 373. 

4 ) Zeitschr. f. Veterinärkunde 1890. 

5 ) Jahresbericht der tierärztlichen Hochschule zu München 1894. 
*) Cfr. Bd. II, S. 240, 629, 664 usw. 

6 ) Recueil de Med. veterin. 1905, p. 122. 

7 ) Sächsischer Bericht 1879, 8. 50. 

s ) Münchener Jahresbericht 1882—1883, S. 115. 

y ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. 13, 1902. 

10 ) Zeitschr. f. Veterinärkunde, Bd. V, S. 157. 
**) Cfr. Bd. IT, S. 772. 

11 ) Lehrbuch der pathol. Anatomie der Haustiere. Stuttgart 1910, Bd. I, S. 760. 

12 ) Oesterreich. Zeitschr. f. wissenschaftl. Veterinärkunde, Bd. II, S. 59. 
n ) Becueil de Med. veterin. 1893, p. 361. 



236 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Maligne Erkrankungen der Schilddrüse und der Milz sind beim 
Pferde nur sehr selten gefunden worden. 

Ueber Carcinom der Schilddrüse beim Pferde liegen nur 
Berichte von Johne 1 ) und Zschokke 2 ) vor, und über multiple 
Milzsarkome eine Mitteilung von Siedamgrotzky. 3 ) 

Hingegen kommen, ebenso wie beim Hunde (cfr. S. 223), ziemlich 
häufig primäre Lymphdrüsenkrebse beim Pferde vor. 

Derartige Beobachtungen teilten z. B. M. Casper, 4 ) Wolff 5 ) 
(von den mesenterialen Lymphdrüsen ausgehend) , Hinrichsen 6 ) 
(von den Lymphdrüsen am Kopf sich entwickelnde Primärcarcinome) 
u. a. mit. 

Ein von den neben der Aorta gelegenen Lymphdrüsen 
ausgehendes Lymphosarkom fand Fröhner 7 ) bei der Sektion 
eines 8jährigen Pferdes, welches bei Lebzeiten an intermittierender 
Lahmheit litt. 

Bei der rectalen Untersuchung in vivo konnte man in der Gegend 
der Teilungsstelle der Aorta eine derbe, faustgroße, mit der Aorta zu- 
sammenhängende, schmerzlose Geschwulst feststellen. 

Das Zentralnervensystem des Pferdes bleibt auch nicht von 
malignen Geschwulsterkrankungen verschont. 

Ein Sarkom der Dura mater beschrieb Lydtin 8 ) bei einem 
Pferde, und ein Papillom a vasculosum der Pia mater beob- 
achtete Hutyra. 9 ) 

Ueber Psammome*) im Gehirn des Pferdes liegen mehrere 
Mitteilungen von McCarthy, 10 ) Saundby, 11 ) F a d y e a n 12 ) 
u. a. vor. 

Krebsige Erkrankungen des Auges kommen beim Pferde eben- 
falls vor. 

Fröhner 13 ) berichtet z. B. über zwei Fälle von kleinzelligen 
Kundzellensarkomen der Orbita bei einem Pferde, und ähn- 
liche Beobachtungen teilte auch Axe 14 ) mit. 

Carcinome der Augenlider wurden, besonders am inneren 
Augenwinkel, häufiger beobachtet, u. a. auch in zwei Fällen von 
Fröhner. 15 ) 

Ein lobuläres Epitheliom der C o n j u n c t i v a bei einem Pferde 
hat J. Calve 16 ) operiert; aber schon nach 3 Monaten trat ein 
Recidiv auf. 



') Sächsischer Bericht 1880, S. 44. 

2 ) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde 1888, S. 78. 

3 ) Sächsischer Bericht 1878, S. 21. 

4 ) Archiv f. Wissenschaft! u. praktische Tierheilkunde, Bd. 19, 1893, S. 56. 

5 ) (Departementstierarzt in Berlin). Ibidem 1886, Bd. 12, S. 286. 
c ) Deutsche tierärztliche Wochenschr. 1897, S. 391. 

7 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. 14, 1903. 

8 ) Badische tierärztliche Mitteilungen 1881, S. 20. 

9 ) Oesterreich. Zeitschr. f. Veterinärkunde, Bd. I, 1887, S. 115. 
*) Cfr. Bd. I, S. 267, 285, 458. 

10 ) Univ. Pennsylvania Med Bull. U. S. 1904, p. 265. 

11 ) Brit. med. Journ. 1882, Vol. II, p. 896. 

12 ) Journ. of comparat. Pathol. 1902, Vol. XV, p. 162. 

13 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde 1896, S. 402; 1898, S. 481. 
u ) Veterinarian, Vol. 25, p. 262. 

16 ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. 13, 1902. 

1(5 j Recueil de Med. veterin. 19. Dezember 1899 u. 1900, p. 145. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 237 

Ueber Carcinome der Sclerotica liegen nur ältere Berichte 
von L e i s e r i n g *) vor, ebenso von Bayer 2 ) über krebsige Erkrankung 
des B u 1 b u s. 

Zahlreich sind die Beobachtungen über maligne Geschwulst- 
erkrankungen der Haut und der Extremitäten beim Pferde. 

Da diese Körperteile beim Pferde vielfachen, traumatischen 
und chronischen Reizwirkungen ausgesetzt sind, so ist die 
Disposition zur Entstehung von malignen Geschwülsten häufig ge- 
geben. 

Wir haben schon vorhin (cfr. S. 232) auf die Ursache der Ent- 
wicklung des Lippenkrebses beim Pferde hingewiesen, und B i r c h m o r e 3 ) 
hat ähnliche Beobachtungen auch an der Haut des Pferdes gemacht. 

In einem Falle konnte er z. B. in der Ohrgegend durch das 
Scheuern des Zaumzeuges papilläre Excrescenzen entstehen 
sehen, aus denen allmählich sich eine carcinomatöse Neubildung 
entwickelte. 

Ein Carcinom am Kopf des Pferdes (cfr. auch S. 236) be- 
obachtete Leisering, 4 ) ein Rundzellensarkom am Halse 
beschrieb J. A. G i b r u t h , 5 ) und über ein Carcinom am Schweif 
eines Pferdes berichtete Fadyean. 6 ) 

Der von den älteren Tierärzten, und auch von älteren patho- 
logischen Anatomen, wie z. B. von Hannover (cfr. S. 209), als Epi- 
theliom bezeichnete Huf- und Strahlkrebs des Pferdes stellt nach 
den neueren Untersuchungen*) keine carcinomatöse Erkrankung, 
sondern eine papillomatöse Wucherung dar. 

Der Tumor entsteht infolge eines starken Wucherungsprozesses 
im Papillarkörper und in der Reteschicht, der zugleich mit starker 
Exsudation einhergeht. Die neugebildeten Retezellen verhornen nicht, 
sondern gehen bald zugrunde und bilden eine nekrotische, stinkende Masse. 

Es handelt sich bei dieser Geschwulstbildung höchstwahrscheinlich 
um eine parasitäre Erkrankung. 

Auch Fälle von allgemeiner Carcinomatöse kommen beim 
Pferde vor. 

Eine derartige Erkrankung fand z.B. Darmagnac 7 ) bei einem 
16jährigen Pferde. Auch Hinrichsen 8 ) teilte zwei derartige Be- 
obachtungen mit. 

Gutartige Geschwülste sind recht häufig beim Pferde be- 
schrieben worden. 

Roger Williams 9 ) führt eine große Zahl von Mitteilungen 
über Knochengesch wülste, Lipome und andere gutartige Geschwülste 
an, die er in der Literatur vorgefunden hat. 

1 ) Sächsischer Bericht 1861, S. 13; 1863, S. 12. 

2 ) Zeitschr. f. vergleichende Augenheilkunde, Jahrg. IV, S. 75. 

3 ) New York Med. Journ. 1883, Vol. 38, p. 659. 

4 ) Sächsischer Bericht 1866, S. 13. 

6 ) 1. c. S. 232. 

6 ] Journ. of comparat. Pathol. 1902, Vol. XV, p. 148. 
*) Cfr. Möller, Hufkrankheiten, S. 153. 

7 ) Recueil de Med. veterin. T. IX, p. 543. 

s ) Deutsche tierärztliche Wochenschr. 1897, S. 391. 
9 j 1. c. S. 19 (p. 101, 102). 



238 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Als Unikum ist noch die Beobachtung* von Monod 1 ) zu er- 
wähnen, der bei einem Pferde ein Rhabdomj T om an der Schulter 
fand, welches mit einem langen Stiel der Scapula aufsaß. 

Sehr häufig- erkranken Pferde auch an melanotischen Ge- 
schwülsten, deren Aetiologie und Pathologie beim Menschen wir 
schon früher*) ausführlich besprochen haben. 

Wir haben an dieser Stelle auch schon auf die häufige Er- 
krankung der Schimmel an Melanose hingewiesen,**) ferner auf 
den klinischen Verlauf dieser Krankheit bei Schimmeln und auf 
die älteren Beobachtungen von Fl an drin und Breschet über 
familienweises Auftreten von Melanosis bei Pferden. 

Auch die Forscher der Neuzeit beschäftigten sich sehr eingehend 
mit diesen Geschwülsten, die, nach den Beobachtungen von H a r r i s o n , 2 ) 
Hu eisen, 3 ) Mauri, 4 ) Dexler 5 ) u. a. fast ausschließlich bei 
Schimmeln und hellfarbigen Pferden und nur selten bei 
Füchsen und Braunen vorkommen. 

Wie häufig diese Erkrankung die Schimmel befallen kann, ist 
aus einer Statistik von Budnowski 6 ) ersichtlich, der unter 771 
Schimmeln eines Husarenregiments 92 Tiere, d. h. 12°/ m ^ 
Melanosarkomen behaftet vorfand. 

Daß diese Erkrankung bei Schimmeln nicht nur herdweise vor- 
kommen, sondern sich auch auf die hellen Nachkommen vererben 
kann, hat schon Gohier 7 ) beobachten können. 

Am häufigsten werden, nach den Erfahrungen von Budnowski, 6 ) 
Pferde im Alter von 6—10 Jahren von dieser Krankheit befallen. 

Der Lieblingssitz der melanotischen Tumoren beim Pferde 
ist die Schweifrübe und deren Umgebung, nämlich Anus und 
Genitalien und dann die Pleura.***) 

Schon L e b e r t 8 ) beschrieb eine derartige Geschwulst, welche an 
der Schwanzwurzel ihren Sitz hatte und in fast allen inneren Organen 
unzählige Metastasen hervorgerufen hatte. 

Auch neuere Forscher, wie Dicker hoff 9 ) u. a. bestätigten die 
Beobachtung, daß die meisten melanotischen Geschwülste ihren Sitz 
an der Schweifrübe hätten. 

In bezug auf die Lokalisation liegen die Verhältnisse beim 
Menschen anders. 

Wie wir aus einer an einer früheren Stelle f) veröffentlichten 
Tabelle ersehen, erkranken beim Menschen die unteren Extremi- 
täten und der Kopf am häufigsten an melanotischen Ge- 
schwülsten, Anus und Genitalien aber am seltensten! 



1 ) Becueil de Med. veterin. 30. Juni 1902. 
*) Cfr. Bd. II. S. 197 ff 

**) Ibidem, S. 212. 

2 ) The veterinarian Journ. Oct 1883. 

3 ) Americ. veterin. Beview, Vol. XI, p. 367. 

4 ) Bevue veterin. 1888, p. 225. 

5 ) Oesterreich. Zeitschr. f. Veterinärkunde, Bd. IV, 1891, H. III. 

6 ) Zeitschr. f. Veterinärkunde 1903, H. X. 

7 ) Proces verbal de l'Ecole veterin. de Lyon 1809. 

***) Cfr. Kitt, Lehrb. der pathol. Anatomie der Haustiere. Stuttgart 1911, 
Bd. II, S. 329. 

• 8 ) Traite pratique des Maladies cancereuses. Paris 1851, p. 159. 
°) Lehrbuch der speziellen Pathologie, Bd. I. 
f) Cfr. Bd. II, S. 215. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Pferd). 239 

Beim Pferde kommen zwar auch Erkrankungen anderer 
Organe an melanotischen Geschwülsten vor, aber im Verhältnis zu 
denen an der Schweifrübe, sind sie selten. 

Fröhner 1 ) z.B. beobachtete bei vier Schimmelpferden, und 
zwar am After eines 5jährigen Hengstes, am Euter einer 8jährigen 
Stute, an der Innenfläche des Unterschenkels eines 7jährigen 
Wallachs und an der Vorhaut eines 9jährigen Wallachs je eine 
größere Geschwulst, welche sich als Melanom erwies. Die drei 
ersten Fälle wurden durch Operation geheilt. Im letzten Fall mußte 
wegen der zu großen Ausdehnung der Geschwulst von einer Operation 
Abstand genommen werden. 

Ein melanolisches Sarkom des Herzens bei einem Pferde be- 
schrieben M. Weinberg und Viellard, 2 ) ein Melanosarkom des 
Pankreas wurde von Käsewurm 3 ) und des Colon von Csokor 4 ) 
beobachtet. 

Mehrere Präparate von melanotischen Geschwülsten bei Pferden, 
die noch Hunt er präpariert hatte, befinden sich auch, nach den An- 
gaben von Roger Williams, 5 ) in dem „Royal College of Surgeons 
Museum in L o n d o n", und zwar betrafen diese Geschwulsterkrankungen 
die L e b e r , das Rückenmark, den Bulbus und die C o n j u n c t i v a. 

Die Behauptung von A. F. P 1 i c q u e , 6 ) daß die Melanose der 
Pferde gutartiger verlaufe als die beim Menschen, ist 
nicht für alle Fälle zutreffend. 

Schon Johne 7 ) unterschied bei den Melanosarkomen der 
Tiere überhaupt zwei Formen: 

1. Harte, auf der Schnittfläche derbe, saftarme Neubildungen 
(Spindelzellen- oder Fibrosarkome). 

2. Weiche, eine dunkle Flüssigkeit enthaltende Geschwülste 
(R u n d z e 1 1 e n s a r k o m e). 

Die erste Geschwulstgruppe nimmt oft eine ungeheuere Aus- 
dehnung an, ist aber nicht so gefährlich, während die zweite 
Gruppe, ebenso wie beim Menschen, einen sehr bösartigen Verlauf 
zeigt und durch zahlreiche Metastasenbildung schnell zum Tode führt. 

In neuerer Zeit hat auch Hermann Löffler 8 ) diese Beobachtung 
bestätigen können. 

Nach den Untersuchungen dieses Forschers gibt es bei den Pferden 
einerseits Melanome, die bezüglich ihres Baues mit den einfachen 
Naevis pigmentosis des Menschen*) verglichen werden können, 
andererseits melanotische Tumoren, die durchaus an die bösartigen 
Melanosarkome des Menschen erinnern! 

Beim Pferd ist die Masse des seitens des Geschwulstparenchyms 
gebildeten und abgelagerten Pigments eine viel beträchtlichere 
als beim Menschen. 



*) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. XIV, 1903. 
' 2 ) Soc. anat. de Paris. Januar 1907. 

3 ) Zeitschr. f. Veterinärkunde 1896, S. 446. 

4 ) Oesterreich. Vierteljahrsschrift, Bd. 59, 1883, S. 103. 
"') 1. c. S. 19 (p. 100). 

6 ) Revue de Chirurgie 1889, p. 521. 

7 ) 1. c. S. 210. 

h ) DieMelanosarkombildung beim Menschen und beim Pferde. I.-D. Würzburg 1903. 

*) Cfr. Bd. II, S. 186. Cfr. auch: van Dorssen, Ueber die Genese der 
Melanome in der Haut von Schimmelpferden. I.-D. Bern 1903. (Entstehung aus 
embryonal abgesprengten Epidermiszellen.) 



240 HI- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Nach Zerfall der pigmenttragenden Zellen wird beim Pferde 
melanotisches Pigment in reichlichem Maße frei und fließt zu förm- 
lichen Pigmentflächen zusammen. 

Auch die neuesten Untersuchungen von Alfred Jäger 1 ) haben 
ergeben, daß die melanotischen Erkrankungen der Schimmelpferde in 
pathologisch-anatomisch erBeziehung viel fach von denen 
beim Menschen abweichen. 

Beim Pferde beginnt die Erkrankung mit einer Pigmentierung 
im Bindegewebe der Schweißdrüsen, dann aber auch an anderen 
Zellen, wie z. B. an den Schweißdrüsenepithelien, in den Neben- 
nieren usw. Erst durch diesen infolge der Pigmentbildung ver- 
änderten Stoffwechsel kommt es dann zu einer Zellwucherung, 
und zwar der typischen Fibroplasten. 

Chroma top hören im Sinne von Ribbert*) konnte Jäger 
nicht finden. 

Die Wucherung führt dann allmählich zur Bildung typischer 
Sarkomzellen, die einen anaplastischen Charakter angenommen 
haben und diesen auf ihre Nachkommen übertragen. 

In den Nebennieren führt derselbe Prozeß zu carcinom- 
ähnlichen Strukturen, ausgehend von den Zellen der Zona 
fasciculata. 

Indem wir auf unsere früheren Ausführungen über die Entstehung 
des Pigments und des Melanins verweisen,**) wollen wir an dieser 
Stelle nur noch erwähnen, daß Jäger die Bildung des Melanins auf 
die Wirkung des Suprarenins und eines Ferments zurückführt. 
Dieser veränderte Farbstoffwechsel steht im Zusammenhange mit der 
Entpigmentierung der Pferde, die mit zunehmendem Alter 
sich steigert. 

Sehr gering ist die Zahl der Mitteilungen über maligne Ge- 
schwülste beim 

Esel und Maulesel. 

Wir haben schon vorhin (cfr. S. 209) auf die älteren Beobachtungen 
von Michou undDelafond hingewiesen, die auch beim Esel und 
Maulesel bösartig verlaufende Cancroide haben auftreten sehen. 

In neuerer Zeit berichteten noch Birchmore 2 ) über ein Spindel- 
zellensarkom der Unterlippe bei einem Maulesel infolge von 
Verletzungen durch das Zaumzeug, ferner Morot 3 ) über ein Fibro- 
sarkomam Hinterbein und J. Bland-Sutton 4 ) über ein R u n d - 
zellensarkom am Colon eines Esels. 

Mitteilungen über Carcinome beim Esel liegen aus neuerer Zeit 
nicht vor. 

Kind. 

Das Rind scheint im allgemeinen eine geringere Neigung zur 
Erkrankung an malignen Geschwülsten zu haben, als Hund und 
Pferd. 



x ) Virch. Arch., Bd. 198, 1909, H. I, S. 1. 
*) Cfr. Bd. II, S. 193. 
**) Cfr. Bd. II, S. 208 ff. 

2 ) New York. Medical Journal 1883, p. 659. 

3 ) Eevue veterin. 1891, p. 69. 

4 ) Journ. of Anat. and Physiol. 1885, p. 445. 






Krebserkrankimg bei Haustieren (Kind). 241 

Unter 5795 in der Zeit von 1891—1901 an der Berliner tier- 
ärztlichen Hochschule untersuchten Rindern befanden sich, nach 
A. Stick er, 1 ) nur 7 mit malignen Geschwülsten behaftete Tiere, 
d. h. = 0,2 "/o aller untersuchten Tiere. 

Noch geringer ist der Prozentsatz der Erkrankungen, nach den 
Untersuchungen von L. L o e b und GeorgeJobson, 2 ) in Amerika; 
denn unter 2 x / 2 Millionen geschlachteter Rinder befanden sich nur 
61 krebskranke Tiere, und zwar 59 Kühe und 2 Stiere, d.h. 0,002 °/ 
aller geschlachteten Tiere. 

Etwas häufiger scheinen Krebserkrankungen der Rinder in G 1 a s g o w 
vorzukommen. 

Nach den Angaben von Trott er 3 ) wurden von 39704 geschlach- 
teten Rindern = 119, d. h. 0,3% aller Tiere mit malignen Geschwülsten 
behaftet vorgefunden, und zwar hauptsächlich mit malignen Leber- 
tumoren! 

Die malignen Geschwülste treten beim Rinde häufig bereits in 
einem sehr frühen Alter auf. 

Schon bei 2 jährigen Rindern kommen, nach den Beobachtungen 
von Willi elmi, 4 ) Goerig 5 ) u. a. carcinomatöse Erkrankungen vor. 

Nach der Zusammenstellung von A. Stick er 6 ) erkrankt beim 
Rinde der Urogenitalapparat am häufigsten an malignen Ge- 
schwülsten. 

Unter 74 aus der Literatur zusammengestellten Krebserkrankungen 
des Rindes betrafen 44 ausschließlich den Urogenitalapparat, und zwar 
entfielen auf den 

Uterus = 16 maligne Geschwülste 
Nieren =10 „ „ 

Blase = 9 „ „ 

Ovarien = 6 „ „ 

Vagina = 2 „ 
Hoden =1 „ Geschwulst. 

Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte auch W. Schütz 7 ) bei 
einem Material von 30 krebskranken Rindern. 
Von diesen Erkrankungen entfielen auf den 



10 



Urogenitalapparat = 63,3 
Digestionsapparat = 23,3 °/ 
Respirationsapparat = 6,6 °/ 
Cutis = 3,3 ü / 

Nervensystem = 3,3 % 

Diese Angaben über den Hauptsitz der Krebserkrankung beim 
Rinde werden jedoch durch die neueren Untersuchungen nicht ganz 
bestätigt; denn, wie wir sehen werden, findet man krebsige Leber- 
erkrankungen beim Rinde fast ebenso häufig, wenn nicht noch 
häufiger, als Krebserkrankungen des Urogenital Systems. 

') 1. c. S. 211. 

2 ) Journ. of comparat. med. and vet. Aren. Vol. XXI, 1900, p. 385. 

:5 ) Journ. of comparat. Pathol. Vol. 17, 1904, H. II. 

4 ) Schweizer Archiv f. Tierarzneikunde, Bd. 45, H. VII. 

5 ) Deutsche tierärztliche Wochenschr. 1901, 8. 129. 
"j 1. c. S. 211. 

') Verhandl. des Komitees f. Krebsforschung zu Berlin, 7. Juni 1901. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 16 



242 Hl« Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die Behauptung von Fadyean, 1 ) daß die Krebsgeschwülste beim 
Rinde wenig Neigung zu Metastasenbildungen zeigen, da 
bei 5 carcinomatös erkrankten Rindern nie eine Metastase beob- 
achtet worden wäre, ist, wie wir sehen werden, eine irrige. 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß der Geuitaltractus beim 
Rinde von allen Organen am häufigsten zu erkranken pflegt. 

A. Stick er 2 ) hat z. B. 16 Fälle von malignen Uterus- 
geschwülsten aus der Literatur zusammenstellen können. 

Ferner berichteten Barrier 3 ) über 2 Fälle von Uteruskrebs 
beim Rinde mit Lungenmetastasen, und Guillebeau 4 ) über 
7 eigene Beobachtungen von malignen Geschwülsten am Uterus des 
Rindes, Geschwülste, von denen einige ein Gewicht von fast 11 kg 
hatten. 

In der Regel handelte es sich, nach den Beobachtungen von 
Guillebeau, um die scirrhöse Form der Krebsgeschwülste. 

Ein Uterus fibrom im Gewichte von 55 Pfund beschrieb 
Eckhardt, 5 ) und in einem Falle wurde von Ost er tag 6 ) bei einem 
Rinde eine sar komatöse Infiltration der ganzen Uteruswand 
gefunden. 

Einen Krebs der Cervix beobachtete Lucet 7 ) bei einer Kuh. 

Krebsgeschwülste des Ovar i ums bei der Kuh hat u. a. 
Grimm 8 ) beschrieben. In einem Falle war der Tumor mannskopf- 
groß und verursachte eine tödliche Blutung in die Bauchhöhle. 

Es ist jedoch sehr fraglich, ob es sich um ein Carcinom oder 
um eine Cyste gehandelt hat. 

Ein Carcinom der Vulva hatte 0. Voges 9 ) bei einer Kuh zu 
untersuchen Gelegenheit gehabt. 

Im ganzen hat A. Stick er 10 ) aus der Literatur 3 Fälle von 
Carcinom der Vagina, 6 Fälle von Ovarialkrebs, 1 Fall von Krebs 
des Scrotums und 2 Fälle von Peniskrebs beim Rinde zusammen- 
stellen können. 

Maligne Geschwülste am Euter der Kuh sind nur sehr selten 
zur Beobachtung gekommen. 

Eine derartige Erkrankung bei einer Kuh teilte z. B. 
W. Stenzel 11 ) mit. 

Erkrankungen der Harnorgane des Rindes an malignen Ge- 
schwülsten sind schon von älteren Forschern beschrieben worden. 

L e i s e r i n g 12 ) z. B. berichtet über ein kleinzelliges Rundzellen- 
sarkom in der Harnblase eines Ochsen, und Halm, 13 ) Wulf, 14 ) 



1 ) The Practitioner 1899, p. 456. 

2 ) 1. c. S. 211. 

3 ) ßecueil Bullet. 1888. 

'*■) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde 1899. 

5 ) Wochenschr. f. Tierheilkunde und Viehzucht 1891, Nr. 36. 

b ) Handbuch der Fleischbeschau, S. 280. 

7 ) Revue med. veterin. 1895, p. 728. 

8 ) Sächsischer Bericht 1887, S. 69. 

5) ) Zentr.-Bl. f. Bakteriologie 1902, Bd. 31, I. Abt., S. 142. 
10 ) 1. c. S 211. 
n ) 1. c. S. 213 und: Arch. f. wissenschaftl. u. prakt. Tierheilkunde, Bd. 29. 

12 ) Sächsischer Bericht 1861, S. 22. 

13 ) Münchener Jahresbericht 1862. 

u ) Tierärztliche Mitteilungen 1875, S. 147. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Kind). 243 

Bollinger 1 ) u. a. machten Mitteilungen über Blasen krebs bei 
Kindern, dessen Art jedoch nicht näher angegeben wurde, während 
Esser 2 ) eine derartige Geschwulst bei einer Kuh als Papillom 
bzw. Zottenkrebs bezeichnete. 

Aus neuerer Zeit liegt eine Mitteilung von Müller 3 ) über Harn- 
blasenkrebs beim Rinde vor. 

An der Niere eines Rindes beobachtete Leisering 4 ) ein 
Medullär carcinom, und Leo Loeb 5 ) fand bei einem Rinde ein 
Adenocarcinom beider Nieren. Auch ein Hypernephrom der 
Niere ist in jüngster Zeit von P. Steinke 6 ) bei einem Rinde be- 
schrieben worden. 

Nächst dem Urogenitalsystem erkrankt, wie wir schon vorhin 
erwähnt haben, beim Rinde am häufigsten der Verdauuiigskanal an 
malignen Geschwülsten. Bisher hat man an folgenden Abschnitten 
der Verdauungswege des Rindes bösartige Geschwülste beobachten 
können. 

Am Flötzmaul des Rindes hat bereits Leblanc 7 ) ein C an er o id. 
beobachtet und beschrieben. Es ist jedoch fraglich, ob ein Cancroid 
in diesem Falle vorlag. 

Lippencancroide kommen, nach den Angaben sämtlicher 
Tierärzte, beim Rinde nur äußerst selten vor, hingegen häufiger 
Papillom atöse Wucherungen, deren Entstehung bei Haustieren 
wir bereits vorhin (cfr. S. 232) erörtert haben. 

Ein wirkliches, subkutanes Fibrosarkom (Rundzellensarkom) 
am Flötzmaul eines Rindes hat bisher nur Kitt s ) genauer beschrieben. 

Auch an der Zunge des Rindes ist bisher nur von Nauta 9 ) ein 
echtes Carcinom, und zwar bei einer Kuh beobachtet worden, 
welches in Form von haselnußgroßen Knoten der Zunge aufsaß und 
mikroskopisch untersucht worden ist. Die von uns schon erwähnte 
Beobachtung von Cooper (C hatte ris) (cfr. S. 209) ist nicht ganz 
einwandfrei. 

Carcinome des Oesophagus sind beim Rinde bisher nicht zur 
Beobachtung gekommen, hingegen finden wir in der Literatur vielfach 
Mitteilungen über multiple, papillomatöseExcrescenzen in der 
Schleimhaut des Oesophagus beim Rinde. 

Schon Luschka 10 ) und späterhin W. S c h ü t z , a l ) F e ß 1 e r 12 ) u. a. 
berichten über derartige Erkrankungen des Oesophagus beim Rinde. 

Nach den Untersuchungen von Fe ß ler enthielt die Propria 
mueosa unter dem Papillom Gefäßknäuel, in denen die Venen große, 
cavernöse Räume darstellten. In jedes Papillom ging ein solider, mit 
Gefäßschlingen versehener Zapfen hinein, von dem aus bindegewebige 

1 ) Münchener Jahresbericht 1876/77, S. 30. 

2 ) Tierärztliche Mitteilungen 1875, S. 170. 

3 ) Sächsischer Veterinärbericht 1903, S. 244. 

4 ) Sächsischer Bericht 1872, S. 23. 

5 ) On Carcinoma in cattle (Medecine, April 1900). 

6 ) Frankfurter Zeitschr. f. Pathologie 1910, Bd. V, H. I. 
~) Kecueil de Med. veterin. 1863, p. 737. 

8 ) Jahresbericht der Münchener tierärztlichen »Hochschule 1893. 

9 ) Tierärztliche Rundschau, Bd. XII, Nr. 46. 

10 ) Virch. Aren., Bd. 50, S. 161. 

u ) Archiv f. Tierheilkunde, Bd. I, 1875, S. 66. 

12 ) Deutsche Zeitschr. f. Tiermedizin, Bd. 12, 1886, S. 37. 

16* 



244 III- Der Tier- und sogenannte Pfianzenkrebs. 

Züge in die Fäden und Borsten des Papilloms ausstrahlten. Um das 
Bindegewebe saß ein Epithelzapfen. 

Die Form, die diese papillomatösen Wucherungen annehmen, ist 
außerordentlich mannigfaltig. 

Kitt 1 ) unterscheidet 3 Gruppen, und zwar das Papilloma fili- 
forme, corrali forme und tuberosum. Die Wucherungen können 
ungeheuere Dimensionen annehmen und schon durch ihre Ausdehnung 
ernste Gefahren für das Leben der Tiere herbeiführen. 

Cadeac 2 ) erwähnt zwar auch Beobachtungen über Oesophagus- 
carcinome beim Rinde; aber da histologische Beweise für die 
Echtheit dieser Carcinome nicht beigebracht worden sind, so müssen 
wir diese Mitteilungen als unsichere ansehen. 

Am Magen des Eindes sind, im Gegensatz zur menschlichen 
Pathologie, häufiger Sarkome als Carcinome zur Beobachtung 
gekommen. 

Schon Leisering 3 ) berichtet über den Befund eines klein- 
zelligen Kundzellensarkoms am Magen eines Rindes. 

Am Pansen wollten, besonders ältere Forscher, auch C a n c r o i d e 
beobachtet haben. So beschreibt z. B. Siedamgr otzky 4 ) ein 
Plattenepithelcancroid am Pansen eines Eindes. 

Die neueren Untersuchungen*) haben jedoch ergeben, daß es sich 
in der Eegel um ein Ulcus carcinomatodes cirrhosum am 
Pansen handelt, um einen krebsähnlichen, wohl auch wirklich mit 
atypischer Epithelwucherung verknüpften, durch starke Bindegewebs- 
verdickung ausgezeichneten Geschwürszustand. 

Trotter, 5 ) der 3 derartige Geschwülste am Pansen eines Eindes 
zu beobachten Gelegenheit hatte, berichtet, daß diese Geschwüre auch wie 
blumenkohlförmige Pflasterzellenkrebse wuchern und zerfallen können. 

Abweichend von der Wachstumsart der echten Carcinome, 
findet man aber bei diesen Neubildungen eine ziemlich scharfe 
Abgrenzung vom Gesunden. Die verdickte Magenpartie ist 
grauschwarz verfärbt, tief zerklüftet und mit zottigen Anhängseln 
versehen. In der angrenzenden, normalen Schleimhaut sind oft 
strahlige Narben wahrzunehmen. 

Auch am Psalter des Eindes sind wiederholt Sarkom- 
erkrankungen beobachtet worden. 

Man kannte zunächst nur die weichen, hirnmarkähnlichen und 
reich mit Blutgefäßen versehenen Sarkomformen, die in der Eegel aus 
Rundzellen zusammengesetzt sind. 

Eine derartige Sarkomart am Psalter eines Eindes beschrieb 
z. B. E. Pauli. 6 ) 

Späterhin jedoch fand man auch am Psalter, wie Kitt 7 ) hervor- 
hebt, harte Sarkomarten, die in der Eegel Spindelzellen ent- 
hielten, und sich derartig ausbreiteten, daß die ganze Magenwand 
panzerartig verdickt war, weshalb W. Schütz auch diese Ge- 
schwulstart als „Sarcoma capsulare omasi" bezeichnete. Das Wachs- 

1 ) 1. c. S. 222 (Bd. I, S. 536). 

2 ) Encyclopaedie. Pathol. interne des anim. dornest. 1896, T. I, p. 219, 

3 ) Sächsischer Bericht 1861, S. 22. 

4 ) Magazin f. Tierheilkunde, Bd. 36, 1870, S. 163. 
*) Cfr. Th. Kitt 1. c. S. 222 (Bd. I, S. 562). 

5 ) Six cases of Carcinoma in cows (Journ. of comp. Pathol. 1903, Vol. XVI, p. 200). 
c ) Arch. f. wissenschaftl. u. prakt. Tierheilkunde 1881, S. 214. 

7 ) 1. c. S. 222 (Bd. I, S. 562). 



Krebserkrankung bei Haustieren (Eind). 245 

tum dieser Geschwulstart am Magen des Rindes ist also der Aus- 
breitung des Magenkrebses beim Pferde (cfr. S. 233) sehr ähnlich. 

Zu Verwechslungen mit carcinomatösen Erkrankungen des 
Psalters geben oft die papilloma tosen Wucherungen Anlaß. 

Diese papilläre Hyperplasie, die in der Regel multipel auftritt, 
blumenkohlartig wächst und oft faustgroß wird, ist von Kitt 1 ) als 
„Papilloma polyposum myxomatodes omasi" bezeichnet worden. 

Die älteren Berichte über Scirrhus des Labmagens, wie z. B. 
die von Brennekenam, 2 ) Pierre Causse 3 ) u. a. beziehen sich, 
nach Kitt, ebenfalls auf derartige Hyperplasien. 

Die Schleimhautfalten des Labmagens sind zu starren, oft finger- 
dicken Wülsten umgewandelt. Die Oberfläche ist runzelig, oft ge- 
schwürig und zerklüftet. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung findet man eine 
Hyperplasie der Magendrüsen und eine Sklerose der Submucosa. 

Bei den malignen Darmgeschwülsten des Rindes handelt es sich, 
ebenso wie bei den Magenneubildungen, in der Regel um Sarkom- 
erkrankungen. 

Die Darmsarkome treten beim Rinde, nach Kitt, 4 ) in zwei 
verschiedenen Formen auf. 

1. Singular, umschrieben, rundlich, mit breiter Basis aufsitzend, 
haselnuß- bis faustgroß. Die Oberfläche ist samtartig. Die in das 
Lumen hineinragenden Sarkome sind derb und reich an glatter 
Muskulatur, weshalb sie auch als „Myosarkoma laevicellulare" 
bezeichnet werden. Der Hauptsitz dieser Sarkomform ist der Dünn- 
darm. 

2. Infiltrativ wachsende Sarkome werden in der Regel am 
Mastdarm gefunden. 

Diese Mastdarmsarkome nehmen ihren Ausgang von den 
Lymphfollikeln der Schleimhaut und verwandeln, diffus wachsend, den 
Darm oft in ein starres Rohr. 

Derartige Fälle hat schon Rabe 5 ) und späterhin Kitt 6 ) u. a. 
beschrieben. 

Roger Williams 7 ) erwähnt auch noch ein Präparat von 
Carcinoma recti, welches sich im H u n t e r - Museum in London 
befindet. 

Auch Polypen der Darmschleimhaut kommen, nach den Be- 
obachtungen von Fadyean, 8 ) beim Rinde vor. 

Ungemein zahlreich sind die Mitteilungen über maligne Leber- 
geschwülste des Rindes. 

Schon älteren Forschern, wie z. B. Th. Meyer (cfr. S. 209) ist 
diese Erscheinung aufgefallen. 

Auch die Forscher der Neuzeit bestätigten diese eigenartige 
Lokalisation der malignen Geschwülste beim Rinde. 



l ) Monatshefte f. prakt. Tierheilkunde, Bd. I, S. 358. Cfr. auch 1. c. S. 222 
(Bd. I, S. 558). 

») Magazin f. Tierheilkunde, Bd. 34, 1868, S. 163. 

3 ) Kecueil Bullet. 1875. 

4 ) 1. c. S. 222 (Bd. II, S. 90). 

6 ) Hannoverscher Bericht 1875, S. 96. 

6 ) Münchener Bericht 1891/92, S. 85. 

') 1. c. S. 19 (p. 104). 

8 ) Journ. of comparat. Pathol. 1902, Vol. XV, p. 155. 



246 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Trotter 1 ) z. B. hat unter 39 704 in Glasgow geschlachteten 
Rindern 119 Tiere mit primärem Adenocarcinom der Leber 
behaftet gefunden. 

Auch Besnoit, 2 ) Bashford 3 ) und viele andere Forscher be- 
richten über die ungewöhnlich häufig vorkommenden, primären 
Leberkrebse beim Rinde. In der Regel wurden diese Geschwülste 
als primäre Carcinome beschrieben. 

Wilhelmi 4 ) hat zwei derartige Lebergeschwülste beim Rinde 
histologisch genauer untersucht. 

Das eine Präparat stammte von einer 2% jährigen, trächtigen Kuh. 
Am rechten Leberlappen befand sich ein kindskopfgroßer Tumor, der 
histologisch aus einem von interlobulärem Bindegewebe, Gallen- 
gängen und Blutgefäßen gebildeten Maschennetz bestand, in welches 
zahlreiche Krebszellen eingelagert waren. 

Das zweite Präparat war von einer 4jährigen, ebenfalls träch- 
tigen Kuh gewonnen. Die Leber dieses Tieres soll öl 1 ^ Kilo schwer 
gewesen sein. Die Oberfläche der Leber war höckrig, zeigte eine 
krebsige Entartung und hatte zahlreiche Metastasen im Peritoneum 
hervorgerufen. 

Aber auch primäre Lebersarkome kommen beim Rinde vor. 

Eine derartige Geschwulst hatte Kitt 5 ) zu beobachten Gelegen- 
heit gehabt. 

Der Tumor stellte einen solitären, gänseeigroßen, runden Knoten 
dar, der auf dem Durchschnitt eine polsterartige, hervorquellende 
Masse zeigte, die im Zentrum rötlich- weiß war mit gelblichen, 
trüben, nekrotischen Flecken und einer Depression. Das Bild glich 
also makroskopisch vollkommen dem einer tuberkulösen Er- 
krankung, histologisch aber wurde die Geschwulst als Sarkom 
erkannt. 

Ebenso sind auchLeberadenome beim Rinde von B oll in ger, 6 ) 
Martin 7 ) u. a. und Leberangiome von S a a k e , 8 ) K i 1 1 9 ) u. a. be- 
schrieben worden. 

Es fragt sich nun, ob es sich in allen mitgeteilten Fällen um 
echte Krebsgeschwülste, oder um Inf ektions geschwülst e ge- 
handelt hat. 

H aal and 10 ) machte besonders auf die häufige Anwesenheit von 
Nematoden in der Leber des Rindes aufmerksam, durch deren 
Reiz leicht eine Sklerose der Gallengänge entsteht, die zu krebs- 
ähnlichen Wucherungen führen kann. 

Auch Roger Williams 11 ) neigt der Ansicht zu, daß wohl viel- 
fach Infektionsgeschwülste der Leber beim Rinde als Krebs- 
geschwülste angesehen worden wären. 



1 ) Journ. of comp. Pathol. and Therap., Vol. 17, 1904, p. 127. 

2 ) Eevue veterin. 1895, No. 6/7. 

3 ) Verein f. innere Medizin. Berlin, 21. Okt. 1912. (2. Ley den -Vorlesung). 

4 ) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde, Bd. 45, 1903, H. 4. 

5 ) 1. c. S. 222 (Bd. I, S. 678). 

«) Münchener Bericht 1876/77, S. 34. 
"') Ibidem, 1882/83, S. 104. 
8 ) Archiv f. Tierheilkunde, Bd. 19, S. 193. 
°) Monatshefte f. prakt Tierheilkunde, Bd. VI, ^ 157. 
]0 ) Zitiert von Bashford (cfr. Nr. 3). 
n ) 1. c. S. 19 (p. 104). 



Krebserkrankung bei Haustieren (Rind). 247 

Verhältnismäßig selten finden sich beim Einde maligne Ge- 
schwulsterkrankungen des Respirationssystems. 

A. Stick er 1 ) hat unter 78 krebskranken Kindern nur 2 Fälle 
von Krebs der Nase und ihrer Nebenhöhlen, 2 maligne Geschwülste 
des Kehlkopfs, 3 Lungencarcinome und 1 maligne Pleura- 
geschwulst aus der Literatur zusammenstellen können. 

Außerdem liegen nun noch Beobachtungen vor über Adenome 
der Kehlkopfschleimhaut von Siedamgrotzky 2 ) und Johne 3 ) 
und über ein Fibrom des Kehlkopfs von Th. Kitt. 4 ) 

Diese Geschwulst war, nach den Beobachtungen von Kitt, scharf 
begrenzt und unterschied sich von Actinomyces und anderen ge- 
sell wulstartigen Erkrankungen durch den Mangel von Eiterungsherden, 
durch die glatte Oberfläche und durch die solid bindegewebige 
Struktur. 

Ueber ein Rundzellensarkom der Trachea bei einem 
Ochsen berichtete ferner Hink. 5 ) 

Maligne Geschwülste des Zentralnervensystems sind beim Rinde 
nur sehr selten zur Beobachtung gekommen. 

Wir finden in der Literatur eine derartige Beobachtung von 
Kammern) an n fi ) mitgeteilt, der bei einer Kuh ein Spindelzellen- 
sarkom des Rückenmarks fand, welches aus der Flügelgrube des 
Atlas durch das Zwischenwirbelloch des IL Halswirbels bis zum Hals- 
marke durchgewuchert war. 

Ebenso selten kommen auch anscheinend beim Rinde die beim 
Hunde und Pferde so häufig beobachteten, primären, malignen 
Lymphdrüsengeschwülste vor (cfr. S. 223 und 236). 

Nur J. A. G i b r u t h 7 ) berichtet über ein primäres Rundzellen- 
sarkom der Lymphdrüsen bei einem Ochsen. 

Primäre Carcinome und Sarkome der Extremitäten sind beim 
Rinde, im Gegensatz zu den Beobachtungen beim Pferde (cfr. S. 237), 
ebenfalls nur sehr selten beschrieben worden. 

Oefters finden wir wohl in der älteren Literatur Mitteilungen 
über Kiefersarkome beim Rinde. 

Aber alle diese Mitteilungen sind unzuverlässig, da Verwechslungen 
mit Actinomyces nicht auszuschließen sind. 

Ein echtes, vom Jochbein ausgehendes Riesenzellen- 
sarkom ist beim Rinde eigentlich nur von A. Eber 8 ) beobachtet 
worden. 

Hingegen finden wir schon häufiger Mitteilungen über maligne, 
melanotische Primärtumoren an allen möglichen Körperteilen des 
Rindes. Schon ältere Forscher wie Adam, 9 ) Macgillivray, 10 ) 



x ) l. c. 8. 211. 

2 ) Sächsischer Bericht 1871, S. 11. 

3 ) Ibidem, 1879. S. 17. 

4 ) 1. c. S. 222 (Bd. IT, S. 202). 

B ) Badische tierärztliche Mitteilungen 1889, S. 93. 

6 ) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde 1887, S. 337 ; 1888, S. 205. 

7 ) Rep. of prineipal veterinary officer. New Zeeland Depart. of Agriculture 
1902-1903. 

8 ) Deutsche Zeitschr. f. Tiermedizin, Bd. 22, 1896, S. 161. 
»') Adam's Wochenschr. 1882, S. 73. 

10 ) The veterin. Journ. 1884, Vol. 27, p. 153. 



248 III- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

D e g i v e , 2 ) Perroncito 2 ) u. a. berichteten über Melanosarkome 
bei Rindern. 

Auch aus der Neuzeit liegen vielfach Berichte über Melano- 
sarkome bei Rindern vor. 

So beobachteten z. B. M e t z 3 ) bei 2 Schimmeln Melanosarkome 
am Triel und im Becken, Hoare 4 ) eine ebensolche Geschwulst 
am Schädel eines Ochsen, J. A. Gibruth 5 ) an der Unterlippe, 
H. J. Hamburger 6 ) ein „Chondro -fibro-Melanosarkom" an der 
Pleura einer Kuh, Bashford 7 ) mehrere Fälle von melanotischen 
Sarkomen am Perineum von Kühen usw. 

Auch im Hunt er' sehen Museum in London befinden sich, 
nach den Angaben von Roger Williams, 8 ) mehrere Präparate von 
melanotischen Sarkomen des Rectum, des Euters und anderen 
Organen des Rindes. 

Cadeac 9 ) beschreibt auch ein melanotisches Fibrom am 
Kreuz einer 7jährigen Kuh. 

Eigenartig sind die beim Rinde beobachteten, malignen Geschwulst- 
erkrankungen des Auges. In der Regel handelt es sich um Sarkome, 
die sowohl bei einzelnen Tieren, aber auch endemisch vorkommen 
können. 

Ueber Einzelerkrankungen des Auges berichteten z. B. 
Cuille und Sendrail, 10 ) die bei einer Kuh ein Sarkom der Orbita 
mit allgemeiner Sarkomatose auftreten sahen, Richter (Dresden), 11 ) 
der bei einer Kuh ein kleinzelliges Rundzellensarkom beobachtete, u. a. 

Daß aber auch bei Rindern maligne Augengeschwülste endemisch 
vorkommen können, ist, besonders den Tierärzten, schon seit langer 
Zeit bekannt. 

Bereits Chabert 12 ) hat im Jahre 1782 bei Rinderherden in der 
Umgebung von de Bains in der Bretagne Geschwülste an der 
Tuberositas maxillaris zwischen Auge und Nase endemisch ent- 
stehen sehen, die er für cal löse Wucherungen hielt, Geschwülste, 
die große Zerstörungen im Bereiche der Augen, Nase und Kinnbacken 
hervorriefen. Erst späterhin hat dann Blanche 13 ) den sarkoma- 
tösen Charakter dieser Tumoren nachgewiesen. 

Diese Erscheinung wurde späterhin, besonders in Amerika 
und England, 14 ) vielfach bestätigt, und in neuerer Zeit wurden auch 



1 ) Ann. belg. 1885, p. 362. 

2 ) II med. vet. 1886, p. 193. 

3 ) Deutsche tierärztl. Wochenschr. 1893, S. 249. 
*) The veterin. Journ.. Vol. 24, p. 393. 

5 ) 1. c. S. 247. 

6 ) Virch. Aren., Bd. 117, 1889, S. 427. 

7 ) Scientific. Kep. of the Cancer Eesearch Fund 1905, No. 2. 

8 ) 1. c. S. 19 (p. 104). 

9 ) Recueil de Med. veterin. 15. März 1885. 

10 ) Revue veterin. Jan. 1899. 

11 ) Berliner tierärztliche Wochenschr. 1907. 

12 j Cfr. M. Hurtrel d' Arboval, Dict. de Med. de Chirurgie et d'Hygiene 
veterinaires. 2. Ed. Paris 1838, T. I, p. 292. 

13 ) Compte rendu des observat. veterin. envoye ä la Soc. royale et centr. d'agri- 
culture pour 1821. 

u ) Cfr. The Veterinarian, 1869, Vol. 42, p. 518. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Rind). 249 

in anderen Ländern *) häufig derartige, maligne Augenerkrankungen, 
die endemisch auftreten, bei Rindern beobachtet. 

In neuerer Zeit haben besonders Leo Loeb und George 
Jobson 1 ) mehrfach auf das endemische Vorkommen derartiger, 
maligner Augenschwülste bei amerikanischen Rinderherden hin- 
gewiesen. 

Auf einer Farm in der Nähe von Chicago wurden z. B. unter 
2514446 Rindern 48 Tiere mit malignen Augengeschwülsten 
vorgefunden, und zwar ausschließlich bei Kühen, die über 
6 Jahre alt waren. Während auf dieser Farm das Verhältnis der 
kranken Tiere zu den gesunden, wie 1 : 52 000 sich verhielt, war auf 
anderen Farmen diese Erkrankung noch viel häufiger, so daß oft 
schon auf 1000 gesunde Tiere ein augenkrankes Rind entfiel. 

Nach den Untersuchungen von Leo Loeb nehmen diese malignen 
Geschwülste, die er für Carcinome hält, ihren Ausgang von der 
Karunkel oder ihrer nächsten Umgebung, also von Stellen, wo be- 
sonders Staub und Fremdkörper hineingelangen, breiten sich von 
dort weiter nach der Submaxillargegend , dem Halse und dem 
Mediastinum hin aus und erzeugen Metastasen in Drüsen und in 
den Lungen. 

Auch 0. Voges 2 ) hat in Buenos -Aires das endemische 
Auftreten derartiger, maligner Augengeschwülste bei Rinderherden 
beobachtet, allerdings nicht ausschließlich bei Kühen, wie Loeb 
berichtete, sondern auch bei Stieren, aber nur bei Tieren von 
derselben Rasse und bei pigmentlosen Tieren. Diejenigen 
Tiere, die mit einem roten Haarring um die Augen versehen 
waren, blieben von der Erkrankung verschont! 

Voges bezeichnete diese Affektion als „Panophthalmia bovina 
carcinomatosa". 

Wie wir noch sehen werden, treten auch bei anderen Tieren, wie 
z.B. bei Ratten**) und weißen Mäusen***) maligne Geschwulst- 
erkrankungen oft endemisch auf; aber alle diese Endemien und 
Epidemien unterscheiden sich doch wesentlich von den beim 
Menschen beobachteten, endemisch vorkommenden Ge- 
schwulsterkrankungen (cfr. S. 7 ff.) 

Dieser Unterschied ist, nach v. Hansemann, 3 ) darin zu sehen, 
daß bei diesen Tierepidemien es sich stets um ganz gleichartige 
Krebse derselben Organe handelte, so bei der von Hanau 
bei Ratten beobachteten Endemie um ein Cancroid der Vulva, 
und bei der von Borrel bei weißen Mäusen beschriebenen 
Endemie um ein Carcinom der Hautdrüsen. 

Auch bei den vorhin erwähnten, endemisch vorkommenden, malignen 
Geschwülsten bei Rindern handelte es sich stets, wie bereits Voges 

*) Cfr. z. B. Burchardt (Corresp.-Bl. des Thüringer Aerzte Vereins 1894). 
Behla (Centr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 23, 1898, Abt I). 

1 ) The Journ. of comp. Med. and veterinary Arch. 1900, p. 385. Medicine, 
April 1900 (On Carcinoma in cattle). Deutsche tierärztliche Wochenschrift 1901, Nr. 20. 
Arch. f. klin. Chirurgie, Bd. 70, 1903, S. 845. Centr.-Bl. f. Bakteriol., Bd. 37, 1904, 
S. 235. 

2 ) Centr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 31, 1902, Abt. T, S. 142. 
**) Cfr. Hanau, Fortschritte der Medizin, 1889, Bd. VII. 

***) Cfr. Borrel, Annales de l'Institut Pasteur, 1903, T. 17. 

3 ) Berliner med. Gesellsch. 8. März 1905. 



250 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

bemerkte, um die Lokalisation am inneren Augenwinkel, bei 
Tieren derselben Rasse. 

Ganz anders gestaltet sich jedoch das endemische Auftreten 
von Geschwulsterkrankungen beim Menschen, wo es sich immer 
um die Häufung der verschiedensten Carcinoma rten in den 
verschiedensten Organen handelt. 

Man hat nun vielfach, wie wir gesehen haben,*) dieses endemische 
Vorkommen von malignen Geschwülsten bei Tieren für die p arasi täre 
Theorie der Krebsentstehung zu verwerten sich bemüht, aber Leo Loeb 
fand in der Tat den vorhin erwähnten Unterschied so bedeutend, daß 
er einen Vergleich zwischen diesen beiden Epidemieformen ab- 
lehnte und es für unwahrscheinlich hielt, daß ein Parasit im 
Spiele sei, der diese gleichartigen Carcinome in demselben 
Organ erzeugen könne, es müßten irgendwelche andere Ursachen vor- 
handen sein, vielleicht solche erblicher Natur, oder auch solche, 
die sich noch unseren Anschauungen entziehen. 

Am Schlüsse unserer Betrachtungen über die malignen Geschwülste 
bei Rindern wollen wir noch kurz die besonders beim Steppenvieh 
öfters vorkommenden Cornua cutanea erwähnen, Gesehwülste, die an 
und für sich gutartig sind, beim Menschen auch vorkommen und 
hin und wieder auch krebsig entarten können.**) 

Diese Cornua cutanea können, wie Schmidelka 1 ) angibt, 
beim Steppenvieh oft V- 2 m lang werden und einen Umfang von 30 cm 
erreichen. 

Nach den Berichten von Nörner, 2 ) Kozourek, 3 ) Roger 
Williams 4 ) u. a. sitzen diese Hauthörner am häufigsten an der 
Stirn des Tieres, kommen aber auch am Nacken, Euter und anderen 
Körperstellen, wenn auch viel seltener, vor. 

Histologisch handelt es sich bei diesen Gebilden um eine 
Hyperplasie der Cutispapillen. 

Die Papillen erfahren eine starke Verlängerung, und um diese 
lang ausgewachsenen Papillen lagern sich neugebildete, verhornende 
Epidermiszellen in konzentrischen Schichten ab. Auf diese Weise 
entstehen Hornröhrchen, welche innen durch lange Cutispapillen aus- 
gefüllt sind, und die durch ihre peripheren Mantelzellen zusammen- 
gehalten werden. Das ganze Gebilde erscheint dann als eine kom- 
pakte Hornmasse. 

Cornua cutanea sind auch in seltenen Fällen noch bei 
anderen Tieren beobachtet worden, beim S c h a f z. B. von L a b a t 5 ) 
und bei Vögeln (Papagei und Kanarienvogel) von Zürn 6 ) und 
Hennemann. 7 ) 



*) Cfr. Bd. I, S. 520 ff.; Bd. II, S. 56 ff. 
**) Cfr. Bd. II, S. 232. 
x ) Hantkrankheiten. Wien 1908. 

2 ) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde, 1887, S. 57. 

3 ) Ungarischer Veterinärbericht 1886/87, S. 218. 

4 ) 1. c. S. 19 (p. 104) ein Präparat im Hunt ersehen Museum zu London. 

5 ) Eevue veterin. 1894, p. 309. 
c ) Geflügelbörse 1893, Nr. 54. 

') Oesterreich. Monatsschrift f. Tierheilkunde, 1909, S. 392. 



Krebserkrankung bei Haustieren (Kalb. Schaf). 251 

Sehr selten hat man beim 

Kalb 

maligne Geschwülste gefunden. 

Am Magen eines Kalbes hat Schneider 1 ) ein faustgroßes, 
höckriges Chondrom beobachtet, welches in der Wand des ersten 
Magens saß. 

Eine Ovarialgeschwulst, die aus Corpus luteum ähnlichem 
Gewebe mit vielen Cysten bestand, hat Leo Loeb 2 ) bei einem Kalbe 
beschrieben. 

Bo Hing er 3 ) berichtet über ein angeborenes, faustgroßes 
Melanosarkom bei einem 30 Tage alten Saugkalb. Die Geschwulst 
saß in der linken, mittleren Schädelgrube, war tiefschwarz und hatte 
melanotische Metastasen in den Lungen, in der Leber und in den 
Gefäßwandadventitien hervorgerufen. 

Schaf, 

A. Stick er 4 ) hat in der gesamten Literatur nur 7 Fälle von 
malignen Geschwülsten beim Schaf vorgefunden, von denen 5 Tumoren 
allein die Leber betrafen und die beiden anderen die Mesenterial- 
drüsen und Lungen. 

Seit dieser Zeit sind wohl noch einige Fälle von malignen Ge- 
schwülsten beim Schaf veröffentlicht worden, aber die Zahl ist nur 
eine sehr geringe. 

Primäre Adenocarcinome der Leber beschrieben noch 
Trotter 5 ) und Kitt, 6 ) und ein sekundäres Lebercarcinom wurde 
beim Schaf von Max Koch 7 ) beobachtet. 

Mehrfach werden auch maligne Lungengeschwülste beim 
Schaf erwähnt, u.a. von W. Schütz, 8 ) A. Eber 9 ) und Besnoit. 10 ) 

In den beiden Fällen von Schütz und Besnoit soll es sich um 
Carcinome gehandelt haben, in dem Falle von Eber um ein 
„Adenoma proliferum papilläre", welches von den Schleimdrüsen der 
Bronchialwand seinen Ausgang genommen hatte. 

Im übrigen berichten noch J. A. Gibruth 11 ) über ein Endo- 
theliom des Oberschenkels und über ein Spindelzellen - 
sarkom des Herzens bei einem Schaf, Leo Loeb 12 ) über einen 
Fall von allgemeiner Lymphosarkomatose, Crisp 13 ) über 
ein großes Encephaloid am Brustkasten eines Schafes und Worsley 14 ) 
über ein Melanosarkom beim Schafe. 



1 ) Jahresbericht der Königl. Zentral-Tierarzneischule zu München, 1887, S. 75. 

2 ) Virch. Arch. Bd. 166, 1901, S. 158. 

3 ) Münchener Jahresbericht 1876/77, S. 37. 

4 ) 1. c. S. 211. 

*) Journ. of comp. Pathol. and Therap., Vol. 17, 1 C J04, H. II. 

6 ) 1. c. S. 222 (Bd. I, S. 675). 

7 ) Deutsche pathol. Gesellschaft, Mai 1904. 

8 ) Preußische Mitteilungen, 1880, S. 44. 

°) Bericht über das Veterinarwesen im Königreich Sachsen, 1892, S. 43. 

10 ) Revue veterin. 1895, S. 177. 

u ) Rep. of principal veterinary officer. New Zealand Depart. of Agriculture, 

12 ) Transact, Chicago Pathol. Soc, Vol. IV, 1900. 

13 ) Zitiert von Roger Williams, 1. c. S. 19 (p. 90). 
u ) The veterin. Journ., Vol. 61, p. 138. 



252 J U- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Bei der 

Ziege 

ist bisher nur ein einziger Fall von Mammacarcinom beobachtet 
worden, und zwar von E gg e 1 in g, 1 ) der im Laufe von 9 Jahren 
unter 238 behandelten Ziegen nur diese eine maligne Geschwulst fand. 

Maligne Tumoren beim 

Schwein 

hat schon, wie wir bereits erwähnt haben (cfr. S. 208), Ga spar in 
beschrieben. 

Im großen und ganzen kommen maligne Geschwülste beim Schwein 
nur sehr selten vor. 

A. Sticker 2 ) hat nur 11 Fälle von malignen Geschwülsten aus 
der Literatur zusammenstellen können, von denen 7 die Nieren be- 
trafen. Außerdem erwähnt S t i c k e r noch 3 Beobachtungen von 
W. Schütz und Eggeling, die aber nicht veröffentlicht worden 
wären. 

Auch Gaylord und Zink 3 ) fanden unter 2000 in Buffalo 
geschlachteten Schweinen nur 4 Fälle von malignen Geschwülsten, 
die ihren Sitz in der Niere, Haut und Leber hatten. 

Fadyean 4 ) hat beim Schwein niemals eine maligne Geschwulst 
beobachtet. 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß beim Schwein am häufigsten 
die Niere zu erkranken pflegt. 

Ueber Nierencarcinome beim Schwein berichteten z. B. 
Johne, 5 ) Ostertag, 6 ) Goerig 7 ) u. a. 

Auch Sarkome der Niere kommen, nach den Beobachtungen 
von Johne, 8 ) vor. der bei einem Schwein eine 14 Kilo schwere 
Nierengeschwulst fand, die er als „Adeno-Sarko-Rhabdomyom" 
bezeichnete. 

Sehr eingehend beschreibt H. J. Hamburger 9 ) eine derartige, 
sar komatös erkrankte Niere des Schweines. 

Die Länge der Niere betrug 40, die Breite 20 cm. 

Die Kapsel war leicht abtrennbar, der Durchschnitt zeigte eine 
derbe Konsistenz. Auf der gleichmäßig weißen Schnittfläche war kein 
Unterschied zu bemerken zwischen corticaler und medullärer 
Substanz. Die Nierenepithelien hatten normale Form und normalen 
Stand zum Nierenbecken. 

Histologisch war im corticalen Teil kein Glomerulus zu 
sehen, nicht einmal die Stelle, wo früher einer gewesen wäre, ebenso- 
wenig konnte man Tubuli contorti finden. Die ganze Substanz war 



x ) Zitiert von A. Sticker, 1. c. S. 211 (nach einer mündlichen Mitteilung). 

2 ) 1. c. S. 211. 

3 ) Clinical Journal 1902, p. 125. 

4 ) The Practitioner, April 1899. 

5 ) Sächsischer Bericht 1881, S. 72 (Adenocarcinom). 

6 ) Handbuch der Fleischbeschau, S. 278 (die Niere wog 18 kg!). 

7 ) Deutsche tierärztliche Wochenschrift, 1901, S. 129 (bei einem 7 Monate alten 
Schwein !). 

s ) Sächsischer Bericht, 1887, S. 63. 
°) Virch. Arch. Bd. 117, 1889, S. 422. 



Krebserkrankung bei Hanstieren (Ziege. Schwein. Katze). 253 

gleichmäßig ausgefüllt mit schlecht färbbaren Rundzellen, die etwas 
größer als die roten Blutkörperchen waren. 

In dem mittleren Teil waren die Harnkanälchen ebenfalls 
verschwunden. 

Am Ende der Papillen hatten die meisten Harnkanälchen 
ihr Epithel verloren, in den übrigen war es teils nekrotisch, teils 
verklumpt. Beide Nieren zeigten dieselbe Erkrankung, die Ham- 
burger für eine sarkomatöse ansprach. 

Es ist jedoch zweifelhaft, ob es sich um eine Primär- 
erkrankung gehandelt hat, da Hamburger nur die Nieren zu 
untersuchen Gelegenheit hatte. 

Maligne Erkrankungen an anderen Organen des Schweines 
sind nur in sehr geringer Zahl zur Beobachtung gekommen. 

Ueber 2 Fälle von Carcinomen am Euter des Schweines be- 
richtete Schaible, 1 ) über einen Fall von Adenocarcinom des Uterus 
Leo Loeb 2 ) und über ein Cancroid am Zahnfleisch eines Schweines 
L e i s e r i n g. 3 ) Die letzte Beobachtung ist j edoch nicht ganz einwandfrei. 

Katze. 

Etwas häufiger kommen maligne Geschwülste bei der Katze vor. 

Nach einer Zusammenstellung von A. Stick er 4 ) sind in der 
Berliner tierärztlichen Hochschule in der Zeit von 1891 — 1901 in 
der Klinik 54 Katzen behandelt worden, von denen 2 = 3,7% an 
Krebs litten. In der Poliklinik wurden 1688 Katzen untersucht 
und 9 krebskranke Tiere gefunden, d. h. 0,53 °/ . 

Im Durchschnitt waren also von allen behandelten Tieren 
0,63°/ krebskrank. 

Hingegen befanden sich unter 34 während der Zeit von 1888—1900 
sezierten Katzen 2 Tiere, d. h. 5,9 °/ , bei denen Carcinom fest- 
gestellt werden konnte. 

Am häufigsten war die Mamma der Sitz der Erkrankung, dann 
die Haut. 

Mammacarcinome bei der Katze wurden z. B. beschrieben 
von W. G. Spencer, 5 ) E. v. Leyden, 6 ) Eva Field, 7 ) Gabriel 
Petit, 8 ) Jean Clunet 9 ) und mehreren anderen Forschern.*) 

Sehr eingehende, histologische Untersuchungen über die Art 
der bei Katzen vorkommenden Mamm acarcinome haben in jüngster 
Zeit besonders die beiden zuletzt genannten Forscher, Gabriel 
Petit und Jean Clunet, angestellt. 

In dem einen von G. Petit und Cornil 10 ) beobachteten Falle 



1 ) Mitteilungen des Vereins Badischer Tierärzte, 1903. 

2 ) Transact Chicago. Pathol. Soc, Vol. IV, 1900. 

3 ) Sächsischer Bericht 1868, S. 21. 

4 ) 1. c. S. 211. 

5 ) Transact. of the pathol. Soc. London, 1890, Vol. 41, p. 400. 
{i ) Zeitschr. f. klin. Medizin, Bd. 52, 1904, S. 409. 

') Journ. of Americ. med. Assoc. 29. Dez. 1904, p. 983. 

8 ) Bullet, de la Soc. centr. de med. veterin. 1902, No. 10 und: Bullet de l'Assoc. 
franc. pour l'etude du Cancer, Paris 1910, T. III. p. 305. 

°) 1. c. S. 214 (p. 4). 

'*) Cfr. auch: Etienne Antoine, Contribution ä l'etude du Cancer chez le 
chat. These de Paris 1907. 

10 ) Soc. anat. de Paris, März 1906. 



254 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

handelte es sich um ein Zylinderepitheliom der Mamma bei 
einer Katze mit zahlreichen Lungen- und Leb ermetas t äsen. 

Charakteristisch bei den Lungenmetastasen war nun der 
Umstand, daß überall, wo carcinomatöse Zylinderepithelien sich be- 
fanden, in den Lungenalveolen oder innerhalb der Gefäße gleichzeitig 
eine äußerst zarte, neugebildete, fibröse Septenbildung, welche 
als Stütze für die Zylinderzellen anzusehen ist, vorhanden war. 

Einen zweiten Fall von Mammacarcinom bei einer Katze 
demonstrierten G.Petit und Guido Finzi in der französischen 
Krebsgesellschaft am 18. Juli 1910.*) 

Dieses Carcinom saß an einer hinteren Mamma und wuchs zuerst 
sehr langsam, dann erschienen nach einigen Wochen mehrere Krebs- 
herde in der nächsten Umgebung der Primärgeschwulst, die bald 
ulcerierten und von der Katze immer beleckt wurden. 

Die Axillardrüsen waren nur wenig angeschwollen. 

Histologisch handelte es sich um einen Zylinderepithel- 
krebs mit papillärer Form. 

Die Beobachtung von Jean Clunet betraf eine 19 Jahre alte 
Katze. 

Der ulcerierte Tumor war nußgroß. Bei der Sektion waren 
makroskopisch wahrnehmbare Metastasen nicht festzustellen. 

Die Haut in der Umgebung des Tumors war unterminiert, die 
Muskeln des Bauches auseinandergedrängt, und überall war .ein in- 
filtratives Wachstum zu bemerken. 

Histologisch bestand die Hauptmasse des Tumors aus Maschen, 
angefüllt mit atypischen Epithelien von mannigfachen, großen 
Formen (noyaux bourgeonnants, mitoses anormales, figures pseudo- 
parasitaires). 

Im Zentrum der Geschwulst waren die Epithelien käsig degene- 
riert, die ganze Substanz war körnig und hyalin mit Trümmern von 
Kernen durchsetzt (Pycnose et karyorrhexis). 

Hin und wieder war eine acinöse Anordnung der Epithelien 
noch erhalten. 

Das Stroma war vielfach mit polynucleären Lymphzellen 
durchsetzt, in der Tiefe fanden sich kleine Lymphkügelchen mit hellem 
Zentrum, die aber in keiner Weise den Charakter einer akuten 
Entzündung zeigten, Zellen, die ähnlich denen waren, dieFage 1 ) 
beim Menschen beschrieben hatte. 

Clunet bezeichnete diese Mammageschwulst als „Epithelioma 
mammaire metatypique". 

Maligne Geschwülste in anderen Organen des Genitaltractus sind 
bei der Katze nur sehr selten zur Beobachtung gekommen. 

Kitt 2 ) berichtet z.B. über einen Primärkrebs des Ovariums 
bei einer 13jährigen Katze mit zahlreichen Leber metastasen 
und S t r o u d 3 ) über ein Sarkom des Ovariums und des Beckens. 

Sehr selten kommen auch anscheinend maligne Geschwülste des 
Respirationssystems bei der Katze vor. 



. *) Cfr. Bullet, de l'Assoc. frang. pour Petude du Cancer. Paris 1910, Nr. 7, p. 305. 
*) Recherches sur le tissu lymphoi'de dans les epitheliomas non ulceres du sein. 
These de Paris, 1909. 

-) 1. c. S. 222 (Bd. I, S. 676; Bd. IT, S. 641). 
3 ) Veterinary Journal 1902, p. 317. 



Krebserkrankungen bei Haustieren (Katze). 255 

Nach den Beobachtungen von F. Fuchs 1 ) kommt die knotige 
Form des Lungencarcinoms bei der Katze häufiger vor als die 
diffuse Infiltration. 

In dem von ihm beobachteten Falle hatte das Lungencarcinom 
seinen Ausgang von den Schleimdrüsen der Bronchien ge- 
nommen, bestand histologisch aus Zylinder epithel in Schlauch- 
anordnung und wucherte knotenförmig. 

Einen Fall von diffuser, carcinomatöser Infiltration des Lungen- 
krebses hat Kitt 2 ) bei einer Katze beschrieben. 

In bezug auf maligne Geschwülste des Digestionstractus bei der 
Katze finden wir in der Literatur zunächst eine ältere Mitteilung 
von C. Leblanc, 3 ) der ein Cancroid der Oberlippe beschreibt. 
Der ungewöhnliche Sitz dieser Geschwulst an der Oberlippe be- 
ruht, nach Lebanc, auf dem Umstände, daß bei der Katze die Ober- 
lippe mehr traumatischen Einwirkungen ausgesetzt ist, als die Unter- 
lippe. 

Zungenkrebs ist in einem Falle von Fadyean 4 ) bei einer 
12jährigen Katze beobachtet und genauer untersucht worden. 

Das Carcinom saß an der Unter fläche der Zunge, die Schleim- 
haut war ulceriert, und Tumormassen waren in die Lymphspalten 
und in die Muskulatur eingedrungen, so daß das ganze Mittelstück 
der Zunge von massigen, soliden Epithelsprossen durchsetzt war. Die 
Dorsalfläche der Zunge war intakt geblieben. 

Histologisch bestand die Geschwulst aus Mundhöhlen- 
epithel. 

Klinisch w T ar die Erkrankung charakterisiert durch Speichel- 
fluß, blutiges Sekret, Kaubeschwer den und Kachexie. 

Einen Primärkrebs der Parotis bei einer Katze hat Gabriel 
Petit 5 ) beschrieben. 

In einem Falle haben auch G. Petit und R. Germain 6 ) bei 
der Sektion einer Katze am rechten Leberlappen ein „Adenome 
biliaire" gefunden, welches krebsig entartet war und zahlreiche 
Metastasen im Netz, Diaphragma und in den Lungen hervor- 
gerufen hatte. 

Den Uebergang des Adenoms in Carcinom haben diese 
Forscher histologisch gut verfolgen können. 

An anderen Organen sind bei der Katze noch beobachtet 
worden ein Sarkom des Bulbus von Breton und G. Petit, 7 ) 
ein cystisches Rundzellensarkom in der Umgebung des 
Ohres von Eva Field, 8 ) und Roger Williams 9 ) berichtet noch 
über verschiedene andere Geschwulstpräparate von Katzen, die sich 
im H u n t e r sehen Museum zuLondon befinden, wie z. B. Leberangiome, 
Exostosen und andere gutartige Geschwülste. 

1 ) Beitrag zur Kenntnis der Geschwürsbildungen in der Lunge. I.-D. München 1888. 

2 ) 1. c. S. 222 (Bd. II, S. 3U5). 

3 ) Recueil de Med. veterin. prat. 1863, p. 737. 

4 ) Journ. of comparat. Pathol. 1890, Vol. III, p. 41. 

5 ) Bullet, Soc. anat. de Paris, 1902, Nr. 9. 

6 ) Bullet, de l'Assoc. frang. pour l'etude du Cancer. Paris 1910, Nr. 7. p 315. 
'') Recueil de Med. veterin. Paris 1902, T. IX, p. 38. 

s ) Journ. of Americ. med. Assoc. 1904, p. 983. 
■) 1. c. 8. 19 (p. 99). 



256 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren. 

Maus: Impf- und Spontangeschwülste. Aeltere Beobachtungen über 
Spontangeschwülste. 

Statistische Untersuchungen über das Vorkommen von spontanen 
Mäusegeschwülsten. 

Pathologisch-anatomische Untersuchungen : Verschiedene 
Krebsformen. Histologie. 

Mannigfache Geschwulstformen der Mamma: Endotheliom oder 
Carcinom? Jensen scher Tumor. 

Unterschied von echten Carcinomen: Anatomische Struktur. 
Klinische Erscheinungen. Präcanceröse Disposition. 

Krebserkrankung anderer Organe: Lunge, Niere und Thorax. 
SchweiUdrüsencarcinome. Hornkrebs der Vagina. Lymphome, 
Enchondrome und Exostosen. Amyloiderkrankung. Endemisches 
Auftreten von malignen Geschwülsten. 

Ratte: Aeltere, experimentelle Untersuchungen über Uebertragbarkeit von Spon- 
tangeschwülsten. Seltenheit der Carcinome. Kasuistische Mitteilungen 
über Sarkome. Endemisches Auftreten von Schilddrüsen krebs. 
Sarkomerkrankungen mit Metastasen. Beziehungen des Cysticercus, 
der Nematoden und anderer höherer Parasiten zu den Rattengeschwülsten. 
Untersuchungen von Borrel und Fie biger. 
Gutartige Geschwülste bei der Batte. 

Kaninchen: Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Verwechslung mit 
Coccidiengeschwülsten. Maligne Geschwülste des Uterus und des 
Pankreas. 

Lack's experimentelle Impfversuche. Spontan- oder Impftumor? 

Sonstige Geschwülste. 

Meerschweinchen: Adenom der Lunge. Loeb's Untersuchungen über chorion- 
epitheliomähnliche Gebilde im Ovarium. 

Maus. 

Die malignen Spontantumoren der Maus sind insofern von 
ganz besonderem Interesse, als sie, wie wir gesehen haben,*) den 
Ausgangspunkt für Ueberimpfungen bildeten, deren Resultate 
für die ganze neuzeitliche Krebslehre von größter Bedeutung ge- 
worden sind. Die weitgehenden Schlußfolgerungen, die man aus den 
Ergebnissen dieser Impfungen zog, haben wir bereits früher aus- 
führlich besprochen, und wir werden noch späterhin bei Betrachtung 
der Unterschiede zwischen Tier- und Menschenkrebs und 
bei der Besprechung der Therapie der Krebserkrankungen auf das 
Wesen dieser Mäusegeschwülste zurückkommen. 

An dieser Stelle wollen wir nur über die bei Mäusen vor- 
kommenden Spontantumoren berichten. 

Maligne Spontantumoren bei Mäusen sind schon seit langer 
Zeit bekannt. 

Bereits Crisp 1 ) demonstrierte einen malignen Tumor am Pecto- 
ralis einer Wildmaus, und späterhin wurden auch noch von vielen 
anderen Forschern maligne Spontantumoren bei der Maus beobachtet. 

So fand z. B. L i v i n g o o d 2 ) 5 weiße Mäuse mit Adenocarcinomen, 
ferner berichteten über Spontantumoren bei Mäusen Morau, 3 ) 



*) Cfr. Bd. I, S. 530, Ö33 ff ; Bd. II, S. 68 ff. 

1 ) Transact. of the patholog. Soc. London, 1854, p. 348. 

2 ) The John Hopkins Hosp. Bullet. 1896, Nr. 66. 

3 ) Arch. de Med. experim. 1894, T. VI, p. 677. 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren (Maus). 257 

Velich, 1 ) Leo Loeb, 2 ) Borrel, 3 ) C. 0. Jensen, 4 ) Haaland, 5 ) 
Borrel und Haaland, 6 ) P. Ehrlich und H. Apolant, 7 ) A. 
Contamin, 8 ) Ch. L. A. Negre 9 ) und viele andere Forscher. 
Trotzdem kommen maligne Spontan tumoren bei Mäusen nicht allzu- 
häufig vor; denn wie Roger Williams 10 ) mitteilt, sind in den 
Krebsinstituten Londons von 27 000 untersuchten Mäusen nur 11 Tiere 
mit malignen Spontangeschwülsten, hauptsächlich der Mamma, be- 
haftet vorgefunden worden. 

Die interessanten Impfergebnisse haben nun vielfach An- 
regung gegeben, diese malignen Spontangeschwülste auch patho- 
logisch-anatomisch einer genaueren Prüfung zu unterziehen. 

Leonor Michaelis, 11 ) dem ein Material von 14 weißen und 
6 grauen Mäusen mit Spontantumoren zur Verfügung stand, die 
sämtlich subkutan an den verschiedensten Körperstellen 
saßen und erbsen- bis walnußgroß waren, unterscheidet bei den pri- 
mären Spontangeschwülsten der Maus 3 Typen: 

1. Cancer (nach Orth): Die Alveolen, welche verschiedene 
Größe haben, werden durch Bindegewebszüge voneinander abgegrenzt. 
Das Bindegewebe ist je nach dem Alter der Geschwulst spär- 
licher oder reichlicher. Die Alveolen sind mit epithelartigen 
Zellen, welche ein reichliches Protoplasma und einen Kern mit 
deutlichem Chromatingerüst und Nukleolen zeigen, in regelloser 
Weise vollständig ausgefüllt. Man kann auch zahlreiche Mitosen 
beobachten. 

2. Adenocarcinom : Diese Geschwulstform zeigt eine drüsige 
Struktur. Die Gänge und Alveolen sind mit einem einschichtigen, 
kubischen Epithel ausgekleidet. Die Lumina sind oft sehr weit, 
und deutlich ist häufig eine Cystenbildung zu erkennen. An 
anderen Stellen hingegen bemerkt man mehrschichtiges Epithel, 
und ganze Strecken des Tumors werden von lumenlosen, regel- 
los angeordneten, soliden Strängen von Epithelzellen gebildet. 

3. Bei dieser Gruppe von Geschwülsten werden die Epithelzellen 
zunächst in gröbere Alveolen gruppiert, die in bezug auf ihre 
Größe etwa denen des ersten Typus entsprechen. Innerhalb eines 
jeden Alveolus ist aber noch eine sekundäre Gruppierung vor- 
handen, welche an verschiedenen Stellen des Tumors in verschieden 
starkem Maße ausgesprochen ist. 

Die Zellen sind zu einzelnen , regelmäßigen , einschichtigen 
Kränzen um ein leeres, manchmal eiweißhaltiges Lumen angeordnet, 
etwa wie im Querschnitt durch eine Schweißdrüse. Diese Kränze 

1 ) Wiener med. Blätter 1898, S. 711. 

2 ) Journ. of med. research, Vol. VI, 1901, p. 28. 

3 ) Annales de l'Institut Pasteur, 1903, T. XVII, p. 112. 

4 ) Zentralbl. f. Bakteriologie, Bd. 34, 1903, Nr. 1 und 2. 

5 ) Annales de l'Institut Pasteur, Vol. 19, 1905, p. 165. 

6 ) Soc. de Biologie de Paris, Vol. 38, 1905, Nr. 1. 

7 ) Berliner klin. Wochenschrift 1905, Nr. 28 und: H. Apolant: Die epithelialen 
Geschwülste der Maus (Arbeiten aus dem Königlichen Institut für experimentelle 
Therapie zu Frankfurt a. M., 1906, H. I). 

8 ) Recherches experimentales sur les Cancers des souris. These de Lyon, 1910. 

9 ) Quelques recherches sur le Cancer spontane et le Cancer experimental des 
souris. These de Paris 1910 (cfr. auch: Annales de l'Institut Pasteur 1910, p. 125). 

10 ) 1. c. S. 19 (p. 109). 

11 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 1. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 17 



258 HI« Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

berühren sich aber nicht, sondern sind durch regellos angeordnete, 
solide Zellmassen voneinander getrennt. 

Diese Zellmassen sind nicht bindegewebiger Natur, sondern 
bestehen aus derselben Zellart, wie die alveolär angeordneten. 

Histogenetisch läßt sich der Ausgang dieser Geschwulst- 
gruppe, nach Michaelis, nicht sicher nachweisen. 

Ob diese Geschwülste von den Hautdrüsen oder von den 
Gefäßendothelien ihren Ursprung nehmen, läßt Michaelis 
dahingestellt. 

Wie wir schon vorhin erwähnt haben, kommen die häufigsten 
Spontantumoren bei der Maus an der Mamma vor. 

Jean Clunet, 1 ) der Gelegenheit hatte, eine große Zahl von 
Mäusen mit spontanen Mammageschwülsten zu untersuchen, hat 
die mannigfaltigsten Geschwulst formen an der Mamma der 
Maus beobachten können, wie z. B. einfache Adenome, ein „Epi- 
thelioma mammaire kystique" mit Infiltration des M. 
pectoralis und der Achseldrüsen, ein „Epithelioma 
mammaire acineux" mit mikroskopischen Metastasen 
in der Nackenmuskulatur, ferner eine ebensolche Geschwulst, die teil- 
weise nekrotisiert war und durch Verblutung den Tod des 
Tieres herbeiführte, dann mehrere Geschwülste, die Clunet als 
„Epithelioma mammaire metatypique" bezeichnete, mit 
Metastasen in der Lunge, weiter ein „Epithelioma mammaire atypique" 
und schließlich auch mannigfache Sarkom formen. 

Vielfach hat Clunet ein multiples Auftreten von Primär- 
geschwülsten an der Mamma der Maus beobachten können. 

Wir ersehen auch aus diesen Beobachtungen, wie mannigfach 
die an der Mamma der Maus vorkommenden Spontangeschwülste 
sein können. 

Eine systematische Einteilung dieser Mammageschwülste 
ist bisher nicht möglich gewesen und wird auch stets auf Schwierig- 
keiten stoßen, weil bei weiterem Wachstum die Struktur der 
Geschwulst sich stets ändert. 

Vielfach tauchten nun Zweifel auf, ob es sich überhaupt bei 
diesen Mäusegeschwülsten um echte Carcinome handelte, teils 
wurden diese Tumoren als Endotheliome angesehen, teils glaubte 
man ihnen eine besondere Stellung in der Onkologie zuerteilen 
zu müssen und bezeichnete sie als „Jensen'sche Tumoren", weil, 
wie wir gesehen haben,*) Jensen zuerst die Uebertragung dieser 
Tumoren, die er für ein „Carcinoma solidum" hielt,**) in großem 
Maßstabe vorgenommen hat. 

Wie W. De ton 2 ) hervorhebt, hat v. Hansemann stets darauf 
hingewiesen, daß diese Geschwülste sich in mannigfacher Weise vom 
echten Carcinom unterscheiden,***) und zwar in folgenden 
Punkten : 

1. Die Mäusegeschwulst zeigt stets eincircumscriptes Wachs- 
tum und ist aus ihrer Umgebung leicht ausschälbar. 



>) 1. c. S. 214 (p. 10 ff.). 
*) Cfr. Bd. I, S. 533; Bd. II, S. 68. 
**) Cfr. Zentr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 34, S. 141. 
2 ) Zeitschr. f. Krebsforschung-, Bd. VIII, 1910, S. 459. 
***) Wir kommen noch späterhin bei Besprechung der Analogie zwischen Tier- 
und Menschenkrebs auf diese Untersuchungen zurück. 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren (Maus). 259 

2. Die Tumoren haben nur eine sehr geringe Neigung zu 
Metastasenbildungen, besonders die Spontantumoren, 
während bei den Impf gesch Wülsten Metastasen öfters beobachtet 
werden. 

3. Die Geschwülste unterscheiden sich in histologischer Be- 
ziehung wesentlich von den echten .Carcinomen. 

Demgegenüber behaupteten jedoch viele andere Forscher, wie 
z. B. H. Apolant, 1 ) daß es sich bei den Mammageschwülsten der 
Mäuse nicht um Endotheliome, sondern um echte Carci- 
nome handle; denn diese Tumoren sind beim männlichen Tiere 
bisher nicht beobachtet worden, ferner entwickeln sich die Geschwülste 
nur an solchen Stellen, wo Beziehungen zur Brustdrüse gegeben sind, 
und schließlich ist ein direkter Zusammenhang mit der 
Brustdrüse nachweisbar. 

Charakteristisch für diese Geschwülste ist, nach den Unter- 
suchungen von Apolant, die Stromaarmut, und oft bildet die 
Adventitia der Gefäße das einzige Stroma. 

Nun sind aber, nach den Angaben von Deton, auch wiederholt 
Primärgeschwülste bei der Maus beobachtet worden, die nicht 
in der Gegend einer Mamma entstanden waren, sondern die in 
der Achselhöhle, auf der Schulter, am Rücken, vorn oder hinten über 
dem Becken sich entwickelten, ohne daß „aberrierende Mammae" 
nachweisbar waren. 

Nach Deton ist die Abstammung dieser Geschwülste von den 
Brustdrüsen auch deshalb unwahrscheinlich, weil bei jungen Ge- 
schwülsten, selbst wenn sie in der Nähe einer Brustdrüse sich ent- 
wickelt hatten, die Haut mit der Brustdrüse sich ganz leicht von 
dem Tumor abziehen ließ. Nur wenn die Tumoren älter waren 
und schon im Begriff standen, nach der Haut durchzubrechen, war 
eine festere Verwachsung mit der Haut eingetreten. 

Deton hat nun 2 derartige, junge Geschwülste, die in der Nähe 
einer Mamma bei einer Maus sich spontan entwickelt hatten, 
mittels lückenloser Serienschnitte histologisch genau untersucht und 
nachweisen können, daß die Geschwülste nicht von den zunächst 
gelagerten Milchdrüsen ihre Entwicklung genommen hatten. 

Mit dem Nachweis, daß diese Mammageschwülste der Maus in 
ihrer Histogenese von der der Carcinome abweichen, war jedoch 
die Frage noch nicht entschieden, ob sie auch in anderer Beziehung, 
wie z. B. in bezug auf Wachstum, Metastasen, klinische 
Erscheinungen usw. von den beim Menschen vorkommenden Carci- 
nomen sich unterscheiden. 

Ueber dieses Problem gehen die Meinungen der Forscher zur Zeit 
noch weit auseinander, und wir werden noch späterhin Gelegenheit 
haben, auf diese Frage zurückzukommen. 

An dieser Stelle wollen wir nur noch in bezug auf die Mamma- 
geschwülste der Mäuse erwähnen, daß in ätiologischer Beziehung 
Bashford 2 ) bei einem zu Spontanerkrankungen neigenden Mäusestamm 
eine gewisse, präcanceröse Disposition beobachtet hat, indem er 
bei Sektionen von alten Mäusen häufig chronische Entzündungs- 



*) Deutsche Pathologische Gesellschaft. Kiel, April 1908. 

2 ) Zweite Leydenvorlesung im Berliner Verein für innere Medizin vom 21. Okt. 
1912 (cfr. auch: Deutsche med. Wochenschrift 1913, S. 55). 

17* 



260 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Vorgänge, verbunden mit hypertrophischen, adenomatösen und carci- 
nomatösen Veränderungen des Milchdrüsenepithels in den mannig- 
fachsten Formen vorgefunden hat. 

Sehr selten sind bösartige Geschwülste an anderen Organen zur 
Beobachtung gekommen. 

T y z z e r x ) berichtet z. B. über einZylinderepithelcarcinom 
der Lunge bei einer Maus, bei der zu gleicher Zeit auch ein 
Adenom der Niere gefunden wurde. 

P. Ehrlich und H. Apolant 2 ) beobachteten bei einer Maus 
ein Carcinoma sarcomatodes der rechten Brustseite und ein 
Spindelzellensarkom an Stelle der obersten Brustdrüsen. 

Ein von den Schweißdrüsen ausgehendes Carcinom beschrieben 
bei einer Maus L. Pick und Heinrich Poll. 3 ) 

Auch J. Clunet 4 ) fand ein von den Schweißdrüsen aus- 
gehendes Adenom bei einer Maus, das sich zufällig nach einer 
Impfung mit einer Mammageschwulst entwickelte. Clunet hielt diese 
Geschwulst für einen Primärtumor, der unabhängig von der 
Impfung entstanden wäre. 

An der Vagina einer Maus beobachtete J. E r d h e i m 5 ) eine 
Geschwulst, die einen neuen Typus von Plattenepithel- 
geschwulst darstellte, und zwar eine verhornende Art, die aber 
von dem beim Menschen vorkommenden Krebs sich dadurch unter- 
schied, daß sie eine gestielte Form hatte und keine Erscheinungen 
von Malignität aufwies. 

M. H aal and, 6 ) dem ein großes Material zur Verfügung stand,, 
hat unter 353 primären Spontantumoren; die sich bei 288 Mäusen 
vorfanden, 336 Mammagesch wülste oder Geschwülste, die in 
der Umgebung der Mamma sich entwickelten, gefunden und nur 
17 Spontantumoren, die an anderen Körperstellen lokalisiert waren, 
und zwar 2 Tumoren am Zahnfleisch, je ein Tumor am Gesicht und 
Ohr, 2 am Präputium, 4 am Anus, 2 an der Niere, 2 am Ovarium 
und je ein Tumor am Uterus und an der Wirbelsäule. 

Von diesen 353 Primärgeschwülsten wiesen 311 die Struktur 
der Adeno-Carcinome der Mamma auf, und zwar vom Adenom 
bis zum soliden Carcinom, 22 Carcinome zeigten eine Keratini- 
sation, und 5 Geschwülste waren Talgdrüsencarcinome (3 an der 
Mamma, 2 am Anus). 

Die übrigen Geschwülste bestanden aus 2 Carcinomen des Prä- 
putiums, je 2 Adenocarcinomen der Niere und des Eierstockes und 
6 Sarkomen (4 Spindelzellen-, 1 Rundzellen- und 1 polymorphzelliges 
Sarkom); ferner fanden sich 1 Mischtumor, 1 Melanom und 1 Fibro- 
myom des Uterus.*) 

Von sonstigen Geschwülsten sind noch bei der Maus zur Beob- 
achtung gekommen: 

*) Journ. of the Americ. med. Assoc. 1906, p. 1237. 

2 ) Berliner klin. Wochenschrift 1907, Nr. 14. 

3 ) Ibidem, 1903, Nr. 23—25. 

4 ) 1. c. S. 214 (p. 23). 

5 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 33. 

6 ) Fourth Scientific Rep. on the Investigations of the Imperial Cancer Research 
Fund, London, 1911, p. 1 (Spontaneous Tumours in Mice). 

*) Nicht angeführt sind in dieser Statistik 30 Lungenadenome und 21 Lymph- 
geschwülste, die sich noch außerdem bei diesen geschwulstkranken Tieren vorfanden. 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren (Ratte). 261 

Maligne Lymphome (H aal and) 1 ), Enchondrome (P. 
Ehrlich)' 2 ) und Exostosen (W. G. Spencer 3 ) und Treves 4 )). 

Sehr oft beobachtete auch 0. Lubarsch 5 ) bei den von ihm zu 
Gesch wulstversuchen verwendeten Tumormäusen eine Amyloid- 
er krankung, die weder durch die Größe der Geschwulst noch durch 
bakterielle Infektion bedingt war. Besonders häufig trat die Er- 
krankung dann auf, wenn die Geschwulst eine kurze Inkubationszeit 
hatte. 

Auf das endemische Auftreten von malignen Geschwülsten 
bei der Maus, ebenso wie auf die Art der Metastasen und der 
vermuteten, ätiologischen Entstehung werden wir noch späterhin 
bei Besprechung der Analogie zwischen Tier- und Menschenkrebs 
zurückkommen. 

Ratte. 

Die Ratte spielt in der Krebsforschung schon seit vielen Jahr- 
zehnten insofern eine große Rolle, als dies Tier wiederholt zu Impf- 
z wecken verwendet worden ist. 

Wir haben bereits früher auf die experimentellen Untersuchungen 
von Goujon 6 ) und Jenny 7 ) hingewiesen, die menschliche Carci- 
nommassen auf Ratten zu überimpfen versucht hatten. Wir haben 
an diesen Stellen auch bereits über den Erfolg dieser Impfungen 
berichtet. 

Wir verweisen ferner auf unsere Ausführungen über die von 
Hanau 8 ) zuerst vorgenommenen Uebertragungsversuche einer 
Spontangeschwulst (Vulvacarcinom) von einer Ratte auf eine 
andere und auf die Ergebnisse dieser Experimente. 

Im Gegensatz zu den bei den Mäusen vorkommenden, mannig- 
fachen Carcinom arten, sind Carcinome bei der Ratte nur äußerst 
selten zur Beobachtung gekommen. Außer der vorhin erwähnten 
Beobachtung von Hanau existiert in der Literatur nur noch die 
Mitteilung von Carl Lewdn, 9 ) der ein spontan entstandenes 
Adenocarcinom der Mamma bei einer Ratte beschreibt. 

Allgemein wird von fast allen Forschern bis in die Neuzeit hinein 
behauptet, daß spontan entstandene Carcinome bei der Ratte 
zu den größten Seltenheiten gehören,*) daß aber spontane 
Sarkome häufiger zur Beobachtung kommen. 

Spontane Sarkome der Ratte, die meistens zu Impfzwecken 
benutzt wurden, deren Ergebnisse für uns an dieser Stelle nicht weiter 
in Betracht kommen, werden vielfach mitgeteilt. 

Bland-Sutton 10 ) z.B. beschrieb ein Osteosarkom am Schenkel 
einer Ratte, und v. Eiseisberg 11 ) beobachtete ein hühnereigroßes 



! ) Annales de l'Institut Pasteur, Bd. 19, 1905, p. 165. 

2 ) Cfr. Clunet, 1. c. S. 214 (p. 33). 

3 ) Transact. of the patholog. Soc. London, 1890, Vol. 41, p. 402. 

4 ) Ibidem, 1888, Vol. 39, p. 463. 

5 ) Zentr.-Bl. f. allg. Pathologie, Bd. 21, 1910. Nr. 3. 
°) Cfr. Bd. I, S. 527. 

7 Ibidem, S. 399. 
s ) Ibidem, S. 532 ff. 

9 ) Zeitschrift f. Krebsforschung Bd. VI, 1908, S. 267. 

*) Cfr. auch: Carl Lewin: Berliner med. Gesellschaft 18. Dez. 1912. 

10 ) Journ. of Anatomy, Vol. 19, 1885. p. 456. 

11 ) Wiener klin. Wochenschrift 1890, Nr. 48. 



262 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Fibrosarkom bei einer weißgrauen, ausgewachsenen Ratte, welches 
am rechten Schulterblatt seinen Sitz hatte, Firket 1 ) erwähnte 
multiple Geschwülste in der Bauchhöhle einer weißen Katte, 
die er für Spindelzellensarkome hielt, und Alois Velich 2 ) 
berichtete über ein am Schenkel einer Eatte subperiostal sich ent- 
wickelndes Sarkom. 

Oft hat man auch bei Ratten, die in demselben Käfig sich be- 
fanden, Sarkome endemisch auftreten sehen, ebenso wie bei Mäusen*) 
(cfr. auch S. 249). 

Derartige Mitteilungen machte z. B. Leo L o e b 3 ) (cfr. auch S. 222), 
der bei 3 Ratten, welche in demselben Käfig sich aufhielten, verschieden- 
artige Sarkome beobachtete, die alle ihren Sitz an der Schilddrüse 
hatten, und zwar handelte es sich um ein cystisches, kleinzelliges 
Rundzellensarkom, ferner um einAdeno-Carcino-Sarkom, 
dessen Hauptmasse aus einem Spindelzellensarkom bestand. 
Die Art des dritten Sarkoms ist nicht näher bezeichnet. 

Eine ähnliche Beobachtung teilte auch Gaylord 4 ) mit, der bei 
3 Ratten, die sich in einem Käfig befanden, in welchem vorher die 
von Loeb beschriebenen Geschwulstratten sich aufgehalten hatten, 
ebenfalls Sarkomerkrankungen vorfand, und zwar 2 Fälle von Fibro- 
sarkom in der Bauchwand und ein cystisches Sarkom an der 
Schilddrüse. 

Wie G a y 1 o r d hervorhebt, gehören Sarkome der Schilddrüse 
bei der Ratte sonst zu den größten Seltenheiten. Trotz aller Be- 
mühungen und trotz Untersuchung von etwa 20 000 weißen Ratten in 
allen Gegenden Amerikas ist niemals ein Spontansarkom der 
Schilddrüse bei einer Ratte wieder gefunden worden. 

Es liegen ferner Berichte von S. Flexner und J. W. Jobling 5 ) 
vor über ein von den Samenbläschen ausgehendes Sarkom bei 
einer Ratte. Das aus Spindelzellen und polyedrischen Zellen mit 
untermischten Riesenzellen aufgebaute Sarkom zeigte große Neigung 
zu infiltrativem Wachstum und zu Metastasenbildungen, 
hauptsächlich in der Lunge und in den Nieren. 

In jüngster Zeit hat auch C. 0. Jensen 6 ) bei 2 Ratten Sarkom- 
erkrankungen gefunden, und zwar multiple Knötchen am Peritoneum, 
die sich mikroskopisch als Spindelzellensarkome erwiesen mit 
Metastasen in der Lunge und Leber bei der einen Ratte und eine 
allgemeine Sa rk omatose der Lunge bei der zweiten Ratte. 

Sehr interessant sind nun die Beobachtungen von J. JBridre und 
E. Conseil, 7 ) die die Entstehung dieser Rattensarkome zu 
dem Cysticercus in Beziehungen bringen. 

Unter 5800 aus Tunis stammenden Ratten fanden sich 20—40°/» 
Tiere, die mit dem Cysticercus infiziert waren, und 6 von diesen in- 



*) Bullet, de l'Academie royale de Med. de Belgique, 1892. 

2 ) Wiener med. Blätter 1898, Nr. 45/46. 

*) Wir kommen noch späterhin auf diese Erscheinung zurück. 

3 ) The Americ. Journ. of med. Sciences. 1903, p. 243. Virch. Aren., Bd. 167 r 
1902, S. 175; Bd. 172, 1903, S. 345. Journ. of med. Research, New Series, Vol. I, 
1901, p. 31 ; Vol. III, 1902, p. 48. 

4 ) Sixth annual Rep. of the work of the Cancer laboratory of the New York 
State Depart. of Health, for the Year 1904/05. Albany, 1907, p. 113. 

5 ) Zentr.-Bl. f. allg. Pathol. Bd. 18, 1907, Nr. 7. 

6 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 45. 

'') Bullet, de l'Assoc. franc, pour l'Etude du Cancer. Paris, 1910, Nr. 7, p. 318. 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren (Ratte). 263 

fizierten Tieren hatten Geschwülste, die den Parasiten einschlössen, 
Neubildungen, die ßridre und Conseil als „Sarcomes ä cysti- 
cerque 1 ' bezeichneten. 

Ebenso fanden diese Forscher unter 1970 aus Algier stammenden 
Ratten, von denen 31 °/ mit dem Cysticercus infiziert waren, 
4 Tiere mit derartigen Geschwülsten. 

Nach Ansicht der beiden Forscher handelt es sich bei diesen 
Rattengeschwülsten, die ihren Sitz in der Leber haben, um echte 
Sarkome von dem „Type fuso-cellulaire". 

In der Regel war das Tier nur an einer Sarkomgeschwulst, 
die nur einen Cysticercus enthielt, erkrankt, bei einem Tiere aber 
fanden sich 5 derartige Sarkome, von denen jedes einen Para- 
siten enthielt. 

Ob nun diese Sarkome direkt durch die Parasiten hervorgerufen 
werden, oder ob der Parasit der Träger irgendeines uns bisher 
unbekannten Virus ist, lassen die Forscher noch dahingestellt. 

Im ganzen sind, nach den Angaben von Borrel, 1 ) bisher 35 der- 
artige Rattengeschwülste beschrieben worden, und Borrel hält diesen 
Parasiten, der nur im Beginn der Erkrankung nachzuweisen wäre, 
für den direkten Erreger dieser Sarkome, die mannigfacher Art 
sein können. 

Bei derartigen Geschwulstratten, die in Paris gefangen wurden, 
fand Borrel in 2 Fällen fusocelluläre Sarkome und einmal ein 
Riesenzellensarkom. In einem anderen Falle hatte das Sarkom 
einen „Type epithelioide", und schließlich fand sich auch in der 
Vene einer derartig erkrankten Ratte ein Adenocarcinom. 

Borrel ist der festen Ueberzeugung, daß es gelingen würde, auch 
beim Menschen diesen Parasiten im Zentrum der sarkomatösen 
Geschwulst nachzuweisen, wenn man diese Geschwülste im aller- 
ersten Beginn zur Untersuchung bekäme.*) 

Aehnliche, parasitäre Ursachen hat man auch, wie wir bereits 
vorhin erwähnt haben (cfr. S. 246), für die Entstehung der Leber- 
geschwülste beim Rinde verantwortlich gemacht. 

Der Befund von hochstehenden Parasiten in Krebs- 
geschwülsten ist nun durchaus keine Entdeckung der Neuzeit. 

Wie wir schon an einer früheren Stelle**) hervorgehoben haben, 
hat bereits Hannover auf das Vorhandensein von höheren Parasiten, 
wie z.B. von Acarus follicularis, Vibrionen usw. in Epitheliomen 
aufmerksam gemacht, ohne diesen Befunden irgendeine Bedeutung 
beizumessen. 

Ueber den vermutlichen Zusammenhang zwischen Nematoden 
und Froschgeschwülsten, auf den schon C. J.Eber th hinwies, 
werden wir noch späterhin bei Besprechung der Geschwulsterkrankungen 
bei Amphibien berichten. 

Wir verweisen ferner auf unsere Ausführungen über die Be- 



l ) Bullet, de l'Assoc. frang. pour l'Etude du Cancer, Paris, 1910, Nr. 7, p. 322. 
*) In bezug auf die durch die Kattenkrätzmilbe hervorgerufenen papillo- 
matösen Wucherungen am Ohr und an der Nase von Ratten cfr. L. Ascher, 
Arch. f. Dermatologie und Syphilis, Bd. 100, 1910, S. 211. 
**) Cfr. Bd. I, S. 139. 



264 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Ziehungen der Bilharzia,*) des Distomum felineum**) und 
einer Echinokokkenart***) zur Krebsentwicklung. 

In jüngster Zeit nun hat man derartigen Befunden von höheren 
Parasiten in Krebsgeschwülsten eine weit größere Bedeutung für 
die Aetiologie des Krebses beigelegt, als in früheren Jahrzehnten. 

Eine direkte Erzeugung von Krebsgeschwülsten hat man diesen 
Parasiten allerdings nicht zugeschrieben (cfr. auch S. 234 und 246), 
man war vielmehr der Ansicht, daß die Anwesenheit dieser Parasiten 
in den Geweben wie ein chronischer Reiz wirkt, der erst einen 
günstigen Boden für die Entwicklung eines Carcinoms oder Sarkoms 
schafft; denn die experimentellen Versuche hatten stets nur einen 
negativen Erfolg. 

Auch Borrel 1 ) hatte für seine Behauptung, daß der bei der 
Ratte gefundene Cysticercus der direkte Krebserreger wäre, 
experimentelle Beweise nicht erbringen können. 

In jüngster Zeit ist nun dieses Problem wieder in den Vorder- 
grund getreten durch die Untersuchungen von Johannes Fibiger, 2 ) 
der bei Ratten hochstehende Parasiten fand, die er, auf 
Grund der experimentellen Ergebnisse, in innige Beziehung zur 
Krebsentstehung brachte. 

Im Jahre 1907 fand Fibiger bei der Sektion von 3 wilden 
Ratten (Mus decumanus) den Fundusteil des Vormagens ganz 
ausgefüllt mit gewaltigen, papillomatösen Wucherungen, so daß 
die Wand des Magens außerordentlich verdickt und der Hohlraum 
fast ganz obliteriert war. Der übrige Teil des Verdauungskanals 
war normal. 

Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigte es sich, daß 
diese Wucherungen bedingt waren durch eine epithelialeHyper- 
plasie und durch Pap i Hornbildungen. 

Unregelmäßig verzweigte, röhren-, platten- oder kraterförmige, 
bindegewebige Ausläufer der Submucosa bildeten zusammen mit spär- 
lichen Muskelfasern der Muscul. mucosae den Grundstock der mit 
dicken Schichten von Plattenepithel bekleideten Papillome. 

Mächtige Epithelzapfen drängten von der Oberfläche hinab, die 
Muscul. mucosae vor sich herschiebend. 

Die Muscularis mucosae war an einzelnen Stellen durchbrochen, 
und die Submucosa enthielt dann Zapfen und Inseln von Plattenepithel. 

Bei Proliferation des heterotopisch gelagerten Epithels wurden 
stellenweise mit verhornten Zellen gefüllte Cysten gebildet. 

Infiltratives, carcinomatöses Wachstum konnte bei 
dieser Geschwulst nicht nachgewiesen werden, der 



*) Cfr. Bd. I, S. 555; Bd. II, S. 286, 898 ff. 
**) Cfr. Bd. I, S. 556. 

***) Ibidem. Cfr. auch über die Beziehungen der Milben zu Geschwulstbildungen: 
Borrel: Acariens et Cancer du Systeme pilaire (Soc. de Biologie de Paris, T. 45, 
1908, p. 486). Kevue de Med. 10. April 1909. Demodex et infections cutanes. (Ibidem, 
p. 596.) Tsunoda, Beziehungen des Demodex folliculorum zum Mammakrebs (Zeit- 
schrift f. Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 489). J. Orth, Berliner med. Gesell- 
schaft, 23. Febr. 1910. Dahl, Verein f. innere Medizin Berlin, 17. Jan. 1910. 
E. Saul, Ibidem, 17. Jan. 1910; 6. Mai 1912. Berliner med. Gesellschaft 5. März 1913. 

1 ) 1. c. S. 263. 

2 ) Berliner klin. Wochenschrift 1913, Nr. 7 (Ueber einen durch Nematoden [Spiro- 
ptera sp. n.] hervorgerufene papillomatöse und carcinomatöse Geschwulstbildung im 
Magen der Hatte). 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren (Katte). 265 

Pylorus war normal, und Metastasen fanden sich in 
keinem Organ! 

In dem E p i t h e 1 bemerkte man nun hier und dort runde 
Löcher, die unmittelbar unter dem Stratum corneum gelagert 
waren. 

Andere derartige Hohlräume enthielten Körperchen, die durch 
Schnittserien als Nematoden erkannt wurden, die rekonstruiert, 
eine Länge von 1,6 cm und einen Durchschnitt von 0,25 mm hatten. 

Die Eier dieses Parasiten waren doppelt konturiert und ent- 
hielten einen schleifenförmig aufgerollten Embryo. 

Ein derartiges Magenleiden war nun bisher bei Ratten nicht 
beobachtet worden. 

Der bisher unbekannte Parasit gehört, nach Fibiger, zu dem 
Genus „Spiroptera", die in entwickeltem Zustande in dem Platten- 
epithel (!) der Magenschleimhaut schmarotzt. 

Der Zwischenwirt bei der Entwicklung dieses Parasiten ist 
nun, nach den Untersuchungen von Fibiger, die Schabe (Peri- 
planeta americana und orientalis). 

Fibiger konnte ein endemisches Auftreten dieser Er- 
krankung bei Ratten beobachten, aber auch auf experimentellem 
Wege konnte diese Erkrankung bei Ratten hervorgerufen werden, 
wenn man die Nematoden mittels Fütterung mit dem Zwischen - 
wirt den Tieren einverleibte. 

Im Beginn der Erkrankung bemerkt man nur eine Epithel- 
hyperplasie und Entzündung, und erst in einem späteren 
Stadium tritt auch in großer Ausdehnung eine papillomatöse 
Wucherung auf. 

Diese pathologischen Veränderungen können nun, nach Fi big er, 
das Vorstadium zu malignen Epitheliomen abgeben mit 
infiltrativem, heterotopem Wachstum des Epithels, wie es bei 
vier durch Schaben infizierten Ratten der Fall war. 

Bei zwei derartigen Ratten traten auch Metastasen in anderen 
Organen auf. 

Es ist also auf diese Weise, nach Fibiger, zum ersten 
Male gelungen bei gesunden Tieren metastasierende 
Carcinome experimentell hervorzurufen! 

In den Metastasen selbst gelang es nicht den Parasiten oder 
dessen Eier nachzuweisen. 

Anscheinend handelt es sich bei der Entstehung dieser Wuche- 
rungen, nach Fibiger, um eine Gift Produktion der Nematoden. 

Diese experimentellen Untersuchungen haben also, wie Fibiger 
hervorhebt, die bisher durch Experimente nicht gestützten Hypothesen 
von Borrel (cfr. S. 263) und von H aal and (cfr. S. 246) vollauf 
bestätigt und geben auch eine Erklärung für das häufig beobachtete, 
endemische Auftreten derartiger Geschwülste ab. 

Wir werden noch späterhin auf diese wichtigen Untersuchungen 
zurückkommen und wollen an dieser Stelle nur noch erwähnen, daß 
auch in seltenen Fällen gutartige Geschwülste bei der Ratte zur 
Kenntnis gekommen sind. 



266 : HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

So beschrieben z. B. Lecene und Esmonet 1 ) ein breitauf- 
sitzendes, subkutan gelegenes Fibrom bei einer Ratte, Bland- 
S u 1 1 o n 2 ) eine ebensolche Geschwulst am Nacken einer Ratte, 
Shattock 3 ) ein Adenofibrom der Mamma bei einer männ- 
lichen Ratte und Leo Loeb 4 ) eine ebensolche Geschwulst bei einer 
weiblichen Ratte. 

Kaninchen. 

Bei diesem Tiere sind nur sehr selten maligne Geschwülste zur 
Beobachtung gekommen. 

Unter dem Riesenmaterial, welches dem Königlichen Institut für 
experimentelle Therapie zu Frankfurt a. M. zur Verfügung steht, 
sind im Laufe vieler Jahre, nach den Angaben von H. Apolant, 5 ) 
nur zweimal cystische Adenomeder Mamma gefunden worden. 
In je einem Falle hat Schmorl 6 ) bei einem Kaninchen ein Carcinom 
in der Nähe der Cardia und ein Carcinoma simplex der Lunge 
beobachtet. 

Auch Gabriel Petit 7 ) beschrieb ein primäres Epitheliom 
der Lunge bei einem Kaninchen. 

Ferner fanden A. Baumgarten 8 ) bei einem Kaninchen ein 
peritheliales Sarkom des großen Netzes mit zahlreichen 
Metastasen in allen Unterleibsorganen und in der Lunge und 
F. Schweizer 9 ) ein Cystadenoma papilliferum der Leber. 

Die letztere Geschwulst hielt v. Hansemann 10 ) jedoch für eine 
Coccidiengeschwulst, und auch Roger Williams 11 ) ist der 
Ansicht, daß vielfach die Psorospermosis,*) die bei Kaninchen 
ungemein verbreitet ist, mit malignen Geschwülsten verwechselt würde. 

G. Petit 12 ) berichtet über ein Epitheliom des Pankreas, 
welches aberrierend im Epiploon saß. Die Krebsgeschwulst war in 
diesem Falle mit einem abgekapselten Cysticercus ver- 
gesellschaftet. 

Eine carcinomatöse Uteruserkrankung fanden Pierre 
Marie und Aubertin 13 ) bei einem 9 Jahre alten Kaninchen. 

Auch Selinow 14 ) berichtet über einAdenocarcinom des 
Uterus bei einem Kaninchen. 

Multiple Tumoren in dem Uterus eines Kaninchens sah 
G.A.Wagner. 15 ) Diese Geschwülste hatten den Bau von Adenomen 



1 ) Bullet, et Mem. de la Soc. anat. de Paris, 1905, Vol. 80, p. 38. 

2 ) Journ. of Anatomy, Vol. 19, p. 456. 

3 ) Transact. of the pathol. Soc. London 1893, Vol. 44, p. 229. 

4 ) Journ. of med. Research, 1902, Vol. 8, p. 46. 

5 ) Deutsche Pathologische Gesellschaft, Kiel, April 1908. 

6 ) Ibidem, Kassel 1903 und Kiel 1908. 

7 ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris 1910, p. 209. 

8 ) Zentr.-Bl. f. allg. Pathologie, Bd. 17, 1906, Nr. 19. 

9 ) Virch. Arch., Bd. 113, S. 209. 

10 ) Die mikroskopische Diagnose der bösartigen Geschwülste. Berlin 1902, 
2. Aufl., S. 215. 

11 ) 1. c. S. 19 (p. 108). 
*) Cfr. Bd. I, S. 610. 

12 ) II. Internat. Krebskonferenz, Paris 1910, S. 209. 

13 j Bullet, de l'Assoc. franQ. pour l'Etude du Cancer, Paris 1910, p. 253. 
u ) Charkowsky medicinsky Journ. 1907, No. 6/7 (Ref. in: Zeitschrift f. Krebs- 
forschung, Bd. VI. S. 620). 

1B ) Zentr.-Bl. f. allg. Pathologie, Bd. 16, 1905, S. 131. 



Maligne Geschwülste bei Nagetieren (Kaninchen. Meerschweinchen). 267 

mit papillären Wucherungen, nahmen ihren Ausgang von den 
Urüsen der Schleimhaut und entwickelten sich vorwiegend in der 
Submucosa unter Verdrängung der Muscularis. 

Eine Art von Chorionepitheliom im Uterus eines Kaninchens- 
beobachtete Shattock. 1 ) 

Die Geschwulst zeigte die Struktur eines „Papilliferous columnar- 
celled epithelioma" und hatte auch Metastasen von ähnlichem Bau 
am Peritoneum hervorgerufen. 

Wir haben auch schon an einer früheren Stelle auf die experi- 
mentellen Untersuchungen von Lambert Lack 2 ) hingewiesen,, 
der von dem Ovarium eines lebenden Kaninchens den milchigen 
Saft, der nur aus freien Epithelien besteht, abschabte und diesen mit 
dem Peritoneum in innige Berührung brachte. 

Schon nach 2 Monaten fand Lack viele, Tumoren im Mesenterium,. 
Pleura, Leber und Uterus, die er mikroskopisch als Zylinder- 
epithelkrebse von dem Charakter des Ovarialkrebses diagnosti- 
zieren konnte. 

Wir haben auch an der betreffenden Stelle bereits erwähnt, daß- 
Nachprüfungen dieses Experiments von seiten anderer Forscher die 
Angaben von Lack nicht hatten bestätigen können, und daß Shat- 
tock 3 ) der Ansicht war, daß es sich in dem Falle von Lack um 
ein spontanes Uteruscarcinom gehandelt hätte, das, wie wir 
gesehen haben, beim Kaninchen auch spontan vorkommen kann. 

Ueber sonstige Geschwülste beim Kaninchen finden wir noch 
Mitteilungen von Lübars ch 4 ) (Embryonales Adenosarkom der Niere) 
und von Roger Williams, 5 ) der das Präparat eines Kaninchens- 
aus dem Museum „of the Royal College of Surgeons of Ireland" er- 
wähnt, welches einen „Fungus haematodes" der Scapula aufweist. 

Bei der Beobachtung von Lubarsch handelte es sich um einen 
Impftumor, der 4 Monate nach Einimpfung von Speicheldrüsen- 
stückchen in die Niere entstanden war. 

Die Geschwulst war von der Umgebung scharf getrennt. Offen- 
sichtlich war der Tumor aus einem besonderen, in der Niere befind- 
lichen Keime hervorgewachsen. 

M. Aberastury und S. Dessy 6 ) berichten auch noch über 
einen Fall von allgemeiner Lymphosar komatose bei einem 
Kaninchen. 

Ueber Geschwülste beim 

Meerschweinchen 

liegen nur sehr wenig Mitteilungen vor. 

Abgesehen von der Beobachtung C. Sternberg's 7 ) über ein 
Adenom der Lunge bei einem Meerschweinchen, hat nur noch 

x ) Transact. of the Pathol. Soc, London, 1900, Vol. 51, p. 56. (Cfr. auch 
Roger Williams, 1. c. S. 19 [p. 108]). 

2 ) Journ. of Pathol. and Bact., Vol. VI, 1899, p. 154. Cfr. auch Bd. 1, S. 423 r 
Bd. II, S. 64. 

3 ) Brit. med. Journ. 20. Jan. 1900. 

4 ) Zentr.-Bl. f. allg. Pathol, Bd, 16, 1905, S. 342. 
6 ) 1. c. S. 19 (p. 108). 

6 ) Un caso de Sarcomatosis en el coneio (Rivista sud americ. de cienc. med. 1903 r 
No. 7). 

7 ) Deutsche Pathologische Gesellschaft, Kassel 1903. 



268 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Leo Loeb 1 ) eigenartige, chorionepitheliom artige Gebilde im 
Ovarium von Meerschweinchen beschrieben. 

Dieser Forscher fand bei der Untersuchung von 380 Meer- 
schweinchen, daß bei etwa 10°/ aller Tiere, die in dem Alter von 
2 — 6 Monaten standen, sich im Ovarium Gebilde entwickelten, die 
in mancher Hinsicht Chorionepitheliomen glichen, aber gut- 
artig waren. 

Die Möglichkeit jedoch, daß ein Teil dieser Gebilde infolge 
experimenteller Reize entstanden war, ist allerdings, nach Loeb, 
nicht von der Hand zu weisen, andererseits steht es aber fest, 
-daß die Tumoren auch spontan beim Meerschweinchen vorkommen. 

Diese Gebilde durchlaufen einen bestimmten Entwicklungszyklus, 
der mit der Substitution derselben durch Bindegewebe endigt. 
Sie stellen eine Art „transitorischer Tumoren" dar. 

Nach den Untersuchungen von Loeb verdanken diese Gebilde 
der parthenogenetischen Entwicklung von in der Rinde des 
Ovariums liegenden, normalen Eiern ihren Ursprung. 

Die Reaktion der embryonalen Zellen gegen Kontakt mit dem 
Wirtsgewebe bewirkt, daß sich wesentlich embryonale Placenta, 
chorionepitheliomatöses Gewebe, bildet. 



Maligne Geschwülste bei wildlebenden Tieren. 

Allgemeines: Seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. Salztheorie und 
Krebserkrankung beim Wild. Vereinzeltes Vorkommen von malignen 
Geschwülsten bei gefangenen Tieren. 

Affe: Einzelbeobachtungen. Sehr seltenes Vorkommen von malignen Geschwülsten. 
Tumoren der Hypophy sis. Erosionen der Portio. Maligne Uterus- 
geschwulst. Seltenes Vorkommen von gutartigen Geschwülsten. 
Disposition zur Erkrankung an Tuberkulose. 

Löwe: Krebs des Ileum. Cystische Lebertumoren. 

Tiger: Carcinom und cystischer Ovarientumor. 

Leopard: Fibrom des Magens. 

Weiße Bären: Häufigeres Vorkommen von malignen Geschwülsten. 

Rhinozeros: Leiomyome, maligne Magengeschwulst. 

Beuteltiere: Adenome der Mamma. Knochengeschwülste. 

Biberratte: Multiple Myome. 

Känguruh: Sarkom des Unterkiefers. 

Fischotter: Sarkom des Gaumens. 

Hirsch: Fibromyom des Magens. Cancroid des Schädels. 

Reh: Leberadenom. 

Allgemeines. 

Ueber das Vorkommen von malignen Geschwülsten bei 
wildlebenden Tieren, war man verschiedener Ansicht. 

Wir haben bereits erwähnt, daß ältere Beobachter, wie z. B. 
Leblanc 2 ) und Michel, 3 ) auch bei wilden, in der Gefangen- 
schaft lebenden Tieren maligne Geschwülste beobachtet haben 



1 ) Archiv f. mikroskop. Anatomie, Bd. 65, 1905, S. 728 und : Zeitschrift f. Krebs- 
forschung, Bd. XI, 1912, S. 259. 

2 ) Cfr. S. 209. 

3 ) Cfr. S. 210. 



Maligne Geschwülste bei wildlebenden Tieren. 269 

wollten, andere Forscher hinwiederum, wie z. B. Tanchou 1 ), be- 
haupteten, daß bei wilden Tieren überhaupt keine Krebserkrankung 
vorkäme. 

Auch Salle 2 ) berichtet, daß bis zum Jahre 1879 keine Krebs- 
erkrankung bei einem wildlebenden Tiere beobachtet worden wäre. 

Diese Anschauung hat sich bis in die Neuzeit hin erhalten, selbst 
W. Schütz 3 ) hat bei dem großen, ihm zur Verfügung stehenden 
Material niemals eine Krebserkrankung beim Wild gesehen. 

Wir haben auch schon bei Erörterung der ßraithwaite'schen 
Salztheorie (cf. S. 210)- darauf hingewiesen, daß, nach der Ansicht 
dieses Forschers, bei den in Freiheit lebenden, wilden Tieren des- 
halb kein Krebs vorkäme, weil sie wohl Fleisch, aber kein Salz 
fräßen. 

Obgleich diese Theorie, wie wir bereits erwähnt haben, nicht 
zutreffend ist, muß doch zugegeben werden, daß maligne Ge- 
schwülste beim Wild nur sehr selten vorzukommen 
scheinen. 

Wie Alex Th. Brand 4 ) mitteilt, hat z. B. Bland-Sutton, 
der 8 Jahre lang Prosektor des zoologischen Gartens in London 
war, nur ein einziges Mal ein Adenoma mammae beim Wild 
gefunden. 

Auch Harlow Brooks 5 ) berichtet, daß er unter 2645 im 
New Yorker zoologischen Garten befindlichen wilden Tieren und 
bei 744 Sektionen nur ein einziges Mal bei einem albinotischen, 
wilden, japanischen Hund (Nyctereutes albus -Hornaday) ein 
Myxosarkom des Ovariums beobachtet hätte. 

Immerhin kommen doch, wie wir sehen werden, auch beim Wild 
Krebserkrankungen vor, und man kann nicht sagen, daß die wild- 
lebenden Tiere gegen die Krebserkrankung vollständig immun seien. 

Affe. 

Trotzdem der Affe in der Stufenleiter der Tiere dem Menschen 
am nächsten steht, sind maligne Geschwülste bei diesen Tieren nur 
äußerst selten zur Beobachtung gekommen. 

Bei der ungeheueren Zahl der in zoologischen Gärten gehaltenen 
Affen sind bisher nur einige wenige Fälle von bösartigen Geschwülsten 
bekannt geworden. 

Wie RogerWilliams 6 ) hervorhebt, hat z.B. Bland-Sutton 7 ) 
unter 110 im zoologischen Garten von London verstorbenen Affen 
nicht ein einziges Tier mit einer malignen Geschwulst gefunden, und 
ebenso hat H. J. Campbell 8 ) unter 38 sezierten Affen niemals einen 
bösartigen Tumor beobachtet. 



1 ) Academie des Sciences de Paris, 6. Mai 1844. 

2 ) 1. c. S. 9 (p. 95). 

3 ) Deutsche med. Wochenschrift 1901. Vereinsbeilage, S. 240. 

4 ) Brit. med. Journ. 1902, Vol. II, p. 239. 

B ) Americ. Mediane. 20. Jan. 1906. Cfr. auch : Americ. Journ. of med. Sc. 1907, 
769. 

6 ) Bristol, med. chir. Journ. 1907, No. 96 und 1. c. S. 19 (p. 92). 

'') Lancet, 1883, Vol. II, p. 276. 

8 ) Guy 's Hosp. Rep. 1891, Vol. 48, p. 19. 



270 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die erste Mitteilung über das Vorkommen einer malignen Ge- 
schwulst bei einem Affen rührt, wie Bland-Sutton 1 ; hervorhebt, 
von Goodhart 2 ) her, der bei einem im zoologischen Garten von 
London verstorbenen Pavian einen von der Hypophysis aus- 
gehenden Tumor fand, der infiltrativ in die Umgebung hinein 
gewachsen war und mikroskopisch aus „large epithelial-like cells 
arranged in some sort of an alveolar manner" bestand. Metastasen 
waren nicht nachweisbar.*) 

Bland-Sutton 3 ) beschreibt ferner ein Lymphosarkom bei 
Einern aus Van Diemens Land stammenden Affen (Dasyure) und in 
Gemeinschaft mit Gordon Brodie 4 ) Erosionen der Portio bei 
einem Affen (Macaque Monkeys). 

Ferner berichtet Bland-Sutton 5 ) über ein hauptsächlich aus 
kleinen Kundzellen bestehendes, intraoculares Gliom bei einem 
8 Monate alten Affen. 

Ob der an der Cervix uteri eines Affen von Woods 
Hutchinson 6 ) beobachtete Tumor ein Adenom oder Carcinom 
gewesen ist, ist, nach Roger Williams, 7 ) zweifelhaft. 

Der Affe zeigt also eine nur sehr geringe Neigung zur Er- 
krankung an malignen Geschwülsten. 

Auch gutartige Geschwülste sind, wie Roger Williams 8 ) 
angibt, nur äußerst selten beim Affen beobachtet worden, und zwar 
ein Uterusmyom von Bland-Sutton, ferner einmal eine 
Exostosis und einmal auch Hydatiden.**) 

Hingegen neigt der in Gefangenschaft lebende Affe sehr zur 
Erkrankung an Tuberkulose. Ob nun die Ernährung oder die 
Tuberkulose eine Erklärung für die relative Immunität des 
Affen gegen die Erkrankung an malignen Geschwülsten abgeben, läßt 
Roger Williams dahingestellt sein. 



Maligne Geschwülste bei verschiedenen, 
wildlebenden Tieren. 



... 



Bei einem Löwen hat A. J. H a r r i s o n , 9 ) wie RogerWilliams 10 ) 
<erwähnt, einen Zylinderepithelkrebs des Ileum beschrieben. 

Das Tier war 16 V 2 Jahre alt, im zoologischen Garten von Clifton 
geboren und unter marastischen Erscheinungen zugrunde gegangen. 



*) Journ. of Anat. and Physiol. 1885, p. 415. 

2 ) Transact. of the Pathol. Soc. London, 1883, Vol. 36, p. 36. 

*) Das Präparat befindet sich, wie Roger Williams hervorhebt, im Museum 
„of the Royal College of Surgeons". 

3 ) Cfr. Nr. 1 (p. 445). 

4 ) Brit. med. Journ. 1889, Vol. II, p. 1277 (cfr. auch: Transact. of the Pathol. 
Soc. of London, 3. Dez. 1889). 

5 ) Cfr. Nr. 1 (p. 449). 

°) Human and Comparative Pathologie, 1901. p. 258. 
7 ) 1. c. S. 19 (p. 93). 
8 1. c. S. 19 (p. 93). 
**) Die Präparate befinden sich im Museum des „Royal College of Surgeons of 
Ireland". 

9 ) Bristol, med. chir. Journ. 1894, p. 288. 
10 ) 1. c. S. 19 (p. 110). 



Maligne Geschwülste bei wildlebenden Tieren. 271 

Die Sektion ergab ein zirkulär verlaufendes, das ganze Darm- 
lumen ausfüllendes Carcinoma, welches oberhalb der Ileocöcalklappe 
seinen Sitz hatte, 

Nach den Berichten von Eoger Williams soll auch Welsh 
in Sydney eine Krebsgeschwulst bei einer alten Löwin beobachtet 
haben. 

Ebenso liegen auch, nach den Angaben von Roger Williams, 
Berichte vor über cystische Lebertumoren, Fibrom yome 
und Exostosen bei Löwen. 

Beim Tiger hat, nach einem Bericht von Roger Williams, 1 ) 
Welsh in Sydney ein Carcinom und Bland-Sutton einen 
cystischen Ovarientumor beschrieben. 

Im Hunt er 'sehen Museum zu Glasgow befindet sich, nach 
den Angaben von Roger Williams, das Präparat eines Magen- 
stückes von einem Leoparden, welches ein nekrotisches, in der 
Mucosa gelegenes Fibroid aufweist. 

Bei den weißen Bären im „Jardin des Plantes" zu Paris, sollen 
maligne Geschwülste, nach Berichten von E. Rousseau, 2 ) nicht 
allzuselten vorkommen. 

Beim Rhinozeros hat schon A. E b e r 3 ) multiple Leiomyome 
des Uterus beschrieben und in neuerer Zeit auch R. Bethe. 4 ) 
G. Renshaw 5 ) berichtet über eine krebsähnliche Magen- 
geschwulst bei diesem Tiere. 

An der großen Kurvatur des Magens von einem 30 Jahre alten 
Rhinozeros saß ein dreieckiger, erhabener Tumor, die Spitze des 
Dreiecks war nach dem Pylorus zu gerichtet, die Oberfläche der 
Geschwulst war eben und ulzeriert, und einige Knoten waren in der 
Umgebung der Geschwulst vorhanden. 

Die mikroskopische Untersuchung ergab eine dem mensch- 
lichen Magencarcinom sehr ähnliche Struktur. 

Diesen Fall, der seiner Salztheorie widersprach, hatte wohl 
Braithwaite vor Augen, als er den Nachweis erbrachte, daß das 
Tier doch häufig auch mit Salz gefüttert wurde.*) 

Wie wir schon vorhin erwähnten (S. 269), hat Bland-Sutton 
bei einem Phalanger (Kuskus-Art Beuteltier) ein Adenom der 
Mamma beschrieben. 

Mehrere Präparate von Knochengeschwülsten des Opossum 
befinden sich, nach den Angaben von Roger Williams, 6 ) im 
Hunt er 'sehen Museum zu London. 

Bei der Biberratte (Myoptamus coypus) beobachteten F. Hilgen- 
dorf und A. Paulicki 7 ) multiple Myome des Uterus. 

Im Hunt er 'sehen Museum zu London befindet sich auch, 
nach den Angaben von Roger Williams, 8 ) ein Präparat des 
Unterkiefers von einem Känguruh, der vollständig sar komatös 
entartet war. 

1 ) 1. c. S. 19 (p. 110). 

2 ) Zitiert von Roger Williams. 

3 ) Deutsche Zeitschrift f. Tiermedizin, Bd. 18, S. 316. 

4 ) Frankfurter Zeitschrift f. Pathologie, 1910, Bd. VI, H. I. 

5 ) Ref. in: Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. I, S. 347. 
*) Cfr. Bd. II, S. 86. 

6 ) 1. c. S. 19 (p. 110). 

7 ) Virch. Arch. Bd. 49, 1870. S. 295. 
s ) 1. c. S. 19 (p. 111). 



272 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Bei einer Fischotter beobachtete L e d i a r d *) ein S a r k o m des 
harten Gaumens. 

Ueber Geschwulsterkrankungen beim Hirsch lag bisher nur eine 
Mitteilung von MaxKoch 2 ) vor, der ein F i b r o m y o m des M a g e n s 
beschrieb. 

Wir selbst hatten Gelegenheit in der pathologisch- anatomischen 
Sammlung des hiesigen Rudolf Virchow- Krankenhauses das 
Präparat eines Schädels von einem Hirsch zu sehen, der eine große 
Zerstörung aufwies. 

Nach einer brieflichen Mitteilung von v. Hansemann stammt 
das Präparat von einem 8 jährigen Pseudaxis Dubowski aus dem 
hiesigen zoologischen Garten. 

Die Zerstörung wurde durch ein Cancroid hervorgerufen, welches 
wahrscheinlich von der Wangen- oder Gaumenschleimhaut ausgegangen 
war, den rechten Oberkieferknochen vollständig zerstört hatte und 
nach der äußeren Haut, Nase und der Kieferhöhle durchgebrochen war. 

Beim Reh hat nur K a r 1 B a u m a n n 3 ) in einem Falle ein L e b e r- 
a d e n o m gesehen. 



Maligne Geschwülste bei Vögeln. 

Allgemeines: Einfluß der Ernährung und des Alters auf die Disposition zur 
Erkrankung. 

Verwechslung mit der Geflügelpocke bei älteren Beobachtern. 

Anatomische und histologische Untersuchungen über die Geflügel- 
pocke. Molluscum contagiosum und Geflügelpocke. Ursache 
der Geflügelpocke. 

Statistische Untersuchungen über maligne Geschwülste bei Vögeln. 
Hühner: Erste, sichere Mitteilung über maligne Geschwülste. 

Statistik. Ursache der fast ausschließlich bei Hennen beobachteten,, 
malignen Geschwülste. Impfversuche. Geographische Verbrei- 
tung. Mannigfaltigkeit der verschiedenen, bei Hühnern vorkommenden 
Geschwülste. Wachstum und Metastasen. 

Kasuistische Mitteilungen : 

Maligne Geschwülste im Verdauungskanal: Mundhöhlen- und 
Darmcarcinome. Kleinzellige Infiltration und Carcinom. 
Darmsarkome. Primärcarcinome des Magens und der Leber. 

Maligne Geschwülste des Urogenitalsystems: Hypernephrom der 
Niere. varialcarcinome. Dottertumoren. 

Multiple Sarkome der Haut. Sonstige Geschwülste bei Hühnern. 

Einteilung der malignen Geschwülste bei Hühnern Histologie 
der einzelnen Carcinom- und Sarkomarten. Lymphome. Leukämische 
und aleukämische Symptome. Geschichtlicher Kückblick auf die 
leukämische Erkrankung des Huhnes. Pseudoleukämie. Fälle von 
echter Leukämie mit Blutveränderung. Impfversuche. 

Vorkommen von malignen Geschwülsten bei der 
Gans: Lungensarkome. Fibrom des Mesenteriums. 
Ente: Sarkome. Mediastinale Mischgeschwülste. 



Transact of the Pathol. Soc. of London, 1888, Vol. 39, p. 458. 

2 ) Deutsche Pathologische Gesellschaft, Mai 1904. 

3 ) Ueber Geschwulstbildungen bei Tieren: Adenom der Rehleber und sarkom- 
artige Tuberkulose der Hundelunge. I.-D. München 1904. 



Maligne Geschwülste bei Vögeln (Allgemeines). 273 

Taube: Statistik. Sarkome. Talgdrüsencysten. Epithelioma contagiosum. 
Natur dieser Erkrankung. Unterschied zwischen Tauben- und Hühner- 
pocke. Impfversuche. 

Papagei: Statistik. Kasuistische Mitteilungen über Carcinome. Anatomische 
und histologische Untersuchungen. 

Kanarienvogel: Doppelseitiger Lungentumor. Histologische Untersuchung. 

Beobachtungen über Geschwulsterkrankungen beim Rebhuhn, Hasel- 
huhn, Birkhuhn, Schwarzamsel, Strauß, Kiebitz, Auerhahn. 

Allgemeines. 

Maligne Geschwülste bei Vögeln sind schon älteren Be- 
obachtern bekannt gewesen. 

Nach der Ansicht der älteren Forscher sind die fleisch- 
fressenden Tiere mehr zur Krebserkrankung disponiert, als die 
Pflanzenfresser.*) 

Auf Grund dieser Anschauung behauptete auch Ray er, 1 ) daß 
der Krebs bei Raubvögeln nicht selten wäre, während 
Tuberkulose bei diesen Tieren kaum vorkäme. 

Dieselbe Ansicht vertrat auch M. C. Rousseau, 2 ) ein Zeitgenosse 
von Ray er, sich stützend auf die im „Jardin des Plantes" zu Paris 
gemachten Erfahrungen, daß Adler und Geier, die im zoologischen 
Garten verendeten, nicht selten krebsige Erkrankungen aufwiesen. 
Wir haben auch schon an einer anderen Stelle**) erwähnt, daß man 
früher der Ansicht war, daß nur diejenigen Vögel krebsig erkranken 
können, die ein h ö h e r e s Alter erreichen, wie z. B. Adler, Papageien usw., 
bei Hühnern hingegen komme Krebs niemals vor. 

Alle diese Theorien sind, wie wir sehen werden, hinfällig, da 
maligne Geschwülste sowohl bei Pflanzen- als auch bei Fleisch- 
fressern und bei Tieren jeglichen Alters vorkommen. 

Die älteren Beobachtungen über maligne Geschwülste bei Vögeln 
sind auch insofern nicht ganz einwandfrei, als vielfach Verwechslungen 
mit der sog. Geflügelpocke vorgekommen sein mögen. 

Diese Erkrankung, die hauptsächlich Hühner und Tauben 
befällt, ist, nach den Untersuchungen von Bollinger, 3 ) dem beim 
Menschen vorkommenden „Molluscum contagiosum"***) sehr ähnlich. 

Die Krankheit ist charakterisiert durch das Auftreten von hanf- 
bis maiskorngroßen, gelbbraunen, rundlichen Knoten, besonders an 
den Kämmen und Kehllappen, am Schnabelwinkel und an den Augen- 
lidern. Die histologische Untersuchung dieser Geschwülste ergibt 
eine Hyperplasie der Epithelien des Stratum Malpighi. Die Epithelien 
selbst sind vergrößert und enthalten eigentümliche, fettig glänzende 
Gebilde, die man für Parasiten hielt, neben dem geschrumpften 
Zellkern. 

Auch Mingazzini und Casagandri 4 ) hielten die Geflügel- 
pocke für identisch mit dem beim Menschen vorkommenden Molluscum 
contagiosum. Als Erreger der Geflügelpocke wurde von diesen 



*) Cfr. auch Bd. II, S. 88. 
l ) Arch. de Med. comparee, 1843. 
2 j Cfr. S. 209. 
**) Bd. II, S. 88. 

3 ) Virch. Arch. Bd. 58, S. 349. 

***) Cfr. Bd. I, S. 269, 276, 492, 557, 606. 

4 ) Bullet, de R. Accad. med. Roma 1894. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 18 



274 Hl- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Forschern der „Chytridiopsis socius" angesehen, von Rivolta und 
Delprato 1 ) hingegen der „Epitheliomyces". 

Sanfelice 2 ) aber bestreitet die Identität der Geflügelpocke mit 
dem Molluscum contagiosum des Menschen und behauptet, daß die 
Geflügelpocke eine Blastomycetenerk rankung*) sei. 

Nach den neueren Untersuchungen von Carnwath, Uhlenhuth 
und Manteufel 3 ) handelt es sich jedoch bei dem sog. „Epithelioma 
contagiosum" des Geflügels um eine lokale Affektion mit 
Geflügeldiphterie!**) 

Bis in die Neuzeit hinein war man der Ansicht, daß Geschwulst- 
erkrankungen, besonders maligner Natur, bei den Vögeln zu den 
größten Seltenheiten gehören. 

Diese Annahme ist jedoch eine irrige; denn Klee konnte z. B. 
aus den Jahrgängen 1892—1900 der „Geflügelbörse" bereits 13 Fälle 
von Carcinom und Sarkom bei Hühnern und je eine maligne 
Geschwulsterkrankung bei einem Papagei und bei einer Taube 
zusammenstellen. 

Nach den Angaben von A. Stick er 4 ) wurden an der tierärzt- 
lichen Hochschule zu B e r 1 i n im Laufe von 13 Jahren geschwulst- 
krank befunden: 

unter 2144 Hühnern = 13 == 0,6 °/ 

„ 2335 Papageien = 68 = 2,8 °/ ***) 

444 Tauben = 22 = 5% 

„ 1600 kleineren Vögeln = 47 = 3 °/ 

Sicherlich kommen noch mehr Geschwulsterkrankungen bei Vögeln 
vor, als bisher bekannt war; denn erst in neuester Zeit hat man 
diesem Problem mehr Aufmerksamkeit geschenkt. 

Hühner. 

Die erste sichere Mitteilung über maligne Geschwülste bei 
Hühnern hat Hathaway 5 ) gemacht. 

Die Geschwulst, die am Halse einer Henne sich befand, wurde 
teilweise exstirpiert, rezidivierte aber bereits nach kurzer Zeit. 

Die von Bowlby vorgenommene, mikroskopische Untersuchung 
der Geschwulst ergab ein typisches Rundzellensarkom. 

Maligne Geschwülste bei Hühnern kommen, nach den Beobachtungen 
der neueren Forscher, gar nicht so selten vor. 

Wie wir schon vorhin erwähnten, hatte Klee bereits 13 Fälle 
von malignen Geschwülsten bei Hühnern aus der Literatur zu- 



1 ) L' Ornitojatria. Pisa 1881. 

2 ) Zeitschrift für Hygiene, Bd. 26, 1897, S. 298. 
*) Cfr. Bd. I, S. 657 ff. 

3 ) Zentr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 44, 1909 — Beiheft, S. 94. 

**) Die neuesten Untersuchungen von B. Lipschütz (Zentr.-Bl. f. Bakteriologie, 
Bd. 68, 1913, S. 323) haben jedoch ergeben, daß der eigentliche Erreger der 
Geflügelpocke noch nicht gefunden worden ist. Nur so viel ist bekannt, daß der 
Erreger zu den filtrierbaren, dermatropen Parasiten gehört, die eine maximal 
gesteigerte A vidi tat zum Hautorgan besitzen. 

4 ) Genügelbörse, 1907, Nr. 43. 

***) Bei 4 Tieren wurde ein Carcinom gefunden. 
5 J Brit. med. Journ. 1883, Vol. I, p. 1226. 



Maligne Geschwülste bei Vögeln (Hühner). 275 

sammenstellen können, und Wer nicke 1 ) berichtet bereits über 
28 derartige, in der Literatur beschriebenen Erkrankungen bei Hühnern, 
denen er selbst noch 6 eigene Beobachtungen hinzufügen konnte, von 
welchen 5 als sichere, maligne Geschwülste diagnostiziert werden 
konnten. 

Auch M. Ehrenreich 2 ) hat unter 2000 geschlachteten Hühnern 
7 Tiere, und zwar nur Hennen, mit malignen Geschwülsten behaftet 
vorgefunden, von denen 5 als echte Carcinome erkannt worden 
sind, darunter 2 Ovarialkrebse und ein Darmcarcinom. Eine Darm- 
geschwulst wurde als sarkomartiger Tumor diagnostiziert. 

Daß ausschließlich H e n n e n an malignen Geschwülsten erkrankt 
waren, führt Ehrenreich darauf zurück, daß diese Tiere meistens 
erst in einem höheren Alter geschlachtet werden als Hähne. 

In anderen Instituten, wie z. B. in Heidelberg, kommen, nach 
den Angaben von v. Wasielewski, 3 ) Geschwülste bei Hühnern 
recht häufig vor, besonders oft Ovarial-, Nieren- und Lebergeschwülste. 

In einem Falle ließ sich ein Lebertumor sogar auf andere Hühner 
überimpfen, und beim 11. Huhn hatte sich wieder eine Leber- 
geschwulst entwickelt, die mit dem Impftumor histologisch 
identisch war. 

Auch in Japan sind, nach den Mitteilungen von Fujinami 
und Inamoto, 4 ) maligne Geschwülste bei Hühnern nicht selten. Im 
ganzen konnten diese beiden Forscher 32 Fälle aus der Literatur 
zusammenstellen, denen sie 9 eigene Beobachtungen hinzufügen konnten, 
und zwar 8 Sarkome und ein Carcinom. 

Unter den 6 von Wernicke mitgeteilten Beobachtungen befanden 
sich ein Rundzellensarkom am Oberschenkel eines 6 Jahre 
alten Huhnes, zwei verhornende Platt enepithelcarcinome 
am Schenkel von ausgewachsenen Hühnern, ein Carcinoma 
simplex medulläre der Leber und eine allgemeine Bauch- 
fellcarcinosis, ebenfalls nur bei Hühnern. 

Eine am Brustbein eines Huhnes vorgefundene Geschwulst konnte 
anatomisch nicht genau festgestellt werden. 

Die Form und Verteilung der Hühnergeschwülste auf die 
einzelnen Organe zeigt, nach den Beobachtungen von Wernicke, 
die gleiche Mannigfaltigkeit wie beim Menschenkrebs. 

In der Größe vom miliaren Knötchen bis zum faustgroßen 
Tumor schwankend, können die Geschwülste einen nicht unerheblichen 
Teil des Körpergewichts erreichen. 

Häufig kann man auch bei diesen Hühnergeschwülsten ein in- 
filtrierendes Wachstum und Metastasen beobachten. 

Zerstörung von Knochengewebe, Einbrechen des Tumors in die 
Nachbarorgane, wie z. B. Durchbruch durch Muskulatur und Becken- 
gürtel in die Bauchhöhle, Zerstörung des Bulbus, Ulceration der 
Geschwulstknoten und sogar Darmperforation kommen, nach den Be- 
obachtungen von Wernicke, vor. 

Auf der anderen Seite hinwiederum war es auffallend, daß z. B. 
zahlreiche Krebsknoten, die den Darm in seiner ganzen Länge fast 

») Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. X, 1911, S. 168 (mit 30 Literaturangaben). 

2 ) Med. Klinik 1907, S. 614. 

3 ) Vortrag in der Internationalen Hygieneausstellung zu Dresden am 7. Aug. 1911. 

4 ) Gan, Ergebnisse der Krebsforschung in Japan, Jahrg. II, H. II: Jahrg. III, 

18* 



276 HI- ® eT Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

ummauert hatten, nirgends einen geschwürigen Zerfall der 
Darmschleimhaut herbeigeführt hatten, auch konnte an keiner Stelle 
ein destruierendes Wachstum festgestellt werden. 

Kasuistische Mitteilungen über Krebserkrankungen der ver- 
schiedensten Organe beim Huhn sind in jüngster Zeit wiederholt 
gemacht worden, besonders soweit der Yerdauungskanal in Frage kommt. 

So beschrieb z. B. L. Pick 1 ) bei einer Henne eine Geschwulst, 
die von der Schleimhaut des Mundil öhlenbodens ihren Ausgang 
genommen und den ganzen hinteren Teil des Unterkiefers zerstört hatte. 

Der Tumor, der nur wenig ulceriert und diffus gewachsen war r 
erwies sich bei der mikroskopischen Untersuchung als ein Platten- 
epithelkrebs, der stellenweise Perlkugeln enthielt. 

Metastasen waren nicht nachzuweisen. 

Eine ähnliche Geschwulst beobachtete auch M.Koch 2 ) bei einer 
8 Jahre alten Henne aus der Rasse der Brahmaputra. Der Tumor 
— ein typisches Cancroid der Mundhöhle — füllte den Larynx 
vollständig aus und hatte in vivo Erstickungserscheinungen hervor- 
gerufen. 

Wir haben schon vorhin auf die Untersuchungen von M. Ehren - 
reich über maligne Hühnergeschwülste hingewiesen (cfr. S. 275) und 
auch schon die zwei bei Hühnern beobachteten Darmcarcinome 
erwähnt. Diese Tumoren sind nun von Ehrenreich und 
L. Michaelis 3 ) eingehend beschrieben worden. 

Die erste Geschwulst war etwa gänseeigroß und saß auf 
den Dünndärmen, die zu einem festen Konvolut hart infiltrierter 
Schlingen miteinander verwachsen waren. Einige Dünndarmschlingen 
waren vollständig von Tumormassen umwachsen und zeigten sich auf 
dem Durchschnitt als starre Rohre mit klaffendem Lumen. 

Das ganze Peritoneum war übersät mit miliaren bis 
haselnußgroßen Knoten von gleicher Farbe und Konsistenz wie 
der Primärtumor, der histologisch sich als ein Adenocarcinom 
erwies, welches möglicherweise von den Drüsen des Darms seinen 
Ausgang genommen hatte. 

Der zweite Tumor saß ebenfalls an den Dünndarm- 
schlingen und bot dasselbe anatomische Bild wie die vorhin be- 
schriebene Neubildung. . 

Auch bei dieser Geschwulst handelte es sich um ein echtes 
C a r c i n o m. 

Bemerkenswert an dieser Geschwulst war nur die Auf pfropfung 
der kleinzelligen Infiltration auf dem Boden eines 
Carcinoms in dem Maße, daß das Carcinom an den 
meisten Stellen unkenntlich gemacht wurde! 

Die dritte, ebenfalls in den Dünndärmen lokalisierte Ge- 
schwulst, bot alle Zeichen der Malignität, wie infiltratives Wachs- 
tum und Metastasen, konnte aber anatomisch nicht genauer klassi- 
fiziert werden und wurde von Ehren reich und Michaelis als 
..Sarkom artige Geschwulst" bezeichnet. 



*) Berliner med. Gesellschaft. 1. Juli 1903, cfr. auch: Berliner Min. Wochen- 
schrift 1 C J03, Nr. 29. 

2 ) Deutsche Pathologische Gesellschaft, Berlin 1904, S. 137. Cfr. auch: Die 
Tuberkulose der Vögel und ihre Beziehungen zur Säugetiertuberkulose von Max 
Koch und Lydia Eabinowitsch (Virch. Arch., Bd. 190, 1907, Beiheft, S. 246). 

3 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 586. 



Maligne Geschwülste bei Vögeln (Hühner). 277 

Eine ähnliche D arm ge seh willst bei Hühnern hatte auch schon 
vorher Semmer 1 ) beschrieben. 

In neuester Zeit berichteten auch G. Petit und Germain 2 ) 
über einen Primärkrebs des Darms bei einem Huhn mit Metastasen 
in Leber und Lunge. 

Bei der von Weißkopf 3 ) mitgeteilten Beobachtung über Medullar- 
carcinome am Magen, an der Serosa der Leber und in der 
Muskulatur eines Huhnes konnte der Primärherd nicht ermittelt 
werden. 

Ueber Primärcarcinome der Leber liegt, außer einer älteren, 
nicht ganz einwandfreien Beobachtung von Siedamgrotzky 4 ) (bei 
einem Hahn), nur die vorhin (cfr. S. 275) erwähnte Mitteilung von 
Wer nicke vor. 

In dem von J. A. Gibruth 5 ) beschriebenen Falle handelte es 
sich um ein Sarkom der Leber. 

Auch maligne Geschwülste am Urogenitalsystem des Huhnes 
sind beobachtet und beschrieben worden. 

Borrel und Masson 6 ) fanden in der Niere eines Hahnes 
eine Geschwulst, welche die Struktur des embiyonalen, meta- 
nephrotischen Nierenkeimgewebes hatte, in welchem man die 
sekretorischen und exkretorischen Anteile (Plattenepithelformationen 
und Zylinderepithelschläuche) deutlich erkennen konnte.*) 

Maligne Primärgeschwülste des Eierstockes und Eileiters 
sind beim Huhn wiederholt beobachtet worden. 

Bereits Siedamgrotzky 7 ) berichtet über ein Carcinom des 
Ovariums bei einem Huhn, und in neuerer Zeit hat ganz besonders 
G. Petit 8 ) mehrere Fälle von malignen Primärgeschwülsten der 
Eierstöcke und der Eileiter beim Huhn mitgeteilt. 

Bei einem Huhn hatte die Ovarialgeschwulst auch Metastasen 
in der Leber und in den Nieren hervorgerufen. 

Eine eigenartige Geschwulstform der Eierstöcke haben M. Ehren- 
reich und L. Michaelis 9 ) als „Dottertumoren" bezeichnet. 

Es handelt sich bei diesem Geschwulsttypus um Tumoren, die in 
Form, Farbe, Größe, Konsistenz und Sitz die weitgehendsten Ver- 
schiedenheiten zeigen, die aber alle eine Eigenschaft gemeinsam 
haben, nämlich, daß man in ihrem Inneren stets Eidotter oder Ei- 
reste findet. 

Anscheinend handelt es sich, nach der Ansicht von Ehrenreich 
und Michaelis, bei diesen Dottertumoren um Eierst ocksfollik el, 



*) Petersburger Archiv f. Veterinärkunde 1887 und : Deutsche Zeitschrift f. Tier- 
medizin, Bd. 14, S. 245. 

2 ) Bullet de l'Assoc. frang. pour l'etude du Cancer, Paris 1910, p. 217. 

3 ) Wochenschrift f. Tierheilkunde und Medizin, Juni 1882. 

4 ) Sächsischer Bericht 1877, S. 38. 

5 ) Rep. of prineipal veterinary officer. New Zealand Depart. of Agriculture. 
1902—1903. 

6 ) Bullet, de l'Assoc. frang. pour l'etude du Cancer. Paris 1911, p. 172. 

*) In jüngster Zeit beschrieb noch EugenLudwig (Zeitschr. f. Krebsforschung, 
Bd. XIII, 1913, S. 81) eine diffuse Nierensarkoinatose bei einem Hahn. 

7 ) Sächsischer Bericht 1876, S. 40. 

h ) Cancer et kystes de l'ovaire chez une poule (Recueil de Med. veterin. T. IX, 
1902, p. 140). Cancer de Toviducte, generalise au foie et aux reins chez uue poule 
(Bullet, et Mem. de la Soc. anat. de Paris 1902, p. 576). Cfr. auch: IL Internation. 
Krebskonferenz, Paris 1910, S. 207. 

9 ) 1. c. S. 276. 



278 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

die sich vom Eierstock losgelöst und an irgendeiner Stelle der Bauch- 
höhle angesiedelt haben. 

Höchstwahrscheinlich entwickeln sich aus diesen Geschwülsten die 
bei Hühnern häufig beobachteten Fibrome, wie sie diese beiden Forscher 
im Mesenterium und Ovarium von Hühnern gefunden haben*) 

An der Haut eines Hahnes sind multiple Sarkome von 
Kegenbogen 1 ) beobachtet worden. 

Neben Carcinomen, Sarkomen und Fibromen kommen aber beim 
Huhn noch andere Geschwülste mannigfacher Art vor. 

Teratome beschrieben z. B. A. Schminke 2 ) (Bauchhöhle) und 
Winokureff 3 ) (Hoden), und über eine große Zahl von Myxo- 
sarkomen, Lymphomen, Leiomyomen in allen möglichen 
Organen des Huhnes berichteten E. E. T y z z e r und Thomas 
Ordway. 4 ) 

Auch Hauthörner (cfr. S. 250) kommen, nach den Angaben 
von Th. Kitt, 5 ) bei Hühnern vor.**) 

Nach ihrem histologischen Aufbau lassen sich die m a 1 i g n e n 
Hühnergeschwülste, wie Wernicke 6 ) hervorhebt, einteilen in Carci- 
nome, Sarkome und Lymphome. 

Der Struktur nach kommen bei Hühnern das Carcinoma 
simplex, Adenocarcinome und Plattenepithelkrebse vor. 
Der Anteil von Strom a und Parenchym an der Geschwulst 
schwankt in weiten Grenzen, so daß man alle Uebergänge vom 
Scirrhus bis zum Medullarcarcinom finden kann. 

Unter den Sarkomen finden sich Formen mit Rund- und 
Spindelzellen, seltener mit Riesenzellen. Das Zwischengewebe 
ist hier in der Regel spärlich, und die Parenchymzellen bilden ent- 
weder ein gleichmäßiges Gewebe ohne besondere Struktur, oder sie 
schließen sich zu Alveolen und lobulären Haufen zusammen. 

Eine ähnliche Struktur weisen auch die Lymphome auf; ihre 
Zellen lassen sich von den Lymphocyten des Vogels 
nicht unterscheiden. 

Auch beim Huhn hat man leukämische und aleukämische 
Lymphome beschrieben, je nachdem bei dem Tiere neben der Ge- 
schwulstbildung eine Leukämie besteht oder nicht. 

Die Frage, ob es sich beim leukämischen Lymphom um einen 
Einbruch der Tumorzellen in die Blutbahn handelt, in der sie sich 
dann vermöge einer besonderen Affinität zu den Blutzellen rapide 
vermehren, oder ob die Geschwülste überhaupt gewissermaßen als 
Metastasen des leukämischen Blutes aufzufassen sind, ist, nach 
Wernicke, schwer zu entscheiden. 

Die leukämische Erkrankung beim Huhn ist, wie Jutaka 






*) Cfr. auch über Ovarialblastome beim Huhn: Th. Kitt (Lehrb. der 
pathol. Anatomie der Haustiere. Stuttgart 1906). 

l > Berliner tierärztl. Wochenschrift 1907, S. 323. 

2 ) Zentr.-Bl. f. allg. Pathol., Bd. 20, 1909, Nr. 1. 

3 ) Einige seltene Geschwülste bei Tieren. I.-D. Bonn 1908. 

4 ) The Journ. of med. Eesearch 1909, p. 459. 

5 ) Cfr. Anm. *). 

**) Ueber das durch eine Milbeninfektion (Dermatoryctes mutans) hervor- 
gerufene Kalkbein bei Hühnern cfr.: Ernst Küster, Die Gallen der Pflanzen. 
Leipzig 1911, S. 407. 

6 ) 1. c. S. 275. 



Maligne Geschwülste bei Vögeln (Hühner). 279 

Kon 1 ) hervorhebt, zuerst von Moore 2 ) und Dawson 3 ) unter der 
Bezeichnung „Leucaemia infectiosa" beschrieben worden. Aber höchst- 
wahrscheinlich hat es sich in diesem Falle, wie Kon hervorhebt, um 
eine gewöhnliche Leukocytose bei einer Infektionskrankheit 
gehandelt. 

Dann hat E. E. ßutterfield 4 ) unter der Bezeichnung „Aleu- 
kaemic Lymphadenoid Tumors of the Hen" 3 Lebergeschwülste bei 
Hühnern beschrieben, die eine starke Proliferation des periportalen 
Lymphadenoidgewebes zeigten. 

Aehnliche Geschwülste beobachteten bei 2 Hühnern M. Koch 
und Lydia Rabin o witsch. 5 ) 

In dem einen Falle zeigten sich Leber, Nieren und Blind- 
därme durchsetzt von fremdartigen Rundzellen, welche zu unregel- 
mäßigbegrenzten, vielfach konfluierenden Knoten zusammengelagert, 
das Organgewebe verdrängten und substituierten. 

In dem zweiten Falle war die Erkrankung viel weiter vor- 
geschritten und hatte besonders die Leber stark verändert, welche 
enorm vergrößert war, und bei der die Leberzellen fast vollständig 
durch Rundzellen substituiert waren. Die übrigen Organe waren 
normal und ebenso auch das Blut. 

In beiden Fällen hat eine Untersuchung des Knochenmarkes 
nicht stattgefunden. 

Koch und Rabinowitsch bezeichneten diese Geschwülste als 
„Aleukämische Lymphome". 

Auch Carl Hart 6 ) fand derartige Geschwülste bei einem jungen, 
spontan verstorbenen Huhn, dessen Leber, Milz und Lymphdrüsen 
eine starke Vergrößerung aufwiesen. 

Nach der Ansicht von Hart handelte es sich höchstwahrscheinlich 
um eine primäre Erkrankung der Lymphdrüsen, und das ganze 
klinische Bild entsprach der beim Menschen vorkommenden, unter 
dem Namen „Pseudoleukämie"*) bekannten Aifektion. 

Die Tatsache, daß besonders, abweichend von den bisher mit- 
geteilten Beobachtungen, die Lymphdrüsen affiziert waren, be- 
stimmte Hart die von ihm beobachtete Erkrankung als „Pseudo- 
leukämie" zu bezeichnen. 

Es kommt aber auch beim Huhn eine echte Leukämie vor, 
d. h. eine Erkrankung mit Veränderung des Blutes. 

Eine derartige Beobachtung teilte z. B. J u t a k a Kon 7 ) mit. 

Sämtliche Organe des Tieres zeigten eine außerordentliche 
Blässe, Milz und Leber eine starke Vergrößerung. 

Histologisch bestand hauptsächlich eine zellige Hyperplasie 
am Knochenmark und in der Milz und eine zellige Infiltration anderer 
Organe, besonders der Leber. 

Im Blute konnte Kon nicht nur eine einfache Hyperleukocytose 
nachweisen, sondern echte, leukämische Veränderungen, d. h. man 



1 ) Virch. Arch., Bd. 190, 1907, S. 338. 

2 ) Ann. Kep. of the bureau of animal Industrie, 1895/96. 

3 ) Ibidem, 1898. 

4 ) Fol. haematol. Bd. II, 1905, S. 649. 

6 ) Virch. Arch., Bd. 190, 1907, S. 246 — Beiheft. 

6 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 485. 
*) Cfr. Bd. II, S. 239 ff. 

7 ) Virch. Arch., Bd. 190, 1907, S. 338. 



280 III- £> er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

konnte eine einseitige, übermäßige Vermehrung der spezifischen, 
großen, uninucleären Zellen wahrnehmen. 

Durch diesen Blutbefund unterscheidet sich die Beobachtung 
von Kon von den bisher mitgeteilten Fällen, so daß Kon das Recht 
zu haben glaubte, diese Affektion als echte Leukämie, und zwar 
als „Lienale Leukämie" zu bezeichnen. 

Wir sehen, daß auch beim Huhn zahlreiche Formen maligner 
Geschwülste vorkommen. Die Versuche sämtlicher Forscher maligne 
Geschwülste von einem Huhn auf ein anderes zu überimpfen, sind 
ergebnislos gewesen. 

Aus den von Wasielewski mitgeteilten Impfresultaten (cfr. S. 275) 
ist nicht ersichtlich, welcher Art der verimpfte Lebertumor gewesen 
ist. Ebenso fraglich ist auch die Sarkomgeschwulst, deren 
Uebertragung auf andere Hühner P. Rous, J. B. Murphy und 
W. H. T y 1 1 e r x ) geglückt sein soll. Diese Forscher filtrierten das 
Virus durch ein Berkefeldfilter und wollen sowohl spindelzellige 
als auch osteochondromatöse Tumoren, aber nur im Bindegewebe, 
experimentell erzeugt haben. 

Nach den Angaben von Roger Williams 2 ) kommen auch bei 
der Gans maligne Geschwülste vor. 

Im „Guy 's Hospital- Museum" befindet sich z. B. ein Prä- 
parat von der Lunge einer Gans mit sarkomatöser Affektion; 
im „Museum of the Irish College of Surgeons" ist ein Präparat von 
einer Gans aufbewahrt, deren Abdomen vollständig von einem großen 
Fibrom ausgefüllt war, dessen Ursprung nicht mehr festgestellt 
werden konnte. 

Eine ähnliche Geschwulst, die ein Pfund schwer war und mit 
einem Stiel am Mesenterium saß, hat Harrison 3 ) bei einer 
Gans beschrieben. 

Maligne Geschwülste bei der Ente sind bisher nur zweimal be- 
obachtet worden. 

Semmer 4 ) hat in einem Falle eine sarkomatöse Geschwulst 
bei einer Ente gefunden, und Alezais und Cotte 6 ) beschrieben eine 
mediastinale Mischgeschwulst bei einer Ente. 

Bei der Taube sind nur sehr selten maligne Geschwülste be- 
obachtet worden. 

Im ganzen sind, wie wir schon vorhin (cfr. S. 274) erwähnt haben, 
unter 444 untersuchten Tauben = 22, d. h. 5°/ überhaupt geschwulst- 
krank befunden worden; wieviel Geschwülste maligner Natur ge- 
wesen sind, ist aus den Angaben nicht ersichtlich. 

Sarkomerkrankungen bei der Taube sind von Winokureff 6 ) 



1 ) A filterable agent the cause of a second chicken tumour an osteochondro- 
sarcoma (Journ. of the Americ. med. Assoc, Vol. 59, 1912, p. 1793 — aus dem 
Eocke feil er 'sehen Institut zu New York). 

2 ) 1. c. S. 19 (p. 111). 

3 ) Bristol med. chir. Journ. 1894, p. 288. 

4 ) Deutsche Zeitschrift f. Tiermedizin, Bd. 14, S. 245. 

5 ) Tumeur du mediastin ä tissus multiples chez un canard (Comptes rend. de 
la Soc. de biol. 1908, p. 525). 

6 ) Einige seltene Geschwülste bei Tieren. I.-D. Bonn 1908. 



Maligne Geschwülste bei Vögeln (Taube, Papagei). 281 

und Woods Hutchinson 1 ) (Rundzellensarkom am Flügel) be- 
schrieben worden. 

Nach den Angaben von Roger Williams 2 ) befindet sich im 
„Irish College of Surgeons Museum" das Präparat einer Taube, 
welches eine große Talg drüsen cyste in der Brustgegend aufweist. 

Häufiger ist schon bei der Taube das sog. „Epithelioma 
contagiosum" beobachtet worden. 

Diese Erkrankung ist besonders eingehend von A. Stick er und 
Marx 3 ) in bezug auf Ueberimpfbarkeit und Filtrierbar keit 
-des Erregers studiert worden, Untersuchungen, die dann späterhin 
von Max Juliusberg 4 ) wieder aufgenommen worden sind. 

Wir wollen an dieser Stelle uns nur darauf beschränken, die Er- 
gebnisse dieser Forschungen zu erwähnen. 

Obwohl zwischen der Hühner- und Taubenpocke in bezug 
auf Ueberimpfbarkeit der Krankheit Unterschiede bestehen, so ist 
doch, nach den Untersuchungen von Juliusberg, das Virus der 
Taubenpocke in derselben Weise filtrier bar wie das 
Virus der Hühnerpocke. 

Ein spezifischer Erreger dieser Aifektion konnte jedoch nicht 
festgestellt werden. 

Welcher Art diese Erkrankung, nach den neueren Untersuchungen 
von Carnwath, Uhlenhuth und Manteufel, ist, haben wir 
bereits erwähnt (cfr. S. 274). 

Ueber die bei Tauben durch Parasiten (Würmer, Bilharzia usw.) 
von v. Wasielewski 5 ) experimentell erzeugten, sarkom- 
ähnlichen Tumoren liegen nähere Angaben noch nicht vor. 

Auch beim Papagei sind maligne Geschwülste verhältnismäßig 
selten zur Beobachtung gekommen. 

Wir haben schon vorhin erwähnt (cfr. S. 274), daß unter 
346 Papageien, die doch häufig ein recht hohes Alter zu erreichen 
pflegen, nur 4 Fälle von krebsartiger Erkrankung gefunden 
worden sind. 

Ein Carcinom, welches im rechten Flügel eines Papageien 
seinen Sitz hatte, wurde außerdem von Guerrini 6 ) beschrieben. 

Die mäßig harte, mit der Haut zusammenhängende Geschwulst 
hatte sich nur sehr langsam entwickelt. Bei der histologischen 
Untersuchung bestand die Peripherie des Tumors aus fibrillärem 
Bindegewebe, welches zahlreiche, elastische Fasern und Gefäße zeigte. 

Von der Peripherie aus strahlten zahlreiche Trabekel in das 
Zentrum der Geschwulst, die sich in verschiedenen Richtungen 
kreuzten und vielgestaltige Lücken bildeten, welche mit Epithelzellen 
gefüllt waren. An einzelnen Stellen waren typische Krebsperlen 
nachweisbar. 

Guerrini war der Ansicht, daß das Carcinom von den epi- 
thelialen Teilen des Federnfollikels seinen Ursprung ge- 
nommen hätte. 



1 ) Human and Comparative Pathologie, 1901. 

2 ) 1. c. S. 19 (p. 112). 

3 ) Deutsche med. Wochenschrift 1902, S. 893. 

4 ) Ibidem, 1904, S. 1576. 



Vortrag in der Internationalen Hygiene-Ausstellung zu Dresden, 7. Aug. 1911. 
Oesterreich. Monatsschrift f. Tierheilkunde, Jahrg. 34, Nr. 7/8. 



282 HI« Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Ein Carcinom der Schilddrüse wurde dann noch in neuerer 
Zeit von Murray 1 ) bei einem Papageien beobachtet, und M. Koch 2 ) 
berichtete über ein bei einem Papageien vorgefundenes Hämangiom. 

Bösartige Geschwülste beim Kanarienvogel hat schon Crisp 3 ) 
beschrieben, und zwar ein „Fungoid" an der Brust und am Auge. 

Aus neuerer Zeit liegen nur die Mitteilungen von Murray 1 ) 
(Carcinom) und von Schmorl 4 ) vor, der bei einem 11 Jahre alten 
Kanarienvogel einen doppelseitigenLungentumor fand, eine Ge- 
schwulst, die von HansSchlimpert 5 ) genauer beschrieben worden ist. 

Der doppelseitige Lungentumor hatte durch Komprimierung lebens- 
wichtiger Organe den Tod des Tieres herbeigeführt. 

Ob die Geschwulst primärer oder sekundärer Natur war, 
ließ sich nicht nachweisen, ebensowenig, ob sie gut- oder bösartig 
war. Der Tumor war von seiner Umgebung scharf abgegrenzt 
und hatte keine Metastasen hervorgerufen. Auch der Ursprung 
der Geschwulst konnte nicht festgestellt werden. 

Rein morphologisch betrachtet, erinnerte der Tumor, nach 
den Angaben von Schlimpert, durch die Form und Lagerung 
seiner Zellen, ferner durch das Vorhandensein von Zellnestern und 
Zellsträngen, und dadurch daß eine Intercellularsubstanz sich nicht 
nachweisen ließ, am meisten an ein Carcinom. 

Einzelbeobachtungen über Geschwulsterkrankungen bei anderen 
Vögeln finden sich noch vielfach in der Literatur mitgeteilt. 

So berichtete z. B. Max Koch 6 ) über den Befund von fibro- 
myxomatösen Knoten am Blinddarm und in der Leber eines Reb- 
huhnes, und, nach Roger Williams, 7 ) befindet sich im Hunt er- 
sehen Museum zu London das Präparat eines Haselhuhnes, welches 
ein Fibrom am Schenkel aufweist. 

Ein Adenocarcinombei einem Birkhuhn beschrieb M u r r ay, 8 ) 
ebenso ein Sarkom bei einer Schwarzamsel und eine Geschwulst 
am Rectum eines Straußes. 

Auch im „Museum of the English College of Surgeons" befindet 
sich, nach den Angaben von Roger Williams, 7 ) das Präparat eines 
Straußes, welches eine nicht näher bezeichnete Geschwulst am Bauch 
aufweist. 

Ebenso ist im Hunt er 'sehen Museum zu London das Präparat 
eines Kiebitz vorhanden, der an einem Alveolarsarkom der Brust- 
gegend erkrankt war. 

Ueber einen Cysticercus der Leber bei einem Auerhahn be- 
richteten Max Koch und Lydia Rabino witsch. 9 ) 



x ) The zoological distribution of Cancer (Imperial Cancer research. Third scientific 
Keport 1908, p. 41). Cfr. auch: A. Stick er, Der Krebs der Vögel (Geflügelbörse 
1907, No. 43). 

2 ) Verhandl. der Deutschen Pathologischen Gesellschaft 1904, S. 136. 

3 ) Transact. of the Pathol. Soc. London 1848, Vol. II. 

4 ) Verhandl. der Deutschen Pathologischen Gesellschaft. April 1908. 

5 ) Zeitschrift für Krebsforschung, Bd. VIII, 1910, S. 526. 

6 ) Virch. Arch., Bd. 190, 1907, S. 246 — Beiheft. Cfr. auch: Verhandl. der 
Deutschen Pathol. Gesellschaft. Mai 1904. 

7 ) 1. c. S. 19 (p. 112). 

8 ) Cfr. Nr. 1. 

9 ) Virch. Arch., Bd. 190, 1907, S. 246 — Beiheft, 



Geschwulsterkrankungen bei Kaltblütern (Allgemeines). 283 



ßenehwuUterkranknngen bei Kaltblütern« 

Ml •< um in«-.: Beiz und Regenerationsprozeß bei Kaltblütern. Können Kalt- 
blüter an malignen Geschwülsten erkranken? Beobachtungen von L. Pick 
und M. Plehn, Einfluß des alters auf die Disposition zur Erkrankung, 

ii <ii<-: Aelten i Geschwulsterkrankungen Verwechslung mit 

Hyxosporidiengi lenwülsl j Mitteilungen über Sarkom- 

er krankung bei einer Ellritz <-. Histologis« 
vmi Plehn. Allgemeine BetJ en über die bei Fischen vor- 

kommenden Gi terkrankungen 

Cyprinoid« m \ 

Karpfen: Aeltere Beobachtungen über Gesehwulsterkrankungen, Ver- 
wechslung mil n gesch wülsten. 

Wesen und Natur der Pockenerkrankiing. Klinisch« 

einungen. Endemisches Auftreten. Parasitäre oder »Stoff 
wechseler krau k ung? Plehn'« histologische Untersuchungen Gut- 
artig« i. j< 1 1 h el wucherun g. Fehlen des Verhornung i 
A.ehnlichkeit dei Pockenerkrankung mit der Pachyd ermie. Vorkommen 
der Pockenkrankheit bei verschiedenen Fischgattungen Melanom 
bei Karpfen. 1 n f i 1 tri er ende s Wachstum der Karpfenpocke. Mecha- 
nische Schädigung. Unterschied der Kiemenepithel verdickung 
bei Forellen von Sei Karpfenpocke, Weiterentwicklung der Karpfen- 
pocke zu P a p i 1 1 o m en und ( ! a r ein o m e n. Stationär bleiben der 
Kiemenepithelverdickung bei Forellen, Aetiologie der Karpfenpocke. 
Geschwulst oder Infektionskrankheit? 

Anatomisch* und physiole ichungen über die Fischhaut. 

Analogie der Pockenerkrankung mit der Ken w ielenbil düng beim 
Menschen Die Po< k< n< i krankung eine e n t z ö n d 1 i c h e Hauterkrankung. 

1. pj tb eJ j am bild u p ^tu bei Karpfen, PI attenepithelcarcinome 
am Kopfe <i< • Karpfen, 

Histologische! Befund Infiltrierendes Wachstum 

Gutartige Geschwülste; Osteochondrom und Osteom, (,'nter- 
■><-n über den ssif i ca t i o n sp rozeti. 

Karausche: Fibrome der Leibeswand. Fibrosarkom des Hodens. 
Ji i itologi ■ - . h e Untersuchung, Cy stenni eren. 

Goldfisch: ' der Haut und der Jlambla- 

EUHtze: 8aj b om sti u Erkrankungen, 
Salmoniden: 

Allgemeines: Einteilung und Arten. Aeltere Mitteilungen über 
endeml bwulsterkrankungen bei Porellen. Unkenntnis über die 

tu? der Erkrankung. Scotts Nachweis des Carcinoma* 
Charakter! diesei G< -cbwülste. 

Neuere D n t e r s u c h n 1 8 r d e n Schilddrüsenkrebs bei 

I m o n i d e n : 

Histologische Untersuchungen von Plehn und L. Pick. Destru- 

rende Natu dl ehwttlste, Nachweis des Ausgangs von der 

Milddrüse. Anatomie der normalen Schildo xlmoniden, 

Variabilität der histologischen ßilder. Histologische und kli- 
be Kennzeichen der MaJignität dieser Geschwülste. 

ehiedene Ansichten über die Metastasenablagerung beim 

llddrüsenkrebs der »Salmoniden. Verwechslung mit phy si ologischen 
[nterrenalknötcben, Seltenheit der Metastasen bei Kaltblütern. 
Häufigeres Vorkommen von multiplen Primär gesch wülsten. 

Geographische Verbreitung des ßchilddrtisenkrebses dei Salmo- 
nlden Eud Vorkommen Endemie und Domesti- 

/ j t r Q n g 

Jogi sc he Ursachen, Einwirkung äußerer Schädlichkeiten auf 
die Schild icherung. 

Einfluß des Wassers, \\*'.\\unir durch Zusatz von dünnen, anti- 
< ptii < u < n Losungen zum Wi 



284 HL Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Maligne Geschwülste an anderen Körperstellen bei Salmoniden: 

Spindelzellensarkom am Kopfe. Trauma als ätiologische Ur- 
sache. Fibrosarkome. Epitheliome der Zunge. Odontome 
und Keloide. 

Cystosarkome bei Bachsaiblingen. Histologische Untersuchungen 
von Plehn. 

Papilläre Adenocystome bei Trutta lacustris und Leu- 
ciscus spec. Zweifel an der Geschwulstnatur dieser Erkrankungen. 

Gutartige Geschwülste bei Salmoniden: 

Myome in der Muskulatur und Magenwand. 

Geschwulsterkrankungen bei anderen Süßwasserfischen: 

Abdominales: 

Lippenepitheliome bei der Barbe. 

Histologische Untersuchungen eines Lippencancroids. 

Epitheliome der Oberlippe bei Schleien. 

Histologische Befunde. Normale Struktur der Oberhaut. Epithelzapfen 
in der Cutis. Entstehung von Papillomen und Carcinomen. Myxosarcom 
der Orbita. 

Nierensarkom und Osteoidsarkom beim Hecht. Neigung der 
Geschwülste zur Verknöcherung. 

Lipofibrom der Muskulatur mit geringem, infiltrierendem 
Wachstum. 

Hautepitheliome beim Gründling. 

Jugulares : 

Naevus vasculosus beim Stichling, Histologische Untersuchung. 
Infiltrierendes Wachstum. Klinische Malignität. Gefäßverteilung und 
Geschwulstbildung beim Stichling. 

Carcinom der Leibeswand bei Gasterosteus spinachia. 

Leuciscusarten: 

Pockenerkrankungen. Adencoystome. 

Sarkome beim Nerfling. Histologischer Befund. Vorkommen von 
hochspezialisierten Zellen im Tumorgewebe. 

Myome bei der Laube. Malignes Wachstum. 

Sonstige Fische: 

Nierenadenom und Leberblastom beim Aal. 

Geschwulsterkrankungen bei Tief Seefischen: 

Malignes Adenom bei Trigla gunardus. 

Spindelzellensarkom, Osteosarkom und Angiom bei Gadus 
morrhua. 

Ehabdomyom bei Gadus virens. 

Anatomische und histologische Untersuchung dieses Tumors. Embryo- 
nale Entstehung. Fibrom des Mundwinkels. 

Exostosen. Fibroideund parasitäre Geschwulsterkrankung beim 
Stockfisch und Schellfisch. 

Sarkome, Fibromyxome und Osteome beim Rhombus maeoticus. 

Multiple Papillome beim Anabus scandens. 

Pilzförmige Gestalt. Ausgang von den Coriumpapillen. Infektion oder 
ererbte Disposition? 

Fibrom bei einem Brachsen. Fibrosarkom bei einer Nase. Parasiten 
und Geschwulstbildung. 

Geschwulstbildungen bei Invertebraten : 

Neubildungen bei Muscheln und Austern. 

Amphibien und Reptilien: Frühere Verwechslungen mit Pseudotumoren bei 
Amphibien. 

Erste Beobachtung von echten Geschwülsten beim Frosch durch 
Eberth. Multiple Adenome. Beziehungen der höheren Parasiten zur 
Geschwulstbildung. 

Zylinderepithelcarcinom der Niere. Ausgang von der Neben- 
niere. Normaler Bau der Froschniere. 

Bösartige Ovarialgeschwulst. Embryonale Entstehung. 

Adenocarcinome und Hypoplasien der Haut. 

Nicht definierbare Geschwulst bei Salamandra maculata. 



Geschwulsterkrankungen bei Kaltblütern (Allgemeines). 285 

Careinom atöses Hodencystom mit Metastasen beim japani- 
schen Riesensalamander. Histologische Untersuchungen von Pick und 
Po 11. Vergleich zwischen Metastasenbildung beim Menschen und 
bei Kaltblütern. Fibrom an der Hand eines Kryptobranchus. 
Careinom der Hautdrüsen bei einem Triton. 

Erste Mitteilung über ein va rialcar cinom bei einem Reptil 
(Python) von Bland-Sutton. Fibrom des Magens. 

Struma thyreoidea bei einer Schlangenhalsschildkröte. 
Multiple Hautpapillome und Dermatitis verrucosa bei Ei- 
dechsen. 

Allgemeines. 

Wir haben schon früher*) bei Besprechung der Beziehungen des 
Beizes zum Regenerationsprozeß auf die Ausführungen 
v. Hansemann's 1 ) hingewiesen, daß Geschwülste ausschließlich bei 
solchen Tieren mit sehr geringer Regener ationsfähig- 
keit beobachtet worden seien, d. h. bei solchen Tieren, die nur im- 
stande sind Gewebsarten, aber nicht Organe oder Körperteile 
zu ersetzen. 

Krebse, Eidechsen und andere kaltblütige Tiere können ja be- 
kanntlich ganze Körperteile wieder ersetzen. Geschwülste kommen 
deshalb bei Kaltblütern, nach v. Hansemann, nicht vor. 

Noch im Jahre 1902 schrieb v. Hanse mann, 2 ) daß ihm kein 
Fall von malignem Tumor bei Kaltblütern bekannt sei. 

Derselbe Reiz, der bei höheren Tieren eine Geschwulst er- 
zeugt, ruft bei niederen Tieren, die eine weitgehende Regenerations- 
fähigkeit besitzen, die Neubildung eines Organs, Körperteils oder 
eines ganz neuen Individuums hervor. 

Als inzwischen aber L.Pick, wie wir noch späterhin ausführen 
werden, auch bei einem japanischen Riesensalamander eine 
bösartige Hodengeschwulst beschrieb, glaubte Hansemann diese 
Beobachtung als eine Ausnahme auffassen zu müssen. 

„Es würde dies in der Tat der Fall sein," sagt v. Hans emann, 
„wenn nachgewiesen wäre, daß dieses Tier zu einer Regeneration 
ähnlich den verwandten Tritonen fähig wäre." 

Versuche in dieser Richtung wären aber bisher nicht angestellt 
worden. 

Marianne Plehn, 3 ) der wir in bezug auf die Kenntnis von 
dem Vorkommen maligner Geschwülste bei Kaltblütern viel zu ver- 
danken haben,**) hat nun vielfache Beweise von Erkrankungen kalt- 
blütiger Tiere, besonders von Fischen, an malignen Geschwülsten erbracht. 

Plehn ist aber der Ansicht, daß vorwiegend alte Tiere an 
malignen Geschwülsten zu erkranken pflegen, im Gegensatz zu Säuge- 
tieren, die vielfach auch im frühen Alter von malignen Ge- 
schwülsten befallen werden. 



*) Cfr. Bd. II, S. 32 ff. 

*) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. III, 1905, S. 574. 

■) Die mikroskopische Diagnose der bösartigen Geschwülste. Berlin 1902, S. 215. 

3 ) Wiener klin. Wochenschrift 1912, Nr. 19. 
**) Cfr. auch: M. Plehn: Bösartiger Kropf bei Salmoniden (Allg. Fischerei- 
Zeitung 1912, S. 117). Ueber eigentümliche Drüsenzellen im Gefäßsystem und in 
anderen Organen bei Fischen (Anat. Anzeiger 1906). Geschwülste bei Kaltblütern 
Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, S. 525). Ueber einige bei Fischen beobachtete 
Geschwülste usw. (Berichte der kgl. bayer. biol. Versuchsstation für Fischerei. Mün- 
chen 1909). Geschwülste bei niederen Wirbeltieren (II. Internat. Krebskonferenz, 
l'aris 1910, S. 221). 



286 III- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Geschwulsterkrankimgen bei Fischen. 

Geschwulsterkrankungen bei Fischen sind schon den älteren 
Beobachtern bekannt gewesen. 

Besonders häufig wurden Geschwulsterkrankungen bei Karpfen, 
z. B. von Crisp 1 ) u. a. beschrieben. 

x^ber alle diese Mitteilungen sind nicht zuverlässig, da, wie wir 
sehen werden, gerade bei Fischen zahlreiche, parasitäre, besonders 
durch Myxosporidien*) hervorgerufene Erkrankungen vorkommen, 
die mit echten Geschwülsten vielfach verwechselt worden sind.**) 

Nach den Angaben von Marianne Plehn 2 ) hat dann zum 
ersten Male Bugnion 3 ) bei einem kleinen Fisch, bei der Ellritze 
(Phoxinus laevis), ein Kiesenzellensarkom beschrieben. Auch 
Semmer hat, wie wir bereits erwähnt haben (cfr. S. 212), in zwei 
Fällen bei Fischen Sarkome beobachtet. 

Aber auch diese Beobachtungen sind nicht einwandfrei, da aus 
der Beschreibung nicht ersichtlich ist, ob es sich nicht um eine 
Myxosporidienerkrankung gehandelt hat. 

Marianne Plehn 4 ) hat dann selbst ein echtes Sarkom in 
der Eumpfmuskulatur einer Ellritze beobachtet, welches in der 
oberen Hälfte des Rückens hinter dem Kiemendeckel saß und die 
Größe einer Erbse hatte. Die eine Hälfte der Geschwulst trat als 
halbkuglige Beule über das Niveau der Körperwand hervor, kon- 
tinuierlich von der gespannten, aber unverletzten Haut überzogen, 
die andere Hälfte lag in der Muskulatur und drang tief infiltrierend 
in dieselbe hinein. 

Der Tumor war solid, und nur in der Mitte befand sich ein 
kleiner, weicherer Kern, der aber keine Flüssigkeit enthielt. Die 
Schnittfläche war weiß, von der Mitte ließ sich ein ziemlich trockener 
Brei abstreichen, der aus isolierten Geschwulstzellen bestand. 

Mikroskopisch wurde diese Geschwulst als ein wild wucherndes, 
polymorphzelliges Sarkom erkannt. 

In der Neuzeit haben sich nun die Mitteilungen über gut- und 
bösartige Geschwülste bei Fischen sehr gehäuft, und Marianne 
Plehn 5 ) konnte aus der Literatur und auf Grund eigener Beobach- 
tungen über zahlreiche Carcinome, Sarkome und Endotheliome der 
mannigfachsten Art und bei den verschiedensten Fischarten berichten. 

Auch zahlreiche, gutartige Geschwülste, wie Fibrome, 
Angiome, Myome, Cysten sind bei den verschiedenartigsten Fischen 
beobachtet worden. 



1 ) Transact. of the pathol. Soc. London, Vol. V, p. 347. 

*) Cfr. Bd. I, S. 574, 577, 597, 601, 614, 617, 639, 643, 703. 
**) Ueber die durch Parasiten hervorgerufenen Erkrankungen cfr. auch: Gurley 
und Tyzzer: Tumours and Sporozoa in Fishes (First Annual Rep. of the Cancer 
Committee, Harvard med. School, Boston, Oct. 1900). 

2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, S. 525 und: II. Internationale Krebs- 
konferenz. Paris 1910, S. 221. 

3 ) Deutsche Zeitschrift f. Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Bd. I, 
1875, S. 132. 

4 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, S. 535. 

5 ) II. Internat. Krebskonferenz. Paris 1910, S. 223 (Tabelle). 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Cyprinoiden). 287 

Sowohl Epithel- als auch Bindegewebsgeschwülste 
kommen also bei Fischen vor, und zwar in allen Organen. Am 
häufigsten jedoch ist, nach den Angaben von Murray, 1 ) die Haut 
der Sitz der Erkrankung, da gerade die äußere Hülle bei Fischen 
mannigfachen, äußeren Schädigungen ausgesetzt ist. 



Cyprinoiden. 
Karpfen (Cyprinus carpio). 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß Geschwulsterkrankungen 
beim Karpfen bereits älteren Forschern bekannt waren, wir haben 
auch schon auf die Mitteilungen von C r i s p u. a. hingewiesen (cfr. S. 286). 

Bland-Sutton 2 ) brachte dann die Abbildung eines Präparates 
von einem Karpfen aus dem Museum „of the College of Surgeons" in 
London, welches eine große Geschwulst am Rücken aufwies, die 
Bland-Sutton als ein Spindelzellensarkom beschrieb. 

Sibley 3 ) jedoch, der Gelegenheit hatte, eine derartige Karpfen- 
affektion, die als „multiple Sarkome" bezeichnet worden war, mikro- 
skopisch genauer zu untersuchen, hat dann den Beweis erbringen 
können, daß der Tumor ganz aus Psorospermien bestand. 

Wir haben auch schon vorhin betont, wie häufig bei Fischen 
Geschwulsterkrankungen vorkommen, die durch Parasiten hervor- 
gerufen werden, und wie oft derartige Infektionsgeschwülste 
mit echten Neubildungen verwechselt worden sind. 

Eine der verbreitetsten Fischkrankheiten überhaupt ist, wie M. 
Plehn 4 ) hervorhebt, die Pockenkrankheit des Karpfen. 

Diese Affektion besteht im Auftreten von Haut Wucherungen, 
die in vielen Fällen mehr als die Hälfte des Körpers bedecken 
können. 

Die Erkrankung beginnt mit kleinen, weißlichen, ein wenig durch- 
scheinenden Flecken, die zunächst nur wenig über die Haut her- 
vorragen. 

Diese Flecken vergrößern sich dann zu Knoten, die oft knorpel- 
hart werden können, sich leicht von der Haut abziehen lassen, aber 
einen blutenden Defekt hinterlassen, der häufig bald durch neue 
Wucherungen ausgefüllt wird. 

Diese Erkrankung kann auch in einzelnen Teichen epidemie- 
artig auftreten. 

Hof er 5 ) und Doflein 6 ) waren zunächst der Ansicht, daß es 
sich um eine parasitäre Erkrankung handle. Da aber trotz 
eifrigen Bemühens weder ein tierischer noch pflanzlicher Parasit ge- 
funden werden konnte, so glaubten diese Forscher, daß die Erkrankung 
durch eine Stoffwechsels törung hervorgerufen würde, und zwar 
infolge einer durch einen Parasiten (Myxobolus cyprini Hof er) her- 



*) The zoological Distribution of Cancer (Third Scientif. Ken. Cancer Research 
Fund 1908). 

2 ) Journ. of Anat. and Physiol. 1885, S. 447. 

3 ) Transact. of the Pathol. Soc. London, 1890, Vol. 41, p. 322. 

4 ) Zeitschrift f. Krebsforschung-, Bd. IV, S. 542. 

5 ) Handbuch der Fischkrankheiten. München 1904. 

6 ) Ueber Myxosporidien (Zool. Jahrb. 1898, Bd. XI). 



288 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

vorgerufenen Nierenerkrankung, zumal fast bei allen pocken- 
kranken Karpfen dieser Parasit in der Niere gefunden worden ist. 

Infolge der gestörten Nierentätigkeit lagern sich, nach Ansicht 
dieser beiden Forscher, Stoffwechselprodukte in der Haut ab, wodurch 
diese gereizt wird und hypertrophiert. 

Nach den histologischen Untersuchungen von M. Plehn 
stellen nun die Pockenflecken in der Tat nichts anderes vor als 
Epithel Wucherungen, die fast immer das Bild von durchaus 
gutartigen Wucherungen zeigen. 

Bei jungen Knoten sieht man tadellos regelmäßige Epithel- 
zellen, die in keiner Weise ein abnormes, überstürztes Wachstum er- 
kennen lassen. Eine deutliche, basale Schicht besonders regel- 
mäßig zusammengeschlossener Zellreihen grenzt die Oberhaut 
gegen die Umgebung ab. Pigmentzellen bezeichnen die Grenze. 

Die Gefäße sind allerdings stärker entwickelt, die Kapillaren 
zahlreicher als sonst in der Fischhaut, die ja äußerst gefäßarm ist. 

Wird das Gebilde dicker, dann ändert sich das mikroskopische 
Bild. 

Die Zellen verändern ihre Gestalt, sie können, je nach den 
Druckrichtungen, oft Spindelform annehmen und eine Aehnlichkeit 
mit Bindegewebszellen erlangen, sie können auch in kugliger 
Schichtung zusammenliegen, so daß man von einem Cancroid 
sprechen könnte, wenn eine Spur von Verhornung da wäre, die 
in der Fischhaut natürlich fehlt. 

Werden die Knoten sehr dick, dann kann es auch zu ent- 
zündlichen Infiltrationen der Umgebung kommen, zu 
Leukocytenansammlungen und auch zu kleinen Hämor- 
rhagien. 

Oft hält die Ernährung der Geschwulst mit deren Wachstum 
nicht Schritt. Es bilden sich dann nekrotische Stellen, die mikro- 
skopisch Herde von zerfallenen Zellen aufweisen, in denen man die 
verschiedensten Arten von Kerndegeneration antrifft. 

Der Zerfall der Geschwulst kann sich bis an die Oberfläche er- 
strecken und den Austritt eines breiigen Detritus hervorrufen. 

Mitosen sind, nach den Angaben von Plehn, nur spärlich vor- 
handen, Riesenzellen kommen nicht vor und hin und wieder be- 
merkt man ineinander geschachtelte Zellen. Zuweilen treten 
auch gelbliche, rundliche Einschlüsseim Plasma auf — nach 
Plehn, ein häufiger Degenerationsvorgang bei Fischen. 

Es handelt sich also bei der Pockenkrankheit der Karpfen, 
wie Plehn hervorhebt, um eine gutartige Hyperplasie der 
Haut, die man eher als Pachydermie, denn als Geschwulst be- 
zeichnen könnte. 

Die Krankheit kommt nun am häufigsten bei Karpfen vor. 
Plehn hat aber in einzelnen Fällen auch bei anderen Fischen, wie 
z. B. bei der Rotfeder (Leuciscus erythrophthalmus), bei einem 
Nerfling (Leuciscus idus) und auch bei Schleien (Tinea vulgaris) 
Pockenerkrankungen beobachtet. 

Bei den letzteren Fischen ist die Geschwulst nur stärker 
pigmentiert, und in einzelnen Fällen kann der Tumor einen großen 
Umfang annehmen, wie er bei Karpfen nie vorzukommen pflegt. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Cyprinoiden). 289 

Eine derartige Geschwulst hat bei einem Karpfen z. B. Hof er 1 ) 
unter der Bezeichnung „Melanom" beschrieben. 

Eine echte, melanotische Geschwulst liegt nun, nach Plehn, 
nicht vor; denn das Pigment wird nicht von den Geschwulstzellen 
selbst gebildet, es ist vielmehr im Bindegewebe in der Umgebung 
der Gefäße abgelagert und an der Oberfläche, so daß die Geschwulst 
und ihre Umgebung sich dunkel von der gesunden Haut abheben. 

Die Geschwulst war zwar histologisch ebenso gebaut wie die 
Karpfenpocke, aber an einigen Stellen, und zwar immer in der Um- 
gebung von Gefäßen, also an Stellen reichlicher Ernährung,*) 
fand ein infiltrierendes Wachstum statt, wenn auch nur in 
einem sehr bescheidenen Umfange, so daß man histologisch von 
einer carcinomatösen Geschwulst sprechen könnte, obwohl kl i n i s c h 
gar keine Erscheinungen von Malignität vorhanden waren. 

Zwischen den unzweifelhaft harmlosen Geschwülsten bei Fischen 
und denen von höchst destruktiven Wachstumstendenzen 
läßt sich, nach M. Plehn, 2 ) eine deutliche Grenze nicht ziehen. 

Beim Karpfen kann die Pocke nur bei sehr starker Ent- 
wicklung eine ernste Schädigung des Trägers verursachen, anderer- 
seits kann aber die Pocke auch zuweilen ihren Charakter verändern 
und in die Unterhaut und Muskulatur infiltrierend hinein- 
wachsen. 

Es kann aber auch eine dem histologischen Bilde nach absolut 
gutartige Affektion, die ausschließlich in einer allerdings be- 
trächtlichen, atypischen Wucherung des Körperepithels besteht, ihrem 
Träger tödlich werden , wenn sie ein zartes und besonders 
wichtiges Organ befällt. 

So hat z. B. M. Plehn 8 ) bei jungen Forellen und auch bei 
einer Clupeidenart**) eine Verdickung des Kiemenepithels 
epidemisch auftreten sehen, die eine große Verheerung unter diesen 
Fischen angerichtet hat. 

Das normalerweise einschichtige Epithel der respiratorischen 
Fältchen der Kiemen wird hypertrophisch, die Fältchen können 
auch miteinander verwachsen, so daß die Kieme auf kleinere oder 
größere Strecken in einen Klumpen umgewandelt erscheint, wodurch 
die Atmung oft derartig stark behindert wird, daß häufig der Tod 
des Tieres eintritt. 

Mikroskopisch gleichen diese Verdickungen vollkommen den 
jungen Karpfenpocken. 

Bei den Karpfenpocken entwickelt sich aber die Neubildung unter 
Umständen viel weiter, oft zu einem Papillom und in seltenen 
Fällen auch zu einem Carcinom. 

Bei der Kiemen verdickung geht aber die Entwicklung nicht 
so weit, weil, nach Plehn, das Gewebe eines so hoch differenzierten 
Organes, wie es die Fischkieme vorstellt, die wohl geschützt unter 
einem festen, knöchernen Deckel liegt, aus seiner normalen Wachstums- 



*) Handbuch der Fischkrankheiten, München 1904. 

*) Cfr. auch Bd. II, S. 43 (Rößle, Beziehungen der Geschwulstentwicklung bei 
Kaltblütern zu den Gefäßen — Münchener med. Wochenschrift 1904, Nr. 30—32). 

2 ) II. Internationale Krebskonferönz. Paris 1910, S. 225. 

3 ) Pathogene Bedeutung der Myxosporidien für die Fische (Sitzungsberichte der 
Gesellschaft für Morphologie* und Physiologie. München 1910). 

**) Berichte der Königl. Bayer, biol. Versuchsstation für Fischerei. München 1909. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 19 



290 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

richtung weniger leicht abgelenkt werden kann, als die Haut, welche 
stark exponiert und im höchsten Grade regenerationsfähig ist. 

Auch für die Entstehung dieser Kiemenverdickung haben sich 
parasitäre Ursachen nicht nachweisen lassen, ebensowenig wie bei der 
Karpfenpocke. Die Theorie von Hof er und Doflein (cfr. S. 287) 
über die Beziehungen der Niereninfektion durch den Myxobolus 
cyprini H o f e r zur Pockenerkrankung der Karpfen hat sich nicht aufrecht 
erhalten lassen; denn bei den Schi eien z. ß., die an Pocken erkrankt 
waren, sind, nach Plehn, in der Niere häufig keine Myxosporidien 
gefunden worden. 

Diese Parasiten kommen sonst, sowohl bei gesunden, als auch bei 
pockenkranken Tieren vor. 

Aber gerade bei dieser Fischart zeigte sich, nach Plehn, zuerst, 
daß ein Zusammenhang zwischen der Nieren affektion und 
der Pocken erkrankung nicht besteht. 

Myxobolusinfektionen der Niere bei Schleien kommen ungemein 
häufig vor, ohne daß die Tiere an Pocken erkranken, und umgekehrt 
wurde bei pockenkranken Tieren die Niere oft frei von Parasiten 
befunden. 

Keysselitz, 1 ) Prowazek 2 ) und andere Forscher haben dann 
geglaubt die vorhin bei der Karpfenpocke erwähnten Zellein Schlüsse 
für Parasiten (Chlamydozoen) erklären zu müssen, allein Wal de mar 
Löwenthal 3 ) hat den Beweis erbracht, daß es sich bei diesen Zell- 
und Kerneinschlüssen um Degenerations Vorgänge handle. 

Nach Löwenthal sind alle bisher bekannten, mit Bildung 
spezifischer Einschlüsse einhergehenden Krankheiten sichere 
Infektionskrankheiten. 

Auch die Karpfenpocke ist sicherlich eine Infektionskrank- 
heit mit unbekannter Aetiologie. Zwischen dem Carcinom 
und den Infektionskrankheiten ist die Pockenerkrankung ein 
Bindeglied, da diese gleichzeitig eine epitheliale Ge- 
schwulst und Infektionskrankheit vorstellt. 



Die Frage nun, ob die Pockenerkrankung der Fische über- 
haupt zu den Neubildungen gerechnet werden kann, wird von 
J. Fie big er 4 ) verneint. 

Die Bezeichnung der Karpfenpocke als „gutartige Hyperplasie" 
und der Vergleich mit der „Pachydermie" des Menschen, wie Plehn 
es getan hat, ist, nach Fie big er, nicht angängig, da bei den Fischen 
die Hypertrophie der Cutis — das Charakteristische der mensch- 
lichen Pachydermie — nicht vorkommt. 

Die Fischhaut unterscheidet sich physiologisch und histo- 
logisch wesentlich von der Haut der Landtiere. 

Die Fischhaut hat, da sie zahlreiche Schleimzellen besitzt, die 
als einzellige Drüsen aufzufassen sind, den Charakter einer Schleim- 



x ) Archiv f. Protistenkunde Bd. II, 1908. 

2 ) Ibidem, 1907. 

3 ) Zeitschr. f. Krebsforschung, Bd. V, 1907, S. 197. 

4 ) Ibidem, Bd. VII, 1909, S. 165. 



Geschwul sterkrankungen bei Fischen (Cyprinoiden). 291 

haut.*) Dadurch ist ein Vergleich der Hautgeschwülste der Fische 
mit denen der Landbewohner sehr erschwert. 

Bei den Pockenauflagerungen konnte F i e b i g e r nur eine 
Wucherung der Epithelzellen feststellen. Der Papillar- 
körperdesCoriumsistanderWucherungnichtbeteiligt. 

Die Pockenerkrankung kann deshalb nicht als eine organoide 
Neubildung aufgefaßt werden, sondern eher mit der Seh wielen- 
bildung beim Menschen verglichen werden. 

Die von Plehn im Corium wahrgenommenen Veränderungen 
hält Fi e big er für einen Vorgang entzündlicher Natur. 

Die Pockenerkrankung kann, nach Fiebiger, nicht als eine 
Epithelgesch wulst aufgefaßt werden, sondern nur als das Re- 
sultat einer Hautreizung, eines entzündlichen Vorganges 
in der Haut. 

Für diese Auffassung sprechen auch die von Plehn beschriebene 
Hyperämie und sonstige Veränderungen im Corium. 

Auch Fiebiger ist in bezug auf die Aetiologie der Karpfen- 
pocke ein Gegner der Hof er' sehen Theorie. 

Nach den Untersuchungen von Fiebiger, Plehn und M e r c i e r *) 
gehören Myxosporidien zu den häufigsten Befunden in denKarpfen- 
nieren, auch dann, wenn von Pockenauflagerungen nichts bemerkt 
wird, andererseits ist es wunderbar, daß durch die Nierenatfektion 
nur die Haut erkranken soll, während Darm und Kiemen gesund 
bleiben. 

Wodurch nun diese Hautentzündung bei den Karpfen hervor- 
gerufen wird, ist noch nicht nachgewiesen und muß Aufgabe einer 
späteren Forschung bleiben. 

Es kommen nun aber beim Karpfen auch echte Neubildungen 
vor, die wenigstens dem anatomischen Bau nach alsCarcinom- 
geschwülste angesehen werden müssen. 

Derartige, als „Epitheliome" bezeichneten Geschwülste sind beim 
Karpfen z. B. von Bataillon 2 ) und Bashford 3 ) beschrieben worden. 

Auch F. Dauwe und G. Pennemann 4 ) berichten über mehrere 
Fälle von Plattenepithelcarcinomen am Kopfe von Karpfen 
mit zentraler Erweichung der Alveolen. 

In neuerer Zeit hatte auch J. Fiebiger") Gelegenheit einen 
etwa zweijährigen Spiegelkarpfen zu untersuchen, der an ver- 
schiedenen Körperstellen blumenkohlartige Wucherungen 
aufwies. 



*) Cfr. auch: Leydig, Integument und Hautsinnesorgane der Knochenfische 
(Zool. Jahrb. 1895, Bd. VIII, H. I). J. Fiebiger (Oesterreich. Fischereizeitung, 
Bd. I, H. 6). M. Oxner, Ueber die Kolbenzellen in der Epidermis der Fische (Jen. 
Zeitschr. f. Naturkunde, Bd. 40, 1905). J. Nusbaum und W. Kulczycki, 
Materialien zur vergl. Histologie der Hautdecke der Wirbeltiere (Anatom. Anzeiger, 
Bd. 28, 1906, S. 337). 

l ) Cfr. Drouin de Bouville, Les maladies des Poissons d'eau douce. Paris 
1908, p. 77. 

5 Zeitschrift f. Fleisch- und Milchhygiene, 1898, S. 151. 

3 ) Scientif. Rep. of the Cancer Research Fund, 1905, No. II. 

4 ) Contribution ä l'etude du Cancer chez les poissons (Annales de la Soc. de 
Med. de Gand, 1904, Vol. 84 — Festschrift für R. Boddaert). 

5 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 171. 

19* 



292 III- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die rechte Brustflosse war nur als Stummel erhalten und 
vollständig besetzt mit einer blumenkohlartigen, weichen, grauröt- 
lichen Wucherung. Aehnliche Gebilde saßen dem rechten Kiemen- 
deckelrand, der oberen Fläche der rechten Bauch flösse und 
der Afterflosse auf. 

Die Wucherungen waren linsen- bis bohnengroß. Mikroskopisch 
wurde folgender Befund erhoben: 

Durch das ganze Gesichtsfeld ziehen sich Bindegewebszüge, die 
zum Teil zottenartig dünn und vielfach verzweigt, zum Teil zu 
mächtigen Gewebssträngen angeschwollen sind und zahlreiche Blut- 
gefäße enthalten. 

Diesen Bindegewebssträngen sind schlanke Epithelzellen in einer 
Reihe aufgesetzt, dazwischen finden sich aber mächtige Lager von 
mehr rundlichen Epithelzellen, die auch hier und dort zu Nestern 
angeordnet sind. 

In die Bindegewebsbalken, sowie zwischen die Epithelzellen sind 
zahlreiche Leukocyten kerne eingestreut. 

Das Bindegewebe zieht mitunter bis knapp unter die Oberfläche 
und ist dann nur von einer dünnen Epithellage überkleidet. 

Man findet, nach Fi e biger, überhaupt alle Variationen und 
Uebergänge: Dünne Bindegewebszotten mit einem Ueberzug von 
Zylinderzellen, diffuse Ausbreitungen von sehr zellreichem Binde- 
gewebe, schließlich große Lager von multipolaren Epithelzellen, welche 
mitunter schon epitheloiden Charakter annehmen. 

Die Malignität dieser Wucherung offenbarte sich nun darin, 
daß sie die Neigung zeigte in die Tiefe zu dringen und das 
darunter liegende Gewebe zu zerstören, wie es bei der 
verstümmelten Brustflosse der Fall war. 

In einzelnen Fällen hat man auch beim Karpfen gutartige 
Geschwülste beobachten können. 

Ein Osteochondrom bei einem etwa 3 Jahre alten Leder- 
karpfen beschrieb z. B. J. Fiebiger. *) 

In der Stirngegend des 40 cm langen und 900 g schweren 
Tieres saß ein kindsfaustgroßer Tumor von elliptischer Form, der an 
der Basis gestielt war. 

Die mikroskopische Untersuchung ergab eine Neubildung 
von Knorpelzellen durch das Perichondrium, eine starke Ver- 
mehrung der bestehenden Knorpelzellen, ferner eine Ausbildung 
von Verkalkungszonen unter Einwucherung von Gefäßen und 
Osteoblasten, eine Resorption von verkalktem Knorpel bis auf ein 
Balkenwerk und schließlich die Ausbildung von feinen Knochen- 
lamellen in Form einer Spongiosa und von Markgewebe in den 
Ausschmelzungsräumen. 

Das Atypische dieses Ossifikationsprozesses lag nun, nach 
F i e b i g e r , vor allem in der Oertlichkeit des Auftretens, ferner in 
dem gleichzeitigen Vorkommen einer sehr bedeutenden Prolife- 
ration von Knorpelsubstanz und deren Zerstörung. 

Die Geschwulst hatte ihren Ausgang von der oberen La- 
melle der Schädelbasis genommen, war dann nach der Schädel- 
höhle zu gewuchert und schließlich auch durch die Schädeldecke nach 



*) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 371. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Cyprinoiden). 293 

außen gelangt. Das Gehirn wurde in die hinterste Bucht hinein- 
gedrängt. 

Merkwürdigerweise war das Tier, trotz der Dislokation und De- 
formation des Gehirns, in seinen vegetativen Funktionen nicht 
gestört, auch das Auge war trotz der Zerrung am Sehnerven 
normal geblieben. 

M. Plehn 1 ) berichtet noch über ein an der Schwanzflosse 
eines Karpfen beobachtetes Osteom und Guglianetti 2 ) über 
«in in der Orbita eines Karpfen gefundenes Fibrom. 



Auch bei anderen Fischen aus der Klasse der Cyprinoiden 
sind Geschwulsterkrankungen beobachtet worden. 

Unter 10 in einem Tümpel gefangenen Karauschen (Cyprinus 
carassius) waren, nach den Angaben von Plehn, 1 ) nicht weniger 
als drei Tiere an Neubildungen erkrankt. 

Bei der ersten Karausche handelte es sich um ein Fibrom, 
welches an einem kurzen Stiel der Leibes wand aufsaß und frei in 
die Leibeshöhle hineinragte. Die Insertionsstelle lag ganz vorn in 
der Gegend der Kopfniere. Der Schlund war durch die Geschwulst 
stark zur Seite gedrückt. 

Derselbe Fisch zeigte auch knotige Verdickungen am Mesen- 
terium, die teils fibromatöser, teils sarkomatöser Natur 
waren. 

Bei dem zweiten Exemplar wurde ein Fibrosarkom des 
Hodens gefunden. 

Nach den Untersuchungen von Plehn ging in diesem Falle die 
Substanz des Hodens in das Geschwulstgewebe über, die Geschwulst 
hatte also höchstwahrscheinlich ihren Sitz am Mesorchium. 

Der Tumor war von großen und kleinen Cysten durchsetzt, die 
mit klarer, colloider Masse erfüllt waren und keinerlei Parasiten 
enthielten. 

Es handelte sich also um ein Cystofibrosarkom. 

Die dritte Karausche zeigte eine riesige Cystenniere ohne 
parasitären Inhalt. 

Da alle diese Fische aus demselben Tümpel stammten, so ist es, 
nach Plehn, nicht ausgeschlossen, daß es sich um eine krank- 
hafte Konstitution der ganzen Familie handelte, eine schädliche 
Folge langer Inzucht. 

Beim Goldfisch (Cyprinus auratus) wurde von F. Dauwe 
und G. Pennemann 3 ) ein Carcinom der Haut und von M. Plehn 4 ) 
ein Carcinom der Harnblase beschrieben. 

Die bei einer Ellritze (Cyprinus phoxinus) beobachteten, 
sar komatösen Geschwulsterkrankungen haben wir bereits erwähnt 
(cfr. S. 286). 



*) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 532. 

2 ) Fibroma dell'orbita in un Ciprino (Archivio di Ottalmologia 1910). 

3 ) 1. c. S. 291. 

4 ) Berichte der König! Bayer, biol. Versuchsstation für Fischerei, München 1909. 



294 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Salmoniden. 

Die Salmoniden bilden, wie L. Pick 1 ) hervorhebt, eine 
Familie der Physostomen, d. h. derjenigen Fische, bei denen die 
Schwimmblase durch einen offenen Gang, den Ductus pneu- 
maticus, mit dem Oesophagus oder Magen in Verbindung steht. 

Zu den Salmoniden zählen der Lachs (Salmo salar), die Bach- 
und Seeforelle (Trutta fario und lacustris), der Bachsaibling 
(Salmo fontinalis), die Regenbogenforelle (Salmo iridens) u. a. 

Bei dieser Fischgruppe hat nun bereits R. Bonnet 2 ) endemisch 
auftretende Geschwülste beobachtet, an denen z. B. von den See- 
forellen (Trutta lacustris) in der Zuchtanstalt zu Torbole am 
Gardasee im Laufe von 4 Monaten mehr als 300 Tiere zugrunde 
gingen. 

Die Geschwülste saßen am Boden der Mundhöhle und an 
den Kiemenblättern, wuchsen sehr schnell und führten bald den 
Tod des Fisches herbei. 

Bei der Untersuchung von zwei verendeten Fischen stellte 
Bonnet in der Mundhöhle, zu beiden Seiten der Zunge, am ersten 
und zweiten Kiemenbogen erbsengroße, breiig weiche, blaurote, glatte 
Geschwülste fest und ähnliche etwas kleinere, konfluierende Knoten 
ventral an den Kiemenbogen. 

Bonnet hatte den Charakter dieser Neubildungen nicht er- 
kannt, er beschreibt die Geschwulst als einen epithelialen, oft röhrigen 
Bau, und als Inhalt der Röhren eine feinkörnig geronnene Masse 
und lymphoidzellenähnliche Körper, die er für Gregarinen 
hielt. 

Späterhin, im Jahre 1891, beschrieb auch Scott 3 ) derartige, bei 
Salmoniden (American brook-trout, Salvelinus fontalis) in Züchte- 
reien Neuseelands endemisch auftretenden Geschwülste, die von 
der Mittellinie der Ventralwand des Pharynx ihren Ausgang 
nahmen und auf die Kiemenbogen übergriffen. 

Die mikroskopische Untersuchung ergab nun, daß die 
GeschwulstalleKennzeichendesCarcinoms zeigte. Zunächst 
erfolgt, nach Scott, eine Proliferation der Zellen der Drüsenacini, 
dann wird die Wand des Acinus gesprengt, die Zellen wuchern frei 
heraus und infiltrieren das Stroma „forming a true Carcinoma".*) 

Im Gegensatz zu Scott, hielt dann Gilruth 4 ) diese Geschwülste 
für Epitheliome, die vom Carcinom zu trennen wären. 

Erst MariannePlehn 5 ) hat dann die Carcinomnatur dieser 
Geschwülste, und zwar als Adenocarcinome, die von der Schild- 
drüse des Fisches ihren Ausgang nehmen, richtig erkannt und 
gewürdigt. 



1 ) Berliner med. Gesellschaft, 25. Okt. 1905. Cfr. auch: Berliner klinische 
Wochenschrift 1905, Nr. 46—49. 

2 ) Studien zur Physiologie und Pathologie der Fische (Bayerische Fischerei- 
zeitung, München 1883, S. 79). 

3 ) Note on the occurence of Cancer in fish (zitiert in: Rep. of the New Zealand 
Depart. of Agriculture Division of veterinary Sc. 1901/02, herausgegeben von J. A. 
Gilruth). 

*) Zitiert nach L. Pick, cfr. Nr. 1. 

4 ) Cfr. Nr. 3. 

5 ) Allgemeine Fischerei-Zeitung 1902, S. 117. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Salmoniden). 295 

Die Mitteilung von Plehn beschränkte sich allerdings nur auf 
das makroskopische und klinische Verhalten der Geschwulst, 
die wie ein Krebs wucherte und Muskeln und Knochen in brei- 
artige Massen verwandelte. 

Sehr eingehende, histologische Untersuchungen stellte dann 
L. Pick 1 ) an 10 aus einer überseeischen Züchterei stammenden, mit 
derartigen Geschwülsten behafteten Salmoniden (American brook- 
trout) an, wobei er zu dem Ergebnis kam, daß es sich zweifellos um 
destruierende, maligne Eptiheliome — also um echte 
Carcinome handle, die ebenso wie menschliche Carcinome, 
teilweise eine vollständige Zerstörung der Muskeln, Fascien 
und Sehnen, der Aortenadventitia und selbst der Knorpel 
und Knochen verursachen. 

Als Ausgangspunkt dieser malignen Geschwülste konnte mit 
Sicherheit die Schilddrüse nachgewiesen werden. 

Wie Fr. Maurer, 2 ) M. Plehn 3 ) u. a. nachgewiesen haben, ist 
die Schilddrüse der Salmoniden über einen weiten Bezirk aus- 
gebreitet. 

Zahlreiche, kleine, geschlossene Drüsenbläschen mit kubischem 
Epithel ausgekleidet und mit Colloid gefüllt, umgeben die Aorta und 
die seitlich von ihr abzweigenden 4 Paar Kiemenarterien. Die 
Wucherungen können deshalb oft nur klein sein, oft aber auch sich 
über die ganze Drüse erstrecken. 

Auch nach den Untersuchungen von L. Pick 1 ) weichen die 
histologischen Bilder der einzelnen Geschwülste nicht unerheblich von- 
einander ab, insofern sie auf der einen Seite sich als unverkennbare 
Struma thyreoidea parenchymatosa, auf der anderen als 
medulläres oder scirrhöses Carcinom darstellen. 

In der Variabilität der histologischen Erscheinungsformen er- 
innert, nach Pick, diese Neubildung stark an die malignen, epi- 
thelialen Tumoren der Brustdrüsen der Mäuse (cfr. S. 258). 

Der Ausgangspunkt der Geschwülste von der Thyreoidea ist 
von Pick einwandfrei nachgewiesen worden. 

Ist die Schilddrüse der Knochenfische, wie Pick hervor- 
hebt, genau aus den nämlichen Gebilden zusammengesetzt, wie die 
der höheren Wirbeltiere, besteht sie, wie wir vorhin erwähnt haben, 
hier wie dort aus kleinen, bläschenförmigen Follikeln mit kubischen 
Epithelien und colloidem Inhalt, so wiederholt auf der anderen Seite 
der Aufbau der vorliegenden Neubildungen genau die charakteristischen 
Züge der Schilddrüsenstruktur, ja ist mit dieser zum Teil 
identisch. 

Fast alle von Pick untersuchten Geschwülste zeigten in ihrem 
Parenchym die follikulären Epithelbläschen der Schild- 
drüse, viele das reine, durch fibröses Gewebe nur wenig verstärkte 
Blutkapillarstroma der Thyreoidea und die meisten in den 
Epithelbläschen einen hyalinen Inhalt, der morphologisch und tink- 
toriell dem Colloid vollkommen entsprach. 

Makroskopisch können nun, nach den Untersuchungen von 
Pick, die Geschwülste die mannigfachsten Formen annehmen. 



l ) 1. c. S. 294. 

■) Schilddrüse und Thymus der Teleostier (Morphol. Jahrb. 1886, Bd. XI, S. 129). 

3 ) Wiener klin. Wochenschrift 1912, Nr. 19. 



296 III- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Da, wie wir schon vorhin erwähnten, die weitausgedehnte Schild- 
drüse nicht in toto zu erkranken braucht, vielmehr an mehreren 
Punkten plurizentrisch, gleichzeitig oder ungleichzeitig, mehr 
oder weniger gleichmäßig, auch an den Stellen vorgeschobener Aus- 
läufer erkranken kann, und da ferner die wuchernde Masse sich in ver- 
schiedenen Richtungen — nach dem Pharynxboden oder ventral- 
wärts oder lateralwärts zwischen die Ansätze der Kiemenbögen, sei 
es bilateral-symmetrisch oder unsymmetrisch — auszu- 
dehnen vermag, so ergeben sich die mannigfachsten Formen, die auch 
in Wirklichkeit vorkommen. 

Die Malignität dieser Geschwülste wird nun nicht nur durch 
ihre anatomische Struktur bedingt, sondern auch durch ihr 
klinisches Verhalten. Die Geschwülste zeigen, ebenso wie die 
menschlichen Carcinome, ein schrankenloses, destruierendes 
Wachstum, sie dringen in die Weichteile wie in das Skelettsystem 
der Kehlgegend ein. Die destruierende Wucherung erfolgt, nach 
Pick, bei makroskopisch konstanter Erscheinungsart der Neubildung 
sowohl in homöo typer (einfach strumöser) wie in heterotyper 
Form. Diese letztere kann, wie wir schon vorhin hervorgehoben 
haben, sowohl nach Art tubulärer Adenome wie papillärer 
Cystadenome, als auch in Form des Adenocarcinoms, des 
Cancer medulläre und scirrhosum erfolgen. 

Auch Kombinationen dieser verschiedenen Geschwulstformen 
kommen vor. 

Daß es sich bei diesen Geschwülsten um echte Carcinome 
handelt, hat auch v. Hansemann 1 ) anerkannt. 

Auch Harwey, R. Gaylord und G. H. Clowes 2 ) bestätigten 
die klinische Malignität der Schilddrüsengeschwülste der Sal- 
moniden. 

Die Geschwülste verursachen unter den jungen Forellen ein 
schnelles Absterben. 

Der Tumor dringt in die Kiemen ein, frißt Knochen an, zerstört 
die Knorpel und infiltriert die Muskulatur. 

Nach den Untersuchungen dieser beiden Forscher entwickeln sich 
diese Geschwülste, entweder nachdem Alveolartypus mit Colloid, 
oder nach dem Typus der Adenome. 

Ebenso haben auch die Untersuchungen von David Marine 
und C. H. Lenhart 3 ) ergeben, daß es sich bei den von ihnen bei 
der Bachforelle (Salvelinus fontinalis, brook-trout) beobachteten 
Kehlgeschwülsten, die auch als „gill-disease" bezeichnet werden, 
nicht um eine einfache Hyperplasie handle, sondern um echte 
Carcinome, die mit Milzvergrößerung und Lymphdrüsen- 
schwellungen einhergehen. 

Während nun die a m e r i k a n i s c h e n Forscher auch Metastasen- 
bildungen bei den mit diesen Geschwülsten behafteten Salmoniden 
beobachtet haben, hat L. Pick bei den von ihm untersuchten Tieren, 
weder an den Kiemen, noch an dem Skelettsystem oder an 
den inneren Organen, irgendeine metastatische Ab- 
lagerung nachweisen können! 

2 ) Berliner med. Gesellschaft 25. Okt. 1905 (Diskussion). 

2 ) Seventh annual Eep. of the work of the New York State Depart. of Health. 
Albany, 1907, p. 110. Cf. auch IL Internation. Krebskonferenz, Paris 1910, S. 787. 

3 ) The Journ. of experim. Med. vol. XII, 1910, p. 311; vol. XIII, 1911, p. 455. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Salmoniden). 297 

Pick macht auch noch auf die kleinen, gelblich-weißen, physio- 
logischen Interrenalknötchen aufmerksam, die bei den Sal- 
moniden unregelmäßig im Nierenparenchym zerstreut liegen und leicht 
zur Verwechslung mit metastatischen Herden Veranlassung geben 
können. 

Ob mikroskopische Metastasen vorkommen, ebenso wie 
bei Mäusen (cfr. S. 261),*) konnte Pick bei dem geringen, ihm zu 
Gebote stehenden Material nicht entscheiden. 

Die Metasenabla gerungen sind, nach der Meinung von 
Pick, für den Begriff der Malignität, ebenso wie beim Menschen, 
nicht unbedingt notwendig. 

Bei Kaltblütern sind, wie M. Plehn 1 ) hervorhebt, Metastasen 
überhaupt nur sehr selten beobachtet worden, hingegen häufig ein 
multiples Auftreten von Primärgeschwülsten. 

Nach den Angaben von Plehn sind bisher nur in zwei Fällen 
Metastasen bei Kaltblütern beobachtet worden. 

W. Schreders 2 ) beschrieb bei einer Scorpaena (Schwarzes 
Meer) ein Spindelzellensarkom in der Schwanzmuskulatur mit 
Metastasen im Herzen und in der Leber, und in einem Falle 
wurde von Plehn 3 ) bei einem Hecht ein Nierensarkom be- 
obachtet, welches Metastasen in der Muskulatur der Schwanz- 
region hervorgerufen hatte. 

Die Schilddrüsenerkrankung der Salmoniden ist nun in den Zucht- 
anstalten der verschiedensten Länder beobachtet worden. 

Wie M. Plehn 1 ) hervorhebt, ist das endemische Auftreten 
dieser Erkrankung vor etwa 20 Jahren zuerst in einer Zuchtanstalt 
in Torbole am Gardasee (cfr. S. 294) bemerkt worden, späterhin 
auch in Grenoble, in Schottland, Südafrika, Australien 
und Amerika.**) 

Nach den Angaben von L. Pick 4 ) kommt diese Geschwulst- 
erkrankung fast bei allen, im Z u c h t b e t r i e b gehaltenen Salmoniden- 
arten vor, sie ist beobachtet worden bei Salmo salar (Lachs), Salmo 
fontinalis (Bachsaibling, Saibling, American brook-trout), Trutta 
fario (Forelle), Trutta levenensis (Leven der Engländer) und 
bei der Trutta lacustris (Seeforelle). 

Auch bei wildlebenden Seeforellen aus dem Mondsee hat 
Hof er 5 ) eine derartige Erkrankung der Schilddrüse gesehen. 

Die Affektion kann nun, nach Pick, in einer Zuchtanstalt, ent- 
weder nur auf eine bestimmte Salmonidenart sich erstrecken, oder 
auf mehrere Arten zu gleicher Zeit, sie kann sporadisch und 
endemisch auftreten und vielfach nur Tiere in bestimmten 
Teichen befallen, während andere Teiche verschont bleiben. 

Nach den Angaben von Ayson 6 ) gehen an dieser Erkrankung 



*) Wir werden dieses Problem späterhin noch ausführlicher erörtern. 

1 ) Wiener klin. Wochenschrift 1912, Nr. 19. 

2 ) Geschwülste bei Fischen. I.-D. Petersburg, 1907. 

3 ) Berichte der königl. bayer. biol. Versuchsstation für Fischerei. München, 1909. 
**) Cfr. auch Murray, The zoological Distribution of Cancer — Third Scientif. 

Rep. Cancer Research Fund 1908. 

4 ) 1. c. S. 294. 

5 ) 1. c. S. 289. 

6 ) Cfr. J. A. Gilruth, Rep. of the New Zealand Depart. of Agriculture Division 
of veterinary Science 1901/02. 



298 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

in manchen Zuchtan stalten Neuseelands 1 — 7 °/ aller Salmoniden 
zugrunde. 

In manchen Zuchtbetrieben Nordamerikas verendeten in 
einzelnen Jahren, nach Gaylord, 1 ) oft 3000—3500 Fische infolge 
dieser Erkrankung, und zwar 50°/ aller Tiere, bei denen diese 
Aifektion histologisch festgestellt werden konnte. 

Nun muß man ja, wie v. Hansemann 2 ) mit Recht betont, mit 
der Bezeichnung „Endemisch" recht vorsichtig sein (cfr. auch S. 249), 
da das endemische Auftreten einer Krankheit in der Regel mit 
einer parasitären Infektion zusammenzuhängen pflegt. 

Nach der Ansicht von v. Hansemann handelt es sich bei den 
Erkrankungen der Salmoniden in einzelnen Züchtereianstalten nicht 
um eine Endemie, sondern es findet eine Art Domestizierung 
der Tiere statt, und bei diesem Vorgang entstehen natürlich Ver- 
änderungen in der Disposition, die wohl auf das Auftreten von 
Geschwülsten von Einfluß sein könnten. 

In der Tat hatten ja auch einige Forscher, wie z. B. Jaboulay, 3 ) 
behauptet, daß es sich bei der Schilddrüsenerkrankung der Salmoniden 
um eine parasitäre Infektion handle, aber, sowohl v. Hanse mann, 
als auch M. Plehn 4 ) und L. Pick 5 ), sind der Ansicht, daß eine 
parasitäre Ursache nicht vorliege. 

Obschon, nach Pick, das Schilddrüsencarcinom der Salmoniden 
eine art- und organspezifische Neubildung von endemischem 
Vorkommen darstellt, liegt in diesen Momenten keine Notwendig- 
keit für die Annahme eines parasitären Erregers. 

Nach Pick handelt es sich wahrscheinlich um eine primäre, ein- 
fach hyperplastische, strumöse Schilddrüsenwucherung 
(endemisch einfacher Kropf), die infolge einer äußeren Noxe (Be- 
schaffenheit der Teichwässer!) oder aus anderen, uns bisher noch 
unbekannten Gründen, in eine bösartige Geschwulst sich umwandelt, 
ein Vorgang, der auch bei menschlichen Schilddrüsencarcinomen 
beobachtet werden kann.*) 

Daß das Wasser, in welchem sich die geschwulstkranken Fische 
aufhalten, in irgendwelchen Beziehungen zu der Erkrankung stehen 
muß, haben auch die Beobachtungen gezeigt, die Plehn 6 ) und andere 
Forscher gemacht haben, daß nämlich die Tiere wieder gesund 
werden, sobald sie in einen anderen Teich hineinkommen. 

David Marine hat, wie Gaylord 7 ) mitteilt, auch nach- 
gewiesen, daß wenn dem Teichwasser, in welchem sich die kranken Tiere 
befinden, eine Jodkalilösung in einer Verdünnung von 1:5000000 
hinzugesetzt wird, histologisch nachweisbare Heilungsvor- 
gänge bei den Tieren schon nach wenigen Tagen festgestellt werden 
können. Die Wucherungsfähigkeit der Zellen läßt nach, die Epithelien 
werden flacher, und die Alveolen füllen sich mit Colloid. 



1 ) II. Internation. Krebskonferenz. Paris 1910, S. 787. 

2 ) Berliner med. Gesellsch. 25. Okt. 1905. 

3 ) Cancer et myxosporidies — La Province med. 1908 Nr. 16. 

4 ) II. Internation. Krebskonferenz, Paris 1910, S. 223. 

5 ) 1. c. S. 294. 

*) Cfr. Bd. II, S. 1068 ff. 

6 ) 1. c. S. 297. 

7 ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris 1910, S. 789. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Salmoniden). 299 

Marine war der Ansicht, daß das Jod heilend auf den Schild- 
drüsenkrebs der Salmoniden einwirke. 

Aber Gaylord hat den Nachweis erbracht, daß auch anti- 
septische Mittel, wie z. B. Sublimat, ebenfalls in einer Ver- 
dünnung von 1 : 5 000 000 dem Wasser hinzugesetzt, denselben Er- 
folg haben. 

Gaylord kommt deshalb zu dem Schluß, daß es sich möglicher- 
weise bei dem Schilddrüsenkrebs der Salmoniden doch um eine 
parasitäre Erkrankung handle. 

Die Ursache des endemischen Auftretens des Schild- 
drüsenkrebses bei den Salmoniden ist noch nicht geklärt, ebenso- 
wenig wie die der endemischen Erkrankungen bei Rindern (cfr. 
S. 248), Mäusen und Ratten!*) 

Außer dieser eigenartigen Schilddrüsenerkrankung sind aber bei 
Salmoniden auch maligne Geschwülste an anderen Körperstellen 
beobachtet worden. 

Eine der ältesten Mitteilungen über maligne Geschwülste bei 
Fischen überhaupt, ist die von 0. J. Eberth, 1 ) der eine maligne 
Geschwulst am Kopfe einer Forelle, die aus einer Zuchtanstalt her- 
stammte, beschrieben hat. 

Die Geschwulst entwickelte sich am Kopfe dieses Tieres nach 
einem Trauma. 

Ein Jahr nach der Verletzung trat an der verletzten Stelle eine 
polypöse Geschwulst auf, die aus mehreren erbsen- bis bohnen- 
großen Knollen bestand. Der Tumor hatte eine glatte Oberfläche, 
und die Epidermis war nirgends ulceriert. 

Mikroskopisch wurde ein gefäßreiches, gallertiges Gewebe 
vom Bau eines Spindelzellen sarko ms gefunden, an einigen 
Stellen hatte aber auch die Geschwulst den Charakter eines Granu- 
lationsgewebes. 

In neuerer Zeit berichtete auch W. Schreders 2 ) über ein bei 
einer Trutta lacustris beobachtetes Fibrosarkom am Kopfe. 

Auch Epitheliome der Zunge kommen, nach den Beobachtungen 
von H. R. Gaylord und G. H. Clowes, 3 ) besonders bei älteren 
Forellen in Züchtereien vor. 

Von sonstigen Geschwülsten hat noch M. Plehn 4 ) zweimal bei 
Forellen Odontome beobachtet, die höchstwahrscheinlich auf Ver- 
lagerung von Organanlagen in embryonaler Zeit zurückgeführt 
werden müssen. 

In dem einen Falle hatte die Geschwulst sich auf alle zahn- 
tragenden Knochen ausgedehnt, in dem anderen Falle war nur 
der Ober- und Unterkiefer von der Erkrankung befallen. 

Die Geschwulst wirkte auf mechanischem Wege tödlich; denn 
durch die Entwicklung von großen Knollen konnten die Tiere das 



*) Wir kommen noch späterhin im Zusammenhang auf dieses Problem zurück. 

J ) Virch. Arch. Bd. 72, 1878, S. 107. 

2 ) 1. c. S. 297. 

») 1. c. S. 296. 

4 ) Wiener klin. Wochenschrift 1912, Nr. 19. 



300 HI- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Maul nicht mehr schließen und nicht fressen und gingen auf diese 
Weise zugrunde. 

Auch ein Keloid an der Leber einer etwa zweijährigen Forelle 
ist von M. Plehn 1 ) beschrieben worden. 

Bei Bachsaiblingen, und zwar bei Salmo salvelinus, die 
aus dem St am berger See herstammten, hat bereits Bonnet 2 ) eine 
cystosarkomatöse Geschwulst, die in der Rumpfmuskulatur 
ihren Sitz hatte, beschrieben. 

Eine ähnliche Geschwulst hat auch M. Plehn 3 ) bei einem 
Bachsaibling von einer anderen Spezies, nämlich bei einem 
Salmo fontinalis, der ebenfalls vom Starnberger See her- 
stammte, beobachtet. 

Die Geschwulst, welche auf dem Eücken des 1,1 kg schweren 
Fisches saß, hatte einen sehr großen Umfang, die Haut war gewaltig 
gespannt, so daß die Schuppen, die sonst dachziegelartig angeordnet 
sind, durch das Gewächs weit auseinander gezerrt wurden. 

Die Geschwulst hatte einen schwappenden Inhalt, und beim Ein- 
stechen entleerten sich 117 ccm einer trüben, gelblichen Flüssigkeit, 
-die stark eiweißhaltig war und viele Leukocyten, Zelltrümmer, aber 
nur sehr wenige Bazillen enthielt. 

Der Tumor war breiig zerfallen und war in die Muskulatur, 
aber nicht über diese hinaus, infiltrierend hineingewachsen. 

Die Niere war in dem der Geschwulst benachbarten Teile stark 
n y p e r ä m i s c h , in dem hinteren Teile stark anämisch, der mittlere 
Teil der Niere zeigte schon makroskopisch eine leichte Schwellung 
und starKe Füllung der Blutgefäße. Mikroskopisch konnten alle 
charakteristischen Erscheinungen einer Nierenentzündung be- 
obachtet werden. 

Die Geschwulst selbst bestand zum größten Teil aus groß- 
kernigen, gleichmäßigen Rundzellen, auf größere Strecken 
hin waren nur noch die Zellkerne erhalten, das Geschwulstgewebe 
hatte sich in einen Brei aufgelöst. 

Zwischen den Rundzellenwucherungen kamen aber auch Stellen 
von weniger gleichmäßigem Gefüge vor, wo große und kleine Zellen 
durcheinander lagen, wo auch Spindelzellen sich fanden, und wo 
auch eine geringe Zwischensubstanz beobachtet werden konnte. 
An diesen Stellen fanden sich auch einzelne, sehr große, vielkernige 
Riesenzellen. 

Die Gefäße waren vermehrt und ihre Wände verdickt. Auch 
die S e p t e n zwischen den Muskelbündeln waren dicker, als sie 
in normalem Zustand zu sein pflegen. Die Muskeln selbst zeigten 
in der Umgebung der Geschwulst alle Stadien der Auflösung. 

Auf Grund dieses mikroskopischen Befundes bezeichnete M. Plehn 
diese Geschwulst als ein Cystosarkom. 

Ob die von M. Plehn 4 ) bei einer Trutta lacustris und bei 
zwei Exemplaren von Leuciscus spec. (Uklei)*) beobachteten 



x ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 557. 

2 ) Studien zur Physiologie und Pathologie der Fische (Bayer. Fischerei-Zeitung, 
München 1884). 

3 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV. 1906, S.532. 

4 ) Berichte der königl. bayer. biol. Versuchsstation für Fischerei. München 1909. 
*) Cfr. II. Internation. Krebskonferenz, Paris 1910, S. 230. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Salmoniden). 301 

papillären Adenocystome der Leber bzw. der Rumpf- 
muskulatur zu den echten Geschwülsten zu rechnen sind, ist 
fraglich. 

Borst 1 ) ist der Ansicht, daß diese papillären Geschwülste mit 
der Coccidiosis der Kaninchenleber große Aehnlichkeit haben, wo 
man ebenfalls mit Parasiten ausgefüllte Cysten und papilläre 
Wucherungen vorfindet. 

Nur sind es in der Leber präformierte Hohlräume — die 
Gallengänge — von deren Wand die papillären Wucherungen aus- 
gehen, während es sich bei den Geschwülsten, die in der ßumpf- 
muskulatur sitzen, zunächst um die Auskleidung einer Fistel 
und eines durch die Parasiten neugeschaffenen Hohlraumes mit dem 
Oberflächenepithel handelt. 

Von diesem sekundär epithelialisierten Hohlraum gehen dann 
die papillären Wucherungen aus. 

Die Affektion besteht, nach Borst, in einer entzündlichen, 
irritativen Hyperplasie und kann daher als echte Geschwulst- 
bildung nicht angesehen werden. 

Ebenso hält auch v. Hanseraann 2 ) die Entstehung papillärer 
Cysten für eine ganz allgemein verbreitete Erscheinung. Genau so 
wie bei den von Plehn beschriebenen Gebilden, entsteht auch die 
Cystitis cystica beim Menschen, bei der man ebenfalls sehr häufig 
papilläre Wucherungen findet. 

Von sonstigen gutartigen Geschwülsten findet man bei 
Salmoniden, wie P 1 e h n 3 ) hervorhebt, ziemlich häufig Myome, die 
in der Regel ihren Sitz in der Muskulatur haben. 

In einem Falle, und zwar bei einer Regenbogenforelle 
(Salmo iridens), beobachtete Plehn auch ein Myom in der Wand 
des Magens. 

Das Tier war etwa 8 — 9 Jahre alt und war an einer Bakterien- 
infektion (Furunkulosis) zugrunde gegangen. 

Bei der Sektion zeigte sich als Nebenbefund eine Geschwulst 
von der Größe einer Bohne, die an der Außenseite am cardialen 
Teil des Magens saß. 

Histologisch erwies sich die Geschwulst als ein Leiomyom, 
stellenweise auch als ein F i b r o m y o m. Mit Ausnahme solcher Partien, 
wo Faserstränge die Muskelbündel trennten, glich das Gewebe voll- 
ständig der normalen Darmmuskulatur, nur daß die Züge ein- 
ander in allen Richtungen unregelmäßig durchflochten. 

Die Geschwulst war durchaus harmloser Natur und hatte keine 
krankhaften Erscheinungen hervorgerufen. 

Ueber die bei Forellen häufiger vorkommenden Kiemenver- 
dickungen haben wir bereits berichtet (cfr. S. 289). 



1 ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris 1910, S. 790. 

2 ) Ibidem. 

J ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S.526. 



302 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Geschwulsterkrankungen bei anderen Süßwasserfischen. 

Bei einer ganzen Reihe von Süßwasserfischen, besonders 
ans der Gruppe der Abdominales (Bauch- Weichflosser), sind in neuerer 
Zeit Geschwulstbildungen beobachtet worden. 

G. Keisselitz 1 ) z. B. beschrieb mehrere Fälle von Epi- 
theliomen an der Lippe der Barbe (Barbus vulgaris), die er aller- 
dings auf eine Infektion durch ein Chlamydozoon zurückführt. 

Es ist fraglich, ob es sich in diesem Falle um ein echtes Epitheliom 
gehandelt hat. 

Hingegen hatte Jean Clunet 2 ) Gelegenheit, ein echtes 
Cancroid an der Unterlippe einer Barbe zu untersuchen. 

Das Tier wurde von P. Lecene in der Oise gefangen und 
Clunet zur Untersuchung übergeben. 

Die Geschwulst, von der Größe einer Haselnuß, saß an der 
Unterlippe und hatte die gesamte Muskulatur des Mundbodens durch- 
wachsen. 

Die histologische Struktur entsprach vollständig dem Bilde 
des menschlichen Caucroids und wies auch konzentrische Hörn- 
kugeln auf. 

Die Zellen dieser Kugeln hatten die Kernfärb barkeit be- 
wahrt, und die Kerne enthielten kein Eleidin.*) 

Das Stroma war sehr reichlich, enthielt „des elements fixes 
filiformes", dünnwandige Gefäße, einzelne Blutextravasate und eine 
große Zahl von Lymphzellen mit hellen Kernen und sehr geringem 
Protoplasma. 

Diese Veränderung des Stromas ist, nach Clunet, auf eine 
sekundäre Infektion des Tumors zurückzuführen, da die Geschwulst 
vielfach ulceriert war. 

Während in den Epithelialst rängen zahlreiche Mitosen 
wahrzunehmen waren, fehlten diese bei den Elementen des Stromas 
vollständig. 

Auch bei zwei aus demselben Teiche gefangenen Schleien, die 
ebenfalls zu der Familie der Abdominales gehören, hat J. Fi e biger 3 ) 
Epitheliome der Oberlippe beobachtet. 

Bei der ersten, 24 cm großen Schleie saß in der Gegend des 
rechten Mundwinkels eine ziemlich weiche, braunschwarze Geschwulst 
von warziger Oberfläche, die sich um den ganzen Mundwinkel herum 
auf Ober- und Unterlippe erstreckte und eine pilzförmige Gestalt 
hatte. Bei der zweiten, etwa 17 cm langen Schleie war die Geschwulst 
doppelt so groß und saß der Oberlippe kappenförmig auf. 

Die Oberfläche beider Geschwülste war höckrig und mit 
tiefen Einbuchtungen versehen, jedoch sonst glatt. Zwischen den 
Höckern der Oberfläche befanden sich Blutgefäße und stärkere 
Pigmentansammlungen. 



1 ) Archiv f. Protistenkunde, Bd. II, 1908, S. 326. 

2 ) 1. c. S. 214 (p. 3). 

*) Cfr. Bd. I, S. 419, 460, 585. 

3 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S.165. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Barbe, Schleie). 303 

Die Schnittfläche zeigte schon makroskopisch das Vorhanden- 
sein von Nestern, der abgeschabte Inhalt bestand aus wohlcharakteri- 
sierten Epithelzellen. 

Um nun das mikroskopische Bild zu verstehen, muß man, 
wieFiebiger betont, zunächst die normalen Verhältnisse berück- 
sichtigen. 

Die Oberhaut*) der Schleie wird von geschichtetem 
Pflaster epithel gebildet. Die tiefen, dem Corium anliegenden 
Zellen sind mehr zylindrisch, die oberflächlichen mehr ab- 
geplattet (cfr. auch S. 291). 

Dazwischen sind viel größere Zellen eingeschaltet, nämlich 
Schleimzellen und sog. Kolbenzellen, die auch als Seh leim - 
bzw. seröse Drüsen aufgefaßt werden. 

Die Schleimzellen befinden sich in großer Menge an der 
Oberlippe, während die Kolbenz eilen erst in größerer Entfernung 
anzutreffen sind. 

Außerdem finden sich im Epithel der Oberlippe in großer Anzahl 
Sinnesknospen eingestreut, von dem histologischen Aufbau der 
Geschmacksknospen. 

Das geschichtete Pflasterepithel ist bei der Oberlippe, 
sowohl an der Mundhöhlen-, als an der Haut fläche vor- 
handen, ebenso die Sinnesknospen, dagegen finden sich die 
Schleimzellen bei der Schleie nur an der äußeren Haut. 

Der Uebergang von der Haut auf die Schleimhaut vollzieht 
sich ganz unmerklich. 

Die Lederhaut besteht aus parallelen Fasern von Bindegewebe, 
welche vielfach Anastomosen nach Art eines sehr in die Länge ge- 
zogenen Gitters zeigen. Vom Bindegewebe strahlenkegel förmige 
Zapfen zwischen dieEpidermiszellenein, besonders dort, 
wo die Knospen sich finden. Um die Zapfen sind die Epithelzellen 
in einer gleichmäßigen Schicht angeordnet. 

Unter Berücksichtigung dieser normalen, anatomischen Ver- 
hältnisse findet man also im histologischen Schnittpräparat, schon im 
anscheinend normalen Grenzbezirk der Haut, die sonst parallel 
zur Oberfläche verlaufende Grenze zwischen Cutis und 
Epidermis durchbrochen. Die Epidermis sendet nämlich, wie 
wir schon vorhin hervorgehoben haben, auch in normaler Weise 
Zapfen in den Bereich der Cutis! 

Die Geschwulst selbst bestand, nach den Untersuchungen von 
Fie biger, aus einem bindegewebigen Stroma und einem 
Parenchym von Epithelzellen, welche in großen Zapfen und 
Nestern angeordnet waren. 

Die Zellen besaßen vollkommen den Charakter der Epithel - 
zellen, nur war die Struktur des Kerns etwas verwischt. 

Im Zentrum dieser Herde befanden sich Kolben- und Schleim - 
zellen. Auch Degenerationserscheinungen waren vielfach 
bemerkbar. Oft waren im Zentrum der Epithelzapfen Höhlen vor- 



*) Cfr. auch: Leydig, Integument und Hautsinnesorgane der Knochenfische 
(Zool. Jahrb. 1895, Bd. VIII, H. I). M. Oxner, Über die Kolbenzellen in der Epi- 
dermis der Fische (Jenaer Zeitschr. f. Naturkunde, Bd. 40, 1905). J. Nusbaum und 
W. Kulczycki, Materialien zur vergleichenden Histologie der Hautdecke der Wirbel- 
tiere (Anatom. Anzeiger, Bd. 28, 1906, S. 337). 



304 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

handen, die zum Teil leer waren, zum Teil eine detritusähn liehe 
Masse enthielten. 

Das bindegewebige Stroma hatte an einzelnen Stellen eine 
mächtige Ausdehnung genommen, besonders an der Oberfläche, 
die vielfach nicht von Epithelzellen, sondern von aus der Tiefe 
wucherndem, über die Nester hinwegziehendem Bindegewebe ge- 
bildet wurde. Das Stroma war außerdem reich an Blutgefäßen 
und Kapillaren. 

Fi e big er faßt nun diese Gebilde auf Grund des histologischen 
Befundes als organoide Bildungen auf, bestehend aus Epithel 
und Bindegewebe, wobei ersteres überwiegt. 

Es handelt sich also um echte Geschwulstbildungen. 
Die große Anhäufung von in Nestern angeordneten Epithelzellen, das 
Zurücktreten des Bindegewebes, welches an manchen Stellen bloß als 
eine Art netzförmiges Stroma auftritt, entspricht dem Bilde eines 
Plattenepithelcarcinoms bei den Warmblütern. 

An einzelnen Stellen zeigt die Geschwulst allerdings auch einen 
Papillom atösen Charakter. 

Fiebiger bezeichnet deshalb diese Geschwülste als Epi- 
theliome, allerdings mit der Einschränkung, daß bald die Merk- 
male des Carcinoms, bald die des Papilloms mehr hervortreten. 

Ein Myxosarkom in der Orb i ta einer Schleie hat auch M. PI ehn x ) 
beschrieben. 

Die Geschwulst wurde bei einem 40 cm langen und etwa 6—7 Jahre 
alten Fisch gefunden, saß unter und vor dem rechten Auge und hatte 
dieses aus seiner natürlichen Stellung nach oben hin verdrängt. 

Die Geschwulst bestand aus harten und weichen Massen. 

Die festen Massen waren aus kleinen Spindelzellen zu- 
sammengesetzt, die oft in breiten Zügen angeordnet waren, die 
weichen, glasig gallertig aussehenden Stellen enthielten nur wenig 
Zellen mit langen Ausläufern inmitten einer schleimigen, feinfaserigen 
Grundsubstanz. 

Metastasen fanden sich in keinem Organ. Kleine Knötchen,, 
die sich in der Leber, Niere und Milz vorfanden, wurden als Ver- 
dickungen des normalen Gewebes und als harmlose Geschwülst- 
chen erkannt (cfr. auch über die physiologischen Interrenalknötchen 
bei den Salmoniden, S. 297). 

Ueber die bei Schleien häufig auftretenden Myxobolus- 
infektionen der Nieren cfr. S. 290. 

Zur Gruppe der Abdominales gehört auch der Hecht (Esox 
lucius). 

Wir haben schon vorhin (cfr. S. 297) auf die Beobachtung von 
M. Plehn hingewiesen, die bei einem Hecht ein Nierensarkom 
mit Metastasen in der Muskulatur des Schwanzes beschrieben hat. 

Weitere Mitteilungen über maligne Geschwülste beim Hecht 
liegen nicht vor, abgesehen von der älteren Beobachtung von 
Wahlgren, 1 ) die ein angebliches Osteosarkom beim Hecht betraf, 
eine Mitteilung, die nicht ganz einwandfrei ist. 



J ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 538. 

2 ) Deutsche Zeitschrift f. Tiermedizin und vergleichende Pathologie, Bd. II, 1876 r 
S. 233. 



Geschwulsterkranimngen bei Fischen (Hecht, Gründling-, Stichling). 305 

Auch M. P 1 e h n *) beschrieb in neuerer Zeit bei einem Hecht 
eine derartige Geschwulst, die aber als ein einfaches Osteom erkannt 
wurde, welches seinen Ausgang von den letzten Schwanzwirbeln ge- 
nommen hatte, walnußgroß und steinhart war und ganz aus ver- 
kalkter Knochenmasse bestand. 

Höchstwahrscheinlich hat es sich auch in dem Falle von Wahl- 
gren um ein derartiges Osteom gehandelt, da die Geschwülste beim 
Hecht, ebenso wie beim Karpfen (cfr. S. 293), häufiger als bei anderen 
Fischen zur Verknöcherung neigen. 

Ob der von Prowazeck 2 ) an der Schwanzflosse eines Hechtes 
beobachtete Tumor ein Osteosarkom oder eine parasitäre Ge- 
schwulst war, läßt sich ebenfalls nicht mit Sicherheit entscheiden. 

Ein Lipofibrom in der Rückenmuskulatur eines Hechtes hatte 
M. Plehn 3 ) ebenfalls Gelegenheit zu untersuchen. 

Der Tumor hob sich durch seine rötlichweiße Farbe von dem 
mehr gelblichen Hechtfleisch ab, auch war seine Konsistenz etwas 
derber. 

Die Geschwulst war nicht ganz scharf von der Umgebung 
abgegrenzt, sondern ließ mikroskopisch kleine Einwuche- 
rungen in das Nachbargewebe erkennen. 

Die Neubildung bestand überwiegend aus Zellen, die in lange 
Fasern ausliefen; sie lagen in Bündeln zusammen, welche einander 
durchflochten. 

Sehr zahlreiche Fettzellen charakterisierten die Geschwulst 
als ein Lipom. 

Auffallend war, nach Plehn, das, wenn auch seltene Vorkommen 
vielkerniger Riesenzellen mit peripher gelagerten Kernen. 

Unter den übrigen Fischen aus dieser Gruppe ist nur noch der 
Gründling (Gobio fluviatilis) zu erwähnen, bei dem W. Schreders 4 ) 
mehrfach Epitheliome der Haut beobachtet haben will. 

Aus der Familie der Jugulares ist es besonders der Stichling 

(Gasterosteus aculeatus), bei dem M. Plehn 5 ) mehrfach Geschwulst- 
bildungen beobachtet hat, die an einen Naevus vasculosus er- 
innern. 

In drei Fällen hatte die Neubildung ihren Sitz auf der unteren 
Hälfte des Kopfes, breitete sich über den Kiemendeckel bis zum 
Mundwinkel aus und erstreckte sich bis ans Auge. Die Farbe der 
Geschwulst war tief blutrot. Klinisch hatte die Geschwulst weiter 
keine Erscheinungen hervorgerufen. 

Bei der histologischen Untersuchung wurde die Oberhaut 
überall unverändert gefunden, nur mehr oder weniger gespannt. Die 
Gefäß Wucherungen fanden hauptsächlich in der dünnen Unter- 
haut und in dem lockeren, darunter gelegenen Bindegewebe statt. 

Auf weite Strecken hin schien das Gewebe nur aus Gefäßen 
zu bestehen, die knäuelartig miteinander verflochten waren. 



1 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906. S. 532. 

2 ) Chlamydozoa (Arch. f. Protistenkunde, 1907). 

3 ) Zeitschrift f. Krebsforschung. S. 531. 

4 ) 1. c. S. 297. 

5 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 540. 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. IH. 20 



306 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Diese Gefäße beschränkten sich aber nun nicht allein auf die 
Haut und auf das Unterhautbindegewebe, sondern wucherten in 
der Mittellinie tief hinein zwischen die Knochen des 
Zungenbeins und die Basalia der Kiemenbögen. 

Bei ihrem Vordringen schob sich die Geschwulst aber nicht nur 
zwischen die Organe, sie wanderte nicht nur den Bindegewebszügen 
entlang, sondern sie griff auch die Muskeln an und löste 
sie auf. 

Plehn bezeichnete die Geschwulst als ein Häm angi en d o- 
theliom, das anatomisch durchaus die Struktur einer bösartigen 
Geschwulst zeigte. 

Bemerkenswert ist nun, daß diese Geschwulstbildung fast aus- 
schließlich bei Stichlingen und sonst bei keiner anderen Fischart 
bisher beobachtet worden ist. Plehn ist deshalb der Ansicht, daß 
die Ursache dieser Gewächse in Abweichungen der Gefäß- 
beschaffenheit und Gefäß Verteilung zu suchen sei. 

Ein Carcinom der Leibeswand hat auch Murray 1 ) bei 
Gasterosteus spinachia beobachtet. 

Wir haben bereits auf die von M. Plehn bei mehreren Leu- 
ciscusarten beobachteten Pockenerkrankungen (cfr. S. 288) und 
Adenocystome hingewiesen (cfr. S. 300), deren Geschwulstnatur 
fraglich erschien. 

Eine echte Sarkomgeschwulst hatte aber M. P 1 e h n 2 ) Gelegen- 
heit bei einem Nerfling (Leuciscus idus) zu untersuchen. 

Im Nacken eines etwa 40 cm langen und 4—5 Jahre alten Fisches 
saß eine taubeneigroße, wenig prominierende Geschwulst, von fester 
Konsistenz. Die Mitte der Geschwulst war etwas zerfallen, die 
Schnittfläche fast weiß, und der Inhalt bestand aus einem feuchten, 
zelligen Brei. 

Das mikroskopische Bild sprach nicht für eine Infektions- 
geschwulst, obwohl mehrere Bakterienarten vorhanden waren, 
sondern für eine echte, bösartige Neubildung. 

Der Tumor ging ohne jede Grenze in das Nachbargewebe 
über, die einwuchernden Zellen waren klein und hatten in der Mehr- 
zahl die Form von Rundzellen, aber auch Spindelzellen kamen 
vor, und nur an wenigen Stellen fanden sich Nester von größeren 
Rundzellen. 

Massige Bindegewebszüge entsprachen den S e p t e n , welche 
die Muskelbündel trennen. Diese waren stark verdickt, hin und 
wieder auch aufgefasert, eine Erscheinung, die Plehn für eine ent- 
zündliche hielt, infolge von Druck durch den wachsenden Tumor. 

Ueberall schoben sich die Sarkomzellen zwischen die Muskel- 
fasern und drängten sie weit auseinander. Zunächst nun blieb 
hierbei die Sarkol emm scheide in ihrer natürlichen Lage, dann 
aber drang die Geschwulst zwischen die Sarkolemmscheide und 
Fibrillen ein und brachte beide Elemente zur Auflösung. 

Bemerkenswert war nun noch bei dieser Sarkomgeschwulst das 



x ) The zoological Distribution of Cancer (Third scientific. Rep. Cancer Research 
Fund 1908). 

2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 534. 



Geschwulsterkrankungen bei Fischen (Leuciscusarten, Aal). 307 

Vorkommen von hochspezialisierten Zellen zwischen den Rund- 
und Spindelzellen des Geschwulstgewebes. 

Diese Zellen sind eigentümliche, einzellige Drüsen, die, nach 
den Untersuchungen von Plehn, 1 ) bei Fischen in mehreren Organen 
vorkommen, am regelmäßigsten im Gefäßsystem. 

Diese Drüsenzellen sind charakterisiert durch eine kleine 
Oeffnung in der sehr deutlichen Membran, durch die man häufig ein 
Tröpfchen austreten sieht und ferner durch eine wechselnde Anzahl von 
feinen, starren Stäbchen im Zelleib, die höchstwahrscheinlich als 
Krystalloide angesehen werden müssen. 

Welche Funktion diese Zellen ausüben, hat, nach Plehn, 
bisher nicht nachgewiesen werden können. Ihr Auftreten inmitten 
eines Tumors ist jedenfalls sehr bemerkenswert; denn das Vor- 
handensein einzelner Drüsenzellen zwischen Sarkom- 
wucherungen ist in der Geschwulsthistologie bisher 
noch nicht beobachtet worden. 

Bei einer anderen Leuciscusart, nämlich bei der Laube 
(Leuciscus alburnus), hat M. Plehn 2 ) ein Myom in der Bumpf- 
muskulatur eines sehr jungen Fisches beobachtet, welches oberhalb 
der Afterflosse saß und fast die ganze Breite des Körpers einnahm. 

Die histologische Untersuchung ergab, daß die Geschwulst- 
masse hauptsächlich aus feinen Muskelfasern bestand, die zu 
Bündeln angeordnet waren und sich nach allen Richtungen hin 
kreuzten. Eine Quer st r eifung dieser Muskelfasern war nicht zu 
bemerken, hingegen ein großer Kern reich tum, der auch in den 
Fasern des Bindegewebes vorhanden war. 

Stellenweise waren Bindegewebsfasern in so reichlicher Menge 
zwischen die Muskelfasern gelagert, daß die Geschwulst dadurch ein 
anderes Gepräge erhielt. 

In den stärkeren Bindegewebszügen war eine Vermehrung und 
Vergrößerung der Gefäße zu beobachten und eine kleinzellige Infiltration 
in der Umgebung derselben. 

Trotzdem die Geschwulst nur ein langsames Wachstum 
zeigte, da Mitosen nur sehr spärlich vorhanden waren, muß. 
nach Plehn, die Geschwulst doch als ein malignes Myom be- 
zeichnet werden , weil eine Grenze zum gesunden Gewebe 
nicht bestand. Ander ganzen Peripherie drangen die feinen Fasern 
tief hinein in die groben, deutlich quergestreiften Fasern der normalen 
Muskulatur, die auseinandergedrängt und verschoben wurden. 

Von anderen Süßwasserfischen, bei denen Geschwulst- 
bildungen gefunden worden sind, ist noch der Aal (Anguilla vulgaris) 
zu erwähnen. 

L. Pick 3 ) hat bei einem etwa 3 Jahre alten, weiblichen Weser- 
a a 1 ein großes, weiches Adenom des hinteren Teils beider Nieren 
beobachtet. 

Pick ist allerdings nicht in der Lage gewesen zu entscheiden, 
ob es sich um eine maligne Geschwulst gehandelt hat. Das Adenom 
war zwar äußerlich um kapselt, drang aber am oberen Pol in 
das Nierenofewebe diffus infiltrierend hinein. 



') Anatomischer Anzeiger. 1906, Bd. 28, S. 192. 

2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 527. 

3 ) Berliner med. Gesellschaft 1905, II, S. 406. 

20* 



308 HI. D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Wir haben auch hier die merkwürdige Erscheinung vor uns, daß 
bei Kaltblütern selbst gutartige Geschwülste, wie z. B. die vor- 
hin erwähnten Myome, im Gegensatz zu den bei Warmblütern 
gemachten Erfahrungen, große Neigung zeigen in die Umgebung in- 
filtrierend hineinzuwachsen. 

In neuerer Zeit hat auch Bruno Wolff 1 ) bei einem Aal ein 
Blastom beschrieben, welches unterhalb der Leber seinen Sitz hatte. 

Die Geschwulst war faustgroß, hatte eine ovoide Gestalt, eine 
glatte Oberfläche, war von einer derben, bindegewebigen Kapsel um- 
zogen, circumscript und nirgends mit der Umgebung verwachsen. 



Geschwulsterkrank angen bei Tief Seefischen. 

Nicht nur bei Süßwasserfischen, sondern auch bei den frei- 
lebenden Fischen der Tiefsee kommen mannigfaltige Geschwulst- 
erkrankungen vor. 

Nach den Beobachtungen von Bashford und J. A. Murray 2 ) 
findet man bei diesen Fischen sowohl echte Carcinome als auch 
Sarkome. 

Bei einer Trigla gunardus (Seehahn-Knurrhahn) beobachteten 
diese Forscher ein malignes Adenom in der Bauchhöhle 

Auch bei den verschiedenen Gadusarten, die zur Familie der 
Subbrachiales gehören, sind häufiger maligne Geschwülste zur 
Beobachtung gekommen. 

So wurden z. B. bei Gadus morrhua (Kabljau) von Bashford 
und Murray ein Spindelzellensarkom der Schwimmblase 
und von Murray 3 ) ein Osteosarkom am Operculum und ein 
Angiom am Brustgürtel beschrieben. 

Ein Rhabdomyom bei einem Kabljau (Gadus virens) hatte 
J. Fi e biger 4 ) Gelegenheit genauer zu untersuchen. 

Der kindskopfgroße Tumor lag in der Leber Substanz 
eingebettet. Zwischen den Pylorusanhängen befand sich noch außer- 
dem ein in lockeres Bindegewebe eingebettetes Gebilde von der 
Größe einer Haselnuß, ebenso wie der große Tumor von einer 
bindegewebigen Kapsel eingeschlossen, von derber Konsistenz und 
großer Aehnlichkeit mit der umfangreicheren Geschwulst. Der große 
Tumor war weiß, unregelmäßig und durch größere und kleinere 
Höcker knollig gestaltet. Er fühlte sich in den oberen Partien derb 
und in den unteren und hinteren Partien knorplig hart an. 

Auf dem Durchschnitt der Geschwulst bemerkte man, daß 
der weitaus größte Teil aus einem faserigen, weißen Gefüge bestand, 
welches in seinem Inneren unregelmäßige, mit Scheidewänden versehene 



*) Sitzungsberichte und Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu 
Rostock, Bd. III. 1911 (Sitzung vom 16. Dezember 1911). 

3 ) Brit. med. Journ., 1903, Vol. II, p. 127 und 278. Proceed. of the Royal Soc. 
London, Vol. 73, 1904, p. 74. Scientif. Rep. on the investigations of the Cancer 
Research Fund. London, 1904, No. 1. 

3 ) The zoological Distribution of Cancer (Third scientif. Rep. Cancer Research 
Fund, 1908). 

4 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 382. 



Geschwulsterkrankungen bei Tiefseefischen. 309 

Höhlungen aufwies. Im unteren Teil war eine viel härtere, braune 
Masse eingelagert. 

Die weiße Geschwulstmasse bestand histologisch haupt- 
sächlich aus quergestreiften Muskelzellen von embryo- 
nalem Chrakter (Myoblasten), so daß die Diagnose auf Rhab- 
domyom gestellt werden konnte. 

Die braune Masse, die in dem Tumor sich befand, wurde als 
ein Umwandlungsprodukt von Lebersubstanz erkannt, die bei 
den Gadusarten schon in normalem Zustande sehr verfettet ist, 
lehmgelb aussieht und leicht zerreißlich ist. 

Das Tumorgewebe hatte also, nach Fiebiger, seinen Aus- 
gang von Bestandteilen der Leber genommen, wahrscheinlich von 
embryonal in die Leber versprengten Muskelkeimen. 

Bei einem Exemplar aus derselben Fischgattung (Gadus virens) 
hat J. Fiebiger 1 ) auch ein Fibrom beobachtet, welches seinen 
Sitz an der Schleimhautfläche des Mundwinkels hatte, taubeneigroß 
war und von ovoider Form. Der größte Teil der Geschwulst lag in 
der Mundhöhle, und nur die Kuppe ragte aus der Maulspalte hervor. 

Die Geschwulst war derb, weiß, an der Oberfläche stark gerunzelt 
und saß stielförmig der Unterlage auf. 

Mikroskopisch erwies sich die Neubildung als eine Binde- 
gewebsgeschwulst, als ein Fibrom, welches an der Oberfläche 
einen papillomatösen Aufbau zeigte.*) 

Nach den Mitteilungen von Roger Williams 2 ) befindet sich 
im pathologischen Museum zu London das Präparat eines Stockfisches, 
welches neben vielen Exostosen an allen möglichen Körperstellen 
(Kinnlade, Wirbelsäule, Schwanz usw.), auch ein submuköses 
„Fibroid" im Magen und eine ähnliche Geschwulst im subkutanen 
Bindegewebe aufweist. 

Im Glasgow er Hunt er- Museum wird, nach den Angaben 
desselben Forschers, auch das Präparat von dem Auge eines Stock- 
fisches aufbewahrt, welches zahlreiche Knoten aufwies, die aber von 
einer Gregarineninfektion herrühren. 

Ebenso befindet sich im pathologischen Museum ,,of the College of 
Surgeons ofEdinburgh" das Präparat eines Schellfisches (haddock- 
Gadus aeglefinus) mit sehr großen Exostosen mehrerer Rückenwirbel. 

Aus der Gruppe der Subbrachiales ist noch eine Buttenart 
(Rhombus maeoticus) zu erwähnen, bei der W. Schreders 3 ) in 
mehreren Fällen Geschwulstbildungen beobachtet hat, und zwar ein 
Rundzellensarkom und ein Fibromyxom der Haut und ein 
Osteom, welches seinen Sitz in den Hautstacheln hatte. 

Bei einer ausländischen Fischart, dem Anabus scandens 
(Kletterfisch), der zur Ordnung der St ach elf los ser (Akanthoptery- 
gier) gehört, hat J. Fiebiger 4 ) bei einer ganzen Serie von Indi- 
viduen Hautwucherungen gefunden, die sich als multiple 
Papillome charakterisierten. 



») Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 172. 

*) In jüngster Zeit beobachtete auch J. Fiebiger (Oesterreich. Fischerei- 
Zeitung, Jahrg. IX, S. 308) bei einem Gadus virens ein Fibrös arkom in der Haut. 

2 ) 1. c. S. 19 (p. 114). 

3 ) 1. c. 8. 297. 

4 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. VII, 1909, S. 169. 



310 HI- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die durchschnittliche Länge dieses Fisches beträgt nur 8 cm, 
die Wucherungen hatten die Größe eines Mohnkorns bis zu der einer 
Erbse und besaßen eine ziemlich derbe Konsistenz und eine grau- 
weiße Farbe. 

Die kleineren Wucherungen saßen b e e t a r t i g als zottige Gebilde 
auf, die größeren hoben sich pilzförmig von der Unterlage ab, 
waren mehr kompakt, die Oberfläche jedoch warzig gefeldert. 

Diese Gebilde sind nun, nach den Untersuchungen von Fiebiger, 
auf Wucherungen der Coriumpapillen zurückzuführen mit be- 
deutender Proliferation der Epithelzellen bei weiterem Wachstum. 

Die Ursache dieser Wucherungen, ob eine ererbte Dispo- 
sition oder eine Infektion vorliegt, ist, nach Fiebiger, noch 
nicht aufgeklärt. 

M. Plehn 1 ) hat noch beim Brachsen (Abramis brama) eine Ge- 
schwulst beschrieben, die in der Leibeshöhle sich befand, hühner- 
eigroß war und eine derbe Konsistenz hatte. 

Die Schnittfläche dieser Neubildung zeigte Züge kurzer, spinde- 
liger Zellen, die sich in Fasern fortsetzten. Plehn bezeichnete die 
Geschwulst als „Fibrom". 

Ferner teilte Plehn 2 ) die Beobachtung einer Geschwulst bei 
einer Nase (Chondrostoma nasus) mit, die als ein Fibrosarkom dia- 
gnostiziert worden ist. 

Der eiförmige, große Tumor saß bei dem etwa 50 cm langen 
Fisch in der Muskulatur etwas hinter und über der Körpermitte. 
Die Neubildung war nicht überall gegen die Muskulatur scharf ab- 
gegrenzt, sondern wuchs stellenweise tief infiltrierend hinein. 

Mikroskopisch zeigte die Geschwulst ein lockeres Gefüge 
von in allen Richtungen durchflochtenen Bindegewebszellen und 
eine geringe Anzahl von vielkernigen Riesenzellen. 

Die zahlreichen, großen und kleinen Hohlräume, welche die 
Geschwulst überall durchsetzten, waren zum Teil an dem Endothel, 
das sie auskleidete, als erweiterte Lymphgefäße zu erkennen. 
Sie enthielten außer feinen Gerinnseln eine geringe Menge von 
Leukocyten. 

Einige der Hohlräume waren mit mehreren Lagen regelmäßig 
angeordneter Zellen umgeben und glichen den bei Fischen häufig 
vorkommenden Parasitencysten. 

Diese Hohlräume waren mit einer stark färbbaren, breiigen Masse 
angefüllt. 

Es wäre nun, nach Plehn, nicht undenkbar, daß hier Reste von 
lange zugrunde gegangenen Parasiten vorliegen, und daß der Tumor 
sich im Anschluß an eine durch Parasiten hervorgerufene, chro- 
nische Entzündung bildete. 

Auf das bei einer Scorpaena beobachtete Spindelzelle n- 
sarkom in der Muskulatur mit Metastasenbildung haben wir bereits 
hingewiesen (cfr. S. 297). 

Nicht nur bei den im Wasser lebenden Vertebraten, sondern 
auch bei einigen Invertebraten sind Geschwulstbildungen beobachtet 
worden. 



*) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 531. 
-) Ibidem, S. 537. 



Geschwulsterkrank ungen bei Amphibien und Eeptilien. 311 

So berichtet z. B. J. W. Williams 1 ) über eine Geschwulst- 
bildung bei einer Muschelart (Anodonta cygnea). 

Der Tumor war gestielt und enthielt Muskel- und Drüsenelemente. 

Aehnliche Geschwülste hat auch Collinge 2 ) bei Muscheln be- 
obachtet. 

Auch bei einer Auster hat Ryder 8 ) in einem Falle eine aus- 
gedehnte, nicht näher beschriebene Neubildung gefunden. 

Bekanntlich wird ja auch die Perlen bil düng als ein forma- 
tiver, durch einen Parasiten hervorgerufener Prozeß angesehen. 



Gesell wulsterkrankungen bei Amphibien und Reptilien. 

Gut- und bösartige Neubildungen bei den Amphibien sind 
nur äußerst selten zur Beobachtung gekommen. Die erste und 
älteste Mitteilung über echte Geschwulst erkrankung bei einem Tiere 
aus dieser Gruppe, und zwar bei einem Frosche, machte C. J. Eberth. 4 ) 

Vielfach wurden früher Abscesse und P s o r o s p e r m i e n c y s t e n , 
die man bei diesem Tiere fand, mit echten Geschwülsten ver- 
wechselt. Bis in die Neuzeit hinein hielt man derartige Pseudo- 
tumoren beim Frosch für echte Geschwülste. 

Wir hatten auch schon an einer früheren Stelle*) Gelegenheit gehabt, 
auf die Beobachtungen von Gebhardt 5 ) hinzuweisen, derPylorus- 
geschwülste beim Frosch beschreibt, in denen sich Protozoen vor- 
fanden, Tumoren, die er für echte Neubildungen hielt, wir haben 
auch an der betreffenden Stelle bereits die Ausführungen von Hans 
Wagner 6 ) erwähnt, der den Nachweis erbrachte, daß es sich um 
Pseudotumoren handelte. 

Eberth hatte nun Gelegenheit einen Frosch zu untersuchen, 
der auf der Haut 28 Knötchen aufwies, von denen 10 erbsen- bis 
kirschkerngroß waren. 

Die meisten Geschwülstchen waren hirsekorngroß und glatt, einige 
höckrig und leicht kegelförmig. Die Farbe war weißlich, die Kon- 
sistenz etwas markig, und in den an die normale Haut angrenzenden 
Partien fanden sich im Geschwulstgewebe zahlreiche Gefäße. 

Eberth hielt diese multiplen Tumoren für Adenome auf Grund 
der ganzen Anordnung der Geschwulstelemente und der spärlichen, 
kanalartigen Kommunikationen nach außen, wodurch diese Gebilde die 
größte Aehnlichkeit mit zusammengesetzten, aber nur mit spärlichen Aus- 
führungsgängen versehenen, schlauchförmigen Drüsen erhielten. 

Durch diesen histologischen Aufbau war die Deutung dieser 
Gebilde als vielfache Drüsenhyperplasien, nach Eberth, ge- 
rechtfertigt. 

Den Zusammenhang der neugebildeten Drüsen mit dem 

J ) Journ. of Anatom., 1890, Vol. 24, p. 307. 

2 ) Ibidem, 1891, Vol. 25, p. 154. 

3 j Proceed. Acad. nat. scientif. Philadelphia, 1887. 

4 ) Virch. Arch. Bd. 44, 1868, S. 12. 
*) Cfr. Bd. I, S. 619. 

5 ) Virch. Arch. Bd. 147, S. 536. 

6 ) Ibidem. Bd. 150, S. 432. 



312 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Lymphsystem glaubte Eberth auf Grund von Karmininjektionen 
erbracht zu haben. 

In bezug auf die Aetiologie dieser Geschwülste sagt Eberth: 
„Ob die zahlreichen, in den Hautdrüsen domizilierenden Distomen 
und Nematoden, unter welchen ich den von Kühne und mir be- 
schriebenen Rund wurm oft wiedererkannte, als ätiologisches 
Moment zu beschuldigen sind, mag dahingestellt sein." 

Schon Eberth also vermutete, daß höhere Parasiten in 
irgendeinem Zusammenhange zu Geschwulstbildungen stehen könnten, 
eine Ansicht, die, wie wir bereits ausgeführt haben (cfr. S. 264), be- 
sonders durch die neuesten Untersuchungen von Fibiger, in der 
Gegenwart wieder an Bedeutung gewonnen hat. 

Bis in die Neuzeit hinein sind dann weitere Mitteilungen über 
Geschwulsterkrankungen des Frosches, der doch so häufig für 
experimentelle Untersuchungen verwendet wird, nicht erfolgt. 

Erst W. M. Smallwood 1 ) berichtete dann wieder über eine 
bei einem Frosche gefundene Nie r engeschwulst, die er für ein 
Zylinderepithelcarcinom hielt, das von Elementen der Neben- 
nieren*) seinen Ausgang genommen hatte. 

Die Fr os diniere ist normalerweise durchschnittlich 14 mm 
lang und 4 mm breit. 

Die erkrankte Niere hatte jedoch eine Länge von 21 mm und 
eine Breite von 8 mm. Beide Nieren waren knotenförmig zusammen- 
gesetzt. 

Kurz darauf beschrieb auch M. P 1 e h n 2 ) einen Tumor am 
Ovarium eines alten Gras f rösches (Rana esculenta). 

An der Spitze beider Ovarien, also zwischen Ovar und Fett- 
körper, befänden sich weißliche, kuglige Tumoren von der Größe eines 
Hanfkorns bis zu der einer Kirsche. Die Tumoren waren mit dem 
Geschlechtsorgan vermittels dessen dünner Hülle verbunden, sie lagen, 
sonst nur durch das Mesovarium befestigt, wie dieses frei in der 
Leibeshöhle. 

Histologisch konnte man die Geschwulst nicht als gut- 
artig bezeichnen, aber auch in die Gruppe der bösartigen Geschwülste 
ließ sie sich schwer einreihen. 

Plehn definierte die Geschwulst als ein Carcinom mit ge- 
ringem Strom a. Infiltrierendes Wachstum war nicht nachweisbar, 
die einzelnen Knötchen waren vollkommen scharf gegen die Um- 
gebung abgegrenzt. 

Ob die kleineren Tumoren Metastasenablagerungen der 
größeren sind, läßt Plehn unentschieden. Plehn neigt eher der 
Ansicht zu, daß es sich bei sämtlichen Knoten um Primär- 
geschwülste handle, dafür spräche besonders das symmetrische 
Auftreten an beiden Ovarien, wie es ja auch beim Menschen der 
Fall sei. 



*) Adrenal tumors in the kidney of the Frog. (Anatom. Anzeiger, Bd. 26, 
1905, S. 652). 

*) Cfr. auch Balfour: Ueber die Entwicklung und Morphologie der Suprarenal- 
körper (Biol. Zentr.-Blatt, 1881, Nr. 5). 

2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 548. Wiener klin. Wochen- 
schrift, 1912, Nr. 19. 



Geschwulsterkrankungen bei Amphibien und Reptilien. 313 

Wie wir aber schon an früheren Stellen hervorgehoben haben,*) 
spricht die symmetrische Erkrankung zweier Organe eher gegen 
die primäre Natur der Geschwulst als für dieselbe. 

In dem Falle von P lehn handelte es sich jedoch um eine durch- 
aus gutartige Geschwulst, so daß die Frage, ob eine primäre 
oder sekundäre Erkrankung vorliegt, bedeutungslos ist. 

Die Geschwulst hatte sich, nach Plehn, wahrscheinlich aus 
embryonalen Ureizellen entwickelt, die sich nicht weiter 
differenzierten, sondern unaufhaltsam sich weiter teilten. 

Dadurch entstehen Geschwülste epithelialen Charakters, 
die im Bau an ein Carcinom erinnern, aber durchaus gut- 
artig sind. 

Bei einem anderen Frosche, und zwar bei einer Hyla regilla, 
einer in Californien lebenden Art, beobachtete noch Plehn 1 ) eine 
Hyperplasie der Schleimhaut des Oberkiefers und des Kehlkopfs, 
die aber keine echte Geschwulst darstellte, sondern nur eine ent- 
zündliche Neubildung. 

Echte Adenocarcinome der Haut sind beim Frosch von 
Murray 2 ) gefunden worden. 

Auch noch bei anderen Tieren aus der Klasse der Amphibien 
sind Geschwulstbildungen beobachtet worden. 

L.Pick und H.Po ll 3 ) fanden bei einer Salamandra maculata 
eine haselnußgroße, bucklig vorgewölbte Geschwulst an der linken 
Halsseite. 

Der leicht exstirpierbare Tumor zeigte auf dem Durchschnitt eine 
gefleckte, abwechselnd graugelbe und bräunliche Beschaffenheit. Die 
Geschwulst hatte mikroskopisch eine ausgesprochen knotige 
Zusammensetzung, konnte aber nicht näher diagnostiziert werden. 
Das histologische Bild hatte große Aehnlichkeit mit einer tuber- 
kulösen Affektion; man fand durch lockeres, spärliche, elastische 
Fasern führendes Bindegewebe getrennt, eine Anzahl größerer und 
kleinerer, rundlicher Herde, die zu lappigen Agglorneraten zusammen- 
flössen und aus einem Gewebe von lymphoidem Charakter bestanden. 
Auch vielkernige Kiesenzellen, wenn auch in geringer Anzahl, 
waren vorhanden. 

Die tuberkulöse Natur der Geschwulst war jedoch zweifelhaft, 
da Tuberkelbazillen sich nicht nachweisen ließen, auch lassen 
es Pick und Poll dahingestellt, ob es sich etwa um eine Hyper- 
plasie der Thymus gehandelt hat. 

Eine bestimmte Diagnose konnte also in diesem Falle nicht ge- 
stellt werden. 

Hingegen konnten diese Forscher bei einem anderen Tiere aus 
der Klasse der Amphibien, nämlich bei einem japanischen Riesen- 
salamander (Sieboldia maxima, Kryptobranchus japonicus), mit Sicher- 
heit eine bösartige Hodengeschwulst feststellen. 



*) Cfr. Bd. II, S. 381, 409, 863, 983 usw. 

l ] Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 555. 

2 ) The zoological Distribution of Cancer (Third scientif. Rep. Cancer Research 
Fund, 1908). 

3 ) Berliner med. Gesellschaft, 6. Mai 1903. (Cfr. auch: Berliner klin. Wochen- 
schrift, 1903, Nr. 23—25.) 



314 HI- D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die Geschwulst, die am rechten Hoden saß, war von ausgesprochen 
pol y cystischem Charakter; sie war aus Cysten mit glatter Ober- 
fläche und glatten Wänden zusammengesetzt, deren Innenfläche eine 
weißliche, äußerst weiche Schicht bedeckte, und deren Inhalt eine 
etwas trübe mit Geschwulstgewebsbröckeln durchmischte Flüssigkeit 
bildete. 

Die Cystenwände waren mit dichten und sehr zahlreichen Lagen 
stark polymorpher, großer Elemente ausgekleidet, deren 
Wucherung mit der Vergrößerung der Cyste gleichen Schritt hielt. 

Auffallend war fernerhin, daß in der Mitte der sonst ganz freien, 
glatten Dorsalseite des Testikels ein etwa 10 pfennigstückgroßer, 
flachhügeliger Geschwulstknoten die Hodensubstanz durchbrach, 
ein Knoten, der abweichend von dem übrigen Geschwulstgewebe eine 
grauweißliche Farbe und eine markige Beschaffenheit 
zeigte. 

Ein ebensolcher Knoten saß auch in dem freien, zugespitzten, 
distalen Abschnitt des Hodens. 

Die mikroskopische Untersuchung dieser Knoten ergab nun 
typische, scharf begrenzte, größere und kleinere al- 
veoläre, solide Epithelhäufchen und Epithelstränge. 

Sowohl in den Lymphkapillaren als auch in den Venen 
konnten charakteristische Geschwulstzellen nachgewiesen 
werden, auch die Stelle, wo die Vene von den wuchernden Aus- 
kleidungszellen einer großen, benachbarten Cyste angefressen und 
durchbrochen wurde, wobei gleichzeitig die proliferierenden Zellen das 
Loch in der Gefäßwand verstopften, war deutlich zu erkennen. 

Von der eigentlichen Hodensubstanz war nur noch wenig 
vorhanden und von dem wuchernden Knoten komprimiert. 

Es handelt sich also, nach Pick undPoll, um ein carcinoma- 
töses Cystom des Salamander hodens, das im mittleren Teil 
des Testikels an umschriebener Stelle entstanden war und zu einer 
metastatischen, krebsigen Knotenbildung im distalen Hodenabschnitt 
geführt hatte. 

Weitere makroskopische Metastasen konnten nicht nachge- 
wiesen werden. 

Bemerkenswert ist diese Mitteilung von Pick und Po 11 noch 
insofern, als hier eine der wenigen, von uns schon erwähnten Be- 
obachtungen von Metastasen bei Kaltblütern vorliegt (cfr. 
S. 297). 

Ob nun die Neigung zur Metastasenbildung und die Häufigkeit 
derselben bei den Kaltblütern den Verhältnissen beim mensch- 
lichen Carcinom parallel läuft, ist bei dem bisherigen, geringen 
Material nicht zu entscheiden, zumal die Filter der verschlepp- 
ten Zellen, die Lymphdrüsen, bei den Kaltblütern 
fehlen. 

Pick und P oll waren also die ersten Forscher, die ein echtes 
Carcinom bei Amphibien beschrieben haben. 

Ein Fibrom an der Hand eines Kryptobranchus beobachtete 
auch noch G. Petit. 1 ) 

Aus der Klasse der Amphibien wäre noch der Triton 



Fibrome observe sur un Megalobatrachus (Bullet. Mus. Hist. Nat. Paris, 1902). 



Geschwulsterkrankungen bei Amphibien und Reptilien. 315 

cristatus zu erwähnen, bei dem Murr ay *) ein Carcinom der Haut- 
drüsen beschrieben hat. 

Pick und Po ll 2 ) behaupteten, daß Carcinom e bei Reptilien 
bisher nicht beobachtet worden wären, auch M. Plehn 3 ) sagte noch 
im Jahre 1910: „Bösartige Tumoren kennt man bis jetzt bei Reptilien 
noch nicht", und doch hat schon im Jahre 1885 J. B 1 a n d - 
S u 1 1 o n 4 ) einen Medullarcancer des Ovariums mit Meta- 
stasen bei einem Python seboe beschrieben. 

Das aus dem zoologischen Garten in London stammende Tier 
kränkelte schon seit längerer Zeit und wurde getötet. 

Bei der Sektion fand man nun fast alle Eingeweide mit zahl- 
reichen Knoten besetzt. 

Die Leber war stark vergrößert und mit zahlreichen, erbsen- 
bis walnußgroßen Knoten durchsetzt, ebenso die Lungen, Nieren 
und Ovarien. 

Die histologische Untersuchung dieser gelblich weißen Knoten 
ergab nun, daß es sich um einen Medullarcancer handelte (being 
made up of alveoli containing masses of irregulär cells). 

Wahrscheinlich saß, nach Bland- Sutton, die P r im är ge- 
sell wulst im Ovarium, während Lunge, Leber, Niere und Ein- 
geweide erst durch metastatische Ablagerungen sekundär 
erkrankten. 

Auch eine gutartige Geschwulst, und zwar ein Fibrom des 
Magens, wurde in neuerer Zeit von G. Petit und V a i 1 1 a n t 5 ) bei 
einem Python beobachtet. 

Gutartige Geschwülste sind in neuerer Zeit mehrfach bei 
Reptilien gefunden worden. 

L. Pick und H. P o 1 1 2 ) beschrieben eine Geschwulst, welche an 
der ventralen Halsseite einer Schlangenhalssckildkröte (Platemys 
geoffroyana-Hidraspis hilarii) saß. 

Die ziemlich große Neubildung war abgeplattet und eiförmig und 
setzte sich aus einer Anzahl länglicher Lappen zusammen, die durch 
starke, fibröse Septen voneinander getrennt waren. 

Die histologische Struktur der Geschwulst zeigte einen 
rein adenomatösen bzw. mikroeys tischen Bau. 

Mit Rücksicht auf diesen Bau der Geschwulst und auf ihre 
Lagerung trugen Pick und Po 11 kein Bedenken, den Tumor als eine 
echte Struma thyreoidea anzusehen, und zwar als eine Struma 
von ganz erheblicher Dimension. 

Wie Pick und Po 11 hervorheben, stellt die normale Schild- 
drüse der Schildkröte höchstens ein bolin eng roß es Knötchen dar, 
welches ganz versteckt an der Gabelung der großen Herzgefäße ge- 
legen ist,*) während der beobachtete Tumor reichlich hühnerei- 
g r o ß war. 



J ) The zoological distribution of Cancer (Third scientif. Eep. Cancer Eesearch 
Fund, 1908). 

2 ) 1. c. S. 313. 

3 ) IL Internationale Krebskonferenz, Paris 1910, S. 222. 

4 ) Journ. of Anat. and Physiol. Vol. XIX, 1885. p. 464. 

5 ) Lesions stomacales chez im Python (Bullet. Mus. Hist. Nat. Paris, 1902). 

*) Cfr. auch G. Galeotti: Beitrag zur Kenntnis der Sekretionserscheinungen 
in den Epithelzellen der Schilddrüse (Aren. f. mikroskopische Anat. und Entwicklungs- 
geschichte, Bd. 48, 1897, S. 304). 



316 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Multiple Hautpapillome hat M. Koch 1 ) bei Eidechsen, 
und zwar bei der Lacerta agilis, und M. Plehn 2 ) bei der 
Lacerta viridis vorgefunden. 

Die Papillome können einzeln oder multipel auftreten. Die zahl- 
reichen, von Plehn untersuchten Knoten hatten aber stets einen gut- 
artigen Charakter, sie stellten zuweilen harte Schwielen von 
beträchtlichen Dimensionen dar, nirgends aber wurde ein Tiefer- 
dringen oder ein Uebergang zu einer infiltrierenden Ge- 
schwulst beobachtet. 

Eine ähnliche Affektion fand auch J. Heller 3 ) bei der Lacerta 
muralis Fiumensis. 

An den Schenkelbeugen vieler Tiere treten ganz eigenartige, 
hornartige Wucherungen in großer Zahl auf, welche eine im Ver- 
hältnis zur Größe des Tieres nicht unbeträchtliche Höhe erreichen. 

Das Krankheitsbild hat mikroskopisch eine große Aehnlich- 
keit mit der multiplen Warzenbildung (Dermatitis verrucosa). 

Ueber die Ursache dieser Erkrankung konnte nichts Näheres 
ermittelt werden. 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs ? 

Anhänger und Gegner der Identität von Menschen- und 
Tierkrebs. 

Unterschied in der Lokalisation der Krebserkrankung bei Haus- 
säugetieren und Mensch. Lieblingssitz bei Tieren. Urogenital- 
system. Verhältnis zwischen männlicher und weiblicher Erkrankung. 

Statistischer Unterschied bei Erkrankung des Verdauungs- 
kanals zwischen Tier und Mensch. Uebersichtstabellen. 

Verhältnis der Häufigkeit der Erkrankung einzelner Organe 
bei Tier und Mensch. Aetiologische Ursachen. 

Einfluß des Alters und Geschlechtes bei Tier und Mensch. 

Abweichungen vom klinischen Verlauf der Erkrankung beimMenschen. 

Verhältnis der gut- zu den bösartigen Geschwülsten bei Tier und 
Mensch. 

U e b e r si c h t st ab eile. Lipome, Papillome, Adenome, 
Cornua cutanea, Cholesteatome bei Tieren. Histologische und 
klinische Abweichungen von den beim Menschen vorkommenden, gut- 
artigen Geschwülsten. 

Täuschungen in der Diagnose bösartiger Geschwülste bei Tieren. Ver- 
wechslung mit parasitären Geschwülsten. 

Häufiges Vorkommen von Sarkomgeschwülsten bei Tieren. 
Histologische und klinische Abweichungen von den menschlichen 
Sarkomen. 

Histologische und klinische Unterschiede des Chorioepitheliom 
und Lymphom bei Tier und Mensch. 

Unterschiede in den anatomischen Kennzeichen der Malignität. 

Häufigkeit der Metastasen bei Tier und Mensch. 

Eigenartige Stellung des Mäusekrebses in der Onkologie. 

Wichtigkeit dieser Geschwulstart für die Aetiologie und Therapie. 

Anhänger und Gegner der Identität von Mäuse- und Menschenkrebs. 
Gründe gegen die Identität: 

Große Dimensionen des Mäusekrebses. Impf- und Spontantumoren. 

Kachexie. Blutbefunde. Amyloide Degeneration. 



1 ) Deutsche Pathol. Gesellschaft, Berlin, Mai 1904. 

2 ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris, 1910, S. 221. 

3 ) Berliner med. Gesellschaft. 25. Okt. 1905. 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs V 317 

Circumseriptes Wachstum der Mäusegeschwulst. Vorkommen bei 
Spontantumoren. Mannigfache Geschwulstformen. Beispiele für in- 
filtratives Wachstum. 

Metastasen bei Spontan- und Impftumoren. Statistik über 
Metastasen. Makroskopische und mikroskopische Metastasen. 

Ursachen für das seltene Vorkommen von makroskopischen 
Metastasen bei Impfgeschwülsten. 

Ausbreitungswege bei Tieren. Atreptische Immunität. Unter welchen 
Bedingungen entstehen makroskopische Metastasen? 

Spontanresorption und Spontanheilung beim Mäusekrebs. Verhältnis 
der Spontan- zu den Impfgeschwülsten. Histologischer Vorgang beim 
Heilungsprozeß. 

Uebergangvon Carcinom in Sarkom bei Impfgeschwülsten. Stammen 
die Mäusegeschwülste von der Mamma ab? Histologische Untersuchungen. 
Normaler Bau der Mamma bei Mäusen. 

Infiltratives Wachstum, Seltenheit beim Mäusekrebs. Histologischer 
Vorgang. Fälschungen von Tumoren. Impftechnik. 

Biologischer Unterschied. Experimentelle Immunisierung bei 
Spontan- und Imptgeschwülsten. Therapeutische Beeinflussung des 
Mäusekrebses. 

Allgemeine Betrachtungen über die Stellung des Mäusekrebses 
in der Onkologie 

Beziehungen zur Aetiologie. Ueberimpfbarkeit. Endemisches Vor- 
kommen. Kolle der höheren Parasiten. 

Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln das ganze Tierreich 
in bezug auf das Vorkommen von Geschwulsterkrankungen 
— bösartiger oder gutartiger Natur — durchmustert und gesehen, 
daß Tumorbildungen fast bei allen der Untersuchung zugänglichen 
Tieren, sowohl bei Warmblütern als auch bei Kaltblütern, 
mehr oder minder häufig vorkommen. 

Es fragt sich nun, ob man diese Geschwulstbildungen, besonders 
die bösartigen, mit den beim Menschen vorkommenden, malignen 
Geschwülsten identifizieren kann, d. h. ob die bösartigen Ge- 
schwülste beim Tiere denselben klinischen Verlauf nehmen, wie 
beim Menschen, ob sie dieselben anatomischen, histologischen 
und biologischen Eigenschaften besitzen wie die menschlichen 
Krebsgeschwülste, und ob wir in bezug auf die Aetiologie der Tier- 
geschwülste ebenso im Unklaren sind, wie bei den menschlichen, bös- 
artigen Neubildungen. 

Es gibt nun eine große Anzahl hervorragender Forscher, die den 
Tierkrebs in jeder Beziehung mit den beim Menschen vorkommen- 
den Krebsgeschwülsten identifizieren. 

Für die Gleichheit des Krebses bei warmblütigen Tieren 
mit dem Menschenkrebs sprach sich schon A. F. Plicque 1 ) aus, 
späterhin auch E. F. Bashford, 2 ) Gabriel Petit 3 ) und viele 
andere Forscher. 

Besonders der zuletzt genannte, hervorragende Tierpathologe be- 
tonte wiederholt: „Que le Cancer des animaux est essentiellement 
identique au Cancer de PHomme. Son siege est aussi varic: ses 
caracteres macroscopiques et microscopiques. sa pathogenie, son evo- 
lution, sa generalisation, sont absolument semblables." 

Auch den Einwand von Cadiot, Gilbert und Roger, 1 ) nach 

Revue de Chirurgie. 1889. 8. 521. 
2 ) Brit. med. Journ.. 18. Juli 1903 und an vielen anderen Stellen, auf die wir 
Doch zurückkommen werden. 

3 ; II. Internationale Krebskonferenz, Paris 1910, 8. 20<x. 

4 ) Cfr. Cadiot: Etudes de pathologie et de clinique, Paris 1899. 



318 



III. Der Tier- und sogenannte Pfianzenkrebs. 



deren Erfahrungen der Tierkrebs klinisch weniger bösartig verlaufe 
als der Menschenkrebs, läßt Petit nicht gelten. 

Die Identität der bei Kaltblütern vorkommenden, malignen 
Geschwülste mit dem menschlichen Krebs verteidigten M. Plehn, 1 ) 
L. Pick 2 ) (Schilddrüsenkrebs der Salmoniden), W. Schreders s ) 
u. a. 

Aus unseren bisherigen Auseinandersetzungen haben wir nun er- 
sehen, daß in der Tat die Krebserkrankungen beim Tiere, besonders 
bei den Warmblütern, sich anscheinend kaum von dem Menschen- 
krebs, sowohl in klinisch er, als auch in pathologisch -ana- 
tomischer Beziehung unterscheiden, und doch findet man vielfache 
Unterschiede, die eine absolute Identität ausschließen und nur 
eine Analogie zulassen. 

Diese Aehnlichkeit bezieht sich aber nur auf die bei Tieren vor- 
kommenden Spontangeschwülste, während die Impftumoren, 
wie wir sehen werden, eine Sonderstellung einnehmen. 

Ein Unterschied zwischen Tier- und Menschenkrebs besteht 
nun zunächst in der Lokalisation der malignen Geschwülste in den 
einzelnen Organen. 

Schon zwischen den einzelnen Tiergattungen findet man in' 
dieser Beziehung erhebliche Abweichungen, und wir haben auch schon 
wiederholt daraufhingewiesen, daß bei den Tieren, und hauptsächlich 
bei den Haustieren, die Haut und das Urogenitalsystem 
den Lieblingssitz der malignen Geschwülste bilden, während Krebs 
des Verdauungskanals, im Gegensatz zum menschlichen 
Krebs, nur äußerst selten vorkommt. 

Aus den folgenden Tabellen, die A. Stick er 4 ) für die Haus- 
tiere zusammengestellt hat, und zwar für Hund (cfr. auch S. 213), 
Pferd (cfr. S. 225), Rind (cfr. S. 241), Schaf (cfr. S. 251), Ziege 
(cfr. S. 252), Schwein (cfr. S. 252) und Katze (cfr. S. 253) einer- 
seits und Mensch andererseits, sind diese Abweichungen in der 
Lokalisation klar ersichtlich. 

Urogenitalsystem : 





von 
332 er- 
krankten 
Pferden 


von 78 er- 


von 8 er- 


von 
766 er- 
krankten 
Hunden 


von 21 er- 


von 12 er- 


Organe 


krankten 
Kindern 


krankten 
Schafen 


krankten 
Katzen 


krankten 
Schweinen 


Niere 


29 


10 




19 




7 


Blase 


14 


9 


— 


9 


— 


— 


Hoden 


13 


1 


— 


18 


— 


— 


Prostata 


1 


— 


— 


10 


— 


— 


Ovarium 


4 


6 


— 


3 


1 


— 


Uterus 


8 


1« 


— 


2 


— 


— 


Vagina 


7 


2 


— 


6 


— 


— 



x ) II. Internationale Krebskonferenz, Paris 1910, S. 221. 
forschung, Bd. IV, S. 525. 

2 ) Berliner med. Gesellschaft, 25. Okt. 1905. 

3 ) 1. c. S. 297. 

4 ) 1. c. S. 211. 



Zeitschrift f. Krebs- 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs ? 



319 



Das Verhältnis der Uteruserkrankungen an Carcinom 
beim Menschen zu denen beim Tier gestaltet sich, nach A. Sticker, 1 ) 
folgendermaßen: 

Unter 100 Krebserkrankungen des Uterus entfallen auf: 



Mensch 
Rind 
Pferd 
Hund 



33 

23 

5 

1 



Einen großen Unterschied findet man auch bei Genitalerkrankung'en 
an Krebs in bezug auf das Geschlecht zwischen den einzelnen 
Tieren einerseits und dem Menschen andererseits. Während beim 
Menschen das weibliche Geschlecht, wir wir wiederholt her- 
vorgehoben haben (cfr. auch S. 67 ff.), in bezug auf bösartige Genital- 
erkrankungen das männliche bei weitem übertrifft, findet man bei 
vielen Haustieren, mit Ausnahme des Rindes, gerade ein umge- 
kehrtes Verhältnis. 

Nach einer Zusammenstellung von A. Sticker 1 ) verhalten sich 
die Genitalerkrankungen bei Pferd, Rind und Hund einerseits 
und dem Menschen andererseits in bezug auf das Geschlecht 
folgendermaßen : 

Genitalerkrankungen : 



Organe 




mann 


liehe 


Tiere 




Pferd 




Eind 




Hund 


Sero tum 
Penis 
Testis 
Prostata 


19 
11 




1 
2 




6 
16 
19 
11 


überhaupt 


30 


! 


3 






52 



weibliche Tiere 



Vagina 
Uterus 
Ovarium 


6 
3 


3 

16 
6 


7 
4 
3 


überhaupt 


9 


25 


14 



Ein Vergleich mit den beim Menschen vorkommenden Genital- 
erkrankungen ergibt in bezug auf das Geschlecht folgende Ver- 
hältnisse : 





auf 100 Genital- 
erkrankungen entfallen 




männlich 


weiblich 


Mensch 
Pferd 
Eind 
Hund 


5,0 
41,6 
27,0 
63,4 


33,0 

18,7 

58.0 

3,8 



') 1. c. S. 211. 



320 



III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 



Respirationssystem 



Organe 


von 
332 er- 
krankten 
Pferden 


von 78 er- 
krankten 
Rindern 


von 8 er- 
krankten 
Schafen 


von 21 er- 
krankten 
Katzen 


von 
766 er- 
krankten 
Hunden 


von 12 er- 
krankten 
Schweinen 


Nase u. Nebenhöhlen 

Rachen 

Kehlkopf 

Lunge 

Pleura 

Drüsen 


52 

2 

7 

13 
5 

1 


2 

2 
3 
1 


1 


3 

1 


1 

10 
2 
1 


— 



In bezug auf die Krebserkrankungen des Magens liegen, nach 
A. St ick er, die Verhältnisse so, daß unter 100 Krebserkrankungen 
des Magens 

33 auf den Menschen, 
7 auf das Eind, 
3 auf das Pferd 
entfallen. 

Bei den anderen Haustieren kommt Magenkrebs, wie wir 
schon vorhin erwähnt haben, nur äußerst selten zur Beobachtung. 

Hingegen entfallen in bezug auf den ganzen Yerdauungskanal, 
nach den Angaben von W. Schütz, 1 ) von 100 Krebserkrankungen 

36 auf den Menschen, 
26 auf den Hund, 
23 auf das Rind, 
21,7 auf das Pferd. 

Eine vergleichende Ueber sieht über die Krebserkrankung 
der am häufigsten befallenen Organe beim Menschen und 
beim Tiere gibt W. Schütz in folgender Tabelle: 





unter 100 Carcinoraen entfallen auf 




Digestions- 
tractus 


Uterus 


*-»» S Ä 


Mensch 


36 


32 


12 


20 


Pferd 


21,7 


3 


1 


74,3 


Hund 


26 


1 


50 


23 


Rind 


23 


33 





44 



Etwas abweichende Zahlen ergibt die von A. 
sammengestellte Uebersichtstabelle, in der 
schlechter berücksichtigt werden: 



Sticker : 
auch die 



) zu- 

Ge- 



1 ) Verhandlungen des deutschen Komitees für Krebsforschung 
(cfr. Deutsche med. Wochenschrift, 1901, Vereinsbeilage, S. 240). 

2 ) 1. c. S. 211. 



7. Juni 1901 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs 



321 





auf 100 Carcinome entfallen beim 


Organe 


Mensch 


Pferd 


Rind 


Hund 




m. 


w. 


m. 


w. 


m. 


w. 


m. w. 


Haut 

Genitalien 
Digestionstractus 
Respirationssystem 
sonstige Organe 


17,4 
12,8 
74,3 

2,1 
3,2 


32,2 

31,2 

34,9 

0,3 

1,1 


36,1 
22,2 

16,6 

15,2 

9,7 


43,5 

23,0 

8,3 

16,6 

8,2 


36,3 

45,5 

9,0 

9,0 


4,6 

72,0 

14,0 

4.6 

4,6 


45,0 

42,6 

6,0 

3,5 

2,4 


93,0 

4,9 

0,8 
0,5 

0,2 



Wir ersehen aus diesen tabellarischen Uebersichten, daß zwischen 
Mensch und Tier ganz bedeutende Unterschiede bestehen in bezug 
auf die Häufigkeit der Lokalisation der Krebsgeschwülste in 
den einzelnen Organen, und daß auch bei den einzelnen Tier- 
gattungen Abweichungen vorkommen. 

So ist z. B. der Lieblingssitz der Erkrankung beim Pferd der 
Oberkiefer und Penis, beim Rind der Uterus und die Niere, beim 
Hund und bei der Katze die Mamma, Haut und Anus und beim 
Schwein die Niere. 

Wir haben schon vorhin erwähnt, daß die äußere Haut und 
das Urogenitalsystem am häufigsten beim Tier an Krebs zu er- 
kranken pflegen. 

Wir haben auch schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die 
Haut des Tieres vielfachen, mechanischen Verletzungen aus- 
gesetzt ist, die zu papillären Wucherungen und krebsiger De- 
generation Veranlassung geben können, wie es z. B. beim Pferde 
der Fall ist (cfr. S. 232, 237). 

In bezug auf die Erkrankung des Urogenitalsystems ist die 
häufige Geschwulsterkrankung der Niere beim Schwein zu er- 
wähnen (cfr. S. 252), für die eine Erklärung bisher nicht hat gegeben 
werden können. 

Mammakrebs findet man häufig beim Menschen, Hund, Katze, 
Maus und Ratte, selten beim Pferd und beim Rind. 

Bemerkenswert ist noch, daß z. B. der männliche Hund ebenso 
häufig an Mammakrebs zu erkranken pflegt als die Hündin (cfr. S. 213), 
während beim Menschen Brustdrüsenkrebs beim Manne doch 
immerhin zu den seltener vorkommenden Erkrankungen zu gehören 
pflegt.*) 

Krebsige Erkrankungen des Uterus kommen bei den Tieren — 
mit Ausnahme des Rindes — im allgemeinen nur sehr selten vor, 
am seltensten beim Pferd und beim Hund. 

A. Stick er 1 ) führt das seltene Vorkommen von Uteruskrebs 
beim Hunde darauf zurück, daß nach der Konzeption beim 
Hunde kein Coitus mehr stattfindet, während beim Menschen die 
stattgehabte Konzeption kern Hindernis für weitere Kohabitationen 
bildet. 

Roger Williams' 2 ) ist der Ansicht, daß das Fehlen der 



*) Cfr. Bd. II, S. 1172 ff. 

*) 1. c. S. 211. 

2 ) 1. c. S. 19 (p. 90). 

Wollt'. Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 



21 



322 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Menopause bei den Tieren die Ursache für die seltene Krebs- 
erkrankung des Uterus beim Tiere sei. 

Auf das häufige Vorkommen von Peniskrebs bei kastrierten 
Pferden haben wir schon hingewiesen (cfr. S. 228). Es scheint also 
die Entfernung der Geschlechtsdrüsen eine Carcinomentwicklung 
eher zu begünstigen, aber wohl nur in dem Sinne, wie wir schon 
erörtert haben, daß durch das Fehlen von Erektionen sich Smegma 
und Schmutz an der Eichel ansammelt, wodurch ein chronischer 
Eeiz ausgeübt wird, der leicht zu einer Krebsentwicklung führen 
kann. 

Dieser Vorgang ist noch insofern wichtig, als, wie wir späterhin 
sehen werden, die Kastration auch als ein Heil- resp. Palliativ- 
mittel bei Krebserkrankungen der menschlichen Genitalien 
empfohlen worden ist. 

Bemerkenswert ist auch noch, daß der Prostatakrebs beim 
Hunde klinisch nur unter dem Bilde einer hartnäckigen 
Obstipation verläuft (cfr. S. 217), also ganz anders wie es bei 
dem menschlichen Prostatakrebs der Fall ist.*) 

Bei der Erkrankung des Verdauungskanals ist das außerordent- 
lich seltene Vorkommen von Magenkrebs und Krebs des oberen 
Verdauungsabschnittes bei Tieren auffallend. 

Beim Menschen bildet gerade der obere Verdauungs- 
abschnitt einen Lieblingssitz für bösartige Geschwülste, und 
der Magenkrebs ist, wie wir wiederholt nachgewiesen haben, beim 
Menschen die häufigste aller Krebserkrankungen. 

Worauf diese relative Immunität der Haustiere gegen Magen- 
krebs zurückzuführen ist, ist bisher nicht nachgewiesen worden. 

Ob beim Hunde der Speichel und der Magensaft eine krebs- 
zerstörende und Krebsbildung verhütende Eigenschaft besitzen, wie 
A. Sticker 1 ) annimmt (cfr. S. 218), lassen wir dahingestellt. 

Eigenartig verläuft auch das beim Pferde beobachtete Cardia- 
carcinom, auf dessen vom Menschen abweichenden, klinischen 
Verlauf wir bereits hingewiesen haben (cfr. S. 233). 

Häufiger hingegen kommen schon, besonders beim Hunde, Krebs- 
erkrankungen des Anus vor. Auch diese unterscheiden sich insofern 
von den beim Menschen vorkommenden Carcinomen, als von den 
Schweiß- und Talgdrüsen ausgehende Carcinome beim Menschen 
nur selten vorkommen, während beim Hunde ein derartiger Ursprung 
des Anuskrebses häufiger beobachtet worden ist (cfr. auch S. 219). 

Beim Kespirationssystem ist bemerkenswert die außerordentlich 
häufige Lokalisation der malignen Geschwülste in der Nasenhöhle 
des Pferdes (cfr. S. 226). 

Eine Erklärung für diese Disposition hat bisher nicht gegeben 
werden können. 

Ob das Alter und das Geschlecht irgendwelchen Einfluß auf die 
Häufigkeit der Krebserkrankung bei den Tieren haben, hat bisher 
noch nicht mit Sicherheit ermittelt werden können. 

Das vorliegende Material ist noch zu klein und zu lückenhaft, 
um Schlüsse ziehen zu können. 



*) Cfr. Bd. II, S. 1035 ff. 
l ) 1. c. S. 211. 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs? 323 

Die Haustiere erreichen ja gewöhnlich kein höheres Alter, und 
nur allgemein hat man annehmen zu können geglaubt, daß auch bei 
den Tieren ähnliche Verhältnisse wie beim Menschen vorliegen. 

Mammakrebse hat man z. B. häufiger bei älteren Hündinnen, 
die schon mehrmals geboren haben, beobachtet, als bei jungen Hunden 
(cfr. S. 212;. 

Auch sollen bei den jungen Tieren häufiger Sarkome, bei 
den älteren mehr Carcinome vorkommen, also ähnlich wie beim 
Menschen. 

Aber diese Annahmen machen aus den oben angeführten Gründen 
durchaus keinen Anspruch auf Zuverlässigkeit. 

Bei Kaltblütern sollen, wie wir schon erwähnt haben (cfr. 
S. 285), überhaupt nur ältere Tiere an malignen Geschwülsten 
erkranken. 

Auch diese Hypothese ist durchaus noch nicht bewiesen, da das 
vorliegende Material von malignen Geschwülsten bei Kaltblütern noch 
viel geringer und lückenhafter ist als das von Krebserkrankungen 
bei Warmblütern. 

Vielfach sind nun die Abweichungen im klinischen Verlauf 
der Krebserkrankung beim Menschen und beim Tiere auf die ver- 
schiedenartige Funktion und anatomische Struktur der nor- 
malen Organe zurückzuführen. 

Dieser Unterschied tritt ganz besonders deutlich hervor bei dem 
Vergleich zwischen der Krebserkrankung bei Warm- und Kalt- 
blut e r n. 

Wir erinnern nur an den eigentümlichen, anatomischen Bau der 
Schilddrüse bei den Salmoniden (cfr. S. 295), an die histo- 
logische Struktur der Fischhaut (cfr. S. 288, 290, 303) und 
an die schon normalerweise vorhandene Zapfenbildung in der 
Lederhaut des Fisches (cfr. S. 303). 

Eine scharfe Grenze zwischen gut- und bösartigen Ge- 
schwülsten läßt sich daher auch, wie M. P 1 e h n *) hervorhebt, bei 
Kaltblütern nicht ziehen. 

Oft zeigen auch harmlose Hautgesch wülste bei Kaltblütern 
ein infiltrierendes Wachstum, aber sie sind deshalb nicht 
bösartig, weil sie nicht weit vordringen. 

In der Tat haben wir ja auch oft genug Gelegenheit gehabt, auf 
das infiltrierende Wachstum durchaus gutartiger Geschwülste 
bei Fischen hinzuweisen. 

Wir erinnern nur an das infiltrierende Wachstum der Karpfen - 
pocke (cfr. S. 288), der Lipome (cfr. S. 305), des Naevus (cfr. 
S. 306), der Myome (cfr. S. 307) und der Adenome (cfr. S. 307) bei 
Fischen. 

Eigenartig ist auch bei Tieren das Ueberwiegen der bös- 
artigen Neubildungen über die gutartigen! 

Wie wir schon früher erwähnt haben (cfr. S. 212), sind z. B. beim 
Hunde 40— 50°/ aller Neubildungen bösartiger Natur. 

Ein Vergleich zwischen der Häufigkeit des Vorkommens von gut- 
und bösartigen Geschwülsten bei Mensch und Tier läßt sich allerdings 

') Wiener klin. Wochenschrift, 1912, Nr. 19. 

21* 



324 



III. Der Tier- und sogenante Pflanzenkrebs. 



nicht ziehen, da statistische Unterlagen für das Vorkommen von gut- 
artigen Geschwülsten beim Menschen bisher nicht vorliegen. Der- 
artige, statistische Untersuchungen würden auch auf große Schwierig- 
keiten stoßen. Die allgemeine Erfahrung lehrt jedoch, daß beim 
Menschen gutartige Geschwülste bei weitem häufiger vor- 
kommen als bösartige. 

Bei Tieren sind jedoch diesbezügliche Untersuchungen angestellt 
worden, u. a. von Johne, 1 ) und zwar für das Verhältnis des 
Vorkommens von gut- und bösartigen Geschwülsten beim 
Pferd, Rind, Schwein und Hund.*) 



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Pferd 
Bind 
Schwein 
Hund 



250 


27 


10,8 


6 


2,4 


1 


0,4 


4**) 


1,6 


1 


2 


417 


18 


4,3 


8 


1,9 


3 


0,7 


13***) 


3,1 





2 


92 


4 


4,3 


1 


1,0 








7f) 


7,6 








209 


16 


7,6 


2 


1,0 


3 


1,4 


4ff) 


1,9 


3 


1 



1:6,1 
1 : 9,5 
1:7,6 
1:7,2 



Im allgemeinen kommen Lipome beim Tiere seltener vor, hin- 
gegen häufiger, als aus dieser Tabelle ersichtlich ist, Osteome und 
Exostosen, wie wir vielfach zu erwähnen Gelegenheit hatten. 

Von den in dieser Tabelle nicht angeführten, gutartigen 
Geschwülsten ist noch das bei Tieren häufige Vorkommen von 
papillären Excrescenzen zu erwähnen. 

Wir haben auf derartige Papillombildungen beim Pferd 
(cfr. S. 232) und Rind (cfr. S. 243) schon hingewiesen und auch die 
Ursache dieser Wucherungen besprochen. 

Adenome kommen beim Tiere verhältnismäßig selten vor. Nur 
beim Hunde fand man etwas häufiger Mamma-, Leber- und A n a 1 - 
drüsenadenome (cfr. S. 215, 220, 223). 

Cystenbildungen gehören zu den häufiger vorkommenden Ge- 

auch S. 215). 

besonders die papillären Cysten- 
(cfr. S. 301), auf eine parasitäre 
müssen, lassen wir dahingestellt. 

Auf die beim Tiere häufig, beim Menschen selten vor- 
kommenden Cornua cutanea haben wir bereits hingewiesen (cfr. 
S. 250). 



schwülsten bei Tieren f ff) (cfr. 
Ob viele Cysten, und 
bildungen bei Kaltblütern 
Ursache zurückgeführt werden 



') Sächsischer Bericht für 1878—1903 (cfr. auch M. Casper: Lubarsch-Ostertag's 
Ergebnisse, 1907, Jahrg. XI, Abt. II, S. 1068). 

*) Mit einigen von uns hinzugefügten Berechnungen. 
**) 1 Magen, 2 Darm. 
***) 7 TJterus, 2 Aorta, 1 Vagina, 2 Darm, 1 Gallenblase. 

t) 4 Uterus, 3 Niere. 
ff) 1 Uterus, 2 Vagina, 1 Harnblase. 

ttt) Cfr. auch über Cysten bei Tieren: M. Casper: Lubarsch-Ostertag's Er- 
gebnisse, Jahrg. III, 1898, Abt. II. S. 816 (mit 76 Literaturangaben). 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs? 325 

Erwähnenswert sind noch von gutartigen Geschwülsten bei Tieren 
die Cholesteatome, die Rievel 1 ) in drei Fällen in den Seiten- 
ventrikeln des Großhirns bei Pferden gefunden und genauer zu 
untersuchen Gelegenheit hatte. 

Mit diesen Geschwülsten, die beim Menschen hauptsächlich an 
der Gehirnbasis vorkommen, haben wir uns schon vielfach be- 
schäftigt, und verweisen wir in bezug auf die Geschichte und 
Histologie dieser, früher auch als „Perlkrebs*' bezeichneten Neu- 
bildungen, auf unsere diesbezüglichen Ausführungen.*) 

Nach den Untersuchungen von Rievel unterscheiden sich 
jedoch die beim Menschen vorkommenden Cholesteatome 
histologisch wesentlich von den bei Tieren, besonders 
beim Pferde, beobachteten Geschwülsten. 

Rievel bezeichnet die beim Pferde vorkommenden Geschwülste 
als „Margaritome", deren histologische Struktur aus einem 
sehr zarten, feinfaserigen Bindegewebe besteht, in welches Zellen von 
verschiedener Form und Größe eingelagert sind, ferner sehr 
zahlreiche Rundzellen mit deutlichem Kern von der Größe der 
Leukocyten, auch ovale und kubische Zellen. 

Von den drei beim Pferde beobachteten Gesclrwülsten konnten 
zwei mit Sicherheit als epitheliale Neubildungen von Rievel 
diagnostiziert und deren Ursprung von dem die Ader- 
geflechte überziehenden Epithel nachgewiesen werden. 

Der Ausgangspunkt der dritten Geschwulst konnte nicht er- 
mittelt werden. 

Auch nach den Untersuchungen von Olt 2 ) haben die von dem 
Plexus chorioideus des Pferdes ausgehenden Geschwülste mit 
den meningealen Cholesteatomen des Menschen nichts 
zu tun! 

Bei der Diagnose einer bösartigen Geschwulst beim Tiere 
muß man ganz besonders vorsichtig zu Werke gehen. 

Wir haben bereits vorhin auf die schon normalerweise vorkommende 
Zapfenbildung in der Leder haut der Kaltblüter hingewiesen, 
die leicht Anlaß zur Verwechslung mit einem carcinomatösen 
Prozeß geben kann. 

Auch die Neigung gutartiger Geschwülste, besonders bei Kalt- 
blütern, zu infiltrativem Wachstum haben wir bereits erwähnt. 

Auch sonst findet man häufig bei Tieren atypische Epithel- 
wucherungen, die durchaus nichts mit einer carcinomatösen 
Wucherung gemein haben. Insbesondere ist dies der Fall bei den 
mannigfachen, bei Tieren vorkommenden, parasitären Infektions- 
geschwülsten, bei denen eine carcinomatöse Epithelwucherung 
vorgetäuscht werden kann, während es sich, wie schon 0. L u b a r s c h 3 ) 
hervorgehoben hat, nicht um eine Wucherung, sondern um eine 
Vergrößerung der infizierten Epithelien handelt. Eine Wuche- 
rung tritt bei diesen parasitären Geschwülsten nur in den benach- 

x ) Berliner tierärztliche Wochenschrift. 1894, Nr. 19. 
*) Cfr. Bd. I, S. 126, 180, 204, 221, 280 ff. 

2 ) Cfr. M. Gas per: Lubarsch-Ostertag's Ergebnisse, Jahrg. III, 1898, Abt. II, 
S. 812. 

3 ) Pathologische Anatomie und Krebsforschung, Wiesbaden, 1902. 



326 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

barten Zellen ein. und zwar sekundär in der Form einer regene- 
rativen Wucherung. 

Lubarsch bestreitet deshalb auch die Krebsnatur der bei Tieren 
so häufig beschriebenen Hautgeschwülste. Nach seiner Ansicht kommen 
auch bei Tieren echte Hautcarcinome nur sehr selten vor. 

Auch andere hervorragende Forscher, wie z. B. E. Lieunaux, 1 ) 
warnen vor der Verwechslung der bei Tieren häufig vorkommenden, 
harmlosen Epithelwucherungen mit carcinomatösen Neubildungen. 

Wie häufig derartige Verwechslungen von gutartigen, para- 
sitären Epithelwucherungen mit carcinomatösen Wucherungen 
vorgekommen sind, lehrt uns die Geschichte der Uebertragungs- 
versuche von angeblichen Carcinomen von einem Tier auf ein anderes. 

Wir erinnern nur an die experimentellen Versuche von 
Novinsky 2 ) und Wehr, 3 ) denen es angeblich gelungen sein sollte, 
ein Carcinom von einem Hund auf einen anderen zu übertragen, 
wobei aber die überimpften Geschwülste sich bald zurückbildeten.*) 
Es handelte sich aber trotz des histologischen Befundes nicht 
um echte Krebsgeschwülste, sondern um parasitäreNeoplasmen, 
die Veranlassung zu einer derartigen Verwechslung gegeben hatten. 

Auffallend ist nun in der Tierpathologie das gehäufte 
Vorkommen von bösartigen Neubildungen vom Typus der Binde- 
gewebsgeschwülste, also insbesondere der Sarkomformen, die bei 
Tieren fast ebenso häufig beobachtet worden sind als bösartige 
Epithelialgesch wülste, während beim Menschen die Sarkom- 
erkrankungen nur höchstens 6—15 °/ &U er bösartigen Geschwulst- 
erkrankungen ausmachen. 

Wir haben hier ähnliche Unterschiede, wie bei den zivili- 
sierten und wilden Völkerschaften, bei denen, wie wir gesehen 
haben (cfr. S. 21), ebenfalls Sarkomerkrankungen häufiger vor- 
kommen als Carcinomaffectionen. 

Wie Semmer 4 ) hervorhebt , ist die Häufigkeit der Sarkom- 
erkrankungen bei Tieren darauf zurückzuführen, daß die Tiere 
jung sterben. 

Auffallend häufig findet man bei Tieren, besonders beim Hund 
und Pferd, sar komatöse Erkrankungen der serösen Häute, 
selten solche des Urogenitaltr actus.**) 

Bei den Tieren verlaufen, nach Semmer, die Sarkome 
viel bösartiger als die Carcinome, auch erkranken Tiere 
häufiger an allgemeiner Sarkomatose als Carcinomatose. 

Am häufigsten finden sich bei Tieren Rundzellensarkome 
und kleinzellige Sarkome, seltener Spindelzellensarkome 
und am seltensten Riesenzellensarkome. 

Auf das eigenartige Vorkommen von Drüsenzellen in der 
sarkomatösen Geschwulstsubstanz bei Fischen haben wir schon 
hingewiesen (cfr. S. 307). 



*) Rapport sur le 8. Congres intern, de Med. veterin. ä Budapest, 1905. 

2 ) Zentr.-Bl. f. die med. Wissenschaft, 1876. 

3 ) Arch. f. klin. Chirurgie. Bd. 39, S. 226. 
*) Cfr. Bd. I. S. 532. 

4 ) Deutsche Zeitschrift f. Tiermedizin, Bd. 14, 1888, S. 245. 

**) Cfr. auch M. Casper: Lubarsch-Ostertag's Ergebnisse, Jahrg. III, 1898, 
Abt. II, S. 754. 



Ist der Tierkrebs identisch mit dem Menschenkrebs? 327 

Während Sarkomerkrankungen der Mamma, des M a g e n s 
und der Leber beim Menschen, im Vergleich zu den carcinoma- 
tösen Erkrankungen, selten sind, findet man bei Tieren häufig 
einen hohen Prozentsatz von Sarkomerkrankungen. 

Wie wir gesehen haben (cfr. S. 214), kommen z. B. beim Hunde 
Sarkom erkrankungen der Mamma ungemein häufig vor, beim Rind 
sind sogar öfters Sarkome als Carcinome des Magens beobachtet 
worden. Auch die beim Menschen immerhin zu den selteneren Er- 
krankungen zählenden Lebersarkome sind beim Rinde, wie wir 
gesehen haben (cfr. S. 241 und 246), öfters gefunden worden. 

Unter den mannigfachen Sarkomarten ist besonders das Melano- 
sarkom bemerkenswert, welches bei Tieren, so wohl in der a n a t o m i s c h e n 
Struktur, als auch im klinischen Verlauf vielfache Abweichungen 
von den menschlichen Sarkomen zeigt. 

Wir haben auf diese mannigfachen Unterschiede, sowohl bei 
Warmblütern (cfr. S. 238), als auch bei Kaltblütern (cfr. S. 289) 
vielfach hingewiesen, wir haben auch bereits die Beobachtungen einiger 
Forscher erwähnt (cfr. S. 239), daß die melanotischen Geschwulst- 
erkrankungen bei Tieren einen verhältnismäßig gutartigen Ver- 
lauf nehmen, während beim Menschen diese Geschwülste zu den 
bösartigsten Erkrankungen gehören. 

Auch G. Petit 1 ) hat die relative Gutartigkeit der bei 
Pferden häufiger beobachteten, melanotischen Geschwulsterkrankung 
hervorgehoben, auch selbst dann, wenn bereits Metastasen auf- 
getreten waren. 

Petit ist deshalb der Ansicht, daß vielleicht das Serum der- 
artig erkrankter Tiere für Heilzwecke gegen das melanotische 
Sarkom selbst verwendet werden könnte. 

Ebenso ist auch der klinische Verlauf der Chorioepitheliome, 
die beim Menschen ebenfalls zu den bösartigsten Geschwülsten 
gehören,*) bei manchen Tieren, wie z. B. beim Meerschweinchen 
(cfr. S. 268), ein verhältnismäßig gutartiger. 

Auf die abweichende, histologische Struktur der Lymphome 
bei Vö g e 1 n und Menschen haben wir bereits hingewiesen (cfr. S. 278). 

Wir haben aus unseren bisherigen Erörterungen ersehen, daß in 
bezug auf Lokalisation und klinischen Verlauf zwischen 
Tier- und Menschenkrebs bedeutende Unterschiede bestehen; auch 
in bezug auf die anatomischen Kennzeichen einer bösartigen 
Geschwulst zeigen sich erhebliche Abweichungen zwischen Tier- und 
Menschenkrebs. 

Auf die eigenartige, histologische Struktur mancher bös- 
artigen Tiergeschwülste und auf das infiltrative Wachstum 
auch gutartiger Geschwülste bei Tieren haben wir wiederholt 
hingewiesen. 

Ein Hauptkennzeichen für die Malignität einer Geschwulst 
sind nun die Metastasenablagerungen, die beim Menschen fast 
regelmäßig zu beobachten sind. 



1 ) IL Internationale Krebskonferenz, Paris, 1910, S. 208. 

2 ) Cfr. G. Petit: Mem. sur les Sarcomes melaniques — Äcad. de Med. de Paris, 
1903 — eine Arbeit, die mit dem „Prix Daudet" preisgekrönt wurde. 

*) Cfr. Bd. IL S. 331. 



328 HI- -D er Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Die Frage nun, ob auch beim Tierkrebs Metastasen vorkommen, 
muß durchaus bejaht werden. 

Bei Besprechung der Krebserkrankung der Warmblüter haben 
wir wiederholt echte Metastasen erwähnt, wie z. B. beim Hund (cfr. 
S. 214, 218), beim Eind (cfr. S. 242), bei der Ratte (cfr. S. 262) usw. 

Allerdings kommen Metastasenablagerungen bei Tieren nicht so 
häufig vor als beim Menschen, und besonders selten trifft man eine 
sekundäre Lebererkrankung bei Tieren, während beim 
Menschen die Leber« eine Hauptablagerungsstätte für Metastasen 
bildet bei Erkrankung innerer Organe. 

Noch viel seltener als bei Warmblütern findet man Metastasen- 
bildungen bei Kaltblütern. 

Nur einige wenige Fälle sind, wie wir bereits hervorgehoben 
haben (cfr. S. 296 ff., 315), bisher bekannt geworden. Wir haben auch 
schon auf das Fehlen der Lymphdrüsen bei Kaltblütern hin- 
gewiesen (cfr. S. 314). 

Hingegen findet man, wie M. Plehn 1 ) hervorhebt, bei Kalt- 
blütern häufiger ein multiples Auftreten von malignen Ge- 
schwülsten in symmetrischen Organen, aber selten den 
Uebergang einer Geschwulst von einem Organ auf ein anderes. 

Eine eigenartige Stellung in der Onkologie nimmt nun, sowohl 
in bezug auf Metastasenablagerung, als auch in anderer Be- 
ziehung, der von uns schon so häufig erwähnte (cfr. S. 256 ff.)*) 

Mäuse- und Rattenkrebs 

ein. 

Die Frage, ob die bei diesen Tieren beobachteten Spontan- 
und Im pfgesch wülste mit den menschlichen Krebsgeschwülsten 
identisch sind, ist von höchster Bedeutung sowohl für die Aetio- 
logie als auch für die Therapie der malignen Geschwülste; denn 
nur bei diesen Tieren ist es bisher gelungen, bösartige Geschwülste 
von einem Tier auf ein anderes zu übertragen, und nur bei den 
Geschwülsten dieser Tiere scheinen auch die therapeutischen Be- 
strebungen der Neuzeit von Erfolg gekrönt zu sein. 

Die Ansichten, ob die Spontan- und Impftumoren bei 
Mäusen und Ratten mit den menschlichen Carcinomen zu identi- 
fizieren sind, sind geteilt. 

E. Gierke 2 ) behauptete z. B. , daß zwischen Mäuse- und 
Menschenkrebs kein grundsätzlicher Unterschied be- 
stehe. 

Auch E. F. Bashford 3 ) verteidigt die Identität des Mäuse- 
krebses mit dem menschlichen Carcinom. 

Die Mäusegeschwülste weisen alle Kennzeichen der Malignität 
auf, wie es beim Menschen der Fall ist. Die Tumoren wachsen in- 
filtrativ und erzeugen Metastasen in Lungen und Lymphdrüsen. 



2 ) Wiener klin. Wochenschrift, 1912, Nr. 19. 
*) Cfr. auch Bd. II, S. 68 ff. 

2 ) Berliner klin. Wochenschrift, 1908, Nr. 2. 

3 ) Zweite Ley den -Vorlesung im Verein f. innere Medizin zu Berlin, 21. Okt. 1912 
(Deutsche med. Wochenschrift, 1913, S. 55). 



Stellung des Mäuse- und Kattenkrebses in der Onkologie. 329 

Ebenso behauptet auch Carl Lewin, 1 ) daß die Impf- 
geschwülste bei Eatten vollkommen den menschlichen Carci- 
nomen gleichen in bezug auf infiltratives Wachstum, Metastasen 
und Kachexie. 

Etwas zurückhaltender spricht sich schon Fr. Henke 2 ) aus, der 
eine gewisse Aehnlichkeit mit dem menschlichen Carcinom wohl 
anerkennt; denn bei den Spontan tumoren der Mäuse handelt 
es sich zwar um echte, epitheliale Geschwülste, bei denen auch 
makroskopische Lungenmetastasen vorkommen; aber eine Ver- 
schleppung von Krebszellen in die nächstenLymph knoten 
findet bei Mäusekrebsen nicht statt, ebenso kommt auch beim 
Mäusekrebs häufig eine spontane Eückbildung der Geschwulst 
vor, während eine derartige Heilung beim Menschenkrebs doch 
zu den größten Seltenheiten gehört. 

Auch N. N. Anitschkow 3 ) betont eine gewisse Aehnlichkeit 
des Mäusekrebses mit dem Menschenkrebs, besonders in bezug auf 
das infiltrative Wachstum der Geschwülste. 

Wir haben aber auch schon bei Besprechung des Mäusekrebses 
darauf hingewiesen (cfr. S. 258 ff.), daß eine große Zahl von Forschern 
sich durchaus gegen die Identität von Mäuse- und Menschen- 
lire bs aussprach. 

Wir wollen nun versuchen, alle Gründe und Gegen gründe, 
die besonders in jüngster Zeit angeführt werden, einer näheren Be- 
trachtung zu unterziehen. 

Viele Forscher, wie z. B. v. H a n s e m a n n 4 ), F. B 1 u m e n t h a 1 5 ) u. a. 
betonten zunächst die großen Dimensionen, die Mäusekrebse, im 
Gegensatz zu menschlichen Carcinomen, annehmen können. 

Nach H. Apolant 6 ) aber findet man derartige Dimensionen nur 
bei Impf tumoren. Spontan tumoren erlangen selten eine der- 
artige Ausdehnung. Es gibt aber, nach den Untersuchungen dieses 
Forschers, auch Tumorstämme mit langsamem Wachstum, die dem 
Menschenkrebs in bezug auf die Größe sich nähern. 

Ein fernerer Einwand, der z. B. von Blumenthal 5 ) und anderen 
Forschern gegen die Identität von Mäuse- und Menschenkrebs erhoben 
wurde, bezog sich auf das Fehlen der Kachexie bei den krebsig 
erkrankten Mäusen. 

Nach Apolant hängt nun die Kachexie mit der Metastase n- 
bildung zusammen und fehlt eben dann, wenn keine Metastasen 
vorhanden sind. 

Ein Beweis für das Vorkommen von Kachexie bei tumorkranken 
Mäusen hatte jedoch bis in die Neuzeit hinein nicht erbracht werden 
können. 

Erst Carl Lewin 7 ) hat dann in jüngster Zeit bei Ratten mit 
Impf sarkomen aus dem Vorhandensein von schweren Blut- 



J ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1908, S. 297 und: Berliner med. Gesell- 
schaft, IS. Dez. 1912. 

- Münchener med. Wochenschrift, 1912. Xr. 5. 

3 ) Zieglers Beiträge, Bd. 52, 1912, S. 235 (mit 32 Literaturangaben!). 

4 ) Berliner med. Gesellschaft. 17. Jan. 1912. 
Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. X, S. 134. 

•) Berliner klm. Wochenschrift, 1912, Xr. 11. 
7 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 



330 III- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Veränderungen und amyloiden Degenerationen den Be- 
weis für die Kachexie des tumorkranken Tieres 'erbracht zu haben 
geglaubt. 

Wie H. H i r s c h f e 1 d x ) hervorhebt, bestehen die Blutveränderungen 
im wesentlichen in einer Anämie und Leukocytose. Im allgemeinen 
gehen die Blutveränderungen parallel mit dem Tumorwachstum. Nach 
Exstirpation des Tumors kehren die Blutveränderungen im Laufe von 
zwei bis drei Wochen zur Norm zurück. 

Dieser Blutbefund ist nun allerdings wichtig für den Nachweis 
eines kachektischen Zustandes, während die amyloi de Entartung, 
wie wir bereits an einer früheren Stelle hervorgehoben haben*) (cfr. 
auch S. 261), durchaus nicht als ein Zeichen für das Bestehen einer 
Kachexie angesehen werden kann. 

Nach der Ansicht von C. David söhn 2 ) muß bei der geschwulst- 
kranken Ratte die amyloide Entartung auf die Erweichung des 
Tumors zurückgeführt werden. Bei weißen Mäusen kommen auch 
häufiger spontan amyloide Degenerationen innerer Organe vor.**) 

Wie wir schon erwähnt haben (cfr. S. 258), wurde auch das 
circumscripte Wachstum, die leichte Ausschälbarkeit der 
Mäusegeschwulst und die Verschieblichkeit der Haut als Be- 
weis gegen die Identität von Mäuse- und Menschenkrebs an- 
geführt. 

Nach der Ansicht von H. Apolant 3 ) ist dies aber nur bei 
Spontantumoren der Fall, die eine ausgesprochene Neigung zu 
hämorrhagisch-cystischer Degeneration aufweisen. 

Die Spontantumoren der Maus — und in der Regel handelt 
es sich ja um Mammageschwülste — können, wie wir gesehen 
haben (cfr. S. 258 ff.), die mannigfachsten Formen haben. Auch 
Apolant hat eine große Zahl der mannigfaltigsten Spontangeschwülste 
bei der Maus beobachtet, wie z.B. Adenoma simplex, Cystadenoma 
simplex, Cystadenoma papilliferum, ferner Carcinoma simplex alveo- 
lare und Carcinoma papilläre. 

Sowohl bei den Adenomen als auch bei den Carcinomen 
kommen aber auch Formen vor, die eine ausgesprochene Neigung zu 
hämorrhagisch-cystischer Degeneration zeigen, wie z. B. 
das Adenoma cyst. oedematos. s. haemorrhagicum und das 
Cystocarcinomahaemorrhagicum. 

Nur bei diesen letzteren Geschwülsten findet man, nach Apolant, 
ein circumscriptes Wachstum und eine leichte Ausschälbarkeit. 

Der Epithelursprung ist nun, nach Hosemann, 4 ) nicht 
immer bei den Mäusegeschwülsten nachweisbar. Nach der Ansicht 
dieses Forschers beschränkt sich das circumscripte Wachstum nicht 
nur auf die von Apolant erwähnten Geschwulsttypen, sondern fast 
alle Mäusegeschwülste liegen subkutan, ohne Zusammenhang 



*) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 
*) Cfr. Bd. II, S. 434. 

2 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 

**) Cfr. auch: K. Freytag: Ueber das Mäusecarcinom (Zeitschrift f. Krebs- 
forschung, Bd. X, 1911, S. 165). 

3 ) 1. c. S. 329. Cfr. auch: Arbeiten aus dem königl. Institut f. experimentelle 
Therapie zu Frankfurt a. M., 1906, H. I. 

4 ) Aerztlicher Verein in Köln, 7. Nov. 1904 (Ref. in: Münchener med. Wochen- 
schrift, 1905, S. 142). 



Stellung des Mäuse- und Rattenkrebses in der Onkologie. 331 

mit der Haut, sind verschieblich, knollig gebaut, scharf 
abgegrenzt und zeigen ein rasches, nicht infiltratives 
Wachstum. 

Zum Beweise dafür, daß das circumscripte Wachstum und die 
leichte Ausschälbarkeit der Mäusegeschwülste bei der Mehrzahl der 
Tumoren nicht anzutreffen ist, beruft sich Apolant auf die experi- 
mentellen Ergebnisse von J. Clunet, 1 ) der von 24 radikal operierten 
Tumormäusen nur 6 Tiere ohne Recidivam Leben erhalten konnte, 
während 9 Tiere ohne makroskopische Metastasen infolge eines 
Recidivs in loco und 9 Tiere an makroskopisch wahrnehmbaren 
Metastasen zugrunde gingen. 

Es handelt sich aber bei diesen Experimenten um Impf- 
tumoren, die, wie wir sehen werden, doch nicht ganz mit den 
Spontantumoren zu identifizieren sind. 

Hingegen hatte H aal and 2 ) nur Spontangeschwülste ope- 
riert. Von 174 operierten Mäusen starben 96 = 54% an Reci- 
diven! 

Eine der wichtigsten Fragen betreffend die Identität von Mäuse- 
und Menschenkrebs bezieht sich nun auf die Metastasenbildung der 
Mäusegeschwülste. 

Man glaubte vielfach, daß die Spontantumoren bei Mäusen keine 
Metastasen hervorrufen. 

Aber schon Livingood 3 ) (Baltimore) hat Metastasen bei 
Spontantumoren der Mäuse beschrieben, und zwar bei Adeno- 
carcinomen. 

Dann haben auch P. Ehrlich und H. Apolant 4 ) bereits im 
Jahre 1903 bei spontanen Mäusegeschwülsten von diesem Typ 
mikroskropische Lungenmetastasen, und zwar unter 221 Fällen 
6 mal beobachtet. 

Gelegentlich fanden diese Forscher auch makroskopische, 
für Metastasen gehaltene Knötchen in der Leber, in der Niere und 
in der Milz. 

Es häuften sich dann in den folgenden Jahren die Mitteilungen 
über Metastasen bei Spontantumoren der Mäuse. 

J. A. Murray 5 ) berichtete, daß er unter 87 Spontan tumoren bei 
Mäusen 37 mal Metastasen beobachtet hätte, und M. H aal and 6 ) 
konnte unter 237 Fällen von Spontantumoren bei der Maus 103 mal 
Metastasen in den Lungen, 4 mal in der Leber, lmal in der Niere 
usw. feststellen. 

Auch Forscher, denen nur ein kleineres Material zur Ver- 
fügung stand, fanden Metastasen bei Spontantumoren der Mäuse. 



1 ) 1. c. S. 214 (p. 121). — Apolant berichtet nur über 22 von Clunet operierte 
Mäuse, es handelt sich aber um 24 Tiere. 

2 ) Fourth Scientific Rep. of the Imperial Cancer Research Fund, London, 1911, p. 50. 

3 ) John Hopkins Hosp. Rep., 1896, Nr. 66/67. 

4 ) Arbeiten aus dem königl. Institut für experimentelle Therapie zu Frankfurt a. M. 
1906, H. I. * 

5 ) Spontaneous Cancer in the Mouse. (Third Scientific Rep. of the Imperial 
Cancer Research Fund, London, 1908). 

6 ) Spontaneous Tumours in Mice (Fourth Scientific Rep. on the Investigations 
of the Imperial Cancer Research Fund, London, 1911, p. 49 — sehr ausführliche, 
klinische und experimentelle Abhandlung- über den Mäusekrebs — 113 S. mit vielen 
Abbildungen). 



332 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

So teilte z. B. Fr. Henke 1 ) mit, daß er unter 7 Spontan tnmoren 
bei Mäusen = 2 mal Lungenmetastasen beobachtet hätte. 

Metastasenbildung beim Mäusekrebs vom „ J e n s e n 's c h e n 
Typus" (cfr. S. 258) haben zuerst Borrel und Haaland 2 ) be- 
schrieben. 

Diese Forscher fanden Metastasenablagerungen nicht nur in den 
Lungen, sondern auch in der Venacava,im Lumen des Herzens 
und auch im Pankreas. 

Nach den Beobachtungen von H. A p o 1 a n t 3 ) kommen nun Meta- 
stasen bei Spontantumoren bei weitem häufiger vor als bei den Impf- 
geschwülsten. 

Jensen 4 ) und Leonor Michaelis 5 ) haben unter 1200 Impf- 
geschwülsten niemals eine Metastasenbildung beobachtet. 

Es finden sich zwar, wie Michaelis hervorhebt, häufiger in 
einiger Entfernung von einem großen Impftumor kleinere, selbständige 
Geschwülste, die man aber nicht als Metastasen, sondern als 
gleichzeitige Entwicklung zweier Tumoren von zwei Impf- 
zentren ansehen muß. 

Auch F. W. Baeslack 6 ) hat bei zahlreichen Impfgeschwülsten 
nur in zwei Fällen Metastasen beobachtet. 

Ebenso hält auch noch in jüngster Zeit Friedrich Wilhelm 
Strauch, 7 ) der bei einer Maus, vier Wochen nach Entwicklung einer 
Impfgeschwulst, Metastasen am Mesenterium und Peritoneum hat auf- 
treten sehen, Metastasen bei Impfgeschwülsten für ein seltenes 
Ereignis. 

Katharine Freytag 7 ) bestätigte ebenfalls diese Ansicht. Bei 
134 unbehandelten Impfgeschwülsten wurden im Laufe von 
11 Monaten keine Metastasen beobachtet, unter 72 behandelten 
Impfgeschwülsten hingegen traten 9 mal Metastasen, hauptsächlich in 
der Lunge auf. 

Bei allen diesen Beobachtungen handelt es sich jedoch um 
makroskopisch wahrnehmbare Metastasen! 

Mikroskopische Metastasen kommen hingegen, besonders 
in den kleinen Arterienästen der Lunge, nach den Untersuchungen 
von M. Haaland, 8 ) recht häufig vor. 

Unter 23 Impfgeschwülsten hat dieser Forscher 14 mal — also 
in 60% — derartige Metastasen in der Lunge feststellen können. 

Man hat nun vielfach nach den Ursachen geforscht, weshalb 
bei Impfgeschwülsten so selten makroskopische Metastasen zu 
beobachten sind. 

E. Gierke 9 ) war der Ansicht, daß die Tiere eine zu kurze 



') 1. c. S. 329. 

2 ) Borrel et Haaland: Tumeurs de la souris (Comptes rend. de la Soc. de 
Biologie, 7. Jan. 1905). Haaland: Les tumeurs de la souris (Annales de l'Institut 
Pasteur, März 1905). 

3 ) l. c. S. 329. 

4 ) Zentr.-Bl. f. Bakteriologie, Bd. 34, S. 141. 

5 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 1. 

6 ) Deutsche med. Wochenschrift, 1905, Nr. 24. 

') Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. X, 1911, S. 159. 

8 ) Berliner klin. Wochenschrift, 1906, Nr. 34 und : I. Internationale Krebskonferenz, 
Heidelberg, Sept. 1906. 

9 ) Ziegler's Beiträge, Bd. 43, 1908, S. 328. 



Stellung- des Mäuse- und Kattenkrebses in der Onkologie. 333 

Zeit nach der Impfung leben, daß also zur Metastasenbildung 
die Zeit nicht ausreiche. 

Demgegenüber betonte jedoch Lubarsch, 1 ) daß Mäuse oft 
noch 9 — 12 Monate nach der Impfung lebten und doch keine Meta- 
stasen auftraten, während bei solchen, die nur 3—7 Monate lebten, 
Metastasen beobachtet worden sind, eine Erfahrung, die, wie wir 
vorhin erwähnten, auch K. Freytag gemacht hat. 

Auf eine andere Ursache für das seltene Vorkommen von makro- 
skopisch en Metastasen bei Impfgeschwülsten weist Carl 
L e w i n 2 ) hin. 

Die Metastasenbildung findet bei Mäusegeschwülsten 
auf dem Blutwege statt. Durch das Blut würden viele Krebs- 
zellen vernichtet und dadurch eine Metastasenablagerung verhindert. 

Wir haben bereits an einer früheren Stelle*) ausführlich erörtert, 
wie eine Metastasenbildung zustande kommt und verweisen auf unsere 
diesbezüglichen Ausführungen. 

Wir wollen an dieser Stelle nur auf die Untersuchungen von 
L u b a r s c h 3 ) und M. B. S c h m i d t 4 ) hinweisen, daß man, besonders bei 
Carcinomen der Unterleibsorgane, in den Lungenarterien häufig 
Krebsembolien findet, an die aber keine Metastasen sich 
anschließen, Embolien, die vielmehr in der Blutbahn zugrunde gehen 
oder ganz organisiert werden, wie dies auch E. Goldmann 5 ) 
beim Mäusekrebs gefunden hat. 

Vom Standpunkt der Theorie von der „Atrep tischen Immunität" **) 
glaubte P. Ehrlich 6 ) den Mangel der Metastasenbildung bei Impf- 
geschwülsten der Mäuse erklären zu können. 

Die verimpften Tumoren wachsen sehr schnell und verbrauchen 
den zu ihrer Entwicklung notwendigen „Stoff"' vollständig, wodurch 
eine Metastasenentwicklung unmöglich wird. 

Auch C ar 1 L e w i n 7 ) erkennt die Theorie von der ,, A t r e p t i s c h e n 
Immunität", die für die Immunitätslehre***) nicht ausreiche, 
für die Metastasenbildung bei Impfgeschwülsten der 
Mäuse an; denn bei geringer Virulenz des verimpften Tumors 
findet man Metastasenbildung, bei starker aber nicht. 

Welche Bedingungen nun erfüllt werden müssen, damit auch bei 
Impfgeschwülsten makroskopische Metastasen sich bilden 
können, hat in jüngster Zeit Adam Wrzosek 8 ) an 25 mit Spontan- 



*) Allgemeine Biologie und Pathologie (Jahreskurse für ärztliche Fortbildung, 
1910, H. I). 

2 ) Die bösartigen Geschwülste vom Standpunkt der experimentellen Geschwulst- 
forschung dargestellt. Leipzig, 1909. (Cfr. auch : Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912). 

*) Cfr. Bd. II, S. 376 ff. 

3 j Ergebnisse. Jahrg. I, 1895, Abt. II. S. 507 und: Zeitschrift f. Krebsforschung, 
Bd. V, 1907, S. 117. 

4 j Die Yerbreitungswege des Carcinoms und die Beziehungen generalisierter 
Sarkome zu den leukämischen Neubildungen, Jena, 1903 (8°. 91 8. mit 1 Tafel und 
1 Figur). 

•) Bruns' Beiträge, Bd. 18, S. 595. Internationale Krebskonferenz, Heidelberg, 
Sept. 1906. Studien zur Biologie der bösartigen Neubildungen. Tübingen, 1911. 
**) Cfr. Bd. II, S. 70 ff. 

e j Internationale Krebskonferenz, Heidelberg, Sept. 1906 und : Arbeiten aus dem 
königlichen Institut für experimentelle Therapie zu Frankfurt a. M., 1906, H. I. 

7 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dezember 1912. 
***) Cfr. Bd. II, S. 69 ff. 

B ) Zeitschrift f. Krebsforschung., Bd XI. 1912, S. 507. 



334 HI. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

tumoren behafteten Mäusen, von denen übrigens keine einzige 
makroskopische Metastasen aufwies, experimentell nachzuweisen 
versucht. 

Bei Ueberimpfung auf weiße Mäuse entstanden makro- 
skopische Metastasen nur dann, wenn die zur Impfung verwendete 
Geschwulst eine ausgesprochene Wachstumsenergie zeigte, wenn 
die Impfung ferner an einer Stelle des Versuchstieres erfolgte, die für 
eine rasche Entwicklung der Impfgeschwulst ungünstig w T ar, 
wie z. B. am Schwanz und schließlich, wenn das Versuchstier eine 
für Metastasenentwicklung individuelle Disposition besaß.*) 

Die Wichtigkeit dieser Bedingungen hat auch K. Ulesko- 
Stroganowa 1 ) bestätigen können. 

Der Grund für die verschiedenartigen Ergebnisse der Forscher in 
bezug auf die Entstehung von Metastasen bei Impfgeschwülsten ist, 
nach Ulesko-Stroganowa, der, daß die verschiedenen Forscher 
mit verschiedenen Gesch wulstty pen, die nicht alle gleich- 
wertig sind, gearbeitet haben. 

Eine besondere Kolle spielt die Gefäßentwicklung, die in 
den verschiedenen Geschwulstformen nicht gleich, für die Bildung 
von Metastasen aber von der größten Wichtigkeit ist. 

Ein Unterschied zwischen dem Mäuse- und Menschenkrebs 
besteht nun ferner in dem häufigeren Vorkommen von Spontan- 
resorption und Spontanheilung beim Mäusekrebs, während Spontan- 
heilungen beim Menschen doch, wie wir schon an einer früheren 
Stelle**) auseinandergesetzt haben, zu den seltensten Vorkommnissen 
gehören. 

Nach den Untersuchungen von H. A p o 1 a n t 2 ) kommen derartige 
Spon tanre Sorptionen hauptsächlich bei Im pfge seh Wülsten 
vor, während bei Sp ontantumoren ein derartiger Vorgang, ebenso 
wie beim Menschen, nur selten beobachtet wird. 

Daß Impfgeschwülste spontan resorbiert werden können, 
wird von vielen Forschern bestätigt. 

H. K. Gaylord und G. H. A. Clowes, 3 ) die unter 500 Impfungen 
300 positive Ergebnisse erhielten, beobachteten bei 23 °/ der erfolgreich 
geimpften Mäuse eine spontane Resorption der Impfgeschwulst. 

Auch nach den Beobachtungen von E. F. Bashford 4 ) kommen 
Heilungen von Spontantumoren bei Mäusen nur selten vor. 

Unter 1000 Mäusen mit Spontantumoren war nur bei einem 



*) Cfr. auch Bd. II, S. 72 ff. 

x ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. XII, 1913, S. 583. 
**) Cfr. Bd. II, S. 476 ff. (Cfr. auch Seng er: Verhandlungen der deutschen 
Gesellschaft f. Chirurgie, 1894, S. 171. R. P. Crosbie: Brit. med. Journ., 1899, 
Vol. I, p. 338 — Spontanheilung von Lippenkrebs. A. Pierce Gould: Clinical 
Society's Transact. Vol. 30. — Heilung von Achseidrüsenmetastasen bei Mammakrebs) 
Wir haben an der betreffenden Stelle viele Beispiele von Spontanheilungen beim 
Menschen angeführt, und wir werden noch gelegentlich auf dieses Problem zurück- 
kommen. 

2 ) 1. c. S. 329. Cfr. auch : Deutsche med. Wochenschrift, 1904, Nr. 13. 

8 ) Seventh Annual Beport of the work of the Cancer Laboratory of te New York 
State Depart. of Health for the Year 1905—1906. Albany 1907, p. 13, 49. Cfr. auch: 
Medical News, 18. Nov. 1905. 

4 ) Fourth Scientific Report on the Investigations of the Imperial Cancer Research 
Fund, London 1911, p. 51 und: Zweite Leyden -Vorlesung im Verein für innere 
Medizin zu Berlin, 21. Okt. 1912. 



Stellung" des Mäuse- und Rattenkrebses in der Onkologie. 335 

Prozent der Tiere ein derartiger Heilungsvorgang zu beobachten 
— also immerhin noch häufiger als beim Menschen. 

Wurden diese Geschwülste aber auf andere Tiere üb er impft, 
dann traten Spontanheilungen viel häufiger auf. 

Aufweiche Weise derartige Spontanheilungen beim Menschen 
zustande kommen, haben wir bereits früher ausführlich erörtert.*) Bei 
der Mäusegeschwulst wird der Heilungsvorgang, nach den 
Untersuchungen von Bashford, durch eine starke Sklerose des 
Bindegewebes mit hyaliner Degeneration eingeleitet. In 
der Peripherie des Tumors findet eine Ansammlung von Phago- 
cyten statt, die dann in den Tumor eindringen und die Krebszellen 
substituieren. 

Auf einen anderen Faktor bei dem Heilungsvorgang von Mäuse- 
geschwülsten machten in jüngster Zeit noch C. Neuberg, W. Caspar i 
und H. Lohe 1 ) aufmerksam. 

Bei ihren experimentellen Heilversuchen mit t um o raff inen 
Substanzen beobachteten diese Forscher zunächst eine Hyper- 
ämie der behandelten Mäusegeschwulst, dann traten streng lokale 
und isolierte Blutungen im Tumor auf. 

Diese Blutungen leiten nun bei der normalerweise schlecht 
vascularisierten Mäusegeschwulst die Heilung ein. 

Eine eigenartige Erscheinung beobachtet man noch bei den Impf- 
geschwülsten der Mäuse, nämlich den allmählichen Uebergang 
eines carcinomatösen Tumors in einen sarkomatösen nach Passage 
durch mehrere Versuchstiere. 

Wir haben diese experimentellen Untersuchungen schon früher 
ausführlich besprochen**) und verweisen auf unsere diesbezüglichen 
Ausführungen. 

Derartige Mischformen kommen aber, wie wir ausgeführt 
haben, auch beim Menschen vor, so daß in dieser Beziehung die 
Mäusegeschwulst keine Ausnahmestellung einnimmt. 

Vielfach wurde nun behauptet, daß die Mammacarcinome 
der Maus, die, wie wir gesehen haben (cfr. S. 260), doch die haupt- 
sächlichste, spontane Geschwulstart bei der Maus darstellen, in 
gar keinem Zusammenhange mit der Mamma der Maus stehen. 
Diese Ansichten vertraten z. B. v. Hanse mann,' 2 ) Deton 3 ) u. a. 

Wir haben bereits auf die Untersuchungen des letzteren 
Forschers hingewiesen (cfr. S. 259 ff.), der Primärtumoren auch in der 
Nähe der Mamma, in der Achsel, auf der Schulter und am Rücken 
bei der Maus gefunden hat, und der durch Serienschnitte von zwei 
jungen, in der Nähe einer Mamma entstandenen Geschwülsten den 
Beweis erbracht hat, daß diese Tumoren mit der Mamma nicht in 
Verbindung stehen. 



*) Cfr. Bd. II, S. 473 ff. 

J ) Berliner klin. Wochenschrift, 1912, Nr. 30 und: Deutsche med. Wochenschrift, 
1912, Nr. 8. (Wir kommen auf die experimentellen Untersuchungen dieser Forscher 
noch späterhin bei Besprechung der Therapie ausführlicher zurück.) 

**) Cfr. Bd. II, S. 72 ff. Cfr. auch L. Michaelis — Zeitschrift f. Krebsforschung, 
Bd. IV. 1906, S 1. 

2 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 

3 ) 1. c. S. 258. 



336 HL Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Nach Apolant 1 ) kann jedoch die Anwendung des Platten 
Verfahrens zur Entscheidung dieser Frage nicht als einwandfrei 
bezeichnet werden. Die von De ton untersuchten Tumoren waren 
noch jung. Nur die laktierende Mamma bildet ein in sich ge- 
schlossenes Organ, die nicht funktionierende Mamma be- 
steht aus zahlreichen, isoliert im Fett liegenden Gruppen 
von Acinis, die nur durch dünne Ausführungsgänge zu- 
sammenhängen. 

Das Vorkommen von Mäusegeschwülsten, von der Struktur der 
Mammacarcinome, an anderen Stellen erklärt sich aus den 
Untersuchungen von Murray, 2 ) der den Nachweis erbrachte, daß 
die Brustdrüsen bei der Maus, sowohl in der Schulter- wie in der 
Hüftregion, bis zur Mittellinie des Rückens reichen! 

Eines der wichtigsten Kennzeichen der Malignität einer Ge- 
schwulst — das infiltrative Wachstum — kommt bei den Spontan- 
tumoren der Maus nur selten vor, und auch dann wächst die Ge- 
schwulst in der Regel nur in geringem Grade in die Umgebung 
hinein. 

Apolant 1 ) gibt dies für die Spontantumoren zu, obwohl 
von einzelnen Forschern, wie z. B. von Henke, ) auch hin und wieder 
ein starkes, infiltratives Wachstum nicht nur in die Muskulatur, 
sondern auch in die Knochen beobachtet worden ist. 

Aber die Infiltration der Muskeln geht, wie C. Davidsohn 4 ) 
hervorhebt, bei der Mäusegeschw r ulst anders vor sich als 
beim Menschen. 

Bei der Mäusegeschwulst werden die Muskelbündel durch das 
Tumorgewebe auseinandergedrängt, ein Vorgang, den man 
nicht als „infiltratives Wachstum" bezeichnen kann. 

Nach den Untersuchungen von Carl Lewin 5 ) hängt jedoch das 
infiltrative Wachstum von der Umgebung der Geschwulst ab (cfr. 
auch S. 329). Wenn die Tumoren in einem sehr lockeren Binde- 
gewebe der Haut abgekapselt liegen, zeigen sie kein infiltra- 
tives Wachstum, in inneren Organen wachsen die Geschwülste 
auch infiltrativ. 

Bei Impftumoren hingegen kommt, nach den Beobachtungen 
von H. Apolant, 1 ) fast regelmäßig ein infiltratives Wachs- 
tum in die Muskeln vor. 

Aber auch bei Im pfgesch Wülsten ist das infiltrative Wachs- 
tum von anderen Untersuchern nur selten beobachtet worden. 

R. Lurje 6 ) fand unter 350 Impfgeschwülsten nur hin und wieder 
ein schwaches, infiltrierendes Wachstum in die Muskeln hinein, 
nur in einem Falle drang der Tumor bis nahe an die Niere heran. 
Zweimal beobachtete Lurje ein Vordringen der Geschwulst — per 
continuitatem — in die Lymphdrüsen der Leistenbeugen. 



1 ) 1. c. S. 329. 

2 ) The zoological Distribution of Cancer (Third Scientific Kep. of the Imperial 
Cancer Eesearch Fund, London 1908 und: Fourth Scientif. Kep., 1911, p. 114. Cfr. 
auch: L. Ascher, Ueber endemieartiges Auftreten von epithelialen Geschwülsten 
bei grauen Mäusen (Zeitschrift f. Krebsforschung. Bd. XI, 1912, S. 169). 

3 ) 1. c. S. 329. 

4 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 

5 ) Ibidem. 

°) Ueber Epithelialgeschwülste der Mäuse. I.-D. Petersburg 1911. 



Stellung des Mäuse- und Rattenkrebses in der Onkologie. 337 

Auch Pe troff 1 ) beobachtete unter 400 Impfgesch Wülsten nur 
15 mal ein Hineinwuchern in die Muskeln und nur ein einziges Mal 
ein Durchwachsen von Knochen der Wirbelsäule. 

Ebenso selten hat auch Ulesco-Stroganowa 2 )ein infiltrierendes 
Wachstum unter 200 Impfgeschwülsten gesehen, nur in einem 
einzigen Falle fand ein starkes, infiltrierendes Wachstum statt, 
welches zur Zerstörung und Vernichtung des Mutterbodens führte. 

Hingegen will Anitschkoff 3 ) häufiger ein infiltrierendes 
Wachstum von Impfgeschwülsten auch in die Knochen hinein be- 
obachtet haben. 

Die Frage nun, ob Impftumoren häufiger infiltrierend wachsen 
als Spontan tum oren wird in der jüngsten Zeit noch dadurch 
erschwert, daß, wie v. Hansem ann 4 ) hervorhebt, oft schon von 
Händlern bei Mäusen Impfgeschwülste künstlich erzeugt werden, 
die dann als Mäuse mit Spontantumoren verkauft werden. 

Auch die Technik der Impfung ist, wie Ulesco-Stroga- 
nowa 2 ) hervorhebt, von Einfluß auf das Wachstum der Geschwulst, 
wenn nämlich die Verimpfung des Geschwulstmaterials nicht in das 
lockere Unterhautzellgewebe erfolgt, sondern in die tiefer liegende 
Muskulatur und in die Organe. 

Daß die Spontantumoren der Maus sich auch biologisch 
von den Impftumoren unterscheiden, und daß der Mäusekrebs 
überhaupt biologisch sich anders verhält als der Menschenkrebs, 
wird durch die Immunisierungs versuche und durch die thera- 
peutische Beeinflussung nachgewiesen. 

Wir haben die experimentellen Versuche über die Immuni- 
sierung der Mäuse bereits früher*) ausführlich besprochen und 
wollen an dieser Stelle nur noch die jüngsten Beobachtungen von 
Bashford 5 ) anführen. 

Nach den Versuchen dieses Forschers lassen sich Mäuse mit 
Spontantumoren gegen Impftumoren ander er Individuen 
immunisieren, aber eine Verimpfung von Normal- oder Tumor- 
gewebe anderer Individuen ist nicht imstande, ein Tier mit Spontan- 
tumor gegen die Einimpfung seines körpereigenen Tumors zu 
schützen. 

Sämtliche Immunisierungsvorgänge sind machtlos 
gegen Spontantumoren, und im eigenen Wirtstier ist gegen 
diese Tumoren durch derartige Immunisierungsversuche nichts auszu- 
richten, sie schreiten immer weiter und produzieren Metastasen. 

Sogar in Tieren, die monatelang vollständig gegen Tumorüber- 
impfung geschützt gehalten worden sind, können sich Spontantumoren 
entwickeln, was, nach Bashford, in vollem Einklang mit der 
endogenen Entwicklung des Carcinoms steht. 

Derartige Versuchsergebnisse an Spontantumoren sind es 
auch, die Mißtrauen gegen alle angeblichen Heilungen von Tumoren 
durch Autolysate, Sera, Vaccinen usw. erwecken. 

*) Die Lehre von den Geschwülsten. Petersburg 1910. 

2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. XII, 1913, S. 592. 

3 ) 1. c. S. 329. 

4 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 
*) Cfr. Bd. II, S. 69 ff. 

5 j Zweite Leyden -Vorlesung im Verein für innere Medizin zu Berlin, 21. Okt. 
1912. (Cfr. auch: Deutsche med. Wochenschrift, 1913, S. 55.) 

Wolff, Die Lehre von der Krebskrankheit. III. 22 



338 III. Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

Hingegen gelingt wie C. L e w i n x ) nachgewiesen hat, die Immuni- 
sierung, ebenso wie die therapeutische Beeinflussung der 
Impfgeschwülste viel leichter. 

Durch Behandlung der Mäusegeschwülste mit der Milz von ge- 
impften Tieren konnte Lewin in 80% eine Beeinflussung erzielen, 
und durch aktive Immunisierung mit autolysiertem Tumor- 
material desselben Stammes erreichte er in 35% aller Fälle eine 
Heilung und bei 85% eine Besserung. 

Auch mittels anderer Mittel, besonders solcher aus Bakterien 
und deren Stoff Wechsel Produkten hergestellter Präparate, gelang, 
wie M. Beck 2 ) hervorhebt, die therapeutische Beeinflussung 
der Impfgeschwülste leicht. 

So benutzten z. B. Uhlenhuth, Händel und Steffen- 
hagen 3 ) gegen Rattentumoren die Pyocyanase, Beck eine 
Prodi giosuskultur und Bouillonkulturen des Staphylococcus 
mit gutem Erfolge gegen Mäusegeschwülste. 

Auch Schwermetalle, wie z. B. Eosin -Selen,*) Gold- 
salze**) usw. sind mit Erfolg gegen Impftumoren der Mäuse an- 
gewendet worden. 

Auf alle diese therapeutischen Versuche werden wir noch 
späterhin bei Besprechung der Therapie ausführlicher zurückkommen. 
Jedenfalls geht aus allen diesen Versuchen, wie auch F. Blumen- 
thal 4 ) betont, hervor, daß der Mäusekrebs, im Gegensatz 
zum Menschenkrebs, therapeutisch leicht zu beein- 
flussen ist, so daß er schon aus diesem Grunde mit dem 
Men schenkte bs nicht identifiziert werden kann! 

Wenn wir nun auf Grund der angeführten Tatsachen uns die 
Frage vorlegen, ob man den Tier krebsallgemein mit dem Menschen- 
krebs identifizieren kann, so werden wir dies für Warm- 
blüter im allgemeinen bejahen können , bei Kaltblütern 
und beim Mäusekrebs aber die Beantwortung dieser Frage noch 
offen lassen. 

Wir haben bei Kaltblütern Geschwülste kennen gelernt, die 
histologisch gutartig gebaut sind (cfr. S. 323), auch klinisch 
keine Zeichen von Malignität zeigen und doch ein infil- 
trierendes Wachstum aufweisen, und wir haben andererseits beim 
Mäusekrebs eine Geschwulst kennen gelernt, die histologisch 
zwar die Kennzeichen der Malignität hat, aber nur selten in- 
filtrativ wächst und Metastasen hervorruft (cfr. auch S. 259). 

Wir haben auch auf die klinische Gutartigkeit eines 
Hornkrebses der Vagina bei der Maus hingewiesen (cfr. S. 260). 

Sollen wir nun diese Mäusegeschwülste als gut- oder 
bösartig bezeichnen? 

Ulesco-Stroganowa 5 ) hält die zu Impfungen benutzte, 
spontane Primär gesch willst geradezu für gutartig, die 
allerdings durch wiederholte Uebertragungen auf verschiedene Indi- 

1 ) Berliner med. Gesellschaft, 18. Dez. 1912. 

2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. X, 1911, S. 149. 

3 ) Zeitschrift f. Immunität. Bd. VI, H. IV. 

*) Cfr. v. Wassermann, Berliner med. Gesellschaft, 20. Dez. 1911. 
**) Cfr. Carl Lewin, Berliner klin. Wochenschrift, 1913, Nr. 12. 

4 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. X, 1911, S. 134. 

5 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. XII, 1913, S. 592. 



Stellung des Mäuse- und Kattenkrebses in der Onkologie. 339 

viduen ihren Charakter verändern und aus einer verhältnismäßig gut- 
artigen in eine ungemein bösartige Geschwulst übergehen kann. 

Nach den Untersuchungen von Ludwig Ascher 1 ) liegt das 
Charakteristische der Mäusegeschwulst in der Entwicklung 
des Grades ihrer Malignität. 

Während man bei den menschlichen Mammatumoren im all- 
gemeinen eine ganz scharfe Grenze zwischen gutartigem 
Adenom und dem bösartigen Carcinom ziehen kann (cfr. auch 
S. 260), ist dies, nach Ascher, bei der Maus nur in den aller- 
seltensten Fällen möglich. 

Schon in diesen schwankenden Uebergängen von einem 
gut- in einen bösartigen Tumor liegt etwas Charakteristisches 
für den Mäusetumor. 

Weiterhin charakteristisch für die Mäusegeschwulst ist die eigen- 
tümliche Beschränkung ihrer Malignität, sowohl in bezug auf 
das infiltrative Wachstum, als auch in bezug auf die Meta- 
stasenbildung, die in keinem Falle den Grad erreicht, der ge- 
wöhnlich den menschlichen Brustkrebs auszeichnet. 

Auch die Eigentümlichkeit, nur ausnahmsweise auf dem L y m p h -, 
meist nur auf dem Blutwege zu metastasieren, stellt den Mäuse- 
krebs in einen gewissen Gegensatz zum Menschenkrebs. 

Man kann also, wie schon L. Michaelis 2 ) hervorhebt, die Mäuse- 
geschwülste w 7 eder als gut- noch als bösartig ansehen, sie stellen ein 
„Mittelding" vor und rechtfertigen ihre besondere Stellung in 
der Onkologie (cfr. auch S. 257). 

Auch in ätiologischer Beziehung unterscheidet sich der Tier- vom 
Menschenkrebs insofern, als Parasiten, insbesondere höhere 
Parasiten, bei der Entwicklung mancher malignen Neubildung beim 
Tiere eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen scheinen. 

Die merkwürdige Tatsache, daß Ueberimpfungen bisher nur 
bei Mäusen und Ratten geglückt sind, läßt bei der Eigen artig - 
keit dieser Geschwülste wohl an eine parasitäre Entstehung 
denken. 

Dieser Gedanke findet noch seine Bekräftigung in dem bei Tieren 
häufiger beobachteten, endemischen Vorkommen von malignen Ge- 
schwülsten. 

Wir erinnern nur an die endemischen Augengeschwülste 
bei Rindern (cfr. S. 248 ff.) und an den endemischen Schild- 
drüsenkrebs bei den Salmoniden (cfr. S. 294 ff). 

Ganz besonders häufig sind aber derartig endemisch auf- 
tretende Geschwülste bei Ratten und Mäusen beobachtet worden. 

Wir haben bereits auf die älteren Mitteilungen von Hanau, 
Borrel, Leo Loeb u. a. hingewiesen (cfr. S. 249 und 262), aber 
auch in der Neuzeit sind vielfach derartige Beobachtungen mitgeteilt 
worden. 

Wir haben schon das endemische Vorkommen von Schild- 
drüsenkrebs bei Ratten erwähnt, welches Gaj^lord bei Tieren, 

*) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. XI, 1912, S. 196. 
2 ) Zeitschrift f. Krebsforschung, Bd. IV, 1906, S. 1. 

22* 



340 HI- Der Tier- und sogenannte Pflanzenkrebs. 

die in einem infizierten Käfig sich aufhielten, beobachtet hatte (cfr. 
S. 262).*) 

Auch L. Michaelis, 1 ) v. Wasielewsky, 2 ) Ludwig 
Ascher 3 ) u. a. berichten über endemisches Auftreten von malignen 
Geschwülsten bei Mäusen, die aus derselben Zucht stammten, oder